Posts Tagged ‘Lake & Palmer’

Wieder verstarb ein Musikpionier: Isao Tomita

25. Juni 2016

Das Jahr 2016 ist weiterhin ein trauriges Jahr für die Musik. Wie ich jetzt erst mitbekommen habe, ist Isao Tomita, ein Pionier der elektronischen Musik am 5. Mai in Tokio an den Folgen einer Herzinsuffizienz verstorben. Isao Tomita wurde 84. Jahre alt.
Ich muss zugeben, Isao Tomita stand nie im Mittelpunkt meines musikalischen Interesses, aber er war eigentlich immer da, wenn es um elektronische Musik ging. Zu meiner Schulzeit hatte ich einen Narren an den Bildern einer Ausstellung gefressen. Ich hörte die verschiedenen Klassik-Einspielung von Modest Mussorgskis Werk im Musikunterricht der Schule, mal die Klavier- dann die Orchesterversion. Dann machte mit den Pictures at An Exhibition von Emerson, Lake & Palmer Bekanntschaft – eine Liebe, die mich bis heute nicht her losließ. Und stieß auch irgendwann auch auf Isao Tomita und seine Einspielung der Ausstellung.

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Was ich hörte, verwirrte mich und interessierte mich zugleich. Es war irgendwie Space-Musik. Klang so Musik in der Zukunft? Es bubberte, es zischte Ich hörte die Langspielplatte mehrmals durch und fand mehr Interesse an der klassischen Synthi-Musik von Walter Carlos, der später Wendy Carlos hieß. Isao Tomita lief immer so mit.
Aufmerksam wurde ich wieder auf ihn als er eine Variation des Star Wars Themas veröffentlichte. Was war jetzt das? Die wunderschöne Musik von John Williams so zu interpretieren? Macht man so was? Als Purist lehnte ich die Interpretation ab, aber sie blieb mir in Erinnerung.

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Absolut eindrucksvoll und wirklich wegweisend war für die mich das Album Snowflakes Are Dancing aus dem Jahr 1974. Hier interpretierte der japanische Meister mit den Synthesizern von MOOG und ARP die Kompositionen von Debusssy. Im Freundeskreis diskutierten wir damals, ob man so etwas aus der Musik von Debusssy machen durfte. Ich erinnere mich an eine Bekannte, die mit Klassik aufwuchs. Sie ergriff bei den Tönen von Isao Tomita die Flucht. Wendy Carlos interpretierte Bach, Tomita interpretierte Debusssy.
Dann begegnete mir Tomita in einer musikalischen Ecke, in der ich ihn nie vermutet hatte. Als Kind mochte ich die japanische TV-Serie „Kimba, der weiße Löwe“ sehr gerne. Im Erwachsenen Alter schaute ich mir Kimba im japanischen Original an. Die Musik der Serie komponierte Isao Tomita, auch den Vorspanntitel Jungle-Taitei und das Abspannlied Leo no Uta.

Die US-amerikanische Version des Vorspanns stammt von Bill Giant. Ich wuchs ja mit der deutschen Version auf: Wer erinnert sich?

Je mehr ich mich mit Isao Tomita beschäftigte, desto mehr mochte ich seine Musik. Immer wieder legte ich mir zum Nachdenken ein Album auf, erst auf Vinyl, dann auf CD. Als Jean-Michel Jarre seine Kooperationen mit bekannten Musikern der Elektronik-Szene veröffentlichte, hoffte ich auf eine Zusammenarbeit zwischen Jarre und Tomita. Dazu wird es wohl leider nicht mehr kommen.

Konzertkritik: Steve Wilson in München

15. Januar 2016
Steve Wilson live in München im Gasteig.

Steve Wilson live in München im Gasteig.

Es begann mit der Musik von Blackstar von David Bowie. Bis alle Besucher des Steven Wilson Konzerts im Kulturzentrum Gasteig Platz genommen hatten und die Bühne eingenebelt war, lief das jüngste Werk von Bowie zur Untermalung. Sichtlich bewegt kam Steven Wilson dann auf die blau ausgeleuchtete Bühne und berichtete von einer der traurigsten Woche des Rock’n Roll seit langem. Durch die Tode von Lemmy und Bowie sind zwei Größen des Rock’n Roll-Zirkuses verschwunden.


Aber man sei auch gekommen um Spaß zu haben, sagte Wilson, und dann bretterte seine Band in voller Lautstärke los. Wilson stellte auch gleich klar, dass er lachen kann. Ihm werde immer vorgeworfen auf der Bühne so ernst zu sein. Dabei schneide er bei den Songs doch allerhand Grimassen – und damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.
Steven Wilson ist der breiten Masse der Hitparadenhörer komplett unbekannt, aber er hat seine Fans, eine ganze Menge Fans. Und diese kamen auch ins Kulturzentrum am Gasteig. Wo ich vor Weihnachten noch das Weihnachtsoratorium von Bach gehört und am Sektglas genippt habe, hörte ich die progressive Rockmusik von Steven Wilson und trank das Bier aus der Flasche.
Steven Wilson spielte bei verschiedenen Progrock Bands wie seine eigene Porcupine Tree und ist seit einiger Zeit als Solo-Künstler unterwegs. Andere Musiker verehren ihn, weil er als Produzent und Tontüftler Material aufbereitet von Größen wie King Crimson oder Emerson, Lake & Palmer. In wenigen Tagen kommt sein neues Album 4 1/2, aus dem er auch Material in München zum Besten gab. Aber schön der Reihe nach.
Der erste Teil des Konzerts bestand aus Songs des aktuellen Albums Hand.Cannot.Erase. Unter den Fans ist dieses Werk etwas umstritten und auch ich finde so richtig den Zugang nicht. Es ist keinesfalls schlecht, aber der Hammer wie frühere Veröffentlichungen wie The Raven That Refused to Sing oder Grace for Drowning ist es nicht. Das merkte wohl auch der Meister, der bei seiner Einführung spöttisch anmerkte: Wer Hand.Cannot.Erase. nicht möge, der könne nach der Pause wieder kommen. Wieder ein Lacher und alle blieben sitzen. Die Videoelemente des ersten Teils drehten sich um Einsamkeit und Verlorenheit, irgendwie depri. Experimentalfilme wurden über die Köpfe der Band eingespielt.
Wilson hält immer wieder Kontakt zu seinen Fans. Er sagt die Songs an wie dass er Transience erstmals live spielen wolle. Und dass er seinen Song Lazarus dem großen David Bowie widme, der ja auch einen Song mit diesen Namen geschrieben habe. Er macht scherzhaft Werbung für seine Gitarrenedition. „Die Bestelladresse gibt es im Programmheft, das es zu kaufen gibt“, scherzt er. Und nach der Pause ging es lauter und deutlich kraftvoller zu. Wilson und Band spielten Prog Rock – hoch professionell und perfekt und es endete konsequent im Progressive Metal. Die Songliste des Münchner Konzerts gibt es hier als Foto.


Das Videomaterial nach der Pause war deutlich progressiver. Für mich am faszinierendsten waren die Filme mit Scherenschnitten. Eine schöne alte Technik in einer morbiden Erzählung. Gegen Ende der Show war die Verehrung von Steven Wilson für Pink Floyd nicht zu übersehen. Die moderne Lightshow war wie in alten Tagen, zudem wurde ein transparenter Vorhang zwischen Band und Publikum gespannt, auf dem eine weitere Lightshow projiziert wurde. Nach dem Fall des Vorhangs kamen noch die Zugaben und die große Verbeugung. Steven Wilson hält dabei immer Kontakt zu seinen Fans und das ist bei all seiner musikalischen Leistung wohl die größe Leistung von ihm.

Anmerkung zum Gasteig: München braucht für solche und andere Konzerte einen Konzertsaal, der den Namen verdient. Zum Teil war die Akustik grausam und das lag nicht an der PA der Wilson Crew.

Musiktipp: ELP Trilogy im Stereo Mix 2015

9. Mai 2015
Trilogy als Stereo Mix 2015

Trilogy als Stereo Mix 2015

Als Fan der britischen Prog Rock-Gruppe Emerson, Lake & Palmer habe sich so einiges an offiziellen und inoffiziellen Aufnahmen der Band angehäuft. Seit heute habe ich wieder ein Album mehr – Trilogy im Stereo Mix 2015. Das Album erschien bereits am 24. April 2015.
Diese 3fach Box umfasst zwei CDs und eine DVD im 5.1-Sound. Und wie schon bei den anderen überarbeiteten Versionen der Band wie das erste Album, Tarkus oder Brain Salad Surgery  (dazu meine Blogartikel) hat der Tonmeister alle Arbeit geleistet. In diesem Fall saß King Crimson-Gitarrist Jakko M. Jakszyk an den Reglern in Hertfordshire. Es ist nicht ganz so perfekt, wie bei den anderen Alben, aber vielleicht liegt es daran, dass ich persönlich Trilogy nicht zu dem stärksten ELP-Alben zähle. Aber ich gebe zu, ich muss mich wieder reinhören. Trilogy erschien 1972 und war das dritte Album der Band. Ich hatte die Aufklapp-LP, die Nice Price-LP und später die verschiedenen CD-Veröffentlichungen. Und ich muss im Vergleich zu den bisherigen Trilogy-Versionen sagen: Wahnsinn, was Jakko M. Jakszyk aus den Bändern da herausgeholt hat. Ich habe den 5.1-Sound mit meinem Shure SRH1540 genossen.


Die Box Trilogy umfasst drei Datenträger. Die erste CD ist das Original-Album. Mein besonderes Interesse galt beim Kauf der zweiten CD. Hier gibt es die 2015 Stereo-Mixes von Trilogy und es eröffnet mir das Album in einer neuen Dimension. Das zeigt sich noch mehr auf der Audio-DVD im 5.1-Sound: Kopfhörer auf und die Experimentierfreude von ELP hören.

 

ELP_Aufgeklappt

ELP sind wieder da

13. November 2009
ELP sind wieder da
Durch Zufall bin ich auf eine für mich schöne Nachricht gestoßen: Emerson, Lake & Palmer sind wieder vereint. Damit ist eine Band meiner Jugend wieder live zu sehen und wenn sich die elenden Streithähne Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer wieder vertragen, kommt sicherlich auch eine CD und DVD. Die Soloprojekte der Herren waren nicht so doll und so ist es nun an der Zeit mal wieder Geld zu verdienen. Es müssen Leute wie mich gemolken werden, die immer noch am Art-Rock-Tropf hängen.
Die alten Herren spielen am 25. Juli 2010 als Headliner des „High Voltage Festival“, eines neuen Klassikrock-Events in London. Die neue Website der Band sagt noch nichts aus. Auf der Website ist außer einem Nachruf auf den ersten Manager der Band Dee Anthony noch nichts zu finden. Anthony starb im Alter von 83. Jahren und verhalf vielen Musiker zum Durchbruch, darunter Joe Cocker, Jethro Tull oder Ten Years After und Traffic.
ELP waren mit ihrem Bombastrock für mich die Größten. Genesis waren wegweisend, Yes virtuos, doch ELP machten richtig den dicken Maxe. Nur noch King Crimson um Robert Fripp waren noch einen Tick besser und elitärer. Doch nach und nach lief der Rockdino sich tot. Der Punk versetzte der Band den Todesstoß. Dann begann die Leichenfledderei. So genannte offizielle Bootlegs wurden veröffentlicht, seltsame Live-Platten kamen in den Umlauf und wer hinhörte, musste (leider) feststellen: Goldkelchen Greg Lake hat Probleme mit der Stimme. Sei es drum. Ich bin gespannt, was ELP wieder bringen: 40 Jahre nach dem Kanonenknall des Isle of Wight-Festivals will es die Altmännerband noch mal wissen.