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Buchtipp: Playboy 1926 bis 1979

29. Juli 2020

Natürlich hat man den Playboy nur wegen der Geschichten gelesen. Dass da auch Fotos in einem Männermagazin waren, konnte Mann als überraschter Leser nicht wissen. Genug gescherzt. Gründer und Chef des Bunnyverlages und was damit verbunden war, war ein gewisser Mr Morgenmantel Hugh M. Hefner, der im September 2017 verstarb.
Ich entdeckte aus dem Taschen-Verlag eine interessante Autobiografie eben von diesem Hefner: Playboy 1926 bis 1979. Hugh M. Hefner präsentiert seine illustrierte Autobiografie mit chronologischen Highlights aus den ersten rund 25 Jahren des Playboy – natürlich mit den entsprechenden Fotos.
Die pralle Anthologie in sechs Bänden, die einst zum 60. Geburtstag des Magazins erschien, ist eine Hommage an den Lebensstil der Mutter aller Männermagazine und ihres Schöpfers. Sie beleuchtet die außergewöhnlichen Jahre 1953 bis 1979 und enthält neben einer Auswahl der Centerfolds jeder Ära auch Texte von Kultautoren wie Gore Vidal, Norman Mailer, Jack Kerouac und Ray Bradbury sowie einige der wichtigsten Playboy-Interviews mit Zeitgenossen wie Martin Luther King, John Lennon, Richard Nixon und Roman Polanski. Ich muss wirklich sagen, die Geschichten sind wirklich gut. Und es ist interessant, wie sich das Layout, das von Playboy inszenierte Schönheitsideal und die Art der Aktfotografie über die Jahre bis 1979 entwickelte.


Autobiografisch ist für mich der erste Band, in dem Hefner auf seine Jugend und seine Inspiration eingeht. Er war ein Mann von Trash. Er hat die Popkultur seiner Zeit aufgesaugt wie ein Schwamm und sie dann später in seinem Magazin mit eigenem Style wiedergegeben. Hefner hat damit ein popkulturellen Kunstwerk geschaffen. Sein Frauenbild war geprägt durch die starken Frauen der Filme der dreißiger und vierziger Jahre, Serien wie Flash Gordon und anderer Trash. Jean Rogers als Dale Arden spielte die weibliche Hauptrolle und im Grunde sind die Damen in den ersten Playboy-Jahren Kopien dieser Jean Rogers, angefangen beim ersten Centerfold mit Marilyn Monroe.


Schön auch die Episode, wie es zum Playboy-Häschen als Markenlogo kam. Hefner war von der Comicreihe Phantom geprägt und war gefesselt von Totenkopfsiegelring des Phantoms. So etwas brauchte er auch und so entstand der markante Hase, ein bis heute unglaublich starkes Markensymbol. Ach ja, Hefner war ein Fan von Sir Arthur Conan Doyle und seiner Kunstfigur Sherlock Holmes. Daher kam auch die Vorliebe Hefners für Pfeife und Morgenmäntel – ob er auch Geige spielte, weiß ich allerdings nicht. Viel ist über den Verleger zu lesen und damit sind die Bände auch Mediengeschichte pur.
Man kann von Hugh Hefner halten, was man will. Mir gefällt, dass er sein Ding durchgezogen hat und das bis zum Ende.

Star Wars-Buchkritik: Sculpting a Galaxy von Lorne Peterson

11. Januar 2014

Sculping

Obwohl ich ein großer CGI-Fan bin, komme ich aus der Welt des traditionellen Modellbaus. Schon als Kind war ich fasziniert von Modellen wie Schiffe, Flugzeuge und Fahrzeuge. Damals war Kriegsspielzeug noch nicht so sozial geächtet wie heute und so stand in meinem Kinderzimmer die Bismarck neben der HMS Victory und Tiger-Panzer neben der Me 262. Es waren irgendwie andere Zeiten.

Als meine Filmbegeisterung ausbrach, erinnerte ich mich an meine Leidenschaft für den Modelllbau. Dies lag mit Sicherheit auch an einem alten Filmbuch der damaligen Kinozeitschrift Cinema. Band 2 der Sonderreihe von Cinema widmete sich den Tricks und ich war begeistert von dem Buch und den mir eröffneten Welten. Gerade im Bereich Science Fiction-Filme kamen eine Menge Modelle zum Einsatz. Erinnert seien nur die Wunderkerzen in den Raumschiffen von Flash Gordon oder Buck Rogers. In der achtziger Jahren wurden die Basisschiffe der Zylonen in der TV-Serie Kampfstern Galactica aus Filmrollen zusammengebaut. 2001 Odyssee im Weltraum setzte absolute Standards im Modellbau. Künftig müsste sich jeder Film an der Detailversessenheit von Kubrick messen lassen. George Lucas wusste das und ging mit Star Wars seinen Weg und schuf ein eigenes Universum, dessen Faszination bis heute anhält.

Und so kaufte ich mir das wunderschöne Buch Sculpting a Galaxy: Inside the Star Wars Model Shop von Lorne Peterson. Es ist der Himmel auf Erden für Modellbauer und Freunde des alten Handwerks, Das komplette Buch dreht sich um Masken, Paintings und Modellbau. CGI von heute wäre nicht möglich, wenn wir die alten Meister damals nicht gehabt hätten. Und daher dreht sich Sculpting a Galaxy vor allem um die klassische Trilogie von Star Wars: Krieg der Sterne, Imperium schlägt zurück und die Rückkehr der Jedi-Ritter. Es kamen im Laufe der Jahre zwar Special Effects mehr und mehr aus dem Computer, doch im Grunde waren die Tricks in diesen Filmen noch klassischer Modellbau. Und so sollte man Sculpting a Galaxy auch ansehen: als eine Zeitreise in Handwerk. Mit viel Liebe zum Detail entstanden Raumschiffe wie Sternenzerstörer, X-Wing oder Tie-Fighter und natürlich die Oberfläche des Todessterns. Natürlich merkt man, dass es sich beim Anflug von Luke in den ersten Todesstern um eine Modellbaulandschaft handelt, aber was soll es? Der Trick hat funktioniert. Die Tricks in der Star Wars-Filmreihe haben so gut funktioniert, dass ganze Dialoge sich in das Bewusstsein der Filmfreunde eingeprägt haben. Die CGI-Effekte der Teile I bis III sind sicherlich perfekter, aber mich persönlich haben die Filme nicht so geprägt wie Teil IV bis VI. Und das lag mit Sicherheit auch an den Tricks.

So ist das Durchblättern von Sculpting a Galaxy eine wahre Freude. Der Text ist übersichtlich und auch bei schlechtem Englisch noch zu gut verstehen. Es geht um die Magie der Bilder, die einen Blick in den Star Wars-Modellshop werfen. ILM öffnete 2006 seine Pforten und ließ einen Blick hinter den Kulissen zu, wobei die Mehrzahl der Bilder aus der klassischen Triologie stammt. Ich empfehle das Buch Sculpting a Galaxy: Inside the Star Wars Model Shop allen Freunden der Filmreihe, die eine Liebe zum Detail haben und auch mal hinter die Kulissen blicken wollen. Meine Hochachtung vor so viel Kreativität auf Seiten der Macher.