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60 Jahre Raumschiff Enterprise – Die Zukunft als moralisches Versprechen

8. September 2026

Als Trekkie ist es für mich ein besonderer Tag. Am 8. September 1966 geschah im amerikanischen Fernsehen etwas, dessen Bedeutung damals kaum jemand absehen konnte. NBC strahlte die erste Folge einer neuen Science-Fiction-Serie aus. Ihr Titel lautete „Star Trek“, in Deutschland sollte sie einige Jahre später unter dem Namen „Raumschiff Enterprise“ bekannt werden. Die Einschaltquoten waren keineswegs überwältigend, die Produktion stand mehrfach vor dem Aus und nach nur drei Staffeln und 79 Episoden war zunächst Schluss. Im Juni 1969 wurde die Serie eingestellt. Eigentlich hätte es das gewesen sein können. Ich darf heute ein kostenloses Online-Seminar zu 60. Jahre Enterprise halten. Wer Interesse hat, bitte melden.

Doch sechzig Jahre später wissen wir, dass dies erst der Anfang war. Aus einer abgesetzten Fernsehserie wurde eines der bedeutendsten Science-Fiction-Franchises der Kulturgeschichte. Star Trek brachte zahlreiche Fernsehserien, Kinofilme, Romane, Comics, Spiele und eine weltweite Fangemeinde hervor. Begriffe wie Warp-Antrieb, Phaser, Klingonen oder Vulkanier sind längst Bestandteil der Popkultur. Figuren wie Captain Kirk, Mr. Spock oder Jean-Luc Picard kennen selbst Menschen, die niemals eine komplette Star-Trek-Episode gesehen haben. Hier übrigens ein Corgi-Modell der ersten Enterprise.

Doch die eigentliche Bedeutung von Star Trek liegt tiefer. Die Serie erzählte nie nur davon, dass Menschen eines Tages schneller als das Licht fliegen, fremde Planeten besuchen oder sich von einem Ort zum anderen beamen könnten. Star Trek formulierte von Anfang an eine politische und moralische Hoffnung: Der Mensch könnte eines Tages vernünftiger, toleranter und friedlicher sein als heute.

Eine Zukunft gegen die Ängste der Gegenwart
Als Gene Roddenberry Star Trek entwickelte, befand sich die Welt mitten im Kalten Krieg. Die Kubakrise lag erst wenige Jahre zurück. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion standen sich mit gewaltigen Atomwaffenarsenalen gegenüber. Der Vietnamkrieg eskalierte. Gleichzeitig kämpfte die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und Diskriminierung. Martin Luther King hatte 1963 seine berühmte Rede „I Have a Dream“ gehalten. Nur wenige Jahre später, 1968, wurde er ermordet.

Mitten in diese von Krieg, Rassismus und atomarer Vernichtungsangst geprägte Gegenwart setzte Gene Roddenberry ein erstaunliches Gegenbild. Auf der Brücke der Enterprise arbeiteten Menschen unterschiedlicher Herkunft selbstverständlich miteinander. Der japanischstämmige Hikaru Sulu saß neben der schwarzen Kommunikationsoffizierin Uhura. Später kam mit Pavel Chekov sogar ein Russe hinzu – mitten im Kalten Krieg. Captain James T. Kirk kommandierte keine amerikanische Streitmacht, sondern ein Schiff einer Menschheit, die ihre nationalen Gegensätze zumindest weitgehend überwunden hatte.

Allein dieses Bild war politisch. Star Trek behauptete etwas, das 1966 keineswegs selbstverständlich erschien: Die Menschheit hat eine Zukunft. Und mehr noch: Sie könnte sogar eine gemeinsame Zukunft haben.

Der Weltraum wurde deshalb bei Star Trek nicht zum Fluchtpunkt vor einer zerstörten Erde. Er war der nächste Schritt einer gereiften Zivilisation. Die Menschen hatten nicht alle Konflikte überwunden, aber sie hatten begonnen, aus ihrer Geschichte zu lernen. Rassismus, Nationalismus und viele soziale Gegensätze sollten irgendwann Relikte einer primitiveren Vergangenheit sein.

Das unterschied Star Trek von vielen dystopischen Zukunftsentwürfen. Die Serie fragte nicht ausschließlich, was geschehen würde, wenn die Menschheit versagt. Sie fragte, was möglich wäre, wenn sie sich weiterentwickelt.

Die Enterprise als politische und moralische Utopie
Gene Roddenberry beschrieb sein Konzept anfangs gern als eine Art Western im Weltraum. Tatsächlich steckte hinter der Enterprise jedoch von Beginn an eine wesentlich größere Idee. Das Raumschiff war ein Labor der Aufklärung. Fremde Welten wurden besucht, unbekannte Lebensformen untersucht und gesellschaftliche Systeme miteinander verglichen. Die Besatzung sollte beobachten, lernen und verstehen.

Das bedeutete nicht, dass auf der Enterprise keine Waffen vorhanden waren. Ganz im Gegenteil: Phaser und Photonentorpedos gehörten selbstverständlich zur Ausstattung. Starfleet konnte kämpfen und tat es immer wieder. Doch zumindest der moralische Anspruch lautete, Gewalt nicht zur ersten Antwort zu machen.

Der Fremde war nicht automatisch der Feind. Er war zunächst etwas Unbekanntes, das verstanden werden musste. Diese Idee zieht sich durch nahezu das gesamte Franchise. Immer wieder begegnen die Besatzungen Wesen, deren Aussehen, Kultur oder Denken fundamental anders sind. Die zentrale Frage lautet dann häufig nicht: Wie können wir sie besiegen? Sondern: Wie können wir mit ihnen kommunizieren?
Damit wurde die Enterprise zu einem Gegenmodell zu einer Politik, die Fremdheit grundsätzlich als Bedrohung versteht.

Spock, McCoy und Kirk – Vernunft, Gefühl und Verantwortung
Kaum eine Figur verkörpert die philosophische Dimension von Star Trek besser als Spock. Der Vulkanier ist halb Mensch und halb Vulkanier und trägt damit einen der zentralen Konflikte der Serie buchstäblich in sich selbst. Auf der einen Seite stehen Vernunft und Logik, auf der anderen Emotion und menschliche Leidenschaft.

Spock versucht, Entscheidungen rational zu treffen. Dr. Leonard „Pille“ McCoy argumentiert dagegen häufig emotional und moralisch. Zwischen beiden steht Captain Kirk.

Diese berühmte Dreierkonstellation ist wesentlich raffinierter, als sie zunächst erscheint. Star Trek behauptet nicht einfach, Vernunft sei gut und Emotion schlecht. Ebenso wenig wird das Gefühl über die Logik gestellt. Gute Entscheidungen entstehen häufig aus dem Spannungsverhältnis beider Positionen.

Spock fragt: Was ist logisch? McCoy fragt: Was ist menschlich? Und Kirk muss entscheiden: Was ist richtig?

Damit wird die Brücke der Enterprise immer wieder zum philosophischen Seminar mit Warp-Antrieb. Hinter Weltraumabenteuern verstecken sich Fragen nach Verantwortung, Schuld, Freiheit und der Würde des Einzelnen.

Uhura und die gesellschaftliche Revolution auf der Brücke
Besonders deutlich wird die gesellschaftspolitische Bedeutung der ursprünglichen Serie an Lieutenant Uhura. Nichelle Nichols spielte keine Dienerin, keine Haushaltshilfe und keine exotische Randfigur. Uhura war Offizierin eines Raumschiffs. Sie saß auf der Brücke, gehörte zur Führungsbesatzung und trug Verantwortung. Heute mag das selbstverständlich erscheinen. Im amerikanischen Fernsehen der sechziger Jahre war es das keineswegs.

Berühmt wurde die Geschichte, dass Nichelle Nichols die Serie verlassen wollte. Bei einer Veranstaltung begegnete sie Martin Luther King Jr. Er überzeugte sie nach ihrer späteren Erinnerung davon, weiterzumachen. Ihre Rolle sei wichtig, weil schwarze Amerikaner hier nicht als gesellschaftliche Außenseiter dargestellt würden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Zukunft.

Diese Wirkung reichte weit über das Fernsehen hinaus. Nichols arbeitete später mit der NASA zusammen und warb gezielt Frauen und Angehörige von Minderheiten für das amerikanische Raumfahrtprogramm an. Aus der Fiktion entstand damit eine bemerkenswerte Wechselwirkung mit der Wirklichkeit: Star Trek zeigte eine vielfältigere Raumfahrt der Zukunft und half schließlich dabei, die reale Raumfahrt vielfältiger zu machen.

Untrennbar mit dieser gesellschaftlichen Bedeutung verbunden ist auch der Kuss zwischen Kirk und Uhura in der 1968 ausgestrahlten Episode „Plato’s Stepchildren“. Häufig wird er als erster Kuss zwischen einem weißen und einem schwarzen Menschen im Fernsehen bezeichnet. Ganz korrekt ist diese vereinfachte Darstellung historisch nicht, denn es gab frühere Beispiele. Dennoch war die Szene im amerikanischen Network-Fernsehen außergewöhnlich und gesellschaftlich provokant.

Die eigentliche Kraft der Szene liegt rückblickend vielleicht darin, wie selbstverständlich Star Trek etwas zeigte, das in der Realität noch keineswegs selbstverständlich war. Genau das gehörte zu den wirkungsvollsten politischen Mitteln der Serie: Sie erklärte nicht ständig, wie eine tolerantere Gesellschaft aussehen sollte. Sie zeigte sie einfach.

Kalter Krieg, Vietnam und die Politik im Weltraum
Science-Fiction bot Gene Roddenberry und seinen Autoren einen großen Vorteil. Sie konnten über die politischen Konflikte ihrer Gegenwart sprechen, ohne sie immer beim Namen nennen zu müssen. Aus Amerikanern und Sowjets konnten Föderation und Klingonen werden. Aus Stellvertreterkriegen wurden Konflikte auf fernen Planeten. Aus dem Wettrüsten wurde ein Konflikt zwischen interstellaren Mächten.

Besonders deutlich geschah dies in der Episode „A Private Little War“. Zwei Gruppen auf einem Planeten geraten in einen Konflikt, bei dem externe Mächte die jeweiligen Seiten mit immer besseren Waffen ausstatten. Die Parallelen zum Vietnamkrieg waren kaum zu übersehen.

Damit stellte Star Trek eine unangenehme Frage, die bis heute aktuell geblieben ist: Kann man Frieden schaffen, indem man immer mehr Waffen liefert?

Die Serie gab darauf nicht immer eindeutige Antworten. Gerade das machte sie interessant. Kirk traf Entscheidungen, deren moralische Konsequenzen keineswegs immer sauber aufgelöst wurden. Star Trek war deshalb trotz seines Optimismus niemals eine vollkommen naive Friedensutopie. Die Föderation besitzt Waffen, Starfleet kann Krieg führen und die Enterprise ist keineswegs ein wehrloses Forschungsschiff. Aber Gewalt sollte das letzte Mittel sein. Zumindest war dies der Anspruch.
Und aus der Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit entstanden einige der besten Geschichten des gesamten Franchise.

Die Oberste Direktive und die Grenzen der eigenen Moral
Kaum ein Prinzip verdeutlicht die moralische Ambivalenz von Star Trek besser als die Oberste Direktive. Die Föderation soll sich grundsätzlich nicht in die natürliche Entwicklung anderer Kulturen einmischen.

Dahinter steckt ein bemerkenswerter Gedanke. Eine technisch überlegene Zivilisation besitzt nicht automatisch das moralische Recht, anderen Gesellschaften ihre Werte aufzuzwingen. Die Oberste Direktive kann deshalb durchaus als Kritik an Kolonialismus, Imperialismus und kultureller Überheblichkeit verstanden werden.

Doch Star Trek macht es sich nicht einfach. Was geschieht, wenn Nichteinmischung Millionen Menschen das Leben kostet? Was passiert, wenn eine Gesellschaft von einer brutalen Diktatur beherrscht wird? Darf die Enterprise eine Naturkatastrophe verhindern, obwohl sie damit die Entwicklung einer Zivilisation verändert? Und wann wird aus gut gemeinter Hilfe Bevormundung? Aus einer scheinbar einfachen Regel wird dadurch ein moralisches Dilemma.
Genau darin liegt eine der großen Qualitäten von Star Trek. Die Serie interessiert sich häufig weniger für einfache Antworten als für schwierige Entscheidungen.

The Next Generation – der Humanismus wird erwachsen
Als „Star Trek: The Next Generation“ 1987 startete, war aus der kleinen Kultserie längst ein großes kulturelles Phänomen geworden. Mit Captain Jean-Luc Picard erhielt das Franchise zugleich eine vollkommen andere Kommandantenfigur.

Picard war Diplomat, Archäologe, Intellektueller und Humanist. Wo Kirk manchmal zuerst handelte und anschließend diskutierte, wollte Picard möglichst lange diskutieren, bevor gehandelt wurde. Die neue Enterprise wurde dadurch noch stärker zu einem Ort philosophischer und politischer Auseinandersetzungen.

Gleichzeitig entwickelte die Serie Roddenberrys gesellschaftliche Utopie weiter. Die Menschheit des 24. Jahrhunderts hatte materielle Knappheit weitgehend überwunden. Geld spielte zumindest im menschlichen Alltag kaum noch eine Rolle. Replikatoren konnten viele materielle Bedürfnisse erfüllen. Armut, wie wir sie kennen, sollte auf der Erde überwunden sein.

Damit stellte Star Trek eine radikale Frage: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn Menschen nicht mehr hauptsächlich arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

Roddenberrys Antwort war optimistisch. Der Mensch würde nicht zwangsläufig faul oder bedeutungslos. Er könnte nach Wissen, Erfahrung, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlichem Fortschritt streben.

Vielleicht ist das die kühnste Utopie des gesamten Franchise. Nicht Warp-Antrieb, Transporter oder Holodeck sind die revolutionärsten Erfindungen von Star Trek. Es ist die Vorstellung, dass der Mensch selbst sich verändern kann.

Was ist ein Mensch?
Mit „The Next Generation“ rückte außerdem eine Frage stärker in den Mittelpunkt, die angesichts der heutigen Entwicklung künstlicher Intelligenz erstaunlich aktuell erscheint: Was macht ein Wesen zu einer Person?

Der Android Data wurde zum Mittelpunkt dieser Debatte. Er denkt, lernt, entwickelt Freundschaften und versucht zu verstehen, was Menschlichkeit bedeutet. Aber besitzt er Rechte? Darf er Eigentum der Sternenflotte sein? Darf über seinen Körper verfügt werden? Darf man ihn abschalten oder auseinandernehmen, weil er künstlich geschaffen wurde?

Die eigentliche Frage lautet dabei nicht nur, ob Data ein Mensch ist. Sie lautet vielmehr: Wer gibt uns das Recht zu entscheiden, wer als Person gelten darf?

Später stellte Star Trek ähnliche Fragen anhand künstlicher Intelligenzen, Hologramme und anderer Lebensformen. Damit erweitert das Franchise die Idee der Menschenrechte gedanklich zu universellen Rechten empfindungsfähiger Wesen. Science-Fiction wird hier zu Ethik.

Deep Space Nine – wenn die Utopie schmutzige Hände bekommt
In den neunziger Jahren begann Star Trek schließlich, seine eigene Utopie kritischer zu betrachten. „Deep Space Nine“ konfrontierte die Föderation mit Situationen, in denen moralische Prinzipien plötzlich einen hohen Preis hatten.

Der Krieg gegen das Dominion veränderte die Perspektive. Was bleibt von den eigenen Werten, wenn die eigene Existenz bedroht ist? Darf man lügen, um einen Krieg zu gewinnen? Darf man einen Gegner täuschen? Darf man moralische Grenzen überschreiten, wenn dadurch Millionen Menschen gerettet werden?

Captain Benjamin Sisko wurde dadurch zu einer der interessantesten Figuren des Franchise. Jean-Luc Picard konnte häufig darüber sprechen, wie eine ideale Gesellschaft handeln sollte. Benjamin Sisko musste erleben, wie schwierig es ist, diese Ideale zu bewahren, wenn Menschen sterben und ganze Welten bedroht sind.

Gerade deshalb gehört „Deep Space Nine“ zu den politisch interessantesten Star-Trek-Serien. Sie zerstört Roddenberrys Utopie nicht. Sie stellt sie auf die Probe.

Eine Utopie hat schließlich nur dann einen Wert, wenn ihre Prinzipien auch in schwierigen Zeiten gelten.

Die Borg und der Wert des Individuums
Eine vollkommen andere Bedrohung stellen die Borg dar. Sie gehören zu den eindrucksvollsten politischen und philosophischen Metaphern des Franchise. Bei ihnen existiert keine individuelle Freiheit. Jeder Einzelne wird Teil eines Kollektivs. Gedanken, Erinnerungen, Körper und Persönlichkeit werden assimiliert.

„Widerstand ist zwecklos“ wurde zu einem der berühmtesten Sätze der gesamten Star-Trek-Geschichte.

Die Borg sind deshalb so erschreckend, weil sie ihre Opfer nicht einfach töten. Sie nehmen ihnen das Ich.

Damit verkörpern sie die radikale Negation eines zentralen Star-Trek-Wertes: der Selbstbestimmung. Die Föderation versucht, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden, ohne ihre Unterschiede vollständig auszulöschen. Die Borg dagegen lösen jeden Unterschied auf.

Die Föderation sagt: Unterschiedlichkeit kann uns stärker machen.
Die Borg sagen: Unterschiedlichkeit muss beseitigt werden.
Damit sind sie weit mehr als besonders gefährliche Weltraummonster.

Die große Idee der Vielfalt
Eine der bekanntesten vulkanischen Ideen lautet IDIC – „Infinite Diversity in Infinite Combinations“, also unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen. Darin steckt ein wesentlicher Gedanke des gesamten Franchise. Toleranz bedeutet im besten Star Trek nicht, den anderen widerwillig zu ertragen. Vielfalt besitzt einen eigenen Wert.

Menschen, Vulkanier, Andorianer, Tellariten und zahlreiche andere Spezies müssen nicht gleich werden, um miteinander leben zu können. Sie dürfen unterschiedliche Traditionen, Überzeugungen und Lebensweisen besitzen.

Das ist ein bemerkenswert moderner Gedanke. Frieden entsteht nicht dadurch, dass alle Menschen identisch denken. Frieden entsteht dadurch, dass unterschiedliche Menschen lernen, miteinander zu leben.

Dabei war Star Trek selbst niemals perfekt. Die ursprüngliche Serie war für ihre Zeit fortschrittlich, blieb aber zugleich ein Produkt der sechziger Jahre. Frauen wurden häufig sexualisiert, Führungspositionen blieben überwiegend Männern vorbehalten und manche gesellschaftlichen Themen wurden lange ausgeblendet. Auch spätere Serien benötigten erstaunlich viel Zeit, um beispielsweise LGBTQ-Themen selbstverständlich darzustellen. Selbst Roddenberrys Zukunft konnte sich nicht vollständig von den Grenzen ihrer jeweiligen Gegenwart lösen.

Vielleicht macht gerade das die Entwicklung des Franchise interessant. Star Trek musste seine eigene Vorstellung von Toleranz immer wieder erweitern.

Von der abgesetzten Serie zum Weltphänomen
Nach dem Ende der ursprünglichen Serie 1969 hätte Star Trek verschwinden können. Doch Wiederholungen machten die Serie populärer, als sie während ihrer eigentlichen Erstausstrahlung gewesen war. Eine leidenschaftliche Fangemeinde entstand. Conventions wurden organisiert, Fans schrieben Briefe und hielten die Enterprise am Leben.

1979 kehrten Kirk, Spock und McCoy mit „Star Trek: The Motion Picture“ auf die große Leinwand zurück. Weitere Kinofilme folgten. 1987 begann mit „The Next Generation“ schließlich eine zweite große Ära. Danach kamen „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“. Weitere Kinofilme führten zunächst die ursprüngliche Mannschaft und später Picards Crew ins Kino. 2009 startete J. J. Abrams eine neue Filmreihe mit alternativer Zeitlinie.

Mit „Discovery“, „Picard“, „Lower Decks“, „Prodigy“, „Strange New Worlds“ und weiteren Produktionen entwickelte sich Star Trek endgültig zu einem generationenübergreifenden Universum.

Nicht jede Serie interpretierte Roddenberrys Vision gleich. Manche Produktionen setzten stärker auf Action, andere auf Politik, Humor, Nostalgie oder persönliche Konflikte. Fans diskutieren deshalb seit Jahrzehnten darüber, was eigentlich „echtes Star Trek“ sei.

Vielleicht lässt sich die Antwort erstaunlich einfach formulieren: Star Trek ist dort am stärksten, wo eine fantastische Geschichte benutzt wird, um eine menschliche Frage zu stellen.

Die wichtigste Technologie heißt Hoffnung
Natürlich hat Star Trek Generationen von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern inspiriert. Kommunikatoren erinnern rückblickend an Mobiltelefone. Tablets, Sprachsteuerung, Videokonferenzen, medizinische Scanner, künstliche Intelligenz und virtuelle Welten gehörten auf der Enterprise zum Alltag, lange bevor vergleichbare Technologien Teil unseres Lebens wurden. Doch das wichtigste Zukunftsversprechen von Star Trek ist kein technisches. Es ist ein gesellschaftliches.

Raumschiff Enterprise behauptete 1966, dass Russen und Amerikaner eines Tages gemeinsam arbeiten könnten. Dass schwarze Frauen selbstverständlich auf der Kommandobrücke eines Raumschiffs sitzen würden. Dass ehemalige Feinde Partner werden könnten. Dass die Menschheit Armut und viele Krankheiten überwinden könnte. Dass Wissenschaft wichtiger sein könnte als Aberglaube, Diplomatie stärker als Gewalt und Neugier stärker als Angst.

Und vor allem behauptete Star Trek, dass unsere Fehler nicht zwangsläufig unsere Zukunft bestimmen müssen. Das war 1966 eine gewagte Vorstellung. Sechzig Jahre später ist sie es wieder.

Wir leben erneut in einer Zeit geopolitischer Konfrontationen. Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Großmächte rüsten auf. Gesellschaften polarisieren sich. Nationalistische Bewegungen gewinnen vielerorts an Einfluss. Künstliche Intelligenz zwingt uns dazu, neu über Arbeit, Bewusstsein, Kreativität und Verantwortung nachzudenken. Gleichzeitig steht die Menschheit vor globalen Problemen, die sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen lassen.

Vor diesem Hintergrund wirkt Star Trek erstaunlich aktuell. Nicht weil Gene Roddenberry unsere Gegenwart vorhergesagt hätte, sondern weil er eine Alternative formulierte.

Star Trek sagt nicht, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Sechzig Jahre Geschichten zeigen genügend grausame Menschen, korrupte Admiräle, Kriege, Verräter und politische Fehlentscheidungen. Die Botschaft ist anspruchsvoller. Der Mensch kann besser werden.
Aber er muss sich dafür entscheiden.

Vielleicht ist das der wichtigste Unterschied zwischen Star Trek und vielen Dystopien. Dystopien warnen uns davor, was passieren könnte, wenn alles schiefgeht. Star Trek fragt, was passieren könnte, wenn wir einiges richtig machen.

Die Enterprise fliegt deshalb seit sechzig Jahren nicht nur durch den Weltraum. Sie fliegt auf eine Idee zu: auf eine Menschheit, die ihre Unterschiede nicht dadurch überwunden hat, dass sie sie beseitigte, sondern indem sie gelernt hat, mit ihnen zu leben. Auf eine Gesellschaft, in der Wissen höher geschätzt wird als Besitz, Diplomatie höher als Gewalt und Neugier höher als Angst.

Natürlich ist das eine Utopie. Aber Utopien sind keine Baupläne. Sie sind Richtungsangaben.

Und vielleicht brauchen wir gerade deshalb auch nach sechzig Jahren noch ein Raumschiff namens Enterprise, das mutig dorthin fliegt, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

Star Trek Day 2021: Gedanken zu Star Trek – der Film

8. September 2021

Ja, ich bin ein Trekkie. Das ist ein klares Bekenntnis zum heutigen Star Trek-Tag. Ich bin gespannt, welche Überraschungen es heute gibt. Klar ist, dass heute Star Trek – der Film auf 4K Star Trek I-IV veröffentlicht wird.
Ich erinnere mich noch, als Star Trek ins Kino kam. 1980 war ich im Science Fiction-Fieber. Ich hatte Krieg der Sterne gesehen, fand Kampfstern Galactica und Buck Rogers großes Kino und hört dann, das Raumschiff Enterprise mit Star Trek – der Film ins Kino sollte. Ich war gespannt, wie sich meine TV-Helden entwickelt haben und löste voller Erwartung meine Kinokarte.

Erst langweilig, heute ein Genuss: Star Trek der Film

Und was bekam ich zu sehen? Über 100 Minuten Langeweile. Wo war das actionsreiche Erzählkino, an dass ich mich als SF-Fan gewöhnt hatte? Wo waren die Schlachten zwischen Raumschiffen der Föderation und Klingonen? Zugegeben die Tricks waren schön anzusehen, aber die Bedrohungsstory aus dem All mit Voyager riss mich nicht vom Hocker. Die kahlköpfige Hauptdarstellerin machte mich nicht an. Irgendwie empfand ich den Film als blöde – so mein fachmännisches Urteil als Jugendlicher. Star Trek hatte sich für mich erledigt.

Doch dann geschah etwas seltsames. Immer wieder kam mir der Film in Erinnerung. Mein Interesse für Soundtracks wuchs und suchte sich neue Nahrung. John Barry hatte ich entdeckt und dann kam Jerry Goldsmith. Jahrzehnte später liebe ich den Score in all seinen Ausgaben – für mich einer der besten Goldsmith-Kompositionen.

Auf dem Flohmarkt kaufte ich mir den Roman von Gene Roddenberry, erschienen bei Moewig. Das Buch wurde später vom Heyne Verlag mit Filmfotos neu aufgelegt, aber diese Ausgabe hab ich nicht. Bei der Lektüre konnte ich die Geschichte von Voyager nachlesen und verstand die Moral, die mir als Jugendlicher entgangen ist.

Und auch die Crew der Enterprise wuchs mir wieder ans Herz. Khan kam in Teil 2, die Suche nach Spock in Teil 3. Star Trek-Kinofilme waren wie ein Klassentreffen. Ich war neugierig, wie sich Kirk und Spock, Pille und Scottie verändert haben. Ich erwarb eine Super 8 Kopie von Star Trek und sah mir in komprimierter Form den Film an. Dann kamen die VHS-Cassette und Laserdisc. Jahre später folgte dann die DVD. Im Keller lagert auch noch der Directors Cut.

Die optischen Ansprüche wurden größer und ich kaufte mir die Bluray – und ja nun wird es die 4K-Version Star Trek I-IV werden. Ich höre, dass der Director Cut erst später, in sechs bis neun Monaten nochmal gesondert veröffentlicht werden soll, weil das Material damals für SD gedreht wurde und nun aufwendig für das scharfe Bild bearbeitet werden muss. Naja egal, dann greife ich dann wieder in die Tasche – mit uns Trekkies kann man es ja machen.

Raumpatrouille Orion noch immer stilprägend

22. September 2020

Die deutsche Antwort auf Raumschiff Enterprise war Raumpatrouille Orion und ich habe mir die sechsteilige Serie mal wieder auf Laserdisc angeschaut.
Es war ein „Märchen von übermorgen“ und anders als die friedliebenden Trekkies war Orion eher militärisch geprägt. George Lucas muss die Serie irgendwie gesehen haben, denn die Uniformen der imperialen Offiziere sehen doch ganz nach Raumpatrouille aus.
Innovativ war die Serie auf jeden Fall. Sie sah Erfindungen voraus, wie manche andere SF-Serie ebenso. Die Apple Watch kam ebenso vor wie FaceTime, die Visiorübertragung hieß. Allerdings wurde die Navigation durch den Raum noch mit Lochstreifen geführt – ganz so modern war man dann doch nicht. Und die Roboter der Serie glichen dann doch den Kampfmaschinen aus Ghost in the Shell – es kommt eben alles wieder.
Raumpatrouille war stilprägend. Das auf jeden Fall. Die Serie hatte Auswirkungen auf die Popkultur in Deutschland. Ein Beispiel ist, dass der Countdown zum Start bei Kraftwerk wieder aufgenommen wurde – was kann es für einen besseren Ritterschlag geben?
Aber ich musste beim Wiedersehen der Serie ganz schön schlucken, wenn ich das Frauenbild der damaligen Zeit ansehe. Natürlich war es überzogen, aber ein wahrer Kern steckte sicherlich im Drehbuch. Das Rollenbild der Sechziger war in Raumpatrouille festgeschrieben. In Folge 5 erklärt Commander Cliff Allister McLane mit völligem Unverständnis: Auf Chroma bestimmen die Frauen. Es fällt sogar die Ausdrucke „Weiberkolonie“ und „Amazonenzirkus“. In Sachen Emanzipation hatten die Chauvinisten der Raumpatrouille dann doch einigen Nachholbedarf.

Was mich ärgert. Von der Serie gibt es neben der Laserdisc nur eine DVD Raumpatrouille , aber leider keine Blu-ray. Warum eigentlich?
Ach ja, die Musik von Peter Thomas ist noch immer göttlich und wehe, hier widerspricht jemand. Ich habe sogar noch eine limitierte, signierte Ausgabe.

Buchkritik: Durch das Universum bis hierher von William Shatner

24. Juli 2015

shatner

Auch wenn es William Shatner eine Zeitlang nicht hören wollte, er ist für mich Captain Kirk von Raumschiff Enterprise. Am Todestag seines Kollegen und Freundes Leonard Nimoy kaufte ich mir die Autobiografie Durch das Universum bis hierher von William Shatner und kam jetzt erst zum Lesen.
Es ist ein nettes Buch, das an zwei Tagen gelesen ist. Für mich zeigt es in humorvoller Art den Kampf eines Schauspielers, der es eben nicht an die Spitze der Schauspielkunst geschafft hat, sondern im Grunde auf James T. Kirk und T.J. Hocker festgelegt ist. Boston Legal schaute ich mir kaum an, ist aber sicherlich auch eine wichtige Rolle. Ich muss mich noch an die schnellen Schnitte gewöhnen. Fest steht: Shatner ist ein guter Schauspieler, aber der richtige Durchbruch blieb ihm verwehrt und nach all dem Kampf gegen sein Alter Ego hat Shatner die Rolle, seine Rolle, als James T. Kirk wohl akzeptiert.
Beim Lesen kann ich feststellen: Auf jeden Fall hat dieser Mann Humor. Es ist sehr amüsant zu lesen, wie Shatner seine Karriere rückblickend beschreibt, wie er durch Serien und Theater tingelt, immer auf der Suche nach dem Durchbruch, immer auf der Suche nach ein paar Dollar. Der Wunsch, endlich mal 1000 US-Dollar die Woche zu verdienen, steht im Mittelpunkt seines Strebens.
Das Buch lebt von seinen Anmerkungen und Abschweifungen nach dem Motto „eine Geschichte hab ich noch. Sie passt zwar jetzt nicht, aber ich erzähle sie trotzdem.“ Und das macht gerade den Reiz des Buches aus.
Aber es nicht nur witzig, sondern auch die Schattenseiten des Lebens gehören dazu. Nüchtern beschreibt Shatner in seinem Buch Durch das Universum bis hierher das Alkoholproblem seiner Ehefrau, seine Eheprobleme, seine Geldprobleme und so erfährt der Leser einiges über das Gefühlsleben. Manches Mal wird auch klar, welcher Narr der Kanadier Shatner eigentlich ist und wie schlimm er auf andere Enterprise-Kollegen gewirkt hat. Das Ich steht bei ihm im Mittelpunkt, auch wenn er es im Nachhinein bereut.
Eingestreut sind immer wieder Anekdoten aus dem Filmbusiness. Wenn Shatner auf den Stuntman verzichtet und Kopf und Kragen für seine TV-Rollen riskiert, um zu zeigen, dass er ein ganzer Kerl ist. Ich hab gelacht, als er seinen eigenen Film dreht und den Polarstern mit einem gemieteten Helikopter verwechselt. Wirklich nett ist die Erzählung als er Inkubo dreht, den ersten Film in dem Esperanto gesprochen wird – und den so gut wie keiner verstanden hat (und ich meine ausdrücklich nicht die Dramaturgie). Bei YouTube gibt es den Trailer

und wem es nicht reicht, der kann dort auch den ganzen Film ansehen – es lohnt sich nicht.


Immer wieder gibt er dem Leser Küchenweisheiten mit auf dem Weg wie beispielsweise diese: „Wenn man eine Gelegenheit zum Arbeiten ablehnt, lehnt man gleichzeitig eine neue Erfahrung ab.“Das sind Sprüche, die ich gerne auf Twitter veröffentliche oder ins Poesiealbum schreibe. Und es ist auch kein Wunder, dass William Shatner auch massiv auf Twitter unterwegs ist.

Wilhelm Shatners Kommentar

Wilhelm Shatners Kommentar

Spaß macht auch die Musik von William Shatner. Er ist vielleicht nicht ein begnadeter Sänger, aber er ist ein großer Entertainer. Ein Arbeitskollege macht mich mit dem musikalischen Werk von William Shatner vertrauet. In The Transformed Man sah er und zitierte Gedichte – beim ersten Mal reinhören etwas schwierig, aber dann doch irgendwie Kunst. Eingängiger waren für mich die Alben Has Been und vor allem das Doppel-Album Seeking Major Tom. Mit eigenständigen Interpretationen von bekannten, intergalaktischen Hymnen von David Bowie, Queen, Deep Purple, Elton John, Pink Floyd oder Black Sabbath macht das Ding wirklich Spaß.
Sein jüngeres Werk Ponder the Mystery hat keine Coverversionen zum Inhalt. Das Prog Rock Konzeptalbum über das Älterwerden, über Depression, Liebe und letztlich über die allumfassende Schönheit des Lebens, aber ich fand es nicht den großen Wurf.

Faszinierend – Persönlicher Nachruf über Leonard Nimoy

28. Februar 2015

Sein letzter Tweet

Sein letzter Tweet

Faszinierend – wirklich faszinierend, wie eine fiktive Figur mein persönliches Leben beeinflusst hat. Im Falle von Mr. Spock war es so. Das ist mir nach dem Tode von Schauspieler Leonard Nimoy bewusst geworden. Mr. Spock begleitete mich in meinem Medienleben und mir hat die Figur aus dem Universum von Gene Roddenberry viel gegeben. Die Werte von Roddenberry flossen in die Figuren von Star Trek ein und Mr. Spock vermittelte uns als Fernseh- und Kinozuschauer diese Werte.
Das erste Mal als ich die Kultserie Raumschiff Enterprise sah, war ich bei meiner Großmutter in den siebziger Jahren in den Ferien. Sonntag abend kamen die Mondmänner, wie sie meine Großmutter bezeichnete. Zuvor lief die Religionssendung Tagebuch, dann ging es mit coolsten Trademark der Filmgeschichte los. „Der Weltraum, unendliche Weiten …“

Star Trek - The Motion Picture (US 1979, - Skizze von Ken Adam

Star Trek – The Motion Picture (US 1979, – Skizze von Ken Adam

Als Kind war ich von den bunten Kostümen, von der Action und den Kulissen faszinierend. Auch die Gegenpole Kirk – Spock und McCoy – Spock erfasste ich unbewusst. Mit meinen Sandkastenfreunden diskutierte ich über die Vulkanier und die langen Ohren. Das Spitzohr war so furchtbar logisch, einfach faszinierend. Im österreichischen Fernsehen lief dann auch noch nachmittags die Zeichentrickserie, von der ich allerdings nicht mehr soviel weiß. Auch einen Comicss besaß ich einst, den ich wohl aber auf dem Flohmarkt verkauft habe.

Später kamen im Zuge des Erfolgs von Star Wars auch der erste Star Trek-Film in die Lichtspielhäuser. Mir hatte der Film gefallen – bis auf die Uniformen der Sternenflotte. Alle waren wieder mit dabei – auch Mr. Spock und sein leicht mürrische Gegenpart McCoy. Der Soundtrack Star Trek The Motion Picture von Jerry Goldsmith gehört zu den besten Scores überhaupt und ich entdecke meine Liebe zu Enterprise wieder. Ich wurde ein Trekkie und ich wurde ein Star Wars-Anhänger – ich wurde also eine Spezies, die es eigentlich gar nicht geben konnte, wie uns der Film Fanboys zeigte. Aber mir haben beide Serien gefallen, sie waren eben Science Fiction und das war meine Welt.
Alle Jahre lockten mich die Star Trek-Fortsetzungen ins Kino und auch bei der neuen Serie von J.J. Abrams war der alte Mr Spock wieder von der Partie. Er war zum Schluss nicht mehr der erste Offizier, sondern Botschafter.
Eigentlich wollte ich mal die Autobiografien „Ich bin nicht Spock“ und dann „Ich bin Spock“ von Leonard Nimoy lesen, kam aber bisher nicht dazu. Die Biografie von Wilhelm Shatner Durch das Universum bis hierher war mir wichtiger. Aber ich hörte die Musik von Nimoy und Shatner und hatte viel Spaß daran. Jedem Fan der Serie kann ich die verschiedenen CDs absolut empfehlen – und Nimoy konnte singen, ein bisschen wenigstens. Shatner kann übrigens nicht singen.

Wilhelm Shatners Kommentar

Wilhelm Shatners Kommentar

Ich habe mir mal einen Fotoband von Leonard Nimoy angesehen. Er enthielt dicke Frauen. Die Fotos waren gut, aber hauten mich nicht vom Hocker. Es war nicht mein Ding. Mehr mein Ding war mein erster Bildschirmschoner am Mac. Er stammte aus der Reihe der Flying Toasters – After Dark und es gab ein Ad on zu Star Trek. Dort trat Mr. Spock und Konsorten auch auf. Und ich habe diesen Screensaver geliebt – vielleicht ging es euch ebenso.
Nun ist Leonard Nimoy im Alter von 83 Jahren verstorben. Er wird in keinem Star Trek mehr als Spock auftreten. Und nie mehr werden wir auf einer Convention den Gruß von ihm bekommen „Live long and prosper“. Vielen Dank Mr. Spock – du bist nun Teil der Pop-Kultur.

spock

Der Schöpfer des Königlich Bayerischen Amtsgerichts ist tot

21. Januar 2015

Das Buch mit den gesammelten Fällen des Amtsgerichts aus dem Bücherschrank meiner Eltern.

Das Buch mit den gesammelten Fällen des Amtsgerichts aus dem Bücherschrank meiner Eltern.

Georg Lohmeier ist tot und viele werden den königstreuen, bayerischen Dramatiker nicht kennen. Ich kannte im Grunde auch nur ein Werk von ihm und das habe ich als Kind genossen: Das Königlich Bayerische Amtsgericht
Es war für mich eine schöne Fernsehzeit, wenn ich es mir als Kind mit meinen Eltern vor dem Grundig-Fernseher bequem machte und diese harmlose Serie aus der guten alten Zeit verfolgte. Ich glaube, die Serie lief am Sonntag nach 18 Uhr. Es war die Zeit, als wir zu Hause fünf Fernsehprogramme empfingen: ARD, ZDF, drittes Programm, ORF 1 und 2. Bei gutem Wetter hatten wir das Schweizer Fernsehen, aber das haben eher reinbekommen. Fernsehen begann in meiner Jugend am Nachmittag, eine der ersten Sendungen des Tages war die Drehscheibe im ZDF. Gegen 0:00 Uhr kam Nationalhymne mit Deutschlandfahne, dann Testbild, dann kam der Sendeschluss mit Bildrauschen.
Für mich war es im Großen und Ganzen eine harmlose Fernsehzeit. Und dazu gehörte auch das Königlich Bayerische Amtsgericht. Als ich vom Tod von Georg Lohmeier erfuhr, kam mir der Claim der Serie sofort wieder in den Sinn. Und genau so wie ich die einführenden Worte beim Raumschiff Enterprise auswendig kenne, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich die einführenden Sätze des Königlich Bayerischen Amtsgerichts genauso konnte. „In Bayern war sie besonders gut, diese Zeit. Damals regierte seine königliche Hoheit, der Prinzregent, das Bier war noch dunkel, und die Menschen noch typisch. Die Burschen schneidig und die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisschen vornehmen und ein bisschen leger. Es war halt vieles noch in Ordnung damals. Denn für Ruhe und geordnete Verhältnisse sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das königliche Amtsgericht“. – na, wer von euch konnte diese Zeilen mit aufsagen?
Im Mittelpunkt der Serie stammt natürlich Amtsgerichtsrat August Stierhammer. Am liebsten mochte ich als Kind den Gerichtsdiener. Er war schön dämlich und ich konnte als Kind vortrefflich über ihn lachen. Als er Zeugen in den Gerichtssaal bringen musste, ging das immer nach gleichen Schema ab, ein früher Running Gag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Der Gerichtsdiener stand auf, rückte sich seine Schirmmütze zurecht und wiederholte die Worte des Rates: Zeuge XY, jawohl!
Die Darsteller waren allesamt erste Sahne – viele große bayerische Volksschauspieler. Vielleicht kam diese Serie in Norddeutschlandnicht gut an, bei uns in Bayern war sie ein Gassenfeger. Georg Lohmeier zeichnete die Personen wunderbar. Die Bauernschlauen Leute, die Naiven, die Aufbrausenden und die Grattler und Gantler. Der Autor hatte wunderbar dem Volk aufs Maul geschaut. Sie waren so schön skurril übertrieben, dass es als Kind ein Genuss war, sie anzuschauen.
Als die Serie in irgendeinem privaten TV-Programm wiederholt wurde, zappte ich hinein und blieb ein paar Minuten in meiner eigenen Fernsehvergangenheit hängen. Schön war es. Für heutige Sehgewohnheiten ist die Serie zu ruhig, es war ja im Grunde nichts anderes als abgefilmtes Theater ohne große Schnitte und Einstellungen. Georg Lohmeier nahm die Gerichtsserien der achtziger und neunziger Jahre vortrefflichen hinweg und packte sie in die Zeit des bayerischen Prinzregenten. So eine Art Ally McBeal des frühen 20. Jahrhunderts. Das gefiel den Leuten, und auch meine Eltern haben sich irgendwann eine Sonderausgabe mit allen Verhandlungen in einen Band gekauft.
Nun ist Georg Lohmeier im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Übrigens, bei YouTube sind einige Folgen zu sehen. Ach ja, Amazon verkauft die Folgen Königlich Bayerisches Amtsgericht für wenig Geld.

iPad sorgt für Verständigung

17. März 2014

Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind vom Universalübersetzer bei Raumschiff Enterprise begeistert war. Captain Kirk konnte mit den Romulanern sprechen und obwohl sie unterschiedliche Sprachen hatten, verstanden sie sich. Sie konnten sich dank des Universalübersetzer verständigen.

Daran hatte ich mich neulich erinnert, als ich bei einem Lehrerseminar mehrere Lehrkräfte von Förder- und Mittelschulen unterrichtete. Die Lehrer hatten das Problem, dass sie Schüler aus so manchem ausländischem Land einfach nicht verstanden. Sie behalfen sich mit Bilderbüchern, um eine grundlegende Kommunikation mit den Schülern aufrecht zu erhalten. Viele der Kinder kamen aus dem arabischen Raum. Sie waren zumeist Flüchtlinge und sprachen kein Deutsch. Aber ihre Eltern waren so stolz, dass in Deutschland Bildung bekommen.

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Hier fiel mir die Idee von Raumschiff Enterprise und dem Universalübersetzer ein. Mein persönlicher Universalübersetzer ist das iPad und Übersetzungssoftware iTranslate Voice. Ich zeigte den Lehrern die Software.Hier kann ich einfache Sätze in Deutsch (oder einer anderen Sprache) hinein sprechen und via Internet werden diese Sätze in eine vorher eingestellte Sprache umgewandelt. Natürlich lassen sich hier keine tiefgehenden Gespräche führen. Aber für die klassische Alltagskommunikation ist es prima. Die Lehrer probierten es aus. Sie sprachen in Deutsch in mein iPad hinein und siehe da, der Text kam auf Arabisch heraus. Wir probierten es, indem wir Deutsch Englisch, Deutsch Italienisch und Deutsch Französisch ausprobierten. Es klappte tadellos. Die Lehrer waren begeistert.

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Eine Woche später bekam ich ein hervorragendes Feedback per Telefon. Es klappte auch an der Schule. Die Flüchtlingskinder waren begeistert. Sie konnten den Lehrern antworten. Lehrer und Schüler konnten in ihrer Sprache kommunizieren. Natürlich ersetzt diese Software keinen ausgebildeten Dolmetscher. Aber sie hilft im Alltag und sie hat den Alltag in den Klassenzimmern der Förder- und Mittelschulen erleichtert. Wahrscheinlich sind wir gar nicht mehr weit entfernt, bis der Universalübersetzer von Raumschiff Enterprise im Alltag Wirklichkeit geworden ist.

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Meine Gedanken zu Bahnhöfen und Flugplätze

21. August 2013

Kleines Panorama vom Frankfurter Hauptbahnhof.

Kleines Panorama vom Frankfurter Hauptbahnhof.

Der Frankfurter Hauptbahnhof feierte vor kurzem sein 125-jähriges Bestehen. Vor der Festwoche hatte ich ein bisschen Zeit auf dem Bahnhof verbracht und mich ein wenig umgeschaut. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Bahnhof im Jahre 1888 wirklich eine Revolution gewesen war. Seiner Eröffnung damals fiel aufgrund des Todes von Kaiser Friedrich III. nur spärlich aus. Die fette Party wurde abgeblasen. Jetzt hat die Deutsche Bahn zur 125. Jahr Feier seinen Hauptbahnhof richtig herausgeputzt und die fette Party wurde nachgeholt. Die Bahn lockte mit zahlreichen Attraktionen und sie hat ein YouTube Video ins Netz gestellt bei denen die Besucher eine Zeitreise zurück ins Jahr 1888 miterleben konnten: Schaffner, Ingenieure, Reisende, Liebespaare und viele weitere Zeitzeugen in Kostümen dieser Zeit erzählten von den Geschehnissen rund um den damals neuen Bahnhof.

Für mich gehört die Eisenbahnromantik der Vergangenheit an. Als Reisender, der viel mit Bahn und Flugzeug unterwegs ist, habe ich mir über meine Mobilität einmal Gedanken gemacht. Ich habe den Eindruck, dass es auf Flughäfen deutlich geordneter zugeht als auf Bahnhöfen in Frankfurt, München oder Leipzig. Wie oft falle ich an Bahnhöfen über Gepäckstücke, muss ausweichen, weil mich Leute schneiden. Und auch ist auf Bahnhöfen allerlei seltsames Volk unterwegs – zugegeben auf Flughäfen ist dieses Volk nur besser gekleidet.

Das Problem der Hektik kommt daher, dass ich zum Zug in der Regel eile. Ich fahre just in Time. Beim Flieger muss ich aufgrund des Check ins und der Sicherheitskontrolle warten. Natürlich  kommt beim Flughafen auch mal Hektik auf – in der Regel bei mir bei US-Flügen, wenn dir Homeland Security wieder ewig braucht und ich meinen Anschlussflieger zu verpassen könnte.

Nach dem Check in kehrt in der Regel am Flughafen Ruhe ein. Am Gate halten sich grundsätzlich nur die Leute auf, die den jeweiligen Flieger erwischen müssen. Einen Check in am  Bahnhof gibt es nicht. Und den Gleisen ist deutlich mehr Hektik. Es gibt deutlich weniger Sitzplätze und die ganze Atmosphäre ist viel lauter.

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Der Unterschied zeigt sich auch bei den unterschiedlichen Geschäften. An Bahnhöfen sind vor allem Läden des täglichen Bedarfs und viele Fressbuden. Am Flughafen habe ich mehr Muse und schaue mir neben Duty Free vor allem teure Markenartikler an. So entstand meine Liebe zu Füller, Tücher, Taschen. Ich denke, dass so mancher Markenladen nur aus Imagegründen am Flughafen vertreten ist.

Und leider, verstehe ich die meisten Durchsagen am Bahnhof nicht. Das liegt nicht daran, dass ich schwerhörig bin. Oftmals fährt genau in dem Moment der Lautsprecherdurchsage am Zug mit lautem Quietschen und Getöse ein, sodass die Durchsage im Lärm untergehen.

Und wie oft habe ich es erlebt, dass im Untergeschoss vom Bahnhof irgendwelche Leute ihre Notdurft in Ecken verrichten, um die 50 Cent für die Toilette zu sparen. Es stinkt oftmals nach Pisse und Kotze.

Das war 1888 in Frankfurt sicherlich nicht der Fall. Damals war die Eisenbahn ein modernes, zukunftsgerichtetes Transportmittel. Neulich schaute ich mir auf DVD den wunderbaren Film von Martin Scorsese Hugo Cabret an. Dort wird eine Eisenbahn-Romantik an einem Pariser Bahnhof wunderbar in Szene gesetzt. So muss es damals gewesen sein, als Bahnhöfe die Kathedralen der Technik gewesen sind. Trotz Hektik habe ich die Zeit auf dem Frankfurter Hauptbahnhof genossen. Ich hatte keine Eile und konnte bei einer Tasse Kaffee mir den Trubel anschauen. Ich schaute mir die ganze Sache von der Terrasse eines Kaffees an. Und stellte mir vor, wie es wohl 1888 gewesen sein muss, als die Eisenbahn wirklich eine Revolution war. Aber vorbei ist vorbei. Es kommt etwas neues.

Ich hoffe, dass es bald Alternativen zu Flugzeug oder Eisenbahn gibt.Der Individualverkehr via Auto kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Neulich habe ich von einer Idee eines amerikanischen Milliardärs gelesen, der Reisende durch ein Rohr durch die Gegend schicken will. So eine Art Rohrpost für Reisende. Da gefällt mir das Beamen von Raumschiff Enterprise doch entscheidend besser.

Ich kauf mir jetzt ein Space Shuttle

19. Januar 2010

Huckepack: Enterprise auf einer Boing

Als Kind hatte ich den Bausatz der Saturn V-Rakete. Das Original flog mit Neil Armstrong und Kollegen zum Mond. Raumfahrt faszinierte mich Zeit meines Lebens und vielleicht daher kommt auch meine Liebe zum Science-Fiction-Film. Ich verschlang von Yps das Planetenbuch, las Isaac Asimov, Stanisław Lem und Arthur C. Clarke und sammelt Raumschiffmodelle. Die liebsten Modelle waren mir die Comet von Captain Future, Raumschiff Enterprise und der Adler aus Mondbasis Alpha. Natürlich war ich von der realen Raumfahrt fasziniert, obwohl die NASA das Geld zum Fenster rauswarf. Ich war absolut dafür, dass das erste Space Shuttle mit der Bezeichnung OV-101 den offiziellen Namen Enterprise erhielt.  Mit ihr wurde das Flugverhalten der Raumfähren getestet und meine Enterprise ist nie in den Weltraum geflogen, weil sie kein Hitzeschild hatte. Das erste Space Shuttle, das in den Weltraum flog, war die Columbia.
Die Starts dieser späteren Space Shuttles begeisterten mich und auch die Landung der Robotor auf dem Mars war super. Schockiert war ich über die Unglücke im Space Shuttle-Programm. Noch heute muss ich schlucken, wenn ich daran denke.
Jetzt gilt es für mich ans Sparen: Für 28,8 Millionen US-Dollar kann ich ab Herbst ein ausrangiertes Space Shuttle kaufen: Entweder die Raumfähre Atlantis oder doch besser  Endeavour? Die Dinger sind ein Schnäppchen, schließlich wollte die NASA ursprünglich 42 Millionen US-Dollar. Bis zum 19. Februar kann ich mich als Interessent bei der NASA melden. Kostenlos zu haben sind übrigens die Haupttriebwerke der Shuttles und anderes Zubehör. Allerdings muss ich den Transport selbst übernehmen, so die NASA-Pressemitteilung.

Mein persönlicher Star Trek-Song

27. Dezember 2009

Im Moment bin ich wieder auf meinen persönlichen Star Trek-Trip. Ich mag das Enterprise-Universum, mir gefällt die Moral der Geschichten, neues Leben und Zivilisationen zu entdecken. Irgendwie bin ich ja auch so eine Art Forscher geworden.

Da passt ein Musikstück meiner Jugend gerade richtig. Kennt noch jemand: The Firm – Star Trekkin‘? Ein geiler Song und im Keller hab ich sogar noch die Single. Es muss um 1987 gewesen sein, als mir dieser Ohrwurm nicht mehr aus dem Ohr ging. Und noch heute in unbeobachteten Momenten, wie beim Duschen, summe ich die Zeilen: „Star Trekkin‘ across the universe“. Dazu gibt es die Enterprise-Sprüche wie „It’s life, Jim, but not as we know it“ oder „We come in peace and shot to kill“. Das Kinderliedchen wurde komponiert von John O’Connor, aber nicht der aus Terminator.

Schaut euch das Video an und singt künftig mit: „Star Trekkin‘ across the universe“.