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Bewegtbild bewegt – Neue Zahlen zur Bewegtbildnutzung, die mich stutzig machen

7. September 2017
Bewegtbild verändert sich

Bewegtbild verändert sich

Als das Kanzlerduell in der ARD lief, wurde mir bewusst, dass es Monate her ist, dass ich zum letzten Mal die Glotze eingeschaltet habe, um lineares Fernsehen zu schauen. Der große TV im Wohnzimmer wird in der Regel nur für Videospiele, Blu rays oder Streaming-Angebote genutzt. Sonst bleibt die Glotze aus und ich schau über das Internet.

Die offiziellen Zahlen sprechen dagegen eine andere Sprache, wie der TNS CONVERGENCE MONITOR 201 zeigt. Das ist eine Gemeinschaftsstudie von ARD-Werbung SALES & SERVICES, Discovery, Mediengruppe RTL und ZDF. Seit Jahren steigt zwar die Anzahl derjenigen, die online Videoinhalte ansehen. Zuletzt von 59 Prozent in 2016 auf 67 Prozent in 2017. Gleichzeitig behauptet das klassische, lineare Fernsehen seinen festen, bedeutenden Platz im Alltag: Die Befragten geben pro Tag fast drei Stunden TV-Nutzung an, etwa genauso viel wie in den Vorjahren. Das überrascht mich dann doch sehr und ich stelle fest, wie weit ich mich vom Durchschnittsbürger scheinbar entfernt habe. Bei mir ist das komplett anders und bei meinen Kindern erst recht. K1/2 schauen keinerlei lineares Fernsehen mehr.

Veränderte Sehgewohnheiten
Die TNS CONVERGENCE MONITOR sagt: Kurze Videoclips und kleine Erklärvideos auf Videoportalen wie z.B. YouTube werden von fast jedem Zweiten mindestens einmal pro Monat gesehen. Für mich liegt die Betonung auf mindestens. In unserer Familie ist YouTube fester Bestandteil des Medienkonsums. Let’s Plays und andere Inhalte gehören für meine Kinder einfach dazu. Gut ein Drittel schaut sich Bewegtbildinhalte in sozialen Netzwerken an – das ist bei mir auch täglich. Je jünger die Zielgruppe, desto ausgeprägter ist die Nutzung: Etwa drei Viertel der 14- bis 29-Jährigen schauen sich mindestens einmal pro Monat Videoclips auf Videoportalen oder sozialen Netzwerken an. Komplette Fernsehsendungen oder ganze Serienfolgen nutzt rund jeder Vierte in den Mediatheken der TV-Sender.
Während kostenlose Angebote im Netz dominieren, verzeichnen kostenpflichtige Videos zum Beispiel über Video-on-Demand in diesem Jahr erstmals ein starkes Wachstum: 13 Prozent geben an mindestens einmal pro Monat, Filme, Serien, Dokumentationen oder Sportübertragungen gegen Gebühr anzusehen. Das ist nahezu eine Verdoppelung der Nutzung im Vergleich zum Vorjahr. Bei uns zu Hause ist es Amazon Prime Video und Apple TV. Wenn die Gerüchte wahr sind und Apple aktuelle Kinofilme auf das Apple TV bringt, dann sehe ich das positiv.

Filme unterwegs
Die Nutzung von Bewegtbild war lange Zeit an das heimische Sofa gebunden. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones macht TV- und Videoinhalte mobil: 53 Prozent der 14- bis 69-Jährigen schauen Videos auf dem Smartphone, 41 Prozent tun dies auch außer Haus.
Ungeachtet der steigenden Nutzung von Online-Video-Content ist die klassische, lineare Fernsehnutzung im Zeitverlauf sehr stabil. Wie in den Vorjahren schätzen die Befragten fast drei Stunden am Tag fernzusehen. Die 14- bis 29-Jährigen sehen traditionell weniger fern (gut zwei Stunden am Tag), die Nutzungsdauer ist aber auch innerhalb dieser Altersgruppe konstant. Ich wurde beispielsweise so erzogen: Ich durfte als Kind zwischen 19 und 20:15 Uhr niemanden anrufen, weil da liefen ja die Nachrichten im Fernsehen. Das war unhöflich. Ja, diese Zeiten sind vorbei.

Musik streaming
Neben Bewegtbild spielen auch Audio-Inhalte und Informationen in schriftlicher Form eine große Rolle bei der Internetnutzung. Gut die Hälfte der Befragten nutzt Audioinhalte wie z.B. Musik oder Podcasts mindestens einmal im Monat online, z.B. über YouTube, Musik-Streaming-Anbieter, Webradio oder Podcast-Anbieter. Für Informationen zum aktuellen Geschehen auf Newsportalen oder den Webseiten von Zeitungen oder Fernsehsendern greifen 46 Prozent der 14- bis 69-Jährigen regelmäßig zurück. Bei K2 läuft Apple Music. K2 hat Spotify und Apple Music miteinander verglichen und sich für den Dienst aus Cuppertino entschieden. Jetzt wird es schwierig K2 eine CD zu schenken. Zum einen besitzt das Kind keinen CD-Player mehr, zum anderen liefert der Streaming-Dienst die gewünschte Mucke.

The Power of Jetzt – Twitter hat Periscope unter einer GUI

17. Juni 2016

Ich bin ein überzeugter Twitterer und trotz all den Abgesang auf diese Social Media-Plattform halte ich daran fest. Ihr findet mich unter @redaktion42. Snapchat hat Twitter in Deutschland überholt. Und dennoch gibt es für mich kein besseres Tool für Aktualität und Interaktion als Twitter. Daher war es für mich eine Freude den Vortrag „The Power of Jetzt – wie der Moment für Marken bedeutender wird“ von Head of Brand Sascha Welters von Twitter Deutschland zu lauschen. Was Sascha Welters damals im Januar 2016 erzählt hat, ist nun eingetreten. Seit gestern habe ich auf meiner Twitter GUI nicht nur die Möglichkeit Texte, Umfragen und Fotos zu posten, ich habe auch die Möglichkeit ein Periscope-Video live zu senden. Twitter ist nun auch im Streaming angekommen und das ist gut so. Vielleicht gibt es die Möglichkeit schon länger, ich habe es eben erst bemerkt.

Periskope ist jetzt in der Twitter GUI - hurra

Periskope ist jetzt in der Twitter GUI – hurra

Leider trifft dies zusammen mit schlimmen Ereignissen. Der Polizistenmörder von Paris filmte sich live am Tatort und streamte über Facebook Live. Inzwischen hat Facebook das Video und den Account des Terroristen stillgelegt, aber die Diskussion um Live-Videos ist voll entbrannt. Die Plattformen Facebook, Twitter und Google entziehen sich ihrer Verantwortung.
„Die Welt verändert sich“, so startete Sascha Welters. Die digitale Transformation läuft. Als Beispiel nannte er den Verfall des linearen Fernsehens. „Das Fernsehen war eine Informationsquelle, um mit ihren Stars in Verbindung zu treten.“ Die Familie heute sitzt kaum noch gemeinsam vor dem Fernseher. Wenn doch, hat jeder seinen eigenen Screen. Ich bekomme Inhalte von meinen Stars in Massen.


Das Bild in öffentlichen Verkehrsmitteln hat sich verändert. Das Smartphone ist allgegenwärtig. Die Mediennutzung hat sich komplett geändert. „Mobile now – the new first screen“ schrieb Business Insider. 20 Prozent der Deutschen sind 2011 mit mobilen Geräten ins Internet gegangen. 2015 waren es 60 Prozent. Sascha Welters zitierte eine Studie, nachdem 20 Prozent von US-Amerikaner lieber eine Woche barfus gehen würden als auf ihr Mobiltelefon verzichten würden. Das Smartphone ist heute ein privates Gerät geworden. Im Schnitt schauen die Menschen 150 Mal pro Tag auf ihr Smartphone.
Sascha Welters, Head of Brand Strategy, Twitter Deutschland, sprach auf dem Trend Day Corporate Video 2016 im Januar 2016 in der Münchner HFF zu den neuen Entwicklungen bei Twitter, Periscope und Bewegbild. The Power of Jetzt – das #jetzt wird durch Periscope verstärkt. Twitter sei laut Welters die einzige Plattform, die keinen Algorithmus verwendet. „Alle kulturellen Events passieren live auf Twitter.“
Klar ist auch: Bewegbild innerhalb des Storytellings schlägt alles. Das hat Sascha Welters vollkommen recht. Ich richte meine Kunden auch gerade auf Bewegbild in sozialen Netzwerken aus. „370 Jahre Videocontent werden jeden Tag auf Twitter konsumiert.“ Dann werd ich mal ein neues Periscope-Video starten.

Musikstreaming – Brauch ich? Brauch ich nicht?

14. Oktober 2015

Ich kann mich noch immer nicht mit Musikstreaming-Diensten anfreuen. Vielleicht liegt es an meinem Alter. Noch will ich die Aufnahmen besitzen und weiß natürlich, dass es ein Blödsinn im digitalen Zeitalter ist. Der Streaming-Markt kommt und noch bin ich nicht dabei. Vielleicht muss ich nicht jeden Trend mitmachen (sagte der Mann, der noch auf Tonbänder eine Zeitlang setzte).
Meine Kinder spielen derweil mit Spotify und Apple Music herum und gehen mit großen Schritten in die Zukunft.

Apple Music wirbt um Abonnenten.

Apple Music wirbt um Abonnenten.

Im Filmsektor habe ich mich vom Streaming-Fieber anstecken lassen. Amazon Instan Video läuft bei uns und ich finde es prima. Nur noch ein paar ausgewählte Filme kaufe ich mir auf Blu ray – Filme, die sich für mich persönlich lohnen. Aber bei Musik hänge ich noch der Zeit hinterher, kaufe sporadisch Vinyl (als Wertanlage) und CDs (vor allem Klassik und Soundtracks) und viele Downloads. Aber Streaming, ich weiß nicht.


Über genaue Zahlen von Apple Music schweigt sich Apple wie gewohnt aus. Beobachter rechnen mit bis zu vier Millionen zahlenden Abonnenten – ich gehöre noch nicht dazu. Allerdings haben wir auch nur eine kostenlose Version von Spotify laufen, die 20 Millionen zahlende Kunden haben. Ein Hauptargument für meine Kinder für Spotify ist, dass das Datenvolumen nicht auf ihren Telekom-Account angerechnet wird. Hier muss Apple nachbessern, dann steigt die Familie um und ich mach auch mit, vielleicht.

Aldi kommt mit einem eigenen Streaming Dienst und tritt gegen die internationale Herausforderung an.

Aldi kommt mit einem eigenen Streaming Dienst und tritt gegen die internationale Herausforderung an.

Interessant ist der Markt aber auch für andere. Für schlappe 7,99 Euro bietet Aldi jetzt in Kooperation mit Napster einen Streaming-Dienst Aldi Life Musik an. 34 Millionen Songs sind schon im Napster-Archiv. Damit ist Aldi billiger als Apple und Spotify. Ich sehe für das Projekt durchaus Chancen. Billig kommt gut und wer ein aktuelle Musik und Hörbücher hören möchte, der ist sicher gut bedient. Aldi hat in Deutschland eine unglaubliche Marktmacht und nicht nur Niedrigverdiener kaufen bei Aldi ein. Hier muss Apple und Platzhirsch Spotify gehörig aufpassen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von Jimmy Iovine – einstmals Beats und jetzt bei Apple. Er sieht durch die kostenlosen Streaming Angebote eine Gefahr für die Kultur. Ich finde, er hat recht, aber ggf ist die Aussage nur strategisch zu werten. Apple hat kein kostenloses Streaming und muss trommeln, um auf seine Userzahlen zu kommen. Auf der anderen Seite gibt es durch YouTube und Co schöne legale Möglichkeiten, sich mit Filme und Musik zu versorgen. Ich in jetzt mal gespannt, wie sich das Streaming weiterentwickelt. Im Moment sammele ich dazu Material für ein Seminar.

House of Cards: BBC schlägt Netflix

22. September 2014

Im Moment schaue ich auf meinen Zugreisen die zweite Staffel von House of Cards und ich genieße das Intrigenspiel von verlogener Politik und Machterhalt – ein Lehrstück für den modernen Politiker. Wie der große Humorist Gerhard Polt schon sagte: Fast wie im richtigen Leben.
Viele Details mag ich an der Serie und auch die Besetzung von Kevin Spacy ist äußerst gelungen. Für mich ist es eine seiner besten Rollen. Und unseren Fernsehsendern muss klar sein, was das bedeutet, wenn Netflix so eine geniale Serie streamt. Fernsehen ändert sich. Hier passiert etwas am TV-Markt. Amazon hatte ja auch bereits mit dem Wikiner-Epos Vikings einen großen Erfolg.

Die zweite Staffel von House of Cards.

Die zweite Staffel von House of Cards.

Zurück zu House of Cards: Bei all meiner Begeisterung für die David Fincher-Serie muss ich zugeben: Ich finde das Original House of Cards nochmals um Klassen besser. Es liegt daran, dass die Originalserie in London spielt und damit europäischer ist als der mir fremde US-Politikbetrieb. Zwar ist Kevin Spacy prima, doch Ian Richardson ist noch besser. Schaut euch den Unterschied einmal an und zwar in der Originalfassung.

Kevin Spacy spielt seine Rolle umwerfend.

Kevin Spacy spielt seine Rolle umwerfend.

Autor Michael Dobbs, heute Peer und Mitglied des House of Lords, hatte einst im Stab von Margret Thatcher gearbeitet und mit seinen Romanen einen entlarvenden Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebes gestattet. Es ist übrigens eine Schande, dass seine Romane im Moment nicht wieder in Deutschland aufgelegt werden und so musste ich das englische eBook House of Cards bei Amazon laden. Der deutsche Rechteinhaber Bastei-Lübbe könnte sich bewegen und sicher den einen oder anderen Euro verdienen. Völlig unverständlich so eine Veröffentlichungspolitik.

Ian Richardson ist aber noch besser.

Ian Richardson ist aber noch besser.

Michael Dobbs brachte wohl sein Insiderwissen in seine Bücher ein. Und es ist der britische Politikbetrieb und nicht ein US-amerikanischer, den Doobs beschreibt, der Kampf in Whitehall. Daher interpretiert Ian Richardson die Rolle des eiskalten Politikers noch eindrucksvoller. Richardson ist böse, richtig böse. BBC schlägt hier Netflix, wobei ich keinesfalls sagen will, dass die Neuverfilmung schlecht ist, das Original ist nur noch besser. Die britische Englisch passt besser, als das amerikanische Englisch für diese Art von Filmen. Die Steigerung „Feind, Todfeind, Parteifreund“ bekommt hier eine neue Bedeutung und ich sehe heute so manche Politikkampagne unter einem anderen Licht. Hier lernt der Zuschauer taktieren, intrigieren, vernichten auf die feine englische Art und Ian Richardson ist ein Meister des Marionettenspiels darin. Vielleicht können Politiker diese Serien als Fortbildungskosten von der Steuer absetzen?
Interessant ist, dass die US-Serie bei den Emmys neun Mal nominiert wurde, aber nur drei Preise bekam. Streaming ist bei der US-Jury wohl noch nicht angekommen oder sie stehen auf der Leitung.

Das britische Original finde ich sogar noch besser.

Das britische Original finde ich sogar noch besser.

Warten aufs iPhone 6 – Fotos von der Schlange

19. September 2014
Warten auf das iPhone 6 in München. Der Abend vor dem Verkaufstag.

Warten auf das iPhone 6 in München. Der Abend vor dem Verkaufstag.

Wir Apple-Fanboys sind schon eine eigenartige Spezies von Mensch. Jetzt gehöre ich schon fast zu den älteren Hasen in dem Apple-Business, aber das Fieber um den Apfel packt mich immer noch.
Dabei ist das Spiel doch eigentlich immer das gleiche. Heftig wird das ganze Jahr darüber spekuliert, was Cupertino wohl ausheckt, welche Geräte kommen und welche Features denn herbeigesehnt werden. Durch geschickte PR und sicherlich absichtliche Leaks und Hinweise aus gut unterrichteten Kreisen werden die Spekulationen angeheizt und in verschiedene Richtungen gelenkt. Leider werden aus Fernost immer mehr Bauteile schon vorher veröffentlicht, so dass kaum noch eine richtige Überraschung gelingt. Nur bei der Apple Watch hat Apples strikte Informationssperre funktioniert und die Uhr war als one more thing eine wirkliche Überraschung.
Dann werden zwei Wochen vor einer Veranstaltung die Einladungen verschickt und die Community orakelt über die Bedeutung der Claims und Farben. Schließlich kommt der Tag der Keynote und die Streamingserver brechen zusammen. Dieses Mal brachte das Twitter Plugin auf der Streamingseite den Stream aus Kalifornien zum Erliegen. Begleitet werden die Keynote und die Tage danach von heftigen Auseinandersetzungen zwischen Apple Fanboys und Apple Verweigerern. Die Massenmedien berichten allesamt über die Veranstaltung – inklusive kostenloser PR für die Produkte. Apple hat den Medienzirkus fest im Griff. Freilich müssen etablierte deutsche Massenmedien immer ein Haar in der Suppe finden und den Untergang von Apple herbeischreiben. Es ist ja so schick, dagegen zu sein. Es sind die gleichen Massenmedien übrigens, die immer mehr an Auflage und Reichweite verlieren. Die Leser laufen ihnen weg. Die Zeit und der Markt werden es richten.

Die Ersten vor dem Münchner Apple Retail Store.

Die Ersten vor dem Münchner Apple Retail Store.

Dann kommt der Bestelltag. Die einen haben über die Apple Website oder einen Distri geordert. Wer unter den ersten ist, hat die Chance am Erstverkaufstag das Produkt in den Händen zu halten. Am Beispiel des iPhone waren die Vorbestellungen richtig gigantisch – aber ich lese ja in den Massenmedien, Apple sei am Ende. Vier Millionen iPhones innerhalb von 24 Stunden wurden übrigens vorbestellt.

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Und dann kommt der lang ersehnte Tag der Tage. Das vorgestellte Devise kommt auf die wichtigsten Märkte – weltweit am gleichen Tag. Die Logistik dahinter ist gewaltig. Zuvor tauchen Bilder von Logistikunternehmen auf, die den Versand der Ware zeigen. Im Falle des iPhones war es der Laderaum eines Jumbos Boing 747 voller iPhones mit Ziel Anchorage in Alaska.

Mit Bändern werden die Wartenden vom normalen Volk getrennt.

Mit Bändern werden die Wartenden vom normalen Volk getrennt.

Ich geb es zu, ich bin faul und habe mir das neue iPhone 6+ bei den Telekomikern telefonisch geordert, natürlich lang zuvor eine Vorreservierung abgeschickt. Mir wird das iPhone per UPS oder DHL nach Hause geliefert. Ich hoffe, dass ich mein iPhone 6+ in Gold mit 128 GByte am Erstverkaufstag in den Händen halten werde und ein Unboxing-Video drehen kann – auch so ein ewiges Ritual.

Das Ende der Rosenstraße in München und die Schlange macht einen Knick.

Das Ende der Rosenstraße in München und die Schlange macht einen Knick.

Und dann gibt es die Kultur der Schlangesteher. Die Spezies von Fans, die mit Klappstuhl und Sonnenschirm vor den Apple Retail Stores öffentlichkeitswirksam campieren. Mit Thermoskanne, Broten, in Anorak gehüllt wird sich in die Reihe gestellt bzw. gesetzt und gewartet. Stunde um Stunde. Minute um Minute. Manches Mal war ich dabei und habe mit den Fans gesprochen, um den Spirit zu spüren. Es ist wie Adrenalin, ein Konsumkick der besonderen Art. Ich habe mit den Fans gelacht, spekuliert, gescherzt, gefachsimpelt. Ich habe allerdings nie eine ganze Nacht vor einem Apple Retail Store verbracht.

Die Schlange in der Fürstenfelderstraße.

Die Schlange in der Fürstenfelderstraße.

Gut, einmal hab ich vor einer Keynote in San Francisco in vorderer Reihe gestanden. Das Wichtigste für die Camper ist freilich die Versorgung mit Strom, denn das bisherige iPhone ist natürlich immer dabei und wartet nur darauf, am nächsten Morgen durch ein neues Gerät ersetzt zu werden. Der Akku muss halten, Ersatzakkus hat im Grunde jeder der Schlangesteher im Gepäck. Fotos von der Schlange werden gepostet, Selfies mit Gleichgesinnten, alten und neuen Freunden. Alles unter dem Symbol des angebissenen Apfels.

Nicht Sozialismus, sondern Kapitalismus.

Nicht Sozialismus, sondern Kapitalismus.

Die Schlange gestern Abend um 17 Uhr vor dem Münchner Store an der Rosenstraße war übrigens über 300 Meter lang. Und wir sind nicht in der DDR.

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Streaming: Musik direkt auf die Ohren

29. Juli 2014

Ich bin ein-, zweimal pro Woche an bayerischen Schulen aller Schularten unterwegs und darf Vorträge zum Thema Medienkompetenz vor Schülern, Lehrern und Eltern halten. Zu Beginn frage ich in der Regel nach der Verbreitung von Handys und Smartphones sowie dem Nutzungsverhalten. Und siehe da, Smartphones sind bei der Schülergruppe absolut führend. Es gibt kaum noch klassische Mobiltelefone und kaum ein Schüler ab der fünften Klasse besitzt kein Mobiltelefon.
Und ich komme auch auf die Nutzung von Musik zu sprechen. Es freut mich, dass es bei den Schülern noch ein paar Verfechter des klassischen Vinyls gibt. Zumeist sind dies Schüler, die entweder die Schallplattensammlung von den Eltern samt Schallplattenspieler geerbt haben, oder die jungen Menschen sind finanziell potent, um sich dieses Hobby leisten zu können.

spotify
In der Regel wird Musik heute aber digital konsumiert. Und dabei fällt mir bei meinen Vorträgen weiter auf, dass die CDs auf absteigendem Ast sind. Downloadportale wie Amazon und iTunes sind führend, wenn Musik legal gekauft wird. Und es kommen mehr und mehr Streaming-Dienste bei den Jugendlichen an. Sie treffen ihren Geschmack. Der Typus Jäger und Sammler (wie ich ganz klar einer bin), wird weniger. Ich will Musik besitzen, doch damit gehöre ich zu einem Auslaufmodell in der Medienwelt.
Musik wird nicht mehr besessen, sondern gemietet. Und dieses Mieten von Inhalten lässt sich überall feststellen. Es beginnt bei Cloud-Software (Software as a Service SaaS) wie Adobe oder Microsoft. Die Online-Videotheken mit ihren Streaming-Angeboten sind an der Tagesordnung: Die Mediatheken der TV-Sender, Amazon Instant Video, iTunes, Watchever und ab Herbst Netfix verdrängen klassische Datenträger. Amazon setzt in den USA zudem auf eine Bücherflatrate.
Und bei uns in Deutschland sind inzwischen die Musikflatrates voll angekommen und gewinnen Marktanteil um Marktanteil. Bei den Schülern oft nicht mehr via Rechner, sondern via Smartphone. Seit rund zwei Jahren bietet die Deutsche Telekom als einziger Mobilfunk-Provider in Deutschland eine Kooperation mit dem Musikstreamingdienst Spotify an. Was die Jugendlichen besonders freuen wird, wenn sie den Dienst mit ihrem Smartphone nutzen: Die Telekom will künftig das gesamte durch Spotify anfallende Datenvolumen auf null setzen. Das bedeutet, die Datennutzung durch Spotify wird nicht auf das Datenvolumen des Smartphone-Nutzers angerechnet.

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Jimmy Iovine (l), Tim Cook (m) und Andre Romelle Young, auch bekannt als Dr. Dre (r). Foto: Apple

Wie wichtig diese Dienste sind, zeigt ein 3-Milliarden-US-Dollar-Kauf von Apple. Cupertino reagierte auf den Trend und kaufte mit Beat nicht nur einen Kopfhörerhersteller, sondern auch ein Streaming-Portal für Musik. Streaming ist im Moment die Zukunft. Einen idealen Überblick über die verschiedenen Anbieter wie Spotify und Co gibt diese Webseite.
Streaming ist natürlich abhängig von der Gegend, in der man wohnt. Im ländlichen Raum ohne schnelles oder ausreichendes Internet ist die Streaming-Nutzung nur theoretisch möglich. Es macht ohne vernünftige Anbindung einfach keinen Spaß. Aber sobald ausreichende Bandbreite verfügbar ist, fahren die Jugendlichen voll auf die Streamingdienste ab. Die Dienste setzen derzeit noch auf Masse, dann und wann fehlt die musikalische Qualität. Und auch an der audiophilen Qualität lässt sich noch einiges verbessern. Hier wird sicher der Pono-Player von Neil Young und seine Musikplattform Pono Music Ende des Jahres noch mehr Druck ausüben. Aber wir stehen vor interessanten Zeiten.

DVD als Beigabe für Kaffee

25. August 2013

kaffee

Irgendwie verfällt die Kunstform Film langsam mehr und mehr. Scheinbar haben wir uns daran gewöhnt, dass irgendwelchen Zeitschriften DVDs mit Filmen beiliegen. Wenn den Redaktionen schon nichts einfällt. weshalb ich ihr Printprodukt kaufen soll, dann kaufe ich es eben wegen der beiglegten Film-DVD.

Eigentlich habe ich gedacht, dass dieser Trend am Ende ist. DVD-Zugaben haben in den neunziger Jahren noch funktioniert, aber heute im Streaming-Zeitalter? Aber jetzt habe ich beim Einkaufen eine neue Variante entdeckt. Eine DVD als Beigabe, wenn ich einen Kaffee kaufe. Die Jura brauchte neues Futter und ich entdeckte die Melitta-Bohne Bella Crema. Und da hängt doch glatt eine DVD von Slumdog Millionär dran. Guter Film und sehr guter Soundtrack, der sich wirklich lohnt. Das Medium Film verliert durch solche Aktionen seine Status als Leitmedium.

Warum muss der Film eigentlich immer eine Beigabe sein? Sind Filme heute nichts mehr wert, so dass ich sie im Grunde verschenke? Wie wäre es denn mit einer DVD/Blu ray und als Beigabe hängt der Roman dabei? Ich sage voran, dass in Kürze Musik-CDs als Beigabe kommen. Die Copyrights von Musik laufen ab und ich könnte mir Blues-Musik als Kaffee-Beigabe vorstellen. Oder italienische Opern bei einem Reiseführer durch die Mailänder Scala.