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No Filters: The Rolling Stones in München

14. September 2017
Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

Zum neuen Mal in München: The Rolling Stones

It’s only Rock’n’Roll but I like it – Die Rolling Stones in München und ich war mitten drin. Zum wiederholten Male habe ich die britischen Rocker gehört und zum wiederholten Male habe ich ein Vermögen für die Karten ausgegeben – und zum wiederholten Male hat es mir sehr gut gefallen. No Filters heißt ihre Tour und wenn man das Alter der Stones anschaut, dürfte es sich um ihre letzte Tour handeln. Und dennoch sind sie fit: Mick Jagger springt mit seinen 74 Jahren besser herum als ich es je konnte. Keith Richards bringt es auf 73 Jahren – hier hat der Lebenswandel seine Spuren hinterlassen, aber seine Riffs kann er noch. Charlie Watts sah schon immer alt aus und mit seinen gesegneten 76 Jahren ist er es auch. Ron Wood, ist dem Krebs entkommen, kommt als Jungspund auf 70 Jahre und hält die Stones am Laufen.

Von 9. September bis 25. Oktober läuft in Europa die No Filters Tour und die Konzerte sind fast ausverkauft. Hamburg war ein grandioser Auftakt und München wurde von den Stones hinweggerockt. Zum neunten Mal waren die Stones in München und Mich Jagger postete am Nachmittag ein Foto eines Spaziergangs im Englischen Garten. So etwas gefällt den Münchner natürlich.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Mick Jagger flaniert durch den englischen Garten in München.

Die Show im Olympiastadion war großartig, wie man es von den Herren gewohnt war und doch war es dieses Mal anders als die Jahre zuvor. Die Band spielte ruppiger als früher. Die Songs klangen nicht so einstudiert, wie in den früheren Jahren. Es rumpelte mehr, die Musik hatte mehr Ecken und Kanten als in früheren Shows, die mir fast zu perfekt und zu glatt waren. Natürlich sind die Abläufe bei einer Band dieser Größe geplant, aber es kam mir vor, als ob nicht alles gescript war wie in den früheren Jahren. Und ich habe den Verdacht, dass Keith Richards gar nicht Gitarre spielen kann und das meine ich mit dem höchsten Respekt. Gebeugt steht der Darsteller aus Flucht der Karibik auf der Bühne und schlägt ein Riff nach dem anderen an. Das klassische Gtarrenspiel überlässt Herr Richards den jüngeren Kollegen Ronnie Wood, der die Arbeit machen muss. Es ist ein Genuss dieses Zusammenspiel anzuschauen.
Sorgen mache ich mir immer wieder um Charlie Watts hinter der Schießbude. Der Mann zieht sein Ding durch, obwohl ich ab und zu denke, schafft er es noch, ein zweieinhalb ständiges Konzert durchzuspielen. Er schafft es und es ist prima – aber ein Showman wird Charlie Watts in seinem Alter nicht werden.
Showman pur dagegen ist natürlich Mick Jagger. Er springt, zappelt, hüpft, rockt die meiste Zeit auf der Bühne umher – es ist eine Wohltat ihm zuzusehen. Was allerdings der dauernde Klamottenwechsel soll, weiß ich nicht. Humor bewies der Sänger mit seinem letzten Outfit. Dort stand auf dem Shirt ganz groß Stones – damit auch jeder weiß, wo er ist. Jagger ist nicht Laga Gaga und muss keine Teenager mit seinem Outfit begeistern. Apropos Outfit: Die silbernen Glitzerturnschuhe von Ronnie Wood waren der Hammer.
Die Setlist von München unterschied sich nur wenig von der in Hamburg. Positiv finde ich bei den Stones, dass sie immernoch den Blues huldigen, auch wenn er nicht hitparadentauglich ist. Ein bisschen mehr Mut würde ich mir von den Herren wünschen – also nicht nur die Hits spielen, sondern mehr Experimente bitte. Aber die Stones geben das, was die meisten Fans hören wollen: Hits am laufenden Band. Dabei startete es nicht ideal: Sympathy for the Devil war der etwas wacklige Einstand, der sofort wieder wett gemacht wurde durch ein fabelhaftes It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It). Das Publikum wählte Beast of Burben und wenn man ehrlich ist, war es eine eher unglückliche Wahl, ebenso Dancing with Mr. D.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

Die Publikumswahl fand ich nicht perfekt dargebracht.

So richtig fand die Band hier nicht den Zugang. Wenn dann auch noch Keith Richards zum Mikro greift, ist es in der Regel für mich die Zeit Biernachschub zu holen. Und meiner Meinung nach ging Happy gerade noch, während Slipping Away einfach daneben war. Anschließend übernahm Jagger wieder das Mikrofon und die Band trumpfte im letzten Teil der Show nochmals auf und alle durften mitsingen. Ein Feuerwerk musikalisch und optisch noch am Ende und fein war es. Sehr nett fand ich am Konzertende den Hinweis „Bis bald“. Sollte es doch nicht die letzte Tour der Rolling Stones gewesen sein?

Bis bald - doch nicht die letzte Tour?

Bis bald – doch nicht die letzte Tour?

Ein Wort noch zur Sicherheit: Der Zugang zum Olympiastadion war mit hohen Sicherheitsauflagen versehen. Das finde ich gut, sehr gut. Keine Rucksäcke und Taschen oder Regenschirme (es regnete allerdings zeitweise heftig) waren erlaubt. In meiner Reihe wurde scharf kontrolliert, Abtasten und Metalldetektor. Einige Besucher in der Schlange fanden das nervig, aber ich halte es für zeitgemäß. Lob also an die Sicherheitsleute und die Polizei, die zudem noch ein Spiel des FC Bayern bewachen musste.

Die Setlist von München, soweit ich es mitbekommen habe:
Sympathy for the Devil
It’s Only Rock ’n’ Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
Out of Control
Just Your Fool
Ride ’Em on Down
Dancing with Mr. D
You Can’t Always Get What You Want
Beast of Burben
Paint It Black
Honky Tonk Women
Vorstellung
Happy keith mit Zigarette
Slipping Away Keith
Midnight Rambler
Miss You
Street Fighting Man
Start Me Up
Brown Sugar
(I Can’t Get No) Satisfaction
Gimme Shelter
Jumpin’ Jack Flash

Bruce Springsteen im Münchner Olympiastadion

20. Juni 2016
the Boss in München

the Boss in München

Volle Kraft voraus – so lautete das Motto von Bruce Springsteen in München. 3,5 Stunden gab der Boss Gas, Vollgas und rockte mit seiner E-Street Band, was das Zeug hielt. Mit seinen 66 Jahren zeigt der US-Rocker wo der musikalische Hammer ging.
Springsteen erinnerte sich an seinen jüngsten Münchner Auftritt vor acht Jahren als es regnete und eiskalt war. Damals heizte er ein und bei seinem Auftritt 2016 im Olympiastadion legte er noch ein musikalische Briketts nach. Das Wetter passte und die Stimmung ebenso. „Bruce, Bruce, Bruce“ schallte es ihm entgegen als er die Bühne betrat und rockte. Über den Sound im Stadion lässt sich streiten, das Glasdach warf den Rock’n Roll zurück. Die Anlage wurde aufgedreht und was an guten Klang mangelte, wurde durch Lautstärke wieder wett gemacht.

Image des kleines Mannes
Bruce Springsteen hat sich das Image des kleinen Mannes aus der Arbeiterklasse bewahrt. Auf der Bühne ist er ein ehrlicher Arbeiter, mal alleine, mal im Team. Sichtlich machten ihn seine Songs noch Spaß. Die Tour drehte sich um sein Werk the River, das für Springsteen einst richtungsweisend war. Seine Songs sind heute Klassiker der US-Rockmusik geworden. Mitsingen war daher angesagt. Auf der Bühne hingen die US- und die deutsche Fahne. Viel Showeffekte gab es nicht. Die Show ging von Springsteen und seiner Band aus – Reduktion auf das Wichtigste.

Grausames Licht bei den Zugaben.

Grausames Licht bei den Zugaben.

Fuck Trump – politische Botschaft von Bruce Springsteen
Die Lightshow war deutlich reduziert, das Feuerwerk bei American Skin (41 Shots) war im Grunde im Münchner Sommerlicht nicht sehen – es sollten wohl dramaturgisch nur die Shots zu hören sein. Für mich war es allerdings absolut stimmungstötend, dass bei den Zugaben die Stadionscheinwerfer angeschaltet wurden. Das erinnert an den legendären Van Morrison, der bei einem Konzert das Hallenlicht anschalten ließ. Besser kann ich eine Atmosphäre nicht zerstören. Das grelle Fluchtlicht des Olympiastadions machte für mich einen Teil der Atmosphäre des äußerst gelungenen Konzerts kaputt.

Klar, was Bruce Springsteen von Donald Trump hält.

Klar, was Bruce Springsteen von Donald Trump hält.

Bruce Springsteen, der einst als Nachfolger von Bob Dylan positioniert war, steht ganz in der Tradition der US-Folkmusiker. Er zeigt auch politisch Flagge in München. Springsteen hielt ein Pappschild aus dem Publikum hoch: „Fuck Trump, dance with the Boss“ – für mich eine klare Positionierung eines US-Superstars.

Bruce Springsteen als Mitglied der E-Street Band
Er ist ein hervorragender Geschichtenerzähler und zudem ein hervorragender Entertainer. Aber Springsteen ist auch ein prima Teamplayer. Wenn die E-Street Band aufspielt, geht er in den Hintergrund. Er muss nicht eingreifen, denn seine Truppe sind Vollblutmusiker. Ich liebe den alten Totengräber Nils Lofgren mit seinen Pirouetten und den Räuberhauptmann Steven van Zandt, wie immer mit Bandana am Kopf. Der 2011 verstorbene Clarence Clemons wurde eingeblendet, während sein Nachfolger und Neffe Jake Clemons einen super Job am Saxophon ablieferte. Leider, leider hat Springsteen die acht Bläser seiner US-Tour in den Staaten gelassen – der Sound wäre noch voller gewesen. Leider für mich waren auf der Tour 2016 auch nicht Nebraska und Highway Patrolman zu hören, meine Lieblingssongs von ihm.

Bruce Springsteen holt Publikum auf der Bühne
Bruce Springsteen kennt sich aus, wenn es darum geht, das Herz des Publikums zu gewinnen. Im umfangreichen Zugabenset holte er drei Leute aus dem Publikum auf die Bühne.

Eine blonde Dame durfte mit ihm tanzen, aber richtig emotional wurde es bei zwei Kindern auf der Bühne. Bei „Waiting On A Sunny Day“ sang ein kleines Mädchen mit Kranz der Freiheitsstatue herzzerreißend mit.

Dann holte Bruce den kleinen Bruce auf die Bühne und spielte mit ihm Gitarre. Das Münchner Publikum war begeistert und die Kinder werden diesen Auftritt ihr Leben lang nich vergessen.

Die Setlist von Bruce Springsteen im Münchner Olympiastadion
Prove It All Night
Badlands
Out in the Street
Sherry Darling
Two Hearts
No Surrender
Hungry Heart
You Can Look (But You Better Not Touch)
Death to My Hometown
My Hometown (zum ersten Mal auf der 2016-Tour)
Johnny 99
Youngstown
Murder Incorporated
The River
American Skin (41 Shots)
The Promised Land
Working on the Highway
Darlington County
Waitin‘ on a Sunny Day
I’m on Fire
Because the Night
The Rising
Thunder Road
Land of Hope and Dreams
Zugaben
Born in the U.S.A.
Born to Run
Seven Nights to Rock
Dancing in the Dark
Tenth Avenue Freeze-Out
Shout

Zugabe Solo

For You