Weil ich ja noch nicht genug Bücher über Godzilla habe, bestellte ich mir vor längerer Zeit die Neuauflage des Buches Japan – die Monsterinsel. Jörg Buttgereit, Insider des deutschen Extremkinos werden ihn kennen, hat seine Neuauflage in den Vertrieb gebracht.
Dieses Mal wollte ich mit von der Partie sein, denn die Erstauflage war schnell vergriffen. Also bestellte ich beim Autoren direkt. Jörg Buttgereit war so nett mir sein Buch mit den Worten „mit monströsen Grüßen“ zu signieren. Der Mann hat einfach Humor. Ich schmökerte in dem Buch, schaute mit gleichzeitig ein paar Filme aus der Criterion-Kollektion an und freute mich über unser aller japanisches Monster. Wenn ich ehrlich bin, haben mich am meisten die Interviews in dem Buch begeistert. Und Jörg Buttgereit schaffte es, Klarheit und Struktur in die zahlreichen Monsterfilme zu bringen, die bei uns mit unterschiedlichen und zum Teil grausamen Verleihtiteln liefen.
Mit „Japan – Die Monsterinsel“ legt der Berliner Filmemacher, Autor und Filmhistoriker Jörg Buttgereit weit mehr als einen klassischen Reiseführer vor. Das Buch ist eine ebenso kenntnisreiche wie leidenschaftliche Entdeckungsreise durch die Welt der japanischen Monsterfilme und zugleich eine persönliche Liebeserklärung an ein Land, dessen Popkultur seit Jahrzehnten Generationen von Filmfans fasziniert. Wer eine nüchterne Abhandlung über Godzilla und seine Verwandten erwartet, wird überrascht sein. Buttgereit verbindet Filmgeschichte, Kulturwissenschaft, Reisebericht und autobiografische Erinnerungen zu einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Werk.
Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass hier kein distanzierter Beobachter schreibt. Buttgereit gehört seit seiner Jugend zu den profiliertesten deutschen Kennern des japanischen fantastischen Films. Seine Begeisterung für Godzilla, Gamera, Daimajin oder Mothra wirkt niemals aufgesetzt, sondern authentisch gelebt. Gerade diese persönliche Perspektive macht den besonderen Reiz des Buches aus. Der Autor nimmt seine Leser mit auf Reisen durch Tokio, Kyoto, Osaka und zahlreiche weitere Orte, die unmittelbar mit der Geschichte des japanischen Monsterkinos verbunden sind. Dabei entdeckt er Filmstudios, Museen, Schauplätze berühmter Produktionen und kleine, oft versteckte Erinnerungsorte, die selbst eingefleischten Japanreisenden häufig unbekannt bleiben.
Doch „Japan – Die Monsterinsel“ ist weit mehr als ein Reisetagebuch. Buttgereit erklärt die Entstehung der japanischen Monsterfilme stets vor ihrem historischen Hintergrund. Besonders eindrucksvoll schildert er die Verbindung zwischen dem Trauma der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und der Geburt Godzillas im Jahr 1954. Das Monster erscheint dabei nicht nur als zerstörerisches Wesen, sondern auch als Sinnbild der Angst vor nuklearer Vernichtung und den Folgen menschlicher Hybris. Gerade diese kulturhistorischen Einordnungen verleihen dem Buch eine bemerkenswerte Tiefe.
Besonders gelungen ist, wie selbstverständlich Buttgereit zwischen Filmgeschichte und Alltagskultur wechselt. Ein Spaziergang durch ein Tokioter Stadtviertel führt plötzlich zu einer ausführlichen Betrachtung der Toho-Studios. Ein Besuch in einem Restaurant entwickelt sich zu einer Reflexion über die Bedeutung japanischer Popkultur im Westen. Diese Wechsel verleihen dem Buch einen lebendigen Rhythmus. Es wirkt nie wie ein wissenschaftliches Sachbuch, sondern vielmehr wie eine spannende Unterhaltung mit einem enthusiastischen Experten.
Auch filmhistorisch bietet das Werk eine enorme Informationsfülle. Buttgereit spannt den Bogen von den ersten Kaiju-Filmen der Nachkriegszeit über die goldene Ära der 1960er-Jahre bis hin zu modernen Produktionen wie Shin Godzilla. Dabei verliert er sich nie in bloßen Aufzählungen oder Fanwissen. Vielmehr gelingt es ihm, Entwicklungen verständlich einzuordnen und die Besonderheiten der einzelnen Filme herauszuarbeiten. Selbst Leser, die bisher nur Godzilla kennen, erhalten einen hervorragenden Überblick über das vielfältige Monsteruniversum Japans.
Stilistisch überzeugt Buttgereit durch eine angenehm unprätentiöse Sprache. Er schreibt kenntnisreich, humorvoll und mit feiner Ironie, ohne jemals belehrend zu wirken. Seine Begeisterung ist in jeder Zeile spürbar, gleichzeitig wahrt er stets den nötigen kritischen Abstand. Auch schwächere Filme oder touristische Klischees spart er nicht aus. Gerade diese Ehrlichkeit macht seine Beobachtungen glaubwürdig.
Besonders reizvoll ist die Fülle an Fotografien, Hintergrundinformationen und persönlichen Anekdoten. Sie verleihen dem Buch eine hohe Anschaulichkeit und laden immer wieder dazu ein, einzelne Kapitel mehrfach zu lesen oder für eine eigene Japanreise als Inspirationsquelle zu nutzen. Das Werk richtet sich daher nicht ausschließlich an Filmfans. Auch kulturinteressierte Leser oder Japanreisende finden zahlreiche spannende Einblicke in die Verbindung zwischen Mythologie, Moderne und Popkultur.
Natürlich setzt Buttgereit an einigen Stellen ein gewisses Grundinteresse an japanischen Monsterfilmen voraus. Wer mit Godzilla oder den Kaiju überhaupt nichts anfangen kann, dürfte nicht jede Leidenschaft des Autors teilen. Doch selbst dann bleibt das Buch aufgrund seiner kulturhistorischen Perspektive und der lebendigen Reisebeschreibungen lesenswert.
Mit „Japan – Die Monsterinsel“ ist Jörg Buttgereit für mich ein außergewöhnliches Buch gelungen. Es verbindet Filmgeschichte, Kulturreportage und persönliche Reiseerlebnisse auf eine Weise, die ebenso informativ wie unterhaltsam ist. Vor allem aber macht es Lust, Japan selbst zu entdecken – und die Monster nicht nur als Filmfiguren, sondern als festen Bestandteil der japanischen Identität und Popkultur zu verstehen. Für Fans des fantastischen Films gehört dieses Werk ohnehin zur Pflichtlektüre. Für alle anderen ist es eine faszinierende Einladung, einen ungewöhnlichen Blick auf eines der spannendsten Kulturländer der Welt zu werfen.
„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“ – der große Informatiker Alan Kay hat dies einmal gesagt und ich finde Aussagen über die Zukunft faszinierend. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich Science Fiction so mag: Bücher, Filme, Ideen, Visionen. Und ich bin fasziniert vom Beruf der Zukunftsforscher. Die einen sehen in die Glaskugel, die anderen rechnen Statistiken weiter ohne das Innovator’s Dilemma zu berücksichtigen. Ich habe ein Buch mit dem schlichten Titel „Zukunft – das Bild der Welt von morgen“ gefunden, verfasst von Ulrich Schippke. Meine Ausgabe von Bertelsmann stammt aus dem Jahre 1974 und ist Bestandteil einer ganzen Reihe, die damals von Roland Göock herausgegeben wurde. Meine Eltern hatten ein paar Ausgaben der Reihe, ich habe meine Zukunft-Ausgabe allerdings aus einem Bücherschrank.
Ulrich Schippkes „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ ist heute weniger ein Zukunftsbuch als ein faszinierendes Zeitdokument und versteht sich ausdrücklich als Bilddokumentation. Schon dieser Anspruch prägt die Lektüre: Nicht die nüchterne Prognose steht im Mittelpunkt, sondern die große, oft staunende Schau auf eine Welt, die technisch machbar, planbar und grundsätzlich verbesserbar erscheint.
Das Inhaltsverzeichnis liest sich aus heutiger Sicht wie ein Panorama der Zukunftshoffnungen der frühen siebziger Jahre: Energie als „Schlüssel zum Paradies“, Nahrung aus der Retorte, Städte wie Raumstationen, fliegende Untertassen im Verkehr, denkende Maschinen, Wetterlenkung, Unterwasser-Siedlungen, Raumfahrtfabriken, Retortenzeugung und die Vision eines geeinten Planeten. Gerade diese thematische Breite macht den Reiz des Buches aus. Schippke erzählt Zukunft nicht als einzelne Erfindung, sondern als umfassende Umgestaltung des Lebens.
Dabei ist der Ton unverkennbar von Fortschrittsglauben getragen. Technik erscheint häufig als Antwort auf nahezu jedes Problem: Hunger, Krankheit, Energieknappheit, Verkehrschaos, Umweltgrenzen. Heute wirkt manches naiv, manches erstaunlich hellsichtig. Die „denkenden Maschinen“ sind längst Alltag geworden, wenn auch anders, als man es sich damals vorstellte. Die globale Medienwelt, im Buch als überschaubares Dorf beschrieben, ist mit Internet, Satellitenkommunikation und sozialen Netzwerken tatsächlich Realität geworden. Andere Visionen – etwa die massenhafte Besiedlung der Meere oder Wetter nach menschlichem Willen – sind eher Mahnungen daran, wie optimistisch, aber auch wie technokratisch Zukunft damals gedacht wurde.
Die Stärke des Bandes liegt gerade in dieser Mischung aus Treffer, Irrtum und Zeitkolorit. Schippkes Buch zeigt, welche Sehnsüchte eine Epoche bewegten: Kontrolle über Natur, Überwindung von Mangel, Verlängerung des Lebens, Globalisierung des Denkens. Zugleich offenbart es blinde Flecken. Fragen nach ökologischen Folgen, sozialer Ungleichheit, politischem Missbrauch von Technik oder ethischen Grenzen werden zwar berührt, treten aber hinter der Faszination des Machbaren zurück. Besonders Kapitel wie „Kinder mit Qualitätsgarantie“ oder „Der beste Kopf, den es je gab“ lesen sich heute mit Unbehagen, weil sie an Debatten über Genetik, Optimierung und Menschenbild rühren.
Als Sachbuch im engeren Sinn ist „Zukunft“ daher überholt. Als historisches Dokument ist es umso wertvoller. Es zeigt nicht nur, was man 1974 über morgen dachte, sondern auch, wie stark Zukunftsbilder von ihrer Gegenwart geprägt sind. Der Band ist ein Spiegel der Bundesrepublik im technischen Aufbruch: Raumfahrt, Computer, Atomenergie und globale Planung schienen Horizonte zu öffnen, die kaum Grenzen kannten.
Ulrich Schippkes „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ ist keine zuverlässige Prognose, aber ein reizvolles, bildstarkes und manchmal verblüffendes Dokument des Fortschrittsoptimismus. Wer wissen will, wie sich die siebziger Jahre das 21. Jahrhundert ausmalten, findet hier eine Fundgrube – mit großem Staunwert und gelegentlichem Kopfschütteln.
Ein Foto fasziniert mich seit langem. Es ist ein Portraitbild von Jackie und J-F. Kennedy, geschossen von Meisterfotograf Richard Avedon. Mein Kollege Thomas Gerlach zeigte es einmal in einem Fotoseminar und seitdem geht mir dieses perfekte Bild nicht mehr aus dem Kopf- Es ist absolut beeindruckend. Es beschäftigte mich so sehr, dass ich mir jetzt das Buch über dieses Bild gekauft habe: Die Kennedys – Portrait einer Familie. Das Bild ist eine Ikone und ich wollte mehr wissen. Das Foto wurde aufgenommen für eine Session für Harper’s Bazaar und erschien später auch in Look. Fototermin war der 3. Januar 1961 bei den Kennedys zu Hause in Palm Beach, Florida. Hier vereinigte der Fotograf Richard Avedon Mode, Geschichte und Fotografie.
Richard Avedons Fotoband „Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist weit mehr als ein Bildband über eine berühmte politische Dynastie. Das Buch zeigt John F. Kennedy, Jacqueline Kennedy und ihre Kinder in einem historischen Moment größter Erwartung: wenige Wochen vor dem Einzug ins Weiße Haus, fotografiert im Januar 1961 in Palm Beach. Avedon, einer der prägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts, richtet seinen Blick dabei nicht nur auf Macht, Eleganz und öffentliche Inszenierung, sondern auch auf die fragile Privatheit einer Familie, die längst zum Mythos geworden ist. Die Stärke des Bandes liegt in der Spannung zwischen Nähe und Distanz. Die Kennedys erscheinen jung, schön, kontrolliert und zugleich erstaunlich menschlich. Jacqueline Kennedy wirkt stilbewusst und zurückhaltend, John F. Kennedy zeigt die souveräne Ausstrahlung des künftigen Präsidenten, während die Kinder Caroline und John Jr. eine beinahe intime Leichtigkeit in die Aufnahmen bringen. Doch gerade weil man den späteren Verlauf der Geschichte kennt, liegt über vielen Bildern eine eigentümliche Melancholie. Aus heutiger Sicht betrachtet man nicht nur eine Familie am Beginn einer politischen Ära, sondern auch den Vorhof einer Tragödie. Avedons Schwarz-Weiß-Fotografien sind klar, elegant und konzentriert. Sie verzichten auf überflüssige Effekte und leben von Blicken, Haltungen und feinen Gesten. Der Band enthält zahlreiche Fotografien aus dieser Sitzung, darunter viele lange unveröffentlichte Aufnahmen, und macht sichtbar, wie eng politische Hoffnung, mediale Bildproduktion und familiäre Inszenierung miteinander verbunden waren. „Die Kennedys – Portrait einer Familie“ ist deshalb nicht nur für Kennedy-Interessierte lohnend, sondern auch für Liebhaber großer Fotografie. Das Buch zeigt, wie ein Bild Mythos erzeugen kann – und wie hinter dem Mythos für einen kurzen Moment Menschen sichtbar werden.
Sie zu lesen, bedeutet für mich seit jeher, mich ungeschützt einem emotionalen Gewitter auszuliefern – und an Ihrem 100. Geburtstag, treffen mich ihre Worte so tief und schmerzhaft klar wie nie zuvor.
Es gibt Stimmen, die für mich nie verhallen. Je älter ich werde und je lauter die Welt um mich herum aufschreit, desto dringlicher, fast schmerzhafter wird die Klarheit, mit der ihre Worte mich erreichen, Ingeborg Bachmann. Wenn ich an ihren 100. Geburtstag denke, dann feiere ich kein fernes, staubiges Denkmal der Literaturgeschichte. Ich begegne ihr – einer Frau, die das Schreiben nicht als Beruf verstand, sondern als ihre reine, nackte Existenzbedingung. Sie zu lesen bedeutet für mich bis heute, mich ungeschützt einem Strom auszuliefern, der mich gleichzeitig tröstet und verwundet. Ich habe gerade begeistert die Biografie „Zwei Menschen sind in mir“ gelesen. Klare Leseempfehlung.
Fünfzig Jahre nach dem Tod Ingeborg Bachmanns eröffnen ihre Briefe einen neuen Blick auf Leben und Werk einer Autorin, deren Bedeutung bis heute ungebrochen ist. Andrea Stolls Biografie zeichnet die vielschichtigen Widersprüche im Leben Bachmanns von ihren frühen Ursprüngen her nach und macht sichtbar, wie die ikonische Dichterin zunehmend in ein Spannungsfeld aus Selbstinszenierung und Selbstzerstörung geriet. Stoll verbindet fundierte wissenschaftliche Recherche mit Gesprächen von Zeitzeugen sowie der Auswertung jüngst veröffentlichter Briefe und Tagebucheinträge. Der erfahrenen Bachmann-Forscherin gelingt damit eine umfassende Biografie, die zentrale Rätsel dieses außergewöhnlichen Lebens von den Anfängen bis zu seinem tragischen Ende neu beleuchtet.
Ihre Kindheit in Kärnten, überschattet von den moralischen und physischen Trümmern des Krieges, hat sie zur Chronistin einer beschädigten Welt gemacht. Ein Satz von ihr hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt: „Der Krieg ist nicht zu Ende, er ist nur an eine andere Front verlegt.“ Wie recht sie hatte. Sie hat die unsichtbare Gewalt gespürt, die sich in unseren vermeintlich friedlichen Alltag schleicht, die Grausamkeit in den Beziehungen, das Ersticken der Wahrheit im höflichen Schweigen. Mit einer fast hellseherischen Sensibilität hat sie die Bruchkanten der menschlichen Seele freigelegt. Wenn ich ihre Prosa lese, allen voran Malina, dann sehe ich kein bloßes Erzählen – ich erlebe das Protokoll ihres inneren Verbrennens, einen leidenschaftlichen Schrei nach einer absoluten Freiheit, die diese Welt ihr einfach nicht gewähren wollte.
Doch ich weigere mich, sie nur auf das Tragische, auf ihr frühes, qualvolles Ende in Rom zu reduzieren. Ich sehe auch die leuchtende Kraft ihrer Anfänge vor mir. Ich stelle mir die junge, faszinierende Frau vor, die in den 1950er Jahren die Männerwelt der Gruppe 47 im Sturm eroberte. Ihre Lyrik besaß eine magische, dichte Musikalität. Wenn ich An die Sonne oder Die gestundete Zeit rezitiere, spüre ich diese in Stein gemeißelte Verzweiflung und die gleichzeitige, wilde Liebeserklärung an das Dasein. Sie hat mir Zeilen von unvergänglicher Schönheit geschenkt, Worte, die ich wie ein Amulett gegen die Kälte dieser Tage im Herzen trage. Und sie hat mir den Glauben an das Utopische hinterlassen: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ Dieser Satz ist mein Kompass geworden.
Was bleibt mir also heute, ein Jahrhundert nach ihr Geburt? Es bleibt das Vermächtnis einer Unbeugsamen, die mich lehrt, mich nie mit den einfachen Antworten zufriedenzugeben. Sie hat geliebt, gelitten, gezweifelt und geschrieben, bis die Grenze zwischen Kunst und Leben vollends verschwand. Ihr Werk ist für mich ein brennendes Plädoyer für das genaue Hinsehen, für das Mitgefühl und für den Mut, die eigene Verletzlichkeit nicht zu verstecken, sondern sie als Waffe gegen die Gleichgültigkeit zu nutzen.
Ich verneige mich heute vor ihr. Die Suchende, deren Worte mir noch immer den Atem rauben. Sie lebt für mich weiter – in jeder Zeile, die ich aufschlage, und in jedem Gedanken an eine gerechtere, fühlendere Welt. Ihr Werk bleibt mein ewiger, wachhaltender Schmerz. Und mein unendlicher Trost.
Auch die Verfilmung Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste von Margarethe von Trotta hat mich berührt. Margarethe von Trottas „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ ist weniger klassische Dichterinnen-Biografie als ein sensibles Porträt einer Frau im Spannungsfeld von Liebe, Kunst und Selbstbehauptung. Im Zentrum steht die zerstörerische Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch, aber der Film von 2023 interessiert sich vor allem für Bachmanns Ringen um innere Freiheit. Vicky Krieps spielt die Schriftstellerin eindrucksvoll: verletzlich, klug, stolz und zugleich von tiefen Erschütterungen gezeichnet. Ronald Zehrfeld gibt Max Frisch als charismatische, aber zunehmend einengende Gegenfigur. Von Trotta erzählt ruhig, elegant und manchmal etwas konventionell. Nicht jede Szene erreicht die emotionale Wucht, die Bachmanns Leben und Werk nahelegen würden. Doch die starken Bilder, die sorgfältige Ausstattung und Krieps’ intensive Darstellung machen den Film sehenswert. Besonders überzeugend ist, wie die Wüste zum Sinnbild für Befreiung, Erinnerung und Selbstfindung wird. Ein zurückhaltendes, würdiges und visuell schönes Porträt, das Ingeborg Bachmann nicht vollständig erklärt, ihr aber mit Respekt und Empathie begegnet.
Auch wenn sich Roger Waters nicht zu seinem Vorteil entwickelt hat, mag ich seine alte und neue Musik. Ich gebe zu, ich bevorzuge seine Phase bei Pink Floyd sehr und höre jetzt wieder verstärkt die Musik des Doppelalbums The Wall. Dabei lese ich das Buch the Making of Pink Floyd The Wall von Gerald Scarfe.
Ich hatte noch die deutsche Ausgabe des Buches im Archiv, das 2011 bei Edel erschienen ist. The Wall ist mehr als nur ein für mich geniales Album. Es ist auch der grandiose Kinofilm von Alan Parker, das noch grandiosere Konzertereignis – The Wall ist ein Gesamtkunstwerk. Und natürlich ist nicht alles auf dem Mist von Roger Waters gewachsen. Er hat Künstler wie Gerald Scarfe an seiner Seite, die seine Visionen der Isolation eindrucksvoll visualisieren konnten. Gerald Scarfe war ein guter Kumpel von Nick Mason, David Gilmour und natürlich auch von Waters. Und eben dieser Gerald Scarfe zeichnet in seinem Buch die visuelle Entstehungsgeschickte von The Wall in all seinen Phasen nach. Für Pink Floyd-Fans ist das Buch ein Leckerbissen, ein wunderbares Coffee table-Buch zum Angeben und Genießen.
Der Text ist gut und flüssig zu lesen. Die Aufmachung ist einfach klasse. Der weiße Schriftzug ist mit dicker Farbe gedruckt, so als sei der Meister selbst mit Deckfarbe über den Schutzumschlag gegangen. Die Erzählungen des Autors, die immer konzentriert am Thema bleiben und informativ dicht und damit kurzweilig zu lesen sind, werden von Kommentaren ergänzt, die die Macher von The Wall bei der Durchsicht des Buchentwurfs gemacht haben. Die Abbildungen sind hochwertig, sowohl von den Fotographien her, als auch durch den Abdruck der Unmengen von Zeichnungen. Auch die Überschriften der einzelnen Kapitel sind in der Gerald Scarfe’schen Schrift in deutsch übernommen worden. Wer sich für die internen Querelen der Band interessiert, die mit The Wall an allen Ecken und Enden aufflammten, erfährt hier fast mehr als in Nick Masons „Inside Out“. Allerdings wird auch hier vermieden, detailierter darauf einzugehen. Es geht halt um The Wall, den Versuch, die Pink Floyd Musik filmisch zu ergänzen.
Das Buch beginnt schon Mitte der 1970iger Jahre(!), weil da Gerald Scarfe bereits begann für Pink Floyd zu arbeiten. Es gibt interessante Statemants zum Trickfilm und den Schwierigkeiten den Trickfilm von der „Disney-Putzigkeit“ zu etablieren. Insofern kann ich mir vorstellen, dass das Buch auch für jene interessant sein könnte, die mit Pink Floyd selbst gar nicht so viel am Hut haben. Umfassend wird die Entstehunggeschichte der Show und des (Kino-)Films beschrieben. Das Buch erzählt die Wall-Geschichte einschließlich der Wiederaufführung durch Roger Waters 2010/2011.
Gerald Scarfes Buch kann auch für jene interessant sein, die selber mit Tinte und Farbe zu Werke gehen. Allein seine Art zu zeichen, mit diesesr rasenden Strichführung, hat mich begeistert. Darüber hinaus werden auch die Umsetzungen der Zeichnungen in die Filme, als auch die Konstruktion der riesigen Bühnenpuppen beschrieben. Bilder, wo sie bemalt werden, sind genauso dabei, wie Fotos von Pappmodellen der Filmkulissen. Die Zeichnungen sind fantastisch (im Sinne von eine schier tobenden Fantasie) sie sind irre (im Sinne seiner zeichnerischen Qualitäten, aber auch im Sinne dessen, was sie darstellen.) Manchmal wird es eklig, bleibt aber immer genial…
Ich bin begeistert. Sowohl als Pink Floyd Fan als auch als Liebhaber schön gemachter Bücher. Als Kunstinteressierter ebenso wie jemand, der es faszinierend findet, wie andere ihren Weg gehen und ihre Ideen umzusetzen vermögen.
Es war immer schwer, wirklich brauchbare Informationen über Gerald Scarfe und seine Arbeiten an „The Wall“ zu finden. Dieses Buch ist für Interessierte an Scarfe’s Anteil an dem Erfolg von „The Wall“ ein Quell ewiger Freude. Wirklich dick und randvoll mit Zeug. Für mich gehört das Buch in das Regal von jedem Pink Floyd Fan.
Gestern jährte sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima zum 15. Mal und dieses Ereignis hat die Welt verändert. Ich habe diesen Tag besonders gedacht und Manga zu diesem Ereignis gelesen. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 bildet den Hintergrund der Manga‑Reihe „Faktor 1F“ („Ichi‑F“). Am 11. März 2011 löste ein schweres Erdbeben einen Tsunami aus, der die Anlage Fukushima I überschwemmte; die Wellen zerstörten die Stromversorgung der Reaktoren, die Kühlung fiel aus, Brennstäbe überhitzten und es kam zu Kernschmelzen mit Wasserstoffexplosionen. Die Region wurde radioaktiv verseucht, rund 160 000 Menschen mussten evakuiert werden, und die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch Jahrzehnte dauern. In diesem Zusammenhang erschien zwischen 2013 und 2015 in Japan der dokumentarische Manga „Ichi Efu: Fukushima Daiichi Genshiryoku Hatsudensho Rōdōki“, der im Deutschen als „Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima“ veröffentlicht wurde. Die Serie gewann 2013 den Manga‑Open‑New‑Face‑Preis, wurde in der Zeitschrift Morning serialisiert und später in drei Bänden herausgebracht; das erste Buch verkaufte sich in Japan innerhalb von zwei Wochen etwa 170 000 Mal. Die Teile in Deutsch gibt es hier, hier und hier
Der Autor Kazuto Tatsuta ist ein Pseudonym. Er hatte vor der Katastrophe Schwierigkeiten, seine Werke zu veröffentlichen, nahm dann eine Stelle als Aufräumarbeiter im Reaktor F1 an und dokumentierte seine Eindrücke. Um seine erneute Anstellung nicht zu gefährden, verbarg er seine Identität; auch die deutsche Ausgabe enthält ein Vorwort, in dem er erklärt, dass er weder die Regierung noch den Betreiber TEPCO kritisieren will, sondern nur erzählen möchte, was er erlebt hat – ähnlich wie ein Soldat nach dem Krieg. Diese Haltung macht seine Erzählung ungewöhnlich nüchtern. Hier ein Podcast von Google NotebookLM.
Die Handlung beginnt gut ein Jahr nach der Dreifachkatastrophe. Tatsuta führt die Leser in das geisterhaft verlassene Sperrgebiet und die monströsen Ruinen des zerstörten Kraftwerks; Lagepläne und Legenden der einzelnen Räume wirken wie technische Zeichnungen. Das dreibändige Werk ist keine dramatisierte Thriller‑Story, sondern eine Aneinanderreihung von Vignetten, in denen Tatsuta seine Arbeitswelt schildert. Er beschreibt akribisch, wie schwierig es war, überhaupt eine Stelle zu bekommen, wie irritiert sein Umfeld reagierte und welche Hürden die Bürokratie und das mehrstufige System aus Subunternehmen aufstellten. Die Zeichnungen entstanden während der Pausen direkt in Fukushima, was dem Manga eine dokumentarische Authentizität verleiht.
Den Schwerpunkt legt Tatsuta auf die alltägliche Arbeit, nicht auf spektakuläre Szenen. Er schildert, wie Arbeiter ihre Zeit in kleinen, überfüllten Zimmern verbringen und oft tagelang warten müssen, bis sie überhaupt eingesetzt werden können; erst nach der Hälfte des Bandes wird er als Arbeiter eingesetzt und soll lediglich Aufenthaltsräume herrichten. Er beschreibt die Hitze und den Schweiß unter den Schutzanzügen, die eingeschränkte Beweglichkeit und die ständige Wiederholung von An‑ und Ausziehen, Strahlenmessung und Pausen. Der eigentliche Schrecken liegt für ihn nicht in der Radioaktivität, sondern in banalen, körperlich quälenden Problemen: Durst, Hitzeschläge, juckende Haut. Tatsuta hält die Strahlung für „ehrlich“ – ein berechenbares, mathematisch quantifizierbares Risiko . Gefährlicher seien menschliche Faktoren wie Missmanagement, Medienpanik und das mafiöse Subunternehmersystem. Diese Einstellung unterscheidet sein Werk von vielen kritischen Fukushima‑Narrativen; manche Leser sehen darin Naivität oder regierungsnahe Propaganda, andere schätzen den Einblick in die reale Arbeitswelt ohne ideologische Schlagseite. So hab ich es auch gesehen.
Die grafische Umsetzung ist unspektakulär. Der Zeichenstil entspricht dem zurückhaltenden Realismus eines Seinen‑Mangas; Diagramme und erklärende Texte wirken wie eine Bedienungsanleitung und verdeutlichen Tatsutas Liebe zum Detail. Dieser sachliche Ton lässt Emotionen weitgehend außen vor, vermittelt aber ein Gefühl für die Monotonie und den „endlosen Alltag“ im verseuchten Kraftwerk. Kritiker loben die genaue Darstellung der Ausrüstung, der Sicherheitsprozeduren und der Schutzmaßnahmen, bemängeln aber die fehlende narrative Spannung und die Abwesenheit politischer Einordnung. Das Buch ist eher „Arbeitsplatz‑Slice‑of‑Life“ als Katastrophendrama.
Gleichwohl bietet „Faktor 1F“ einen einzigartigen Blick auf den Schrecken der Atomkatastrophe. Durch die Nüchternheit seiner Darstellung wird der Horror der verlassenen Ruinen, der verstrahlten Umwelt und der entwurzelten Menschen umso eindringlicher. Die Ghost Town, in die Tatsuta den Leser führt, ruft die Bilder des Super‑GAUs wach, bei dem Reaktorgebäude explodierten und riesige Stahlbetonskelette zurückblieben. Gleichzeitig erinnert er daran, dass hinter den Katastrophenmeldungen Menschen stehen, die in unwürdigen Verhältnissen arbeiten, sich gegenseitig stützen und versuchen, eine gewisse Normalität zu finden. Seine neutrale Haltung – er dokumentiert den Glauben vieler Japaner, dass Atomkraft beherrschbar sei  – fordert europäische Leser heraus, ihre eigenen Vorstellungen zu hinterfragen. Heute haben wir in Bayern wieder die Forderung des Ministerpräsidenten nach der Rückkehr zur vermeindlich sicheren Atomkraft, nachdem man noch vor Jahren den Ausstieg propagierte. Gerade weil der Manga keine klaren Botschaften liefert, sondern Beobachtungen, eröffnet er einen Raum für Reflexion über Technikgläubigkeit, Arbeitsausbeutung und die menschlichen Konsequenzen von Atomkatastrophen.
Insgesamt empfand ich „Faktor 1F“ als keine leichte Lektüre. Der Manga verlangt Geduld und Interesse an technischen Details, bietet dafür aber ein dichtes Dokument der Nachsorge in Fukushima. Wer einen spannungsreichen Katastrophen‑Comic erwartet, wird enttäuscht sein; wer hingegen eine authentische, ungeschönte Sicht auf den Alltag der Arbeiter sucht, wird reich belohnt. Die Serie zeigt, dass der Schrecken der Atomkatastrophe nicht nur in Explosionen und Strahlenwerten liegt, sondern auch in der Monotonie, der hitzebedingten Ohnmacht und der Perspektivlosigkeit der Menschen vor Ort – und sie macht deutlich, wie wichtig es ist, diese individuellen Geschichten neben den statistischen Angaben zu hören. Und der Manga hat mich wieder zum Nachdenken gebracht und brachte mir die schrecklichen Bilder von damals vor Augen. Japan stand damit einige Jahre nicht mehr auf meinem Reiseprogramm.
Ab und zu lese ich Werke von renommierten Journalisten wie beispielsweise Peter von Zahn, Peter Scholl-Latour und Kollegen aus alten Zeiten, um mich für meinen Job zu motivieren und auch Ideen zu bekommen. Jetzt griff ich wieder zu Rolf Seelmann-Eggebert, der unlängst verstorben ist. Hier mein Nachruf von damals.
Er blickt in seinem autobiografischen Werk „In Hütten und Palästen – Ein Reporterleben“ auf ein Leben zurück, das in der journalistischen Landschaft Deutschlands kaum seinesgleichen hat. Erstmals wird deutlich, wie vielseitig sein Werdegang war: Vom Auslandskorrespondenten in Afrika über Hör- und Fernfunk beim Norddeutscher Rundfunk (NDR) bis hin zum gefeierten „Adelsexperten“ im europäischen Königshaus-Milieu.
Das Buch beginnt mit den frühen Jahren des Autors, seinen Anfängen beim NWDR/NDR als freier Mitarbeiter für Hörfunk und Fernsehen, schildert dann die Jahre als Korrespondent in Westafrika (ab 1968) und später in Nairobi, Kenia (1972–1976) für den Hörfunk beziehungsweise das Fernsehen. Diese Phase ist besonders bedeutsam, weil Seelmann-Eggebert nicht nur über Ereignisse berichtete, sondern in einem ganz anderen Medienumfeld arbeitete – mit Begrenzungen, improvisierten Bedingungen und unmittelbarer Nähe zu den Reportage-Realitäten vor Ort. Das eröffnet dem Leser einen Blick auf eine journalistische Form, die heute selten geworden ist.
Parallel schildert er seine spätere Tätigkeit beim Fernsehen, insbesondere seine Berichterstattung über Königshäuser, royale Großereignisse und Staatenbesuche. Diese Kapitel sind reich an Anekdoten: etwa der Ausfall des Tons bei der Trauung von Charles III. (damals noch Prinz Charles) und Diana, Princess of Wales, bei der er dank seiner Vorbereitung den Predigttext live ins Deutsche übertrug.
Dabei wird deutlich: Seelmann-Eggebert verstand sich nicht allein als Boulevard-Kommentator, sondern als Journalist mit Anspruch. Er ordnete gesellschaftliche Entwicklungen ein, reflektierte Medien- und Adelshistorie und vermied nach eigenen Aussagen Pathos: „Wenn du mit einem König auf dem Sofa sitzt, dann glauben alle, ich sei nah dran. Aber das täuscht.“
Ein besonders gelungener Teil des Buches ist der Wechsel zwischen den Extremen – von „Hütten“ zu „Palästen“, wie der Titel treffend formuliert. Die „Hütte“ steht metaphorisch für Reportage-Alltag in Afrika – unter schwierigeren Bedingungen, aber mit direkter Begegnung und menschlicher Nähe. Die „Paläste“ stehen für die glanzvolle Welt der Monarchien – elegant, protokollarisch, aber eben auch geerdet durch seine Perspektive. Dieses Spannungsverhältnis macht die Stärke des Buches aus: Es sind nicht nur die royalen Anlässe, die faszinieren, sondern gerade die Schnittstellen zwischen Macht und Alltag, zwischen den privilegierten Sphären und den realen Lebenswelten.
Stilistisch überzeugt Seelmann-Eggebert durch einen klaren, persönlichen Ton. Er nimmt den Leser mit auf seine Reisen, lässt kurze Reportage-Momente, Begegnungen mit Königinnen und Königen, aber auch Gespräche mit Einheimischen in Afrika Revue passieren. Dabei spart er nicht mit kleinen Selbstreflexionen – etwa über die Rolle des Journalisten, die Verantwortung, aber auch die Grenzen. Die Co-Autorschaft mit seiner Tochter Adele bringt weiteren Gewinn: Dialoge, Briefausschnitte und Interviewmaterial verleihen dem Text Authentizität und Tiefe.
Auch kritisch zeigt sich das Buch: Seelmann-Eggebert überrascht nicht mit einer groß angelegten Medien- oder Adelskritik, doch er thematisiert etwa die Diskrepanz zwischen Glamour und Machtlosigkeit, zwischen Repräsentation und Lebenswirklichkeit – insbesondere in den Auslandsreportagen Afrikas. Er schreibt über die „menschenunwürdigen Zustände“ dort im Vergleich zur deutschen Wohlstandsgesellschaft – und wie ihn diese Erfahrung immer wieder einholte.
Ein paar Anmerkungen zur Bewertung: Wer sich vorrangig für royale Themen interessiert, findet hier zahlreiche Insider-Momente, Interviews, historische Wegmarken – vom Buckingham Palace bis zu anderen europäischen Königshäusern. Wer hingegen mehr an Journalismusgeschichte, Medienwandel oder Reportagereisen interessiert ist, wird ebenfalls fündig sein – gerade die Afrika-Jahre verleihen dem Buch eine Tiefe, die über glänzendes Protokoll hinausgeht. Manchmal fehlt dem Text eine stärkere Struktur oder kritische Distanz gegenüber dem eigenen Wirken – aber das lässt sich bei einer Lebenserinnerung verzeihen.
„In Hütten und Palästen“ ist eine eindrucksvolle Biografie, die zeigt, wie ein Journalist zwischen zwei Welten lebte – zwischen Afrika und den Königshäusern Europas –, wie er Begegnungen mit Macht, Repräsentation und Alltag meisterte und gleichzeitig seine Neugier bewahrte. Für Leserinnen und Leser, die mehr wollen als reine Adelschroniken, bietet das Buch Horizont, Menschlichkeit und spannende Einblicke in ein außergewöhnliches (Reporter-)Leben.
Ich habe noch ein Autogramm von ihm, das in meiner Heldengalerie in meinem Arbeitszimmer hängt. Auch eine Art der Motivation für mich.
Gleich vorweg: Ich bin mit dem Autoren seit langem bekannt und schätze seine Veranstaltungen und sein Fachwissen rund um das Thema Führung. Nun hat Nikolai A. Behr mir sein neues Buch empfohlen, dass ich im Hinblick als jahrelange Führungskraft als Textchef und Chefredakteur bei verschiedenen Verlagen gelesen habe. Und ich wurde bei der Lektüre wieder bestätigt, dass Behr einfach den Bogen raus hat.
Das 2025 im brain script Verlag erschienene Buch „Führungsaufgabe Nr. 1: Kommunikation“ von Dr. Nikolai A. Behr ist ein praxisorientiertes und zugleich tiefgründiges Werk über eine der zentralen, oft unterschätzten Anforderungen moderner Führung: die Fähigkeit, wirkungsvoll zu kommunizieren. Behr, selbst erfahrener Medientrainer und Kommunikationsberater für Topmanager, verbindet in seinem 149 Seiten starken Buch theoretische Fundierung mit unmittelbarer Anwendbarkeit – ein Leitfaden, der die Kunst des Führens nicht über Kennzahlen, sondern über Haltung, Sprache und Resonanz neu denkt. Immer wieder holte ich mir in der Vergangenheit Inspiration für meine Arbeit aus seinen Shorts in sozialen Netzen. Jetzt kann ich (endlich) dazu auch sein Buch nutzen.
Im Aufbau zeigt sich die klare Struktur des Werks: Sechs Hauptkapitel führen die Leserinnen und Leser von der Einordnung klassischer Managementaufgaben über die zentrale Rolle der Kommunikation bis hin zu konkreten Werkzeugen und Modellen. Besonders hervorzuheben ist der sogenannte G.A.M.E.-Code, ein von Behr eigens entwickeltes Konzept zur systematischen Verbesserung der Kommunikationsqualität. Er steht exemplarisch für den Ansatz des Buches, Kommunikationsprozesse greifbar und trainierbar zu machen. In weiteren Kapiteln behandelt Behr Themenfelder wie empathische Gesprächsführung, aktives Zuhören, rhetorische Klarheit, digitale Medienkompetenz sowie den Umgang mit interkulturellen Differenzen im Führungsalltag.
Bemerkenswert ist die Sprache, die Behr wählt: präzise, unpathetisch, aber von spürbarer Leidenschaft für sein Thema getragen. Er vermeidet die Floskelhaftigkeit vieler Leadership-Ratgeber und arbeitet stattdessen mit Fallbeispielen aus realen Unternehmen, wissenschaftlich fundierten Argumenten und nachvollziehbaren Kommunikationsstrategien. In Zitaten wie „Wer Kommunikation nur als Soft Skill betrachtet, unterschätzt ihren Hebel für echte Transformation“ wird seine Kernbotschaft deutlich – Führung ist kein Status, sondern Beziehungsarbeit, und Sprache das wichtigste Werkzeug dieser Beziehung.
Das Buch richtet sich ausdrücklich an Führungskräfte aller Ebenen – vom Teamleiter bis zur Geschäftsführung – und eignet sich auch für Coaches und Trainer, die Kommunikationsarbeit vertiefen möchten. Bei der Lektüre habe ich festgestellt, was ich in meiner Führungspraxis so manches Mal falsch gemacht habe, indem ich Mitarbeitern meine Ideen nicht immer vermitteln konnte. Hätte ich dieses Buch bloß früher gelesen.
Seine Stärke liegt dabei in der Balance zwischen Reflexion und praktischer Nutzbarkeit: Behr bietet nicht nur Anregungen, sondern konkrete Übungen und Denkroutinen, die sich in den Führungsalltag integrieren lassen. Gerade in einer Zeit hybrider Arbeitsmodelle und digitaler Distanz wirkt seine Forderung nach Empathie und Präsenz im Dialog dringlicher denn je. Ich hatte zu meiner Zeit noch alle Mitarbeiter im Büro am Ort sitzen, daher empfand ich die Ausführungen zur digitalen Führung besonders spannend.
„Führungsaufgabe Nr. 1: Kommunikation“ ist mehr als ein weiterer Managementratgeber – es ist für mich ein Plädoyer für sprachbewusste, menschlich orientierte Führung. Nikolai Behr gelingt es, Kommunikation als strategisches Führungsinstrument zu begreifen und zugleich deren ethische Dimension offenzulegen: dass gute Führung immer mit ehrlichem Zuhören und respektvollem Sprechen beginnt. Für alle, die in modernen Organisationen gestalten, motivieren und überzeugen wollen, sollte dieses Buch eine inspirierende Pflichtlektüre sein.
Die Hauptthesen Die Hauptthesen von Nikolai A. Behrs Buch „Führungsaufgabe Nr. 1: Kommunikation“ (brain script Verlag, 2025) lassen sich in fünf Kernaussagen zusammenfassen. Sie beschreiben Kommunikation als den entscheidenden Hebel moderner Führung und begründen, warum sie weit mehr ist als ein „Soft Skill“.
Erstens: Kommunikation ist die wichtigste Führungsaufgabe. Behr argumentiert, dass alle wesentlichen Managementprozesse – Motivation, Orientierung, Strategieumsetzung – durch Kommunikation vermittelt werden. Ohne klare, konsistente Kommunikation scheitert jede Führung, unabhängig von Fachkompetenz oder Hierarchie.
Zweitens: Empathie und Klarheit sind die Leitwerte wirksamer Führung. Gute Führung beginnt mit aktivem Zuhören und setzt emotionale Intelligenz voraus. Nur wer die Perspektive anderer nachvollzieht, kann Vertrauen und Bindung aufbauen – zentrale Faktoren für Mitarbeitermotivation und Zusammenarbeit.
Drittens: Kommunikation wirkt auf allen Ebenen – verbal, nonverbal und digital. Behr betont, dass Führungskräfte ihre Wirkung in Präsentationen, Meetings, E-Mails oder Videokonferenzen bewusst gestalten müssen. Zugleich warnt er vor der Illusion, Kommunikation sei bloß Rhetorik; sie ist immer auch Haltung und gelebte Authentizität.
Viertens: Kommunikation entscheidet über den Erfolg von Veränderungsprozessen. Besonders in Krisen, Transformationen und hybriden Arbeitsumgebungen ist Verständlichkeit das wichtigste Führungsinstrument. Behr fordert eine proaktive, wertschätzende Sprache, die Orientierung gibt und Ängste abbaut.
Fünftens: Kommunikation ist trainierbar. Mit dem von Behr entwickelten G.A.M.E.-Code bietet das Buch ein praxisnahes System, um Kommunikationsmuster zu analysieren, Feedbackprozesse zu verbessern und Botschaften wirksamer zu gestalten. Der Ansatz steht für die These, dass kommunikative Exzellenz kein Zufall, sondern Ergebnis bewusster Selbstreflexion und Übung ist.
Lee Miller, geboren am 23. April 1907, war eine vielseitige Fotografin des 20. Jahrhunderts, deren beeindruckendes Werk von Dokumentar- bis zu Modefotografie reichte. Auch in Bezug auf ihre Beiträge zur Modefotografie hinterließ Miller einen nachhaltigen Eindruck. Immer wieder greife ich zu ihrem Modebildern und vergleiche sie mit den Kriegsfotos aus dem Zweiten Weltkrieg von ihr.
Miller begann ihre Karriere in den 1920er Jahren als Model in New York City und wurde schnell eine Muse des surrealistischen Künstlers Man Ray, der sie in die Welt der Fotografie einführte. Diese einzigartige Perspektive als Model trug zu ihrer späteren Fotografie bei, insbesondere in der Mode. In den 1930er Jahren, während ihrer Zusammenarbeit mit der Vogue, etablierte sich Miller als eine der führenden Modefotografinnen ihrer Zeit. Ihr Stil zeichnete sich durch eine Kombination aus Eleganz und einer subtilen, aber klaren Kante aus. Sie experimentierte mit Licht, Schatten und Perspektiven und schuf dadurch Bilder, die über bloße Mode hinausgingen und eine künstlerische Tiefe hatten. Miller war bekannt dafür, Grenzen zu überschreiten und Konventionen in der Modefotografie herauszufordern. Ihre Arbeit spiegelte ihre eigene Persönlichkeit wider – kühn, avantgardistisch und oft mit einer Prise Humor. In einem von Männer dominierten Bereich stellte sie ihre kreative Vision durch kraftvolle Kompositionen und innovative Ansätze unter Beweis.
Besonders während des Zweiten Weltkriegs, als Miller als Kriegskorrespondentin tätig war, integrierte sie Elemente der Mode in ihre dokumentarische Arbeit und schuf Bilder, die die Realität des Krieges mit einem Sinn für Stil und Ästhetik verbanden. Diese unkonventionelle Herangehensweise zeugt von ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Genres zu verschmelzen und ihre eigene künstlerische Signatur zu entwickeln. Sie war die Frau, die sich in Hitlers Badewanne in München fotografieren ließ.
Lee Millers Vermächtnis in der Modefotografie ist von ihrer Fähigkeit geprägt, nicht nur Kleidung zu fotografieren, sondern auch Charaktere und Geschichten zu schaffen. Ihre einzigartige Perspektive und ihre Bereitschaft, künstlerische Grenzen zu erkunden, haben die Modefotografie bereichert und beeinflussen weiterhin Generationen von Fotografen. Lee Miller wird nicht nur als Fotografin, sondern auch als Pionierin in einem kreativen Feld erinnert, das sie mit Leidenschaft, Innovation und Stil bereichert hat. Für mich ist Lee Miller in Fashion das beste Modebuch von ihr.
Es gibt zwei Bücher, die mich zum Filmfan gemacht haben. Das eine war von Francois Truffaut Mr Hitchcock, wie haben Sie das gemacht und das andere war Kubrick von Michel Ciment aus dem Jahr 1980. Eben dieser großartige Michel Ciment ist am 13. November im Alter von 85 Jahren verstorben. Ich hab es jetzt erst mitbekommen. Die Filmwelt und vor allem ich haben ihn viel zu verdanken.
Ich stieß auf seine Todesmeldung durch einen Post von Kubrick Produktionsleiter Jan Harlan in Instagram. Michel Ciment war ein französischer Filmkritiker und Herausgeber des Kinomagazins Positif. 1980 schrieb er ein Buch über Stanley Kubrick und ab diesem Tage wusste ich, wer das Genie im Olymp der Kinoregisseure war. Durch Ciment wurde ich zum Kubrick Fan, was heißt Fan? Ich wurde zum Kubrick-Fanatiker, -Experten, -Liebhaber. Ich verschlang alles, was ich über Kubrick zu lesen bekam und durfte sogar Kubrick Landsitz in der Nähe von London besuchen. Ich traf mich mit Christiane Kubrick und immer wieder mit Jan Harlan.
Ciment schrieb 15 weitere Bücher über Film wie über Joseph Losey, Elia Kazan, John Boorman, Francesco Rosi, Fritz Lang und Theo Angelopoulos, wobei ich das Buch über John Boorman ausdrücklich empfehlen will.
Mein Kubrick–Buch von ihm stammt von 1980. Shining war damals der aktuelle Kubrick-Film. Es sollten nur noch zwei folgen: Full metal Jacket und Eyes Wide Shut – dann schloss der Meister für immer seine Augen. Ciment schulte meinen Blick aufs Kino. Ich erkannte durch ihn Qualität, der sich von Massenware des Kinos der 80er abhob, die heute von vielen als Kult bezeichnet wurde. Ciment schärfte mit seinen Analysen und Interpretationen, mit seinen Interviews mein Interesse für das Wesentliche im Kino und warum Kino eine Kunstform ist. Danke Michel Ciment für die Gedanken rund ums Kino. Wir haben ihm alle viel zu verdanken.