Posts Tagged ‘Taschen Verlag’

William Turner – Meister des Lichts

17. Juli 2018

Bei einem Flug von New York nach München – also ein Flug über das große Wasser – schaute ich mir am iPad einen Film über den Maler William Turner an. Der Spielfilm Mr. Turner – Meister des Lichts über den exzentrischen Eigenbrötler hat mir sehr gut gefallen und so beschäftigte ich mich ein wenig mehr mit diesem Künstler. 

Blick von der National Gallery auf Nelson

Blick von der National Gallery auf Nelson

In Londons Tate und National Gallery hängen unter anderem seine Bilder und er gilt als Wegbereiter der Moderne mit seinem Landschaftsbildern. Bei all seinen Bildern von Landschaften haben mich aber seine Seebilder am meisten beeindruckt. Ein britischer Künstler setzt das Meer in Szene – mit gewaltigen Emotionen. Und obwohl sich die britische Insel leider von Europa immer mehr entfernt – ist es für mich ein  Beitrag zur Blogparade meiner Bloggerclub-Kollegin Tanja Prakse. Sie betreut die Blogparade „Europa und das Meer – was bedeutet dir das Meer | #DHMMeer“ des Deutschen Historischen Museums Berlin.

The Fighting Temeraire tugged to her last Berth to be broke

The Fighting Temeraire tugged to her last Berth to be broke

Ich begegnet der Faszination Turner und Meer später wieder in dem James Bond Film Skyfall, als Bond mit seinem Quartiermeister Q über Vergänglichkeit und Moderne spricht und beide dabei das wichtige Turner-Bild The Fighting Temeraire tugged to her last Berth to be broke ansehen. Das Bild von 1839 hängt in der National Gallery und symbolisiert für mich Vergänglichkeit. Das einst so wichtige Schiff Temeraire, das die Schlacht von Trafalgar von Lord Nelson entschied, wird vom einem Dampfschiff zum Abwracken geschleppt. Und da war wieder der Turner-Film. Hier wird behauptet, dass der als Augenzeuge von dieser Szene war und so das Bild malt.

Es wurde also Zeit, sich intensiver mit Turner und dem Meer zu befassen. Nach dem Internet griff ich auf die bewährten Kunstbücher des Taschen-Verlages zurück. Taschen, mein Lieblingsverlag und Groschengrab, hat neben opulenten Bildbänden auch preiswerte Kunstbücher zu bieten, darunter ist auch eines über Turner, dem Meister des Lichts. Turner wandelte das Wesen der Landschaftsmalerei von ruhigen, kontemplativen Szenen zu lebensfrohen Bildern, aus denen die Sonne selbst zu strahlen scheint. „Ich malte nicht, um verstanden zu werden, sondern um eine solche Szenerie zu zeigen,“ sagte Turner selbst. Das Buch mit seinen Bildern mit den gleißenden Farben der Natur, der Landschaften und des Meers fesselte mich derart, dass ich total versunken in die Bilder bin. Die Lichtstimmungen und Farbwirkungen sind enorm – und am meisten haben mich seine See- und Meeresbilder in Gelb und Ocker gepackt. Viele von ihnen hat er an der Küstenstadt Margate gemalt.

Taschen hat ein preiswertes Buch zu Turner herausgebracht.

Taschen hat ein preiswertes Buch zu Turner herausgebracht.

Natürlich hatte Turner ein Rad ab. Er fesselte sich beispielsweise an einen Schiffsmasten während eines Sturms, um die Naturgewalten am eigenen Leib zu erleben und es dann auf seine Bilder umzusetzen. Es heißt auch, dass er während eines Orkans im Ausguck eines Seglers festgebunden lass. Diese Dramaturgie der Selbsterfahrung drückt er durch Farben ab. Diese Farben habe ich noch nie zuvor gesehen. Seine schnelle Maltechnik galt als außergewöhnlich, dazu sein Spucken auf die Leinwand und bestimmte streng gehütete Malfarben. Das Meer ist in Bewegung und Turner schaffte es, diese schnelle Bewegung und Geschwindigkeit in seinen Bildern einzufangen. 

Turner hat den Weg bereitet für eine neue europäische Malerei und wer in London weilt, musst sich diese Meeresbilder in der Tate oder National Gallery ansehen. Es ist ein Muss. 

Lohnenswerte Investition: Ferrari-Buch von Taschen – eine Augenweide

16. Mai 2018
Das Buch. Foto: Taschen

Das Buch. Foto: Taschen

Ich hab so ein Glück, dass ich absolut kein Ferrari-Fan bin. Und damit muss sich nicht mindestens 5000 Euro für eine absolute Augenweide ausgeben und mir das Buch Ferrari-Edition von meinem Lieblingsverlag Taschen kaufen. Vielen Dank Taschen, dass du kein Buch über den Ford Mustang herausgebracht hast, sonst müsste ich Geld locker machen. Aber das neue Ferrari-Buch von Taschen lässt mich kalt, obwohl es wirklich der Hammer ist. 

Dabei sind die handgefertigte, ledergebundene und handvernähte Collector’s Edition eine absolute Augenweide und ein optischer Leckerbissen für Designfans und PS-Freunde. Das neue Buch aus dem Verlag steckt in einer eigens von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, die einem Ferrari-V12-Motor nachempfunden wurde. Sie ist auf 1.947 Exemplare limitiert, die jeweils von Piero Ferrari signiert und nummeriert wurden. Dieser voluminöse Band, der in enger Zusammenarbeit mit Ferrari erstellt wurde, zeigt exklusives und bislang unveröffentlichtes Material aus den Ferrari-Archiven und privaten Sammlungen aus aller Welt. Und was ich von dem Buch gesehen habe, ist der absolute Hammer und Fans des Automobils können sich auf Juli freuen, wenn das Buch veröffentlicht wird. Vorbestellungen werden freilich vom Verlag gerne jetzt schon entgegengenommen.

Art Edition von Ferrari

Die Art Edition des Buches wird dank der mit den Krümmern verbundenen Beine aus handgebogenem verchromten Stahl zu einem skulpturalen Designobjekt und wurde von Piero Ferrari, Sergio Marchionne und John Elkann signiert. Im Grunde habe ich gar keinen Platz für so einen Ständer samt Buch, aber es sieht schon absolut eindrucksvoll aus. Und Gott sei Dank ist es das falsche Auto. Bei einem Ford Mustang wäre ich, wie bereits geschrieben, schwach geworden und hätte die Hütte umgeräumt, um Platz zu schaffen. 

Ein Ferrari-Fan war ich noch nie, hatte aber auch nie die Möglichkeit in einem solchen mitfahren. Neulich ist mir wieder in München am Mittleren Ring wieder so ein Flitzer begegnet. Neben dem Fahrer des roten Ferraris mit einer Kappe saß eine blonde, junge Dame mit Pferdeschwanz. Ich fuhr dem Sportwagen hinterher und stand genau wie er in München im Stau. Da halfen seine PS auch nichts. Im Grunde spricht aus mir nur Neid, denn ich muss zugeben, dass der Ferrari wirklich ein optisch schönes Auto ist. 

Die Nummer 251 Foto: Taschen

Die Nummer 251 Foto: Taschen

Ferrari-Herzen schlagen höher

Feuerrote Boliden, zahllose Grand-Prix-Siege und legendäre Sportwagen – keine andere Automarke löst so starke Emotionen aus wie Ferrari, das muss ich schon zugeben. 

Nur wenige Marken verfügen über ein derart großes emotionales Potenzial wie Ferrari. Sieben Jahrzehnte lang – und ein Ende ist kaum in Sicht – hinterließ das von Enzo Ferrari 1947 gegründete Unternehmen eine unauslöschliche feuerrote Spur im Rennsport und in der Popkultur und begeisterte Formel-1- und Sportwagenfans rund um den Erdball. Das berühmte Markenzeichen, das Cavallino Rampante, das sich aufbäumende schwarze Pferd auf gelbem Grund, wurde zum Symbol für elegantes Design, sportlichen Erfolg und Exklusivität.

Dieser voluminöse Band von Taschen zeichnet die einzigartige Geschichte von Ferrari nach. Neben zahllosen anderen bislang unveröffentlichten Dokumenten und Fotos enthält er auch Auszüge aus den Tagebüchern des charismatischen Firmengründers Enzo Ferrari.

Foto: Taschen

Foto: Taschen

Die Ausgaben des Ferrari-Buches

Die handgefertigte, ledergebundene und handvernähte Collector’s Edition ist auf 1.947 (das Gründungsjahr von Ferrari) signierte und nummerierte Exemplare limitiert. Es ist eine klare Wertanlage und wenn ich Geld einfach so übrig haben würde, dann würde ich in dieses Buch als Wertanlage investierten. Das Buch steckt in einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, die einem Ferrari-V12-Motor nachempfunden wurde. Die Art Edition (Nr. 1–250) wird dank der mit den Krümmern verbundenen Beine aus handgebogenem verchromten Stahl zu einem skulpturalen Designobjekt.

Und es gibt zwei Ausgaben von dem Buch:  Collector’s Edition (Nr. 251–1.947), jeweils signiert von Piero Ferrari. Kostenpreis 5000 Euro. Ebenfalls erhältlich als Art Edition (Nr. 1–250), mit einem Buchständer von Marc Newson, signiert von Piero Ferrari, Sergio Marchionne und John Elkann. Kostenpreis schlappe 25.000 Euro. 

Queen Elisabeth II. wird 90. Jahre alt

21. April 2016
Die Dame auf den Geldscheinen wird heute 90. Jahre alt.

Die Dame auf den Geldscheinen wird heute 90. Jahre alt.

Die Queen wird 90. Jahre alt und ich will ganz artig gratulieren. Ich habe neulich meine britischen Pfund in einen Reisegeldbeutel verstaut und mir das Konterfei von Queen Elisabeth II. auf den Geldnoten angeschaut. Obwohl ich kein Brite bin und weder dem Commonwealth noch der anglikanischen Church of England angehöre, mag ich die alte Dame (und vor allem auch Prinz Philip).
Ich hatte mal eine Freundin, die mir damals als Helmut Kohl Bundeskanzler war, einmal überraschend sagte: Ich kenne keinen anderen Kanzler als Kohl. Nun, das ist bei mir nicht der Fall, aber ich kenne keine andere Königin als Queen Elisabeth II. Seitdem ich lebe, übt Elizabeth Alexandra Mary als Queen Elisabeth II. ihr Amt aus. Sie war immer da, lange vor meiner Geburt. Und ich finde, sie macht es ausgezeichnet. Von ihr kann man viel, sehr viel lernen.
Als am 2. Juni 1953 ihre Krönung in der Westminster Abbey stattfand, kam es einer TV-Live-Übertragung der BBC. Die Zahl der Geräte in Großbritannien sprang von wenigen Hunderttausend auf vier Millionen in die Höhe, insgesamt verfolgten etwa 300 Millionen Zuschauer die Zeremonie – so sagt es Wikipedia. Unter diesen TV-Zuschauern war auch meine Großmutter dabei, die mir zu ihren Lebzeiten davon berichtete. Sie erinnerte sich, dass sie vor der Krönung zum Friseur ging, denn mit zerzaustem Haar wollte meine Oma der neuen Queen vor dem Fernseher nicht unter die Augen treten. Naja, die Zeiten ändern sich. Ich habe mir die Feierlichkeiten zum Thronjubiläum in der Jogginghose und T-Shirt angeschaut.

Queen Elisabeth II. bewahrt Haltung
Queen Elisabeth II. hat vor allem Haltung bewiesen, Stärke über all die Jahre – und das finde ich bewundernswert. Sicher, die alte Dame hat einen sturren Kopf, aber sie macht ihre Sache ausgezeichnet. Sie hat so viel erlebt und schwere Zeiten hinter sich gebracht. Sie hat ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und für die Monarchie und die Pflichterfüllung gelebt. Ich hätte das nie gekonnt. Respekt. Aber beim Geburtstag will ich nicht auf die schlimmen Zeiten zurückblicken, sondern erinnere mich lieber daran, dass sie zu den Olympischen Spielen 2012 das „unvergesslichstes Bond-Girl aller Zeiten“ war und im Kurzfilm Happy and Glorious eine humorvolle Leistung abgab. So was gefällt mir.

Mein Lieblings-Queen Moderator Rolf Seelmann-Eggebert
Es laufen so viele Dokumentationen über die Queen und natürlich ist mein Lieblingskorrespondent Rolf Seelmann-Eggebert auch von der Partie. Wenn es um den Adel geht, dann ist Rolf Seelmann-Eggebert mein Favorit. Er war Chefkorrespondent des Norddeutschen Rundfunks (NDR/ARD) und hat dort eine lange Karriere als Reporter, Auslandskorrespondent und Programmdirektor Fernsehen hinter sich. Für mich ist er der Kenner, wenn es um das Thema Queen geht. Gerne würde ich mal ein Interview mit ihm über die Produktionsweise seiner zahlreiche Filme machen. Vielleicht klappt es einmal.


Wie kann ich der Queen zum Geburtstag gratulieren? Vielleicht so: Ich schaue mir wieder das Buch Her Majesty an, das im Taschen Verlag erschienen ist. Ich habe ausführlich darüber gebloggt. Und zum 90. Geburtstag der Queen werde ich es mir wieder ansehen. Und ich höre mir den Soundtrack zum Film The Queen an. Alexandre Desplat hat die Musik komponiert und ich entdeckte Alexandre Desplat immer mehr für mich. Er ist über die Jahre sehr gereift. Der Soundtrack ist ein harmonischer Score und ich werde ihn zum Geburtstag der Queen abspielen. Und ich höre mir den wunderbaren The King’s Speech von ihm an, der thematisch ja auch zur Queen passt.

Rockgeschichte in Bildern von Mick Rock

16. Dezember 2015
Blondie und Lou Reed - fotografiert von Mick Rock.

Blondie und Lou Reed – fotografiert von Mick Rock.

Dieses Mal werde ich ganz ruhig dasitzen und mir einfach nur die Bilder ansehen. Aber kaufen werde ich nichts, gar nichts. Aber darüber schreiben will ich allemal. Es handelt sich um eine Sammlung von streng limitierten Artprints aus der Ausstellung Mick Rock: Shooting for Stardust.
Über den Künstler Mick Rock habe ich bereits im Blog geschrieben. Er hat ein sensationelles Fotobuch über David Bowie im Taschen-Verlag herausgegeben. Mick Rock ist einer der wichtigsten Fotografen der Rockgeschichte. Er gilt als „the Man who shot the 1970s“. Nun gibt es die Fotos seiner Wanderausstellung zum Vorzugspreis – der mich allerdings zu hoch ist. Nicht weil es mir die Bilder nicht wert wären, aber das Geld ist einfach nicht da. Die Wanderausstellung eröffnete im Herbst in der Taschen Gallery in LA und ist derzeit nach einem Zwischenstopp bei der Paris Photo auf der Art Basel in Miami zu bewundern. Alles Reiseziele, die ich leider im Moment nicht auf meiner Route habe.


Um mein Interesse zu wecken, hat der Taschen Verlag mir eine Auswahl der Fotos als klassischen Papierabzug geschickt. Und ich bin begeistert. Die Fotos von David Bowie in der Ziggy Stardust-Phase kannte ich ja bereits. Aber mir war nicht bewusst, welche Ikonen Mick Rock geschaffen hat. Es sind beispielsweise DIE Aufnahmen von Lou Reed oder Iggy Pop dabei.

Die drei von der Tankstelle.

Die drei von der Tankstelle.

Ich kann schon verstehen, dass die Aufnahmen von Fotokunstsammlern heiß begehrt sind. Nun werden die Artprints in limitierter Auflage direkt in Rocks Archiv und unter dessen Aufsicht produziert. Die signierten und nummerierten Fotos sind auf alterungsbeständigen Archivpapier gedruckt und in unterschiedlichen Formen (und Preisen) erhältlich. Die Fotos im Format 16×20 kommen auf 2000 US-Dollar pro Bild. Die Bilder im Format 20×24 liegen bei 2500 US-Dollar, 24×30 bei 4000 US-Dollar, 30×40 bei 7000 US-Dollar und 40×60 bei 12000 US-Dollar. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, das im Wert steigt, ist beim Taschen-Verlag an der richtigen Adresse.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Wahnsinn, der Wahnsinnige Iggy.

Meine Erinnerungen an 100 Jahre Frank Sinatra

12. Dezember 2015

Heute wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Noch immer höre ich die Songs von Ol‘ Blue Eyes gerne und heute ganz besonders. Die große Zeit des Sängers habe ich nie mitbekommen, dazu bin ich einfach zu jung. Aber die Coolness seiner Musik hat mich immer beeindruckt. Frank Sinatra war der erste Pop-Star der Geschichte und ist bis heute ein Star für mich geblieben.

Auch Amazon gedenkt Frank Sinatra.

Auch Amazon gedenkt Frank Sinatra.

Vor einigen Jahren bemühte sich Robbie Williams und brachte ein paar Swing-Aufnahmen im Stile von Sinatra heraus. Stimmlich waren deutliche Unterschiede zu bemerken – wie kann man sich mit The Voice messen wollen? Aber Williams ist es zu verdanken, dass Sinatra bei einer jungen Generation nicht in Vergessenheit geraten ist.
Persönlich begleitet mich Sinatra heute noch durch mein Leben. Nicht zuletzt habe ich einen meiner beiden Wellensittiche nach Sinatra benannt, das Geburtstagskind im Himmel möge es mir verzeihen. Dein gefiederter Kollege Elvis ist übrigens seit langem verstorben, aber das ist eine andere Geschichte.
Leider habe ich Frank Sinatra nie live auf der Bühne gesehen. Aber ich bin ihn einmal begegnet. Es war am 29. April 1989. Frank Sinatra gab mit seinen Kollegen Liza Minnelli und Sammy Davis, Jr. in der Münchner Olympiahalle das Ultimate Event. Karten dafür habe ich keine mehr bekommen. Aber nachts flog Sintra mit (s)einer Gulfstream vom damaligen Militärflugplatz Fürstenfeldbruck zum nächsten Termin weiter. Ich war damals freier Mitarbeiter des Fürstenfeldbrucker Tagblatts, der Lokalausgabe des Münchner Merkurs. Da ich öfters als Militärberichterstatter in Fursty tätig war, schaute ich mir den Abflug von Sinatra an. Ein Kollege war zum Schreiben da, ich wollte nur neugierig schauen. Natürlich hoffte ich auf ein Autogramm des Stars, hatte ich extra eine Schallplatte zum Unterschreiben in meinem Gepäck dabei. Aber der ganz Bereich war militärisch abgeriegelt. Wir kamen nicht richtig heran. Sinatra und seine Entourage fuhren in einer Limo vor, stiegen aus und wurden vom damaligen Brigadegeneral mit militärischen Gruß empfangen. Sinatra nickte dem Militär zu und das war es. Unserer damaligen Fotografin Vera Flügel, später Vera Greif, gelang ein schönes Foto von Sinatra, wie er die Gangway hinaufstieg und den Brigadegeneral grüßte. Kein Blick für uns Lokalreporter und Fans. Innerhalb von Sekunden war der Termin vorbei. Heute fällt mir ein, dass Vera – sie ist heute eine extrem ambitionierte Filmemacherin – mir nie einen versprochenen Abzug des Fotos gegeben hat.

Frankie führt de Gang an. Foto: Taschen Verlag

Frankie führt de Gang an. Foto: Taschen Verlag

Auf jeden Fall wünsche ich Frank Sinatra alles Gute zum Geburtstag. Vielleicht gönne ich mir zur Feier des Tages vom Taschen-Verlag das neue Werk über Sinatra. Es ist Gay Taleses schillerndes Porträt über Frank Sinatra – es heißt Frank Sinatra Has a Cold. Es gilt als Glanzstück des „New Journalism“: Die 1966 erstmals veröffentlichte Reportage verbindet sorgfältige Recherche mit lebendiger Darstellung und erzählt dabei ebenso viel über Prominenz im Allgemeinen wie über Frank Sinatra selbst. In dieser Collector’s Edition erscheint Frank Sinatra Has a Cold im traditionellen Hochdruckverfahren, veredelt mit Fotos von Phil Stern, dem einzigen Fotografen, der über vier Jahrzehnte Zugang zu Sinatra hatte. Was ich online gesehen habe, fasziniert mich. Die Collector’s Edition erschien in einer Auflage von 5.000 nummerierten Exemplaren und ist signiert von Gay Talese.


Im Winter 1965 brach der Journalist Gay Talese im Auftrag der Zeitschrift Esquire nach Los Angeles auf, um ein umfangreiches Porträt von Frank Sinatra anzufertigen. Als er ankam, verhielten sich der Sänger und sein wachsames Gefolge abweisend: Sinatra hatte sich erkältet und wollte nicht interviewt werden. Unbeirrt blieb Talese in L.A., in der Hoffnung, Sinatra werde sich erholen und seine Meinung ändern. Er nutzte die Zeit, um den Star mit der nötigen Distanz zu beobachten und dessen Entourage, Freunde, Kollegen und Angehörige zu interviewen. Sinatra gewährte ihm nie das erhoffte Einzelinterview, doch Taleses Beharrlichkeit zahlte sich aus: Sein Porträt „Frank Sinatra Has a Cold“ ging als Glanzstück literarischer Non-Fiction und als Pionierleistung des „New Journalism“ in die Geschichte ein. Die prägnante Darstellung von Sinatra im Aufnahmestudio, bei Dreharbeiten, im Nachtleben und mit der titelgebenden Erkältung offenbart ebenso viel über diese einzigartige Starpersönlichkeit wie über die ganze Hollywood-Maschinerie.

Phil Stern schuf wunderbare Bilder von Sinatra. Foto: Taschen

Phil Stern schuf wunderbare Bilder von Sinatra. Foto: Taschen

Immer wieder überlege ich, was mir an dem Gesamtwerk von Frank Sinatra am besten gefällt. Es gibt die Klassiker, die über alles erhaben sind. Aber als Gesamtaufnahme der Coolness steht für mich The Rat Pack live at The Sands klar ganz oben auf meiner Lieblingsliste. Tagsüber drehte das Rattenpack den Film Frankie und seine Spießgesellen und nachts traten Sinatra und Dean Martin und Sammy Davis jr. im Nachtclub The Sands auf. Atmosphäre, Spontanität und Power kommen hier ideal herüber. Starke Aufnahme und klarer Tipp am heutigen Tag. Und ich schaue mir Frankie und seine Spießgesellen zur Feier des Tages an. Happy Birthday Frank Sinatra.

Aufnahme der Coolness. Rat Pack at the Sands

Aufnahme der Coolness. Rat Pack at the Sands

Buchtipp: The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock

9. November 2015
Hier die Nummer 1, ich habe die Nummer 61 des Buches The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock.

Hier die Nummer 1, ich habe die Nummer 61 des Buches The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock.

Ja, es stimmt: Ich bin auf meinen persönlichen David Bowie-Tripp. Vor kurzem bloggte ich über die Five Years Box und ich fand auch die Bowie-Ausstellung in Berlin fabelhaft. Ich höre entzückt, dass der Meister im nächsten Jahr ein neues Album auf den Markt bringen will.
Allerdings ließ er auch erklären, dass er nie wieder auf Tour gehen wird. Nach einem Herzproblem durchaus verständlich. Da bleibt nur die Erinnerung an großartige David Bowie-Konzerte. Daher leistete ich mir etwas Besonderes aus dem Bowie-Universum. Ich kaufte mir das fantastische Tourneebuch The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock. Ich erwarb die Art Edition 1 vom Taschen-Verlag samt Originalabzug aus der Ziggy Stardust-Zeit und Autogramme von David Bowie und Mick Rock.


Bei einem Glas Ardbeg Supernova genoss ich das einzigartige Buch voller Konzert- und Hinter den Kulissen-Fotos. David Bowie schockierte die Rock-Welt mit seiner Kunstfigur Ziggy Stardust. Wer heute für Lady Gaga und Marilyn Manson und andere schräge Vögel schwärmt, der sollte sich den kongenialen Bowie anschauen. Hier begann die Show, hier begann der Zirkus und nach all den Jahren hat David Bowie nichts von seiner Kraft und Faszination verloren. Ziggy Stardust ist Selbstinszenierung pur und dieses Buch gibt einen grandiosen Einblick über das Wesen David Bowie.
Ich war 1972 noch zu klein, um von diesen Shock etwas mitzubekommen. Etwa Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zog mich Bowie erst in den Bann. Als Fan von Konzeptalben griff ich irgendwann zu The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars. Ich kannte Bowie von seiner Berliner Phase und jetzt hörte Ziggy Stardust rauf und runter. David Bowie präsentierte sich einer konsternierten Welt als androgyne, wimperngetuschte Kunstfigur in Glitzerklamotten, die die Grenzen zwischen männlich und weiblich, hetero und schwul, Fakten und Fiktion einriss. Ich stand damals auf die klassischen Guitar-Heros und Keyboard-Zauberer. Dann trat Bowie in meine musikalische Welt, schuf ein eigenes Genre und revolutionierte nebenbei den Rock – nicht mehr – nicht weniger. Und davon legt das vorliegende Buch The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock Zeugnis ab. Verzeiht das religiöse Vokabular, aber dieses Buch ist eine wirklich Offenbarung. Der Druck, das Format und natürlich vor allem die Bilder von Mick Rock, der damals als Tourneefotograf beauftragt war.

The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock.

The Rise of David Bowie 1972-1973 von Mick Rock.

Die limitierte Collector’s Edition zeigt das Beste aus Mick Rocks Bowie-Portfolio, Bilder von spektakulären Liveshows, Porträts aus dem Backstagebereich, Coverfotos und Standbilder aus Promofilmen; rund fünfzig Prozent dieser Aufnahmen werden hier erstmals gezeigt und gewähren neue und überraschende Einblicke in die vielen Facetten von Bowies schillernder Persönlichkeit. Dieses Buch ist auf insgesamt 1.972 (das Jahr der Konzerttour) von David Bowie und Mick Rock signierte Exemplare limitiert. Es ist erhältlich als Collector’s Edition (Nr. 201-1.972) sowie in zwei Art Editionen von je 100 Exemplaren mit jeweils einem von Mick Rock signierten Pigmentdruck. Ich wählte die Art Edition 1 mit einem Foto der US-Tour 1973 und bekam Band 61.

Instagram im Querformat – muss das sein?

4. September 2015

Instragram, das Fotonetzwerk von Facebook, hat seit dem jüngsten Update ein neues Feature. Fotos können jetzt auch im Querformat gepostet werden. Keine Revolution wird man sagen. Aber ich finde, damit verliert Instagram seinen Charme. Ich fand es schon nicht richtig, dass das mobile Tool Instagram seit längeren via Website erreichbar ist.

Der Schieberegler auf der linken Seite macht aus dem Quadrat ein Querformat.

Der Schieberegler auf der linken Seite macht aus dem Quadrat ein Querformat.

Wenn jemand Instagram noch nicht kennt: Hier eine (ganz kurze) Erklärung. Es ist ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Foto und Videos. Instagram gehört zum Zuckerberg-Imperium. Wer Instragam nutzen will, muss die kostenlose App für Android, iOS und Windows Phone laden. Der Reiz sind die zahlreichen Filter mit denen der User die Fotos und Videos verändern kann. Es erinnert alles an die Aufnahmen vergangener Zeiten. „In Anlehnung an die Kodak Instamatic und an Polaroid-Kameras haben mit Instagram gemachte Fotos und Videos eine quadratische Form“, so steht es bei Wikipedia zu lesen.
Mit dem Update kam die Änderung: Jetzt kann ich Fotos und Videos nicht nur als Quadrat veröffentlichen, sondern auch im Landscape-Modus, also im Querformat. Bisher geht es nur mit Fotos aus meiner Smartphone-Bibliothek. Dazu muss dann ein Schieberegler auf der linken Seite betätigt werden, dann wird das Foto oder Video im Querformat gepostet. Meiner Meinung nach, verliert Instagram dadurch ein wenig von seinem Retro-Charme.


Als Pressfotograf weiß ich natürlich, dass quadratische Fotos meist die langweiligsten Fotos sind. Spannung in Fotos kommt in der Regel durch den richtigen Anschnitt. Der Satz bei meiner Ausbildung als Bildberichterstatter bei der Tageszeitung lautete: „Einmal hoch, einmal quer, was will man mehr!“ Nun, für mich waren Instagram-Fotos wie Polaroid-Fotos und die hatten ihre eigenen Stil und etablierten sich sogar zur eigenen Kunstform.

warhol

Ich denke hier beispielsweise an die Polaroids von Andy Warhol. Der Taschen-Verlag hat vor kurzem ein wunderbares Buch herausgegeben. Andy Warhol. Polaroids. In der Einführung des Buches gibt es ein treffendes Zitat von Warhol: „Ein Foto bedeutet, dass ich von jeder Minute weiß, wo ich war. Deshalb mache ich Fotos. Das ist eine Art visuelles Tagebuch.“ – Damit nimmt Andy Warhol die Instagram- und Selfie-Bewegung der heutigen Zeit vorweg. Wenn sich heutige Kritiker darüber aufregen, dass an allen Ecken und Enden Selfie geschossen werden und dies als neuen Trend bezeichnen, dann sollten sie mal beim alten Andy Warhol vorbeischauen, der diesen Trend schon vor etlichen Jahren seit den 60er Jahren etablierte. Dieses Buch, das in Zusammenarbeit mit der Andy-Warhol-Stiftung entstand, enthält Hunderte dieser Sofortbilder, von denen viele niemals zuvor ventlicht wurden. Porträts von Berühmtheiten wie Mick Jagger, Alfred Hitchcock, Jack Nicholson, Yves Saint Laurent, Pelé, Debbie Harry sind ebenso zu sehen wie Fotos seiner Entourage und seines High Life, Landschaftsfotos und Stillleben, die von Cabbage Patch Dolls bis zu den unverwechselbaren Suppendosen reichen. Klarer Kaufbefehl übrigens.

Vor kurzem durfte ich dem Online-Portal GMX ein Interview geben über die Macht der Kardashians in sozialen Netzwerken. TV- und Modestar Kim Kardashian nutzt Instgram und setzt sich (und ihre beiden schlagenden Argumente samt Hintern) für ihre Fans in Szene. „Mit gezielten Aktionen wird der Hype am Köcheln gehalten“, sagte ich meiner Interviewpartnerin Miriam Zöllisch. „Solche Influencer sind Meinungsführer in ihrem Gebiet, sei es Mode, Computer, Autos, Tourismus oder Medien. Sie werden auch als Social Hub bezeichnet, weil sie optimal vernetzt sind“, sagte ich weiter „Wenn diese Wortfühhrer ein Produkt oder eine Meinung pushen, dann finden sie in ihrer Community Gehör. Wie enorm die Reichweite ist, sehen wir an ein paar Promi-Accounts. Kim Kardashian, Paris Hilon, Miley Cyrus oder gerade Avril Lavigne, die ihre Scheidung via Instragram verkündete.
Mit diesen Auftritten machen die Stars und Sternchen die klassischen Promi-Fotografen arbeitslos. Früher war es ein Bild wert, welches Kleid welcher Star bei einer Party anhat. Heute postet der Star dieses Bild selbst und stellt es seinen Fans zur Verfügung und die Promi-Fotografen werden arbeitslos. Das ist auch das Verdienst von Instagram.

Im Moment habe ich das Gefühl, dass Instagram explodiert. Auch ich empfehle meinen Kunden dort Flagge zu zeigen und sich und ihre Marke zu etablieren. Durch die Verbindung zu Twitter und Facebook ist Instagram auch ein schönes Tool, um Content zu verbreiten. Auch das Plugin zu WordPress kann wunderbar genutzt werden. Durch das Querformat biedert sich Instagram den Massengeschmack an. Zuvor zog man mit Videos nach, nachdem Twitter mit Vine eine Videoplattform gestartet hat. Vine Videos sind sieben Sekunden, Instagram-Videos nun 15 Sekunden. So richtig innovativ ist das Ganze nicht.

Wasserschaden – reinigende Wirkung und Verlust zugleich

31. August 2015

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Ich hatte in meinem persönlichen Archiv einen Wasserschaden. Ein Kaltwasserventil war undicht und es tropfte in einen meiner Archivräume im Keller. Es muss schon eine ganze Weile getropft haben, denn der Schaden war enorm. Es erwischte einen Teil meiner Sammlung, die komplett aufweichte. Um die paar Holzregale war es mir nicht schade, aber um viele Inhalte tut es mir weh, persönlich und materiell.

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Was wurde alles getroffen? Zunächst zahlreiche Bücher. Sie sogen das Wasser auf und sind komplett unbrauchbar. Es handelte sich in der Regel um Fotobücher. Darunter waren Erstausgaben von Büchern über den 11. September von Magnum, Fotobände von Annie Leibovitz, die BILD-Sonderausgabe und Wirtschaftswunder-Ausgabe von Taschen in der Erstauflage, ein paar Bücher von Helmut Newton, ein Sammelband von Tween-Ausgaben und eine Originalausgabe von The end of Print von David Carson. Zudem erwischte es den schweren Ausstellungskatalog zur Documenta aus Kassel und einen Gutenberg-Katalog aus Mainz.
Ein Opfer des Wassers wurden zahlreiche Seminarunterlagen, die ich für meine Arbeit benötige, wie verschiedene Zeitschriften seit den sechziger Jahren, an denen ich die Layoutentwicklung zeige. Sehr ärgerlich, denn ich hatte die Layouts nicht gescannt, weil ich in den Seminaren immer gerne die Originale gezeigt hatte. Außerdem waren einige Bücher über die Geschichte der Fotografie und erste Experimentalbücher über digitale Fotografie darunter. Signierte Ausgaben von Sonderveröffentlichungen sind für den Müll.


Es erwischte auch einen Teil meiner Schallplattensammlung. Ich habe, nein ich hatte, eine große Sammlung von Vinyl-Schallplatten der sechziger und siebziger Jahre. Viele Erstveröffentlichungen von Pink Floyd (noch mit Poster), Emerson, Lake & Palmer als sie noch bei Atlantic unter Vertrag waren, Klaus Schulze Unikate versanken in den Fluten. Mehrere kostbare Dylan-Bootlegs, viele seltene Schallplatten von den Doors, Fats Domino, Buddy Holly und viele mehr wie eine Who Leeds-Ausgabe mit Fotos und Vertragstexten kann ich wegwerfen. Ich habe in den vergangenen Tagen eine Auflistung für die Versicherung gemacht. Mir blutet das Herz als ich die Original-Elvis Scheiben im Wasser sah. Die Covers waren aufgelöst und sogar die Labels von den LPs hatten sich bei einigen Platten gelöst. Der Sammlerwert ist heute nach dem Wasserschaden gleich null.
Einen tiefen Stich gab es im Herzen, als ich sah, dass es auch meine Postersammlung erwischt hatte. Als passionierter Apple Fanboy litten einige Think different-Plakate und 20 Plakate von der MacWorld Expo aus San Francisco mit dem iMac G4 2002 sind unwiderruflich verloren. Sie waren nur noch ein Klumpen. Einige teuere Plakate der ersten iPhone-Kampagne waren auch darunter. Ich bin also in Trauer.
Es wurden die Sachen Zug um Zug fotografiert und eine Liste für die Versicherung geschrieben. Ich hoffe, der Münchener Verein kann den materiellen Schaden ausgleichen. Meine Frau hat sofort unseren Ansprechpartner bei MV informiert. Der immaterielle Schaden ist enorm. Der Schadensregulierer vom Münchener Verein war schon vor Ort und wir haben den Schaden aufgelistet.
Aber bei all den Schattenseiten gibt es auch positives. Ich gehe jetzt daran, mein Archiv neu zu ordnen und zu strukturieren. Zudem haben meine Frau und ich viele Altkleider, Schuhe zu Kleidersammlungen gebracht. Auch Kuscheltiere der Kinder wurden an syrische Kinder gespendet, ich habe darüber gebloggt. Wir haben viele Regalmeter an durchweichten Bretter zum örtlichen Wertstoffhof gefahren und Teile des Kellers und der Garage aufgeräumt. Das hätte ich nicht in Angriff genommen ohne Wasserschaden. Aber ehrlich: Auf dieses Dreckwasser hätte ich verzichten können.

Buchtipp: Mad Men und die Mid-Century Ads von Jim Heimann, Steven Heller

26. Juli 2015

aufmacher

Die Serie Mad Men wurde mit zahlreichen Fernsehpreisen überhäuft. Obwohl ich nie Werber werden wollte, fasziniert mich die Atmosphäre dieser Serie und der dazugehörigen Branche. Ich habe die Serie um den fiktiven Werbetexter Don Draper genossen und bisher alle Teile auf DVD verschlungen. Mad Men bedeutet ja eigentlich Men of Madison Avenue, dem Zentrum der US-Werbeindustrie. Wie später die Meister des Universums an der Wallstreet waren hier Meister der Beeinflussung am Werk.
Die Serie war so detailreich und machte durch diese Details einfach Spaß. Wer sich die Zeit nimmt, wird feststellen, wie liebevoll an die ganze Sache herangegangen wurde. Es stimmt einfach alles: Musik, Tapeten, Autos, Einrichtung sogar die Frisuren und die Klamotten. Das Setdesign hat ganze Arbeit geleistet. In der Serie selbst geht es ums Geld verdienen, Frauen vernaschen, Fremdgehen, Alkohol trinken und Zigaretten rauchen. Die Serie zieht sich durch die spannende Zeit der sechziger Jahre und ist eine prima TV-Unterhaltung. Sie zeigt eine Zeitenwende – wie aus den konservativen 50ern die progressiven 60er wurden. Es ist schön, wie historische Momente mit der Fiction der Erzählstory verwoben werden, seien es die Mondlandung, die Ermordung von Dr. Martin Luther King, die Beatles oder die Beatniks in Greenich Village.


Beim Betrachten der Serie kam bei mir mehr und mehr das Interesse an der Werbung dieser Zeit auf. Schließlich nehmen Werbekampagnen und der Kampf um Werbeetats einen großen Raum in Mad Men ein und der Zuschauer wird an die Werbephilosophie der Zeit durch den Hauptprotagonisten Don Draper herangeführt. Wie tickt eigentlich so ein Werber? Und was macht eigentlich eine gute Werbung aus? Wie sah das Storytelling aus? Ich stellte mir immer die Frage: Wie war eigentlich die Werbung in dieser Zeit? Ich selbst bin durch die Werbung der siebziger und achtziger Jahre sozialisiert worden, durch Bärenmarke, Kinderschokolade, Klementine und Palomliv. Ich kenne Herrn Kaiser, den Käfer, vielleicht noch ein wenig das HB-Männchen und den Malboro-Mann. Gerade eben hat die Allianz die Werbespots meiner Jugend online gestellt – großartig. Doch wie funktionierte Werbung in den fünfziger und sechziger Jahren?


Von Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan stammt der Ausspruch „Werbung ist die Höhenmalerei des 20. Jahrhunderts.“ McLuhans Werk gilt als ein Grundstein der Medientheorie.
Ich entdeckte bei meiner Recherche den zweibändigen Bildband Mid-Century Ads von Jim Heimann und Steven Heller aus dem Taschen Verlag. Dieses zweibändige Werk versammelt Bestleistungen amerikanischer Printwerbung in der Epoche, als Markenfirmen und Agenturen bei ihren Kampagnen noch auf die eine „Big Idea“ setzten. In den goldenen Tagen der Konsumbegeisterung waren die Magazine voll mit cleveren Anzeigen, die von Hüfthaltern bis zu Waffen so ziemlich alles verkauften. Am meisten liebte ich die Autowerbung. Als Ausdruck von ungebremstem Optimismus zeichnen sie ein faszinierendes Bild jenes bunten Kapitalismus, der die Atmosphäre der 50er und 60er Jahre prägte, als die Beschäftigung mit dem Kalten Krieg durch die sorglose Mad Men-Ära mit ihrer Alkohol- und Zigarettenkultur abgelöst wurde. Das Buch enthält ein breites Spektrum der wichtigsten Werbekampagnen beider Dekaden, ausgewählt aus Tausenden von Bildern. Für diese Publikation Mid-Century Ads wurden die Motive digital überarbeitet, damit sie wieder so frisch und munter aussehen wie an dem Tag, als sie am Kiosk auslagen.

Buchtipp: Double Fantasy mit John Lennon und Yoko Ono

1. Juni 2015

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Ich weiß nicht, ob es ein schlechtes Omen ist, wenn ich einen Tag nach dem Tod von Cynthia Lennon das Buch Double Fantasy erhielt und mich wirklich darüber gefreut hatte. Es ist ein sehr intimes Foto-Buch über John Lennon aus seiner Double Fantasy-Phase. Die Bilder schoss der japanische Fotograf Kishin Shinoyama, die sicherlich zu den persönlichsten Bildern von John Lennon zählen.


Drei Monate nach den Aufnahmen war der Ex-Beatles tot, erschossen von den Volldeppen Mark Chapman am Eingang vom Dakota Building, in den auch schon Roman Polanski sein Rosemaries Baby gedreht hatte. Der Taschen-Verlag hat nun die Fotos von Kishin Shinoyama in einer edlen Sammleredition herausgebracht und lässt uns zu Spannern von Lennons Leben werden.

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Die Herzen der Beatles-Fans schlagen bei dem Anblick des Buches und der Fotografien höher. Insgesamt wurde 1980 Bücher gedruckt – 1980 das Todesjahr von Lennon. Yoko Ono und Kishin Shinoyama haben die Bücher alle unterschrieben. Zudem erschien eine limitierte Ausgabe A und B mit signiertem Foto. Ich habe eine Ausgabe der limitierte Art Edition B ergattern können – eben mit einem von Kishin Shinoyama signierten Print – ich habe die Nummer 197.

Ich habe das Kussfoto mit John Lennon und Yoko Ono gewählt, weil es für mich am besten die Stimmung von Double Fantasy widerspiegelt. Wie ja bekannt ist, schoss Kishin Shinoyama auch das sinnliche Cover von Double Fantasy mit dem Ehepaar im Zentrum. Lennon hatte sich gefangen, war zu seiner zweiten Frau und Kind zurückgekehrt und konnte als Musiker wieder durchstarten. Die Musik von Double Fantasy zeigte nach langer Zeit das künstlerische Potenzial von Lennon und Ono und ich hörte das Album beim Durchblättern des Buches immer und immer.

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Die Fotos der beiden Turteltauben und des Musikers haben eine schöne Stimmung. Die Kamera stört nicht, kein blödes Gepose oder Starallüren, sondern ein Einblick in das Privat- und Arbeitsleben des Künstlerpaares. Für diese Art Fotos ist Kishin Shinoyama ja bekannt. Kishin Shinoyama – aufgrund seines Faibles für provokativ-sinnliche Aktaufnahmen einer der bekanntesten und umstrittensten Fotografen Japans – wurde von der Kritik gefeiert und gleichzeitig wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagt. Seine Gabe, berühmte Menschen unbefangen und in intimer Atmosphäre abzubilden, kommt mit Sicherheit bei diesem Buch sehr zur Geltung.

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Insgesamt entstanden rund 800 Aufnahmen an fünf Tagen von den Arbeiten an Double Fantasy und dem Leben von Lennon/Ono. Viele von den Bildern, die hier zu sehen sind, erscheinen diesem Buch zum ersten Mal. Sie alle erzählen eine Geschichte der beiden extrem starken Persönlichkeiten. Der gewaltsame Tod von Lennon durch den Fanatiker Chapman erhöhen sicherlich noch einmal das Interesse an diesem Fotobuch.