Ein Foto fasziniert mich seit langem. Es ist ein Portraitbild von Jackie und J-F. Kennedy, geschossen von Meisterfotograf Richard Avedon. Mein Kollege Thomas Gerlach zeigte es einmal in einem Fotoseminar und seitdem geht mir dieses perfekte Bild nicht mehr aus dem Kopf- Es ist absolut beeindruckend. Es beschäftigte mich so sehr, dass ich mir jetzt das Buch über dieses Bild gekauft habe: Die Kennedys – Portrait einer Familie. Das Bild ist eine Ikone und ich wollte mehr wissen. Das Foto wurde aufgenommen für eine Session für Harper’s Bazaar und erschien später auch in Look. Fototermin war der 3. Januar 1961 bei den Kennedys zu Hause in Palm Beach, Florida. Hier vereinigte der Fotograf Richard Avedon Mode, Geschichte und Fotografie.
Richard Avedons Fotoband „Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist weit mehr als ein Bildband über eine berühmte politische Dynastie. Das Buch zeigt John F. Kennedy, Jacqueline Kennedy und ihre Kinder in einem historischen Moment größter Erwartung: wenige Wochen vor dem Einzug ins Weiße Haus, fotografiert im Januar 1961 in Palm Beach. Avedon, einer der prägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts, richtet seinen Blick dabei nicht nur auf Macht, Eleganz und öffentliche Inszenierung, sondern auch auf die fragile Privatheit einer Familie, die längst zum Mythos geworden ist. Die Stärke des Bandes liegt in der Spannung zwischen Nähe und Distanz. Die Kennedys erscheinen jung, schön, kontrolliert und zugleich erstaunlich menschlich. Jacqueline Kennedy wirkt stilbewusst und zurückhaltend, John F. Kennedy zeigt die souveräne Ausstrahlung des künftigen Präsidenten, während die Kinder Caroline und John Jr. eine beinahe intime Leichtigkeit in die Aufnahmen bringen. Doch gerade weil man den späteren Verlauf der Geschichte kennt, liegt über vielen Bildern eine eigentümliche Melancholie. Aus heutiger Sicht betrachtet man nicht nur eine Familie am Beginn einer politischen Ära, sondern auch den Vorhof einer Tragödie. Avedons Schwarz-Weiß-Fotografien sind klar, elegant und konzentriert. Sie verzichten auf überflüssige Effekte und leben von Blicken, Haltungen und feinen Gesten. Der Band enthält zahlreiche Fotografien aus dieser Sitzung, darunter viele lange unveröffentlichte Aufnahmen, und macht sichtbar, wie eng politische Hoffnung, mediale Bildproduktion und familiäre Inszenierung miteinander verbunden waren. „Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist deshalb nicht nur für Kennedy-Interessierte lohnend, sondern auch für Liebhaber großer Fotografie. Das Buch zeigt, wie ein Bild Mythos erzeugen kann – und wie hinter dem Mythos für einen kurzen Moment Menschen sichtbar werden.
Ich hab ein für mich wunderbares Schnäppchen gemacht. Bei eBay habe ich einen Fotoband von Alfred Eisenstaedt für einen schmalen Taler erworben, der eine riesige Überraschung verbarg.
Im Jahr führe ich meine Seminarreihe über politische Fotografen fort und auch sonst interessiere ich mich sehr für Fotografie (aktiv und passiv). Da darf in dieser Reihe auch Alfred Eisenstaedt nicht fehlen. Ich erwarb den Bildband Eisenstaedt über Eisenstaedt vom Schirmer/Mosel-Verlag. Das Buch umfasst eine Auswahl der Fotografien von 1913 bis 1980. Eisenstaedt selbst ist im August 1995 verstorben.
Beim Durchblättern des Buches entdeckte eine persönliche Einladung zur Vernissage für den 5. Mai 1986 bei der Alfred Eisenstaedt selbst anwesend war. Und nun der Hammer: Der großartige Fotograf unterschrieb meinen Fotoband mit Datumsangabe. Ich werde das Buch in Ehren halten.
Meister des Augenblicks Alfred Eisenstaedt war ein Meister des Augenblicks – ein Fotograf, der nicht einfach Motive suchte, sondern menschliche Wahrheit. Seine Bilder sind stille Zeugen des 20. Jahrhunderts, erfüllt von jener seltenen Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und poetischer Empfindsamkeit. In seinen Fotografien pulsiert das Leben, unverstellt und doch kunstvoll komponiert. Er verstand es, Menschen in ihren unbewachten Momenten festzuhalten, in jenen Sekunden, in denen das Herz stärker spricht als der Verstand.
Eisenstaedt gehörte zu jener Generation von Bildjournalisten, die nach den Verwüstungen des Krieges eine neue Sprache der Menschlichkeit suchten. Für „Life“ bereiste er Kontinente, porträtierte Mächtige und Unbekannte, Künstler und Arbeiter – stets mit dem gleichen aufmerksamen Blick. Seine berühmtesten Fotografien, etwa der Kuss des Matrosen am Times Square, sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Doch hinter der ikonischen Oberfläche stand ein Mann, dessen größte Kunst vielleicht in seiner Empathie lag. Er sah nicht auf Menschen herab, er begegnete ihnen auf Augenhöhe – als Beobachter, der spürte, dass die Wahrheit oft im Zwischenton liegt, in einem Lächeln, einem Schatten, einer flüchtigen Geste. Seine Fotografien erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sie öffnen Räume. Sie zeigen, wie Schönheit aus dem Moment erwächst, wenn Licht und Leben einander berühren. Eisenstaedt hatte das seltene Talent, Flüchtiges zu bewahren, ohne es zu erstarren – der Augenblick blieb lebendig, auch Jahrzehnte später. Seine Bilder erinnern uns daran, dass jedes Gesicht eine Geschichte trägt und dass die Kunst des Sehens immer auch eine Kunst des Mitfühlens ist.
Es gibt viele Fotos, die mich beeindruckt haben. Aber im Hinblick auf meine Reihe politischer Fotografien hat mich ein Bild besonders fasziniert. Das Bild, das Alfred Eisenstaedt 1933 von Joseph Goebbels im Garten des Carlton-Hotels in Genf aufnahm, gehört für mich zu den eindringlichsten fotografischen Entlarvungen nationalsozialistischer Machtpose. Es kondensiert in einem einzigen Blick die ideologische Menschenverachtung des NS-Regimes und die verletzliche Position eines jüdischen Fotografen, der diesem Hass frontal gegenübersteht.
Goebbels sitzt in einem einfachen Gartenstuhl, die knochigen Hände krallen sich an die Armlehnen, der Körper nach vorne gespannt, als würde er sich jederzeit in einen Angriff verwandeln können. Die Figur wirkt zwar klein und körperlich unspektakulär, doch gerade diese Mischung aus körperlicher Unsicherheit und aggressiver Spannung lässt ihn wie ein konzentriertes Bündel aus Ressentiment und Paranoia erscheinen.
Das Zentrum der Komposition sind die Augen: dunkel, verengt, der Blick nach oben direkt in die Kamera geschleudert, voll unverhohlener Feindseligkeit. Man spürt, dass hier kein flüchtiger Moment schlechter Laune eingefangen ist, sondern ein ideologisch aufgeladener Hass, der sich auf die Person vor der Kamera richtet – auf den jüdischen Fotografen, dessen Herkunft Goebbels kurz zuvor erfahren hatte.
Eisenstaedt betont diese psychologische Spannung, indem er nahe herangeht und den Raum um Goebbels herum nur als diffuse Umgebung sichtbar lässt. Der Hintergrund – eine harmlose Hotelszenerie im Grün – steht in brutalem Kontrast zu der inneren Dunkelheit des Dargestellten und verstärkt den Eindruck, dass sich der Hass mitten in einer bürgerlichen Normalität einnistet. Entscheidend für die Wirkung ist die Doppelung, die in der Entstehungsgeschichte des Bildes liegt: Zuvor hatte Eisenstaedt Goebbels freundlich lächelnd fotografiert, erst mit der Kenntnis von dessen jüdischer Herkunft verwandelt sich das Gesicht in diese Maske aus Verachtung. Die Fotografie funktioniert deshalb auch als visuelle Demaskierung – sie zeigt, wie dünn die Fassade höflicher Diplomatie war und wie schnell der antisemitische Kern freiliegt.
Eisenstaedt selbst sprach davon, wie „horrible“ dieser Moment gewesen sei und dass es trotzdem ein stärkeres Bild wurde, gerade weil er so nah heranging und den Blick aushielt. In dieser Nähe liegt eine stille moralische Geste: Der jüdische Fotograf weicht dem Blick des Propagandaministers nicht aus, er hält ihn fest, verwandelt ihn in ein Dokument, das über den historischen Augenblick hinaus Zeugnis ablegt.
So ist das Foto nicht nur Porträt eines Mannes, sondern ein Bild der Machtverhältnisse und ihrer inneren Logik: Kleinheit, die sich zu ideologischer Gewalt aufbläst; Kälte, die sich hinter kultivierten Fassaden versteckt; Hass, der erst wirklich sichtbar wird, wenn ihm jemand standhält. Dass dieses Bild bis heute als „Eyes of Hate“ erinnert wird, zeigt, wie präzise Eisenstaedt den emotionalen Kern des Nationalsozialismus in einer einzigen fotografischen Sekunde eingefangen hat.
Leider fotografiere ich nicht mehr so viel, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber meine Liebe zu Fotos ist weiterhin voll entbrannt. Nicht zuletzt als ich das Prospekt für das wunderbare Buch Genesis von Sebastião Salgado geschickt bekam. Der Taschen-Verlag, zugegeben einer meiner Lieblingsverlage, bringt das opulente Werk in den nächsten Tagen auf den Markt. Allen Fotofreunden, die über das entsprechende Kleingeld verfügen, rate ich: Greift zu – es lohnt sich.
In meinen Fotoseminaren zeige ich immer wieder Ausschnitte aus der Fotogeschichte. Bei Anselm Adams flippen die Seminarteilnehmer aus. Künftig werden sie es auch bei Sebastião Salgado tun, das verspreche ich. Für mich ist Salgado der Anselm Adams des 21. Jahrhunderts, nicht mehr, nicht weniger.
Acht Jahre hat der brasilianische Fotograf gebraucht, um sein Projekt Genesis fertig zu stellen. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an unseren Planeten, an das Ursprüngliche. Salgado hat mehr als 30 Reisen unternommen, in kleinen Propellermaschinen, zu Fuß, mit dem Schiff, im Kanu und sogar im Fesselballon, und dabei klimatischen Extremen und lebensbedrohlichen Situationen getrotzt, um Bilder zu sammeln, die uns Natur, Tierwelt und eingeborene Völker in atemberaubender Pracht vor Augen führen. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören“, sagt Sebastião Salgado. Als ich die Bilder betrachtete, kam Bewunderung, Hochachtung und Wut auf. Bewunderung für dieses Mammutprojekt, Hochachtung für die Leistungen der Natur und Wut, weil wir Menschen Gefahr laufen, alles zu verlieren. Das Projekt Genesis ist für mich ein Appell an die Mitmenschen, die Schöpfung zu bewahren. Sebastião Salgado führt uns mit atemberaubenden Bildern seine Sicht auf die Schöpfung vor. Im Moment läuft bis September die Genesis-Ausstellung im Londoner Natural History Museum. Dort kann man die Bilder live betrachten.
In dem YouTube-Video schaue ich mir den Werbeprospekt für die Luxusausgabe des Buches genauer an:
In Sachen Pressefotografie ist der Fotograf eine Berühmtheit. Er ist Mitglied der legendären Agentur Magnum, die vom Urvater der Pressefotografie Robert Capa gegründet wurde. 1981 fotografierte Sebastião Salgado das Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan und wurde schlagartig in der aktuellen Pressefotografie bekannt. Zuvor widmete sich er sich der sozialkritischen Fotografie.