Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger macht mich betroffen. Mit nur 55 Jahren ist ein Politiker gestorben, der Bayern über zwei Jahrzehnte geprägt, polarisiert und verändert hat. Man musste seine politischen Überzeugungen nicht teilen, um anzuerkennen, dass dieser Mann etwas bewegt hat. Aiwanger war unbequem, manchmal provokant, oft streitbar, aber niemals farblos. Er sprach eine Sprache, die viele Menschen verstanden, und gab gerade jenen eine politische Stimme, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlten.

Sein größter politischer Erfolg war zweifellos, die Freien Wähler von einer kommunalpolitisch verwurzelten Bewegung zu einer festen Größe der bayerischen Landespolitik gemacht zu haben. Mit dem Einzug in den Landtag 2008 und der Regierungsbeteiligung ab 2018 veränderte er die politische Landschaft im Freistaat nachhaltig. Er bewies, dass Bayern mehr sein kann als CSU und Opposition. Als Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident vertrat er insbesondere die Interessen des ländlichen Raums, des Mittelstands und der regionalen Wirtschaft. Hier mein Nachruf als Video:
Ich hab ihn immer wieder getroffen, im Landtag, im Ministerium, bei uns im Dorf und bei vielen Veranstaltungen.
Er hatte seine Fans, er wirkte auf Menschen. Aber er war natürlich nicht unumstritten, ich nenne nur die Flugblatt-Affäre.
Aiwanger war kein Politiker der leisen Töne. Seine Zuspitzungen und Kontroversen gehörten ebenso zu seiner Karriere wie seine unbestreitbaren Erfolge. Gerade deshalb wäre es falsch, ihn im Rückblick zu verklären. Aber ebenso falsch wäre es, seine politische Lebensleistung auf seine umstrittenen Äußerungen zu reduzieren.
Was wird nun aus den Freien Wählern? Diese Frage dürfte die Partei in den kommenden Monaten beschäftigen. Hubert Aiwanger war ihr Gesicht, ihre Stimme und ihr wichtigster Wahlkämpfer. Sein Tod hinterlässt eine gewaltige Lücke.
Die Partei hat gute Leute: Ich nenne beispielsweise Staatssekretär Tobias Gotthardt, Digitalminister Fabian Mehring oder Florian Streibl. Die Freien Wähler müssen jetzt beweisen, dass sie mehr sind als die Partei eines einzigen Mannes. Sie verfügen über eine starke kommunale Basis und politische Erfahrung, doch eine Persönlichkeit mit vergleichbarer Strahlkraft ist für mich nicht unmittelbar erkennbar. Auch für die bayerische Regierungskoalition beginnt eine neue Phase. Ich bin gespannt wie Ministerpräsident diese Lücke ausnutzt. Die Geschäfte des Wirtschaftsministerium führt im Moment Staatssekretär Gotthardt.
Mich stimmt besonders traurig, dass ein politisches Leben so abrupt endet. Bei allen politischen Differenzen bleibt der Respekt vor einem Menschen, der für seine Überzeugungen gekämpft hat und Bayern auf seine ganz eigene Weise mitgestaltete.
Meine Gedanken sind bei seiner Lebensgefährtin Tanja Schweiger, seinen beiden Söhnen und allen, die ihm nahestanden.
Bayern verliert einen streitbaren Politiker. Die Freien Wähler verlieren ihren prägenden Kopf. Und die politische Landschaft im Freistaat wird ohne Hubert Aiwanger eine andere sein.
Tags: Bayern, Freie Wähler, Hubert Aiwanger, Landespolitik, Nachruf, Tobias Gotthardt, Wirtschaftsminister
Schreibe einen Kommentar