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Meine erste LP, mein ewiger (Alp)-Traum aus Mystery and Imagination

25. Juni 2026

Es gibt Schallplatten, die man besitzt, und es gibt Schallplatten, die einen besitzen. Für mich gehört Tales of Mystery and Imagination von The Alan Parsons Project eindeutig zur zweiten Sorte. Dieses Album war meine erste LP – und damit viel mehr als nur ein Stück Vinyl. Es feiert seinen 50. Geburtstag. Es war für mich ein Eintritt in eine andere Welt. Ich mag die Geschichten von Edgar Allen Poe und das Album basiert auf diesen Meister der Kurzgeschichten und wurde in den Abbey Road Studios aufgenommen. Wer seine erste Langspielplatte in den Händen hält, vergisst diesen Moment nicht. Das Gewicht der Hülle, der Geruch des Covers, das vorsichtige Herausziehen der schwarzen Scheibe, das Aufsetzen der Nadel, dieses leise Knistern vor dem ersten Ton: All das gehört zu einer Art Initiation. Man hört nicht einfach Musik. Man beginnt, Musik ernst zu nehmen.

Tales of Mystery and Imagination war dafür ein geradezu magisches Album. Schon der Titel versprach mehr als gewöhnlichen Rock. Er klang für mich als Jugendlicher nach Geheimnis, nach Literatur, nach Nacht, nach alten Häusern, verborgenen Zimmern, flackernden Kerzen und Stimmen aus einer anderen Zeit. The Alan Parsons Project griff für sein Debütalbum auf Edgar Allan Poe zurück, auf jenen großen Meister des Unheimlichen, des Melancholischen und Abgründigen. Doch das Album ist keine bloße Vertonung literarischer Vorlagen. Es ist eher eine Klangreise durch Poes Innenwelt: durch Angst, Wahn, Schuld, Schönheit, Verfall und Sehnsucht. Die Musik erzählt nicht nur Geschichten, sie öffnet Räume. Und die Musik traf bei mir den richtigen Nerv, so dass ich APP bis zu ihrer Auflösung treu blieb. Und ich sah Alan Parsons auch schon mal live und konnte alles mitsingen.

Dass dieses Werk nun seinen 50. Geburtstag feiert, macht mir bewusst, wie erstaunlich zeitlos es geblieben ist. Fünf Jahrzehnte sind vergangen, seit diese Musik erstmals erschien, und doch hat sie nichts von ihrer Wirkung verloren. Im Gegenteil: Vielleicht hört man sie heute sogar bewusster. In einer Zeit, in der vieles schnell, flüchtig und zerstückelt konsumiert wird, wirkt Tales of Mystery and Imagination wie ein Gegenentwurf. Dieses Album verlangt Aufmerksamkeit. Es will nicht nebenbei laufen. Es möchte aufgelegt, gehört, betreten werden. Es ist ein Konzeptalbum im besten Sinn: ein zusammenhängendes Werk, eine Dramaturgie, ein Bogen, ein dunkler Traum, aus dem man nicht sofort wieder erwacht. Es gibt ja verschiedene Versionen der Aufnahmen, ich mag alle und bin von der Überarbeitung durch Parsons sehr angetan. Hier die CD.

Schon der Beginn mit A Dream Within a Dream hat etwas Beschwörendes. Der Titel allein ist wie ein Schlüssel zu Poe: ein Traum im Traum, eine Wirklichkeit, die sich auflöst, eine Frage danach, was bleibt, wenn alles vergeht. Dann folgt The Raven, einer der bekanntesten Momente des Albums, geheimnisvoll, rhythmisch, kühl und doch hypnotisch. In The Tell-Tale Heart bricht die Unruhe hervor, das Pochen des schlechten Gewissens, das innere Getriebensein. The Cask of Amontillado trägt eine beinahe elegante Grausamkeit in sich, während (The System of) Doctor Tarr and Professor Fether zeigt, dass The Alan Parsons Project auch das Groteske und Theatralische beherrschte. Und dann ist da natürlich die große Suite The Fall of the House of Usher, jener sinfonische Abstieg in Verfall, Sturm und Zusammenbruch. Das ist keine einfache Rockmusik mehr, sondern Kopfkino, Literatur, Orchesterdrama und Studiozauber zugleich.

Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.
Meine erste LP überhaupt und meine Lieblingsplatte: Tales of Mystery and Imagination.

Gerade dieser Studiozauber ist ein wesentlicher Teil der Faszination. Alan Parsons war nicht einfach nur Musiker oder Produzent, sondern ein Klangarchitekt. Er verstand das Studio als Instrument. Die Musik auf Tales of Mystery and Imagination klingt sorgfältig gebaut, räumlich, detailreich, manchmal fast filmisch. Man hört nicht nur Gitarren, Stimmen, Chöre, Orchesterfarben und Synthesizer, sondern auch Atmosphäre. Jeder Klang scheint eine Funktion zu haben. Nichts wirkt zufällig. Das Album atmet diese große Kunst der siebziger Jahre, als Pop- und Rockmusik sich noch zutrauten, ganze Welten zu erschaffen.

Für mich als erste LP hatte dieses Album deshalb eine besondere Bedeutung. Es zeigte mir, dass Musik mehr sein kann als ein einzelner Song im Radio. Eine LP hat zwei Seiten, eine Reihenfolge, ein Cover, eine Haptik, einen Anfang und ein Ende. Man musste aufstehen, die Platte umdrehen, sich erneut einlassen. Das machte das Hören bewusster. Bei Tales of Mystery and Imagination war diese Form perfekt. Das Album war wie ein Buch, das man nicht liest, sondern hört. Jede Spur führte tiefer hinein in eine Atmosphäre, die zwischen Schönheit und Schrecken schwankte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Platte so lange bei mir geblieben ist. Sie war nicht bequem, aber sie war faszinierend. Sie war nicht glatt, aber sie war groß. Sie hatte Pathos, aber kein leeres Pathos. Sie hatte Melodie, aber auch Schatten. Sie verband Rockmusik mit Literatur, Technik mit Emotion, Komposition mit Erzählung. Und sie weckte die Lust, weiterzuhören: mehr von The Alan Parsons Project, mehr Konzeptalben, mehr Progressive Rock, mehr Musik, die etwas wagt.

Heute, zum 50. Geburtstag von Tales of Mystery and Imagination, klingt dieses Album für mich wie eine Erinnerung an die Macht des ersten musikalischen Erlebnisses. Jeder Mensch, der Musik liebt, hat vermutlich so eine Platte: ein Album, das nicht nur den Geschmack geprägt hat, sondern auch die Art, wie man hört. Für mich war es diese LP. Sie war mein Anfang. Sie hat mir gezeigt, dass Musik Räume öffnen kann, dass ein Album eine Geschichte erzählen kann und dass eine Schallplatte ein lebenslanger Begleiter werden kann.

Wenn ich heute an Tales of Mystery and Imagination denke, sehe ich nicht nur das Cover oder die Trackliste. Ich sehe mich selbst vor dem Plattenspieler, neugierig, gespannt, vielleicht noch ohne die Worte, um zu beschreiben, was da geschieht. Aber ich wusste: Das ist besonders. Diese Musik hatte eine Aura. Und sie hat sie bis heute. Fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen ist Tales of Mystery and Imagination nicht einfach ein Klassiker des Progressive Rock. Für mich ist es ein Stück Biografie, ein erstes großes Staunen in Vinyl gepresst – und ein Album, das noch immer flüstert, pocht, träumt und erzählt. Und ja, ich liebe dieses Album.

Musiktipp: The Turn of a Friendly Card Deluxe von The Alan Parsons Project

6. November 2015

Die neue (alte) Alan Parsons Project: The Turn of a Friendly Card als Deluxe Version.

Die neue (alte) Alan Parsons Project: The Turn of a Friendly Card als Deluxe Version.

Es war intimes, ein sehr persönliches Erlebnis – ich höre die Deluxe Ausgabe zum 35. Geburtstag des Albums The Turn of a Friendly Card (35th Anniversary Edition). Ich höre und ich schwelge in Erinnerung. Die Musik von The Alan Parsons Project begleitet mich mein ganzes musikalisches Leben lang. Bereits mehrmals habe ich darüber gebloggt. Und daher war es für mich eine Selbstverständlichkeit die neu veröffentlichte Doppel-CD zu bestellen.
Das Cover mit dem Kirchenfenster als Spielkarte faszinierte mich schon immer. Ein schönes Cover – die Neuauflage war allerdings nicht gewohnt in schwarz sondern in violett.


Die erste CD ist bekannt. Es handelt sich um die Fassung von 2008, die damals restauriert wurde. Im Vergleich zur Ursprungsfassung ist sie deutlich reiner und kräftiger geworden. Die Bonustracks auf der ersten CD waren auch schon bekannt. Richtig persönlich wurde es mit der zweiten CD. Die Kinder des verstorbenen Eric Woolfsons haben auf dem Speicher eine Kiste mit Audiokassetten gefunden. Beim Anhören stellte sie fest, dass der Sammler Eric Woolfson über Hundert Stunden Material aufgehoben hat. Die Soundqualität ist freilich mies, da kann auch ein Meister wie Toningenieur Alan Parsons nur bedingt etwas retten. Und trotz der dumpfen Aufnahme geben gerade die neun Songs aus Eric’s Songwriting Diaries ein intimer Einblick in das kompositorische Schaffen von The Alan Parsons Project. Die Konzeptalben entstanden am Klavier, ohne Pomp oder Streicher. Erst später wurden sie arrangiert. Es sind einfach gute, sehr gute Songs. Insgesamt sind 17 bislang unveröffentlichte Tracks auf dem Doppelalbum, wobei die Eric’s Songwriting Diaries mit Abstand die wichtigsten Aufnahmen sind.

Spielsucht stand im Mittelpunkt von Die neue (alte) Alan Parsons Project: The Turn of a Friendly Card als Deluxe Version.

Spielsucht stand im Mittelpunkt von Die neue (alte) Alan Parsons Project: The Turn of a Friendly Card als Deluxe Version.

Klar, wer Alan Parsons Project nicht kennt, der braucht dieses Album The Turn of a Friendly Card in dieser Form auch nicht. Es ist nur für den Fan-Markt produziert. Wer gute Musik hören will, der sollte zu der bisherigen Veröffentlichung aus dem Jahr 2008 von The Turn of a Friendly Card greifen, die billig her geht. Es war das fünfte Album von The Alan Parsons Project aus dem Jahre 1980 und hatte das Thema Spielsucht und Glücksspiel zum Thema. Die Herrschaften wohnten damals aus Steuergründen in Monaco in Umgebung des Casinos. Da passte das Thema wunderbar.
Nach dem genialen Tales of Mystery and Imagination, dem wegweisenden I Robot, dem geheimnisvollen Pyramid, dem schwachen Eve kam mit The Turn of a Friendly Card der Paukenschlag, der wieder an Tales erinnerte. Vielleicht deshalb mag ich das Album so gerne.

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