Posts Tagged ‘John Carpenter’

Musiktipps: Meine jüngsten Vinyl-Einkäufe von Soundtracks

10. November 2021

Der Kauf einer Vinyl-Platte ist für mich immer noch etwas besonderes. In der Regel leiste ich mir Jazz als Langspielplatte. Aber auch Soundtracks kommen bei mir wieder verstärkt auf den Plattenteller.Sonst haben sich CD und Streams durchgesetzt. Und weil Vinyl irgendwie besonders ist, habe ich meine aktuellen Neuerwerbungen in Sachen Filmmusik mal zusammengestellt.

Mit dem neuen James Bond Film Keine Zeit zu sterben habe ich ja meine Probleme und habe auch darüber geschrieben. Probleme habe ich auch mit dem Komponisten des Scores: Hans Zimmer – ich mag seine Musik einfach nicht. Aber ich muss eingestehen, die Musik ist dieses Mal das Beste an dem Bond-Film (neben den Autos). Ich habe mir die verschiedenen Ausgaben der Picture Disc gekauft und ich habe mir den Score No Time to Die als Doppel-LP mit goldenen Vinyl angeschafft, der mehr Titel umfasst als die CD oder das Download-Angebot.


Ich habe zwei Videos zu dem Thema gedreht. Das erste zeigt den Überblick über die verschiedenen Versionen von No Time to Die.

Das zweite Video zeigt ein Unboxing meiner ersten Picture Disc des Films.

Ach ja, weil wir gerade bei James Bond sind. Ich mag die Titelsongs der Filme im Großen und Ganzen. Als Jugendlicher hatte ich mir eine Schallplatte mit diesen Songs gekauft, die allerdings beim Roger Moore Bond Octopussy (1983) geendet hatte. Also wurde es Zeit für ein Update. 1983 kaufte ich mir eine LP mit den 13 bisher erschienen Titelsongs der James Bond Filme. Im Jahre 2021 sind inzwischen 26 James Bond Titelsongs erschienen und es wurde Zeit für eine 3fach-LP mit den besten Bond Liedern. Also hier ein Unboxing von The Best of Bond…James Bond.

Der neue Bond war für mich ja Horror, aber kommen wir besser zu einer wirklichen Horrorfilmreihe. Kommen wir zu Halloween. Der Killer Michael Myers ist seit 1978 unterwegs, als John Carpenter diesen Slasher in die Kinos brachte. Es gab zahlreiche Fortsetzungen und es kam zu einem Reboot. Von diesen Reboot kaufte ich mir die Vinyl-Platten zu Halloween und Halloween Kills. Bei beiden hat Familie Carpenter in die Tasten gegriffen. Bei Halloween habe ich eine Sonderausgabe ergattern können als Doppel-LP. Eine Scheibe kommt in kürbisfarbenen Orange daher. Halloween Kills ist klassisch in schwarzen Vinyl. Hier das Video.

Dracula im Film (18): John Carpenter’s Vampires: Los Muertos

2. November 2021

Als John Carpenter 1998 Vampire drehte, legte er einen harten Horrorfilm vor, der wenig mit den subtilen Filmen der Vergangenheit des Meisters zu tun hatte. Aber Vampire hatte seine Freunde gefunden, so dass aus der Produktionsschmiede zwei Fortsetzungen erschienen.
2002 kam John Carpenter’s Vampires: Los Muertos auf den Markt, der nur in den spanischen Kinos lief, in den USA und bei uns nur auf Video veröffentlicht wurde. Nun kam es zur exzellenten Bluray Veröffentlichung in Deutschland. Der Verlieh stellte mir dankenswerterweise den Film als Media Book zur Verfügung. 2005 folgte dann noch Vampires: The Turning, den ich nicht kenne.

Der Nachfolgefilm von Vampire ist prominent besetzt: Der Sänger Jon Bon Jovi spielt den Vampirjäger Derek Bliss. Auf dem Regiestuhl saß der Carpenter-Vertraute und Horror-Routinier Tommy Lee Wallace, der Halloween (1978) und the Fog geschnitten hatte und zudem Stephen Kings Es (1990) Halloween III inszenierte.
Die Geschichte ist schnell erzählt: der freischaffende Vampirjäger Derek Bliss muss im Auftrag des Vatikans seine Truppe neu formieren und geht nach einem Anschlag der blutrünstigen Vampirkönigin Una auf ein Kloster wieder auf die Jagd nach den Beißern. Im Mittelpunkt steht das Schwarze Kreuz, das wir schon in Carpenters Vorgängerfilm zu sehen bekamen. Hier setzte Tommy Lee Wallace auf Kontinuität, nachdem er bei Halloween III genau diese missachtete und der Druidenfilm statt Michael Myers beim Publikum floppte – keine Experimente sagte schon Adenauer.

Schon vom ersten Moment an ist es eine Trash-Produktion. Großes Kino sieht anders aus, was wohl auch an der Filmoptik liegt. Low Budget, aber mit sehr soliden Spezialeffekten. Freunde des Blutes werden auf die Gore-Kosten kommen, wenn die Vampirkönigin gleich zu Filmbeginn dem Opfer die Zunge aus dem Rachen reißt. Vorsichtig erweitert Tommy Lee Wallace die Story um eine infektiöse Übertragung des Vampirviruses und gibt ihm dadurch ein neues Element – ein interessanter Gedanke.


Wir haben bei John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS die ungewöhnliche Mischung aus Western, Road Movie und Vampirfilm. Mexiko eignet sich als Location eines direct-to-videoo-Vampirfilms ebenso wie London oder Transsilvanien. Das Blut unter heißer Sonne gibt dem Film einen besonderen ungewöhnlichen Flair. Für mich macht das den Reiz des Films aus, denn diese Mischung bekommt der Zuschauer nicht so oft auf der heimischen Beamerleinwand zu sehen. From Dusk Till Dawn von 1996 belebte dieses Genre einst wieder, das in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre zarten Anfänge im Horrorkino des Wilden Westens hatte.

Inzwischen gibt es einige Perlen in diesem Bereich, wobei für mich der Kannibalen-Western Bone Tomahawk von 2015 in jüngster Zeit absolut heraussticht.
Dem Media-Book von John Carpenter’s VAMPIRES: LOS MUERTOS liegt übrigens ein absolut lesenswertes Booklet von Christoph N. Kellerbach bei, das es zu diskutieren gilt. Er ordnet den Film sehr gut in die Veröffentlichung des Wildwest-Horrors ein und gibt uns ein paar Produktionshintergründe. Und als Freund der Filmmusik sollte man Komponist Brian Tyler auf jeden Fall erwähnen, der ganze Arbeit geleistet hat. Leider ist meines Wissens, dieser Score offiziell nicht als Datenträger erschienen, es gibt aber eine nichtautorisierte Version auf CDR.

Filmkritik: Halloween Kills

27. Oktober 2021

Der zweite Teil einer Trilogie hat es immer schwer. Während im ersten Teil die Story aufgebaut und die Figuren eingeführt werden und im dritten die Geschichte mit einem großen Knall endet, so muss im Sandwich-Teil die Spannung gehalten und die Story weitergesponnen werden. Dies gelingt in wenigen Ausnahmen in der Filmgeschichte. Und es gelingt bei Halloween Kills. Es ist zwar nicht so, dass Halloween Kills in die Filmgeschichte als Meisterwerk eingehen wird, aber es ist ein solides Storytelling um Michael Myers und seine blutigen Taten.

Der Film hält, was der Filmtitel verspricht. Kills en masse, im Grunde alles was zwei Beine hat, wird vom absoluten Bösen gemeuchelt, erstochen, zerhackt, erwürgt, erschlagen – einfach gekillt. Der Film schließt dort an, wo sein Vorgänger Halloween aufgehört hat. Wer den nicht gesehen hat oder gar nicht weiß, wer Michael Myers überhaupt ist, der hat schlichtweg verloren. Aber Halloween hat seine Fans, wie Jason oder Freddy ihre Fans haben und sie wissen, was an Halloween in Haddonfield passiert wird. Also ohne lange Vorrede geht es an den Bodycount, Zack Rübe ab. Zimperlichkeiten oder gar Rücksichtnahme gibt es bei Halloween Kills nicht – der Name ist Programm.

Halloween Kills ist mehr
Aber Halloween Kills ist mehr als ein brutaler Slasher. Er hat eine tiefere Ebene, die interessant ist. Er stellt die wichtige Frage, von wem geht eigentlich der Terror aus? Im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass der Staat versagt habe, die Bürger von Haddonfield zu schützen. Die Konsequenz ist das Aufstellen einer Bürgerwehr, die Jagd auf Michael Myers macht. Dabei geraten die besorgten Bürger in einen wahren Blutrausch. Die Staatsgewalt, in Form des schwarzen Sheriffs mit Stetson-Hut, bleibt erschöpft auf der Treppe zurück. Die Bürger nehmen ihr Schicksal alleine in die Hand und wehren sich.

Ist damit Halloween Kills eine Parabel über Trump und mit all seinen Konsequenzen wie den Sturm aufs Kapitol im Januar 2021? Vielleicht im Geiste, wobei der Film vorher schon im Kasten war. Und dennoch zeigt Halloween Kills die Verführbarkeit der Massen und der Ruf nach einem starken (An-)Führer. Und der Film zeigt die Fehlbarkeit: Statt Michael wird ein Unschuldiger gejagt, der vor dem wütenden Mob in den Tod springt.
Und damit ist Halloween Kills bei Zitieren der Filmgeschichte. Natürlich darf Jamie Lee Curtis als Laurie Strode, die inzwischen aussieht wie Patti Smith, sich immer wieder selbst zitieren. Es macht Spaß, sie anzusehen, wobei ihr Schauspiel auf das Krankenhaus in Haddonfield beschränkt bleibt und damit wohl einen Ausblick auf den dritten Teil des Halloween-Gemetzels gibt, der Halloween Ends heißen wird. Der Kinostart von Halloween Ends steht schon fest: Der nunmehr 14. Film aus der „Halloween“-Reihe kommt am 13. Oktober 2022 in die Kinos, fast genau ein Jahr nachdem Halloween Kills in den Kinos startete. Ich vermute mal, dass Halloween Ends im Krankenhaus spielen wird und damit die Erinnerung an Halloween II – Das Grauen kehrt zurück von 1981 aufkommt.

Patti Smith? Nein es ist unsere Scream-Queen

Aber ein klares Filmzitat und große Verbeugung kommt von Regisseur David Gordon Green. Die Szenen mit den wütenden und schreienden Mob erinnern mich an die großen Frankenstein-Filme. Wenn sich die Dorfbewohner aufmachen und das Monster Frankenstein zur Mühle jagen, dann hat Regisseur David Gordon Green genau hingeschaut. Das macht Spaß anzusehen, dass Green hier die Klassiker zitiert.
Und ebenso scheint er seinen Tolkien gelesen und die Herr der Ringe-Verfilmungen gesehen zu haben. Als Michael Myers im Park nach seinem Opfer Ausschau hält, verkriecht sich das weibliche Opfer unter einer Baumwurzel. Myers als Schwarzer Reiter aus dem HdR-Universum, der auf der Suche nach den Hobbits ist, sie aber nicht entdeckt und weiterzieht.
Aber natürlich ist Halloween Kills nur ein Film für eingefleischte Fans der Reihe. Erinnert sei an dieser Stelle an den Halloween-Klassiker Halloween – Die Nacht des Grauens von John Carpenter von 1978, ein Slasher, der anders als Halloween Kills ohne Blut auskommt. Immer wieder sehenswert.

Musiktipp: Lost Themes III von John Carpenter

8. Februar 2021
Mir gefallen die Lost Themes III von Regisseur und Musiker John Carpenter.

Ich bin mit John Carpenters Filmen aufgewachsen und hab sogar ein Webinar über diesen Ausnahmeregiseur meiner Jugend durchgeführt. Wusstet ihr, dass Capenter neben Charlie Chaplin einer der wenigen Filmemacher ist, der die Musik zu seinen Filmen auch gleich mitkomponierte. Und veröffentlicht wurden enorm wichtige Scores von ihm – Assault, Halloween, Fog. Minimalistische Filmmusik für eine ganze Generation und wenn mal ein anderer Musik zu seinen Filmen geschrieben hat, bat er um Reduktion. Zu Ennio Morricone soll er bei The Thing gesagt haben: „Weniger Noten.“

Um den Filmemacher John Carpenter ist es in den vergangenen Jahren eher ruhig geworden. Sein letzter Film war the Ward von 2010, der mir ganz gut gefallen hat. Die Musik John Carpenter’s the Ward dazu hat er allerdings nicht mehr geschrieben, sondern ein gewisser Mark Kilian. Carpenter hält derweil die Hand auf als Produzent, nachdem sein Michael Myers wieder Fahrt in Halloween wieder aufgenommen hat.

Aber so ganz hat sich Carpenter mit seinen 73 Jahren nicht auf Altenteil zurückgezogen. Seit ein paar Jahren veröffentlicht der Meister des Bildes nun Musik ohne Filme – seine Lost Themes. Eine schöne Idee – eine Art Programmmusik der Neuzeit. Jetzt hat John Carpenter sein Album Lost Themes III: Alive After Death vorgelegt und er bleibt grundsätzlich seinem Stil der beiden Vorgängeralben Lost Themensuche I und II treu. Musik zu Filmen, ohne dass die Filme gedreht wurden. Und er hat sich wie bei den beiden Vorgängern Hilfe in Form von Sohn Cody und Patensohn Daniel Davies (Sohn von Dave Davies von den Kinks) geholt.

Für mich die klaren Anspieltipps the Dead Walk und Weeping Ghost, die schön an den Synthi-Sound von damals erinnert. Die Titel sind alle wunderschön trashig plakativ „Vampire’s Touch“, „Skeleton“, „Carpathian Darkness“ und mehr.

Also die ganze Sache ist etwas für Film- und Musikfreunde von John Carpenter, der einstmals auch mit seiner Musik auf Tour war. Aber in Corona-Zeiten holen wir uns sein Schaffen eben aus der Konserve.

Filmtipp: Sie leben von John Carpenter (1988)

11. Dezember 2020

Vor kurzem hatte ich zusammen mit einem Kollegen ein Webinar zur politischen Bedeutung von John Carpenter. Klingt eigenartig, aber viele Carpenter-Filme beinhalten massive Gesellschaftskritik. Ich ging auf Dark Star und seine Biografie ein und entdeckte für mich wieder die Perle Sie leben aus dem Jahre 1988. Da ich die Bluray Version noch nicht besessen hatte, bestellte ich mir den B-Movie umgehend in einer Kombination Film/Soundtrack.

Carpenter ist neben Charlie Chaplin einer der wenigen Regisseure, die selbst der eigene Filmkomponist sind. Und die Score zu vielen seiner Filme gehen einfach ins Ohr und über eine minimalistische Faszination aus. Für mich nach all den Jahren noch immer beeindruckend ist die Musik zu Assault, Halloween und The Fog. Einen deutlichen schwereren Zugang habe ich zu dem Gitarrenbetonen Score von Ghosts of Mars. Der Score von Sie leben liegt irgendwo in der Mitte. Er erinnert, wie bei Carpenter oft, an einen Western. Zum 20. Geburtstag des Films wurde der Score in der kompletten Form mit 29 Tracks auf den Markt gebracht.


Aber zurück zum Film: Ich habe Sie leben 1988 damals im Kino gesehen. Carpenter befand sich im Niedergang seines Schaffens und nach Sie leben kam der unsägliche Jagd auf einen Unsichtbaren 1992. Sie leben war aber noch ein wirkliches Highligt: Konsumkritik pur – Aufstand gegen die Yuppie-Invasion. Die Hauptrolle spielte der kanadische Wrestler Roddy Piper, der 1995 2015 an Herzstillstand überraschend verstarb. Roddy Piper war jetzt nicht der große Charakterdarsteller, aber er spielte die Rolle des arbeitslosen Ölarbeiters John Nada eindrucksvoll. Genau so wollte es Carpenter damals: Kein Hollywood-Sonnyboy, sondern ein Arbeitertyp mit Narben und Schwielen. Durch den Blick einer speziellen Sonnenbrille erkannte unser Held John, dass die Erde von Alien beherrscht wird, die den Planet durch radikalen Konsum und Verführung ausplündern. Klingt jetzt ein wenig an den Haaren herbeigezogen, aber der B-Movie ist Konsumkritik an der Reagan-Ära pur und macht zudem noch unglaublich Spaß.

Zudem ist es Carpenter gelungen, eine der besten Zweikampfszene der Filmgeschichte zu drehen. Die Figuren John und Frank hauen sich die Köpfe ein, weil keiner nachgeben will. John will Frank überzeugen, dass er die Zauberbrille aufsetzen soll und der will partout nicht. Möchte er gar aus der Konsumwelt gar nicht entfliehen?

Wer die Brille dann doch auf der Nase hat, sieht überall die Aufforderung zum Kauf. Auch das Schild Gehorchen/Obey taucht immer wieder auf.
Fun Fact: Obey Clothing ist ein beliebtes Bekleidungsunternehmen, das 2001 vom Straßenkünstler und Illustrator Shepard Fairey als Erweiterung seiner Arbeit im Bereich Aktivismus gegründet wurde. Die Idee kam ihm beim Betrachten des sehenswerten Carpenter-Films Sie leben.

Filmkritik: Xaver und sein außerirdischer Freund

16. August 2020

Xaver im Autokino.

Xaver im Autokino.

Als John Carpenter sich Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum ansah, hatte er sich so geärgert, dass er seinen Film Dark Star drehen musste. Dark Star wurde Kult. Ähnlich muss es Werner Possardt ergangen sein, als er sich die Steven Spielberg-Filme E.T. Der Außerirdische und Unheimliche Begegnung der Dritten Art angesehen hatte. Er drehte seinen Film Xaver und sein außerirdischer Freund, der in Bayerisch-Schwaben zum Kultfilm avancierte.
Zusammen mit meiner Frau gewann ich bei Radio Schwaben in einer Facebook-Verlosung Karten eben für diesen Xaver und sein außerirdischer Freund, der im Rahmen des Messeflimmern im Autokino an der Messe Augsburg lief. Da meine Frau aus den Stauden in Bayerisch-Schwaben stammt und der Film u.a. in Mittelneufnach gedreht wurde, wollte sie die alte Heimat auf großer Leinwand sehen. Und ich gehe mit meiner Frau überall hin, sogar zu Xaver.

Nun, der Film macht es einem nicht leicht. Es ist eine Art bayerischer Heimatfilm auf unterem Trash-Niveau, gefördert von der Filmförderung Nordrhein-Westfalen. Aber ich kann dennoch verstehen, dass dieser Klamauk um einen Außerirdischen sein Publikum findet. Besser wäre es, wenn man alkoholische Getränke vor dem Filmbesuch reichlich konsumiert, um das Gesehene besser verarbeiten zu können. Aber Alkohol im Autokino geht gar nicht und so ertrug ich den Film bei Mineralwasser.
Die Handlung von Xaver ist schnell erzählt. Ein Außerirdischer macht eine Bruchlandung in Oberbayern und wird vom Dorftrottel Xaver aufgelesen, der ihm gleich den Namen Alois verpasst. Xaver wird unschuldig verdächtig, eine Diskothek in Brand gesetzt zu haben und wird im Laufe des Films vom White-Trash des Dorfes verfolgt. Mit Hilfe der Dorfschönheit Anni mischen Xaver und Alois das Dorf, ein Feuerwehrfest und das dazugehörige Bierzelt auf, vor allem nachdem Alois seine Liebe zum bayerischen Bier entdeckte. Alois lernt während der Verfolgungsjagd die wesentlichen Kraftausdrücke der bayerischen Sprache. Am Ende wird das Raumschiff repariert, die wirklichen Feuerteufel landen im Knast. Xaver und Anni besteigen das außerirdische Raumschiff wie einst Roy Neary in Unheimliche Begegnung. Wie bei E.T. hebt das Raumschiff zu den Sternen ab, nicht ohne ausführlich Spielberg zu zitieren. Auf dem Heimatplaneten von Alois wird dann zünftig weitergezecht.
Natürlich konnte Werner Possardt nicht mit den VFX von Spielberg konkurrieren und so improvisierte er wie einst Carpenter. Das Raumschiff wurde aus einer BMW Isetta gebaut. Seit Ende der 1980er Jahre steht es auf dem Dach des Gasthofs Kreuz in Pfaffenhausen.

Isetta als Raumschiff.

Isetta als Raumschiff.

Obwohl die Geschichte in Oberbayern spielt, wurde in den Stauden in Bayerisch-Schwaben gedreht. Das Bierzelt stand in Mittelneufnach und sogar der damals amtierende Ortsbürgermeister darf eine Rolle spielen. Die (abgebrannte) Diskothek war das Weiße Rössl in Untermeitingen. In der Lehmgrube in Forsthofen wurde die Schlussszene auf Alois Heimatplaneten gedreht und der Biergarten in Kloster Oberschönenfeld kam auch vor.

Xaver und sein außerirdischer Freund

Xaver und sein außerirdischer Freund

Xaver-Festspiele
Den Science-Fiction-Film von 1986 als Randerscheinung abzutun, damit tut man Werner Possardt unrecht. Possardt, der beim Tsunami in Thailand 2004 verstarb, kannte sich im Filmgeschäft aus und war ein Profi. Xaver war bewusst als Heimatfilm konzipiert und der Film hat sein Publikum. Aufgrund des Filmerfolgs wurden 2001 in Gessertshausen und 2005 in Mittelneufnach die sogenannten „Xaver-Feste“ durchgeführt – wahrscheinlich wurde auch das eine oder andere Bier dabei konsumiert. Es gibt sogar eine Fan-Seite im Netz zu Xaver.
Interessant ist aber die Sprache in dem Film. Das Bayerisch wird vereinfacht. Mit wenigen (Kraft-)Ausdrücken kommt man auch als Außerirdischer in Bayern durchs Leben. Alois gewinnt sogar einen Biertrinkwettwerb beim Feuerwehrfest. Und der Regisseur hat immer wieder kleine Bonbons in Xaver eingestreut. So wurde gleich zu Beginn Russ Meyer zitiert, als Xaver an den „Dingern“ der Dorfschönheit Maria (Ayse Ercyn) herumfingern durfte. Die Verfolgungsjagd mit Enduro-Bikes erinnert stark an George Miller. Und als gegen Ende noch James Whale ins Spiel kommt, als die Bürgerwehr den Wald durchkämmt, habe ich in meinem Auto gelacht. Und danke dafür, dass Haindling die Musik machen durfte.

Russ Meyer lässt grüßen.

Russ Meyer lässt grüßen.

Werner Possardt wurde in Schwabmünchen geboren und hat dem Volk aufs Maul geschaut. Erschreckend ist aber das Menschenbild, das im Film vermittelt wird. Die Frauen des Dorfes werden von ihren Vätern gezüchtigt. Gewalt als herrschendes Mittel in der Familie und Erziehungsmethode. Wenn die Frau aufbegehrt, dann muss sie geschlagen werden – so einfach ist das. Wenn es aber Sonntag ist, dann laufen alle brav in die Kirche, um bigott zu beten und zu singen. Die Feuerteufel wenden zur Einschüchterung den Schwedentrunk mit Gülle an, um Xaver zum Schweigen zu bringen. Brutalität, Starrköpfigkeit und Engstirnigkeit auf dem Land – widerlich.
Vielleicht ist das alles zu viel Theorie. Vielleicht ist Xaver und sein außerirdischer Freund auch nur ein niveauloser Film, den es wirklich nicht braucht.

Bitte eine Autokino-App im 21. Jahrhundert
Ich war seit der Deutschland-Premiere von Cars nicht mehr in einem Autokino. Dank Radio Schwaben und Corona kam ich mal wieder in den Genuss. Danke an den Radiosender für die Karten. Das Hygienekonzept war vorhanden. Der Ton des Films wurde via UKW ins Auto übertragen. Leider konnte ich den Sound nicht via Handy-Radio-App abgreifen und auf meine mitgebrachten Wonderboom von Ultimate Ears per Bluetooth übertragen. Ich musste den Ton via Autoradio einfangen, was die Autobatterie angreift. Unser Hybrid-Lexus startete nach einer Stunde seinen Motor, um die Batterie zu schonen. Wenn Corona weitergeht (so sieht es auf jeden Fall aus) und Autokinos wieder in Mode kommen sollten, dann brauchen Autokinos ganz dringend eine App-Lösung fürs Smartphone.

Digitalministerium Judith Gerlach, das wäre doch mal eine Idee. Und ich will nicht erneut über 20 Jahre warten, damit ich wieder ein Autokino besuchen kann. Digitalisierung wäre auch hier dringend an der Tagesordnung.

Update: Radio Schwaben hat mir zu meiner Anregung wegen der Autokino-App folgendes geschrieben: Zur App: aufgrund der Latenz ist diese Lösung im Moment technisch nicht machbar. Leider haben Geräte unterschiedliche Latenzen und deshalb lässt sich das Bild auch leider nicht verzögern.

60 Jahre Psycho – Einladung zu Online-Seminar zu Hitchcock

24. Juni 2020

Vor 60 Jahren kam Psycho in die US-Kinos und veränderte den Thriller für immer. Alfred Hitchcock schuf den ultimativen psychologischen und physischen Horror, der dann Jahre später von Tope Hooper, John Carpenter und anderen aufgegriffen und bis ins Exzess weitergeführt wurde. Psycho war die Mutter aller Slasher-Filme.

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Nach seiner großen Hollywood-Phase finanzierte Hitchcock den Film aus eigener Tasche und arbeitete mit Kameraleuten vom Fernsehen, die es gewohnt waren kostengünstig und schnell zu produzieren. Er veränderte mit dem Duschmord die Filmgeschichte. Auch ich habe mir Szene um Szene, Bild für Bild des Mordes angeschaut wie Tausende Filmstudenten vor und nach mir. Hitchcock als Meister der Montage, der sein Handwerk verstand. In Kombination mit der legendären Musik von Bernard Herrmann ist diese Szene ein geniales Zusammenspiel von Bild und Ton. Dieses Zusammenspiel hat so gut gewirkt, dass so mancher Zuschauer noch wochenlang Probleme hatte, unter die Dusche zu gehen.

Und Hitchcock war auch ein Fuchs, weil er den Star des Filmes: Janet Leigh im ersten Drittel des Films ermorden ließ. Das hatte kein Zuschauer erwartet, denn der Held eines Films muss überleben, so sieht es das Gesetz Hollywoods vor. Denkste. Irgendwie wird die Heldin schon aus der Situation herauskommen und zack, zack da liegt sie nun ermordet unter der Dusche. Was für ein Schock, denn dann kommen die wirklich handelnden Akteure. Allen voran natürlich Norman Mutter Bates.
Ich darf zum Thema Sir Alfred Hitchcock und die Politik einen kostenlosen Online-Vortrag am Donnerstag, 25. Juni 2020 um 18 Uhr halten. Wer Lust hat dabei zu sein, melde sich bitte hier an. Ich würde mich freuen.

Und hier die ultimative Box zu Psycho Legacy Collection als Deluxe-Version:

Konzertkritik: Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin

4. November 2019

Es war eine Reise in meine Vergangenheit. Als Filmfan genoss ich eine Phase des italienischen Horrorfilms der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Regisseure wie Dario Argento oder Lucio Fulci standen bei mir hoch im Kurs. Und weil ich diese schrägen, zumeist blutigen Filme mochte, hörte ich auch die entsprechenden Soundtracks von u.a. Claudio Simonetti und seiner Band Goblin.

Jetzt bekam ich die Gelegenheit, Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin im ehemaligen Kino Lido in Kreuzberg zu hören. Ich war überrascht, wie gut Simonettis Musik funktioniert. Als Fan von Filmscore bewundere ich Meister wie John Williams oder Jerry Goldsmith. Diese schufen große orchestrale Werke. Claudio Simonettis Musik ist anders – es war Bandmusik. Musiker wie der leider verstorbene Keith Emerson von einer meiner Lieblingsbands ELP hämmerten ein paar Soundtracks herunter, darunter auch für italienische Horrorstreifen, aber Claudio Simonetta’s Goblin blieb eine besondere Ausnahme.

Es war ein theatralischer Prog-Rock mit starken Synthesizer-Elementen, mal gefühlvoll, mal hart. Damit wurde die Musik von Streifen wie Rosso – Farbe des Todes (Profondo rosso), Suspiria, Tenebrae (Tenebre), Phenomena oder Terror in der Oper (Opera) von Dario Argento untermalt. Mein Gott, was waren dies für brutale stilvolle Filme – eine Mischung zwischen Gothic Horror und verrückten Hexenmärchen. Ich habe noch einige der Filme auf VHS, DVD, Bluray und sogar seltene Laserdisc im Archiv. Besonders mag ich die Regiearbeit von Dario Argento. Vielleicht ist sein Suspiria sogar mein Lieblingsfilm des italienischen Horrors, weil er in Freiburg dem „Mekka der Parapsychologie“ und München spielt. Der Film macht mir Angst und wirkt vor allem durch die Musik von Goblin hervorragend. Schön ist, dass es auch andersherum funktioniert: Ich höre die Musik von Suspiria und reise geistig ins Horrorkino zurück. Suspiria wurde auch gegen Ende des Konzerts gespielt und das Publikum miteinbezogen – Claudio Simonetta wir danken dir dafür.

Das Konzert der Band fand am Halloween-Abend in Berlin statt. Einige Besucher erschienen verkleidet. Meine Nachbarin brachte eine (Plastik-)Sense in ihrer Handtasche mit. Im Publikum waren allerhand Grufties und Gestalten der Nacht anzutreffen, wobei ich mir nicht sicher war, ob sie sich zu Halloween extra herausgeputzt haben oder ob es ihre Standardbekleidung war.

Auch ein Michael Myers mit weißer Maske war im Publikum. Als Claudio Simonetti ihn entdeckte, brach er vom regulären Konzertprogramm ab und spielte unter dem Jubel der Fans die Titelmelodie von John Carpenter Halloween – damit hatte Simonetti einen klaren Pluspunkt bei seinem Publikum.

Die Band spielte vor einer Leinwand. Per Beamer wurden visuelle Effekte und Filmausschnitte der jeweiligen Horrorstreifen ohne Ton eingespielt. So bekamen wir die italienische Gewaltorgie zu sehen: Das Abtrennen des Kopfes in Profondo rosso, der Verfall und das Verwesen der Körper von Demoni und mehr. Wenn kein Film vorhanden war, dann kamen einfach bunte Effekte wie bei einer neueren Aufnahme wie Roller.

Kurz, nur ganz kurz, besinnlich wurde es, als Dawn of the Dead gezeigt und von der Band gespielt wurde. Goblin hat Argento viel zu verdanken, aber internationale Bekanntheit bekam die Band durch George R. Romero und seiner Zombie-Version. Das wusste auch Claudio Simonetta, der sich ausdrücklich beim verstorbenen Romero auf der Bühne bedankte. Nein, lieber Claudio Simonetta wir haben zu danken für einen außergewöhnlichen Abend, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Am Merch-Stand nutzte ich die Möglichkeit, ein paar CDs noch zu erwerben. Ich hatte zudem einige CD-Covers nach Berlin mitgebracht und wollte ein Autogramm. Mir gelang es und fand den Weg in die Garderobe der Band und wechselte ein paar freundliche Worte mit Claudio Simonetta. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich meine Laserdiscs und Picture-Discs nicht zum Unterschreiben mit nach Berlin genommen habe. Aber ich hoffe auf ein Wiedersehen mit Claudio Simonetta’s Goblin irgendwann. Die Band hat eine kleine Tour in den USA und Japan hinter sich, spielte nur ein einziges Konzert in Deutschland und zieht dann weiter. Aber sie werden sicher wiederkommen und ich werde dann wieder die Musik von Claudio Simonetta’s Goblin genießen. Bis es soweit ist, schaue ich mir Suspira nochmals an.

Buchtipp: Alien Vault von Ian Nathan

1. September 2019

Alien Vault - ein schönes Making of Buch.

Alien Vault – ein schönes Making of Buch.

Nach die Alien-Filme aktuell bei Netflix eingestellt wurden, hab ich mir Teil 1-3 wieder angesehen. Teil 4 fand ich grausam und hab ihn übersprungen. Ich hab zwar die Reihe auf Datenträger wie DVD oder Bluray, aber im Hotel bei meinen Seminarreisen hab ich den Weltraum-Horror per Stream genossen. 

Wieder zu Hause hab ich mir gleich aus meinem Archiv das wunderbare Buch Alien Vault: The Definitive Story of the Making of the Film von Ian Nathan geholt und einen Abend darin geschmökert. Ich habe mich an den wunderbaren Film von Ridley Scott erinnert, den ich 1979 als kleiner Junge im Kino gesehen habe – und wo ich echt Angst hatte. Alien Vault ist ein schönes Making of-Buch über den ersten Alien-Film mit vielen Fotos der Produktion. Das Buch im Hardcovereinband kommt in einen Schober daher und macht einen soliden Eindruck. Es ist eine schöne Mischung von Filmfotos und Produktionsfotos, auch der zu früh verstorbene H.R.Giger kommt natürlich mit einigen Entwürfen seines Aliens zu Wort. 

Das wirklich Besondere aber an diesem Buch sind die zusätzlich beiliegenden Materialien im Sinne eines Scraptbooks. Darin finden sich Zeichnungen, Briefe, Dokumente, Postkarten, Aufkleber und Entwürfe sowie Baupläne. Viele dieser Beigaben kenne ich als Poster, die über fragwürdige Angebote in Facebook vertrieben werden. 

Immer wieder wird im Buch auf den Einfluss eingegangen, den Alien ausgelöst hat. Es war schließlich der erste wirkliche Weltraumhorror, der seine Auswirkungen auf die Populärkultur hatte. Ich habe beispielsweise einige Alienfiguren in meinem Arbeitszimmer stehen, darunter mehrere Eier und auch ein großes Alien sowie Funko Figuren. Gerne lese ich die Alien-Comics und zocke Alien-Spiele für die Konsole. Bei den filmischen Nachfolger und Franchise hab ich manches Mal meine Bedenken. So mag ich John Carpenter The Thing, kann aber mit den Predator-Filmen weniger etwas anfangen. Alien vs Predator finde ich zum Beispiel wirklich grausam.

Das Buch geht auf die neue Alien-Reihe von Ridley Scott nicht ein. Es ist zuvor erschienen. Auch wenn viele diese Filme nicht mögen, finde ich Prometheus – Dunkle Zeichen und Alien: Covenant wegweisend. 

Nun Alien Vault ist aber nicht das beste Buch. Das Buch Alien: The Archive-The Ultimate Guide to the Classic Movies ist vielleicht einen Hauch besser, hat aber nicht die Scrapbook-Einlagen und das handliche Format. 

Filmkritik: Halloween 2018

14. November 2018

Als Fan des fantastischen Films musste ich mir die Neuauflage des Halloween-Streifens unbedingt ansehen. Das Franchise hat ja gute und schlechte Teile der Geschichte um Michael Myers herausgebracht und um es vorweg zu sagen, Halloween 2018 ist einer von den besseren Versionen.

Besuch bei Michael Myers.

Besuch bei Michael Myers.

In der fast ausverkauften Spätvorstellung meines Lieblingskinos, dem Scala in Fürstenfeldbruck, Platz genommen, bereitete ich mich auf einen klassischen Slasher vor. Und den bekam ich auch serviert. Michael mit der Maske mordet sich durch den Film, ganz wie es zu erwarten war. Allerdings waren alle die Morde zwar ausgefallen, aber nicht überraschend. Die Momente des Schocks blieben aus. Blut floss reichlich und die Arten einen Menschen zu Tode zu bringen, wurden von Herrn Myers ausgekostet, aber ein Angstgefühl stellte sich mir bei diesem Horrorfilm nicht ein. Das heißt nicht, dass es ein schlechter Film geworden ist. Der Film macht Spaß, wenn ein Horrorstreifen überhaupt Spaß machen kann.
Es war im Grunde ein Treffen mit einem alten Bekannten. Michael Myers mordet seit Jahren, nein seit Jahrzehnten über die Kinoleinwand. Er begründete die Tradition des schwarzen Manns, wie später auch Freddy oder sein Kollege Jason. Teil um Teil müssen sie auferstehen und auf der Leinwand ihr vorhersehbares Unwesen treiben.
Was macht Halloween 2018 aber so besonders? Nun, es ist das vierte Mal, dass Jamie Lee Curtis, die Tochter von Tony Curtis und Janeth Leigh (das Duschopfer aus Hitchcocks Psycho) gegen Michael Myers antritt. Und Jamie Lee Curtis ist einfach wunderbar. Dieses Mal ist sie nicht die Screaming Queen alter Tage, sondern im Grunde eine Art Sarah Conner aus Terminator, die auf den Ausbruch von Michael Myers aus der Anstalt wartet. Laurie hat sich vorbereitet und stellt Michael eine Falle – mehr wird aber nicht verraten. Ich mag die gealterte Jamie Lee Curtis einfach gerne. Ich mochte sie im Original Halloween von John Carpenter, in der brutaleren Fortsetzung von 1981, in Halloween H20 (1998 – also vor 20 Jahren und 20 Jahre nach dem Original) und ich mag sie jetzt. Der Halloween von 2018 knüpft im übrigen an den ersten Teil der Serie von 1978 Halloween – Die Nacht des Grauens an. Das ist für Fans der Serie kein Problem, für den unbedarften Horrorfan schafft es vielleicht etwas Verwirrung.
Dieses Mal erfahren wir eigentlich wieder nichts über Michael Myers. Der Charakter bleibt im Dunkeln. Es ist einfach das Böse. Wenn ich ehrlich bin, dann haben mich die Terror-Filme Rob Zombie’s Halloween oder Halloween 2007 von Rob Zombie weiter gebracht. Diese beiden Filme sind brutalster Trash und ich hatte hier wirklich mal Angst, nicht wegen der Handlung, sondern wegen dem White Trash, dem Zombie auf den Leinwand brachte.
Was mich als Fan aber wirklich wieder erschauern ließ, war der Score. Endlich, endlich griff John Carpenter selbst mal wieder in die Tasten und steuerte den Soundtrack zu Halloween 2018 bei. Der letzte Soundtrack der Halloween-Reihe stammt von unterschätzten 1982 Film Halloween III: Season of the Witch.
Jetzt Carpenter ist Executive Producer, Creative Consultant und Soundtrack-Komponist in einem. Letzteres zusammen mit Cody Carpenter und Daniel Davies, seinen Mitstreitern auf seinen Soloalben. Der neue Soundtrack Halloween 2018 ist eine Hommage an die klassische Halloween-Partitur, die Carpenter 1978 komponierte und aufnahm, als er mit seinem Low-Budget-Film das Horrorkino veränderte. Der Score wurde dem Zeitgeist etwas angepasst, aber Fans werden zugreifen. Zwar hat die CD einen Pappschuber, aber das Booklet selbst ist bis auf ein Bildchen mehr als dünn. Und danke, dass es sich um den Score handelt und nicht um den Soundtrack mit den unnötigen Popsongs.