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Ein Roboter aus dem Jahr 1897: Georges Méliès’ Sensationsfund schreibt Filmgeschichte neu

15. April 2026

Der Filmfreund und Sammler von Roboterspielzeug in mir jubiliert und feiert. Der 1897 entstandene Kurzfilm „Gugusse et l’Automate“ von Georges Méliès ist ein sensationeller Fund, da er höchstwahrscheinlich die allererste filmische Darstellung eines Roboters enthält. Der 45-sekündige Stummfilm wurde von der US-amerikanischen Library of Congress aufwendig restauriert und der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Handlung des Kurzfilms
In dem Stummfilm steuert ein Clown namens Gugusse – gespielt von Regisseur Georges Méliès – eine mechanische Figur im Pierrot-Kostüm, die durch das Drehen einer Kurbel plötzlich auf Menschengröße anwächst. Der Automat entwickelt ein unerwartetes Eigenleben und schlägt seinen menschlichen Schöpfer unvermittelt mit einem Stock auf den Kopf. Daraufhin greift Gugusse zu einem großen Vorschlaghammer und hämmert wütend auf die Maschine ein, bis sie immer kleiner wird und schließlich nach dem letzten Schlag gänzlich verschwindet. Hier der Film.

Die abenteuerliche Entdeckung
Der historische Film schlummerte über ein Jahrhundert lang in einer alten Holztruhe, die über Generationen auf verschiedenen Dachböden und in Garagen aufbewahrt wurde. Entdeckt wurde der Schatz von Bill McFarland, einem pensionierten Lehrer aus Michigan und Urenkel des frühen Filmvorführers William DeLyle Frisbee. Die Filmrollen lagerten über ein Jahrhundert lang unbemerkt in einer ramponierten Holztruhe. Diese wurde innerhalb der Familie über mehrere Generationen hinweg weitergereicht und stand die meiste Zeit unbeachtet auf verschiedenen Dachböden, in Kellern und Garagen. Letztendlich landete das Erbstück bei Bill McFarland, einem 76-jährigen pensionierten Lehrer aus Michigan, der die Truhe selbst bereits seit rund 20 Jahren aufbewahrte.
Da lokale Antiquitätenhändler die leicht entzündlichen Nitratfilme aus Sicherheitsgründen ablehnten, fuhr McFarland im September 2025 persönlich nach Virginia, um die verrosteten Rollen dem National Audio-Visual Conservation Center zu übergeben. Hier ein KI-generierter Podcast:

Das Erbe eines Filmvorführers
Die historische Filmsammlung gehörte ursprünglich McFarlands Urgroßvater William DeLyle Frisbee. Dieser arbeitete im späten 19. Jahrhundert tagsüber als Kartoffelbauer und Lehrer, zog aber nachts als Schausteller mit einem Projektor durch das ländliche Pennsylvania. Nach seinem Tod Ende der 1930er Jahre gingen seine Ausrüstung und die Filme in den Besitz seiner Tochter über, bevor sie über weitere Stationen schließlich ihren Weg zu seinem Urenkel fanden.

Die abenteuerliche Übergabe
McFarland wusste nicht, welche Werke sich auf den Rollen befanden, konnte sie aber aufgrund ihres fragilen und brandgefährlichen Nitratmaterials nicht selbst untersuchen. Da lokale Antiquitätenhändler und Museen das explosive Filmmaterial aus Sicherheitsgründen ablehnten, lud er die Truhe im September 2025 in sein Auto und fuhr rund 1.100 Kilometer zum National Audio-Visual Conservation Center in Virginia. Dort nahmen Archivare der Library of Congress die verrosteten Filmdosen in Empfang und identifizierten eine der Rollen kurz darauf als das seit über 100 Jahren verschollene Werk von Georges Méliès.

Filmhistorische Bedeutung
„Gugusse et l’Automate“ gilt als ein bahnbrechendes Werk des frühen Science-Fiction-Kinos, da es den zeitlosen erzählerischen Konflikt zwischen einem Erfinder und seiner außer Kontrolle geratenen Maschine thematisiert. Méliès nutzte in diesem frühen Werk bereits seine innovativen Kamera- und Stopptricks, um das magische Wachstum und Schrumpfen des mechanischen Automaten optisch umzusetzen. Da mehr als die Hälfte seiner rund 500 produzierten Filme bis heute als verschollen gelten, ist diese unerwartete Wiederentdeckung ein wahrer Meilenstein für die internationale Kinogeschichte.

Wenn der Recorder verstummt: Das leise Verschwinden einer ganzen Film-Ära

17. Februar 2026

Sony zieht sich schrittweise aus dem Geschäft mit Blu‑ray‑Recordern und bespielbaren Blu‑ray‑Speichermedien zurück; damit setzt sich ein Medienwandel fort, der physische Datenträger seit Jahren zugunsten digitaler Angebote an den Rand drängt.

Seit den 1960er‑Jahren haben sich die dominierenden Medienformate mehrfach grundlegend verändert: Auf frühe Heim‑Videorekorder wie das Philips‑System von 1964 folgte in den 1970er/80er‑Jahren der „Formatkrieg“ zwischen VHS, Betamax und Video 2000, den VHS mit Marktanteilen von über 90 Prozent klar gewann. In den 1990er‑Jahren löste die DVD die VHS‑Kassette ab, bot bessere Bildqualität, Bonusmaterial und war deutlich platzsparender; kurze Zeit später kam die Blu‑ray als HD‑Nachfolger, konnte aber nie an die DVD‑Verkaufszahlen anknüpfen. Parallel dazu erlebten Musik‑CDs und später auch DVD‑Video eine ähnliche Erfolgskurve, bevor Downloads und Streaming‑Dienste sie in vielen Alltagsanwendungen verdrängten.

Ein Rekorder, freilich KI generiert, um keine Rechte zu verletzen.

In der Gegenwart zeigt sich der Wandel vor allem an zwei Entwicklungen: Erstens dominiert im Unterhaltungsbereich das Streaming, im deutschen Musikmarkt etwa liegt der digitale Anteil inzwischen bei rund 87,5 Prozent, während physische Tonträger nur noch etwa ein Achtel des Umsatzes ausmachen. Ähnlich gering ist der Anteil physischer Medien in den globalen Film‑ und Games‑Märkten, wo Discs teils nur noch für wenige Prozent des Gesamtumsatzes stehen. Zweitens ziehen sich Hersteller nach und nach aus der Produktion klassischer Hardware zurück: LG und andere Unternehmen haben bereits Blu‑ray‑Player eingestellt, Sony beendet die Fertigung von wiederbeschreibbaren Blu‑ray‑Rohlingen und stellt nun auch den weltweiten Verkauf von Blu‑ray‑Recordern ein, wobei reine Abspielgeräte vorerst im Programm bleiben.

Für Filmsammler hat diese Entwicklung ambivalente Konsequenzen. Positiv ist, dass bestehende Blu‑ray‑ und UHD‑Blu‑ray‑Filme vorerst weiter produziert und verkauft werden, da sich viele Studios aufgrund der hohen Bild‑ und Tonqualität sowie der Sammlerzielgruppe weiterhin auf Premium‑Editionen konzentrieren. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf die Infrastruktur: Wenn Recorder und perspektivisch auch weitere Player wegfallen, wird es schwieriger, eigene Aufnahmen anzufertigen, TV‑Ausstrahlungen zu archivieren oder beschädigte Discs zu ersetzen; zudem können Reparaturen und Ersatzgeräte teurer oder nur noch gebraucht erhältlich sein.

Hinzu kommen langfristige Risiken für Verfügbarkeit und Kuratierung: Streaming‑Kataloge ändern sich laufend, Lizenzen laufen aus, und bestimmte Nischenfilme, Schnittfassungen oder Bonusmaterialien erscheinen möglicherweise gar nicht mehr digital, wodurch physische Editionen zu letzten materiellen Zeugnissen bestimmter Fassungen werden. Für Sammler bedeutet das, dass die Rolle des physischen Mediums sich von der alltäglichen Gebrauchskopie hin zum bewussten Archiv‑ und Liebhaberstück verschiebt, bei dem sorgfältige Lagerung, funktionstüchtige Abspielgeräte und ein strategischer Aufbau der Sammlung zunehmend wichtiger werden.

Kommentar aus der Sicht eines Sammlers

Für jemanden, der Filme sammelt, fühlt sich diese Entwicklung an, als würde eine Tür zur eigenen Vergangenheit langsam zufallen. Da steckt nicht nur Technik drin, sondern ein Stück Biografie – jede Disc, jede Hülle steht für einen Moment, in dem man sich bewusst für einen Film entschieden hat, für eine bestimmte Fassung, ein bestimmtes Cover, ein bestimmtes Label. Wenn nun klar wird, dass Recorder verschwinden und die Gerätewelt rund um Discs immer dünner wird, kommt leicht das Gefühl auf, dass das, was man mühsam aufgebaut hat, von der Industrie einfach hinter sich gelassen wird.

Streaming wirkt dagegen oft kalt und flüchtig: Heute im Abo, morgen verschwunden, neu synchronisiert, gekürzt oder durch eine andere Version ersetzt. Als Sammler hat man gelernt, sich auf das zu verlassen, was im Regal steht – man sieht die Spine, zieht die Box heraus, erinnert sich wieder an ein Making‑of, ein besonderes Booklet, ein limitierte Nummer. Es ist eine Form von Kontrolle und Wertschätzung: Dieser Film gehört wirklich einem selbst, er kann nicht per Knopfdruck aus einem Katalog gelöscht werden. Wenn Hersteller nun Signale senden, dass diese Welt „ausläuft“, fühlt sich das an, als würde das eigene Hobby von der Zeit überrollt.

Gleichzeitig schwingt da auch Trotz mit: Gerade weil alles digital und beliebig wird, bekommt das physische Medium einen neuen, fast rebellischen Charakter. Man pflegt seine Geräte, hortet vielleicht noch einen Ersatz‑Player, investiert bewusster in Editionen, die einem wirklich etwas bedeuten, statt wahllos zu klicken. Die Sammlung wird weniger zum Konsumarchiv und mehr zu einem persönlichen Museum – ein Ort, an dem Filme nicht nur „verfügbar“, sondern wirklich präsent sind. Und auch wenn der Markt sich weiterdreht, bleibt dieses Gefühl, eine kleine, eigene Insel gegen das Vergessen aufgebaut zu haben.