Großes Staraufgebot, berstender Beton und eine Filmmusik, die den Untergang mit angemessenem Pathos begleitet: Bei meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck stand mit „Erdbeben“ ein Klassiker des Katastrophenkinos auf dem Programm. Mark Robsons Film aus dem Jahr 1974 bot Gelegenheit, eine Ära Hollywoods wiederzuentdecken, in der aufwendige Modellbauten, spektakuläre Stunts und persönliche Schicksale das große Leinwandereignis bestimmten. Die nächste Matinee ist am Sonntag, 15. November um 10:45 Uhr der Film Die Wildgänse kommen. Karten gibt es hier.

Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem verheerenden Erdbeben getroffen wird. Bevor Straßen aufreißen und Häuser einstürzen, nimmt sich der Film allerdings viel Zeit für seine Figuren. Charlton Heston spielt den Bauingenieur Stewart Graff, dessen Ehe mit Remy, dargestellt von Ava Gardner, längst in einer schweren Krise steckt. George Kennedy, Lorne Greene, Geneviève Bujold und Richard Roundtree ergänzen das prominente Ensemble. Ihre zunächst getrennten Geschichten werden durch die Katastrophe miteinander verbunden. Hier ist die Aufzeichnung meiner Einführung.
Gerade dieser gemächliche Aufbau macht heute einen Teil des Charmes aus. „Erdbeben“ stammt aus einer Zeit, in der das drohende Unglück sorgfältig vorbereitet wurde. Das Publikum sollte die Menschen kennenlernen, deren Leben später buchstäblich aus den Fugen gerät. Manche Dialoge und dramatischen Zuspitzungen wirken aus heutiger Sicht überzogen. Doch das Melodram gehört zu diesem Kino ebenso wie die einstürzenden Fassaden.
Mit dem großen Beben entfaltet der Film schließlich seine ganze handwerkliche Wucht. Modellbauten, Matte Paintings, reale Kulissen und Stuntarbeit verbinden sich zu eindrucksvollen Bildern der Zerstörung. Nicht jeder Effekt hält heutigen Sehgewohnheiten stand. Vieles besitzt jedoch eine bemerkenswerte physische Qualität: Die Gebäude haben Gewicht, die Trümmer fallen mit spürbarer Wucht. Hinter den Bildern steht ein enormer Aufwand an gebautem und anschließend zerstörtem Material.




Zur Geschichte des Films gehört auch das legendäre Sensurround-Verfahren. Besonders tiefe Bassfrequenzen machten die Katastrophe bei entsprechend ausgestatteten Vorführungen der siebziger Jahre körperlich spürbar. Die Technik war Teil des Versprechens, „Erdbeben“ zu einem Ereignis zu machen, das weit über das bloße Zuschauen hinausging.
Auch die Musik trägt entscheidend zur Wirkung bei. John Williams verbindet menschliches Drama und großes Spektakel mit sicherem Gespür. Seine Partitur entstand kurz vor jener Phase, in der er mit „Der weiße Hai“, „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ einige seiner bekanntesten Filmmusiken schuf.





Natürlich bleibt „Erdbeben“ ein Kind seiner Zeit. Rollenbilder, Dialoge und die Verteilung von Heldenmut und Hilflosigkeit spiegeln das Hollywood der siebziger Jahre. Charlton Heston verkörpert einmal mehr jenen nahezu unerschütterlichen Mann, den das damalige Kino besonders gern ins Zentrum existenzieller Krisen stellte. Das wirkt heute gelegentlich antiquiert, macht den Film aber auch zu einem aufschlussreichen Zeitdokument.
Zusammen mit „Airport“, „Die Höllenfahrt der Poseidon“ und „Flammendes Inferno“ steht „Erdbeben“ für die große Zeit des Katastrophenfilms. Das Rezept verband Stars und private Konflikte mit einer übermächtigen Bedrohung – und hielt die Spannung mit der Frage aufrecht, wer am Ende überleben würde.
Mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Entstehung hat der Film einen Teil seines ursprünglichen Schreckens gegen nostalgischen Glanz eingetauscht. Geblieben ist ein aufwendig produziertes Hollywoodspektakel: pathetisch, stellenweise unfreiwillig komisch und voller eindrucksvoller Handarbeit. Die Matinee im Scala bot den passenden Rahmen, diesen Klassiker auf der großen Leinwand wiederzusehen – dort, wo seine Bilder der zusammenbrechenden Stadt ihre Wirkung am besten entfalten.
Die nächste Matinee ist am Sonntag, 15. November um 10:45 Uhr der Film Die Wildgänse kommen. Karten gibt es hier.
Tags: Erdbeben, Erdbeben 1974, Katastrophenfilm, Matinee, Scala Fürstenefeldbruck
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