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Persönliche Gedanken zum Tode von Hubert Aiwanger

5. November 2026

Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger macht mich betroffen. Mit nur 55 Jahren ist ein Politiker gestorben, der Bayern über zwei Jahrzehnte geprägt, polarisiert und verändert hat. Man musste seine politischen Überzeugungen nicht teilen, um anzuerkennen, dass dieser Mann etwas bewegt hat. Aiwanger war unbequem, manchmal provokant, oft streitbar, aber niemals farblos. Er sprach eine Sprache, die viele Menschen verstanden, und gab gerade jenen eine politische Stimme, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlten.

Sein größter politischer Erfolg war zweifellos, die Freien Wähler von einer kommunalpolitisch verwurzelten Bewegung zu einer festen Größe der bayerischen Landespolitik gemacht zu haben. Mit dem Einzug in den Landtag 2008 und der Regierungsbeteiligung ab 2018 veränderte er die politische Landschaft im Freistaat nachhaltig. Er bewies, dass Bayern mehr sein kann als CSU und Opposition. Als Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident vertrat er insbesondere die Interessen des ländlichen Raums, des Mittelstands und der regionalen Wirtschaft. Hier mein Nachruf als Video:

Ich hab ihn immer wieder getroffen, im Landtag, im Ministerium, bei uns im Dorf und bei vielen Veranstaltungen.
Er hatte seine Fans, er wirkte auf Menschen. Aber er war natürlich nicht unumstritten, ich nenne nur die Flugblatt-Affäre.

Aiwanger war kein Politiker der leisen Töne. Seine Zuspitzungen und Kontroversen gehörten ebenso zu seiner Karriere wie seine unbestreitbaren Erfolge. Gerade deshalb wäre es falsch, ihn im Rückblick zu verklären. Aber ebenso falsch wäre es, seine politische Lebensleistung auf seine umstrittenen Äußerungen zu reduzieren.

Was wird nun aus den Freien Wählern? Diese Frage dürfte die Partei in den kommenden Monaten beschäftigen. Hubert Aiwanger war ihr Gesicht, ihre Stimme und ihr wichtigster Wahlkämpfer. Sein Tod hinterlässt eine gewaltige Lücke.

Die Partei hat gute Leute: Ich nenne beispielsweise Staatssekretär Tobias Gotthardt, Digitalminister Fabian Mehring oder Florian Streibl. Die Freien Wähler müssen jetzt beweisen, dass sie mehr sind als die Partei eines einzigen Mannes. Sie verfügen über eine starke kommunale Basis und politische Erfahrung, doch eine Persönlichkeit mit vergleichbarer Strahlkraft ist für mich nicht unmittelbar erkennbar. Auch für die bayerische Regierungskoalition beginnt eine neue Phase. Ich bin gespannt wie Ministerpräsident diese Lücke ausnutzt. Die Geschäfte des Wirtschaftsministerium führt im Moment Staatssekretär Gotthardt.

Mich stimmt besonders traurig, dass ein politisches Leben so abrupt endet. Bei allen politischen Differenzen bleibt der Respekt vor einem Menschen, der für seine Überzeugungen gekämpft hat und Bayern auf seine ganz eigene Weise mitgestaltete.

Meine Gedanken sind bei seiner Lebensgefährtin Tanja Schweiger, seinen beiden Söhnen und allen, die ihm nahestanden.

Bayern verliert einen streitbaren Politiker. Die Freien Wähler verlieren ihren prägenden Kopf. Und die politische Landschaft im Freistaat wird ohne Hubert Aiwanger eine andere sein.

Ich bin Wahlhelfer und freu mich

29. August 2023

Lange Zeit hab ich es nicht gemacht, aber zur Landtagswahl in Bayern bin ich wieder dabei. Ich habe mich bei meiner Gemeinde als Wahlhelfer für die anstehende Landtags- und Bezirkswahl gemeldet und ich bin gespannt, ob ich am 8. Oktober eingesetzt werde. Früher hab ich bei der jeder Wahl dieses Ehrenamt ausgefüllt. Aber nach ein paar Umzügen ist dieses Engagement eingeschlafen. Ich will mich aber aktiv in unsere Demokratie einbringen und stehe somit wieder als Wahlhelfer zur Verfügung.

Den Posten des Wahlvorstands überlasse ich gerne erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Ich stehe bereit, die Stimmzettel auszugeben. Listen abzuhaken und natürlich auszuzählen. Damit ist klar, Wahlpartys finden für mich wohl dieses Jahr nicht statt, denn das sorgfältige Auszählen braucht seine Zeit und volle Aufmerksamkeit.

Interessant für mich ist der Anteil der Briefwähler. Ich glaube, dass sie wieder ansteigt. In Bayern ist die Briefwahl eröffnet und das verändert den Wahlkampf enorm. Ich bin auch ein klassischer Briefwähler, lasse mir aber noch Zeit mit meiner Stimmabgabe. Im Freistaat passiert jeden Tag etwas neues und Politik ist ein spannendes Geschäft.
Und die Wahlkämpfer der Parteien müssen sich auf die Briefwähler einstellen und einen anderen Wahlkampf betreiben. Es gibt keinen heißen Wahlkampf am Ende mehr, sondern der Wahlkampf zieht sich in die Länge.

Das ist anstrengend für die Kandidatinnen und Kandidaten und deren Teams. Ich habe das Gefühl, dass die Präsenz der Politik zunimmt, was ich sehr schätze. Aber leider nimmt auch der Populismus massiv zu und es wird das Blaue vom Himmel versprochen und abgegebene Versprechen nicht eingehalten. Das fördert die Politikerverdrossenheit, nicht die Politikverdrossenheit. Ich habe mir alle Parteitage der demokratischen Parteien gegönnt und bei uns im Dorf Wahlkamofveranstaltungen des Ministerpräsidenten und des Wirtschaftsministers besucht und war erschrocken, wie das Niveau nach unten gehen kann und die Stimmung steigt.

Nun, ich freue mich auf mein mögliches Ehrenamt und wenn meine Gemeinde bzw der Wahlausschuss meiner Gemeinde mich als Wahlhelfer einsetzt, dann stehe ich bereit. Es lebe die Demokratie.

Verhaltenskodex für Influencer – made in France

10. Januar 2023

Die Franzosen diskutieren derzeit einen Verhaltenskodex für Influencer. Bis Ende Januar sind sie aufgerufen, über Verhaltensregeln und Verbraucherschutz zu diskutieren. Die Ideen und Vorschläge werden über eine zentrale Website gesammelt, ausgewertet und dann in eine Gesetzgebung einfließen. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat dazu via Twitter aufgerufen.

Finde ich eine prima Idee. Schon vor Jahren hatte ich in München den Bloggerclub mitgegründet und dort hatten wir unter Federführung meines geschätzten Kollegen Franz Neumeier einen Verhaltenskodex für Blogger, den so genannten Bloggerkodex entwickelt. Jedes Mitglied des Bloggerclubs stimmt ausdrücklich den Regeln dieses Bloggerkodexes zu und darf das Logo auf seinem Blog tragen (schaut bei mir mal auf die Startseite). Leider löst sich der Bloggerclub zur Jahresmitte wieder auf, weil wie bei vielen Vereinen keiner sich engagieren will.

Ich kann dem französischen Minister nur zustimmen, wenn er über die Influencer schreibt: „Sie spielen also eine Rolle in unserem täglichen Leben. Das gibt ihnen eine besondere Verantwortung.“ In meinem Influencer Seminaren stelle ich die Macht von großen und kleinen (nano) Influencer vor und viele Teilnehmer sind sich dieser enormen Macht in den jeweiligen Nischen gar nicht bewusst. Klassisches Marketing verliert auf breiter Front und Influencer-Marketing gewinnt an Boden. Auch ich bin ein kleiner Nano-Influencer in meinem Umfeld und trage hier eine Verantwortung, was ich wie blogge.

Gerne bringe ich mich in Deutschland über die gesellschaftliche Diskussion über Influencer ein. Wir waren damals als Bloggerclub sogar ins Bundeskanzleramt eingeladen und haben mit der damaligen Digitalministerin Dorothee Bär diskutiert. Heute nach der Wahl liegt das Digitalressort bei der FDP und mal sehen, wann hier ein neuer Anlauf getätigt wird. Zeit wird es.