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60 Jahre Raumschiff Enterprise – Die Zukunft als moralisches Versprechen

8. September 2026

Als Trekkie ist es für mich ein besonderer Tag. Am 8. September 1966 geschah im amerikanischen Fernsehen etwas, dessen Bedeutung damals kaum jemand absehen konnte. NBC strahlte die erste Folge einer neuen Science-Fiction-Serie aus. Ihr Titel lautete „Star Trek“, in Deutschland sollte sie einige Jahre später unter dem Namen „Raumschiff Enterprise“ bekannt werden. Die Einschaltquoten waren keineswegs überwältigend, die Produktion stand mehrfach vor dem Aus und nach nur drei Staffeln und 79 Episoden war zunächst Schluss. Im Juni 1969 wurde die Serie eingestellt. Eigentlich hätte es das gewesen sein können. Ich darf heute ein kostenloses Online-Seminar zu 60. Jahre Enterprise halten. Wer Interesse hat, bitte melden.

Doch sechzig Jahre später wissen wir, dass dies erst der Anfang war. Aus einer abgesetzten Fernsehserie wurde eines der bedeutendsten Science-Fiction-Franchises der Kulturgeschichte. Star Trek brachte zahlreiche Fernsehserien, Kinofilme, Romane, Comics, Spiele und eine weltweite Fangemeinde hervor. Begriffe wie Warp-Antrieb, Phaser, Klingonen oder Vulkanier sind längst Bestandteil der Popkultur. Figuren wie Captain Kirk, Mr. Spock oder Jean-Luc Picard kennen selbst Menschen, die niemals eine komplette Star-Trek-Episode gesehen haben. Hier übrigens ein Corgi-Modell der ersten Enterprise.

Doch die eigentliche Bedeutung von Star Trek liegt tiefer. Die Serie erzählte nie nur davon, dass Menschen eines Tages schneller als das Licht fliegen, fremde Planeten besuchen oder sich von einem Ort zum anderen beamen könnten. Star Trek formulierte von Anfang an eine politische und moralische Hoffnung: Der Mensch könnte eines Tages vernünftiger, toleranter und friedlicher sein als heute.

Eine Zukunft gegen die Ängste der Gegenwart
Als Gene Roddenberry Star Trek entwickelte, befand sich die Welt mitten im Kalten Krieg. Die Kubakrise lag erst wenige Jahre zurück. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion standen sich mit gewaltigen Atomwaffenarsenalen gegenüber. Der Vietnamkrieg eskalierte. Gleichzeitig kämpfte die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und Diskriminierung. Martin Luther King hatte 1963 seine berühmte Rede „I Have a Dream“ gehalten. Nur wenige Jahre später, 1968, wurde er ermordet.

Mitten in diese von Krieg, Rassismus und atomarer Vernichtungsangst geprägte Gegenwart setzte Gene Roddenberry ein erstaunliches Gegenbild. Auf der Brücke der Enterprise arbeiteten Menschen unterschiedlicher Herkunft selbstverständlich miteinander. Der japanischstämmige Hikaru Sulu saß neben der schwarzen Kommunikationsoffizierin Uhura. Später kam mit Pavel Chekov sogar ein Russe hinzu – mitten im Kalten Krieg. Captain James T. Kirk kommandierte keine amerikanische Streitmacht, sondern ein Schiff einer Menschheit, die ihre nationalen Gegensätze zumindest weitgehend überwunden hatte.

Allein dieses Bild war politisch. Star Trek behauptete etwas, das 1966 keineswegs selbstverständlich erschien: Die Menschheit hat eine Zukunft. Und mehr noch: Sie könnte sogar eine gemeinsame Zukunft haben.

Der Weltraum wurde deshalb bei Star Trek nicht zum Fluchtpunkt vor einer zerstörten Erde. Er war der nächste Schritt einer gereiften Zivilisation. Die Menschen hatten nicht alle Konflikte überwunden, aber sie hatten begonnen, aus ihrer Geschichte zu lernen. Rassismus, Nationalismus und viele soziale Gegensätze sollten irgendwann Relikte einer primitiveren Vergangenheit sein.

Das unterschied Star Trek von vielen dystopischen Zukunftsentwürfen. Die Serie fragte nicht ausschließlich, was geschehen würde, wenn die Menschheit versagt. Sie fragte, was möglich wäre, wenn sie sich weiterentwickelt.

Die Enterprise als politische und moralische Utopie
Gene Roddenberry beschrieb sein Konzept anfangs gern als eine Art Western im Weltraum. Tatsächlich steckte hinter der Enterprise jedoch von Beginn an eine wesentlich größere Idee. Das Raumschiff war ein Labor der Aufklärung. Fremde Welten wurden besucht, unbekannte Lebensformen untersucht und gesellschaftliche Systeme miteinander verglichen. Die Besatzung sollte beobachten, lernen und verstehen.

Das bedeutete nicht, dass auf der Enterprise keine Waffen vorhanden waren. Ganz im Gegenteil: Phaser und Photonentorpedos gehörten selbstverständlich zur Ausstattung. Starfleet konnte kämpfen und tat es immer wieder. Doch zumindest der moralische Anspruch lautete, Gewalt nicht zur ersten Antwort zu machen.

Der Fremde war nicht automatisch der Feind. Er war zunächst etwas Unbekanntes, das verstanden werden musste. Diese Idee zieht sich durch nahezu das gesamte Franchise. Immer wieder begegnen die Besatzungen Wesen, deren Aussehen, Kultur oder Denken fundamental anders sind. Die zentrale Frage lautet dann häufig nicht: Wie können wir sie besiegen? Sondern: Wie können wir mit ihnen kommunizieren?
Damit wurde die Enterprise zu einem Gegenmodell zu einer Politik, die Fremdheit grundsätzlich als Bedrohung versteht.

Spock, McCoy und Kirk – Vernunft, Gefühl und Verantwortung
Kaum eine Figur verkörpert die philosophische Dimension von Star Trek besser als Spock. Der Vulkanier ist halb Mensch und halb Vulkanier und trägt damit einen der zentralen Konflikte der Serie buchstäblich in sich selbst. Auf der einen Seite stehen Vernunft und Logik, auf der anderen Emotion und menschliche Leidenschaft.

Spock versucht, Entscheidungen rational zu treffen. Dr. Leonard „Pille“ McCoy argumentiert dagegen häufig emotional und moralisch. Zwischen beiden steht Captain Kirk.

Diese berühmte Dreierkonstellation ist wesentlich raffinierter, als sie zunächst erscheint. Star Trek behauptet nicht einfach, Vernunft sei gut und Emotion schlecht. Ebenso wenig wird das Gefühl über die Logik gestellt. Gute Entscheidungen entstehen häufig aus dem Spannungsverhältnis beider Positionen.

Spock fragt: Was ist logisch? McCoy fragt: Was ist menschlich? Und Kirk muss entscheiden: Was ist richtig?

Damit wird die Brücke der Enterprise immer wieder zum philosophischen Seminar mit Warp-Antrieb. Hinter Weltraumabenteuern verstecken sich Fragen nach Verantwortung, Schuld, Freiheit und der Würde des Einzelnen.

Uhura und die gesellschaftliche Revolution auf der Brücke
Besonders deutlich wird die gesellschaftspolitische Bedeutung der ursprünglichen Serie an Lieutenant Uhura. Nichelle Nichols spielte keine Dienerin, keine Haushaltshilfe und keine exotische Randfigur. Uhura war Offizierin eines Raumschiffs. Sie saß auf der Brücke, gehörte zur Führungsbesatzung und trug Verantwortung. Heute mag das selbstverständlich erscheinen. Im amerikanischen Fernsehen der sechziger Jahre war es das keineswegs.

Berühmt wurde die Geschichte, dass Nichelle Nichols die Serie verlassen wollte. Bei einer Veranstaltung begegnete sie Martin Luther King Jr. Er überzeugte sie nach ihrer späteren Erinnerung davon, weiterzumachen. Ihre Rolle sei wichtig, weil schwarze Amerikaner hier nicht als gesellschaftliche Außenseiter dargestellt würden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Zukunft.

Diese Wirkung reichte weit über das Fernsehen hinaus. Nichols arbeitete später mit der NASA zusammen und warb gezielt Frauen und Angehörige von Minderheiten für das amerikanische Raumfahrtprogramm an. Aus der Fiktion entstand damit eine bemerkenswerte Wechselwirkung mit der Wirklichkeit: Star Trek zeigte eine vielfältigere Raumfahrt der Zukunft und half schließlich dabei, die reale Raumfahrt vielfältiger zu machen.

Untrennbar mit dieser gesellschaftlichen Bedeutung verbunden ist auch der Kuss zwischen Kirk und Uhura in der 1968 ausgestrahlten Episode „Plato’s Stepchildren“. Häufig wird er als erster Kuss zwischen einem weißen und einem schwarzen Menschen im Fernsehen bezeichnet. Ganz korrekt ist diese vereinfachte Darstellung historisch nicht, denn es gab frühere Beispiele. Dennoch war die Szene im amerikanischen Network-Fernsehen außergewöhnlich und gesellschaftlich provokant.

Die eigentliche Kraft der Szene liegt rückblickend vielleicht darin, wie selbstverständlich Star Trek etwas zeigte, das in der Realität noch keineswegs selbstverständlich war. Genau das gehörte zu den wirkungsvollsten politischen Mitteln der Serie: Sie erklärte nicht ständig, wie eine tolerantere Gesellschaft aussehen sollte. Sie zeigte sie einfach.

Kalter Krieg, Vietnam und die Politik im Weltraum
Science-Fiction bot Gene Roddenberry und seinen Autoren einen großen Vorteil. Sie konnten über die politischen Konflikte ihrer Gegenwart sprechen, ohne sie immer beim Namen nennen zu müssen. Aus Amerikanern und Sowjets konnten Föderation und Klingonen werden. Aus Stellvertreterkriegen wurden Konflikte auf fernen Planeten. Aus dem Wettrüsten wurde ein Konflikt zwischen interstellaren Mächten.

Besonders deutlich geschah dies in der Episode „A Private Little War“. Zwei Gruppen auf einem Planeten geraten in einen Konflikt, bei dem externe Mächte die jeweiligen Seiten mit immer besseren Waffen ausstatten. Die Parallelen zum Vietnamkrieg waren kaum zu übersehen.

Damit stellte Star Trek eine unangenehme Frage, die bis heute aktuell geblieben ist: Kann man Frieden schaffen, indem man immer mehr Waffen liefert?

Die Serie gab darauf nicht immer eindeutige Antworten. Gerade das machte sie interessant. Kirk traf Entscheidungen, deren moralische Konsequenzen keineswegs immer sauber aufgelöst wurden. Star Trek war deshalb trotz seines Optimismus niemals eine vollkommen naive Friedensutopie. Die Föderation besitzt Waffen, Starfleet kann Krieg führen und die Enterprise ist keineswegs ein wehrloses Forschungsschiff. Aber Gewalt sollte das letzte Mittel sein. Zumindest war dies der Anspruch.
Und aus der Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit entstanden einige der besten Geschichten des gesamten Franchise.

Die Oberste Direktive und die Grenzen der eigenen Moral
Kaum ein Prinzip verdeutlicht die moralische Ambivalenz von Star Trek besser als die Oberste Direktive. Die Föderation soll sich grundsätzlich nicht in die natürliche Entwicklung anderer Kulturen einmischen.

Dahinter steckt ein bemerkenswerter Gedanke. Eine technisch überlegene Zivilisation besitzt nicht automatisch das moralische Recht, anderen Gesellschaften ihre Werte aufzuzwingen. Die Oberste Direktive kann deshalb durchaus als Kritik an Kolonialismus, Imperialismus und kultureller Überheblichkeit verstanden werden.

Doch Star Trek macht es sich nicht einfach. Was geschieht, wenn Nichteinmischung Millionen Menschen das Leben kostet? Was passiert, wenn eine Gesellschaft von einer brutalen Diktatur beherrscht wird? Darf die Enterprise eine Naturkatastrophe verhindern, obwohl sie damit die Entwicklung einer Zivilisation verändert? Und wann wird aus gut gemeinter Hilfe Bevormundung? Aus einer scheinbar einfachen Regel wird dadurch ein moralisches Dilemma.
Genau darin liegt eine der großen Qualitäten von Star Trek. Die Serie interessiert sich häufig weniger für einfache Antworten als für schwierige Entscheidungen.

The Next Generation – der Humanismus wird erwachsen
Als „Star Trek: The Next Generation“ 1987 startete, war aus der kleinen Kultserie längst ein großes kulturelles Phänomen geworden. Mit Captain Jean-Luc Picard erhielt das Franchise zugleich eine vollkommen andere Kommandantenfigur.

Picard war Diplomat, Archäologe, Intellektueller und Humanist. Wo Kirk manchmal zuerst handelte und anschließend diskutierte, wollte Picard möglichst lange diskutieren, bevor gehandelt wurde. Die neue Enterprise wurde dadurch noch stärker zu einem Ort philosophischer und politischer Auseinandersetzungen.

Gleichzeitig entwickelte die Serie Roddenberrys gesellschaftliche Utopie weiter. Die Menschheit des 24. Jahrhunderts hatte materielle Knappheit weitgehend überwunden. Geld spielte zumindest im menschlichen Alltag kaum noch eine Rolle. Replikatoren konnten viele materielle Bedürfnisse erfüllen. Armut, wie wir sie kennen, sollte auf der Erde überwunden sein.

Damit stellte Star Trek eine radikale Frage: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn Menschen nicht mehr hauptsächlich arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

Roddenberrys Antwort war optimistisch. Der Mensch würde nicht zwangsläufig faul oder bedeutungslos. Er könnte nach Wissen, Erfahrung, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlichem Fortschritt streben.

Vielleicht ist das die kühnste Utopie des gesamten Franchise. Nicht Warp-Antrieb, Transporter oder Holodeck sind die revolutionärsten Erfindungen von Star Trek. Es ist die Vorstellung, dass der Mensch selbst sich verändern kann.

Was ist ein Mensch?
Mit „The Next Generation“ rückte außerdem eine Frage stärker in den Mittelpunkt, die angesichts der heutigen Entwicklung künstlicher Intelligenz erstaunlich aktuell erscheint: Was macht ein Wesen zu einer Person?

Der Android Data wurde zum Mittelpunkt dieser Debatte. Er denkt, lernt, entwickelt Freundschaften und versucht zu verstehen, was Menschlichkeit bedeutet. Aber besitzt er Rechte? Darf er Eigentum der Sternenflotte sein? Darf über seinen Körper verfügt werden? Darf man ihn abschalten oder auseinandernehmen, weil er künstlich geschaffen wurde?

Die eigentliche Frage lautet dabei nicht nur, ob Data ein Mensch ist. Sie lautet vielmehr: Wer gibt uns das Recht zu entscheiden, wer als Person gelten darf?

Später stellte Star Trek ähnliche Fragen anhand künstlicher Intelligenzen, Hologramme und anderer Lebensformen. Damit erweitert das Franchise die Idee der Menschenrechte gedanklich zu universellen Rechten empfindungsfähiger Wesen. Science-Fiction wird hier zu Ethik.

Deep Space Nine – wenn die Utopie schmutzige Hände bekommt
In den neunziger Jahren begann Star Trek schließlich, seine eigene Utopie kritischer zu betrachten. „Deep Space Nine“ konfrontierte die Föderation mit Situationen, in denen moralische Prinzipien plötzlich einen hohen Preis hatten.

Der Krieg gegen das Dominion veränderte die Perspektive. Was bleibt von den eigenen Werten, wenn die eigene Existenz bedroht ist? Darf man lügen, um einen Krieg zu gewinnen? Darf man einen Gegner täuschen? Darf man moralische Grenzen überschreiten, wenn dadurch Millionen Menschen gerettet werden?

Captain Benjamin Sisko wurde dadurch zu einer der interessantesten Figuren des Franchise. Jean-Luc Picard konnte häufig darüber sprechen, wie eine ideale Gesellschaft handeln sollte. Benjamin Sisko musste erleben, wie schwierig es ist, diese Ideale zu bewahren, wenn Menschen sterben und ganze Welten bedroht sind.

Gerade deshalb gehört „Deep Space Nine“ zu den politisch interessantesten Star-Trek-Serien. Sie zerstört Roddenberrys Utopie nicht. Sie stellt sie auf die Probe.

Eine Utopie hat schließlich nur dann einen Wert, wenn ihre Prinzipien auch in schwierigen Zeiten gelten.

Die Borg und der Wert des Individuums
Eine vollkommen andere Bedrohung stellen die Borg dar. Sie gehören zu den eindrucksvollsten politischen und philosophischen Metaphern des Franchise. Bei ihnen existiert keine individuelle Freiheit. Jeder Einzelne wird Teil eines Kollektivs. Gedanken, Erinnerungen, Körper und Persönlichkeit werden assimiliert.

„Widerstand ist zwecklos“ wurde zu einem der berühmtesten Sätze der gesamten Star-Trek-Geschichte.

Die Borg sind deshalb so erschreckend, weil sie ihre Opfer nicht einfach töten. Sie nehmen ihnen das Ich.

Damit verkörpern sie die radikale Negation eines zentralen Star-Trek-Wertes: der Selbstbestimmung. Die Föderation versucht, unterschiedliche Kulturen miteinander zu verbinden, ohne ihre Unterschiede vollständig auszulöschen. Die Borg dagegen lösen jeden Unterschied auf.

Die Föderation sagt: Unterschiedlichkeit kann uns stärker machen.
Die Borg sagen: Unterschiedlichkeit muss beseitigt werden.
Damit sind sie weit mehr als besonders gefährliche Weltraummonster.

Die große Idee der Vielfalt
Eine der bekanntesten vulkanischen Ideen lautet IDIC – „Infinite Diversity in Infinite Combinations“, also unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen. Darin steckt ein wesentlicher Gedanke des gesamten Franchise. Toleranz bedeutet im besten Star Trek nicht, den anderen widerwillig zu ertragen. Vielfalt besitzt einen eigenen Wert.

Menschen, Vulkanier, Andorianer, Tellariten und zahlreiche andere Spezies müssen nicht gleich werden, um miteinander leben zu können. Sie dürfen unterschiedliche Traditionen, Überzeugungen und Lebensweisen besitzen.

Das ist ein bemerkenswert moderner Gedanke. Frieden entsteht nicht dadurch, dass alle Menschen identisch denken. Frieden entsteht dadurch, dass unterschiedliche Menschen lernen, miteinander zu leben.

Dabei war Star Trek selbst niemals perfekt. Die ursprüngliche Serie war für ihre Zeit fortschrittlich, blieb aber zugleich ein Produkt der sechziger Jahre. Frauen wurden häufig sexualisiert, Führungspositionen blieben überwiegend Männern vorbehalten und manche gesellschaftlichen Themen wurden lange ausgeblendet. Auch spätere Serien benötigten erstaunlich viel Zeit, um beispielsweise LGBTQ-Themen selbstverständlich darzustellen. Selbst Roddenberrys Zukunft konnte sich nicht vollständig von den Grenzen ihrer jeweiligen Gegenwart lösen.

Vielleicht macht gerade das die Entwicklung des Franchise interessant. Star Trek musste seine eigene Vorstellung von Toleranz immer wieder erweitern.

Von der abgesetzten Serie zum Weltphänomen
Nach dem Ende der ursprünglichen Serie 1969 hätte Star Trek verschwinden können. Doch Wiederholungen machten die Serie populärer, als sie während ihrer eigentlichen Erstausstrahlung gewesen war. Eine leidenschaftliche Fangemeinde entstand. Conventions wurden organisiert, Fans schrieben Briefe und hielten die Enterprise am Leben.

1979 kehrten Kirk, Spock und McCoy mit „Star Trek: The Motion Picture“ auf die große Leinwand zurück. Weitere Kinofilme folgten. 1987 begann mit „The Next Generation“ schließlich eine zweite große Ära. Danach kamen „Deep Space Nine“, „Voyager“ und „Enterprise“. Weitere Kinofilme führten zunächst die ursprüngliche Mannschaft und später Picards Crew ins Kino. 2009 startete J. J. Abrams eine neue Filmreihe mit alternativer Zeitlinie.

Mit „Discovery“, „Picard“, „Lower Decks“, „Prodigy“, „Strange New Worlds“ und weiteren Produktionen entwickelte sich Star Trek endgültig zu einem generationenübergreifenden Universum.

Nicht jede Serie interpretierte Roddenberrys Vision gleich. Manche Produktionen setzten stärker auf Action, andere auf Politik, Humor, Nostalgie oder persönliche Konflikte. Fans diskutieren deshalb seit Jahrzehnten darüber, was eigentlich „echtes Star Trek“ sei.

Vielleicht lässt sich die Antwort erstaunlich einfach formulieren: Star Trek ist dort am stärksten, wo eine fantastische Geschichte benutzt wird, um eine menschliche Frage zu stellen.

Die wichtigste Technologie heißt Hoffnung
Natürlich hat Star Trek Generationen von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern inspiriert. Kommunikatoren erinnern rückblickend an Mobiltelefone. Tablets, Sprachsteuerung, Videokonferenzen, medizinische Scanner, künstliche Intelligenz und virtuelle Welten gehörten auf der Enterprise zum Alltag, lange bevor vergleichbare Technologien Teil unseres Lebens wurden. Doch das wichtigste Zukunftsversprechen von Star Trek ist kein technisches. Es ist ein gesellschaftliches.

Raumschiff Enterprise behauptete 1966, dass Russen und Amerikaner eines Tages gemeinsam arbeiten könnten. Dass schwarze Frauen selbstverständlich auf der Kommandobrücke eines Raumschiffs sitzen würden. Dass ehemalige Feinde Partner werden könnten. Dass die Menschheit Armut und viele Krankheiten überwinden könnte. Dass Wissenschaft wichtiger sein könnte als Aberglaube, Diplomatie stärker als Gewalt und Neugier stärker als Angst.

Und vor allem behauptete Star Trek, dass unsere Fehler nicht zwangsläufig unsere Zukunft bestimmen müssen. Das war 1966 eine gewagte Vorstellung. Sechzig Jahre später ist sie es wieder.

Wir leben erneut in einer Zeit geopolitischer Konfrontationen. Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Großmächte rüsten auf. Gesellschaften polarisieren sich. Nationalistische Bewegungen gewinnen vielerorts an Einfluss. Künstliche Intelligenz zwingt uns dazu, neu über Arbeit, Bewusstsein, Kreativität und Verantwortung nachzudenken. Gleichzeitig steht die Menschheit vor globalen Problemen, die sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen lassen.

Vor diesem Hintergrund wirkt Star Trek erstaunlich aktuell. Nicht weil Gene Roddenberry unsere Gegenwart vorhergesagt hätte, sondern weil er eine Alternative formulierte.

Star Trek sagt nicht, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Sechzig Jahre Geschichten zeigen genügend grausame Menschen, korrupte Admiräle, Kriege, Verräter und politische Fehlentscheidungen. Die Botschaft ist anspruchsvoller. Der Mensch kann besser werden.
Aber er muss sich dafür entscheiden.

Vielleicht ist das der wichtigste Unterschied zwischen Star Trek und vielen Dystopien. Dystopien warnen uns davor, was passieren könnte, wenn alles schiefgeht. Star Trek fragt, was passieren könnte, wenn wir einiges richtig machen.

Die Enterprise fliegt deshalb seit sechzig Jahren nicht nur durch den Weltraum. Sie fliegt auf eine Idee zu: auf eine Menschheit, die ihre Unterschiede nicht dadurch überwunden hat, dass sie sie beseitigte, sondern indem sie gelernt hat, mit ihnen zu leben. Auf eine Gesellschaft, in der Wissen höher geschätzt wird als Besitz, Diplomatie höher als Gewalt und Neugier höher als Angst.

Natürlich ist das eine Utopie. Aber Utopien sind keine Baupläne. Sie sind Richtungsangaben.

Und vielleicht brauchen wir gerade deshalb auch nach sechzig Jahren noch ein Raumschiff namens Enterprise, das mutig dorthin fliegt, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

Die USS Enterprise (NCC-1701-D) als Corgi CC96611-Modell

16. September 2024

Endlich komme ich dazu mir die Serie Picard komplett auf Bluray anzusehen. Dabei erinnere ich mich, wie begeistert ich damals Star Trek: The Next Generation verschlungen habe. Als Trekkie liegen mir die Raumschiffe der verschiedenen Kapitäne am Herzen. Jean-Luc Picard nimmt eine ganz besondere Rolle in meinem Herzen ein.

Da freute ich mich, dass Corti die USS Enterprise (NCC-1701-D) als Sammlermodell aufgelegt hat. Die Nummer ist Corgi CC96611. Die USS Enterprise (NCC-1701-D) ist eines der berühmtesten Raumschiffe im Star-Trek-Universum und dient als Schauplatz der Serie Star Trek: The Next Generation (TNG), die zwischen 1987 und 1994 ausgestrahlt wurde. Das Modell sieht detailreich aus, kann aber nichts anderes als nett auszusehen.

Enterprise-D
Und jetzt wird es Hardcore und nur für Fans. Das Schiff gehört zur Galaxy-Klasse, wurde 2363 in Dienst gestellt und steht unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard. Mit einer Länge von 641 Metern bietet es Platz für etwa 1.000 Personen, darunter Sternenflottenoffiziere, Zivilisten und deren Familien. Die Enterprise-D ist nicht nur ein militärisches Schiff, sondern auch für friedliche Erkundungs- und diplomatische Missionen ausgelegt. Zu ihren besonderen Merkmalen gehört die Fähigkeit, sich in zwei Sektionen aufzuteilen: die Untertassensektion und die Kampfsektion, was im Ernstfall flexible Manöver ermöglicht. Besonders bekannt ist die Enterprise-D für das Holodeck, eine Technologie, die realistische Simulationen für Training und Unterhaltung bereitstellt. Das Schiff ist mit Phaserbänken, Photonentorpedos und starken Deflektorschilden ausgerüstet, die es gegen Bedrohungen wie die Borg oder Romulaner verteidigen. Der leistungsstarke Warp-Antrieb ermöglicht Reisen schneller als das Licht, mit einer Höchstgeschwindigkeit von Warp 9.6.

Während ihrer Laufbahn nahm die Enterprise-D an zahlreichen bedeutenden Missionen teil, bei denen sie entfernte Sternensysteme erforschte und an wichtigen diplomatischen und militärischen Auseinandersetzungen teilnahm. Ihre Besatzung, darunter ikonische Figuren wie William Riker, Data, Worf und Deanna Troi, spielte eine Schlüsselrolle in der Verteidigung der Föderation.

Zerstörung der Enterprise-D
Doch im Jahr 2371, während des Films Star Trek: Treffen der Generationen, wurde die Enterprise-D zerstört. Dies geschah in einem Kampf gegen die klingonischen Duras-Schwestern Lursa und B’Etor, deren modifizierte Waffe einen Defekt im Warpkern des Schiffes verursachte. Trotz der Zerstörung gelang es der Crew, sich durch eine Notlandung der Untertassensektion zu retten. Die Enterprise-D wurde später durch die USS Enterprise (NCC-1701-E) ersetzt, die in den nachfolgenden Filmen eine zentrale Rolle einnimmt.

Das Corgi-Modell hat selbstverständlich die intakte Enterprise. Mann kann keine Untertassektion lösen. Corgi hat auf der Verpackung einen AI-QR-Code angebracht, so dass das Raumschiff ein bisschen bei uns im Wohnzimmer geflogen ist. Das war es dann auch schon.

Die USS Enterprise-D gilt für mich bis heute als Symbol für den Entdeckergeist und die Ideale der Föderation. Sie steht für die Vision einer Zukunft, in der unterschiedliche Spezies friedlich zusammenarbeiten, um die Geheimnisse des Universums zu erforschen und den Frieden zu bewahren. Das Schiff und seine Missionen haben das Science-Fiction-Genre nachhaltig geprägt und Star Trek zu einem kulturellen Phänomen gemacht.

Star Trek Day 2021: Gedanken zu Star Trek – der Film

8. September 2021

Ja, ich bin ein Trekkie. Das ist ein klares Bekenntnis zum heutigen Star Trek-Tag. Ich bin gespannt, welche Überraschungen es heute gibt. Klar ist, dass heute Star Trek – der Film auf 4K Star Trek I-IV veröffentlicht wird.
Ich erinnere mich noch, als Star Trek ins Kino kam. 1980 war ich im Science Fiction-Fieber. Ich hatte Krieg der Sterne gesehen, fand Kampfstern Galactica und Buck Rogers großes Kino und hört dann, das Raumschiff Enterprise mit Star Trek – der Film ins Kino sollte. Ich war gespannt, wie sich meine TV-Helden entwickelt haben und löste voller Erwartung meine Kinokarte.

Erst langweilig, heute ein Genuss: Star Trek der Film

Und was bekam ich zu sehen? Über 100 Minuten Langeweile. Wo war das actionsreiche Erzählkino, an dass ich mich als SF-Fan gewöhnt hatte? Wo waren die Schlachten zwischen Raumschiffen der Föderation und Klingonen? Zugegeben die Tricks waren schön anzusehen, aber die Bedrohungsstory aus dem All mit Voyager riss mich nicht vom Hocker. Die kahlköpfige Hauptdarstellerin machte mich nicht an. Irgendwie empfand ich den Film als blöde – so mein fachmännisches Urteil als Jugendlicher. Star Trek hatte sich für mich erledigt.

Doch dann geschah etwas seltsames. Immer wieder kam mir der Film in Erinnerung. Mein Interesse für Soundtracks wuchs und suchte sich neue Nahrung. John Barry hatte ich entdeckt und dann kam Jerry Goldsmith. Jahrzehnte später liebe ich den Score in all seinen Ausgaben – für mich einer der besten Goldsmith-Kompositionen.

Auf dem Flohmarkt kaufte ich mir den Roman von Gene Roddenberry, erschienen bei Moewig. Das Buch wurde später vom Heyne Verlag mit Filmfotos neu aufgelegt, aber diese Ausgabe hab ich nicht. Bei der Lektüre konnte ich die Geschichte von Voyager nachlesen und verstand die Moral, die mir als Jugendlicher entgangen ist.

Und auch die Crew der Enterprise wuchs mir wieder ans Herz. Khan kam in Teil 2, die Suche nach Spock in Teil 3. Star Trek-Kinofilme waren wie ein Klassentreffen. Ich war neugierig, wie sich Kirk und Spock, Pille und Scottie verändert haben. Ich erwarb eine Super 8 Kopie von Star Trek und sah mir in komprimierter Form den Film an. Dann kamen die VHS-Cassette und Laserdisc. Jahre später folgte dann die DVD. Im Keller lagert auch noch der Directors Cut.

Die optischen Ansprüche wurden größer und ich kaufte mir die Bluray – und ja nun wird es die 4K-Version Star Trek I-IV werden. Ich höre, dass der Director Cut erst später, in sechs bis neun Monaten nochmal gesondert veröffentlicht werden soll, weil das Material damals für SD gedreht wurde und nun aufwendig für das scharfe Bild bearbeitet werden muss. Naja egal, dann greife ich dann wieder in die Tasche – mit uns Trekkies kann man es ja machen.

Raumschiff Enterprise von Playmobil Set 70548

20. Juni 2021

Schade, schade, dass ich kein Kind mehr bin. Ich wäre durchgedreht, wenn ich gehört hätte, dass es ein neues Spielzeug von Playmobil geben wird: Die USS NCC-1701 Enterprise.

Wohl ab September wird das Raumschiff von Playmobil zu kaufen sein. Ein deutscher Preis steht noch nicht fest, in den USA gibt es Preisvorstellungen von 500 US-Dollar. Damit scheiden wohl Kinder als Käufer aus und Playmobil hat wohl alte Trekkies wie mich im Visier. Das Set trägt die Nummer 70548. Auf den Playmobil-Seiten konnte ich noch keine Infos finden, aber in Instagram wird man fündig. Die Enterprise misst als Spielzeug wohl einen Meter und kann bespielt werden. Auf den ersten Abbildungen ist die Brücke samt Mannschaft unter der Führung von Captain James Tiberus Kirk zu sehen – alles im Design von 1966. Im Maschinenraum führt Scotty das Kommando und auch ein Warp-Kern ist vorhanden. Das Dach der Untertassenbrücke sowie das Seitenteil des Maschinenraums scheint abnehmbar und bespielbar zu sein – ein Traum für mich als Kind (und Sammler).
Die siebenköpfige Mannschaft der Original Serie bei Playmobil besteht aus Kirk, Spock, Dr. McCoy (Pille), Scotty, Uhura, Sulu und Chekov sowie Bewaffnung und Tricorder.

Die Lichter und die entsprechenden Schiffsgeräusche kommen via Bluetooth aufs Handy. Die Enterprise verfügt über einen USB-Stromanschluss. Insgesamt 136 Teile hat das Set – und was mich besonders freut: Es sind auch die Tribbles mit dabei.

Gedanken zum 90. Geburtstag von William Shatner

22. März 2021

Als Kind grübelte ich lange darüber nach was das T. in James T. Kirk bedeutet und ich war etwas verwundert, dass es nicht Thomas oder Theodor war. James Tiberius Kirk ist der volle Name des für mich prägendsten Raumschiffkommandanten der Galaxis, dessen Darsteller William Shatner heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Ein wenig Enterprise zum 90. Geburtstag von William Shatner

Ich mag Shatner und treffe ich nahezu täglich. Nein, nicht im RL, sondern in Twitter. Hier stellt sich William Shatner seinen Fans und geht nicht immer sanft mit ihnen um. Ich wollte mit ihm über seine Rolle in SeaQuest diskutieren, aber Shatner wollte nicht so richtig. So lese ich also fleißig mit, wie Shatner austeilt und probiere es immer wieder mit ihn in Kontakt zu treten.

An die Lebensrolle von Kirk hat er sich inzwischen gewöhnt und obwohl Shatner in zahlreichen TV-Serien und Filmen mitspielte: Für mich ist und bleibt er James Tiberius Kirk. Ich bin eine seltene Mischung aus bekennender Trekkie und Star Wars-Fan, was ja im Grunde nicht geht, aber es funktioniert.
Star Trek war lange vor Star Wars in meinem Herzen. Als Kind sah ich bei meiner Großmutter auf ihrem Schwarzweiß-Fernseher immer die „Mondmänner“, wie meine Oma Kirk, Spock, Pille, Scotty und Co bezeichnete. Ich mochte die Serie Raumschiff Enterprise, das war komplett anders als deutsche Fernsehunterhaltung. Meine Eltern schenkten mit ein Enterprise-Raumschiff, das noch immer im Arbeitszimmer neben einen X-Wing steht. Es konnte Torpedos abschießen, die mittlerweile in den Weiten der verschiedenen Kinderzimmer verloren gingen.
Ich mochte die Animationsserie bei der Shatner seinen Kirk sprach und schaut mir später die DVD immer wieder an. Später kaufte ich mir die komplette Enterprise-Serie auf Laserdisc mit all den Diskussionen, was denn nun wirklich die erste Folge war. Vom revolutionären Kuss der US-TV-Geschichte zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Uhura und Kirk bekam ich zunächst nichts mit – ich interessierte mehr für die Monster in den Pappwelten. Noch heute liebe ich die Folgen von Ich heiße Nomad (Staffel 2, Folge 3) und den Kennen Sie Tribbles? (Staffel 2, Folge 15).
Ich kaufte mir die Filmbücher der TV-Serie und konnte im Geiste die Geschichten nachlesen. Kirk war mein Held, Shatner war mein Held, Kirk und Shatner waren für mich ein und dieselbe Person. Ich las seine Autobiografie Durch das Universum bis hierher und hörte mir seine Musikalben an. Wie ein Schnitzel freute ich mich auf den ersten Kinofilm von Star Trek, der zwar sturz langweilig war, aber die Mannschaft unter Führung von James Tiberius Kirk war wieder zusammen. William Shatner war mein Typ und wenn er heute seinen 90. Geburtstag feiert, dann zieh ich mein Convention-Shirt an und stoße auf William Shatner an. Alles Gute Captain.

Raumpatrouille Orion noch immer stilprägend

22. September 2020

Die deutsche Antwort auf Raumschiff Enterprise war Raumpatrouille Orion und ich habe mir die sechsteilige Serie mal wieder auf Laserdisc angeschaut.
Es war ein „Märchen von übermorgen“ und anders als die friedliebenden Trekkies war Orion eher militärisch geprägt. George Lucas muss die Serie irgendwie gesehen haben, denn die Uniformen der imperialen Offiziere sehen doch ganz nach Raumpatrouille aus.
Innovativ war die Serie auf jeden Fall. Sie sah Erfindungen voraus, wie manche andere SF-Serie ebenso. Die Apple Watch kam ebenso vor wie FaceTime, die Visiorübertragung hieß. Allerdings wurde die Navigation durch den Raum noch mit Lochstreifen geführt – ganz so modern war man dann doch nicht. Und die Roboter der Serie glichen dann doch den Kampfmaschinen aus Ghost in the Shell – es kommt eben alles wieder.
Raumpatrouille war stilprägend. Das auf jeden Fall. Die Serie hatte Auswirkungen auf die Popkultur in Deutschland. Ein Beispiel ist, dass der Countdown zum Start bei Kraftwerk wieder aufgenommen wurde – was kann es für einen besseren Ritterschlag geben?
Aber ich musste beim Wiedersehen der Serie ganz schön schlucken, wenn ich das Frauenbild der damaligen Zeit ansehe. Natürlich war es überzogen, aber ein wahrer Kern steckte sicherlich im Drehbuch. Das Rollenbild der Sechziger war in Raumpatrouille festgeschrieben. In Folge 5 erklärt Commander Cliff Allister McLane mit völligem Unverständnis: Auf Chroma bestimmen die Frauen. Es fällt sogar die Ausdrucke „Weiberkolonie“ und „Amazonenzirkus“. In Sachen Emanzipation hatten die Chauvinisten der Raumpatrouille dann doch einigen Nachholbedarf.

Was mich ärgert. Von der Serie gibt es neben der Laserdisc nur eine DVD Raumpatrouille , aber leider keine Blu-ray. Warum eigentlich?
Ach ja, die Musik von Peter Thomas ist noch immer göttlich und wehe, hier widerspricht jemand. Ich habe sogar noch eine limitierte, signierte Ausgabe.

10. Animuc – Cosplay in Kloster Fürstenfeld

9. April 2018

Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld war Gastgeber für die Animuc 2018.

Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld war Gastgeber für die Animuc 2018.

Es war meine erste richtige Cosplay-Veranstaltung und es wird nicht die letzte sein. Ich war begeistert von der Animuc 2018 in meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck. Es war die zehnte Animuc und ich hab mich richtig wohl gefühlt. Diese Art von Menschen sind sympathisch und äußerst engagiert. Und Fürstenfeldbruck präsentierte sich bei strahlendem Sonnenschein von seiner besten Seite.  

Eigentlich begann für mich die Animuc bereits einen Tag vorher. Meine Frau und ich waren von einem älteren Ehepaar zum Geschäftsessen eingeladen. Zu später Stunde kamen zu unserem Italiener eine Gruppe von Cosplayer samt Kostüme zum Speisen. Unsere Gastgeber waren von den jungen Leuten sehr angetan und fragten mich aus, was es denn mit diesen Figuren auf sich habe. Die Bildungsbürger staunten nicht schlecht über das Engagement der jungen Leute. Die Welt von Manga und Animie war ihnen bisher verschlossen geblieben. 

Kostüme aus dem Schrank

Am nächsten Tag hieß es für die ganze Familie: Auf gehts zur Animuc ins Kloster Fürstenfeld. K1 und Ehefrau zogen sich keine Kostüme an, K1 hängte sich einen grünen Umhang von Attack on Titan um und ich zwängte mich in die Offiziersuniform von Captain James Tiberius Kirk. Ich habe dieses Outfit vor Jahren teuer als Trekkie erstanden und irgendwie muss es über die Jahre im Schrank eingegangen sein. Naja, hilft nichts – ein bisschen Cosplay muss auch für mich sein. 

Am Veranstaltungsforum Fürstenfeld, dem Kloster Fürstenfeld, angekommen stellte ich fest: Mein Star Trek-Outfit passt nur ungefähr ins Ambiente. Ich war der einzige Trekkie, hab aber zu meiner Ehrenrettung noch ein paar Star Wars-Fans mit ihren Outfit als Sturmtruppen, Darth Vader oder imperiale Offiziere getroffen.

Großes Lob für meinen Bloggerkollegen Michi Bernhard, der altersgemäß als Obi Wan ging. Er musste drei Tage lang seine Tochter begleiten, die ein starkes Kostüm aus Black Butler trug. Und da waren schon meine Probleme. Viele der dargestellten Charaktere kannte ich gar nicht. Ich bin nicht die Generation, die mit Mangas und Animies aufgewachsen ist, meine Kinder dagegen schon.

Ich kannte freilich die japanischen Zeichentrickfilme meiner Jugend wie Heidi, Captain Future und Co, kenne die großen Filme der Ghibli-Studios, bin auch vertraut mit zahlreichen Figuren aus der Videospielewelt – allen voran natürlich Pokémon und Super Mario, doch bei den Feinheiten aus dem Cosplayer-Universum muss ich passen. Ich lese zwar, wie jeder Einsteiger Death Note (find ich gut), traue ich an Corpse Party heran, liebe abgöttisch Akira, aber dann wird es schon eng. K1 und K2 horten Hunderte von Mangas und kennen die Entwicklungen der Figuren genau. K2 ist Spezialist für Tokyo Ghoul, während K1 mehr auf Attack on Titan aus ist. 

Death Note muss sein.

Death Note muss sein.

Egal, ich habe mich mit der Masse der Cosplayer mitbewegt und bin in ihnen untergetaucht. Immer wieder habe ich von den freundlichen Wesen Fotos gemacht. Dabei haben sich die meisten in Szene gerückt und nett posiert. Ein paar gab es, die wollten nicht in ihren Kostümen fotografiert werden – warum sie dann auf eine Cosplay-Veranstaltung wie die Animuc gehen, weiß ich nicht, ist mir aber auch egal. 

Ich habe gesehen, mit welcher Detailliebe die Cosplayer an ihren Kostümen basteln, nähen, kleben. Es gibt sogar eine Art Erste Hilfe Stand mit Nähmaschinen und Stoffen, um kleinere Unfälle an Ort und Stelle zu richten. Dort wollte man nicht, dass fotografiert wird, dabei fand ich dies eine schöne Geschichte. 

Bei der Animuc spürt der Besucher soviel Zuneigung und Liebe, dachte ich mir immer wieder. Dann und wann tauchten auch junge Menschen auf, die man einfach umarmen konnte – schließlich trugen sie ein Schild „Hug me“ um den Hals. Ich umarmte nur einen zwei Meter Bären oder Tiger, um als alter Mann nicht in Erklärungsnöte zu kommen, warum ich ein junges Mädchen umarme. Da bin ich einfach zu alt, finde aber die Geste wunderbar. Ein paar pubertierende Jugendliche nützten es freilich aus mit dem anderen Geschlecht in Berührung zu kommen. 

Foto von Serge und Kicka auf der Animuc

Zudem gab es auf der 10. Animuc in Kloster Fürstenfeld ein umfangreiches Programm. Es gab beispielsweise zwei Ehrengäste Serge und Kicka – mit denen konnten Fans ein Foto machen. Dazu haben sich die Gattin und ich in eine lange Schlange eingereiht. Natürlich wurden wir angesprochen und junge Menschen wollten mit uns über Serge und Kicka reden. Selbstverständlich hatte wir keine Ahnung, wer Serge und Kicka überhaupt sind, also improvisierten wir. Als wir an der Reihe kamen, wurden wir in die Mitte genommen und Serge und Kicka postierten sich um uns herum. So bekam ich mit, dass Serge als Russland kam und Kicka aus Italien und beide irgendwie berühmt sind. Also gibt es jetzt ein Foto von meiner Frau und mir mit zwei Berühmtheiten aus der Cosplayer-Szene. K1/2 staunten nicht schlecht und die Likes des Fotos auf Facebook und Instagram sprechen Bände. 

Go-Spielen auf der Animuc

Gerne hätte ich auch einen Kochkurs-Workshop besucht, denn asiatisches Essen liebe ich und freue mich immer über Inspiration. Leider kamen wir zu spät. Nächstes Jahr muss ich dahin und mir Impulse für meine Küche holen. 

Richtig etwas gelernt habe ich beim Go-Kurs. Go ist ein asiatisches Brettspiel und was so leicht aussieht, ist saumäßig kompliziert. Meine Frau und ich haben uns von Thomas Furtner die Grundregeln erklären lassen und Thomas Furtner ist ein guter Lehrer selbst bei so begriffsstutzigen Schülern wie ich einer bin. Und ich muss sagen: Go macht Spaß und strengt die kleinen grauen Zellen gehörig an. Ich hatte mir eine Woche zuvor die Dokumentation AlphaGo angeschaut für ein Seminar zur Künstlichen Intelligenz. Dort tritt Software gegen Weltklasse-Go-Spieler an und fegt die Menschen vom Platz. Wirklich faszinierend und ich habe mir gleich eine Go-App für das iPad geladen.

Shoppen was das Cosplayer-Herz begehrt auf der Animuc

Und natürlich musste geshoppt werden. In der Tenne der Klosteranlage gab es zahlreiche Stände verschiedener Händler. Kostüme, Bücher, Schmuck, Waffen, Spielfiguren, Anhänger, Perücken – alles, was das Cosplayer-Herz begehrt. Die Preise sind nicht ohne und K1/2 warfen sich gleich in die Schlacht. Ich hatte im Flohmarktbereich die 19teilige Manga-Serie Battle Angel Last Order in Blick, aber 175 Euro waren es mir die sicherlich tollen Bücher nicht wert.

Froh war ich übrigens, dass ich keinen Stand mit Anime-Score und Soundtracks im größeren Stil gefunden habe. Das wäre garantiert mein Groschengrab geworden. K2 hat zwar viel BTS-Klamotte gefunden, aber kaum K-Pop CDs, oder wir haben sie übersehen. Das wäre auch noch eine Bereicherung gewesen.

Friedliche Animuc

Immer wieder schlenderte ich durch die Gärten des Klosters, unterhielt mich und war begeistert über die Liebe zum Detail. Ich traf auf Gandalf und andere Figuren wie Desmond Miles aus Assassin’s Creed.

Ich dachte mir: Wenn eine Gruppe von Hunderten von Erwachsenen auf einem Fleck sind, dann gibt es immer Ärger, Besoffene und Rangeleien. Bei der zehnten Animuc habe ich davon nichts gesehen. Cosplayer sind ein bezauberndes Volk und die nächste Veranstaltung in Mannheim ist bereits gebucht. Mir gefällt das Spektakel.

 

 

Erster Eindruck von No Man’s Sky

15. August 2016

K1 und ich spielen No Man's Sky seit ein paar Tagen.

K1 und ich spielen No Man’s Sky seit ein paar Tagen.

Nachdem der Hype um das Spiel immer stärker wurde, hat er auch die Gamer unserer Familie erfasst. Seit der Erstveröffentlichung in Deutschland spielen K1 und ich No Man’s Sky auf der PS4. Erstes Fazit: Macht Spaß, wenn man sich darauf einlässt.
Die Handlung ist einfach: Erkunde das Universum – nicht mehr, nicht weniger. Der Spieler muss auf seinem Ursprungsplaneten Bodenschätze sammeln und seine Startdüsen und Impulsantrieb reparieren. Dann startet man erst mit seiner Rostlaube von Raumschiff names Rasamama S36, in die Weiten des Weltraums. Dort landet er auf unerforschte Planeten, nimmt Kontakt zu Außerirdischen auf, handelt mit ihnen, löst Rätsel, sammelt wiederum Bodenschätze und startet tiefer und tiefer in das unendliche All. Ziel ist es, den Mittelpunkt des Universums zu finden. Insgesamt gibt es 18.446.744.073.709.551.616 Planeten zu entdecken, reicht also für ein, zwei Tage intensiven Spiels. Je weiter der furchtlose Spieler vorstößt, desto schwieriger werden die Missionen und man muss sich mit allerhand aggressiven Zeitgenossen herumschlagen.


Als Trekkie mag ich dieses Spiel von Hello Games, denn es ein Spiel für Entdecker, für Träumer, für Reisende. K1 mag das Spiel, weil es an Mindcraft und Simulationen erinnert. Das Entdecken steht im Vordergrund, da Reisen zu fremden Welten, die nie ein Mensch zuvor betreten hat – oh, das war der Star Trek-Claim. Anders als Ego-Shooter sollte der Spieler entspannt an die Sache herangehen. Hektiker werden bei  No Man’s Sky nicht froh. Entdecker brauchen Zeit, sollten sich umsehen können und sollten Eindrücke sammeln – das macht den Reiz des Spiels aus. Wer Gefechte und Action will, sollte bei Doom bleiben. No Man’s Sky ist anders und genau tut gut in unserer hektischen Zeit. Das Spiel entschleunigt.
Sammeln ist dabei das Stichwort. Der Spieler verfügt ein Multifunktionswerkzeug, das mal als Waffe, vor allem aber zum Ressourcen-Abbau verwendet wird. Dann gibt es noch einen Raumanzug und das Raumschiffchen. Mehr braucht es nicht, um neue Welten zu erkunden. Das geht übrigens nach dem Laden von Patch 1.03 deutlich besser. Die PC-Gamer scheinen Probleme zu haben, auf der PS4 läuft alles butterweich. Die zu erforschenden Welten erfreuen mein Herz als Space Opera-Fan, obwohl an der Grafik einiges zu meckern ist. Doch die wirklich guten Bilder entstehen im Kopf. Es gibt alle Arten von Flora und Fauna in unterschiedlichen Landschaften: Mal Wüste, mal Wald, mal Gewässer. Ich finde es beispielsweise faszinierend in Höhlen einzusteigen und sogar Stollen voranzutreiben. Immer bin ich auf der Suche nach Rohstoffen, nicht wie bei EVE um Handel zu treiben und nebenbei BWL zu studieren, sondern um voranzukommen und mehr zu forschen. Pflanzen enthalten freilich Kohlenstoff (Kohlenstoffeinheit Kirk kennen wir noch aus Enterprise), die Felsen sind aus Gold (!), Eisen, Kupfer und ab und zu gibt es auch Plutonium. Der Stoff liegt in roten Kristallsteinchen einfach so herum. Tiere, ähnlich Saurier, durchziehen die Landschaften. Wenn sie zahm sind, quietschen sie übrigens sehr nett.


Je mehr ich Kontakt mit Außerirdischen habe, desto mehr lerne ich ihre Sprache. Die einzelnen Wörter werden dann in Sätze eingebaut und im Laufe des Spiels werden die Aussagen der Außerirdischen verständlicher. Ich finde es eine nette Spielidee.
Dazu kommt ein gelungener Game-Soundtrack zu No Man’s Sky: Music for An Infinite Universe. Von der Band 65daysofstatic hatte ich noch nie etwas gehört. Im Soundtrack-Umfeld waren die Herrschaften bisher noch nicht tätig. 65daysofstatic ist eine instrumentale Math-Rock (?)- und Postrock-Band aus Sheffield, Großbritannien. Ihr Sound klingt gewaltig und passt auf jeden Fall zum Spiel No Man’s Sky. Der Soundtrack erschien als Doppel-CD. Es ist kein Vergleich zu klassischen Filmscores, aber zum Videospiel passt er allemal.

Star Trek Beyond – meine Filmkritik

29. Juli 2016

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Grundsätzlich: Was ist das für eine Welt, in der die Beastie Boys mit Sabotage das gesamte Universum retten? Wäre es da nicht besser, die Welt würde untergehen? Diese grundsätzliche Frage sei Star Trek Beyond mal vorangestellt.
Als seltene Spezies, der sowohl Star Trek als auch Star Wars mag, musste ich Star Trek Beyond natürlich unbedingt sehen, wie alle anderen Star Trek-Filme bisher auch. Fazit: Unterhaltsamer Film, aber viel zu schnell geschnitten, routinierte Schauspieler und überragender Soundtrack. Kann man schauen, muss man als Fan aber auf alle Fälle. Star Trek Beyond ist der 13. Film der Reihe und kommt rechtzeitig zum 50. Jubiläum der Serie. Also wieder ein Kultur-Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.
Ich habe das Gefühl, dass Star Trek Beyond irgendwie als Versöhnungsnummer daher kommt. Regisseur Justin Lin will den alten Trekkies-Fans die Hand reichen. Star Trek Beyond erinnert in manchen Momenten an die alte Serie: Die Kulissen, die Monster und sogar ein altes Motorrad ist dabei. Sehr schön. Aber dann kommt es wieder knüppelhart: Die Story wird seichter, die Action nimmt zu, die doofen Sprüche da.

Heimlicher Held ist nicht Kirk und Co, sondern die Tricktechnik. CGI kann zeigen, was State of the Art ist. Neben der Zerstörungsorgie rund um die Enterprise (schon wieder ist ein Schiff kaputt), hat mich vor allem die Weltraumstation Yorktown fasziniert. So könnte eine aufgeblasene ISS in der Zukunft aussehen — Deep Space nine war nur der Anfang. Straße, Plätze, Züge der Zukunft – eine faszinierende Sichtweise. Vielleicht gibt es ja ein Hinter den Kulissen-Buch, das Yorktown näher zeigt. Diese visuellen Effekte sind wunderbar, doch leider verlieren sich da die Darsteller. Manches Mal erkannte ich keine Handlung mehr, nur noch grandiose Effekte.
Auch die Geschichte passt in unsere Zeit. Die ersten Minuten des Films, die die Routine auf der Enterprise zeigen, zeugen von Humor. Szenen einer Ehe, Szenen von Beziehungen, Szenen von Langeweile – aber alles humorvoll. So war die alte Enterprise. Kirk ist gelangweilt, Spock am Ende seiner Liebschaft mit Uhura – Pille freut sich auf den Alkohol. Dann wird der Humor wieder der typische Blockbuster-Humor. Am Ende des Cliffhangers einen dummen Spruch zur Auflockerung – braucht es das wirklich?

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Regisseur Justin Lin dreht auf
Regisseur Justin Lin dreht voll auf. Und ich schlagartig wusste ich wieder, warum ich die The Fast and the Furious-Serie nicht mag. Zu wenig Inhalte, zu viel Action – die Zeichnung der Charaktere blieb in diesen Filmen auf der Strecke. Bei Star Trek Beyond reißt sich Justin Lin größtenteils am Riemen. Das liegt aber vor allem daran, dass dem Zuschauer seit Jahren die Charaktere bekannt sind. Justin Lin lässt keine Zeit der Entwicklung zu, sondern wirft den Zuschauer voll ins Geschehen und setzt Inhalte und das Trekkie-Beziehungsgeflecht einfach voraus. Damit habe ich als alter Hase kein Problem, aber für Neueinsteiger in die Serie ist dieser Film absolut nichts. Da sollte man besser bei Star Trek von J.J. Abrams einsteigen, wenn nicht gar bei der ganz alten Serie. James „Jim“ T. Kirk leidet unter dem Trauma seines alten Herrn, Cmdr. Spock hat ein Verhältnis mit Lt. Nyota Uhura, Lt. Cmdr. Montgomery „Scotty“ Scott kommandiert Keenser herum, Fähnrich Pavel Chekov will alles richtig machen und und und. Leider entwicklen sich die Figuren im Film kaum weiter. Einzig vielleicht Spock nach dem Tod seines Alter Egos. Und Sulu – aber dazu später.
Eine absolute Bereicherung des Films ist Jaylah, die ein wenig an das David Bowie-Design der siebziger Jahre erinnert. Sie bringt frischen Wind in die Serie und wird am Schluss in die drögen Sternenakademie-Klamotten gepresst. Ihre Freiheit ist dahin, Anpassung lebe hoch – vielleicht ist das die Lehre des Films.

Sulu ist homosexuell
Neu, absolut neu, war die homosexuelle Beziehung von Lt. Hikaru Sulu. Er hat sein Coming-Out in diesem Film. Der ursprüngliche Sulu-Darsteller der TV- und alten Kinoserie George Takei ist homosexuell und vielleicht war dies der Grund, warum Drehbuchautor Simon Pegg einen schwulen Sulu in den Star Trek Beyond hineingeschrieben hat. Dem Film selbst bringt das Coming-Out nicht weiter, aber es ist eine interessante Information am Rande, die sicherlich unter Trekkies diskutiert wird. Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry lehnte Homosexualität in seiner Serie ab, weil die Welt noch nicht soweit sei. Nun, Kirk hat als erster Weißer eine Farbige geküsst und damals eine TV-Revolution ausgelöst, da kann heute Sulu ruhig homosexuell sein. Eine Kino-Revolution wird es nicht mehr auslösen.
Schade, dass Fähnrich Pavel Chekov nicht mehr dabei sein wird. Sein Darsteller Anton Yelchin starb mit 27. Jahren bei einem Autounfall. Er bekam eine Widmung im Abspann genauso wie der Spock Darstellers Leonard Nimoy. Der nächste Teil der Star Trek Serie ist übrigens bereits in Auftrag gegeben, die ersten Verträge sind unterschrieben.

Hammermusik von Michael Giacchino
Zum dritten Mal komponierte Michael Giacchino die Musik zu einem Star Trek-Film. Mein Empfinden: Mit Star Trek Beyond liefert Michael Giacchino sein Meisterstück ab und hat sich endgültig von Jerry Goldsmith gelöst. Ich habe den Soundtrack bisher nur im Film gehört – das Album Star Trek Beyond erscheint erst in den nächsten Tagen. Mein subjektiver Eindruck während des Films: Das ist ein großartiger Score.

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Muss das sein? Trekkie J.J. Abrams verfilmt Star Wars VII

25. Januar 2013

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Gestern nacht ging es wie ein Lauffeuer durch die Foren: J.J. Abrams soll Star Wars VII verfilmen. Mehrere US-Quellen haben diese Meldung ins Spiel gebracht, darunter Hollywood Reporter, Deadline Hollywood und Variety. Der erste Eindruck aus dem Netz: J.J. Abrams kann das.

Meine Meinung: Ob J.J. Abrams das kann, steht außer Frage, aber soll er das? Noch besser darf er das? Mit seinem Star Trek-Film hat J.J. Abrams (Star Trek – die Zukunft hat begonnen)  frisches Blut in die etwas angestaubte Star Trek-Serie gebracht. Und was wir von dem nächsten Star Trek Film Into Darkness gesehen haben, wird dieser neue Schwung fortgesetzt. Aber damit steht fest: J.J. Abrams ist ein Trekkie und ein verdammt guter Trekkie.

Darf nun ein Trekkie das Sakrileg begehen und sich an eine Star Wars-Fortsetzung wagen? George Lucas hat sein Star Wars-Imperium im Oktober 2012 an Disney verkloppt und die wollen natürlich jetzt den fetten Dollar machen. Beim Kauf hatten sie bereits angekündigt, dass Star Wars fortgesetzt werden soll. Die Fans zeigten im Netz bereits Darth Vader mit Maus-Ohren als eindeutige Kommentare.

Die Wahl von Disney fiel wohl jetzt auf J.J. Abrams. Und der kann es sicherlich: Er weiß, wie man mit Schauspieler umgeht, kann starke Stoffe entwickeln und er kennt sich mit modernen VFX und CGI aus. Die Voraussetzungen stimmen also, bis auf: Er ist halt ein Trekkie.

Die Gräben zwischen Star Wars-Fans und Star Trek-Fans waren immer tief. Star Wars bedeutet eben Krieg der Sterne, während Trekkies im Grunde auf einer Friedensmission unterwegs sind. Die beiden Ansichten sind eigentlich unüberbrückbar. Ich will aus Star Wars keine Filme über Verständigung und Menschlichkeit in bester Roddenberry-Tradition und aus Star Trek kein Geballer. Aber vielleicht gehöre ich zum alten Eisen?

Die Wahl der Regie ist echt schwer: Die Star Wars-Regisseure wie Irvin Kershner und Richard Marquand sind beide verstorben, gehörten aber zur alten Hollywood-Garde, George Lucas scheitet nach vier Filmen als Regisseur sowieso aus. Größen wie James Cameron sind derzeit mehr dem Meer als dem Weltraum verbunden und Ridley Scott versucht mit Prometeus neuen Schwung in die Alien-Saga zu bringen. Immer wieder waren Namen im Gespräch: Jon Favreau, Guillermo del Toro, Joe Johnston, David Fincher und auch Ben Affleck. Fincher wäre interessant gewesen, aber ihm fehlt wohl die CGI-Erfahrung, die man für ein Werk wie Star Wars braucht. Das Drehbuch soll wohl Michael Arndt schreiben, der spätestens mit Toy Story III gezeigt hat, dass er sich auf Fortsetzungen versteht. 2015 soll Star Wars VII in die Kinos kommen.