„Erdbeben“ gehört zu jener wunderbaren Ära des Katastrophenfilms, in der Hollywood keine halben Sachen machte. Wenn schon die Welt untergeht, dann bitte auf der großen Leinwand, mit einem gewaltigen Staraufgebot, spektakulären Miniaturen, berstendem Beton und einem Orchester, das den Untergang mit angemessenem Pathos begleitet. Mark Robsons Film aus dem Jahr 1974 ist ein geradezu exemplarisches Stück dieses Kinos – und zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem verheerenden Erdbeben getroffen wird. Doch bevor Straßen aufreißen, Häuser einstürzen und Menschen um ihr Leben kämpfen, nimmt sich der Film erstaunlich viel Zeit für seine Figuren. Charlton Heston spielt den Bauingenieur Stewart Graff, dessen Ehe mit Remy, dargestellt von Ava Gardner, längst in einer schweren Krise steckt. Dazu kommen George Kennedy als Polizist, Lorne Greene, Geneviève Bujold, Richard Roundtree und weitere bekannte Gesichter. Wie bei den großen Katastrophenfilmen jener Zeit werden zunächst zahlreiche persönliche Geschichten aufgebaut, bevor das Unglück sie miteinander verbindet.
Gerade darin liegt heute ein Teil des Charmes. „Erdbeben“ stammt aus einer Zeit, als ein Katastrophenfilm noch nicht aus einer pausenlosen Folge digitaler Zerstörungsorgien bestand. Die Katastrophe musste vorbereitet werden. Das Publikum sollte die Menschen kennenlernen, deren Leben später buchstäblich aus den Fugen gerät. Manche Figurenzeichnung erscheint aus heutiger Sicht melodramatisch, gelegentlich sogar herrlich überzogen. Doch genau dieses Pathos gehört zum Genre.
Wenn schließlich das große Beben einsetzt, zeigt „Erdbeben“, weshalb der Film damals ein Ereignis war. Die Spezialeffekte verbinden aufwendige Modellbauten, Matte Paintings, reale Sets und Stuntarbeit zu eindrucksvollen Bildern der Zerstörung. Nicht alles hält heutigen Sehgewohnheiten stand, aber vieles besitzt eine physische Qualität, die modernen CGI-Bildern manchmal fehlt. Gebäude scheinen tatsächlich Gewicht zu haben, Trümmer tatsächlich zu fallen. Man spürt, dass hier Kulissen gebaut wurden, damit sie anschließend spektakulär zerstört werden konnten.
Legendär wurde zudem das für den Film entwickelte Sensurround-Verfahren. Besonders tiefe Bassfrequenzen sollten im Kinosaal nicht nur gehört, sondern körperlich gespürt werden. Sitze und Wände vibrierten, wenn das Erdbeben über Los Angeles hereinbrach. „Erdbeben“ wollte damit mehr sein als ein Film: Es sollte ein Kinoereignis werden, bei dem die Technik selbst Teil der Inszenierung war. Für das Publikum der siebziger Jahre muss diese akustische Attacke enorm gewesen sein.
Und dann ist da John Williams. Seine Musik entstand unmittelbar vor jener Phase, in der er mit „Der weiße Hai“, „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ endgültig zu einem der bedeutendsten Filmkomponisten Hollywoods aufstieg. Schon in „Erdbeben“ versteht Williams es, menschliches Drama und großes Spektakel musikalisch miteinander zu verbinden.
Natürlich ist der Film ein Kind seiner Zeit. Rollenbilder, Dialoge und manche dramatische Zuspitzung wirken heute antiquiert. Charlton Heston ist wieder jener nahezu unerschütterliche Mann, den Hollywood besonders gern ins Zentrum existenzieller Krisen stellte. Und Ava Gardner war in Wirklichkeit nur wenige Jahre älter als Heston, obwohl ihre Figur teilweise deutlich älter inszeniert wird – eine jener Merkwürdigkeiten des damaligen Starsystems.
Doch gerade deshalb sollte man „Erdbeben“ nicht allein mit den Maßstäben heutiger Blockbuster betrachten. Der Film gehört zusammen mit Werken wie „Airport“, „Die Höllenfahrt der Poseidon“ und „Flammendes Inferno“ zu einer Epoche, in der der Katastrophenfilm zu einem der großen Publikumsmagneten Hollywoods wurde. Das Rezept war einfach und wirkungsvoll: Stars, private Konflikte, eine gewaltige Bedrohung und die Frage, wer am Ende überlebt.
Fünf Jahrzehnte später besitzt „Erdbeben“ vielleicht nicht mehr denselben Schrecken wie 1974. Dafür hat er etwas anderes gewonnen: nostalgischen Glanz. Es ist großes, manchmal pathetisches, manchmal unfreiwillig komisches, aber mit beeindruckendem handwerklichem Aufwand produziertes Hollywoodkino. Ein Film aus einer Zeit, in der man für die Illusion einer zusammenbrechenden Stadt tatsächlich Modelle baute, Kulissen zerlegte und das Kino zum Vibrieren brachte.
Und wenn heute beim Abspann die Erde längst wieder stillsteht, bleibt vor allem die Erinnerung daran, was ein Katastrophenfilm einmal sein konnte: ein Ereignis, für das die große Leinwand nicht nur die beste, sondern eigentlich die einzig richtige Bühne war.
Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Ich liebe das Kino und ich freue mich sehr, das im Scala Fürstenfeldbruck meine Matineen für das zweite Halbjahr ankündigen darf. Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz und ich haben ziemlich gerungen ein ansprechendes cineastisches Programm auf die Beine zu stellen.
Wir starten jetzt auch eine Reihe von Science-Fiction-Filmen. Die Wunschliste ist lang und die groben Planungen für das erste Halbjahr 2027 laufen an. Es ist aber natürlich alles abhängig von der Resonanz des Publikums. Unsere Zuschauer entscheiden, ob die Wahl für das zweite Halbjahr ansprechend ist. Ich bin gespannt. Also es geht los. Der Kartenvorverkauf ist gestartet.
Matinee: Der Herr der Ringe Am Sonntag, 9. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
Der Zeichentrickfilm „Der Herr der Ringe“ von Ralph Bakshi aus dem Jahr 1978 ist eine eigenständige und bis heute interessante Umsetzung von J. R. R. Tolkiens Fantasy-Epos. Die Handlung folgt Frodo Beutlin, der den Einen Ring aus dem Auenland fortbringen muss, um ihn vor dem Zugriff Saurons zu schützen. Gemeinsam mit seinen Gefährten beginnt er eine gefährliche Reise durch Mittelerde. Besonders sehenswert ist die besondere Bildsprache des Films, die klassische Animation mit real gefilmten Bewegungsabläufen verbindet. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche, stellenweise düstere Atmosphäre, die gut zur Bedrohung durch Mordor passt. Der Film zeigt zentrale Stationen der Geschichte – von Bruchtal über die Minen von Moria bis zu den Kämpfen gegen Sarumans Truppen – und bietet einen spannenden Zugang zu Tolkiens Welt. Für Fantasy-Fans und Liebhaber klassischer Animationsfilme ist diese Fassung eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Ferris macht blau Am Sonntag, 30. August von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Ferris macht blau“ ist eine charmante und bis heute äußerst unterhaltsame Komödie aus den 1980er-Jahren. Im Mittelpunkt steht Ferris Bueller, ein einfallsreicher Schüler, der einen freien Tag vortäuscht und gemeinsam mit seinem besten Freund Cameron und seiner Freundin Sloane Chicago unsicher macht. Während der Schuldirektor alles daransetzt, Ferris zu überführen, entwickelt sich der Tag zu einem turbulenten Ausflug voller Witz, Tempo und überraschender Momente. Der Film überzeugt durch seinen leichten Ton, pointierte Dialoge und eine Hauptfigur, die mit viel Charme und Selbstbewusstsein durch die Geschichte führt. Besonders gelungen ist die Mischung aus jugendlicher Rebellion, Slapstick und warmherziger Freundschaftsgeschichte. „Ferris macht blau“ ist damit ein echter Komödienklassiker, der auch heute noch frisch wirkt und beste Unterhaltung für alle bietet, die intelligente, gut gelaunte Filmkomödien schätzen.
Matthew Broderick, Mia Sara, and Alan Ruck publicity portrait for the film ‚Ferris Bueller’s Day Off‘, 1986. (Photo by Paramount/Getty Images)
Matinee: Erdbeben Am Sonntag, 20. September von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Erdbeben“ ist ein packender Katastrophenfilm aus den 1970er-Jahren, der das Genre mit eindrucksvollen Bildern und großer Spannung prägt. Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem schweren Beben erschüttert wird. Der Film begleitet verschiedene Menschen, deren Wege sich vor und nach der Katastrophe kreuzen – darunter Architekten, Rettungskräfte und ganz normale Bürger, die plötzlich um ihr Überleben kämpfen müssen. Besonders wirkungsvoll ist die Mischung aus persönlichem Drama, spektakulären Zerstörungsszenen und klassischer Spannungserzählung. „Erdbeben“ setzt auf große Schauwerte, ein prominentes Ensemble und die für seine Zeit beeindruckende Inszenierung der Naturgewalt. Dadurch entsteht ein intensiver Filmabend, der Fans klassischer Katastrophenfilme ebenso anspricht wie Zuschauer, die spannendes Unterhaltungskino mit nostalgischem Flair schätzen.
Matinee: Starship Troopers Am Sonntag, 4. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Starship Troopers“ ist ein temporeicher Science-Fiction-Film, der actionreiches Unterhaltungskino mit satirischen Elementen verbindet. Im Mittelpunkt steht eine futuristische Gesellschaft, in der junge Menschen zum Militärdienst ermutigt werden, um gegen eine außerirdische Insektenrasse zu kämpfen. Der Film folgt Johnny Rico und seinen Freunden auf ihrem Weg von der Ausbildung bis zu brutalen Einsätzen auf fremden Planeten. Besonders sehenswert ist die Mischung aus spektakulären Effekten, intensiven Kampfszenen und einer bewusst überzeichneten Darstellung von Militär, Propaganda und Heldentum. „Starship Troopers“ bietet nicht nur packende Science-Fiction-Action, sondern auch eine bissige Gesellschaftssatire, die dem Film bis heute seinen besonderen Reiz gibt. Für Fans von genrebewusstem, provokantem und visuell eindrucksvollem Kino ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Ein Fressen für die Geier Am Sonntag, 11. Oktober von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Ein Fressen für die Geier“ ist ein unterhaltsamer Western mit Abenteuercharakter, der klassische Genreelemente mit Humor und ungewöhnlichen Figuren verbindet. Im Mittelpunkt steht der Söldner Hogan, der in Mexiko auf eine vermeintliche Nonne trifft. Gemeinsam geraten sie in eine gefährliche Mission während der französischen Besatzung – mit überraschenden Wendungen, rauem Charme und pointierten Dialogen. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren Clint Eastwood und Shirley MacLaine, die sich zunächst misstrauisch begegnen, aber nach und nach zu einem schlagkräftigen Duo werden. „Ein Fressen für die Geier“ überzeugt durch seine Mischung aus Spannung, lakonischem Witz und klassischer Westernatmosphäre. Für Freunde des Genres ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung mit starken Darstellern und einem angenehm eigenständigen Ton.
Matinee: The Fog – Nebel des Grauens Am Sonntag, 1. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„The Fog – Nebel des Grauens“ ist ein atmosphärischer Horrorklassiker von John Carpenter, der seine Spannung weniger aus grellen Schockeffekten als aus Stimmung, Andeutung und unheimlicher Erwartung bezieht. Im Mittelpunkt steht die Küstenstadt Antonio Bay, die kurz vor ihrem Jubiläum von einem geheimnisvollen Nebel heimgesucht wird. Mit ihm kehrt ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit zurück – und eine tödliche Bedrohung nähert sich der Stadt. Besonders wirkungsvoll ist die dichte, maritime Atmosphäre des Films: Leuchtturm, Küste, nächtliche Straßen und der langsam heranziehende Nebel erzeugen eine stetig wachsende Spannung. „The Fog – Nebel des Grauens“ überzeugt durch seine klassische Inszenierung, den prägnanten Soundtrack und seine unheilvolle Stimmung. Für Freunde des gepflegten Gruselkinos ist der Film eine sehenswerte Wiederentdeckung und ein starker Vertreter des atmosphärischen Horrors.
Matinee: Die Wildgänse kommen Am Sonntag, 15. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Die Wildgänse kommen“ ist ein spannender Abenteuer- und Kriegsfilmklassiker, der mit einem starken Ensemble, klarer Dramaturgie und viel Spannung überzeugt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe erfahrener Söldner, die den Auftrag erhält, einen afrikanischen Politiker aus der Gefangenschaft zu befreien. Was zunächst als präzise geplante Mission beginnt, entwickelt sich bald zu einem gefährlichen Überlebenskampf. Besonders sehenswert ist das Zusammenspiel der markanten Hauptdarsteller, darunter Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Hardy Krüger. „Die Wildgänse kommen“ verbindet klassische Action, militärische Spannung und persönliche Konflikte zu einem packenden Film mit rauem Ton und nostalgischem Abenteuerflair. Für Freunde großer Ensemblefilme und klassischer Spannungskinos ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Blade Runner Am Sonntag, 29. November von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Blade Runner“ ist ein stilprägender Science-Fiction-Klassiker, der düstere Zukunftsvision, Kriminalfilm und philosophische Fragen eindrucksvoll verbindet. Im Mittelpunkt steht Rick Deckard, ein sogenannter Blade Runner, der in einem verregneten, neonhellen Los Angeles des Jahres 2019 künstlich erschaffene Menschen – sogenannte Replikanten – aufspüren soll. Doch seine Mission führt ihn zunehmend an die Grenzen zwischen Menschlichkeit, Erinnerung und künstlichem Leben. Besonders sehenswert ist die einzigartige Bildsprache des Films: Großstadt, Schatten, Dauerregen, Werbetafeln und elektronische Musik schaffen eine dichte Atmosphäre, die bis heute viele Science-Fiction-Filme geprägt hat. „Blade Runner“ überzeugt durch seine starke Inszenierung, seine nachdenkliche Grundstimmung und die faszinierende Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Für Freunde anspruchsvoller Science-Fiction ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung und ein Meilenstein des Genres.
Matinee: Dark Star Am Sonntag, 6. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Dark Star“ ist ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Film, der Weltraumabenteuer, schwarzen Humor und philosophische Absurdität auf sehr eigenständige Weise verbindet. Im Mittelpunkt steht die Besatzung des Raumschiffs Dark Star, die seit Jahren durchs All reist, um instabile Planeten zu zerstören. Der Alltag an Bord ist geprägt von technischer Überforderung, Langeweile, skurrilen Zwischenfällen und zunehmender Erschöpfung. Besonders sehenswert ist der lakonische Ton des Films, der klassische Science-Fiction-Motive bewusst gegen den Strich bürstet. „Dark Star“ überzeugt durch seinen trockenen Humor, seine originellen Ideen und den Charme einer frühen Low-Budget-Produktion von John Carpenter und Dan O’Bannon. Für Freunde schräger Science-Fiction und kultiger Genreklassiker ist der Film eine lohnende Wiederentdeckung.
Matinee: Auf dem Highway ist die Hölle los Am Sonntag, 27. Dezember von 10:45 -13:30 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck
„Auf dem Highway ist die Hölle los“ ist eine turbulente Actionkomödie mit hohem Tempo, viel Situationskomik und einem großen Staraufgebot. Im Mittelpunkt steht ein illegales Autorennen quer durch die USA, bei dem sehr unterschiedliche Teilnehmer mit allen Tricks versuchen, als Erste ins Ziel zu kommen. Dabei geraten sie in aberwitzige Verfolgungsjagden, Täuschungsmanöver und komische Zwischenfälle.
Besonders unterhaltsam ist die Mischung aus rasantem Roadmovie, Slapstick und lockerem Ensemblefilm. „Auf dem Highway ist die Hölle los“ lebt von seinem unbeschwerten Ton, den exzentrischen Figuren und dem nostalgischen Charme des Unterhaltungskinos der frühen 1980er-Jahre. Für Freunde klassischer Actionkomödien ist der Film eine vergnügliche Wiederentdeckung mit viel Tempo und guter Laune.
Gestern jährte sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima zum 15. Mal und dieses Ereignis hat die Welt verändert. Ich habe diesen Tag besonders gedacht und Manga zu diesem Ereignis gelesen. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 bildet den Hintergrund der Manga‑Reihe „Faktor 1F“ („Ichi‑F“). Am 11. März 2011 löste ein schweres Erdbeben einen Tsunami aus, der die Anlage Fukushima I überschwemmte; die Wellen zerstörten die Stromversorgung der Reaktoren, die Kühlung fiel aus, Brennstäbe überhitzten und es kam zu Kernschmelzen mit Wasserstoffexplosionen. Die Region wurde radioaktiv verseucht, rund 160 000 Menschen mussten evakuiert werden, und die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch Jahrzehnte dauern. In diesem Zusammenhang erschien zwischen 2013 und 2015 in Japan der dokumentarische Manga „Ichi Efu: Fukushima Daiichi Genshiryoku Hatsudensho Rōdōki“, der im Deutschen als „Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima“ veröffentlicht wurde. Die Serie gewann 2013 den Manga‑Open‑New‑Face‑Preis, wurde in der Zeitschrift Morning serialisiert und später in drei Bänden herausgebracht; das erste Buch verkaufte sich in Japan innerhalb von zwei Wochen etwa 170 000 Mal. Die Teile in Deutsch gibt es hier, hier und hier
Der Autor Kazuto Tatsuta ist ein Pseudonym. Er hatte vor der Katastrophe Schwierigkeiten, seine Werke zu veröffentlichen, nahm dann eine Stelle als Aufräumarbeiter im Reaktor F1 an und dokumentierte seine Eindrücke. Um seine erneute Anstellung nicht zu gefährden, verbarg er seine Identität; auch die deutsche Ausgabe enthält ein Vorwort, in dem er erklärt, dass er weder die Regierung noch den Betreiber TEPCO kritisieren will, sondern nur erzählen möchte, was er erlebt hat – ähnlich wie ein Soldat nach dem Krieg. Diese Haltung macht seine Erzählung ungewöhnlich nüchtern. Hier ein Podcast von Google NotebookLM.
Die Handlung beginnt gut ein Jahr nach der Dreifachkatastrophe. Tatsuta führt die Leser in das geisterhaft verlassene Sperrgebiet und die monströsen Ruinen des zerstörten Kraftwerks; Lagepläne und Legenden der einzelnen Räume wirken wie technische Zeichnungen. Das dreibändige Werk ist keine dramatisierte Thriller‑Story, sondern eine Aneinanderreihung von Vignetten, in denen Tatsuta seine Arbeitswelt schildert. Er beschreibt akribisch, wie schwierig es war, überhaupt eine Stelle zu bekommen, wie irritiert sein Umfeld reagierte und welche Hürden die Bürokratie und das mehrstufige System aus Subunternehmen aufstellten. Die Zeichnungen entstanden während der Pausen direkt in Fukushima, was dem Manga eine dokumentarische Authentizität verleiht.
Den Schwerpunkt legt Tatsuta auf die alltägliche Arbeit, nicht auf spektakuläre Szenen. Er schildert, wie Arbeiter ihre Zeit in kleinen, überfüllten Zimmern verbringen und oft tagelang warten müssen, bis sie überhaupt eingesetzt werden können; erst nach der Hälfte des Bandes wird er als Arbeiter eingesetzt und soll lediglich Aufenthaltsräume herrichten. Er beschreibt die Hitze und den Schweiß unter den Schutzanzügen, die eingeschränkte Beweglichkeit und die ständige Wiederholung von An‑ und Ausziehen, Strahlenmessung und Pausen. Der eigentliche Schrecken liegt für ihn nicht in der Radioaktivität, sondern in banalen, körperlich quälenden Problemen: Durst, Hitzeschläge, juckende Haut. Tatsuta hält die Strahlung für „ehrlich“ – ein berechenbares, mathematisch quantifizierbares Risiko . Gefährlicher seien menschliche Faktoren wie Missmanagement, Medienpanik und das mafiöse Subunternehmersystem. Diese Einstellung unterscheidet sein Werk von vielen kritischen Fukushima‑Narrativen; manche Leser sehen darin Naivität oder regierungsnahe Propaganda, andere schätzen den Einblick in die reale Arbeitswelt ohne ideologische Schlagseite. So hab ich es auch gesehen.
Die grafische Umsetzung ist unspektakulär. Der Zeichenstil entspricht dem zurückhaltenden Realismus eines Seinen‑Mangas; Diagramme und erklärende Texte wirken wie eine Bedienungsanleitung und verdeutlichen Tatsutas Liebe zum Detail. Dieser sachliche Ton lässt Emotionen weitgehend außen vor, vermittelt aber ein Gefühl für die Monotonie und den „endlosen Alltag“ im verseuchten Kraftwerk. Kritiker loben die genaue Darstellung der Ausrüstung, der Sicherheitsprozeduren und der Schutzmaßnahmen, bemängeln aber die fehlende narrative Spannung und die Abwesenheit politischer Einordnung. Das Buch ist eher „Arbeitsplatz‑Slice‑of‑Life“ als Katastrophendrama.
Gleichwohl bietet „Faktor 1F“ einen einzigartigen Blick auf den Schrecken der Atomkatastrophe. Durch die Nüchternheit seiner Darstellung wird der Horror der verlassenen Ruinen, der verstrahlten Umwelt und der entwurzelten Menschen umso eindringlicher. Die Ghost Town, in die Tatsuta den Leser führt, ruft die Bilder des Super‑GAUs wach, bei dem Reaktorgebäude explodierten und riesige Stahlbetonskelette zurückblieben. Gleichzeitig erinnert er daran, dass hinter den Katastrophenmeldungen Menschen stehen, die in unwürdigen Verhältnissen arbeiten, sich gegenseitig stützen und versuchen, eine gewisse Normalität zu finden. Seine neutrale Haltung – er dokumentiert den Glauben vieler Japaner, dass Atomkraft beherrschbar sei  – fordert europäische Leser heraus, ihre eigenen Vorstellungen zu hinterfragen. Heute haben wir in Bayern wieder die Forderung des Ministerpräsidenten nach der Rückkehr zur vermeindlich sicheren Atomkraft, nachdem man noch vor Jahren den Ausstieg propagierte. Gerade weil der Manga keine klaren Botschaften liefert, sondern Beobachtungen, eröffnet er einen Raum für Reflexion über Technikgläubigkeit, Arbeitsausbeutung und die menschlichen Konsequenzen von Atomkatastrophen.
Insgesamt empfand ich „Faktor 1F“ als keine leichte Lektüre. Der Manga verlangt Geduld und Interesse an technischen Details, bietet dafür aber ein dichtes Dokument der Nachsorge in Fukushima. Wer einen spannungsreichen Katastrophen‑Comic erwartet, wird enttäuscht sein; wer hingegen eine authentische, ungeschönte Sicht auf den Alltag der Arbeiter sucht, wird reich belohnt. Die Serie zeigt, dass der Schrecken der Atomkatastrophe nicht nur in Explosionen und Strahlenwerten liegt, sondern auch in der Monotonie, der hitzebedingten Ohnmacht und der Perspektivlosigkeit der Menschen vor Ort – und sie macht deutlich, wie wichtig es ist, diese individuellen Geschichten neben den statistischen Angaben zu hören. Und der Manga hat mich wieder zum Nachdenken gebracht und brachte mir die schrecklichen Bilder von damals vor Augen. Japan stand damit einige Jahre nicht mehr auf meinem Reiseprogramm.
Vielleicht ist es ja Schicksal, dass ich an dem Tag an dem deutsche Atomkraftwerke abgeschaltet werden über den japanischen Anime-Film Suzume blogge.
Der Film von Großmeister Makoto Shinkai behandelt sehr geschickt das japanisches Trauma Fukushima, ohne den Ort oder das Ereignis der Atomkatastrophe beim Namen zu nennen. Das Unglück kommt am Rande des rauschenden Bilderflusses vor. Für deutsche Zuschauer faszinierend ist das funktionierende Handywarnsystem vor Katastrophen. Katastrophen über Hiroshima und Nagasaki und die Erdbeben sind ein Motiv im japanischen Film und Makoto Shinka bringt diese Thematik in eine neue Zeit zu einem neuen Publikum, moderner als Akira und Godzilla. Die Katastrophe, die jederzeit hereinbrechen kann, ist ein klares Motiv des Films.
Suzume ist ein bildgewaltiger Film über Verlust und Vernichtung – und es ist ein Film über die Suche nach Liebe eingebettet in typischen Naturaufnahmen, wie wir sie bei Makoto Shinkai vergangenen beiden Filmen Your Name und Weathering with You gewohnt sind. Shinkai, der inzwischen in die Oscar-Jury aufgenommen wurde, versteht es wie kein Zweiter im Anime-Kino die Komplexität, Schönheit und Gewalttätigkeit von Natur auf die Leinwand zu bringen. Natur kommt wahnsinnig hyperrealistisch ins Kino.
Aber er bringt auch typisch japanische Erzählweise auch Gewalt in seine Filme. Bei Suzume ist es der rote Wurm, der Erdbeben auslöst. Das Verderben schlummert in der Erde und bricht immer wieder aus, verursacht Erdbeben und bringt den Tod und Verwüstung. So auch bei der Hauptdarstellerin Suzume, die als vierjähriges Kind ihre Mutter bei einem Erdbeben verlor und durch die verwüstete japanische Landschaft irrte. Sie wurde von ihrer Tante Takami aufgenommen und großgezogen und begegnet im jugendlichen Alter einen Fremden, der sie nach Türen in Lost Places fragt. Diese Türen müssen geschlossen werden, damit der rote Wurm nicht aus der Erde hervorbricht und Beben auslöst. Dieser Lehramtsstudent bezeichnet sich als Schließer und ist in der familiären Tradition der Schließer. Es gilt einen Schlussstein zu setzen, um den Wurm zu zähmen. Blöderweise hat Suzume einen Schlussstein entfernt und den Tornado roter Wurm entfesselt.
Makoto Shinkai erzählt die Geschichte mit viel Details und unglaublich viel Humor. Der dreibeinige Stuhl, in den der Geist des Heiden eingeht, zeugt von Humor, hat aber auch einen tieferen Sinn des Verlustes. Der Stuhl, der durch das Erdbeben ein Bein verlor, ist die letzte Erinnerung an die Mutter von Suzume. Makoto Shinkai sagt zu seinem Film: „Suzume steht stellvertretend für all die Kinder, die im Erdbeben ihre Eltern verloren haben. Suzumes Geschichte, ihre Reise, ist sehr traurig und schwer. Ich wollte einen unterhaltenden Gegenpart an ihre Seite stellen. Etwas, dass die Stimmung ein bisschen auflockert. Ein Stuhl mit drei Beinen. Das ist erstmal lustig, denn ein dreibeiniger Stuhl bewegt sich komisch. Aber es steckt mehr dahinter, denn der Stuhl wurde vom Tsunami mitgerissen und hat ein Bein verloren. Es ist aber auch eine Metapher auf die Seele von Suzume. Das fehlende Stuhlbein steht stellvertretend für ihre Mutter, die sie verloren hat. Sie lernt aber: Selbst wenn man etwas im Leben verloren hat, kann man weiterleben, weiterlachen, sich sogar verlieben.“ Das klingt alles nach Fantasie. Aber Suzume ist mehr. Filmisch gesehen ist der Anime ein gewaltiges Roadmovie mit dem klassischen Thema der Suche. Suzume sucht sich selbst und durchstreift Städte und Gemeinden Japans mit dem Rad, mit dem Motorrad, mit dem Sportwagen, mit dem Zug – die Karte immer im Blick. Ein Film, der sich wirklich im großen Kino lohnt. Ich hab den Film im Scala Kino Fürstenfeldbruck gesehen, das eine regelmäßige Anime-Reihe durchführt.
Im Moment experimentiere ich mit dem Medium Podcast herum. Als Print-Journalist ist Audio ein neues Feld für mich. Bevor ich aber öffentlich mit meinen Sendungen live gehe, durfte ich Fragen und Fachwissen für einen Podcasts beisteuern. Es ging um den ersten Steven Spielberg Spielfilm Duell aus dem Jahre 1971. Auf Einladung von Jan Planinic sprach ich mit Filmexperten David Dietrich über die Entstehung, Produktion und Wirkung dieses wichtigen Films. Anlass war eine Themenwoche zu Duell.
Dieser Podcast wurde zuerst den Mitgliedern der Facebook-Filmgruppe Erdbeben 1974 zugänglich gemacht. Diese Gruppe, zu der ich euch herzlich einlade, hat die Filme der siebziger Jahre zum Inhalt. Freunde des bewegten Bildes diskutieren und philosophieren über das wichtige Jahrzehnt in der Filmgeschichte. Ich bin in der Gruppe aktiv. Also viel Spaß beim Anhören und vielleicht trifft man sich ja in der Facebook-Gruppe Erdbeben 1974
Faszinierend und angewidert zugleich saß ich gestern den ganzen Tag vor dem Rechner und habe mir die Bergung des verunglückten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia angesehen. Die Tagesschau hat einen unkommentierten Livestream ins Netz gestellt, davon habe ich diese Screenshots als Gebührenzahler gemacht.
Ein alter Freund und Bekannter von mir, Franz Neumeier, Betreiber des wichtigsten deutschen Kreuzfahrtblogs Cruisetricks, hat mich am Morgen auf die Bergung in seinem Twitterkanal aufmerksam gemacht. Bei den Bildern denke ich mir immer wieder: Welche Angst mussten die Passagiere erleiden, als das Schiff kenterte. Die Costa Concordia war im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio gekentert. 32 Menschen kamen ums Leben; zwei Leichen sind bis heute nicht geborgen worden. Vielleicht finden die Verantwortlichen bald die sterblichen Überreste.
Am iPad verfolgte ich den ganzen Tag über den Stream. Dabei muss ich zugeben, dass ich dankbar war, nicht durch das Gequatsche irgendwelcher Reporter oder so genannter Experten gestört zu werden. Der unkommentierte Livestream zeigte Bilder, die Arbeitsatmosphäre und brachte die Live-Geräusche. Ich konnte beobachten, wie sich das verrostete Wrackteil zu heben begann. Es lag über 20 Monate im Salzwasser und sah entsprechend aus.
Mir schaudert bei dem Gedanken, dass noch zwei Tote an Bord dieses riesigen Stahlkolosses es zu finden sind. Wie müssen sich bei der Bergung die Angehörigen fühlen? Und wie muss ich wohl der Kapitän fühlen, der scheinbar das Unglück zu verantworten hat?
Den ganzen Nachmittag über machte ich einige Screenshots. Der Stream lief auf meinem iPad und so konnte ich dank Web ganz nah bei der Bergung dabei sein. Auch eine neue Erfahrung für mich als Reporter. Die Livebilder waren gestochen scharf und interessant, obwohl so eine Schiffsbergung natürlich recht langsam vor sich geht. Stück für Stück, Zentimeter um Zentimeter hob sich das einst stolze Schiff aus dem Wasser. Für mich als Laien ist so eine Bergung , eine große technische Meisterleistung. Es war trotz schnellem Internet eine Art Entschleunigung.
Ich habe immer noch die Katastrophenfilme der siebziger Jahre vor Augen. Es begann mit dem Film flammendes Inferno, dann kann Erdbeben, und dann kam eine Reihe von Schiffs- und Flugzeugkatastrophenfilmen. Gerade die Flugzeuge und die Schiffe wurden am Ende immer spektakulär gehoben. Doch die Bergung der Costa Concordia stellt Hollywood in den Schatten. Das ist Realität, nicht Fiktion, die sich vor meinen Augen abspielte. Und so eine Realität dauert halt auch seine Zeit.
Wir haben in der Familie diskutiert, welche Auswirkungen das Unglück auf das Reiseverhalten von uns hat. Während mein Vater Abstand vor einer Kreuzfahrt genommen hat, ist meine Mutter immer noch ein riesiger Fan. Ich selbst würde gerne einmal die Hurtingroute bereisen. Genauso wenig wie mich Unfälle auf der Straße vom Autofahren abhalten oder Flugzeugabstürze vom Fliegen, so werde ich irgendwann meine Kreuzfahrt machen.
Das Erdbeben im Karibikstaat Haiti erschüttert die Welt. Natürlich laufen jetzt die großen Spendenaktionen an. Leider sind auch wieder viele Mitläufer und Betrüger unterwegs. Wer spenden mag, will natürlich auch, dass sein Geld an der richtigen Stelle ankommt.
Ich habe daher im Web ein bisschen gesucht und die mir bekannten Spendenkonten zusammengetragen. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient daher nur der Orientierung. Auch Apple bietet über den iTunes-Store eine Möglichkeit zum Spenden an.