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US-Präsidenten – Eine Fotoreise (3): The Kennedys: Portrait of a Family

30. Juni 2026

Ein Foto fasziniert mich seit langem. Es ist ein Portraitbild von Jackie und J-F. Kennedy, geschossen von Meisterfotograf Richard Avedon. Mein Kollege Thomas Gerlach zeigte es einmal in einem Fotoseminar und seitdem geht mir dieses perfekte Bild nicht mehr aus dem Kopf- Es ist absolut beeindruckend. Es beschäftigte mich so sehr, dass ich mir jetzt das Buch über dieses Bild gekauft habe: Die Kennedys – Portrait einer Familie.
Das Bild ist eine Ikone und ich wollte mehr wissen. Das Foto wurde aufgenommen für eine Session für Harper’s Bazaar und erschien später auch in Look. Fototermin war der 3. Januar 1961 bei den Kennedys zu Hause in Palm Beach, Florida. Hier vereinigte der Fotograf Richard Avedon Mode, Geschichte und Fotografie.

Richard Avedons Fotoband „Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist weit mehr als ein Bildband über eine berühmte politische Dynastie. Das Buch zeigt John F. Kennedy, Jacqueline Kennedy und ihre Kinder in einem historischen Moment größter Erwartung: wenige Wochen vor dem Einzug ins Weiße Haus, fotografiert im Januar 1961 in Palm Beach. Avedon, einer der prägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts, richtet seinen Blick dabei nicht nur auf Macht, Eleganz und öffentliche Inszenierung, sondern auch auf die fragile Privatheit einer Familie, die längst zum Mythos geworden ist.
Die Stärke des Bandes liegt in der Spannung zwischen Nähe und Distanz. Die Kennedys erscheinen jung, schön, kontrolliert und zugleich erstaunlich menschlich. Jacqueline Kennedy wirkt stilbewusst und zurückhaltend, John F. Kennedy zeigt die souveräne Ausstrahlung des künftigen Präsidenten, während die Kinder Caroline und John Jr. eine beinahe intime Leichtigkeit in die Aufnahmen bringen. Doch gerade weil man den späteren Verlauf der Geschichte kennt, liegt über vielen Bildern eine eigentümliche Melancholie. Aus heutiger Sicht betrachtet man nicht nur eine Familie am Beginn einer politischen Ära, sondern auch den Vorhof einer Tragödie.
Avedons Schwarz-Weiß-Fotografien sind klar, elegant und konzentriert. Sie verzichten auf überflüssige Effekte und leben von Blicken, Haltungen und feinen Gesten. Der Band enthält zahlreiche Fotografien aus dieser Sitzung, darunter viele lange unveröffentlichte Aufnahmen, und macht sichtbar, wie eng politische Hoffnung, mediale Bildproduktion und familiäre Inszenierung miteinander verbunden waren.
„Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist deshalb nicht nur für Kennedy-Interessierte lohnend, sondern auch für Liebhaber großer Fotografie. Das Buch zeigt, wie ein Bild Mythos erzeugen kann – und wie hinter dem Mythos für einen kurzen Moment Menschen sichtbar werden.

Buchtipp: Genesis von Sebastião Salgado

17. Mai 2013

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Leider fotografiere ich nicht mehr so viel, wie ich eigentlich gerne möchte. Aber meine Liebe zu Fotos ist weiterhin voll entbrannt. Nicht zuletzt als ich das Prospekt für das wunderbare Buch Genesis von Sebastião Salgado geschickt bekam. Der Taschen-Verlag, zugegeben einer meiner Lieblingsverlage, bringt das opulente Werk in den nächsten Tagen auf den Markt. Allen Fotofreunden, die über das entsprechende Kleingeld verfügen, rate ich: Greift zu – es lohnt sich.

In meinen Fotoseminaren zeige ich immer wieder Ausschnitte aus der Fotogeschichte. Bei Anselm Adams flippen die Seminarteilnehmer aus. Künftig werden sie es auch bei Sebastião Salgado tun, das verspreche ich. Für mich ist Salgado der Anselm Adams des 21. Jahrhunderts, nicht mehr, nicht weniger.

Acht Jahre hat der brasilianische Fotograf gebraucht, um sein Projekt Genesis fertig zu stellen. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an unseren Planeten, an das Ursprüngliche.  Salgado hat mehr als 30 Reisen unternommen, in kleinen Propellermaschinen, zu Fuß, mit dem Schiff, im Kanu und sogar im Fesselballon, und dabei klimatischen Extremen und lebensbedrohlichen Situationen getrotzt, um Bilder zu sammeln, die uns Natur, Tierwelt und eingeborene Völker in atemberaubender Pracht vor Augen führen. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören“, sagt Sebastião Salgado. Als ich die Bilder betrachtete, kam Bewunderung, Hochachtung und Wut auf. Bewunderung für dieses Mammutprojekt, Hochachtung für die Leistungen der Natur und Wut, weil wir Menschen Gefahr laufen, alles zu verlieren. Das Projekt Genesis ist für mich ein Appell an die Mitmenschen, die Schöpfung zu bewahren. Sebastião Salgado führt uns mit atemberaubenden Bildern seine Sicht auf die Schöpfung vor. Im Moment läuft bis September die Genesis-Ausstellung im Londoner Natural History Museum. Dort kann man die Bilder live betrachten.

In dem YouTube-Video schaue ich mir den Werbeprospekt für die Luxusausgabe des Buches genauer an:

In Sachen Pressefotografie ist der Fotograf eine Berühmtheit. Er ist Mitglied der legendären Agentur Magnum, die vom Urvater der Pressefotografie Robert Capa gegründet wurde. 1981 fotografierte Sebastião Salgado das Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan und wurde schlagartig in der aktuellen Pressefotografie bekannt. Zuvor widmete sich er sich der sozialkritischen Fotografie.

Das Buch gibt es in einer Volksausgabe für rund 50 Euro, aber auch in unterschiedlichen Sammlerausgaben von 3000 bis 8000 Euro, je nach Geldbeutel.