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Konzertkritik: Steve Hackett in der Tonhalle München 2019

25. April 2019
Steve Hackett in der Münchner Tonhalle 2019.

Steve Hackett in der Münchner Tonhalle 2019.

Denke ich an britische Ausnahmegitarristen, kommen mir sofort die Namen Clapton, Fripp, Blackmore, Howe, Page oder Beck in den Sinn, Steve Hackett vergesse ich immer wieder. Das ist ein schwerer Fehler, wie der jüngste Auftritt des 69jährigen Musiker in der Münchner Tonhalle zeigte. 

Steve Hackett gehört ganz vorne in die erste Liga der Rockgitarristen. Was er musikalisch bei seiner Show in München ablieferte, war für mich als Prog-Fan ein klares Statement für gute Musik. Die Show teilte sich in zwei Teile. Der erste Part war Musik von Steve Hackett als Solo-Künstler, wobei mir die Aufnahmen aus dem Album Spectral Mornings von 1979 am besten gefielen. Irgendwie hatte ich gehofft, mal wieder  When the Heart Rules the Mind von GTR zu hören, dass ich bei meinen einzigen GTR-Konzert in meiner Jugend in München hörte, aber das war wohl zu kommerziell. Die Show wurde immer wieder mit Statements von Hackett zum anstehenden Brexit kommentiert. Aufkleber an den Keyboards mit FCK Brxt und entsprechende T-Shirts unterstützen diese Statements. 

Ein Ausnahmegitarrist.

Ein Ausnahmegitarrist.

Nach der Pause wusste ich wieder, warum ich die frühen Genesis zu meinen Lieblingsbands zählte. Es wurde Selling England By the Pound präsentiert, sein Lieblingsalbum von Genesis, wie Hackett einstmals sagte. Als Zugabe gab es unter anderem Deja Vu, ein Genesis-Song, der es damals nicht auf das Album geschafft hatte. Und auch Dance on a Volcano, von A Trick of the Tail, das erste Album ohne Gabriel.

Es tat gut, solche Musik wieder mal live zu hören. Der 69jährige beherrscht sein Instrument, seine Band ist hervorragend eingespielt. Vor allem Nad Sylvan ist außergewöhnlich. Vom Aussehen her ein gealterter David Coverdale, aber eine Wahnsinnsstimme. Ich musste immer wieder hinschauen, ob sich nicht doch ein früher Peter Gabriel auf die Bühne verirrt hatte.

Den einzigen Vorwurf, dem man Steve Hackett und seinen Mannen machen kann: Das war eine wunderbare Nostalgie-Show an vergangene Zeiten. Aber genau das wollte ich ja. Tolles Konzert Mr. Hackett. 

P.S. Danke an Björn Eichstädt für die Vermittlung der Eintrittskarte.

King Crimson im Beethovensaal, Stuttgart

12. September 2016
Das Tourplakat zur KC-Tour für Stuttgart.

Das Tourplakat zur KC-Tour für Stuttgart.

Vroom, das hatte gesessen. Nachdem die letzte Note im ausverkauften Beethovensaal in Stuttgart verklungen war, war ich komplett erledigt. Der Sound hat mich weggefegt. Rund 3 Stunden zeigte King Crimson, wo der Hammer in Sachen Progrock hängt.
Mastermind Robert Fripp ging auf Tour und brachte seine bombastischen Soundkollagen nach Stuttgart. Für mich war es eine Herzensangelegenheit, die progressive Band King Crimson aus GB einmal live zu sehen. Rock, Jazz, Ambient, Prog, World, Metal und alles durcheinander – so lässt sich die musikalische Mixtur beschreiben. King Crimson erreichten nie den Status von Pink Floyd, ELP oder Genesis. Wie sollte das auch gehen? Sobald die Band bekannt wurde und kommerziellen Erfolg hatte, zog Robert Fripp den Stecker. Und, sehr geehrter Herr Fripp, es wird mal wieder Zeit, den Stecker zu ziehen, denn King Crimson sind erfolgreich, sehr erfolgreich. Sie sind übrig geblieben aus der großen alten Zeit der siebziger Jahre Bands und sie klingen phänomenal frisch.


Die Band machte zu Beginn des Konzerts ein klares Statement. Bitte keine Foto-, Audio- und Videoaufnahmen. Wir seien alle zusammen gekommen, um eine Party zu feiern und nicht um Bootlegs mitzuschneiden. Wer erwischt wird, der fliegt raus. Am Ende des Konzerts gab es dann eine Möglichkeit bei einem offiziellen Termin ein Band-Foto zu machen, was ich allerdings verpennt hatte, weil mich die Musik so fasziniert hatte. Die Besucher, zumeist Männern im fortgeschrittenen Alter und in T-Shirt gekleidet, befolgten den Wunsch von King Crimson und die Handys blieben in der Tasche. Da wir gerade bei der Kleidung sind: Die Fans kamen locker daher, kurze Hosen, Schlappen, T-Shirts waren allgegenwärtig. Die Band dagegen kam im weißen Hemd, Krawatte und feiner Hose – ja, Robert Fripp ist ein Mensch mit klaren Vorstellungen.


Die Musik stand klar im Mittelpunkt. Wer einen Eindruck bekommen möchte, soll das Album Radical Action to Unseat the Hold of Monkey Mind hören. King Crimson war nie eine Showband. Sie überzeugen durch ihre Musikalität und Vielseitigkeit. Auch die Lightshow war übersichtlich, am Ende des Konzerts der Showeffekt: Das Bühnenlicht wurde rot. Doch das Besondere an dieser Tour: Robert Fripp engagierte für die Tour gleich drei Drummer und postierte sie wie eine Phalanx zwischen Publikum und sich und seinen Saiteninstrumenten-Kollegen Tony Levin und Jakko Jakszyk bzw. Saxophonisten Mel Collins. Und die drei Drummer Gavin Harrison (Porcupine Tree), Pat Mastelotto (Mr. Mister) und Bill Rieflin (R.E.M.) sorgten für ordentlich Wums. Das Trio war hervorragend aufeinander eingespielt und sorgte für einen gewaltigen Sound.


Musikalisch bewegte sich King Crimson zwischen allen Phasen ihres Bestehens. Ich hatte den Eindruck, dass die erste und zweite Phase der Herrschaften beim Stuttgarter Publikum am besten ankam. Die Songs Confusion, 21st Century Schizoid Man aus der ersten Phase, Larks’ Tongues In Aspic, Starless und Red stammten aus der zweiten Phase. Besonderer Applaus und alle sangen mit bei Heros, den Robert Fripp prägte und Bowie zur Legende werden ließ.

Buchtipp: Genesis von Sebastião Salgado

17. Mai 2013

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Leider fotografiere ich nicht mehr so viel, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber meine Liebe zu Fotos ist weiterhin voll entbrannt. Nicht zuletzt als ich das Prospekt für das wunderbare Buch Genesis von Sebastião Salgado geschickt bekam. Der Taschen-Verlag, zugegeben einer meiner Lieblingsverlage, bringt das opulente Werk in den nächsten Tagen auf den Markt. Allen Fotofreunden, die über das entsprechende Kleingeld verfügen, rate ich: Greift zu – es lohnt sich.

In meinen Fotoseminaren zeige ich immer wieder Ausschnitte aus der Fotogeschichte. Bei Anselm Adams flippen die Seminarteilnehmer aus. Künftig werden sie es auch bei Sebastião Salgado tun, das verspreche ich. Für mich ist Salgado der Anselm Adams des 21. Jahrhunderts, nicht mehr, nicht weniger.

Acht Jahre hat der brasilianische Fotograf gebraucht, um sein Projekt Genesis fertig zu stellen. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an unseren Planeten, an das Ursprüngliche.  Salgado hat mehr als 30 Reisen unternommen, in kleinen Propellermaschinen, zu Fuß, mit dem Schiff, im Kanu und sogar im Fesselballon, und dabei klimatischen Extremen und lebensbedrohlichen Situationen getrotzt, um Bilder zu sammeln, die uns Natur, Tierwelt und eingeborene Völker in atemberaubender Pracht vor Augen führen. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören“, sagt Sebastião Salgado. Als ich die Bilder betrachtete, kam Bewunderung, Hochachtung und Wut auf. Bewunderung für dieses Mammutprojekt, Hochachtung für die Leistungen der Natur und Wut, weil wir Menschen Gefahr laufen, alles zu verlieren. Das Projekt Genesis ist für mich ein Appell an die Mitmenschen, die Schöpfung zu bewahren. Sebastião Salgado führt uns mit atemberaubenden Bildern seine Sicht auf die Schöpfung vor. Im Moment läuft bis September die Genesis-Ausstellung im Londoner Natural History Museum. Dort kann man die Bilder live betrachten.

In dem YouTube-Video schaue ich mir den Werbeprospekt für die Luxusausgabe des Buches genauer an:

In Sachen Pressefotografie ist der Fotograf eine Berühmtheit. Er ist Mitglied der legendären Agentur Magnum, die vom Urvater der Pressefotografie Robert Capa gegründet wurde. 1981 fotografierte Sebastião Salgado das Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan und wurde schlagartig in der aktuellen Pressefotografie bekannt. Zuvor widmete sich er sich der sozialkritischen Fotografie.

Das Buch gibt es in einer Volksausgabe für rund 50 Euro, aber auch in unterschiedlichen Sammlerausgaben von 3000 bis 8000 Euro, je nach Geldbeutel.

 

Steve Hackett bei der SAE im Stream

23. Januar 2013

studio

Das Internet ändert alles! Natürlich ist es eine Binsenweisheit, aber ab und zu wird es mir schlagartig bewusst, was sich dramatisch verändert. So zum Beispiel als ich auf Einladung der SAE Alumni einen Livestream mit dem britischen Gitarristen Steve Hackett ansehen konnte. Hackett ist groß rausgekommen als er Bandmitglied von Genesis war – zu einer Zeit als Genesis mit Peter Gabriel noch richtig gute Musik machte.

Vor Jahren war es eine absolute Ehre, wenn man ein Interview mit einer der Rockgrößen machen konnte. Journalisten mussten sich akkreditieren lassen, wurden ausgewählt und bekamen großzügig von Plattenfirma oder PR-Agentur zeitlich enge Slots zugeteilt. Ich erinnere mich, dass ich für 15 Minuten Interview mit Pixar-Größen um die halbe Welt geflogen bin.

Und heute? Heute sitze ich mit einer Tasse Kaffee vor dem iPad und klinke mich in einem Livestream ein. In diesem Fall saß Steve Hackett in einem SAE-Studio in London und beantworte die Fragen des Moderators und der Gäste, die via Chat Fragen stellen konnten. Die Fans konnten wirklich fragen, was sie interessiert und nicht dass, was ein Journalist glaubt, dass die Fans interessiert. Hier liegt ein bedeutender Unterschied. Das Internet fördert die Demokratie.

Live am iPad zu Hause dabei.

Live am iPad zu Hause dabei.

Die Fragen aus dem SAE-Stream waren zum Teil technischer Natur, was wohl daran liegt, dass die SAE eine der größten Medienschulen der Welt ist und aus einer School of Audio Engineering hervorging. Aber es waren die Antworten eines sympathischen Steve Hackett, die es ausmachten. Der Kerl ist ein verdammt guter Gitarrist, aber er ist kein Techniker. Er nannte die „Gitarre ein Symbol der Freiheit“ und zu seiner Zeit klang eine Gitarre wie ein Synthesizer. Für ihn war die Kommunikation entscheidend – nicht nur die Kommunikation in einer Band, sondern auch mit dem Toningenieur oder den Produzenten. Sie alle seien Priester, Coach, Kritiker und dürften keine Ja-Sager sein – ehrliche Worte, darauf kommt es in der Musik an.

Interessant war auch, dass Hackett sein neuestes Album Genesis Revisited II mit neuem Equipment einspielte, obwohl es Genesis-Klassiker (und vier neue Songs) enthält. Flexibilität sei eben wichtig. Um den genauen technischen Fragen der Fans auszuweichen, glitt er immer wieder in die Vergangenheit ab. „Die sechziger Jahre waren die Gitarren-Ära, die siebziger die Ära der Keyboards und die achtziger Jahren waren die Drums-Ära!“ Als er nach dem Einsatz von Mikrofonen gefragt wurde, las er brav Sennheiser und Neumann ab, gab aber zu: „Ich bin glücklich zu lernen. Es gibt hier viele Leute, die mehr Ahnung davon haben, als ich.“ Ungefiltert und live kommt so eine Aussage bei den Fans an – das hätte es in alten Zeiten vor dem Internet nicht gegeben. PR-Strategen wären dazwischen gegangen und hätten das Image des Stars aufrecht erhalten. Weg mit dem Ego, weg mit dem Starrummel durch das Netz und so kommt ein Steve Hackett wunderbar herüber.

Als Kind der sechziger Jahre benannte Hackett auch sein prägendstes Album, obwohl er nach dem bestproduziertesten Album gefragt wurde: Bluesbreakers with Eric Clapton. Dieses Album gilt als eines der wichtigsten Blues-Alben überhaupt und war für Hackett „die Geburt des Feuers“, ebenso wie für die Gitarristen Steve Howe (Yes) und Brian May (Queen). Es sei die Geburtsstunde des Guitarheros gewesen. Als weitere Einflüsse nannte Hackett das Beatles-Album Revolver und – die Jugend staune – Johann Sebastian Bach mit seiner mathematischen Musik.

Nochmals großen Dank an die SAE für diesen Stream. Er soll in nächster Zeit als Video auf die SAE-Seite kommen. Dann können alle, die es versäumt haben, einen sympathischen Steve Hackett nochmals erleben.

Screen

Peter Gabriels New Blood live in Concert: München Olympiahalle

3. Mai 2012

Live hatte ich Peter Gabriel bisher noch nie gesehen. Ich kenne zwar einige Super 8-Aufnahmen aus Zeiten von Genesis, als sich das damalige Haupt der Superband als Fuchs oder Blume in Frauenkleider verkleidet hatte und eine geniale „Lamp lay down on broadway“-Show ablieferte. Den neuen Peter Gabriel kenne ich nur von CDs oder von seinen kommerziellen Knaller wie Sledgehammer oder Red Rain. Ein Konzertbesuch hatte sich nie ergeben – bis jetzt.

Peter Gabriel ist ein Künstler. Und er ist ein wahrer Künstler. Er zelebrierte mit seinem New Blood-Orchester eine wunderbare Bühnenshow in der mit 6000 Besuchern schlecht verkauften Münchner Olympiahalle. Gabriel setzt auf seine eindrucksvolle Stimme und moderne Lightshow und Bühnenzauber. An seine Show mit seinem 46-köpfigen New Blood Orchestra muss sich der Zuschauer erst gewöhnen. Alte Songs in neuer Verpackung und nicht nur Songs von Peter Gabriel. Erste Überraschung: Der Künstler führt durch sein Programm auf Deutsch. Mit Spickzettel bewaffnet sagt er die einzelnen Songs an, erläutert die Hintergrunde zu den Liedern und findet so zu seinem Publikum. Den Start der Show ist auch eine Verbeugung an Deutschland. Er bringt den Bowie-Klassiker „Heros“. Bowie schrieb den Song in Berlin und hier wurde er durch Christiane F. bekannt. „We can be Heroes“, geht dem zumeist älteren Konzertbesuchern runter wie Öl.

Die Interpretation seiner Songs durch ein klassisches Orchester unter der Leitung von von Ben Foster war für viele Ohren gewöhnungsbedürftig. Gabriel wendet sich vom Rock ab und transformiert seine musikalischen Geschichten eher in eine Art Weltmusik. Der Kommerz muss außen vor bleiben. Hier gibt es nichts zum Mitwippen, obwohl das Münchner Publikum auf Gelegenheiten zum Klatschen sucht. Den Gefallen tut der Künstler Gabriel mit seinen komplizierten Songgemälen kaum. Erst als Solsbury Hill ertönt, springen die Oldies von den Stühlen und finden ihren Klatschrhythmus. In seinen Erläuterungen geht Gabriel Immer auf die Macht von sozialen Netzwerken ein, die die Welt verändern. Leute nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand – so etwas gefällt mit Künstler und dem Publikum. Das wird spätestens bei Biko klar, wenn zahlreiche Fans die Faust erheben. Hier kommt irgendwie der Spirit von Heros wieder durch: We can beat them, For ever and ever, Oh we can be Heroes, Just for one day.

Der 62jährige Künstler liefert keine Greatest Hits-Show ab, sondern Neuinterpretationen vieler Werke. Und obwohl immer wieder Zwischenrufer nach Sledgehammer rufen, bleibt der Top Ten Hit außen vor. Gabriel verweigert sich und geht seinen Weg, den richtigen Weg. Er biedert sich nicht seinem Publikum an, sondern versucht über orchestrale Arrangements das Herz und das Hirn seines Publikums er erreichen. Berührend war die Magie, die von Gabriel-Songs ausgeht. Tränen in die Augen steigen dem Zuschauer, wenn Gabriel von seine hundertjährigem Vater singt und dazu unscharfe schwarzweiß Filmaufnahmen zeigt. Die Bühnenshow war großartig und zeigte, was moderne Präsentationstechnik so alles kann. Bei Folter-Song Wallflower bringt Gabriel erstmals die ganze Multimedia-Technik zum Einsatz. Lichter, Spots, wechselnde Farben, Computereffekte, Überblendungen, Animationen und ein Spiel mit der Bühnenkamera. Eine Show, die einem langen in Erinnerung bleibt. Bei Red Rain färbt sich die Bühne in Rot. Gänzlich unaufgeregt der Schluss, bei dem er sein Publikums in Bett schickt. „The Nest that sailed the Sky“ ist New Age-Stück pur, gänzlich ohne Gesang. Ein gelungener Konzertabend mit einem eigensinnigen Künstler. Jetzt kauf ich gleich mal die Doppel-CD zur Erinnerung Live Blood

ELP sind wieder da

13. November 2009
ELP sind wieder da
Durch Zufall bin ich auf eine für mich schöne Nachricht gestoßen: Emerson, Lake & Palmer sind wieder vereint. Damit ist eine Band meiner Jugend wieder live zu sehen und wenn sich die elenden Streithähne Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer wieder vertragen, kommt sicherlich auch eine CD und DVD. Die Soloprojekte der Herren waren nicht so doll und so ist es nun an der Zeit mal wieder Geld zu verdienen. Es müssen Leute wie mich gemolken werden, die immer noch am Art-Rock-Tropf hängen.
Die alten Herren spielen am 25. Juli 2010 als Headliner des „High Voltage Festival“, eines neuen Klassikrock-Events in London. Die neue Website der Band sagt noch nichts aus. Auf der Website ist außer einem Nachruf auf den ersten Manager der Band Dee Anthony noch nichts zu finden. Anthony starb im Alter von 83. Jahren und verhalf vielen Musiker zum Durchbruch, darunter Joe Cocker, Jethro Tull oder Ten Years After und Traffic.
ELP waren mit ihrem Bombastrock für mich die Größten. Genesis waren wegweisend, Yes virtuos, doch ELP machten richtig den dicken Maxe. Nur noch King Crimson um Robert Fripp waren noch einen Tick besser und elitärer. Doch nach und nach lief der Rockdino sich tot. Der Punk versetzte der Band den Todesstoß. Dann begann die Leichenfledderei. So genannte offizielle Bootlegs wurden veröffentlicht, seltsame Live-Platten kamen in den Umlauf und wer hinhörte, musste (leider) feststellen: Goldkelchen Greg Lake hat Probleme mit der Stimme. Sei es drum. Ich bin gespannt, was ELP wieder bringen: 40 Jahre nach dem Kanonenknall des Isle of Wight-Festivals will es die Altmännerband noch mal wissen.