Der lange Weg zu Karten für die Bayreuther Festspiele

Es war schon eine Geduldsprobe, die ich mir da zugemutet habe. Gestern stand der Online-Verkauf für die Bayreuther Festspiele auf meinem Nachmittagsprogramm. Und es hat auch wirklich den ganzen Nachmittag gedauert, bis ich zwei Karten für die beste Ehefrau und mich erstanden habe. Zufrieden bin ich aber dennoch nicht.
Um 14 Uhr war der Ticket-Shop am Grünen Hügel in Bayreuth geöffnet. Um 13:58 Uhr stand ich auf der Matte. Das iPad war online. Kundennummer und Kreditkarte sowie Kalender lagen bereit – also die magischen 3 K. Dieses Jahr steht eine Neuinszenierung von Lohengrin auf dem Programm und ich würde gerne die Inszenierung sehen. Anja Harteros soll die Elsa singen. Ich sag es gleich: Ich habe keine Karten für Lohengrin bekommen und bin deswegen enttäuscht. So muss ich mir wohl die Neuinszenierung wieder im Kino ansehen, wenn es übertragen werden sollte. So habe ich es in der Vergangenheit immer gemacht. Und Lohengrin war die erste Oper, die ich in Bayreuth jemals gesehen habe.

Der Ticket-Shop öffnet
Nun um 14 Uhr öffnete der Shop seine Pforten und ich reihte mich ein. Vergangenes Jahr habe ich so auch Karten für die wunderbaren Meistersinger erstanden und hoffte wieder auf mein Glück. Aber ich war wohl zu spät. Es waren einige Wagnerianer vor mir und das bedeutet dann stundenlanges Warten.
Nach 20 Minuten viel mir auf, dass die Veranstalter die Website geändert hatten. Im vergangenen Jahr waren es animierte Figuren, die sich Platz um Platz nach vorne schoben. Dieses Jahr gab es einen klassischen Ladebalken und der stand bei mir ganz weit links. Wie öde!

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Ganz links ist der Ladebalken um 14:09 Uhr. Das kann dauern und die animierten Figuren sind auch nicht mehr da.

Das Neuladen der Seite ist strengstens verboten und auch die Seite im Hintergrund laufen lassen, dass will die Familie Wagner nicht. Ob das stimmt, habe ich nicht ausprobiert, denn ich wollte meinen wertvollen Platz in der Ticketschlange nicht aufgeben. Links oben auf der Website gab es ein Ampelsystem, ob Karten für die jeweilige Oper noch verfügbar sind. Dieses Jahr gab es online Karten für Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Parsifal, Tristan und Wallküre. Nach 20 Minuten waren noch alle Ampeln auf Grün.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Alle Ampeln auf Grün. Ich beginne zu hoffen auf Lohengrin.

Ich hoffte also auf Lohengrin. Doch dann wechselte Lohengrin auf Gelb, die Karten wurden knapp und ich war noch ganz hinten in der Warteschlange.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Lohengrin wird um 14:33 Uhr knapp. So ein Mist.

Ich wurde nervös und nervte die Twittergemeinde mit meinen Bedanken. Das viele Jammern nutzte nichts. Nach einer Stunde war Lohengrin immer noch auf Gelb und ich hatte gerade mal ein Drittel des Ladebalkens geschafft. Und dann, um 15:06 Uhr sprang Lohengrin auf Rot um – alle Karten weg und mein Ärger war da. Über eine Stunde gewartet und keine Karten.

Und weg war Lohengrin.

Und weg war Lohengrin.

Nun, dann begann das Alternativprogramm. Ich hatte die Inszenierungen von Holländer, Meistersinger, Parsifal und Tristan in Bayreuth bereits genossen, also blieb nur noch die Wallküre übrig. Ich konzentrierte mich also auf die Wallküre. Sie ist die erste Oper des Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend, der aus dem Rheingold besteht. Es handelt sich um den Castorf-Ring, der 2017 auslief, aber 2018 noch in Einzelvorstellungen zu sehen ist. Ich habe Teile des Castorf-Rings gesehen und er hat mir nur teilweise gefallen. Aber Bayreuth ist eben Bayreuth und ich will auch 2018 wieder dabei sein und blöde daherreden.

Um 15:20 Uhr wurden auch die Karten für die Meistersinger knapp. Die Ampel schaltete auf Gelb. Karten für die Wallküre scheint es noch zu geben und ich wartete bereite 1:20 Uhr vor dem iPad mit der Ticketseite online. Und nun der Schock: Um 15:29 Uhr schaltete auch die Wallküre auf Gelb. Sollte ich eineinhalb Stunden umsonst gewartet haben? Ich wurde nervös. In dem Ladebalken hatte ich das Opernhaus noch nicht mal erreicht und die Karten wurden eng. Minute um Minute schob ich mich vor. Ich war sogar soweit, dass ich den lächerlichen Figuren auf dem Display Namen gab und meinen Kindern immer verkündete, wenn ich Herrn Maier, Frau Müller und Frau Schmidt überholt habe. An der Spitze der Schlange stand übrigens Herr Theobald, so hab ich den Typen genannt, der hinter einer Straßenlaterne versteckt war. Es galt diesen Theobald zu überrunden, der vor mir stand. Ich entwickelte einen regelrechten Zorn auf diesen virtuellen Pixeltypen, der so unscheinbar da stand.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Um 15:49 Uhr hatte ich den Herrn Theobald erreicht.

Ich näherte mich Herrn Theobald Meter für Meter. Um 15:46 Uhr war ich schon ganz nah dran. Um 15:49 Uhr war der Eintritt ins Opernhaus zum Greifen nahe und ich freute mich schon. Um 15:55 Uhr hatte ich Herrn Theobald überholt. So Theo jetzt hab ich dich und zeig dir, was eine Harke ist. Doch ich wurde abermals von Bayreuth enttäuscht. Obwohl ich der erste in der Reihe der Personen war und noch vor diesem Herrn Theobald, galt dies wohl nicht für den Ladebalken. Der Balken musste bis ganz rechts laufen um vollständig geladen zu sein. Was soll das? Bayreuth, ich fühle mich von dieser GUI betrogen.
Nun standen Lohengrin und Meistersinger auf Rot und Wallküre auf Gelb und es war 16:02 Uhr. Zwei Stunden in der Schlange gewartet und ich drohte zu scheitern.

16:02 Uhr - es wird verdammt eng.

16:02 Uhr – es wird verdammt eng.

Um 16:16 Uhr hatte ich Herrn Theobald und die ganze Schlange weit hinter mich gelassen und näherte mich dem Eingang des Festspielhauses. Im Original gehe ich dort immer wieder rein und finde eine Säule mit einer Inschrift von der damaligen Premiere des Rings wieder. Langsam bekam ich Schnappatmung. Meine Gattin meinte nur lakonisch „Ja mei“ und meinte wohl: Dann eben Bayreuth nicht. Für sie ist es kein großer Verzicht, denn sie kommt zum Grünen Hügel nur mir zuliebe mit. Sie selbst ist nicht eine Wagnerverehrerin und kommt aus Liebe mit mir mit – ein schöner Liebesbeweis sich vier Stunden den Hintern auf unbequemen Klappstühlen wund zu sitzen.

16:16 Uhr - ich fühle mich von der GUI betrogen.

16:16 Uhr – ich fühle mich von der GUI betrogen.

Aber ich wollte nicht klein beigeben. Um 16:35 Uhr – zwei Stunden und 35 Minuten nach Öffnung des Ticketshops durfte ich für 10 Minuten den Store betreten und meine Karten auswählen. Oh wie gnädig. Ich bekam noch Restkarten für Wallküre – leider nicht wie gewohnt vorne, sondern ziemlich weit hinten. Und wir bekamen auch keine zusammenhängenden Plätze. Das bedeutet, meine Frau und ich müssen die Oper getrennt verfolgen. 3:45 Stunden dauert die Wallküre mit zwei Pausen, die wir zum Spazieren gehen nutzen können. Ich werde in den Pausen quatschen und meine Frau die Umgebung des Festspielhauses genießen.
Karten wurden mit der Kreditkarte bezahlt. Über die Preise schweige ich mich aus. Dann machte ich mich auf die Hotel-Suche. Da machte ich es mir leicht. Wir sind immer in Heinersreuth im Hotel Opel. Ich mag dieses fränkische Landgasthaus mit der lustigen Besitzerin. Das Essen ist bodenständig und ich freue mich auf den Pressack und das Bier. Online ein Zimmer gebucht, es war Gott sei Dank noch etwas frei. Dann zurückgelehnt und dann vom Musikserver die Wallküre geladen. Im Keller habe ich noch eine DVD vom Jahrhundertring des Jahres 1976 von Pierre Boulez, damit werde ich meine Umgebung beglücken. Bis zur Festspielsaison habe ich noch ein wenig Zeit das Libretto zu studieren und mir schlaue Sprüche auszudenken. Ach Richard Wagner, ich mag einfach deine Musik.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

Es ist 16:35 Uhr und ich darf mein Geld ausgeben.

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