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„Erdbeben“ – Matinee am 20. September im Scala Fürstenfeldbruck

18. September 2026

„Erdbeben“ gehört zu jener wunderbaren Ära des Katastrophenfilms, in der Hollywood keine halben Sachen machte. Wenn schon die Welt untergeht, dann bitte auf der großen Leinwand, mit einem gewaltigen Staraufgebot, spektakulären Miniaturen, berstendem Beton und einem Orchester, das den Untergang mit angemessenem Pathos begleitet. Mark Robsons Film aus dem Jahr 1974 ist ein geradezu exemplarisches Stück dieses Kinos – und zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Im Mittelpunkt steht Los Angeles, das von einem verheerenden Erdbeben getroffen wird. Doch bevor Straßen aufreißen, Häuser einstürzen und Menschen um ihr Leben kämpfen, nimmt sich der Film erstaunlich viel Zeit für seine Figuren. Charlton Heston spielt den Bauingenieur Stewart Graff, dessen Ehe mit Remy, dargestellt von Ava Gardner, längst in einer schweren Krise steckt. Dazu kommen George Kennedy als Polizist, Lorne Greene, Geneviève Bujold, Richard Roundtree und weitere bekannte Gesichter. Wie bei den großen Katastrophenfilmen jener Zeit werden zunächst zahlreiche persönliche Geschichten aufgebaut, bevor das Unglück sie miteinander verbindet.

Gerade darin liegt heute ein Teil des Charmes. „Erdbeben“ stammt aus einer Zeit, als ein Katastrophenfilm noch nicht aus einer pausenlosen Folge digitaler Zerstörungsorgien bestand. Die Katastrophe musste vorbereitet werden. Das Publikum sollte die Menschen kennenlernen, deren Leben später buchstäblich aus den Fugen gerät. Manche Figurenzeichnung erscheint aus heutiger Sicht melodramatisch, gelegentlich sogar herrlich überzogen. Doch genau dieses Pathos gehört zum Genre.

Wenn schließlich das große Beben einsetzt, zeigt „Erdbeben“, weshalb der Film damals ein Ereignis war. Die Spezialeffekte verbinden aufwendige Modellbauten, Matte Paintings, reale Sets und Stuntarbeit zu eindrucksvollen Bildern der Zerstörung. Nicht alles hält heutigen Sehgewohnheiten stand, aber vieles besitzt eine physische Qualität, die modernen CGI-Bildern manchmal fehlt. Gebäude scheinen tatsächlich Gewicht zu haben, Trümmer tatsächlich zu fallen. Man spürt, dass hier Kulissen gebaut wurden, damit sie anschließend spektakulär zerstört werden konnten.

Legendär wurde zudem das für den Film entwickelte Sensurround-Verfahren. Besonders tiefe Bassfrequenzen sollten im Kinosaal nicht nur gehört, sondern körperlich gespürt werden. Sitze und Wände vibrierten, wenn das Erdbeben über Los Angeles hereinbrach. „Erdbeben“ wollte damit mehr sein als ein Film: Es sollte ein Kinoereignis werden, bei dem die Technik selbst Teil der Inszenierung war. Für das Publikum der siebziger Jahre muss diese akustische Attacke enorm gewesen sein.

Und dann ist da John Williams. Seine Musik entstand unmittelbar vor jener Phase, in der er mit „Der weiße Hai“, „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ endgültig zu einem der bedeutendsten Filmkomponisten Hollywoods aufstieg. Schon in „Erdbeben“ versteht Williams es, menschliches Drama und großes Spektakel musikalisch miteinander zu verbinden.

Natürlich ist der Film ein Kind seiner Zeit. Rollenbilder, Dialoge und manche dramatische Zuspitzung wirken heute antiquiert. Charlton Heston ist wieder jener nahezu unerschütterliche Mann, den Hollywood besonders gern ins Zentrum existenzieller Krisen stellte. Und Ava Gardner war in Wirklichkeit nur wenige Jahre älter als Heston, obwohl ihre Figur teilweise deutlich älter inszeniert wird – eine jener Merkwürdigkeiten des damaligen Starsystems.

Doch gerade deshalb sollte man „Erdbeben“ nicht allein mit den Maßstäben heutiger Blockbuster betrachten. Der Film gehört zusammen mit Werken wie „Airport“, „Die Höllenfahrt der Poseidon“ und „Flammendes Inferno“ zu einer Epoche, in der der Katastrophenfilm zu einem der großen Publikumsmagneten Hollywoods wurde. Das Rezept war einfach und wirkungsvoll: Stars, private Konflikte, eine gewaltige Bedrohung und die Frage, wer am Ende überlebt.

Fünf Jahrzehnte später besitzt „Erdbeben“ vielleicht nicht mehr denselben Schrecken wie 1974. Dafür hat er etwas anderes gewonnen: nostalgischen Glanz. Es ist großes, manchmal pathetisches, manchmal unfreiwillig komisches, aber mit beeindruckendem handwerklichem Aufwand produziertes Hollywoodkino. Ein Film aus einer Zeit, in der man für die Illusion einer zusammenbrechenden Stadt tatsächlich Modelle baute, Kulissen zerlegte und das Kino zum Vibrieren brachte.

Und wenn heute beim Abspann die Erde längst wieder stillsteht, bleibt vor allem die Erinnerung daran, was ein Katastrophenfilm einmal sein konnte: ein Ereignis, für das die große Leinwand nicht nur die beste, sondern eigentlich die einzig richtige Bühne war.

Ich präsentiere diesen Klassiker bei meiner Matinee im Scala am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Meine erste LP, mein ewiger (Alp)-Traum aus Mystery and Imagination

25. Juni 2026

Es gibt Schallplatten, die man besitzt, und es gibt Schallplatten, die einen besitzen. Für mich gehört Tales of Mystery and Imagination von The Alan Parsons Project eindeutig zur zweiten Sorte. Dieses Album war meine erste LP – und damit viel mehr als nur ein Stück Vinyl. Es feiert seinen 50. Geburtstag. Es war für mich ein Eintritt in eine andere Welt. Ich mag die Geschichten von Edgar Allen Poe und das Album basiert auf diesen Meister der Kurzgeschichten und wurde in den Abbey Road Studios aufgenommen. Wer seine erste Langspielplatte in den Händen hält, vergisst diesen Moment nicht. Das Gewicht der Hülle, der Geruch des Covers, das vorsichtige Herausziehen der schwarzen Scheibe, das Aufsetzen der Nadel, dieses leise Knistern vor dem ersten Ton: All das gehört zu einer Art Initiation. Man hört nicht einfach Musik. Man beginnt, Musik ernst zu nehmen.

Tales of Mystery and Imagination war dafür ein geradezu magisches Album. Schon der Titel versprach mehr als gewöhnlichen Rock. Er klang für mich als Jugendlicher nach Geheimnis, nach Literatur, nach Nacht, nach alten Häusern, verborgenen Zimmern, flackernden Kerzen und Stimmen aus einer anderen Zeit. The Alan Parsons Project griff für sein Debütalbum auf Edgar Allan Poe zurück, auf jenen großen Meister des Unheimlichen, des Melancholischen und Abgründigen. Doch das Album ist keine bloße Vertonung literarischer Vorlagen. Es ist eher eine Klangreise durch Poes Innenwelt: durch Angst, Wahn, Schuld, Schönheit, Verfall und Sehnsucht. Die Musik erzählt nicht nur Geschichten, sie öffnet Räume. Und die Musik traf bei mir den richtigen Nerv, so dass ich APP bis zu ihrer Auflösung treu blieb. Und ich sah Alan Parsons auch schon mal live und konnte alles mitsingen.

Dass dieses Werk nun seinen 50. Geburtstag feiert, macht mir bewusst, wie erstaunlich zeitlos es geblieben ist. Fünf Jahrzehnte sind vergangen, seit diese Musik erstmals erschien, und doch hat sie nichts von ihrer Wirkung verloren. Im Gegenteil: Vielleicht hört man sie heute sogar bewusster. In einer Zeit, in der vieles schnell, flüchtig und zerstückelt konsumiert wird, wirkt Tales of Mystery and Imagination wie ein Gegenentwurf. Dieses Album verlangt Aufmerksamkeit. Es will nicht nebenbei laufen. Es möchte aufgelegt, gehört, betreten werden. Es ist ein Konzeptalbum im besten Sinn: ein zusammenhängendes Werk, eine Dramaturgie, ein Bogen, ein dunkler Traum, aus dem man nicht sofort wieder erwacht. Es gibt ja verschiedene Versionen der Aufnahmen, ich mag alle und bin von der Überarbeitung durch Parsons sehr angetan. Hier die CD.

Schon der Beginn mit A Dream Within a Dream hat etwas Beschwörendes. Der Titel allein ist wie ein Schlüssel zu Poe: ein Traum im Traum, eine Wirklichkeit, die sich auflöst, eine Frage danach, was bleibt, wenn alles vergeht. Dann folgt The Raven, einer der bekanntesten Momente des Albums, geheimnisvoll, rhythmisch, kühl und doch hypnotisch. In The Tell-Tale Heart bricht die Unruhe hervor, das Pochen des schlechten Gewissens, das innere Getriebensein. The Cask of Amontillado trägt eine beinahe elegante Grausamkeit in sich, während (The System of) Doctor Tarr and Professor Fether zeigt, dass The Alan Parsons Project auch das Groteske und Theatralische beherrschte. Und dann ist da natürlich die große Suite The Fall of the House of Usher, jener sinfonische Abstieg in Verfall, Sturm und Zusammenbruch. Das ist keine einfache Rockmusik mehr, sondern Kopfkino, Literatur, Orchesterdrama und Studiozauber zugleich.

Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.
Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.

Gerade dieser Studiozauber ist ein wesentlicher Teil der Faszination. Alan Parsons war nicht einfach nur Musiker oder Produzent, sondern ein Klangarchitekt. Er verstand das Studio als Instrument. Die Musik auf Tales of Mystery and Imagination klingt sorgfältig gebaut, räumlich, detailreich, manchmal fast filmisch. Man hört nicht nur Gitarren, Stimmen, Chöre, Orchesterfarben und Synthesizer, sondern auch Atmosphäre. Jeder Klang scheint eine Funktion zu haben. Nichts wirkt zufällig. Das Album atmet diese große Kunst der siebziger Jahre, als Pop- und Rockmusik sich noch zutrauten, ganze Welten zu erschaffen.

Für mich als erste LP hatte dieses Album deshalb eine besondere Bedeutung. Es zeigte mir, dass Musik mehr sein kann als ein einzelner Song im Radio. Eine LP hat zwei Seiten, eine Reihenfolge, ein Cover, eine Haptik, einen Anfang und ein Ende. Man musste aufstehen, die Platte umdrehen, sich erneut einlassen. Das machte das Hören bewusster. Bei Tales of Mystery and Imagination war diese Form perfekt. Das Album war wie ein Buch, das man nicht liest, sondern hört. Jede Spur führte tiefer hinein in eine Atmosphäre, die zwischen Schönheit und Schrecken schwankte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Platte so lange bei mir geblieben ist. Sie war nicht bequem, aber sie war faszinierend. Sie war nicht glatt, aber sie war groß. Sie hatte Pathos, aber kein leeres Pathos. Sie hatte Melodie, aber auch Schatten. Sie verband Rockmusik mit Literatur, Technik mit Emotion, Komposition mit Erzählung. Und sie weckte die Lust, weiterzuhören: mehr von The Alan Parsons Project, mehr Konzeptalben, mehr Progressive Rock, mehr Musik, die etwas wagt.

Heute, zum 50. Geburtstag von Tales of Mystery and Imagination, klingt dieses Album für mich wie eine Erinnerung an die Macht des ersten musikalischen Erlebnisses. Jeder Mensch, der Musik liebt, hat vermutlich so eine Platte: ein Album, das nicht nur den Geschmack geprägt hat, sondern auch die Art, wie man hört. Für mich war es diese LP. Sie war mein Anfang. Sie hat mir gezeigt, dass Musik Räume öffnen kann, dass ein Album eine Geschichte erzählen kann und dass eine Schallplatte ein lebenslanger Begleiter werden kann.

Wenn ich heute an Tales of Mystery and Imagination denke, sehe ich nicht nur das Cover oder die Trackliste. Ich sehe mich selbst vor dem Plattenspieler, neugierig, gespannt, vielleicht noch ohne die Worte, um zu beschreiben, was da geschieht. Aber ich wusste: Das ist besonders. Diese Musik hatte eine Aura. Und sie hat sie bis heute. Fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen ist Tales of Mystery and Imagination nicht einfach ein Klassiker des Progressive Rock. Für mich ist es ein Stück Biografie, ein erstes großes Staunen in Vinyl gepresst – und ein Album, das noch immer flüstert, pocht, träumt und erzählt. Und ja, ich liebe dieses Album.