Posts Tagged ‘Helmut Kohl’

Persönlicher Nachruf auf Hildegard Hamm-Brücher

9. Dezember 2016

Für mich ist mit dem Tod von Hildegard Hamm-Brücher ein liberales Gewissen der deutschen Nachkriegspolitik und eine großartige Politikerin von uns gegangen. Für mich stand Hildegard Hamm-Brücher für Fairness und Liberalität in der Politik. Sie wurde 95 Jahre alt.
Als es 1982 zum Misstrauensvoltum gegen den SPD-Kanzler Helmut Schmidt kam, wurde ich als Jugendlicher zum ersten Mal auf Hildegard Hamm-Brücher aufmerksam. Beim Abendessen diskutierte unsere Familie, ob es richtig war, dass die FDP ihr Wahlversprechen aufkündigt und eine Koalition mit Helmut Kohl einging. Wir schauten uns die Rede „Odium des verletzten demokratischen Anstands an“ – wir waren damals ein sehr politischer Haushalt. In der Schule diskutierte ich mit meinen Freunden weiter. Das Wesen und die Argumentation von Hildegard Hamm-Brücher faszinierte mich. Ihr Satz prägte sich mir ein: „Ich finde, dass beide dies nicht verdient haben, Helmut Schmidt, ohne Wählervotum gestürzt zu werden, und Sie, Helmut Kohl, ohne Wählervotum zur Kanzlerschaft zu gelangen.“
Viele Jahre später traf ich sie als ich junger Reporter des Fürstenfeldbrucker Tagblatts/Münchner Merkur war. Sie war Gast bei einem Neujahrsempfang der Kreis-FDP. Im Vorfeld ihrer Rede hatte ich die Gelegenheit für ein kleines Interview und einen Gedankenaustausch. Ich erzählte ihr von meinen Erlebnissen als Schüler und wie ich ihre Rede damals empfand. Sie hörte zu und gab mir den Rat, mich politisch zu engagieren. Dem Rat folgte ich nicht, ich blieb Journalist, ich aber auch ein politischer Mensch, der für die Demokratie einsteht. Sie erzählte mir damals, wie Theodor Heuss sie in die Politik brachte. Ich war als junger Reporter fasziniert von der Person. Vor mir stand jemand, der den ersten deutschen Bundespräsidenten kannte. Ihre Worte waren motivierend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Leider wurde sie nicht zur ersten Bundespräsidentin gewählt – ich hätte es ihr so gegönnt und sie wäre eine sehr, sehr gute Bundespräsidentin geworden. Nun, es wurde damals Roman Herzog, den ich auf für einen guten Präsidenten hielt.

Neue Bänder von Richard Nixon

13. Januar 2009

nixon

Nach wie vor interessiert mich das Phänomen Richard Nixon. Er ist wohl aufgrund der Watergate-Affäre der ungeliebteste Präsident der USA. Ich war als Kind zu jung, um die Sache zu verfolgen, doch ich habe später alle Bücher und Filme rund um Watergate verschlungen. Vor kurzem verstarb ja auch Deep Throat, die geheime Quelle in der US-Regierung. Darüber bloggte ich bereits.

Neben Deep Troat wurden Richard Nixon vor allem die Bänder zum Verhängnis. Er ließ Überwachungsanlagen im Oval Office einbauen und alle Gespräche auf Band mitschneiden. Es gab belastendes Material und einiges davon ist wohl für immer verschwunden, einiges taucht Zug zum Zug auf.

Ich erinnere mich an eine Karikatur. Es war zu der Zeit als Bundeskanzler Kohl den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow mit Goebbels verglich. Sehr blöde der Vergleich, noch blöder als Kohl die ganze Sache abstritt. Ganz blöde als ein Tonband bei Newsweek auftauchte auf dem der Vergleich zu hören war. Das Zitat war: „Das ist ein moderner kommunistischer Führer, der war nie in Kalifornien, nie in Hollywood, aber der versteht etwas von PR. Der Goebbels verstand auch etwas von PR. Man muss doch die Dinge auf den Punkt bringen!“ Zurück zur Karikatur: Also die Karikatur zeigte Nixon im Telefongespräch mit Kohl und Nixon sagte: „Frist, destroy the tapes.“

Jetzt habe ich auf einer Website interessantes Material gefunden, das Nixon im noch schlechteren Licht erscheinen lässt. Die Nixon-Bibliothek in Kalifornien, hat 200 Stunden bislang unbekannter Aufnahmen von den geheimen Bändern veröffentlicht. Zu finden sind die auf der Website nixontapes.org, die sich der Aufarbeitung der Nixon-Ära verschrieben hat. Die neuen Veröffentlichungen drehen sich um den Vietnam-Krieg und zeigen, dass Nixon ein Hardliner war. Am 14. Dezember 1972 sprach Nixon mit dem Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger und seinem Berater Alexander Haig über den Kriegfeind Nordvietnam. Auf den Bändern, die als mp3 auf der Website vorliegen, ist von Nixon zu hören: „Wir werden sie bombardieren. Über Weihnachten wird so richtig was los sein, und am 3. Januar kommt dann der Weihnachtsrückzug.“ Und die stärksten Bombardierungen des Vietnam-Krieges begannen.

Nixon war kein Freund des politischen Establishments. Er schnauzte den Intellektuellen Kissinger an: „Die Presse ist der Feind. Das Establishment ist der Feind. Die Professoren sind der Feind.“ Dann wiederholte er: „Die Professoren sind der Feind. Schreib das Hundert Mal auf eine Tafel und vergiss es niemals.“ Mein Gott, war der Typ krank.