Posts Tagged ‘Gothic Horror’

Mein erster Lost Place in der Oberpfalz

14. März 2017
Mein erster Lost Place - ein Bahnhof in der Oberpfalz.

Mein erster Lost Place – ein Bahnhof in der Oberpfalz.

Bei einem Schulungstermin in der Oberpfalz flammte mein Interesse für Lost Places auf. Das sind verlassene, verfallene Orte. Die Natur holt sich diese Orte zurück, nachdem der Mensch diese Orte verlassen hat. Die Orte beginnen sich zu verändern, zu versinken. Die Atmosphäre ändert sich. So einen Lost Place bin ich eben in der Oberpfalz bei einem aufgelassenen Bahnhof begegnet.


Die Deutsche Bahn hat das Bahnhofsgebäude aufgelassen und bietet es zum Kauf an. Ein Käufer findet sich wohl weit und breit keiner und so verfällt die Bausubstanz. Das Bahnhofsgebäude war ein schöner Bau, aber wird nicht mehr gebraucht. Es gibt am Bahnhof einen Kartenterminal und Plastiküberdachte Sitzplätze aus Metall. Den Schalter und den Warteraum und die Infrastruktur braucht die Bahn wohl nicht mehr und kann es sich nicht mehr leisten. Ich habe auch gelernt, dass man den genauen Standort von Lost Place nicht verraten soll, um nicht Vandalen anzulocken. Nun, dies ist bei einem ehemaligen Bahnhofsgebäude schwierig und ich verrate nicht, in welcher Gemeinde sich der Bahnhof befindet. Einheimische wissen sowieso auf dem ersten Blick, welchen Bahnhof ich meine.


Was reizt mich an Lost Places? Ich sammle Fotobücher zu dem Thema und werde in nächster Zeit einige meiner Exemplare hier im Blog vorstellen. Ich bin in einer geschlossenen Facebook-Gruppe dabei und bewundere die Bilder in den eingestellten Beiträgen und verfolge die Diskussionen darum. Ich habe meine Bahnhofsbilder auch eingestellt, sie wurden allerdings kaum beachtet. Damit muss und kann ich leben.


Ich glaube, der Auslöser für mein Interesse an Lost Places stammt vom Kino. Ich liebe Spukfilme, also verlassene Orte an denen Geister und Dämonen wohnen. Dracula wohnte immer in einer coolen Hütte. Sein Sarg stand immer im Verborgenen. Sein Schloss in Rumänien war immer vom Verfall bedroht. Und auch seine Anwesen in London oder sonst wo waren immer verfallene Abteien oder Herrenhäuser. Spinnennetze, viel Staub und knarrende Fenster mit schlagenden Läden gehörten einfach dazu. Es gab viele dieser Spukfilme, die ich mir gerne ansehe, besonders wenn das Spukhaus selbst im Mittelpunkt steht. In diesem Blog gibt es einige Berichte von mir. Ich liebe nun mal den Gothic Horror.


Weiter ging es dann mit Videospielen. Als ich das erste Mal das schon fast zum Klassiker avancierten The Last of Us spielte, da war die Verehrung für Lost Places wieder da. Das Videogame spielt in einer Postapokalyptischen Welt. Die Natur holte sich nach der Katastrophe die Gebäude der Menschen zurück. Die Story vom Spiel gefiel mir, aber vor allem das Gamedesign. Ich bin oft im Spiel stehen geblieben und habe mir die Orte angesehen. Orte, an denen ich im normalen Gameplay einfach durchgerast wäre. Ich habe dazu sogar einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Natürlich gibt es viele weitere Spiele in so einer Welt, aber The Last of us hat mir außergewöhnlich gut gefallen.
Na gut, mein Bahnhof in der Oberpfalz ist nicht gerade The Last of Us oder Schloss Dracula. Aber es ist zumindest ein Anfang und mein Interesse für diese geheimnisvollen Orte ist wieder geweckt. Leider konnte ich den Bahnhof nicht von Innen besichtigen. Die Eingangstüre war zwar aufgebrochen, aber die Bundespolizei war am Bahnhof anwesend und schaute mich interessiert an. Sie warteten wie ich auch auf den Regionalzug und ich Weichei traute mich nicht, Bundeseigentum in Anwesenheit der Bundespolizei zu betreten. Da muss ich wohl noch viel lernen, bis ich zu einem richtigen Suchenden werde. Mal sehen, vielleicht nimmt mich aus der Facebook-Gruppe mal einer auf eine Tour mit.

Dracula im Film 3: Dracula 1979

11. Juni 2012

Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.

Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.

Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.

Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.

Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.

Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.

Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.