Posts Tagged ‘Jerry Goldsmith’

Konzertkritik: Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin

4. November 2019

Es war eine Reise in meine Vergangenheit. Als Filmfan genoss ich eine Phase des italienischen Horrorfilms der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Regisseure wie Dario Argento oder Lucio Fulci standen bei mir hoch im Kurs. Und weil ich diese schrägen, zumeist blutigen Filme mochte, hörte ich auch die entsprechenden Soundtracks von u.a. Claudio Simonetti und seiner Band Goblin.

Jetzt bekam ich die Gelegenheit, Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin im ehemaligen Kino Lido in Kreuzberg zu hören. Ich war überrascht, wie gut Simonettis Musik funktioniert. Als Fan von Filmscore bewundere ich Meister wie John Williams oder Jerry Goldsmith. Diese schufen große orchestrale Werke. Claudio Simonettis Musik ist anders – es war Bandmusik. Musiker wie der leider verstorbene Keith Emerson von einer meiner Lieblingsbands ELP hämmerten ein paar Soundtracks herunter, darunter auch für italienische Horrorstreifen, aber Claudio Simonetta’s Goblin blieb eine besondere Ausnahme.

Es war ein theatralischer Prog-Rock mit starken Synthesizer-Elementen, mal gefühlvoll, mal hart. Damit wurde die Musik von Streifen wie Rosso – Farbe des Todes (Profondo rosso), Suspiria, Tenebrae (Tenebre), Phenomena oder Terror in der Oper (Opera) von Dario Argento untermalt. Mein Gott, was waren dies für brutale stilvolle Filme – eine Mischung zwischen Gothic Horror und verrückten Hexenmärchen. Ich habe noch einige der Filme auf VHS, DVD, Bluray und sogar seltene Laserdisc im Archiv. Besonders mag ich die Regiearbeit von Dario Argento. Vielleicht ist sein Suspiria sogar mein Lieblingsfilm des italienischen Horrors, weil er in Freiburg dem „Mekka der Parapsychologie“ und München spielt. Der Film macht mir Angst und wirkt vor allem durch die Musik von Goblin hervorragend. Schön ist, dass es auch andersherum funktioniert: Ich höre die Musik von Suspiria und reise geistig ins Horrorkino zurück. Suspiria wurde auch gegen Ende des Konzerts gespielt und das Publikum miteinbezogen – Claudio Simonetta wir danken dir dafür.

Das Konzert der Band fand am Halloween-Abend in Berlin statt. Einige Besucher erschienen verkleidet. Meine Nachbarin brachte eine (Plastik-)Sense in ihrer Handtasche mit. Im Publikum waren allerhand Grufties und Gestalten der Nacht anzutreffen, wobei ich mir nicht sicher war, ob sie sich zu Halloween extra herausgeputzt haben oder ob es ihre Standardbekleidung war.

Auch ein Michael Myers mit weißer Maske war im Publikum. Als Claudio Simonetti ihn entdeckte, brach er vom regulären Konzertprogramm ab und spielte unter dem Jubel der Fans die Titelmelodie von John Carpenter Halloween – damit hatte Simonetti einen klaren Pluspunkt bei seinem Publikum.

Die Band spielte vor einer Leinwand. Per Beamer wurden visuelle Effekte und Filmausschnitte der jeweiligen Horrorstreifen ohne Ton eingespielt. So bekamen wir die italienische Gewaltorgie zu sehen: Das Abtrennen des Kopfes in Profondo rosso, der Verfall und das Verwesen der Körper von Demoni und mehr. Wenn kein Film vorhanden war, dann kamen einfach bunte Effekte wie bei einer neueren Aufnahme wie Roller.

Kurz, nur ganz kurz, besinnlich wurde es, als Dawn of the Dead gezeigt und von der Band gespielt wurde. Goblin hat Argento viel zu verdanken, aber internationale Bekanntheit bekam die Band durch George R. Romero und seiner Zombie-Version. Das wusste auch Claudio Simonetta, der sich ausdrücklich beim verstorbenen Romero auf der Bühne bedankte. Nein, lieber Claudio Simonetta wir haben zu danken für einen außergewöhnlichen Abend, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Am Merch-Stand nutzte ich die Möglichkeit, ein paar CDs noch zu erwerben. Ich hatte zudem einige CD-Covers nach Berlin mitgebracht und wollte ein Autogramm. Mir gelang es und fand den Weg in die Garderobe der Band und wechselte ein paar freundliche Worte mit Claudio Simonetta. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich meine Laserdiscs und Picture-Discs nicht zum Unterschreiben mit nach Berlin genommen habe. Aber ich hoffe auf ein Wiedersehen mit Claudio Simonetta’s Goblin irgendwann. Die Band hat eine kleine Tour in den USA und Japan hinter sich, spielte nur ein einziges Konzert in Deutschland und zieht dann weiter. Aber sie werden sicher wiederkommen und ich werde dann wieder die Musik von Claudio Simonetta’s Goblin genießen. Bis es soweit ist, schaue ich mir Suspira nochmals an.

Filmkritik: Rambo: Last Blood

19. September 2019

Ein Mann, ein Messer und John Rambo weiß damit umzugehen. Der neue Rambo: Last blood bietet das, was sich Fans vom alten Sylvester versprechen: brutal, brutaler, John Rambo.

Die Rambo-Filme haben mich Zeit ihres Bestehens auf die Palme gebracht. Jeder Film löste einen journalistischen Beißreflex in mir als Kritiker aus. War Rambo von 1982 noch ein interessantes Vietnam- Erlebnis, versuchten sich Teil 2 und 3 als Propaganda-Inszenierungen für Reagan, einmal Vietnam, einmal Afghanistan und beim Film John Rambo war es dann eben Burma. Und so auch Rambo: Last Blood, der Tuamp in die Hände spielt. Dieses Mal sind es die Mexikaner, die sich als böse Mädchen- und Drogenhändler entpuppen und von unserem Helden abgeschlachtet werden müssen. Während die alten Filme als Comic zu sehen sind (ich hab sie mir als Vorbereitung für den neuen Film bei Netflix angesehen), haben John Rambo und vor allem Rambo: Last Blood das Problem, das sie sich ernst nehmen. Teil 1-3 war Reagan, Teil 5 war Trump und er hat eine gefährliche Botschaft

Zunächst sieht im Film alles prima aus. Rambo wohnt auf der Farm des Papas in Arizona, das wissen wir aus dem Film John Rambo. Rambo hat aber ein Rad ab und haust in einem Tunnelsystem. Die Tunnelratte Rambo macht auf Familie, erleidet einen Rückschlag, tickt aus und räumt dann rücksichtslos auf. 

Ich sah im Kino Brutalität pur. In alten Zeiten wäre Rambo: Last Blood sofort auf den Index gekommen. Es ist ein systematisches Abschlachten, Meucheln, Killen, Zerquetschen, Verbrennen, Zerlegen und Ermorden der Gegner mit mehr oder weniger ausgefallenen Methoden  wie Sprengladung, Schusswaffe, Eisenstange, Messer und Pfeil & Bogen. 

Zunächst fragte ich mich, ob Rambo die Todesrate des Vorgängerfilms von 236 Toten einholen wird. Aber nein, in Rambo: Last Blood sind es (etwas) weniger Tote, aber der Tod kommt brutaler daher und findet seinen Höhepunkt bei der Entnahme des Herzens bei lebendigem Leibe. Freunde der menschlichen Anatomie kommen auf ihre Kosten. 

Und der Film selbst 

War Rambo nun ein guter Film? Handwerklich lässt sich kaum etwas meckern. Regisseur Adrian Grunberg hat einen soliden Film gemacht. Herausragend ist der Score von Brian Tyler, der bereits John Rambo vertonte und die wesentlichen Themen von Jerry Goldsmith aufnahm und in die moderne Zeit transferierte. Leider wird der Score bisher nur als Download angeboten. 

Und ein ernstzunehmender Schauspieler wird Stallone auf seine alten Tagen nicht mehr mehr. Er spielt allerdings seine Rolle des verzweifelten und gepeinigten Rächers überzeugend und Fans werden ihre Freude haben. Schauspielkunst gibt es nicht zu sehen. Die Personen agieren im Rahmen ihres Klischees. 

Die größte Schwäche des Films ist aber das Drehbuch von Matthew Cirulnick und Sylvester Stallone. Rambo: Last Blood braucht eine geschlagene halbe Stunde, um in die Gänge zu kommen. Das Intro der Rettungsmission erinnert schön an die Menschenjagd in Rambo 1 mit Regen und Wind, spielt aber im weiteren Film keine Rolle mehr. Erst Regen und Sintflut und ab in die Wüste von Arizona.  

Eine mexikanische Journalistin darf später auch kurz helfen, spielt dann auch wieder keine Rolle mehr und fällt aus dem Drehbuch. Dann haben sich die  Drehbuchautoren ein wenig an den alten Hitchcock erinnert und bauen für jugendliche Zuschauer die Geschichte des Teenager-Mädchens aus, die dann nach der Hälfte des Films stirbt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer hat sich bei Rambo schon je um die Story gekümmert?

Ach ja, dann beginnt die blutige Rache von Rambo, das wollen wir eigentlich sehen. Denn im letzten Drittel geht ans Töten. John Wick erblasst und kann bei John Rambo noch was lernen. Rambo gibt Nachhilfeunterricht. Es kommt das alte Testament ins Spiel – Auge um Auge – Zahn um Zahn und am Ende von ein wenig Hosentaschenphilosophie für Arme. Stallone sagte unlängst, dass er gerne aus Rambo eine Reihe machen will. Wir sind ja inzwischen bei Teil 5. Kann er, wird er, aber muss er wirklich?

Jetzt Karten sichern für Richard Wagner im Kino Tannhäuser

24. Juli 2019
Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Richard Wagner im Kino? Was einst als Experiment begann, ist heute eine liebgewonnene Tradition. Besorgt euch im Kartenvorverkauf die Karten für Tannhäuser am 25. Juli. Und wer Angst vor Wagner hat, kann es ja mal ausprobieren und muss nicht gleich Karten für den Grünen Hügel in Bayreuth kaufen. Ich bin dieses Jahr nicht im Kino mit dabei – ich habe Premierekarten und flipp aus.

Bald ist es wieder so weit
Mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg beginnen am 25. Juli 2019 die 108. Bayreuther Festspiele. Die „Große romantische Oper in drei Akten“ wurde 1845 in Dresden uraufgeführt und 1891 zum ersten Mal in Bayreuth gezeigt. Nach Sebastian Baumgartens Tannhäuser-Interpretation im Jahr 2011 ist die nächstjährige Neuproduktion die neunte Inszenierung des Werks (das in der so genannten Dresdner Fassung aufgeführt werden wird) bei den Festspielen.
Die Musikalische Leitung hat Valery Gergiev, der erstmals in Bayreuth dirigieren wird. Als Regisseur konnte Tobias Kratzer gewonnen werden, Bühne und Kostüme stammen von Rainer Sellmaier.
Stephen Gould verkörpert die Titelpartie des Tannhäuser, den er zum ersten Mal 2004 in Bayreuth sang. Lise Davidsen wird als Elisabeth zu erleben sein, Stephen Milling als Landgraf Hermann. Wolfram von Eschenbach wird von Markus Eiche gesungen werden und die Partie der Venus von Ekaterina Gubanova. Daniel Behle als Walther von der Vogelweide, Kay Stiefermann als Biterolf, Jorge Rodríguez-Norton als Heinrich der Schreiber, Wilhelm Schwinghammer als Reinmar von Zweter und Katharina Konradi als Ein junger Hirt vervollständigen das Ensemble.

Der große Richard Wagner - auch im Kino.

Der große Richard Wagner – auch im Kino.

Tannhäuser live zeitversetzt
Ich freue mich auf die Neuinszenierung von Tannhäuser am 25. Juli 2019. Im Kino läuft das Werk ab 18:00 Uhr „live zeitversetzt“. Die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung wird auch in diesem Jahr wieder zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus stattfinden. Ich werde aus Bayreuth winken und vielleicht seht ihr mich im Kino.
Die Bayreuther Festspiele gehören zu den bekanntesten und renommiertesten Festspielen weltweit. Jahr für Jahr kommen rund 60.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Bayreuth, um die Aufführungen zu erleben, auch ich war einige Male mit dabei und ich muss euch sagen: Es ist großartig. Die Nachfrage nach Karten übersteigt seit Jahrzehnten das verfügbare Kartenangebot, weshalb sich teils mehrjährige Wartezeiten ergeben. Durch die Kinoübertragung ist es nun allen Wagnerbegeisterten möglich, in den Genuss einer Aufführung der Bayreuther Festspiele in herausragender technischer Qualität und mit einem kinoexklusiven Pausenprogramm zu kommen.

Bewährtes Format
Im Jahr der ersten Kinoauswertung 2012 startete die Familie Wagner mit 55 Kinos und viel Überzeugungsarbeit, mittlerweile sind über 190 Kinos die Bayreuther Festspiele erfolgreich spielen, Tendenz steigend. Auch mein Lielingskino Scala in Fürstenfeldbruck ist seit Jahren mit dabei und die Übertragung erfreut sich großer Beliebtheit.
Seit der Festspielsaison 2016 beginnt die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung um 18:00 Uhr und damit zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus. Durch die Übertragung zu einer späteren Tageszeit haben mehr Kinobesucher die Chance, an der Übertragung teilzuhaben, gleichzeitig verkürzen sich dadurch für die Kinobesucher die in Bayreuth einstündigen Pausen der Opernaufführung. Infolge der gestrafften Pausen nähert sich die Übertragung in zeitlicher Hinsicht dem tatsächlichen Bühnengeschehen in Bayreuth an und lässt die Übertragung damit quasi zum Live-Erlebnis werden. Dieses Übertragungsformat wurde so gut angenommen, dass die Familie in der Anzahl der Kinobesucher einen Anstieg von über 20% gegenüber dem vorherigen Übertragungsformat verzeichnen konnte.

Chance nutzen und Wagner kennenlernen
Und gerade Operninteressierte sollten diese Chance nutzen. Manche Leute kennen Wagner aus dem Kino wie der Wallkürenritt aus Apocalypse Now oder den Einzug der Götter in Walhall aus Prometeus.
Wagner-Opern sind etwas Besonderes, etwas Würdevolles, etwas Feierliches. Karten für Bayreuth zu bekommen ist schwer und die Karten sind teuer. Daher ist es ideal, wenn man für vergleichsweise wenig Geld in den Genuss einer Wagner-Oper kommt. Alle Klassikinteressierten sollten diese Möglichkeit nutzen und sich an Wagner heranwagen. Natürlich lässt sich ein Kinobesuch nicht mit einem Besuch auf dem Grünen Hügel vergleichen: Dennoch sollte man es ausprobieren und sich mit der Musik von Richard Wagner vertraut machen. Wagner führte die Leitmotive in die Musik ein und wer die großen Filmmusikkomponisten wie John Williams, Jerry Goldsmith, John Barry und und und schätzt, weiß, wie wichtig Wagner für die Filmmusik ist. Und zudem ist Tannhäuser eine vergleichsweise leichte Oper von Richard Wagner, deren Leitmotive schnell ins Ohr gehen. Also nicht zögern und eine Karte fürs Kino besorgen.

Stühle im Festspielhaus oder Sessel im Kino
Ich bin zwar immer wieder fasziniert von dem 1974 Plätze fassenden Zuschauerraum des Festspielhauses in Bayreuth. Er ist schlicht eingerichtet und besteht aus gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Die Akustik in dem Konzertsaal aus Holz ist genial.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Die harten Holzklappstühle sollen eine Idee von Wagner selbst gewesen sein. Kein Zuschauer sollte einschlafen, denn bequem sind die Holzteile wirklich nicht und die Reihen sind eng, also ist mit Beine ausstrecken auch nicht viel her. Und Wagner-Opern können lang, sehr lang dauern, je nachdem wer dirigiert. Der Ring des Nibelungen erfordert Sitzfleisch. Tannhäuser ist da deutlich kürzer. Die Pausen in Bayreuth sind dringend nötig, um sich zu strecken und spazieren zu gehen.
Da ist eine Wagner-Oper im klimatisierten Kinosaal im Scala eine absolute Wohltat für den Hintern. Die Sessel sind weich, die Beine kann man ausstrecken. Wagner im Kino ist natürlich doch etwas anders als Wagner in Bayreuth. Im Kino geht es lockerer zu. Es ist möglich, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnehmen kann. In Bayreuth wird man dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft.

Technische Details der Übertragung
Natürlich geben sich die Macher alle Mühe, den Ton so gut als möglich ins Kino zu übertragen. Aber es muss auch klar sein: Der Sound wird niemals so genial klingen wie im Bayreuther Festspielhaus. Wer einmal eine Oper von Wagner dort erleben durfte, den hat der Klang umgehauen. Noch nie habe ich so einen hervorragenden Klang gehört. Allerdings braucht man dazu eine der seltenen Eintrittskarten auf den Grünen Hügel. Bei der Live-Übertragung im Kino wird man alles herausholen, was die Technik kann. Die Liveübertragung erfolgt auf höchstem technischen Niveau in HDTV 1080i und in Dolby 5.1 Sound. Das Signal wird für die Live-Übertragung in den Kinos über die beiden Satelliten Intelsat 10-02 und Eutelsat 5 West ausgestrahlt. Am Tag der Übertragung steht das Satellitensignal einige Stunden vor Beginn zur Verfügung. Untertitel von Tannhäuser auf Deutsch sind im Kino vorhanden, was günstig ist, um das Libretto zu verstehen.

Persönlicher Nachruf auf Tobe Hooper

28. August 2017
Dieses Plakat hing eine Zeitlang in meinem Zimmer.

Dieses Plakat hing eine Zeitlang in meinem Zimmer.

Im Himmel geht das Schlachten weiter. Nachdem vor kurzer Zeit George R. Romero verstorben ist, folgte nun im Alter von 74 Jahren für mich überraschend Tobe Hooper. Der Regisseur ist mir vor allem wegen drei Filmen in Erinnerung The Texas Chainsaw Massacre, Poltergeist und Lifeforce.
Mit Tooper verbinde ich persönlich den absoluten Terror-Film. Das Plakat von The Texas Chainsaw Massacre hing eine Zeitlang bei mir hinter der Tür. Der Film war für mich Terror pur und der Film verstörte mich. Lange Zeit war der Film bei uns verboten, sogar beschlagnahmend und dennoch bekam ich als interessierter Filmfan eine Kopie auf VHS zugespielt. Der Film hatte etwas beunruhigendes an sich. Er war anders als der klassische Horrorfilm: Kein Dracula, kein Frankenstein – der Irrsinn kam aus der Nachbarschaft. Aber es war anders als die Slasher, die folgten. Kein Michael Meyers oder Jason Voorhees, sondern der Terror ging weit darüber hinaus. Ich habe so etwas nur Jahre später bei Rob Zombies Captain Spaulding wieder getroffen. Kalter Terror, ohne Gnade – wirklich schlimm.
Dabei zeigte The Texas Chainsaw Massacre, oder Blutgericht in Texas oder noch schlimmer das Kettensägenmassaker als deutsche Titel, gar nicht die Brutalität: Der Film deutete diese nur an und die schlimmsten Bilder fanden in meiner Fantasie statt. Genau das war die Leistung von Tobe Hooper. Der Film zeigte nicht das Aufspießen auf einen Fleischerhaken oder das Zerteilen mit der Kettensäge – und doch sah es der Zuschauer in seiner Fantasie und diese ließ ihn nicht mehr los. Ähnlich muss es damals mit Norman Bates gegangen sein. Der Auftritt von Leatherface ist brutal und schonungslos – ohne musikalischem Motiv, einfach nur Terror.
Zudem kam ein verstörender Soundtrack – ich hatte als Jugendlicher mal eine C-90 Kassette mit dem Score. Die Kassette ist inzwischen verloren gegangen, aber es gibt ja YouTube.
Es kamen Neuverfilmungen und Varianten des Hooper-Films, manche davon gar nicht schlecht und dennoch ist das verstörende Original nie erreicht worden.

Tobe Hoopers Poltergeist und Lifeforce
Ich weiß noch, dass ich mir Poltergeist dreimal hintereinander im Kino angesehen habe. So viel Spaß hat mir der Film gemacht. Eigentlich war es ja ein Steven Spielberg-Film, aber Spielberg drehte zu dieser Zeit ET und durfte laut Gewerkschaft keine zwei Regiearbeiten gleichzeitig machen. Also durfte Tobe Hooper auf den Regiestuhl Platz nehmen und drehte einen härteren Spielberg-Film. Es war Hooper mit dem Charme von Steven Spielberg – und das machte für mich den Reiz des Themas aus. Der American Way of Life wird zum Terror. Was von Hooper kam und was von Spielberg weiß ich nicht, aber der Film hatte ganz tolle Elemente. In der Postproduktion durfte Hooper nicht teilnehmen. Michael Kahn, Spielbergs Schnittmeister, erledigte den Schnitt im Sinne seines Herrn. Und die Musik kam dieses Mal von Jerry Goldsmith, was wirklich kein Nachteil ist.
Der dritte Film von Tobe Hooper für mich war Lifeforce. Der Film hatte alles, was ein großartiger Film brauchte, wurde aber zum kompletten Mist. Ich habe nur die Kinofassung von rund 97 Minuten gesehen, der Directors Cut mit 116 Minuten kann vielleicht besser sein. Als Jugendlicher war ich von Mathilda May angetan, wer den Film gesehen hat, der weiß sicher warum. Was lässt sich sonst gutes über den Film sagen: Nun, die Spezial Effekte waren sehr gut, die Musik kam von Henry Mancini und das war es auch dann schon. Hooper hat immer wieder Filme gemacht, einige frühe hab ich auf DVD wie Brennen muss Salem oder Kabinett des Schreckens. Aber für mich kommt keiner an TSM heran, schade.

 

Filmtipp: Alien Convenant

18. Mai 2017
Mir hat Alien Convenant sehr viel Spaß gemacht.

Mir hat Alien Convenant sehr viel Spaß gemacht.

Ridley Scott, der alte Recke, kann es noch immer. Mit Alien Convenant legte er einen neuen eindrucksvollen Teil seiner Alien-Reihe vor und knüpfte damit direkt an Prometheus an. Gleich vorweg: Mir hat Alien Convenant sehr gut gefallen, aber das war nicht bei allen Zuschauern bei meinem Kinobesuch im Scala Fürstenfeldbruck der Fall. Da hatten sich einige der männlichen Kinobesucher mehr Action erwartet. Nun Action war in Alien Convenant vorhanden, aber es war auch Tiefe vorhanden. Eine Vielzahl von Kinozuschauern war von den literarischen Zitaten von Lord Byron und Mary Shelly schlichtweg überfordert und konnten Ridley Scott auf seiner Suche nicht folgen. Für diese Zuschauer war Alien Convenant eher anstrengend. Wie sagte mein Nachbar im Kino: „Zuviel Gequatsche!“

Aussteller im Kino Scala FFB

Aussteller im Kino Scala FFB

Wer aber Fan der Alien-Filme ist und sich auf eine Weiterführung von Prometheus einlassen will, der freut sich über die Handlung und die Begegnung mit dem Außerirdischen. Der Xenomorph hat sich inzwischen zur Biowaffe verändert und die Diskussion um Menschlichkeit, wie sie bereits in Ghost in the Shell geführt wurde, wird in Alien Convenant weitergeführt. Natürlich ist der flinke und höchst aggressive Neomorph der eigentliche Held, sei es als Maske oder CGI. Ich freute mich, als das Alien erstmals in voller Größe erschien. Es war wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Aus dem Xenomorph wurde ein weiterentwickelter Neomorph. Scott hat so viele Erinnerungen an sein Erstlingswerks eingebaut: Die geheimnisvollen Eier, das Herausbrechen aus dem Magen, das Signal von einem fernen Planeten und, und, und. Und es gibt eine Hommage an den großartigen H.R. Giger, dem Schöpfer des Aliens. Seine Kunst der Biomechanik wurde von Ridley Scott aufgegriffen. Als Beispiel sei die Duschszene genannt – Sexualität kombiniert mit Obsessionen über das Eindringen von etwas absolut Fremden wurde hier genial in Szene gesetzt. Es gab auch ein Wiedersehen und einen Erklärungsansatz über mein Lieblingsraumschiff schlechthin. Das hufeisenförmige fremde Raumschiff taucht wieder im Film, wobei ich hier mich nicht 100prozentig identifizieren konnte. In meiner Fantasie war dieses Raumschiff ein biomechanisches, organisches Fluggerät. In Alien Convenant klingt es, als ob es aus Metall wäre. Die Raumfahrer stapfen durch das Raumschiff und das Echo klingt nach Metall. Das hat mich wirklich gestört, weil es nicht mit meiner Fantasie deckungsgleich ist. Dennoch: Das Setdesign ist schichtweg genial. Es passt einfach zusammen und Ridley Scott kann es einfach.
Zu Alien gehört auch ein Android, in unserem vorliegenden Film heißen sie Walter und David. Michael Fassbender ist hier in einer Doppelrolle zu sehen und es macht absolut Spaß, seinem Spiel beizuwohnen. Sicherlich die eindrucksvollste Szene ist das Flötenspiel, sehr intim und großartig gespielt. Diese Intimität wird nochmals aufgegriffen als es zum Kuss zwischen David und Walter kommt. Der Gotteskomplex wird immer wieder thematisiert.
Der Name Walter setzt sich aus den Wortstämmen walt- (althochdeutsch: waltan ‚herrschen‘) und Heer (althochdeutsch: heri ‚Kampfverband‘) zusammen. Das gibt schon einen Hinweis. Und die Anspielung zu Michelangelos David ist natürlich voll beabsichtigt, obwohl Ridley Scott in der Einführungsszene bewusst den Kopf der ersten Monumentalstatue der Hochrenaissance und bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte verbirgt. David nimmt den Kampf gegen den Riesen Goliath auf – vielleicht eine Analogie, dass der Android sich gegen seinen Schöpfer Mensch wendet. Und immer wieder kommt dazu der göttliche Richard Wagner. Zweimal kommt das Rheingold vor, der Einzug der Götter in Walhall, zu Beginn des Films als Klavierauszug und zum Ende der Films als Symbol der Zeitenwende. Sie prophezeit die Götterdämmerung, das Ende der Götter – das Ende des Gottes Mensch. Wer wie mein Sitznachbar im Kino Action erwartetet, bekam zum Ende Richard Wagner und reagierte verwirrt.
Ach ja, die Musik im Film. Der Score von Alien hatte Maßstäbe gesetzt: Soundtrack-Götter wie Jerry Goldsmith gaben in der Vergangenheit den Takt an. In Alien Convenant sollte es ursprünglich Harry Gregson-Williams sein. Es wäre interessant gewesen, wie er sein Thema von Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian) weiterentwickelt hätte. Er schied allerdings aus Termingründen aus und überließ die Musik Jed Kurzel, dem ich bisher nicht viel zutraute. Sein Assassin’s Creed war mir zu heftig. Im Film Alien Convenant passte sein Score allerdings sehr gut und in den nächsten Wochen wird der Score auf CD veröffentlich. Ich werde ihn dann ausführlich besprechen.

Konzertkritik und mehr: Video Games Live in Nürnberg 2016

24. November 2016
Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Zum zweiten Jahr in diesem Jahr war ich bei Video Games Live. Nach dem Konzert in München besuchte ich nun den Auftritt in Nürnberg. Ich mag das amerikanische Show-Gehabe von Tommy Tallarico, aber vor allem mag ich Soundtracks von Videospielen.
Eine ausführliche Kritik über das Münchner Konzert habe ich in meinem Blog geschrieben. Es waren in Nürnberg ähnliche Songs am Start und es hat mir auch gefallen.


Dieses Mal möchte ich mir an dieser Stelle mehr Gedanken um Videospielsoundtracks als Kulturgut machen. Bei aller Diskussion in der Vergangenheit steht heute eindeutig fest: Videospiele sind ein Kulturgut. Games sind zu einer Leitkultur geworden. Videospiele sind aber auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Es werden mehr Videospiele umgesetzt als Karten an der Kinokasse verkauft. Und dennoch werden Gamesentwickler immernoch stiefmütterlich behandelt. Die Vergabepolitik der deutschen Förderer kümmert sich meines Erachten lieber um die Filmer als um die Gamer. Das ist ein Gefühl, handfeste Zahlen liegen mir nicht vor. Aber natürlich hat sich viel getan, die Situation rund ums Spiel ist besser geworden.


Als ich im Konzert in der Nürnberger Meistersingerhalle saß, trugen mich meine Gedanken fort, als ich die Soundtracks der Klassiker hörte. Mit Videospielen identifiziere ich mich heute mehr als mit Filmen. In Filmen muss ich passiv der Handlung folgen, die mir ein Regisseur vorgibt. Keine Frage, es gibt geniale Filme. Aber in einem Spiel kann ich in eine handelnde Person schlüpfen und mich in das Spiel einbringen. Das macht für mich den Reiz aus. Ich muss Verantwortung für meine Handlung und Entscheidungen übernehmen. Jeder Ruck am Joystick oder Gamepad hat Folgen für meine Spielfigur. Im Film kann ich nur der Figur folgen und natürlich auch mitfiebern. Beim Videospiel ist dieses Gefühl intensiver.


Sowohl Film als auch Spiel wären ärmer, wenn es den Soundtrack nicht geben würde. Ich sammle seit Jahren Filmsoundtracks. Meine Götter heißen hier John Williams und Jerry Goldsmith. Es gibt zahlreiche Lieblinge, aber sicherlich gehört Hans Zimmer nicht dazu. Immer mehr freunde ich mich mit Gamessoundtracks an. Ich kam über die Filmkomponisten zu den Gameskomponisten. Leute wie Michael Giacchino brachten Film und Spiel zusammen. Leider stelle ich fest, dass Komponisten für Soundtracks in Deutschland nicht so behandelt werden. Dabei ist für mich doch eine Selbstverständlichkeit, Leute wie Chris Huelsbeck mit seinen Kickerstarter-Aktionen zu unterstützen.


Das ist leider bei den Preisen und Auszeichnungen wenig Begeisterung für Videospielkomponisten zu spüren. Beim animago AWARD, ein Preis den ich jahrelang selbst vergeben durfte, spielt der Soundtrack keine Rolle. Aber der Score sorgt für das Gefühl in der Animation. Noch sträflicher finde ich es, dass es beim Deutschen Computerspielpreis keine Auszeichnungen für Videogameskomponisten gibt. Ich werde den Gedanken nochmals an die zuständige Staatsministerin Dorothee Bär einbringen, die sich hervorragend um Games in Deutschland kümmert. Meine Kritik habe ich bereits bei der jüngsten Verleihung in meinem Blog verfasst.


Wenn ich in die Rolle einer Spielfigur schlüpfe und dies kann auch nur ein Pixelklötzchen in einem 8-Bit Game als Retrogamer sein, dann steigert sich meine Spielerfahrung wenn sie mit Musik angereichert ist. Und wenn der Soundtrack ordentlich komponiert und arrangiert ist, dann geht der Score ins Ohr, ins Bewusstein und verbindet sich mit dem Spiel. Alles zusammen gehört zu einer Marke.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Wie emotional Videospiele sind, habe ich in Nürnberg auf dem Konzert von Video Games Live gesehen. Nach der Pause kam auf einmal ein junger Mann namens Markus auf die Bühne. Er hatte eine junge Frau mit Namen Anna dabei, die etwas verdutzt schaute. Markus machte ihr auf der Bühne vor versammelten Publikum einen Heiratsantrag, den Anna annahm. Das Ja-Wort wurde von den Besuchern der Meistersingerhalle mit donnernden Applaus belohnt. Tommy Tallarico, Organisator der Video Games Live, hat die Anfrage kurz vor seinem Nürnberger Gastspiel bekommen und zugestimmt. Vielen Dank Tommy Tallarico. Das Paar wird den Abend nicht vergessen und ich habe das Schauspiel aus einiger Entfernung mitgedreht.


Auch Hans Ippisch, heute Geschäftsführer von Computec und vor langer Zeit Videospieljournalist, hielt eine launige Ansprache und erinnerte an vergangene Zeiten.


Bei all der Musik, die an dem Abend gespielt wurde, mochte ich die Tetris Suite am liebsten. Tetris machte das Videospiel erwachsen und ist der Klassiker es Casual Games. Mein GameBoy von früher ist heute noch immer im Einsatz und Tetris liegt griffbereit.


Fast Lagerfeuerromantik brach aus, als Akteure und Publikum gemeinsam den Mario Song und I’m alive sangen. Schön war es.

 

 

Musiktipp: Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens von Williams

20. Dezember 2015
John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

Nur ein Takt von ihm und Hans Zimmer und Konsorten können einpacken. Der Meister des Soundtracks hat wieder zugeschlagen und dies mit 83 Jahren. Gemeint ist der legendäre John Williams und sein neuer Wurf ist der Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens.
Meine Erwartungshaltung war gigantisch und natürlich muss auch ein John Williams daran scheitern. Der Soundtrack zu Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht ist hervorragend, reicht aber nicht an frühere Werke heran, die aus der Feder von Williams stammen. Das bedeutet nicht, dass der Score zu Star Wars The Force Awakens irgendwie schlecht ist. Er ist nur nicht so perfekt wie andere Kompositionen von ihm und bei weitem besser als was sonst so auf dem Markt ist.
John Williams ist sich in vielen Sachen treu geblieben. Er setzt wie bisher auf die bekannten Leitmotive, die er sich vom genialen Richard Wagner abgeschaut hat. Studiokopfhörer aufgesetzt, Augen geschlossen und schon erzeugt das orchestrale Werk Bilder in meinem Kopf. Ich erkenne die alten Leitmotive, die Fanfaren, die Klänge, die mich durch die vergangenen Jahre immer begleitet haben. Motive, die zum Kulturgut der Menschheit geworden sind. Sie sind so unheimlich schön.
Und die neuen Motive? Rey’s Theme ist sehr gut geworden, aber es ist kein Imperial March. Es ist leicht, beschwingt und geht schön ins Ohr. Generell habe ich mehr Leitmotive erwartet, die ich den handelnden Personen zuordnen kann. Das war ein absoluter Pluspunkt bei den Star Wars-Soundtracks von John Williams. Hier hat sich der Meister dieses Mal zurückgehalten und einen soliden Soundtrack abgeliefert. Als Pedant stört es mich übrigens, dass John Williams die Musik nicht wie sonst mit dem London Symphony Orchestra eingespielt hat, sondern die Musik wurde in LA von Musikern aus Williams Umfeld aufgenommen. Auf dem Cover der CD wird kein Orchester vermerkt, nur über die Star Wars Website wurde darüber berichtet.
Williams stand beim Komponieren vor einem Dilemma. Im YouTube-Channel von Star Wars sagte er sinngemäß: „Ich kann mir das ohne Bezüge zu den Filmen, die wir schon kennen, gar nicht vorstellen, und da ist es angemessen, ja notwendig, einige der früheren Themen zu verarbeiten. Und das war ja das, was mir immer so Spaß gemacht an der Arbeit, an jedem einzelnen dieser Filme, denn jedes Mal konnte ich auf altes Material zurückgreifen und neues entwickeln, so dass beide Seite an Seite funktionieren und sich dann anfühlen wie ein Teil des ganzen Film-Gefüges.“ Und so erfreue ich mich an verschiedenen Anklängen aus der Vergangenheit. So wie Jeffrey Jacob Abrams mich mit Star Wars VII in meine Jugend zurückversetzt hat, so hat mich auch John Williams an die Hand genommen und mich mit der Zeitmaschine gesetzt. Ich weiß noch, wie ich die Doppel-LP zu Krieg der Sterne in meinem Kinderzimmer wieder und wieder abgespielt habe.
So viel symphonische Soundtracks mit Klasse gibt es nicht mehr. Im Olymp sind Williams, gefolgt von Jerry Goldsmith. Dann gibt es viele gute Leute – die Maschinerie von Hans Zimmer gehört nicht dazu. Leider habe ich es nicht geschafft, John Williams zu treffen, bzw ihn live zu hören. Der Mann ist 83 Jahre, ich muss mich also beeilen.
Es wird wohl der letzte Star Wars Soundtrack von John Williams sein. Den Teil VIII Rogue One komponiert Alexandre Desplat. Ihm traue ich sehr viel zu, spätestens mit Godzilla hat er einen starken Score geliefert.
Zur Veröffentlichung selbst: Ich erwarte übrigens, dass es in den nächsten Monaten noch eine Fassung mit dem kompletten Score gibt. Die Musik aus dem ersten Trailer ist bisher nicht erschienen. Universal hat zum Start des Films zwei Fassungen des Werks herausgebracht – eine Standard-Version und eine Deluxe-Version. Als Sammler habe ich freilich beide gekauft. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Verpackung. Bei der Deluxe-Version Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht gibt es ein Cover aus Pappe mit Bildchen, während die Standard-Version von Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht in der Plastikhülle daher kommt. Mehr Musik ist auf der Deluxe-Version nicht enthalten. Also klassische Geldmacherei des Disney-Konzerns.

Persönlicher Nachruf zum Tode von James Horner

23. Juni 2015

Die Nachricht kam am frühen Morgen über Twitter. William Shatner, seines Zeichens ehemaliger Captain Kirk, bedauerte, dass James Horner im Alter von 61 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Nach dem Lesen des Tweets im Bett war ich sofort hellwach.

Um 6:22 Uhr erfuhr ich vom Tode Horner via Twitter durch William Shatner.

Um 6:22 Uhr erfuhr ich vom Tode Horner via Twitter durch William Shatner.

Als Soundtrack-Fan gehört James Horner zu meinen Helden. Es gibt die Helden des Olymp wie John Williams und Jerry Goldsmith. Und dann gibt es eine Ebene darunter, dazu gehört für mich der Komponist James Horner. Sofort hatte ich die Melodie seines sicherlich bekanntesten Werkes My Heart will go on aus Titanic im Ohr.
In den nächsten Stunden stellte sich heraus, dass die Meldung vom Tode des Komponisten wohl wahr war. Mehr und mehr Newsdienste verbreiteten die Meldung – Hollywood wurde durch das Fachblatt Variety vom Verlust des Komponisten informiert Mit seinem Kleinflugzeug stürzte Horner in Kalifornien ab. Das ist traurig. Die Welt der Filmmusik verliert damit wieder einen wichtigen Vertreter und einen begnadeten Komponisten.

Hollywood trauert.

Hollywood trauert.

Horner erhielt zwei Oscars für Titanic, was neben dem hörenswerten Braveheart wohl das kommerziell erfolgreiche Album ist.
Persönlich lernte ich James Horner 1983 durch seinen Soundtrack zu den Douglas Trumbull Project Brainstorm lieben. Der Film des Trickspezialisten Trumbull war zwar ein Flop, aber der letzte Film der wunderschönen Natalie Wood, die während der Dreharbeiten verstarb. Mit dem Film wurde ich zum ersten Mal mit der tonalen Filmmusik von Horner vertraut. Wochenlang suchte ich als Jugendlicher den Soundtrack und bestellte ihn schließlich kompliziert über den Schallplattenhandel in den USA – das war die Zeit lange vor dem Internet.
Als Star Trek-Fan liebte ich die Musik von Jerry Goldsmith und als 1982 James Horner den zweiten Teil Zorn des Khan komponierte war ich zunächst enttäuscht. Paramount wollte den teueren, aber genialen Goldsmith nicht bezahlen und vergab den Auftrag der Komposition an Horner. Das gefiel mir als Trekkie nicht, aber als ich den Film im Kino sah und die Musik von Horner hörte, da war ich versöhnt. Der Mann kann es, auf jeden Fall. Inzwischen ist die Langfassung des Khan-Soundtracks veröffentlicht. Und er zeigte bei Star Trek III auch wieder sein Können.
Es kamen noch viele Soundtracks von James Horner und jüngere Kinofans kennen sicher seine Musik aus Avatar (sehr weltmusikmäßig) oder The Amazing Spider-Man. Meine persönlichen Lieblingssoundtracks sind neben Brainstorm eindeutig Willow und A Beautiful Mind sowie der komplett unterschätzte Aliens . Gerade der zweite Teil der Alien-Reihe zeigt, welch großartiger Komponist James Horner war. Normalerweise wird zum fertigen Film der Soundtrack komponiert, aber Regisseur James Cameron war mit Aliens – die Rückkehr in Verzug und schnitt den Film immer wieder um. Musik für einen unfertigen Film geht gar nicht. Dennoch musste Horner in zwei Wochen 97 Minuten Musik komponieren, die aber schließlich nicht dort eingesetzt wurde, wie sie geplant war. Horner war verständlicherweise stinksauer, aber das Publikum hat wohl davon nichts gemerkt.
Nun ist James Horner im Alter von 61. Jahren bei einem Flugzeugunglück verstorben.

Faszinierend – Persönlicher Nachruf über Leonard Nimoy

28. Februar 2015
Sein letzter Tweet

Sein letzter Tweet

Faszinierend – wirklich faszinierend, wie eine fiktive Figur mein persönliches Leben beeinflusst hat. Im Falle von Mr. Spock war es so. Das ist mir nach dem Tode von Schauspieler Leonard Nimoy bewusst geworden. Mr. Spock begleitete mich in meinem Medienleben und mir hat die Figur aus dem Universum von Gene Roddenberry viel gegeben. Die Werte von Roddenberry flossen in die Figuren von Star Trek ein und Mr. Spock vermittelte uns als Fernseh- und Kinozuschauer diese Werte.
Das erste Mal als ich die Kultserie Raumschiff Enterprise sah, war ich bei meiner Großmutter in den siebziger Jahren in den Ferien. Sonntag abend kamen die Mondmänner, wie sie meine Großmutter bezeichnete. Zuvor lief die Religionssendung Tagebuch, dann ging es mit coolsten Trademark der Filmgeschichte los. „Der Weltraum, unendliche Weiten …“

Star Trek - The Motion Picture (US 1979, - Skizze von Ken Adam

Star Trek – The Motion Picture (US 1979, – Skizze von Ken Adam

Als Kind war ich von den bunten Kostümen, von der Action und den Kulissen faszinierend. Auch die Gegenpole Kirk – Spock und McCoy – Spock erfasste ich unbewusst. Mit meinen Sandkastenfreunden diskutierte ich über die Vulkanier und die langen Ohren. Das Spitzohr war so furchtbar logisch, einfach faszinierend. Im österreichischen Fernsehen lief dann auch noch nachmittags die Zeichentrickserie, von der ich allerdings nicht mehr soviel weiß. Auch einen Comicss besaß ich einst, den ich wohl aber auf dem Flohmarkt verkauft habe.

Später kamen im Zuge des Erfolgs von Star Wars auch der erste Star Trek-Film in die Lichtspielhäuser. Mir hatte der Film gefallen – bis auf die Uniformen der Sternenflotte. Alle waren wieder mit dabei – auch Mr. Spock und sein leicht mürrische Gegenpart McCoy. Der Soundtrack Star Trek The Motion Picture von Jerry Goldsmith gehört zu den besten Scores überhaupt und ich entdecke meine Liebe zu Enterprise wieder. Ich wurde ein Trekkie und ich wurde ein Star Wars-Anhänger – ich wurde also eine Spezies, die es eigentlich gar nicht geben konnte, wie uns der Film Fanboys zeigte. Aber mir haben beide Serien gefallen, sie waren eben Science Fiction und das war meine Welt.
Alle Jahre lockten mich die Star Trek-Fortsetzungen ins Kino und auch bei der neuen Serie von J.J. Abrams war der alte Mr Spock wieder von der Partie. Er war zum Schluss nicht mehr der erste Offizier, sondern Botschafter.
Eigentlich wollte ich mal die Autobiografien „Ich bin nicht Spock“ und dann „Ich bin Spock“ von Leonard Nimoy lesen, kam aber bisher nicht dazu. Die Biografie von Wilhelm Shatner Durch das Universum bis hierher war mir wichtiger. Aber ich hörte die Musik von Nimoy und Shatner und hatte viel Spaß daran. Jedem Fan der Serie kann ich die verschiedenen CDs absolut empfehlen – und Nimoy konnte singen, ein bisschen wenigstens. Shatner kann übrigens nicht singen.

Wilhelm Shatners Kommentar

Wilhelm Shatners Kommentar

Ich habe mir mal einen Fotoband von Leonard Nimoy angesehen. Er enthielt dicke Frauen. Die Fotos waren gut, aber hauten mich nicht vom Hocker. Es war nicht mein Ding. Mehr mein Ding war mein erster Bildschirmschoner am Mac. Er stammte aus der Reihe der Flying Toasters – After Dark und es gab ein Ad on zu Star Trek. Dort trat Mr. Spock und Konsorten auch auf. Und ich habe diesen Screensaver geliebt – vielleicht ging es euch ebenso.
Nun ist Leonard Nimoy im Alter von 83 Jahren verstorben. Er wird in keinem Star Trek mehr als Spock auftreten. Und nie mehr werden wir auf einer Convention den Gruß von ihm bekommen „Live long and prosper“. Vielen Dank Mr. Spock – du bist nun Teil der Pop-Kultur.

spock

Remake von Poltergeist 2015 – nee echt jetzt?

23. Februar 2015

Muss es wirklich sein? Muss es wirklich sein, dass wir von Poltergeist eine Neuauflage diesen Sommer bekommen? Via Twitter habe ich von der Neuverfilmung des Tope Hooper Klassikers erfahren und voller Neugierde den ersten Trailer angesehen. Seht selbst:

Ja, das Teil ist gut gemacht, spannend sogar. Aber warum brauche ich so eine Verfilmung? Dollar, Dollar, Dollar – und Hollywood hat absolut keine Ideen mehr.
Vom filmischen und dramaturgischen Standpunkt aus gesehen, ist Poltergeist von 1982 eine Wucht. Sicherlich hatte Produzent Steven Spielberg massive seine Finger drin, durfte aus gewerkschaftlichen Gründen nicht Regie führen, weil er mit E.T. der Außeridische beschäftigt war. Deshalb musste Holzhammer Mr. Kettensäge Tope Hooper einspringen und heraus kam für mich einer der besten Horrorfilme der 80er Jahre. Die spürbare Terrorgewalt von Tope Hopper und das Erzähltalent und Einfühlungsvermögen von Steven Spielberg. Hinzu kam die wunderbare Musik von Jerry Goldsmith – der Filme hatte das Zeug zum Klassiker und ist auch einer geworden. Nette Anspielungen seiner Zeit wie die Reagan-Bio im Bett oder Star Wars-Bettwäsche waren die Zuckerl. Der Film war so gut, dass zwei Fortsetzungen gedreht wurden, die gar nicht so schlechht waren.
Und nun kommt statt dem Fernseher das Böse eben aus dem Wäscheschrank. Statt Röhre steht eine 4K-Glotze rum. Moderner ist der Film von 2015 freilich geworden, aber ob er besser geworden ist, muss sich zeigen. Fest steht, dass Produzent Sam Raimi nun mitmischt. Der Tanz der Teufel-Mann hat nach seinen Spider-Man-Ausflügen ins Blockbuster-Kino sich wohl seiner Horrorwurzeln besonnen und brachte uns schon einmal seine neue Version von Tanz der Teufel zurück – ohne Charme, aber mit viel Blut. Jetzt ist Poltergeist an der Reihe. Die Effekte sind prima, das zeigt der Trailer jetzt schon. Ach ja, Regie führt nun Gil Kenan, der schon das Monster House drehte und damit über zweifelhafte Horror Erfahrung verfügt.
Da es sich um eine Neuverfilmung handelt, bleibt die Story grundsätzlich beim Alten: Familie im Haus wird von Geistern heimgesucht, die von einem Friedhof unter dem Gebäude stammen. Und die bösen Geister haben es auf die kleine Tochter der Familie abgesehen, nachdem alle sich am Stühle- und Möbelrücken begeistert haben. Der Poltergeist lässt die Sau raus und von außerhalb naht Rettung.


Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich bleibe skeptisch. Das erste Remake von Poltergeist steuerte Roland Emmerich mit Joey bei und der war eher naja. Was soll denn in den neuem Film besser werden? Höchstens die Effekte. 2015 wird uns CGI bringen, aber brauch ich das? Ich habe mich 1982 im Kino gegruselt. CGI alleine bringt kein besseres Kino, das sollte Hollywood doch inzwischen wissen.
Den Soundtrack von 1982 lieferte Jerry Goldsmith ab – genial. Und wer soll nun den Soundtrack machen? Für mich könnte höchstens John Williams die Leistung toppen. Doch der alte Mann wird mit Star Wars zu tun haben und sich nicht im Kindergarten herumtreiben. Goldsmith ist ja leider auch verstorben. Ich empfehle übrigens den Soundtrack Poltergeist von Goldsmith ausdrücklich.
Und ihr geldgierigen Geier in Hollywood: Macht mir meine Jugend nicht kaputt. Nach so komischen Neuverfilmungen von Tanz der Teufel (bäh), The Texas Chain Saw Massacre (bäh, bäh) und Carrie (oh nein) kommt jetzt Poltergeist an die Remake-Reihe. Ich glaube nicht, dass sich die heutige Jugend von einem Poltergeist erschrecken lässt. Mal sehen, was sich Hollywood als nächstes vornimmt: Wie wäre es mit Rosemaries Baby? Da könnt ihr dann richtig Mist machen.
Habt endlich neue Idee und wärmt nicht die alten Ideen neu auf. Kein Wunder, dass ich dem Kino mehr und mehr fernbleibe. Am 30. Juli 2015 soll übrigens das Remake in die Kinos kommen.