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Anschauen: Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains in Dortmund

7. Februar 2019

Die Reise zur großen Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains war eine Reise in meine Vergangenheit. Ich hörte als Jugendlicher den Sound der britischen Supergroup und höre die Musik noch immer gerne. 

Da war es quasi Ehrensache mich von München nach Dortmund aufzumachen und der Ausstellung im Dortmunder U einen Besuch abzustatten. Zur Einstimmung kaufte ich mir vor Reiseantritt den umfangreichen Ausstellungskatalog, um die Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains noch besser genießen zu können. 

5,2 Millionen Euro Kosten für Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains

Und ich muss sagen: Die ganze Sache hat sich als Pink Floyd Fan durchaus gelohnt, obwohl die Verantwortlichen der Stadt Dortmund nicht glücklich sein können. 1,7 Millionen Euro Verlust hat die Stadt im vergangenen Jahr mit Ausstellungen gemacht, wobei der Großteil der Verluste auf die Pink Floyd-Ausstellung entfallen dürfte. 5,2 Millionen Euro hat die Ausstellung gekostet und die Kosten werden wohl nicht eingespielt. Am 10. Februar 2019 endet Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains und eine Verlängerung ist wohl so gut wie ausgeschlossen. Also wer noch Interesse an Pink Floyd hat, der sollte sich ins Dortmunder U begeben und die Wartezeit bis zu drei Stunden am Wochenende auf sich nehmen. Die ganze Sache lohnt sich meiner Meinung nach. Kultur ist in diesem Fall ein Zuschussbetrieb – oder anders ausgedrückt: Die Gier der Lizenzinhaber ist extrem hoch. Die Millionäre von Pink Floyd werden durch Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains noch reicher.

Eindrucksvolle Exponate in Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains

Zur Ausstellung selbst: Ich drehte dreimal meine Runde durch die verschiedenen Räume. Einmal, um mir einen Überblick zu verschaffen, einmal um mir die Exponate, Filme und Tafeln genauer anzuschauen und einmal um ganz tief in Pink Floyd einzutauchen und die musikalische Reise in meine Jugend zu genießen. Die ersten beiden Runden hatte ich das kostenlose Audiosystem der Ausstellung auf dem Kopf, das mir Erklärungen zu den Räumen und den Exponaten gab. Bei meiner dritten Runde hatte ich meine Musik von Pink Floyd im Kopfhörer des iPhone und wurde von der Musik mitgerissen. 

UFO und Syd Barrett 

Start der Ausstellung Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains sind die Sechziger Jahre in London. Pink Floyd war der Star im Underground-Club UFO. Heute sieht man von dem Club in der 31 Tottenham Court Road in London nichts mehr. Ich war einmal da und es gibt nichts mehr zu sehen. Eigentlich spielte die Band dort nur zwölfmal, aber es reichte für den Kultstatus. US-Band dieser Zeit sind vielleicht spieltechnisch auf ihren Instrumenten besser, aber Floyd waren innovativer und reicher an Improvisationen. Und immer wieder stößt man auf Syd Barrett. Auch diese Ausstellung zeigt, welches Mastermind er war – und wie er endete. Ob es die Drogen waren oder die Widerwilligkeit dem Musikbusiness zu dienen, kann ich nicht beurteilen. Barrett wurde durch Gilmour ersetzt und Pink Floyd machten Karriere.

Instrumente und Technik 

Die Ausstellung zeigt Fotos, Plakate, Zeitungsartikel aus den Anfängen. Musiker werden von den Equipment der Band begeistert sein. Es gibt Instrumente zu sehen, wie Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboards sowie verschiedene technische Geräte für den Sound, mal Stereo, mal Quadrophonie. Einfache Diaprojektoren sorgten für die psychedelische Stimmung – wie einfach und wirksam die Effekte waren. Die Band trat in den Hintergrund, die Musik und deren Wirkung in den Vordergrund. 

 

The Dark Side of the Moon

Die ersten Alben werden in der Ausstellung zusammengefasst, aber ab Dark Side of the Moon bekommt jedes Album seinen Raum. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es nicht so viel Material aus den Anfängen gibt. Drummer Nick Mason hat seine Hütte aufgeräumt und viel zur Ausstellung beigesteuert – sehr nett sind dabei die Rüschenklamotten der guten alten Zeit. 

Dark Side of the Moon bekommt die Würdigung, das dieses großartige Album verdient. Hier stimmte einfach alles und ich kann nicht sagen, wie oft ich diese Musik gehört habe. Das Album selbst war ja mal im Weltall und ich hatte darüber geschrieben. Durch Dark Side entdeckte ich die Musik von Alan Parsons, der mit APP jahrelang zu meinen Favoriten zählte. 

 

Später kam ein Raum zu Wish you where here. Hier entdeckte ich das Foto von Syd Barrett wieder und habe auch darüber geschrieben. Minutenlang habe ich mir das Foto angesehen und die Musik von Shine on your Crazy Diamond angehört. Die Fotosession vom Cover war damals ohne Photoshop möglich. Hier waren die Originalabzüge zu sehen. 

Tierisch in der Höhe 

Animals wurde musikalisch rauher. Der Punk lag in der Luft und griff die Art-Rocker frontal an. Das Album Animals war nicht so verkünstelt, vermittelte mehr Bodenhaftung.

Und natürlich gab es die Geschichte vom fliegenden Schwein zu sehen und zu lesen, das sich über dem Kraftwerk losgerissen hatte und den Flugverkehr von London bedrohte. Übrigens, die Schafe waren auch zu bewundern. Pigs on the Wing war ein wunderbarer Einstieg in diese Schallplatte. Und der Text war damals richtig richtig böse. 

The Wall, Final Cut und viel Selbstmitleid

Und dann kamen The Wall und Final Cut – im Grunde kam da Roger Waters pur. Es gab die Marionetten zu sehen, das Bühnenset der Show und es wirkt noch immer. Die Wand zwischen Publikum und Band, der Song über Erziehung kam sofort wieder in Erinnerung. Stark beeindruckt haben mich die (Toten-)Masken der Musiker, die auf dem späteren Live-Album von the Wall zu sehen war – Is there anybody out there? 

Als ich mich auf den Boden setzte und mir ein Gruppenbild von Schülerinnen und Schülern samt einkopierter Band ansah, maulten mich Besucher an, weil ich ihnen die Sicht nahm. Das Foto hätte gerne höher hängen können.  

Ich stellte mich in die Mitte des Ausstellungsraumes und erinnerte mich, dass 1980 die Show in der Dortmunder Westfalenhalle stattfand. Ich war zwölf Jahre alt und bekam eine Eintrittskarte. Aber meine Eltern erlaubten es nicht, dass ich zu Pink Floyd fuhr. Sie wollten mich nicht begleiten und alleine durfte ich mit der Bundesbahn nicht fahren. So musste ich meine begehrte Karte verkaufen und besserte mein Taschengeld erheblich auf. Damals ärgere ich mich tierisch, dass ich The Wall von Pink Floyd nicht live in Dortmund gesehen habe. Jahre später sah ich Roger Waters mit The Wall in Frankfurt – eine geile Show und nach all den Jahren des Ärgers bin ich nun versöhnt.

Viele mögen The Final Cut nicht und im Grunde war es ein Roger Waters Solo-Album mit Teilen von Pink Floyd als Gastmusiker. Ich genoss damals das Album, kaufte mir auch eine VHS-Videokassette mit den Musikclips, die irgendwo im Archiv liegt. Wenn ich in einer Stimmung des Selbstmitleids bin, höre ich das Album noch immer gerne. 

Das Trio 

Pink Floyd ohne Roger Waters war für mich nicht mehr das Original. Ich kaufte zwar noch die Alben des Trios und es gab wieder und wieder wunderbare Momente, aber ich griff eher zu den alten Sachen.

Die Räume der späten Alben waren gefüllt mit eindrucksvollen Sets: Das Bett, die Menschen mit den Glühbirnen, die Statuen. 

Das Konzert von Live 8 

Dann der Schluss: Es gab einen Raum mit einer Videoprojektion mit einem Ausschnitt des Live 8-Konzerts bei dem Pink Floyd zu viert wiedervereint auf der Bühne zu sehen war. Leider und für mich unverständlich gab es nicht den gesamten Auftritt zu sehen, der bisher nie als offizielles Album erschienen ist. Wahrscheinlich hatten die Ausstellungsmacher die Angst, dass sich die Besucherinnen und Besucher niederlassen und das ganze Konzert anschauen würden. Ich hätte es zumindest gemacht, denn es wäre ein schöner Abschluss meines Tages in Dortmund gewesen. So gab es nur ein Lied und das In-Arm-Nehmen der kompletten Band – ein toller Anblick, wenn Roger Waters und Kollegen ihre Streitigkeiten ruhen lassen. 

 

Was bleibt sind Erinnerungen

Nun, Pink Floyd ist Geschichte: Waters, Mason und Gilmour versorgen uns mit Solo-Projekten. Wright und Barrett sind verstorben. Zurück bleibt die Erinnerung an eine eindrucksvolle Band und ich danke der Stadt Dortmund, dass sie die Ausstellung trotz finanzieller Verluste nach Deutschland gebracht haben. Wer bis 10. Februar noch Zeit findet, sollte handeln und die Ausstellung Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains im Dortmunder U besuchen – oder zumindest den Katalog kaufen. Den gibt es im Shop und natürlich auch hier Pink Floyd: Their Mortal Remains.

 

Musiktipp: Pink Floyd: the Endless River

8. November 2014

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Gleich vorweg: Ich bin ein Fan von Roger Waters und habe mich immer mit dem verbleibenden Rest-Trio von Pink Floyd schwer getan. Ich habe sogar 20 Jahre gebraucht, um mich mit dem Album The Division Bell anzufreunden und darüber geschrieben. Aber natürlich habe ich mir Gillmours-Resteverwertung The Endless River gleich bestellt. Als langjähriger Pink Floyd-Fan musste ich hören, was da noch so in den Archiven schlummerte.
Davids Resterampe wurde das Album im Vorfeld genannt. Aber nein, so schlecht ist das Album The Endless River nicht. Aber es ist auch kein Meisterwerk wie Wish you where here oder Dark Side. Aber und das muss ich zugeben, es ist mit Abstand besser, als der Schrott, der sonst in den Hitparaden zu finden ist. Bei Amazon GB war the Endless River das bisher am meisten vorbestellte Album in der Geschichte des Online-Händlers. Das muss man erst einmal hinbekommen. Die Marke Pink Floyd strahlt noch immer – und das ist gut so.


Bis mir DHL das Album the Endless River mit dem grässlichen Cover lieferte, konnte ich via Amazon Cloud das Album laden und hören. Das Ding ist deutlich besser als ich erwartet habe, deutlich. Immer wieder blitzt die Vergangenheit durch, die geniale Atmosphäre der vergangenen Musik von Pink Floyd. Und es scheint immer wieder Wish you where here oder gar The Wall durch, das mich persönlich sehr, sehr freut. Ich bin mir aber bewusst: Das Album the Endless River passt nicht mehr in die heutige Zeit. So eine Musik wird nicht mehr aufgenommen. Kein Plattenlabel würde so ein Risiko mit Instrumentalmusik eingehen, aber bei dem starken Markennamen Pink Floyd geht man kein Risiko ein. Süßer die Kassen, die klingen. Böse Stimmen nennen die Musik des Albums abfällig Fahrstuhlmusik, zeigen aber mit ihren Bemerkungen nur ihren geringen geistigen musikalischen Entwicklungsstand. Wenn so etwas Fahrstuhlmusik sein soll, dann würde ich den ganzen Tag auf und ab fahren. Der Klang von the Endless River provoziert heutige Hörgewohnheiten, zwingt die Hörer zum Zuhören, zum Konzentrieren. Nehmt euch die Zeit und entdeckt eine interessante Welt. Dabei empfehle ich ausdrücklich, the Endless River via Kopfhörer in voller Lautstärke zu hören. Das Klang- und musikalische Erlebnis ist eindrucksvoll. Es gibt sie durchaus, diese großartigen Momente – und die gilt es auf the Endless River zu genießen.
Und dennoch: Pink Floyd mussten an dem Hype scheitern. Pink Floyd muss hier nicht die Musikgeschichte ändern, die Meilensteine haben sie zu anderen Zeiten gesetzt und das mehrmals. Sie liefern hier mit The Endless River ein solides Album ab.
Ich glaube es dem verbleibenden Duo Davild Gillmour und Nick Mason, dass sie sich vor dem verstorbenen Rick Wright verneigen wollten. Die Keyboards stehen im Vordergrund und auch wenn es nur Outtakes sind, klingen diese besser und inspirierter als manche finale Aufnahme anderer Bands. Und ich glaube es ihnen, dass es wirklich der Abschluss von Pink Floyd sein soll. Keine Renuion mit Roger Waters, keine neuen Archivplünderungen. Ende, Schluss, aus, basta.

Pink Floyd – nach 20 Jahren endlich gut

6. Oktober 2014

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Die Fans wissen es schon längst, dass Pink Floyd am 7. November ein neues Album mit dem Namen The Endless River auf den Markt bringen werden. Interessant ist, wie die alten Herren die Meldung verbreitet haben. Statt auf klassische Massenmedien zu setzen, gab es einen Twitter-Post von Polly Samsons – der Ehefrau von Floyd-Gittarist David Gilmour. Ich glaube nicht, dass es ein Leak war, sondern wunderbar inszeniert, um den britischen Murdock-Medien eines auszuwischen. Übrigens, Polly Samson wird den letzten Sound des Albums Louder Than Words mit neuem Text singen.

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Das Material von The Endless River stammt aus Restbeständen der Division Bell-Sessions aus dem Jahre 1993. Eine musikalische Resterampe – bitte nicht, aber ich denke es auch nicht. Wir erinnern uns, im Jahr 2008 verstarb das Bandmitglied Rick Wright und so widmen die Restmusiker ihrem Keyboarder das neue Doppelalbum. Wie man so hört, soll es vor allem Instrumentalstücke enthalten und natürlich hab ich das Album bereits vorbestellt.
The Endless River ist für mich Grund genug, die bisher letzte Scheibe Division Bell näher anzuhören. Im Jahr 2014 erschien ja zum 20. Geburtstag des Albums eine umfangreiche Sammler-Box.

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Gleich vorwerg: Ich geb es zu, eigentlich bin ich ja Roger Waters-Fan und mag diesen leidenden Selbstmitleid-Ton seiner Aufnahmen. Ich hab mir auch the Wall in Frankfurt angeschaut und war begeistert. Mit The Division Bell  tat ich mich anfangs schwer. Ich mochte die Aufnahmen nicht besonders. Sie lief einige Male, aber setzte sich nichts in meinem Kopf fest. Aber je mehr ich mich in das Material in jüngster Zeit hineinhöre, desto besser gefällt mir es. Und ich muss zugeben, es hat wirklich 20 Jahre gedauert. Wenn ich Pink Floyd hören wollte, griff ich zu den Klassikern, wie Dark side, Wish you were here, Wall oder Animal. Gerne auch zu den alten Heuler von Syd Barrett von Piper. Division Bell war nie meine erste Wahl.
Das hat sich nach 20 Jahren geändert. Und ich habe inzwischen das Werk schätzen gelernt. Es ist perfekter Mainstream, aber keine Revolution mehr. Und sicher wird The Endless River keine Revoultion werden. Und dennoch gelobe ich: Ich werde keine 20 Jahre brauchen, um dieses Album schätzen zu lernen. Und eines noch: Es wäre schön, wenn die Streithälse Waters und Gilmour über ihre Schatten springen würden. Aber Herr Waters hat ja verkündet, er sei kein Bestandteil von Pink Floyd mehr und habe nichts mit den Aufnahmen zu tun.


Hier das Unboxing von der The Division Bell Box und klare Empfehlung übrigens für die Box von Division Bell. Sie enthält einige Sammlerschätze:
Disc 1 – Doppel-LP Originalalbum, 2014 für die Vinyl-Edition auf Grundlage der Original-Analogbänder remastert. Zum ersten Mal mit allen Tracks in voller Länge.
Disc 2 – Blu-Ray (bisher komplett unveröffentlicht) – Video von 2014 zu Marooned – gedreht von Aubrey Powell mit Stereo- und 5.1 Audio Soundtracks – 5.1 Audio-Mix von The Division Bell von Andy Jackson in 96khz/ 24-bit-Auflösung – HD Audio-Stereomix von The Division Bell’ von James Guthrie in 96khz/ 24-bit Auflösung
Disc 3 – Single Take It Back (edit) / Astronomy Domine (live) in rotem Vinyl 7” Replikat in rotem Vinyl in Bildhülle
Disc 4 – Single High Hopes (edit) / Keep Talking (edit) in transparentem Vinyl 7” Replikat in transparentem Vinyl in Bildhülle und Postertasche
Disc 5 – Single High Hopes / Keep Talking / One Of These Days (live) in blauem Vinyl 12“ Replikat in blauem Vinyl, Laser-geätztem Design auf der Rückseite und Bildhülle. Enthält sieben Sammler-Karten im Umschlag.
Disc 6 – CD Album Discovery Version 2011 von The Division Bell in neu gestalteter Tasche
sowie 5 x 26cm x 26cm Kunstdrucke aus den Hipgnosis/Storm-Studios

Konzertkritik: Roger Waters: The Wall – Frankfurt 2013

29. Dezember 2013
 Die vollbesetzte Commerzbank-Arena in Frankfurt.


Die vollbesetzte Commerzbank-Arena in Frankfurt.

Das Jahr 2013 brachte für mich ein paar Konzerte, aber wirklich in Erinnerung blieb mir die gigantische Show von Roger Waters. Mit modernster Technik umgesetzt konnte ich die Wall-Show des Egomanen Waters bestaunen und mich haute es regelrecht von den Socken. Als das letzte Mauerteil gefallen ist, konnte ich es noch gar nicht glauben, welches Spektakel ist gerade erlebt habe. Roger Waters präsentiert den Pink Floyd-Klassiker The Wall in Frankfurt vor 28000 begeisterten Fans und ich bin einer von ihnen.

Mit dem explodierenden Flieger ging es los.

Mit dem explodierenden Flieger ging es los.

Als Pink Floyd in den 80er Jahren in der Dortmunder Westfalenhalle gastierten, durfte ich nicht hinfahren. Meine Mutter hatte es verboten. Ich hatte als Floyd-Fan immer über die damaligen Show gelesen und ärgerte mich, dass ich sie nie selbst erleben durfte. Wir Fans wissen ja: Eigentlich war The Wall ja kein Gemeinschaftswerk der Band mehr, sondern der Beginn des Egotripps von Roger Waters, der dann in The final Cut enden sollte. Die Rest-Floyds waren eigentlich nur noch Gastmusiker. Dann kam der Bruch und Jahre später die Reunion von Pink Floyd ohne Waters. The Wall blieb Geschichte. Es gab die extrem katastrophale Aufführung von Waters zur Deutschen Wiedervereinigung in Berlin, über die hüllen wir besser den Mantel des Vergessens. Songs von The Wall wurden von David Gilmour und Roger Waters immer wieder vorgetragen, aber nicht mehr die komplette Show.

Als der 69jährige Rogar Waters angkündigte, die komplette Show noch einmal mit heutigen technischen Mitteln auf die Bühne zu bringen, musste ich dabei sein. Es wird wohl aufgrund des Alters des Musikers das letzte Mal sein, die Bombast-Show zu erleben. Und es war ein Erlebnis. Ich habe die Genesis gesehen, ich habe die Stones gesehen und ich habe U2 gesehen und habe jedes Mal geglaubt, es geht nicht größer. Doch! Es geht! Roger Waters hat es mit The Wall bewiesen. Er zeigt wo der Bombast-Hammer hängt und hat die Besucher in Frankfurt von den Stühlen gerissen.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 1000 Steine bilden die zwölf Meter hohe, bis zu 150 Meter breite Mauer. Der Aufbau mit Hilfe von zwei Autokränen braucht vier Tage und es werden 32187 Meter Kabel verlegt und 82 Scheinwerfer installiert, 41 Projektoren werfen die Bilder, Filme und Effekte auf die Mauer und Leinwand. Zwei Terabyte Daten verbrauchen die Effekte, 730 Pyro-Effekte werden verballert und natürlich kommen die Show-Elemente der alten Show zum Einsatz: Überlebensgroße Marionetten, das Flugzeug und das fliegende Schwein.

Das Motto ist heute aktueller denn je.

Das Motto ist heute aktueller denn je.

Aber nur Effekte machen noch keine gute Show aus. Die Musik gehört dazu. Und was soll ich nach all den Jahren noch über die Musik sagen? Ja, es ist ein schreckliches Selbstmitleid und ein Egotrip von Herrn Waters, eine Anklage gegen Krieg und Gewalt. Und natürlich kommt im ersten Drittel gleich der legendäre Hit We don’t need no education! Musikalisch hat sich The Wall nicht weiter entwickelt, aber das wollen wir auch nicht. Wir wollen die Schau, die wir 1980 verpasst haben, aber mit der Technik von heute. Die Musiker, die Herrn Waters begleitet haben, waren alle samt hervorragend. Aber natürlich hätte ich gerne die alten Recken von Floyd gesehen, allen voran natürlich David Gilmour. Aber in Frankfurt mussten wir auf Herrn Gilmour verzichten. Auch gut.

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Nicht verzichten müssen wir gottseidank auf die Puppen, Marionetten und Ballons aus dem Jahre 1980. Die Show beginnt mit dem Abfackeln eines eindrucksvollen Feuerwerks. Hinzu kommt der Flieger, der sich durch die Halle der Commerzbank Arena in Richtung Bühne bewegt und dort mit lauten Bum explodiert. Ja, so wird Bombastrock der Superlative eingeleitet. Was bei anderen Shows am Ende steht, kommt bei Waters gleich zu Beginn. Aber es geht noch mehr. Und weiter ging es Schlag auf Schlag.Der Lehrer, der den bekannten Schüler-Protestsong einleitet, war für mich einer der ersten Höhepunkte.

Ich kann mein Glück kaum fassen, als ich endlich im zweiten Teil der Show das legendäre fliegende Schwein erblicke. Im Vorfeld der Show gab es Diskussionen, warum Roger Waters auf das Schwein verschiedene Symbole gekritzelt hat. Es kam zum Vorwurf des Antisemitismus an Waters, da er auch den Davidstern auf das Schwein malte. Das halte ich für Quatsch. Ja, Roger Waters war immer ein politischer Musiker. Erinnert sei nur an seine Positionen gegenüber Margaret Thatcher – Maggie what have we done? Aber ich glaube nicht, dass er antisemitisch ist. Im Konzert in Frankfurt war auf jeden Fall nichts davon zu bemerken.

Zu bemerken war eine offene Politik des Veranstalters. Die Zuschauer wurden nahezu dazu aufgefordert vom Konzert Fotos zu machen. Einzige Bedingung: kein Blitz. Das ist für mich ein absolutes Novum. Ich kenne noch Konzerte, wo ein absolutes Fotografierverbot herrschte. Zuletzt bei Dylan, wo es Greiftrupps unter dem Publikum gab, um illegale Fotografen aufzubringen. Aber der Konzertveranstalter weiß genau, dass er Smartphones im Konzert nicht verbieten kann. Und er nutzt die Chance der neuen Kommunikation. Viele der Bilder von the Wall landen mit dem Hashtag #Wall auf Facebook oder Twitter. Der Radiosender hr1 macht daraus sogar eine hervorragende Social Media-Aktion und bringt die Wall-Show ins Netz. So geht Cross Media.

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Hier mein Fazit gleich nach der Show – die Dame, die sich ins Bild drängt, gehört nicht zu mir. Aber so ist nun mal Berichterstattung: