Posts Tagged ‘Christiane F.’

Persönlicher Nachruf zum Tod von David Bowie

12. Januar 2016

Ich saß beim Augenarzt als mich die traugrige Nachricht erreichte. Gerade bereitete ich die Besprechung von Blackstar vor, surfte durchs Netz als ich auf der seiner Facebookseite den Tod von David Bowie vernahm. Ein Künstler, der mich mein ganzes Leben begleitete, ist tot: Musiker, Produzent, Schauspieler, Maler, Multitalent. Ich könnte heulen – verdammter Krebs.

Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.

Die Todesmeldung von David Bowie auf der Facebookseite.

David Bowie war immer da und er wird es immer sein. Der Thin White Duke hatte viele Phasen und durch die meisten folgte ich ihm. Es gibt ganz wenige musikalische Helden, die über alles stehen, die eine ganze Zeit geprägt haben. Da war der Musiker David Bowie und eine ganze Zeit kam nichts. David Bowie war einer dieser Heros und niemals nur für einen Tag. Er war für mich ein Chamäleon der Musikszene. Aber er passte sich nicht dem Geschmack der Musikszene an, er schuf Kultur, er setzte Trends. Er war so wichtig, so wegweisend, so visonär und dabei auch so unglaublich unterhaltend. Für mich begann Bowie bei Ziggy Stardust, holte Major Tom nach und ich hab den Thin White Duke seither bei seinen Rollenwechseln begleitet. Er war es, der mich mit der deutschen Elektronikszene durch seine Berliner Phase bekannt machte. Dieser Mann war so kreativ und er konnte inspirieren.

Viw Twitter bestätigte sein Sohn den Tod des Vaters.

Viw Twitter bestätigte sein Sohn den Tod des Vaters.

Als wir im Gymnasium Mitte der 80er Jahre unsere Klassenfahrt ins geteilte Berlin unternahmen, war Heros bei mir im Kopfhörer des Sony Walkmans. Wir wollten auch aufs Dach des Europa-Centers, liefen durch die Gänge und wir besuchten die Disco Sound von Christiane F., natürlich nicht mehr das Original der 70er Jahre, sondern nach der Neueröffnung in den 80ern. Durch Bowie kam ich auf Lou Reed, Mott the Hoople und Iggy Pop. Ohne Bowie hätte es nie Transformer gegeben. Mott the Hoople hätte ich nie gehört und nie die Kraft von Raw Power erleben dürfen. Und ich hätte nie Klaus Nomi wahrgenommen.

  
In den 80er Jahren stutze ich: Under Pressure und Let’s dance waren beim ersten Reinhören nicht mein Fall. An Bowie im Anzug, an den feinen Zwirn musste ich mich gewöhnen – Tonight (1984) und Never Let Me Down (1987) waren nicht so mein Fall. Zur Glasspider-Tour nach Berlin ließen mich meine Eltern nicht fahren – aber This Is Not America versöhnte mich wieder. Den nächsten Richtungswechsel zu Tin Machine nahm ich anfangs erst gar nicht wahr. Erst als ich die Musik mehrmals bei Freunden hörte, erkannte ich Bowie und akzeptierte seine Rolle als Musiker unter Musiker. Dann war Bowie nicht mehr groß aktiv für zehn Jahre.
Als The Next Day erschien jubilierte ich, bei Blackstar verneigte ich mich fanz tief und dann jetzt ein paar Tage nach Erscheinen von Blackstar die Todesnachricht.
Ich bin schockiert, ich bin wütend, ich bin betroffen – heute werde ich neben seiner Musik vor allem ein paar Bücher ansehen. Über den Katalog der Bowie-Ausstellung habe ich bereits hier geschrieben, über das hervorragende Buch vom Taschen-Verlag über die Ziggy-Tour hier ebenso. Vielleicht hänge ich heute ein Foto von Bowie auf, wenn ich einen passenden Rahmen gefunden habe. Es handelt sich um einen signierten Abzug von Mick Rock, der Bowie mit dem dritten Auge auf der Ziggy Stardust-Tour zeigt. Und dazu gibt es die Musik der jüngsten Bowie-Box.

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Absolut bärig: Teddys Bärenkirmes im Europa-Center Berlin

5. Dezember 2014

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Im Grunde meines Herzens bin ich ein Bären-Freund. Ich bin mit der Bärenmarke zum Kaffee aufgewachsen und mag auch die Bären-Exemplare von Steiff. Bei einem Besuch in Berlin schaute ich beim Bärenweihnachtsmarkt im Europa-Center am Kuhdamm vorbei – bärig.

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Es passiert etwas rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Nachdem die Berliner Stadtverwaltung sich jahrelang auf den Osten der Stadt konzentriert hat, kommt wohl nun der Westen an die Reihe. Als Jugendlicher besuchte ich oft das Europa-Center und war dann jahrelang nicht mehr dort. Ich hatte eine Atmosphäre aus dem Christiane F-Film samt dem Heros-Bowie-Song im Kopf. So sehr hat sie Musik für mich das Gebäude bestimmt. Aber das Europa-Center bemüht sich und hat sich zu Weihnachten rausgeputzt. Besonders bezaubernd empfand ich die Weihnachtslandschaft „Teddys Bärenkirmes“.


Teddy und seine Freunde amüsieren sich prächtig auf der Kirmes. Die Kleinen fahren im Kinderkarussell, die größeren Bären trauen sich schon mal in das Kettenkarussell, die Schiffschaukel oder sogar in das Riesenrad. Ich kan gerade als die Weihnachtslandschaft morgens zum Leben erweckt wurde und konnte den Anblick der kleinen Bärenlandschaft genießen. Vielleicht geht es euch auch so.

 

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Peter Gabriels New Blood live in Concert: München Olympiahalle

3. Mai 2012

Live hatte ich Peter Gabriel bisher noch nie gesehen. Ich kenne zwar einige Super 8-Aufnahmen aus Zeiten von Genesis, als sich das damalige Haupt der Superband als Fuchs oder Blume in Frauenkleider verkleidet hatte und eine geniale „Lamp lay down on broadway“-Show ablieferte. Den neuen Peter Gabriel kenne ich nur von CDs oder von seinen kommerziellen Knaller wie Sledgehammer oder Red Rain. Ein Konzertbesuch hatte sich nie ergeben – bis jetzt.

Peter Gabriel ist ein Künstler. Und er ist ein wahrer Künstler. Er zelebrierte mit seinem New Blood-Orchester eine wunderbare Bühnenshow in der mit 6000 Besuchern schlecht verkauften Münchner Olympiahalle. Gabriel setzt auf seine eindrucksvolle Stimme und moderne Lightshow und Bühnenzauber. An seine Show mit seinem 46-köpfigen New Blood Orchestra muss sich der Zuschauer erst gewöhnen. Alte Songs in neuer Verpackung und nicht nur Songs von Peter Gabriel. Erste Überraschung: Der Künstler führt durch sein Programm auf Deutsch. Mit Spickzettel bewaffnet sagt er die einzelnen Songs an, erläutert die Hintergrunde zu den Liedern und findet so zu seinem Publikum. Den Start der Show ist auch eine Verbeugung an Deutschland. Er bringt den Bowie-Klassiker „Heros“. Bowie schrieb den Song in Berlin und hier wurde er durch Christiane F. bekannt. „We can be Heroes“, geht dem zumeist älteren Konzertbesuchern runter wie Öl.

Die Interpretation seiner Songs durch ein klassisches Orchester unter der Leitung von von Ben Foster war für viele Ohren gewöhnungsbedürftig. Gabriel wendet sich vom Rock ab und transformiert seine musikalischen Geschichten eher in eine Art Weltmusik. Der Kommerz muss außen vor bleiben. Hier gibt es nichts zum Mitwippen, obwohl das Münchner Publikum auf Gelegenheiten zum Klatschen sucht. Den Gefallen tut der Künstler Gabriel mit seinen komplizierten Songgemälen kaum. Erst als Solsbury Hill ertönt, springen die Oldies von den Stühlen und finden ihren Klatschrhythmus. In seinen Erläuterungen geht Gabriel Immer auf die Macht von sozialen Netzwerken ein, die die Welt verändern. Leute nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand – so etwas gefällt mit Künstler und dem Publikum. Das wird spätestens bei Biko klar, wenn zahlreiche Fans die Faust erheben. Hier kommt irgendwie der Spirit von Heros wieder durch: We can beat them, For ever and ever, Oh we can be Heroes, Just for one day.

Der 62jährige Künstler liefert keine Greatest Hits-Show ab, sondern Neuinterpretationen vieler Werke. Und obwohl immer wieder Zwischenrufer nach Sledgehammer rufen, bleibt der Top Ten Hit außen vor. Gabriel verweigert sich und geht seinen Weg, den richtigen Weg. Er biedert sich nicht seinem Publikum an, sondern versucht über orchestrale Arrangements das Herz und das Hirn seines Publikums er erreichen. Berührend war die Magie, die von Gabriel-Songs ausgeht. Tränen in die Augen steigen dem Zuschauer, wenn Gabriel von seine hundertjährigem Vater singt und dazu unscharfe schwarzweiß Filmaufnahmen zeigt. Die Bühnenshow war großartig und zeigte, was moderne Präsentationstechnik so alles kann. Bei Folter-Song Wallflower bringt Gabriel erstmals die ganze Multimedia-Technik zum Einsatz. Lichter, Spots, wechselnde Farben, Computereffekte, Überblendungen, Animationen und ein Spiel mit der Bühnenkamera. Eine Show, die einem langen in Erinnerung bleibt. Bei Red Rain färbt sich die Bühne in Rot. Gänzlich unaufgeregt der Schluss, bei dem er sein Publikums in Bett schickt. „The Nest that sailed the Sky“ ist New Age-Stück pur, gänzlich ohne Gesang. Ein gelungener Konzertabend mit einem eigensinnigen Künstler. Jetzt kauf ich gleich mal die Doppel-CD zur Erinnerung Live Blood