Umdenken und Improvisation in der Gastronomie

Bei einigen ist es wohl noch nicht angekommen, dass im Service- und Gastronomiebereich ein gravierender Personalmangel herrscht. Für uns als Gast bedeutet dies, wir müssen unser Verhalten ändern und unsere Erwartungen anpassen. Die glorreichen Zeiten sind vorbei. Im Bereich Dienstleistung müssen wir uns mit den Tatsachen abfinden, dass hinten und vorne Personal fehlt. Corona war dabei ein Brandbeschleuniger. Gründe gibt es viele. Viele Kräfte aus dem Gasto-Umfeld haben sich neue Jobs gesucht und der Gastronomie und damit uns Kunden den Rücken zugekehrt.

Der Bürgermeister greift ein und improvisiert.

Ein bisschen mehr Demut ist also angesagt, wenn man im Gasthaus Platz nimmt und nicht alles klappt. Manche neue Kräfte sind komplette Quereinsteiger, manche sehen es nur als Job und nicht als Berufung. Die Gastronomen müssen mit dieser Krise genauso fertig werden, wie wir als Gäste. Neue Ideen braucht die Branche und wir brauchen Gelassenheit. Ich habe Beispiele gesehen, wo mehr auf Selbstbedienung gesetzt wird. Eine Gastwirtschaft setzt auf einen Kellner-Roboter, damit die Wege für den Service verkürzt werden.

Bei uns im Dorf ist gerade Volksfest – die Maisacher Festwoche. Ich habe darüber gebloggt. Das Festzelt ist dabei das Zentrum. Nach zwei Jahren Corona wollen die Menschen zusammenkommen und feiern.

Und die Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck lädt auf Steuergelder alle Senioren der Gemeinde ab 70. Jahre auf ein Hendl und eine Maß Bier ein. Unkostenbeitrag 2 Euro. Das bedeutet einen finanziellen Aufwand für die Gemeinde, denn Huhn und Bier fallen nicht vom Himmel. Und viele der Senioren der Gemeinde nahmen die Einladung gerne an. Ein Mittagessen fast geschenkt und was viel wichtiger ist, man kommt unter Leute und kommt ins Gespräch.

Das klingt alles sehr schön, wenn da nicht diese Personalsituation wäre. Der neue Festwirt bei uns im Dorf kann ein Lied von der Personalknappheit singen. Angeheuerte Kräfte sind gar nicht erst zum Dienst erschienen – aus welchen Gründen auch immer: Corona, keine Lust, mangelndes Verantwortungsbewusstein. Mit dem wenigen Personal, darunter viele Neulinge, muss das Bierzelt am Laufen gehalten werden. Und das ist ein Knochenjob und ich bin dankbar, dass sich das vorhandene Personal den A… für mich aufreißt. Die Festwoche hätte ja auch ausfallen können.

Hendl to go

Und viele Senioren hatten absolutes Verständnis für die Situation. Aber der eine oder andere machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und maulte aufgrund der langen Wartezeiten. Teilweise wurden manche richtig zornig, was zur Lösung der Situation nicht gerade beiträgt. Ich selbst hatte an der SB-Theke 14 Minuten für das Hendl für meine Mutter gewartet, die aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht zum Volksfest gehen kann. Ich habe keine Bedienung gesehen, die sich einen faulen Lenz machte, sondern alle haben geschuftet, so gut sie es eben konnten. Das verdient meinen Respekt.

Geduld ist angesagt bei der Hendlausgabe.

Natürlich gibt es Optimierungsbedarf: Leergänge in der Gastro gehen überhaupt nicht, arbeiten ohne Schlitten auch nicht. Als Schlitten wird in der Gastronomie übrigens ein rechteckiges Holztablett bezeichnet. Es hat eine rutschfeste Beschichtung und die Hendl bleiben auf dem Brett.

Ich habe gesehen, dass Bürgermeister Hans Seidl eingriff und zum Ausschank ging, sechs Maßkrüge samt Maisacher Bier stemmte und sie zu den Senioren der Gemeinde brachte. Improvisation ist eben gefragt.

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Eine Antwort to “Umdenken und Improvisation in der Gastronomie”

  1. Maria Schmid Says:

    Auch gestern im ausverkauften Bierzelt,
    wieder Bewirtungsprobleme. Die Bedienungskräfte geteilt für Getränke andere für Essen zuständig. Nach 90 Minuten hat sich die Bedienung für Essen immer noch nicht blicken lassen. Auf den Versuch hin direkt an der Theke an ein Essen zu kommen, wurden die Leute mit dem Wortlaut “ Ihr habt hier nichts verloren …“ weg gescheucht. Draussen vor dem Wurst- und Kartoffelstand eine grosse Warteschlange. Davon ausgehend, dass man es bis zum Programmbeginn nicht rechtzeitig ins Zelt schafft, wieder zurück. Es gibt ja noch die Pause . Da wurde mitgeteilt, dass keine Essensbewirtung erfolgt. Also nochmal raus zum Würstlstand. Da gab es jetzt keine Semmeln mehr. Vom Zelt hat der Standlbesitzer keine bekommen, so hat er über die in der Nähe liegende Jettankstelle improvisieren müssen, um an Semneln zu gelangen. Auch am Seniorennachmittag musste ich das Hendl für eine betagte Dame heim holen . Die konnte das grobfasrige Fleisch nicht kauen. Das Hendl ohne Haut, aber durchgebraten!. Schlauerweise war es bei der Abnahme schon in Alufolie verpackt. Sowas hätte ich nicht mitgenommen. Fazit: Wenn man zur
    Maisacher Festwoche gehen will, unbedingt zu Hause vorher zu Abend gegessen zu haben. Was auffällt, die anscheinend kurzfristig angeheuerten Hilfskräfte, mit denen ich in der kurzen Zeit zu tun hatte, sind sehr höflich und freundlich. Anregung:
    Theke im Zelt aufbauen, an der sich die Leute selber anstellen und was kaufen können. So bleibt das Geld auch im Zelt .

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