Posts Tagged ‘Stummfilm’

Deutschlandpremiere: Der Golem, wie er in die Welt kam mit Klavierbegleitung von Richard Siedhoff

30. Januar 2019

Der expressionistische Stummfilm ist eines meiner Hobbys. Und dieses Hobby führte mich nach Berlin in die Deutsche Kinemathek, wo im Arsenal-Kino die Berlin-Premiere des Klassikers Der Golem wie er in die Welt aufgeführt wurde. Dabei traf ich auf Richard Siedhoff, der den Film von Paul Wegener am Klavier live begleitete. Nach der Aufführung trafen wir uns zusammen mit Oliver Hanley von der Filmakademie Babelsberg Konrad Wolf beim Bier und interessanten filmhistorischen Geschichten. 

Eine neue restaurierte Version von Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam.

Eine neue restaurierte Version von Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam.

Bisher gab es vom Golem nur verstümmelte Fassungen. Immer wieder wurde an dem Film herumgedoktert. Wegener drehte drei Golem-Filme, wobei die dritte Version „Der Golem, wie er in die Welt kam“, die wichtigste ist. Von den anderen beiden existieren nur Standfotos. Nun wurde der Golem-Film aufwändig restauriert. Die Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung bringt den Film Der Golem, wie er in die Welt kam im März auf Bluray raus und diese Version wurde in Berlin einem begeisterten Publikum gezeigt. 

Stummfilmpianist Richard Siedhoff begleitete den Golem am Klavier.

Stummfilmpianist Richard Siedhoff begleitete den Golem am Klavier.

Allerdings: Es wird an einer zweiten restaurierten Version im Münchner Filmmuseum gearbeitet. Deren Veröffentlichungstermin ist noch unklar. Ich hoffe mal auf das Jahr 2020, wenn der Stummfilmklassiker seinen 100. Geburtstag feiert. Das Besondere der längeren Version des Münchner Filmmuseums: Er enthält die Originalmusik von Hans Landsberger, die als verschollen galt. Bei seinen Recherchen entdeckte Stummfilmpianist Richard Siedhoff die Partitur und möchte die Filmmusik für das Münchner Filmmuseum mit großem Orchester einspielen. Die Filmmusik von Hans Landsberger muss unheimlich komplex sein. Die Leitmotive der Figuren sind ineinander verwoben. Bisher existierten nur euphorische Kritiken aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sowie ein Programmheft mit Noten-Auszügen.

Eine filmhistorische Sensation. Richard Siedhoff entdeckte die verschollen geglaubte Partitur von Hans Landsberger.

Eine filmhistorische Sensation. Richard Siedhoff entdeckte die verschollen geglaubte Partitur von Hans Landsberger.

Aber Siedhoff entdeckte die Originalnoten. Wo, wollte er nicht verraten. Er arbeitet an einem wissenschaftlichen Aufsatz für die Filmakademie Konrad Wolf und wird dort sicherlich das Geheimnis lüften. Ich bin gespannt, wie sich die Musik anhört. Siedhoff schwärmte in meinem Gespräch von der Musik von Landsberger. Der jüdische Komponist Hans Landsberger selbst ist verschwunden. Er starb 1941 in deutscher Gefangenschaft. Ob er sich selbst ermordete oder ob ihn die Nationalsozialisten ermordeten ist unklar. An der Musik Landsbergers orientierte sich die Montage der Münchner Version des Golems, die längerer sein wird als die Version der Murnau-Stiftung. In der Murnau-Version enden Szenen abrupt oder Personen springen. Die Münchner-Version soll rund 6 Minuten länger sein als die Murnau-Version. Bei Bier und Pizza sprachen die Filmexperten über den Film und lüfteten ein paar Geheimnisse:

Kommentar: Was soll das?

Für mich als Filmfan ist es absolut unverständlich, warum beide Institutionen Murnau-Stiftung und Münchner Filmmuseum nicht im Sinne der Kunst zusammenarbeiten können. Ich hätte nichts gegen eine Deluxe-Version mit beiden Versionen, um zu vergleichen. Warum muss jeder sein eigenes Süppchen kochen? Für uns Filmfreunde bedeutet dies, den Film zweimal zu kaufen und dann zu vergleichen. Ich vermute kommerzielle Interessen, aber kenne freilich keine Details. Mal ehrlich: Als ob der Golem kommerziell ein Renner wird. 

Golem in 4K 

Auf jeden Fall freute es mich, den Golem in einer fast perfekten 4K-Version zu sehen. Ein paar Szenen waren beschädigt – die sollen in der Münchner Fassung dagegen perfekt sein. Die Filmreihe Filmspotting startete 2019 mit Paul Wegeners Stummfilmklassiker „Der Golem, wie er in die Welt kam“ aus dem Jahr 1920. Ausgehend von einem in der cinémathèque royale de belgique, Brüssel, wieder entdeckten Originalnegativ erstellte die Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung eine in 4K-Auflösung visuell optimale Restaurierung der ursprünglichen Farbfassung. Diese erlebte bei den vergangenen Internationalen Filmfestspielen von Venedig ihre Premiere und war bei meinem Berlin-Besuch erstmals in Deutschland zu sehen. Wenn ich ehrlich bin, gab es schon eine nichtöffentliche Aufführung bei der Hochschule Konrad Wolf. Die musikalische Interpretation der Originalmusik übernahm der Stummfilmpianist Richard Siedhoff, der an der Rekonstruktion der ursprünglichen Partitur gearbeitet hat. Siedhoff ist Composer in Residence des Metropolis Orchesters Berlin.

Oliver Hanley von der Filmakademie Babelsberg Konrad Wolf hielt im Arsenal-Kino den Einführungsvortrag zum Film.

Der Inhalt des Films 

Der Inhalt: Prag im 16. Jahrhundert: Der Rabbi Löw erschafft den Golem, einen Lehmriesen, um ein prophezeites Unheil von seiner Gemeinde abzuwenden. Doch der Golem lässt sich nach vollbrachter Rettung nicht mehr beherrschen und zündet das Ghetto an. Diese Verfilmung der jüdischen Legende gehört zu den Klassikern der Stummfilmära. Die Kulisse (entworfen von Hans Poelzig), die Lichtführung und die Figur des Golems waren bahnbrechend und beispielhaft für das Genre. 

 

Tag des Denkmals mit blauem Engel im Lichtspielhaus und Ufa-Ausstellung

11. September 2018
Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck erstrahlt wieder.

Im Rahmen des Tag des offenen Denkmals fand im Landkreis Fürstenfeldbruck eine schöne Veranstaltung statt. Ein Stopp bei der Rundreise durch die Denkmäler des Landkreises war auch das alte Kino Lichtspielhaus. Ein Verein hat das Kino meiner Jugend gerettet, mit Hilfe staatlicher Gelder renoviert und wieder eröffnet. 

Das Kino meiner Jugend.

Das Kino meiner Jugend.

Als ich Kind war, gab es in FFB für mich vier Kinos: Das Capitol, das Amper-Lichtspiele, das Lichtspielhaus und ein Kino im Fliegerhorst – ich glaub es hieß Luxor, das ich nur in Begleitung eines Bundeswehrangehörigen besuchen durfte. Es gab noch mehr Kinos früher, aber das war vor meiner Zeit. Alle diese Kinos gehören der Vergangenheit an, bis auf das Lichtspielhaus. Der Verein, die Stadt, die Bürger haben das Kino gerettet und wieder hergerichtet. Adolf Voll war übrigens der Architekt des Kinos, das 1930 erbaut wurde Vielleicht sollte ich Mitglied des Vereins werden. Ich hab spontan einige Ideen, was ich dort einbringen könnte. 

Ein modernes Kino hat Fürstenfeldbruck mit dem Scala, das ich auch sehr gerne mag. Das Fürstenfeldbrucker Kino ist bereits 1930 als Tonfilmkino entstanden und wurde 2013 als Baudenkmal eingestuft. Durch die Zerstörungen des Krieges und Erneuerungswelle der Nachkriegszeit sind nur noch wenige Kinos aus dieser Zeit erhalten. Das Gebäude ist das älteste erhaltene Kino in Bayern „Durch den ungewöhnlich dicht erhaltenen historischen Baubestand ist das Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck ein ausgesprochen seltenes und wichtiges Zeugnis der Kinogeschichte“, so das Landesamt für Denkmalpflege. 

Der blaue Engel auf der großen Leinwand

Auf jeden Fall bekam vor kurzem das historische Kino eine neue Lounge. An am Tag des Denkmals wurde vom Verein auch ein Filmdenkmal gespielt: Der blaue Engel von Josef von Sternberg. Über diesen Ufa-Klassiker braucht man nichts mehr zu schreiben. Es war der Durchbruch für die junge Marlene Dietrich, die bei der Deutschlandpremiere bereits mit von Sternberg in die USA immigrierte. Der großartige Emil Jannings blieb in Deutschland und spielte unter den Nazis. Es war der Übergang von Stimm- zum Tonfilm und ich finde es prima, dass der Verein Lichtspielhaus diesen Klassiker aus dem Archiv der Murnau Stiftung gewählt hat, weil er eine Zeitwende für den Film und die deutsche Gesellschaft darstellt. Meine Gattin hatte zu ihrer Schulzeit das Buch Professor Unrat von Heinrich Mann als Facharbeit verarbeitet und ich muss sie noch näher befragen. 

Der blaue Engel - ein Klassiker auf großer Leinwand.

Der blaue Engel – ein Klassiker auf großer Leinwand.

Es war schön in diesem alten Kino mit neuer Technik zu sitzen und den Film zu genießen. Neben der Leinwand steht ein altes Klavier, das früher im ersten Stock des Kinos stand. An der Decke des Raumes leuchtete die alte Lampe, die schon zu meiner Jugend dort hin. Also Film ab und los gehts.

Die Lampe hing schon damals.

Die Lampe hing schon damals.

Leider quatschten die ganze Zeit der Vorführung ältere Herrschaften und berichteten ihren Nachbarn, was sie auf der Kinoleinwand gerade sehen. Bei modernen Action-Kino ist das weniger ein Problem, weil die Soundkulisse im Kinosaal lauter ist, aber beim Übergang von Stumm- auf Tonfilm hört man jedes Gequatsche in diesem akustisch optimierten Raum: Blub Blub Blah Blah den ganzen Abend – das nervte kolossal.

Ufa-Ausstellung in München 

Auf jeden Fall machte der blaue Engel mir Lust auf die Ufa-Ausstellung, die derzeit im Münchner  Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung läuft.  Bis 16. September gibt es hier Die Ufa – Geschichte einer Marke zu sehen. Die Traumfabrik des deutschen Films Ufa (Universum Film Aktiengesellschaft) hat eine wechselvolle Geschichte, dargestellt in der Ausstellung in sieben Kapiteln. 

Im Ersten Weltkrieg als Propagandainstrument gegründet, hat sich das Unternehmen Ufa heute zum „Content-Produzenten” für verschiedene audiovisuelle Plattformen entwickelt. Die Geschichte der Ufa erzählt daher auch die Geschichte der audiovisuellen Medien.

Unbedingt noch ansehen

Unbedingt noch ansehen

Zu den Konstanten, die sich durch die Geschichte der Marke ziehen, gehören die Stars, vom Unternehmen oft als die „eigenen“ reklamiert. Populäre Unterhaltungsproduktionen zielen auf den internationalen Markt, der sich für die Refinanzierung prestigeträchtiger Produktionen als unabdingbar erweist. Großproduktionen, heute mit Blick auf den globalen Markt „High-End-Dramen“ genannt, sind nur auf Grundlage dieser Mischkalkulation möglich. Häufig geht es darin um Themen und Ereignisse aus der (deutschen) Geschichte – damals wie heute.

Trotz vieler Brüche und Zäsuren in der Firmengeschichte existiert die Marke „Ufa“ seit einhundert Jahren. Der zugkräftige Name hat sich über die Dekaden hinweg gehalten – nicht zuletzt, weil seine Strahlkraft diese Marke schon früh zu einem Asset machte und bis heute macht. 

Präsentiert wird zudem die ökonomische und ästhetische Strategie des Medienkonzerns. Anhand einer Vielzahl von Exponaten, die der Stummfilmzeit über das Aufkommen des Fernsehens bis hin zu aktuellen Innovationen der heutigen UFA reichen, lassen sich die Reaktionen des Unternehmens auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie die Marktmechanismen der jeweiligen Epoche nachvollziehen. Ich hab mir auch den Ausstellungskatalog Die Ufa – Geschichte einer Markegekauft, um in Ruhe die Geschichte nachzulesen. 

Lesenswerter Ausstellungskatalog

Lesenswerter Ausstellungskatalog

Stummfilmpianist Richard Siedhoff sorgt für den richtigen Ton bei der Zwölften Stunde

9. März 2017
Richard Siedhoff Macht Quatsch mit mir. Dabei ist er ein seriöser Musiker.

Richard Siedhoff Macht Quatsch mit mir. Dabei ist er ein seriöser Musiker.

Als Fan des deutschen Expressionsmus im Film war ich nervös, als mein Kollege Christopher Link mir erzählte, dass im Münchner Filmmuseum eine seltene Kopie des Vampir-Films „die zwölfte Stunde“ gezeigt wird. Den Streifem musste ich sehen. Am Ende war ich vom Film total enttäuscht – und dennoch war der Abend ein voller Gewinn. Zum Film gab es Live-Klaviermusik von Stummfilmpianist Richard Siedhoff aus Weimar. Virtuos begleitete Siedhoff den Film und wir trafen uns nach der Vorstellung zu einem kleinen Videointerview.

Nicht autorisierter Klassiker
Der Film „die zwölfte Stunde“ ist im Grunde eine Art erweiterte Raubkopie. Er kam 1930 in die Kinos. Ihm liegt der legendäre Film von Friedrich-Wilhelm Murnau „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ zu Grunde, einer meiner Lieblingsfilme. Die zwölfte Stunde ist dagegen eine nicht autorisierte Bearbeitung von Murnaus „Nosferatu“ aus dem Jahr 1922.
1930 kam der Tonfilm auf und die „die zwölfte Stunde“ bediente den Wunsch des Publikums nach mehr Toneffekte. Die Stummfilmteile wurden mit Geräuschen und Musik unterlegt, Szenen wurden vertauscht und entfernt, neue Tonfilmszenen wurden von Waldemar Roger hinzugefügt, die Rollenbezeichnungen wurden geändert. Für mich steht fest: Der großartige Murnau Film wurde einfach nur verstümmelt. Die ergänzenden Szenen waren belanglos und dauerten viel zu lange, wie die Szene aus dem Gasthaus, das Hochamt, die Hafenszene oder Impressionen aus dem Südtirolurlaub von Waldemar Roger. Der Rhythmus des Meisterwerks von Murnau wurde zerstört. Naja, am Ende hatte ich die „die zwölfte Stunde“ eben auch gesehen.

Stummfilmpianist Richard Siedhoff
Viel wichtiger für mich im Nachhinein war die Filmmusik. Am Abend im Filmmuseum spielte Stummfilmpianist Richard Siedhoff. Er improvisierte neben der Leinwand und schaffte es, dass aus dem schlechten Film ein unvergesslicher Abend wurde.


Der Film hatte ursprünglich eine eigene Tonspur. Sie bestand aus der nicht mehr erhaltenen Musik von Georg Fliebiger, die auf Schallplatte synchron zum Film angespielt wurde.
Richard Siedhoff hatte die Sache virtuos im Griff und ließ den schlechten Film zu einem Kulturgenuss werden. Seine Website von Richard Siedhoff gibt umfangreich über den Künstler Auskunft. Mehr als 200 Filmklassiker hat Richard Siedhoff mit eigenen Kompositionen und Improvisationen sowie einigen adaptierten Originalmusiken begleitet. Richard Siedhoff ist Hauspianist im Lichthaus Kino Weimar, dessen Stummfilmprogramm er kuratiert. Zudem ist er als Komponist für Film, Theater und Kabarett tätig. Leider gibt es noch keine CD von ihm.


Ich traf Richard Siedhoff nach der Aufführung der Zwölften Stunde zu einem Kurzinterview in München. Christopher Link, erfolgreicher Dokumentarfilmer, filmte unser Gespräch mit meiner Lingra. Siedhoff ist seine Begeisterung für die alten Werke anzumerken. Er lebt für die Klassiker. Er hat Nosferatu schon einige Male gespielt und einige Motive selbst komponiert. Diese Motive variiert er immer wieder während des Spiels. Für die Zwölfte Stunde wurde es komplett adaptiert.

Dracula im Film 2: Shadow of the Vampire 2000

22. März 2012
Sonnenaufgang für einen Vampir.

Sonnenaufgang für einen Vampir.

Eine wohltuende Überraschung ist dieses Bonbon, das wahren Vampirfreunden einfach Spaß machen muss. Der Film Shadow of the Vampire ist ein Genuss. Shadow of the Vampire zeigt in einer fiktiven Story, was wirklich hinter der besten Dracula-Verfilmung aller Zeiten stecken könnte. Was wäre, wenn Max Schreck in Murnaus Klassiker Nosferatu – eine Symphonie des Grauens in Wahrheit doch ein Vampir gewesen wäre?

Ein netter Gedanke und daraus entstand ein atmosphärisch dichter Film mit den beiden Hollywoodstars John Malkovich als Friedrich Wilhelm Murnau und Willem Dafoe als Vampir Max Schreck. Dafore wurde mit dem Oscar für seine eindrucksvolle Leistung und nochmal für die ausdrucksstarke Maske nominiert. Als Gage für sein realistisches Auftreten im Film bekommt der Vampir die Hauptdarstellerin versprochen – auch ein interessantes Geschäftsmodell, das Hollywood wieder einführen sollte.

Der Film ist voller Extreme: Murnau ist ein Besessener und Schreck ist es ebenso – aber eben jeder auf seine Weise. Aber anders als bei klassischen Dracula-Verfilmungen kommt dieses Mal keine Sympathie für den Vampir auf. Die gnadenlosen Helden des düsteren Filmes gehen buchstäblich über Leichen. Murnau opfert bedenkenlos seine Mitarbeiter für die Kunst, denn wir wissen ja, für die Kunst müssen Opfer gebracht werden. Der Vampir dagegen hat einfach nur Hunger, fett Kohldampf und spielt sich selbst als gieriger verbitterter Mann. Wer ist nun das größere Monster? Der Künstler oder der Vampir?

Und der Film von No-Name E. Elias Merhige ist eine wunderbare Hommage an den Meisterregisseur Plumpe, der sich als Künstler Murnau nannte. Der Film spielt wunderbar mit der Filmtechnik der damaligen Zeit – wir standen mitten im Expressionismus. Sehr schön ist ein Dialog von Murnau und Schreck vor einer gemalten Sonne in der Höhle des Vampir. Wir lernen viel über das Filmemachen im Stummfilmzeitalter, wenngleich das Genie des wahren Murnaus mit seiner neuartigen Montageart ein wenig auf der Strecke bleibt. Wenn ein Film wie „The Artist“ den Stummfilm im heutigen Kino wieder aufleben lässt, dann ist Shadow of the Vampire eine schöne Verbeugung an diese vergangene Zeit und ein blutiger Leckerbissen für Vampirfans.

Sensationsfund von Hitchcocks früher Mitarbeit „The White Shadow“

3. August 2011
Szene aus „The White Shadow".

Szene aus „The White Shadow".

Die Filmwelt ist um einen Sensationsfund reicher. Jetzt wurden drei von sechs Filmrollen des verschollen geglaubten Films „The White Shadow“ von 1923 wieder gefunden. Das Melodrama „The White Shadow“ handelt von zwei Schwestern, von denen die eine fast engelsgleich, die andere aber völlig herzlos ist.

Die Massenmedien jubeln den Film als ersten Film von Alfred Hitchcock hoch, der wieder entdeckt wurde. Das ist nicht ganz richtig so. Regie führte damals Graham Cutts. Der Film stammt aus einer Serie von fünf Graham Cutts-Filmen, die zwischen 1923 und 1925 in England entstanden. Hitchcock nahm zwar mehr und mehr Einfluss auf die Filme, die Regie hatte allerdings Cutts inne. Hitchcock schrieb wohl das Drehbuch, sorgte für die Ausstattung und machte den Schnitt, war aber Assistenz des Regisseurs. Filmexperten meinen, die spätere Handschrift Hitchcocks sei aber deutlich zu sehen. Ich freue mich, wenn die ersten Kopien des Films für uns Normalsterbliche erhältlich sind.

Die jetzt entdeckten Filmrollen kommen aus einer Sammlung des neuseeländischen Filmvorführers Jack Murtagh, der 1993 starb. Er arbeitete als Vorführer in dem neuseeländischen Kaff Hastings und hob illegalerweise die Zelluloid-Kopien in seinem Gartenschuppen auf. Nach seinem Tod kamen die Filme ins neuseeländische Filmarchiv, die jetzt den Fund verkündeten. Wo die restlichen drei Rollen sind, weiß allerdings keiner. Wir erinnern uns gerne an das Erlebnis, als die verschwundenen Filmrollen von Metropolis gefunden wurden.