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Persönlicher Nachruf auf John Wetton

1. Februar 2017
John Wetton - live in Olching, LK Fürstenfeldbruck 1997. Foto: Lange

John Wetton – live in Olching, LK Fürstenfeldbruck 1997. Foto: Lange

Schon wieder Krebs, schon wieder dieser schreckliche Krebs. Gestern verstarb wieder ein musikalisches Idol. John Wetton ist tot. Für mich hat eine große Stimme des Prog Rock die Bühne für immer verlassen.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass John Wetton immer dabei war, wenn es um diese Art von Musik ging. Wenn mir eine Band aus der Prog Rock Ära gefallen hat, dann war der Name John Wetton direkt oder indirekt damit verbunden. Meine Lieblingsbands mit ihm waren eindeutig King Crimson, Asia und auch UK.
John Wetton hatte einen gewissen Hang zum Kommerz, aber so eine Art von Kommerz, die mir wirklich gefallen hat. Die eingängigste Phase von Wetton bei King Crimson, war sicherlich die Red-Phase. Wetton rang Robert Fripp eingängige Melodien ab und mit Wetton schlug KC eine kommerziellere Richtung ein ohne je kommerziell zu sein. Die Box The Road to Red zeigt die Entstehung des legendären Red-Albums anhand verschiedener Konzerte. Ich liebe diese Aufnahmen.

Bei der Hitze des Augenblicks schmolz ich hinweg
Ich erinnere mich noch an den Beginn der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ich besuchte meinen örtlichen Schallplattenladen in Fürstenfeldbruck – den Sound in der Ledererstraße. Der Chef Rudi „Sound“ Hasmiller kannte meinen Geschmack und zeigte mir ein Album mit einer aggressiven Wasserschlange darauf. Die Band und das Album hießen schlicht Asia. Die Musik war der Hammer: The Heat of The Moment war der erste Hit von Asia und John Wetton war mit von der Partie. Jahr um Jahr kaufte ich mir die Asia-Platten, die allerdings ab dem dritten Album immer schwächer wurden.
Ich gebe Asia noch eine Chance. Im Februar 2017 erscheint ein Konzert von 2013, das zusammen mit einem bulgarischen Orchester aufgenommen wurde. Live in Bulgaria – Mein Gott, früher kamen Aufnahmen aus Budōkan, Madison Square Garden oder Royal Albert Hall – nun kommen eben Aufnahmen aus Bulgarien.

Keiner kannte UK
Und dann war noch UK. In einem Schallplattenladen in London fand ich Vinyl-Platten der Band, die ich nicht kannte. Dabei waren die Mitglieder von UK in der Szene berühmt: Wetton, Terry Buzzio (Zappa) und Eddie Jobson (Roxy Music). Ich kaufte die Alben und bereute es nicht. UK war allerdings bei uns nicht so bekannt, zumindest kannte ich kaum Leute, die die Band mochten. Meine Freunde standen zu der Zeit eher auf Punk und Electronic.

Mein gescheitertes Interview mit John Wetton
Einstmals hatte ich die Ehre, John Wetton in Person zu erleben und zu sprechen. Ich war damals Redakteur beim Münchner Merkur/Fürstenfeldbrucker Tagblatt und zusammen mit meinem Kollegen und absoluten Musikexperten Jörg Laumann besuchten wir das „Absolut-Festival“ in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck. Es war am 14. Juni 1997 und der Headliner des Tages waren BAP und die Spider Murphy Gang. John Wetton war auch mit von der Partie, spielte im Unterhemd seinen Bass und akustische Gitarre und widmete sich im Künstlerzelt einer jungen Dame und dem Alkohol. Für unsere Lokalzeitung hatte der britische Rocker kein großes Interesse und außer ein paar belanglosen Sätzen kam kein großes Interview heraus. Die junge, gut ausehende Dame habe ich übrigens Tage später am Geldautomat der örtlichen Sparkasse wieder getroffen. Sie erkannte mich und wir haben uns über John Wetton unterhalten. Die Infos sind privat. Ich staunte und schwieg. Ein Artikel über John Wetton im Merkur ist von mir nie erschienen.

Persönlicher Nachruf auf Hildegard Hamm-Brücher

9. Dezember 2016

Für mich ist mit dem Tod von Hildegard Hamm-Brücher ein liberales Gewissen der deutschen Nachkriegspolitik und eine großartige Politikerin von uns gegangen. Für mich stand Hildegard Hamm-Brücher für Fairness und Liberalität in der Politik. Sie wurde 95 Jahre alt.
Als es 1982 zum Misstrauensvoltum gegen den SPD-Kanzler Helmut Schmidt kam, wurde ich als Jugendlicher zum ersten Mal auf Hildegard Hamm-Brücher aufmerksam. Beim Abendessen diskutierte unsere Familie, ob es richtig war, dass die FDP ihr Wahlversprechen aufkündigt und eine Koalition mit Helmut Kohl einging. Wir schauten uns die Rede „Odium des verletzten demokratischen Anstands an“ – wir waren damals ein sehr politischer Haushalt. In der Schule diskutierte ich mit meinen Freunden weiter. Das Wesen und die Argumentation von Hildegard Hamm-Brücher faszinierte mich. Ihr Satz prägte sich mir ein: „Ich finde, dass beide dies nicht verdient haben, Helmut Schmidt, ohne Wählervotum gestürzt zu werden, und Sie, Helmut Kohl, ohne Wählervotum zur Kanzlerschaft zu gelangen.“
Viele Jahre später traf ich sie als ich junger Reporter des Fürstenfeldbrucker Tagblatts/Münchner Merkur war. Sie war Gast bei einem Neujahrsempfang der Kreis-FDP. Im Vorfeld ihrer Rede hatte ich die Gelegenheit für ein kleines Interview und einen Gedankenaustausch. Ich erzählte ihr von meinen Erlebnissen als Schüler und wie ich ihre Rede damals empfand. Sie hörte zu und gab mir den Rat, mich politisch zu engagieren. Dem Rat folgte ich nicht, ich blieb Journalist, ich aber auch ein politischer Mensch, der für die Demokratie einsteht. Sie erzählte mir damals, wie Theodor Heuss sie in die Politik brachte. Ich war als junger Reporter fasziniert von der Person. Vor mir stand jemand, der den ersten deutschen Bundespräsidenten kannte. Ihre Worte waren motivierend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Leider wurde sie nicht zur ersten Bundespräsidentin gewählt – ich hätte es ihr so gegönnt und sie wäre eine sehr, sehr gute Bundespräsidentin geworden. Nun, es wurde damals Roman Herzog, den ich auf für einen guten Präsidenten hielt.

Meine Erinnerungen an 100 Jahre Frank Sinatra

12. Dezember 2015

Heute wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Noch immer höre ich die Songs von Ol‘ Blue Eyes gerne und heute ganz besonders. Die große Zeit des Sängers habe ich nie mitbekommen, dazu bin ich einfach zu jung. Aber die Coolness seiner Musik hat mich immer beeindruckt. Frank Sinatra war der erste Pop-Star der Geschichte und ist bis heute ein Star für mich geblieben.

Auch Amazon gedenkt Frank Sinatra.

Auch Amazon gedenkt Frank Sinatra.

Vor einigen Jahren bemühte sich Robbie Williams und brachte ein paar Swing-Aufnahmen im Stile von Sinatra heraus. Stimmlich waren deutliche Unterschiede zu bemerken – wie kann man sich mit The Voice messen wollen? Aber Williams ist es zu verdanken, dass Sinatra bei einer jungen Generation nicht in Vergessenheit geraten ist.
Persönlich begleitet mich Sinatra heute noch durch mein Leben. Nicht zuletzt habe ich einen meiner beiden Wellensittiche nach Sinatra benannt, das Geburtstagskind im Himmel möge es mir verzeihen. Dein gefiederter Kollege Elvis ist übrigens seit langem verstorben, aber das ist eine andere Geschichte.
Leider habe ich Frank Sinatra nie live auf der Bühne gesehen. Aber ich bin ihn einmal begegnet. Es war am 29. April 1989. Frank Sinatra gab mit seinen Kollegen Liza Minnelli und Sammy Davis, Jr. in der Münchner Olympiahalle das Ultimate Event. Karten dafür habe ich keine mehr bekommen. Aber nachts flog Sintra mit (s)einer Gulfstream vom damaligen Militärflugplatz Fürstenfeldbruck zum nächsten Termin weiter. Ich war damals freier Mitarbeiter des Fürstenfeldbrucker Tagblatts, der Lokalausgabe des Münchner Merkurs. Da ich öfters als Militärberichterstatter in Fursty tätig war, schaute ich mir den Abflug von Sinatra an. Ein Kollege war zum Schreiben da, ich wollte nur neugierig schauen. Natürlich hoffte ich auf ein Autogramm des Stars, hatte ich extra eine Schallplatte zum Unterschreiben in meinem Gepäck dabei. Aber der ganz Bereich war militärisch abgeriegelt. Wir kamen nicht richtig heran. Sinatra und seine Entourage fuhren in einer Limo vor, stiegen aus und wurden vom damaligen Brigadegeneral mit militärischen Gruß empfangen. Sinatra nickte dem Militär zu und das war es. Unserer damaligen Fotografin Vera Flügel, später Vera Greif, gelang ein schönes Foto von Sinatra, wie er die Gangway hinaufstieg und den Brigadegeneral grüßte. Kein Blick für uns Lokalreporter und Fans. Innerhalb von Sekunden war der Termin vorbei. Heute fällt mir ein, dass Vera – sie ist heute eine extrem ambitionierte Filmemacherin – mir nie einen versprochenen Abzug des Fotos gegeben hat.

Frankie führt de Gang an. Foto: Taschen Verlag

Frankie führt de Gang an. Foto: Taschen Verlag

Auf jeden Fall wünsche ich Frank Sinatra alles Gute zum Geburtstag. Vielleicht gönne ich mir zur Feier des Tages vom Taschen-Verlag das neue Werk über Sinatra. Es ist Gay Taleses schillerndes Porträt über Frank Sinatra – es heißt Frank Sinatra Has a Cold. Es gilt als Glanzstück des „New Journalism“: Die 1966 erstmals veröffentlichte Reportage verbindet sorgfältige Recherche mit lebendiger Darstellung und erzählt dabei ebenso viel über Prominenz im Allgemeinen wie über Frank Sinatra selbst. In dieser Collector’s Edition erscheint Frank Sinatra Has a Cold im traditionellen Hochdruckverfahren, veredelt mit Fotos von Phil Stern, dem einzigen Fotografen, der über vier Jahrzehnte Zugang zu Sinatra hatte. Was ich online gesehen habe, fasziniert mich. Die Collector’s Edition erschien in einer Auflage von 5.000 nummerierten Exemplaren und ist signiert von Gay Talese.


Im Winter 1965 brach der Journalist Gay Talese im Auftrag der Zeitschrift Esquire nach Los Angeles auf, um ein umfangreiches Porträt von Frank Sinatra anzufertigen. Als er ankam, verhielten sich der Sänger und sein wachsames Gefolge abweisend: Sinatra hatte sich erkältet und wollte nicht interviewt werden. Unbeirrt blieb Talese in L.A., in der Hoffnung, Sinatra werde sich erholen und seine Meinung ändern. Er nutzte die Zeit, um den Star mit der nötigen Distanz zu beobachten und dessen Entourage, Freunde, Kollegen und Angehörige zu interviewen. Sinatra gewährte ihm nie das erhoffte Einzelinterview, doch Taleses Beharrlichkeit zahlte sich aus: Sein Porträt „Frank Sinatra Has a Cold“ ging als Glanzstück literarischer Non-Fiction und als Pionierleistung des „New Journalism“ in die Geschichte ein. Die prägnante Darstellung von Sinatra im Aufnahmestudio, bei Dreharbeiten, im Nachtleben und mit der titelgebenden Erkältung offenbart ebenso viel über diese einzigartige Starpersönlichkeit wie über die ganze Hollywood-Maschinerie.

Phil Stern schuf wunderbare Bilder von Sinatra. Foto: Taschen

Phil Stern schuf wunderbare Bilder von Sinatra. Foto: Taschen

Immer wieder überlege ich, was mir an dem Gesamtwerk von Frank Sinatra am besten gefällt. Es gibt die Klassiker, die über alles erhaben sind. Aber als Gesamtaufnahme der Coolness steht für mich The Rat Pack live at The Sands klar ganz oben auf meiner Lieblingsliste. Tagsüber drehte das Rattenpack den Film Frankie und seine Spießgesellen und nachts traten Sinatra und Dean Martin und Sammy Davis jr. im Nachtclub The Sands auf. Atmosphäre, Spontanität und Power kommen hier ideal herüber. Starke Aufnahme und klarer Tipp am heutigen Tag. Und ich schaue mir Frankie und seine Spießgesellen zur Feier des Tages an. Happy Birthday Frank Sinatra.

Aufnahme der Coolness. Rat Pack at the Sands

Aufnahme der Coolness. Rat Pack at the Sands

Buchtipp: Gestatten, dass ich sitzen bleibe von Udo Reiter

13. Juli 2015

Die Autobiografie des Journalisten Udo Reiter Gestatten, dass ich sitzen bleibe: Mein Leben hat mich nachdenklich gemacht. Eigentlich stieß ich auf das Buch Gestatten, dass ich sitzen bleibe: Mein Leben als ich die Autobiografie von Thomas Gottschlak Herbstblond las. Reiter war seit 1986 Hörfunkdirektor beim Bayerischen Rundfunk und hat die Karriere von Thomas Gottschlak am Rundfunkplatz 1 massiv vorangetrieben und unterstützt. Gottschlak kommt super weg in den Buch und genau, das wollte ich auch lesen. Ich erinnerte mich wieder, wie gerne ich die B3 Radioshow als Schüler bei meinen Hausaufgaben gehört habe. Wie mich Gottschalk und Jauch gefesselt haben, die Wortgefechte waren göttlich und warum ich keine Münchner Privatsender hören wollte. Aber es ist deutlich mehr zu finden in dem lesenswerten Buch.

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Dem Lindauer Udo Reiter begenete ich mehrmals in meinem Leben, hatte aber nicht groß Kontakt zu ihm. Ich war freier Mitarbeiter, Volontär und Redakteur beim Münchner Merkur, vor allem in der Lokalredaktion Fürstenfeldbruck. Udo Reiter wohnte in dem Dorf Rottbach und seine Frau war Lehrerin in Maisach, meinem heutigen Wohnort. Als Tageszeitungsmann wusste ich um seine Prominenz, zumal ich die Gemeinde Maisach redaktionell als Lokaljournalist zu betreuen hatte. Reiter war in meinem Hood. Aber Udo Reiter war privat dort und nicht als BR-Mann und damit kam er in meiner Berichterstattung nicht vor. Zwar sah ich ihn in seinem Rollstuhl bei dem einen oder anderen Dorffest, aber über ihn geschrieben habe ich nicht. Bei offiziellen Anlässen wie Medientage war er die große Nummer und ich ein kleines Licht.
Später habe ich ihn nochmals gesehen als er Professor in Mittweida war. Dort durfte ich zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach mehrere Lehraufträge absolvieren. Udo Reiter hielt Vorlesungen über Hörfunkjournalismus und war inzwischen Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks. Aber Hörfunk war als Printmann nie mein Bereich und so gab es an der Hochschule Mittweida kaum Berühungspunkte. Ich lauschte bei einem Medienforum in Mittweida einmal seinen Worten. Im nachhinein und vor allem als ich seine Autobiografie an zwei Tagen gelesen hatte, ärgere ich mich, denn Reiter hatte etwas zu sagen.
Hatte – ja hatte, denn Udo Reiter nahm sich am 9. Oktober 2014 in seinem Haus in Gottscheina bei Leipzig das Leben. Udo Reiter hatte sich erschossen. Wer sein Buch aufmerksam gelesen hat, dem wird es mit dem Wissen um seinen Selbstmord klar, was Reiter vorhatte. Er schreibt: „Aber wenn es nicht mehr geht, möchte ich nicht in einer Weise abtreten, die ich quälend ginde und die meiner bisherigen Lebensweise unwürdig ist.“ Das gab mir zu denken. Reiter weiter: „Dieses Recht auf eineb selbstbestimmten Tod ist das Gegenstück zum Recht auf ein sebstbestimmtes Leben. Ich finde es unerträglich, dass eine Allianz aus Politik, Kirche und Ärzteschaft uns dieses Recht immer noch vorenthalten will.“ Ich war bei der Lektüre über den angekündigten Selbstmord hin und her gerissen und auch zu keinem Schluss gekommen. Aber die Worte von Udo Reiter haben in meinem Kopf etwas bewegt.
Günther Jauch, den Reiter damals vom BR feuerte und später bereute, verlas später einen Abschiedsbrief und bringt mich zum Nachdenken über Sterbehilfe. Reiter schrieb in seinem Abschiedbrief: „Nach fast 50 Jahren im Rollstuhl haben meine körperlichen Kräfte in den letzten Monaten so rapide abgenommen, dass ich demnächst mit dem völligen Verlust meiner bisherigen Selbstständigkeit rechnen muss. Vor allem die Fähigkeit, aus eigener Kraft die Toilette zu benutzen und das Bett zu erreichen, und wieder zu verlassen, schwindet zunehmend. Parallel dazu beobachte ich auch ein Nachlassen meiner geistigen Fähigkeiten, das wohl kürzer oder später in einer Demenz enden wird. Ich habe mehrfach erklärt, dass ein solcher Zustand nicht meinem Bild von mir selbst entspricht und dass ich nach einem trotz Rollstuhl selbstbestimmten Leben nicht als ein von Anderen abhängiger Pflegefall enden möchte. Aus diesem Grund werde ich meinem Leben jetzt selbst ein Ende setzen. Ich haben vielen zu danken, die meinen Weg begleitet und meinem Leben Freude und Sinn gegeben haben.“
Aber zurück zu seiner wirklich lesenswerten Autobiografie. Wir erfahren viel vom Aufwachsen des Arbeiterkindes Udo Reiter in Lindau und seinem Weg zum BR und später zum MDR. Mich interessierte die Strömungen beim Bayerischen Rundfunk. Ich habe miterlebt, wie Reiter die Service-Welle B5 aktuell ins Leben rief. Im Grunde kupferte er diese Idee des Nachrichtenradios in Frankreich bei France Info ab. Noch heute höre ich B5 aktuell morgens beim Rasieren und informiere mich über die Nachrichtenlage.
Die Skandale um den MDR und vor allem KiKa interessierten mich weniger als vielmehr die Herausforderung der Digitalisierung. Wie kam ein alter Haudegen wie Reiter mit dem Medienwandel klar? Reiter setzte auf Trimedialität, was heute ein Zauberwort im BR ist und leider nicht von allen BR-Mitarbeitern gelebt wird. Reiter selbst habe ich über Twitter kennengelernt. Ich war sein Follower, er folgte mir nicht. Streitbar war er in Twitter, teilte aus und bekam einmal einen fetten Shitstorm ab, als er zur Deutschen Einheit twitterte: „einheitstag 2030: bundespräsident mohammed mustafa ruft die muslime auf, die rechte der deutschen Minderheit zu wahren.“ Das war es dann mit Udo Reiter bei Twitter. Er legte seinen Account still.

Mit diesem Tweet erntete Reiter einen Shitstorm und verschwand aus Twitter.

Mit diesem Tweet erntete Reiter einen Shitstorm und verschwand aus Twitter.

Mir hat das Buch Gestatten, dass ich sitzen bleibe: Mein Leben auf der einen Seite sehr viel Spaß beim Lesen bereitet, auf der anderen Seite hat es mich sehr nachdenklich zum Thema Sterbehilfe und Freitod gemacht. Entscheidet selbst!

Silke Wettach – Arbeit als EU-Korrespondentin

6. Januar 2014
Ein nettes Interview mit einer alten Kollegin: Silke Wettach von der WiWo.

Ein nettes Interview mit einer alten Kollegin: Silke Wettach von der WiWo.

Dieses Jahr finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Das ist wichtig. Daher traf ich mich mit einer Kennerin der europäischen Szene, In einem Cafe in München plauderte ich mit Silke Wettach, EU-Korrespondentin der WirtschaftsWoche über ihre Arbeit.

Silke und ich verbindet eine gemeinsame Zeit in einer Lokalredaktion des Münchner Merkurs. Dort absolvierten wir beide unsere Ausbildung zum Redakteur. Anschließend trennten sich unsere Wege, dennoch hielten wir über die Jahre losen Kontakt. Bei ihrem Besuch in München drehte ich ein kleines Interview über ihre Arbeit.

Journalismus habe sich verändert. Für ein Magazin wie die WirtschaftsWoche ist klassischer Terminjournalismus eher Nebensache. Bis das Heft an den Kiosk kommt, sind die News längst über Agenturen gelaufen. Daher müssen die Geschichten aus Brüssel exklusiv und außergewöhnlich sein. Genau dies ist die Herausforderung: Im europäischen Dschungel die guten Geschichten zu finden, die ankommen und vermittelbar sind. Dabei muss Silke Wettach als EU-Korrespondentin ihre Kontakte pflegen. In Hintergrundgesprächen mit Kommissaren, Abgeordneten, Beamten und Lobbyisten bekommt sie den Stoff für ihre Geschichten. Daneben wird sie immer wieder als Moderatorin für Diskussionsrunden engagiert. Für mich war es einmal eine Überraschung, als ich den PresseClub in der ARD anschaltete und meine ehemalige Kollegin erblickte. Irgendwie war ich schon stolz, dass ich sie kannte und sie den anwesenden Herren mit ihrem reichhaltigen Faktenwissen deutlich Paroli bot.

Ich habe auch einen Auftritt von ihr bei der Deutschen Welle gefunden, in dem sie im fließenden Spanisch sich der Diskussion stellt. Also, ein Sprachentalent zu sein, wäre auch von Vorteil, wenn man als Korrespondent arbeitet. Silke Wettach spricht unter anderem fließend Englisch, Französisch, Spanisch, ach ja und natürlich Deutsch. Also ideal für einen EU-Korrespondenten.

Hier habe ich den offiziellen Lebenslauf von der WiWo-Seite: Silke Wettach berichtet seit 2002 als EU-Korrespondentin für die WirtschaftsWoche aus Brüssel. Aufgewachsen in Deutschland, Griechenland und Irland hat die Halbösterreicherin schon früh erfahren, dass Europa laut, bunt und widersprüchlich ist. Nach dem Volkswirtschaftsstudium am Trinity College Dublin und an der Université Catholique de Louvain (Belgien) entschied sie sich für den genauen Blick auf Politik im Kleinen und volontierte in der Redaktion Fürstenfeldbruck des Münchner Merkur. Das Nachrichtengeschäft lernte sie im Anschluss als Redakteurin bei der Nachrichtenagentur vwd. Während ihrer Zeit in der Düsseldorfer Zentralredaktion der WirtschaftsWoche wurde sie mit dem Nachwuchspreis der Ludwig-Erhard-Stiftung ausgezeichnet. 2000 verbrachte sie zwei Monate als Stipendiatin des Internationalen Journalisten Programms bei der mexikanischen Tageszeitung El Financiero.

Buchtipp: Päpste: Seit Anbeginn der Fotografie von Helge Sobik

4. Januar 2014

Papst1

Wie macht man von einem Papst ein Foto? Nun ja, ich hatte noch nie die Gelegenheit von einem Papst ein Foto zu machen. Aber interessieren würde es mich. Die Frage ist also: Wie macht man von einem Papst ein Foto?

Mittlerweile kenne ich doch einige Fotografen und jeder arbeitet anders. Zu Beginn meiner Journalistenkarriere gab es einen Fotografen beim Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur namens Franz Schmotz. Ja, er war ein sehr gemütlicher Typ dessen Standardspruch war: Stellt euch zusammen, ich hab keine Zeit! So eine Ansage dürfte beim Papstfoto sicherlich nicht funktionieren. Also bleibt die Frage: Wie macht man von einem Papst ein Foto?

Papst2

Ich habe mal in einem Video gesehen, wie das Buchcover für das Steve Jobs Buch von  Walter Isaacson fotografiert wurde. Jobs kam in den vorbereiteten Raum, stellte sich auf und klick klick klick und innerhalb von 30 Sekunden war die Fotosession vorüber. Gut, Steve Jobs war ein Medienmensch. Er wusste, wie er posieren musste. Ein Papst steht heute auch in den Medien. Doch hat ein Papst ein Medientraining absolviert? Weiß der Papst, wie er blicken muss, um eine Wirkung zu erzielen?

Aus diesem Grunde habe ich mir das Buch Päpste: Seit Anbeginn der Fotografie von Helge Sobik als Inspiration gekauft. In die Verlegenheit, einen Papst zu fotografieren, komme ich wohl eher nicht. Aber warten wir es ab. Das Buch zeigt, wie Päpste mit dem Medium Fotografie im Laufe der Zeit umgegangen sind. Das Buch enthält wunderbare Schnappschüsse von Päpsten. Das Buch zeigt auch, wie die Päpste von ihrer Zeit gesehen werden. Der eine war am Menschen interessiert, der andere mehr an der Theologie.

Ganz klar war Johannes Paul II. ein absoluter Medienpapst. Er wusste um seine Wirkung und setzte seine Person, seine Herkunft und seine gesamte Erscheinung medienwirksam ein. Er hatte sicherlich gute Berater, aber war von seinem Naturell ein Medienprofi. Sein Nachfolger Benedikt XVI, der intellektuelle Professor, war ein ganz anderer Medienmensch. Vielleicht litt er unter dem Kommunikationssystem innerhalb des Vatikans. Aber für mich hat Benedikt seine Sache sehr gut gemacht. Nicht zuletzt machte Benedikt die roten Schuhe populär, die ich auch selbst so liebe. Also Fotofreunde, schaut mal in das Buch Päpste: Seit Anbeginn der Fotografie.

Nachruf: Meine Begegnung mit Alvin Lee

6. März 2013

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Er sagte die legendären Sätze „I’m going home – by helicopter.“ Und dann brach das Blues-Inferno los. Diese harte Blues war sicher einer der Gründe, weshalb ich zur Gitarre gegriffen habe. Und ist es Zeit, die alte Klampfe wieder hervorzuholen, denn Alvin Lee ist tot.

Alvin Lee war der Frontmann von Ten Years After und er starb für mich überraschend im Alter von 68 Jahren. Er starb an einem chirurgischen Routineeingriff. Den ersten Kontakt mit ihm hatte ich eben mit Going Home vom Woodstock-Festival. Knappe 10 Minuten Blues pur, das haute mich vom Hocker. Erst auf der Doppel-LP des Woodstock-Festivals, später im Kino beim Woodstock-Film. Leider ist er auf dem neuesten Woodstock-Sampler nicht dabei. Jahre später traf ich den Künstler privat. Als ich für das Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur als Reporter unterwegs war, traf ich Mitte der 1990 Jahre Alvin Lee beim Rolling Thunder Festival in Moorenweis. Neben der Kläranlage bei einem Kuhdorf im Landkreis Fürstenfeldbruck fand ein Biker-Treffen statt: Ein bisschen Sex, Drugs & Rock’n Roll in der bayerischen Provinz. Eric Burdon trat später dort einmal auf, aber Alvin Lee war einer der ersten Stars. In Woodstock spielte er vor 500.000 Leuten, im Moorenweis waren es vielleicht 200. Aber die Stimmung war gut. Hinter der Bühne traf ich auf einen Aufschneider, der wusste, was er auf der Gitarre kann. Er spielte weiterhin seine Gibson ES-335 mit dem Peace-Zeichen. Die Gitarrenläufe waren der Hammer, er war ein Zauberer. Aber Alvin Lee kam sympathisch herüber. Er liebte das bayerische Bier, trank auch mehr als ein halbes Glas. Wenn ich ehrlich bin, war er aber mehr an der Reporterin der Konkurrenzzeitung interessiert als an den Fragen eines Nachwuchsreporters. Dennoch bekam ich meine Antworten, ein Autogramm und ein paar Fotos und einen Woodstock-Star zum Anfassen. Lieber Alvin Lee: Spiel mit Hendrix ein Duett, rock die himmlische Hütte und zeig Petrus was Bluesrock wirklich bedeutet.