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Musikritik: Bruce Springsteen on Broadway

16. Dezember 2018

Der Boss hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich bin ein Bruce Springsteen Fan der ersten Garde und mein absolutes Lieblingsalbum ist Nebraska. Aber ich muss zugeben, dass ich die Karriere meiner Musikstars nicht mehr so im Auge habe – einzige Ausnahme ist Bob Dylan. Und als ich las, dass Springsteen mit Springsteen on Broadway ein neues Live-Album veröffentlichte, griff ich blind zu. Was der Boss macht, das hat Qualität. Ich habe ihn live erlebt und weiß, welche Power der Kerl hat. Über den Hintergrund von On Broadway hatte ich nichts gelesen, kaufte blind und bin nun enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Ich hatte mir was anderes vorgestellt und bin vom neuen Springsteen-Album enttäuscht.

Die Songs, die Bruce Springsteen auf diesem Doppelalbum Springsteen on Broadway darbringt, sind außergewöhnlich gut. Solo, mal mit Gitarre, mal mit Klavier und eine super Stimme – alles so, wie ich den Boss kenne und ich ihn mag. Aber dann kommt dieses Gequatsche. Was ist jetzt das? Das Album on Broadway enthält Storytelling allererster Güte, aber darauf war ich nicht vorbereitet. Ich wollte Musik hören und nicht die Monologe vom Boss anhören.
Ich war enttäuscht und bin ich es beim dritten, vierten, fünften Anhören noch immer. Ich geb ja zu, der Fehler liegt bei mir. Hätte ich vorher bei Apple Musik hineingehört, dann hätte ich mir dieses Album nicht gekauft. Und hätte ich mich vorher erkundigt, was Springsteen da macht, wäre ich anders an den Kauf herangegangen.
Der Hintergrund des On Broadway-Albums ist gewaltig. In den vergangenen 14 Monate hat Springsteen viele Abende im Walter Kerr-Theater am New Yorker Broadway verbracht. Seit Oktober 2017 hat er dienstags bis samstags vor je 1000 Leuten seine Show dargeboten- ein gewaltiges Pensum für den fast 70jährigen Bruce Springsteen. Und er hat keine Rock‘n Roll-Show abgeliefert, sondern er er lieferte eine Broadway-Performance. Er erzählte aus seinem Leben, spielte wichtige Songs, erzählte wieder und lieferte eine interessante Performance. Gestern Abend spielte er seine letzte Show im Walter Kerr-Theater. Übrigens: Alle Shows waren komplett ausverkauft – die Ticketpreise stiegen auf 1400 US-Dollar pro Karte. Ich geb zu, ich hätte gerne so eine Performance gesehen. Nun, das kann ich noch: Netflix hat die Show mitgedreht und zeigt sie ab heute in seinem Streamingdienst.
Ich werde mir jetzt die Show ansehen und gebe dann dem Album eine neue Chance. Der Trailer bei Netflix ist vielversprechend und ich freue mich, wenn der Stream heute online ist. On Broadway ist kein typisches Konzertalbum, was ich eigentlich erwartet habe. Springsteen erzählt viel von seinem Elternhaus, von seiner Mutter, vom seinem Vater. Obwohl Springsteen nie Fabrikarbeiter war, kann er sich hervorragend in die Rolle des kleinen Mannes hineinversetzen. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Ich will seine Geschichten, aber in musikalischer Form und nicht in Erzählform. Ich will im Moment kein Hörbuch, ich wollte musikalisches Storytelling.
Nun, ich werde mir das Konzert auf Netflix in Ruhe ansehen und werde von der Bühnenpräsens eines Bruce Springsteen sicher gefesselt sein. Dann werde ich das Doppelalbum On Broadway nochmal anhören und nachdem ich darüber geschlafen habe, werde ich wohl davon schwärmen. Im Moment bin ich enttäuscht, aber gebt mir ein wenig Zeit.

Bruce Springsteen im Münchner Olympiastadion

20. Juni 2016
the Boss in München

the Boss in München

Volle Kraft voraus – so lautete das Motto von Bruce Springsteen in München. 3,5 Stunden gab der Boss Gas, Vollgas und rockte mit seiner E-Street Band, was das Zeug hielt. Mit seinen 66 Jahren zeigt der US-Rocker wo der musikalische Hammer ging.
Springsteen erinnerte sich an seinen jüngsten Münchner Auftritt vor acht Jahren als es regnete und eiskalt war. Damals heizte er ein und bei seinem Auftritt 2016 im Olympiastadion legte er noch ein musikalische Briketts nach. Das Wetter passte und die Stimmung ebenso. „Bruce, Bruce, Bruce“ schallte es ihm entgegen als er die Bühne betrat und rockte. Über den Sound im Stadion lässt sich streiten, das Glasdach warf den Rock’n Roll zurück. Die Anlage wurde aufgedreht und was an guten Klang mangelte, wurde durch Lautstärke wieder wett gemacht.

Image des kleines Mannes
Bruce Springsteen hat sich das Image des kleinen Mannes aus der Arbeiterklasse bewahrt. Auf der Bühne ist er ein ehrlicher Arbeiter, mal alleine, mal im Team. Sichtlich machten ihn seine Songs noch Spaß. Die Tour drehte sich um sein Werk the River, das für Springsteen einst richtungsweisend war. Seine Songs sind heute Klassiker der US-Rockmusik geworden. Mitsingen war daher angesagt. Auf der Bühne hingen die US- und die deutsche Fahne. Viel Showeffekte gab es nicht. Die Show ging von Springsteen und seiner Band aus – Reduktion auf das Wichtigste.

Grausames Licht bei den Zugaben.

Grausames Licht bei den Zugaben.

Fuck Trump – politische Botschaft von Bruce Springsteen
Die Lightshow war deutlich reduziert, das Feuerwerk bei American Skin (41 Shots) war im Grunde im Münchner Sommerlicht nicht sehen – es sollten wohl dramaturgisch nur die Shots zu hören sein. Für mich war es allerdings absolut stimmungstötend, dass bei den Zugaben die Stadionscheinwerfer angeschaltet wurden. Das erinnert an den legendären Van Morrison, der bei einem Konzert das Hallenlicht anschalten ließ. Besser kann ich eine Atmosphäre nicht zerstören. Das grelle Fluchtlicht des Olympiastadions machte für mich einen Teil der Atmosphäre des äußerst gelungenen Konzerts kaputt.

Klar, was Bruce Springsteen von Donald Trump hält.

Klar, was Bruce Springsteen von Donald Trump hält.

Bruce Springsteen, der einst als Nachfolger von Bob Dylan positioniert war, steht ganz in der Tradition der US-Folkmusiker. Er zeigt auch politisch Flagge in München. Springsteen hielt ein Pappschild aus dem Publikum hoch: „Fuck Trump, dance with the Boss“ – für mich eine klare Positionierung eines US-Superstars.

Bruce Springsteen als Mitglied der E-Street Band
Er ist ein hervorragender Geschichtenerzähler und zudem ein hervorragender Entertainer. Aber Springsteen ist auch ein prima Teamplayer. Wenn die E-Street Band aufspielt, geht er in den Hintergrund. Er muss nicht eingreifen, denn seine Truppe sind Vollblutmusiker. Ich liebe den alten Totengräber Nils Lofgren mit seinen Pirouetten und den Räuberhauptmann Steven van Zandt, wie immer mit Bandana am Kopf. Der 2011 verstorbene Clarence Clemons wurde eingeblendet, während sein Nachfolger und Neffe Jake Clemons einen super Job am Saxophon ablieferte. Leider, leider hat Springsteen die acht Bläser seiner US-Tour in den Staaten gelassen – der Sound wäre noch voller gewesen. Leider für mich waren auf der Tour 2016 auch nicht Nebraska und Highway Patrolman zu hören, meine Lieblingssongs von ihm.

Bruce Springsteen holt Publikum auf der Bühne
Bruce Springsteen kennt sich aus, wenn es darum geht, das Herz des Publikums zu gewinnen. Im umfangreichen Zugabenset holte er drei Leute aus dem Publikum auf die Bühne.

Eine blonde Dame durfte mit ihm tanzen, aber richtig emotional wurde es bei zwei Kindern auf der Bühne. Bei „Waiting On A Sunny Day“ sang ein kleines Mädchen mit Kranz der Freiheitsstatue herzzerreißend mit.

Dann holte Bruce den kleinen Bruce auf die Bühne und spielte mit ihm Gitarre. Das Münchner Publikum war begeistert und die Kinder werden diesen Auftritt ihr Leben lang nich vergessen.

Die Setlist von Bruce Springsteen im Münchner Olympiastadion
Prove It All Night
Badlands
Out in the Street
Sherry Darling
Two Hearts
No Surrender
Hungry Heart
You Can Look (But You Better Not Touch)
Death to My Hometown
My Hometown (zum ersten Mal auf der 2016-Tour)
Johnny 99
Youngstown
Murder Incorporated
The River
American Skin (41 Shots)
The Promised Land
Working on the Highway
Darlington County
Waitin‘ on a Sunny Day
I’m on Fire
Because the Night
The Rising
Thunder Road
Land of Hope and Dreams
Zugaben
Born in the U.S.A.
Born to Run
Seven Nights to Rock
Dancing in the Dark
Tenth Avenue Freeze-Out
Shout

Zugabe Solo

For You