Es gibt Geschichten, die uns ein Leben lang begleiten. Geschichten, deren Figuren irgendwann zu alten Freunden werden, deren Orte wir kennen, obwohl wir niemals dort gewesen sind. Das Auenland gehört dazu. Bruchtal. Moria. Mordor. Und natürlich Mittelerde selbst. J.R.R. Tolkien hatte mit „Der Herr der Ringe“ nicht einfach einen Fantasyroman geschrieben – er hatte eine Welt erschaffen, in die Generationen von Leserinnen und Lesern immer wieder zurückkehrten. Im Scala Kino Fürstenfeldbruck öffnete sich bei unserer Matinee noch einmal das Tor zu dieser Welt. Die nächste Matinee dreht sich um den Katastrophenklassiker Erdbeben von 1974. am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Wir zeigten und besprachen Ralph Bakshis „Der Herr der Ringe“ aus dem Jahr 1978 – einen Film, der vielleicht nicht perfekt war, aber etwas besaß, das man bei vielen perfekt durchgestylten Produktionen unserer Tage schmerzlich vermisst: Mut, Eigenwilligkeit und eine geradezu wilde filmische Fantasie. Lange bevor Peter Jackson Mittelerde mit seiner monumentalen Filmtrilogie endgültig zum weltweiten Kinoereignis machte, wagte sich Ralph Bakshi an das scheinbar Unmögliche. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags.
1978 wollte er Tolkiens gewaltiges Epos auf die Leinwand bringen. Ohne digitale Armeen, ohne computergenerierte Landschaften und ohne jene technischen Möglichkeiten, die für uns heute selbstverständlich sind. Was Bakshi dafür hatte, waren Zeichnungen, Farben, Schauspieler, eine Kamera – und eine Vision. Und was für eine Vision! Bakshi verband klassische Zeichentrickanimation mit der damals spektakulären Rotoskopie-Technik. Schauspieler wurden zunächst real gefilmt, ihre Bewegungen anschließend Bild für Bild in Animation übertragen und verfremdet. Dadurch entstand ein visueller Kosmos, der unverwechselbar blieb. Manchmal wunderschön, manchmal düster, manchmal beinahe gespenstisch. Besonders die Schwarzen Reiter, die Orks und die großen Schlachten wirkten wie Gestalten aus einem fiebrigen Traum.
Dieser „Herr der Ringe“ sah nicht aus wie Peter Jacksons Mittelerde. Er wollte es auch gar nicht. Bakshis Welt besaß ihre ganz eigene Seele. Und gerade deshalb lohnte es sich, diesen Film wiederzuentdecken. Im Mittelpunkt stand natürlich Frodo Beutlin. Ein kleiner Hobbit, dem eine Aufgabe zufiel, die eigentlich viel zu groß für ihn war. Der Eine Ring musste vernichtet werden. Gemeinsam mit seinen Gefährten verließ Frodo die Sicherheit des Auenlandes und machte sich auf den Weg in eine Welt, die immer bedrohlicher wurde. Doch hinter Orks, Ringgeistern, Zauberern und gewaltigen Schlachten steckte jene Geschichte, die Tolkiens Werk so berührend machte. Es ging um Freundschaft und Loyalität. Um Versuchung und Macht. Um die Frage, ob ein Einzelner überhaupt etwas gegen eine scheinbar überwältigende Dunkelheit ausrichten konnte. Und es ging um Hoffnung.
Vielleicht war genau das der Grund, warum „Der Herr der Ringe“ nie wirklich alt wurde. Frodo war kein strahlender Superheld. Sam war kein großer Krieger. Die Hobbits waren kleine Wesen aus einem friedlichen Land, die plötzlich mit Dingen konfrontiert wurden, die ihre Vorstellungskraft überstiegen. Und trotzdem gingen sie weiter. Schritt für Schritt. Gerade darin lag die ungeheure emotionale Kraft dieser Geschichte. Bakshis Film besaß allerdings auch eine tragische Seite. Eigentlich sollte seine Adaption weitergehen. Doch dazu kam es nicht. Der Film endete, bevor Tolkiens große Geschichte abgeschlossen war. Jahrzehntelang wurde ihm genau das vorgeworfen. Doch vielleicht machte gerade dieses Unvollendete einen Teil seiner Faszination aus. Bakshis „Der Herr der Ringe“ wirkte wie ein gewaltiger Entwurf, wie ein Traum von Mittelerde, der plötzlich abbrach. Was geblieben war, hatte Filmgeschichte geschrieben.
Viele Bilder und Inszenierungsideen wirkten erstaunlich vertraut, wenn man später Peter Jacksons Filme gesehen hatte. Bakshi bewies bereits 1978, dass Tolkiens Welt auf die Kinoleinwand gehörte. Sein Film wurde damit zu einem wichtigen Wegbereiter für das moderne Fantasykino. Und deshalb gehörte dieses Werk auch genau dorthin zurück: ins Kino. Nicht auf den kleinen Bildschirm eines Smartphones. Nicht nebenbei auf einem Tablet. Sondern in einen dunklen Kinosaal, auf eine große Leinwand, gemeinsam mit anderen Menschen. Genau das machte unsere Matinee im Scala Fürstenfeldbruck zu einem besonderen Erlebnis. Wenn die Landschaften Mittelerdes auf der großen Leinwand aufleuchteten, wenn die Gefährten ihre Reise begannen und die bedrohlichen Schatten Mordors näher rückten, zeigte sich wieder einmal, was nur Kino wirklich kann: Für einige Stunden verschwand die Welt vor der Tür. Für Tolkien-Fans war diese Matinee deshalb mehr als eine nostalgische Begegnung mit einem Film von 1978. Sie war eine Reise zurück zu einer Zeit, in der Fantasy im Kino noch ein Wagnis bedeutete. Eine Zeit, in der Filmemacher Lösungen erfinden mussten, weil es die technischen Möglichkeiten unserer Gegenwart schlicht noch nicht gab. Und für diejenigen, die Bakshis Film zum ersten Mal sahen, bot sich die Gelegenheit, eine andere Version von Mittelerde kennenzulernen: rauer, fremder, experimenteller und manchmal geradezu psychedelisch – aber voller Leidenschaft für Tolkiens Welt.
Fast fünf Jahrzehnte nach seiner Entstehung besaß Ralph Bakshis „Der Herr der Ringe“ noch immer diese eigentümliche Magie. Vielleicht gerade deshalb, weil er nicht perfekt war. Man sah das Experiment, man spürte das Risiko und man erkannte hinter jedem Bild den Versuch, etwas eigentlich Unverfilmbares sichtbar zu machen. Unsere Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck war deshalb nicht einfach nur die Vorführung eines alten Animationsfilms. Sie war eine Begegnung mit einem Stück Filmgeschichte – und eine gemeinsame Reise in eine Welt, die seit Generationen unsere Fantasie beflügelt. Für einen Vormittag hatten wir das Auenland unseres Alltags verlassen. Der Weg war lang. Mordor war weit. Aber wir waren wieder in Mittelerde.
Die nächste Matinee dreht sich um den Katastrophenklassiker Erdbeben von 1974. am Sonntag, 20. September im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Eine außergewöhnliche Reise nach Mittelerde – zurück zu den Anfängen der Fantasy-Filmgeschichte
Bevor Mittelerde durch die monumentale Realverfilmung von Peter Jackson weltweit Millionen von Kinobesuchern begeisterte, brachte Regisseur Ralph Bakshi J.R.R. Tolkiens berühmtes Werk bereits 1978 auf beeindruckende Weise auf die Leinwand. Mit seinem animierten Film Der Herr der Ringe schuf er eine außergewöhnliche und für ihre Zeit visionäre Interpretation des Fantasy-Klassikers, die bis heute als Meilenstein der Animationsgeschichte gilt. Wir besprechen und zeigen den Film bei unserer Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck am Sonntag, 9. August um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Bakshi kombinierte traditionelle Zeichentrickanimation mit der damals noch jungen Rotoskopie-Technik. Dabei wurden reale Schauspieler gefilmt und ihre Bewegungen anschließend Bild für Bild nachgezeichnet. Diese innovative Arbeitsweise verlieh den Figuren und den großen Schlachtszenen eine ungewöhnliche Dynamik und einen realistischen Charakter, der den Film deutlich von anderen Animationsproduktionen seiner Zeit abhob. Gerade dieser unverwechselbare Stil macht den Film bis heute zu einem faszinierenden Zeitdokument der Filmgeschichte.
Die Handlung folgt der bekannten Geschichte um den Hobbit Frodo Beutlin, der den Einen Ring übernimmt und sich gemeinsam mit seinen Gefährten auf eine gefährliche Reise begibt. Ihr Ziel ist es, den Ring im Schicksalsberg zu vernichten und damit die Rückkehr des dunklen Herrschers Sauron zu verhindern. Auf ihrem Weg begegnen sie treuen Freunden, mächtigen Verbündeten und gefährlichen Gegnern – eine zeitlose Erzählung über Mut, Freundschaft, Hoffnung und den Kampf zwischen Gut und Böse.
Obwohl der Film aus produktionstechnischen Gründen nur den ersten Teil der Geschichte erzählt und kein vollständiger Abschluss entstand, entwickelte sich Ralph Bakshis Werk im Laufe der Jahrzehnte zu einem echten Kultfilm. Viele Szenen, Figurenentwürfe und visuelle Ideen beeinflussten spätere Fantasyproduktionen und gelten heute als wichtiger Baustein der modernen Fantasyfilmgeschichte. Zahlreiche Filmhistoriker sehen in Bakshis Werk einen Wegbereiter für das weltweite Interesse an aufwendig produzierten Fantasyfilmen.
Für Fans von J.R.R. Tolkien bietet diese Kinomatinee die Gelegenheit, Mittelerde aus einer ganz besonderen Perspektive zu erleben. Gleichzeitig eröffnet sie auch jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern einen spannenden Blick auf die Entwicklung des Fantasykinos und der Animationskunst. Gerade auf der großen Leinwand entfaltet der Film seine atmosphärische Bildsprache, seine eindrucksvollen Landschaften und seine kraftvolle musikalische Untermalung in besonderer Weise.
Diese Matinee am Sonntag lädt dazu ein, einen Film neu zu entdecken, der trotz seines Alters nichts von seiner kreativen Ausstrahlung verloren hat. Er erinnert daran, wie mutig und innovativ Filmschaffende bereits vor fast fünf Jahrzehnten waren und mit welchen Ideen sie eines der bedeutendsten Werke der Fantasyliteratur einem Kinopublikum zugänglich machten.
Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Kinoerlebnis, das Filmgeschichte, Nostalgie und Abenteuer miteinander verbindet. Tauchen Sie ein in die Welt Mittelerdes und erleben Sie einen Klassiker, der Generationen von Fantasy-Fans begeistert hat und bis heute seinen festen Platz in der Geschichte des Kinos behauptet. Karten gibt es hier.
Das Seniorenkino im Scala in Fürstenfeldbruck ist weit mehr als nur ein zusätzliches Filmangebot für ältere Menschen. Mit seinen vier Vorstellungen im Jahr hat sich die Veranstaltungsreihe längst zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt entwickelt, der vielen Seniorinnen und Senioren Lebensqualität, Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit im Alter zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem wird, erfüllt das Seniorenkino eine Aufgabe, die weit über den eigentlichen Kinofilm hinausgeht.
Rund 200 Seniorinnen und Senioren kamen ins Scala Kino, um gemeinsam den Film Sole mio anzusehen. Die Veranstaltung des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck nutzte Oberbürgermeister Christian Götz zugleich, um sich vor Ort über die Arbeit des Gremiums, dessen Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger und die Arbeit des Scala-Kinos zu informieren.
Am Rande der Veranstaltung tauschte sich der Oberbürgermeister mit Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz über die Bedeutung des Kinos als kulturellen Treffpunkt im Fürstenfeldbrucker Westen aus. Dabei dankte Götz dem Kinobetreiber ausdrücklich für dessen langjähriges Engagement und sicherte auch künftig Unterstützung für das Scala Kino zu. Erste Ideen wurden schon ausgetauscht. 
„Das Scala ist seit vielen Jahren weit mehr als nur ein Kino. Es ist ein wichtiger kultureller und sozialer Treffpunkt für die Menschen im Westen der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Christian Götz.
Auch Markus Schmölz zeigte sich erfreut über den Besuch des Oberbürgermeisters und den Austausch mit dem Seniorenbeirat: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung und Unterstützung durch die Stadt. Das Scala steht immer für weitere Gespräche und Kooperationen offen – gerade wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Angebote für alle Generationen zu schaffen.“
Denn für viele Besucherinnen und Besucher ist der Nachmittag im Scala nicht einfach ein Kinobesuch. Er ist Anlass, das Haus zu verlassen, Bekannte zu treffen, gemeinsam zu lachen, Erinnerungen auszutauschen und am öffentlichen Leben teilzunehmen. Das Kino wird so zu einem Ort der Begegnung. Besonders ältere Menschen, die alleine leben oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, erleben solche Veranstaltungen oft als wertvolle Abwechslung im Alltag. Die vertraute Atmosphäre des Scala, die persönliche Ansprache und die bewusst ausgewählten Filme schaffen dabei ein Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.
Hinzu kommt die kulturelle Bedeutung. Kino ist Erinnerung, Emotion und gemeinsames Erleben. Viele Seniorinnen und Senioren verbinden mit dem Kino noch die große Zeit der Lichtspielhäuser, als ein Filmabend etwas Besonderes war. Das Seniorenkino knüpft genau an dieses Lebensgefühl an. Es bewahrt ein Stück Kinokultur, die heute vielerorts verloren gegangen ist. Während Streamingdienste Filme immer stärker zum individuellen Konsum auf dem heimischen Sofa machen, bietet das Scala weiterhin das gemeinschaftliche Erlebnis im dunklen Saal – mit gemeinsamem Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.
Die vier Vorstellungen im Jahr mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch gerade ihre Regelmäßigkeit macht sie wichtig. Sie setzen feste kulturelle Höhepunkte im Jahreslauf und geben vielen Besucherinnen und Besuchern Orientierung und Vorfreude. Oft entstehen daraus Gespräche, Verabredungen und soziale Kontakte, die weit über den Kinonachmittag hinausreichen.
Nicht zuletzt zeigt das Seniorenkino auch, welche Rolle ein Programmkino heute für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck spielen kann. Das Scala ist eben nicht nur ein Ort für Blockbuster und Unterhaltung, sondern auch ein kultureller Raum mit gesellschaftlicher Verantwortung. Es schafft Angebote für Generationen, die im schnelllebigen Kulturbetrieb oft übersehen werden. Gerade deshalb ist das Seniorenkino ein wichtiges Zeichen für gelebte Teilhabe und Wertschätzung älterer Menschen.
In einer alternden Gesellschaft werden solche Angebote künftig noch bedeutender werden. Das Seniorenkino im Scala beweist schon heute, dass Kultur nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch Nähe, Gemeinschaft und ein Stück Lebensfreude.
Daniel Titleys Buch London After Midnight – The Lost Film nähert sich einem der berühmtesten verlorenen Filme der Filmgeschichte nicht über Mythen oder Sensationslust, sondern über sorgfältige Rekonstruktion, Quellenarbeit und kritische Einordnung. Statt den verschollenen Stummfilm von 1927 linear nachzuerzählen, versammelt Titley thematisch gegliederte Essays, die gemeinsam ein möglichst vollständiges Bild eines Werks zeichnen, das heute nur noch in Fragmenten existiert – und gerade dadurch zur Legende wurde. Das Buch war wunderbares Weihnachtsgeschenk meiner Frau.
Zu Beginn widmet sich das Buch der Entstehungsgeschichte von London After Midnight. Ausführlich beleuchtet werden Tod Brownings Arbeitsweise, Lon Chaneys berühmte Doppelrolle, die Produktionsbedingungen bei MGM sowie die Einordnung des Films in die Horror- und Mysterylandschaft der 1920er-Jahre. Deutlich wird dabei, dass es sich nicht um einen klassischen Vampirfilm handelte, sondern um ein kriminalistisches Täuschungsspiel, das Horrormotive gezielt einsetzte, um Figuren und Publikum zu manipulieren. Chaneys ikonische Erscheinung mit Zylinder und spitzen Zähnen war demnach keine übernatürliche Figur, sondern Teil eines inszenierten Betrugs innerhalb der Handlung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der zeitgenössischen Rezeption. Anhand von Kritiken, Pressemeldungen und Werbematerial zeigt Titley, dass der Film bei seinem Erscheinen zwar als unheimlich und ungewöhnlich wahrgenommen wurde, jedoch keineswegs als Meisterwerk galt. Erst sein späteres Verschwinden verlieh ihm den besonderen Status. Die nachträgliche Aufladung als „größter verlorener Horrorfilm“ ist somit weniger Ergebnis seiner damaligen Wirkung als vielmehr ein Produkt der Filmgeschichte im Rückblick.
Zentral für das Buch ist die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Verlust des Films. Titley rekonstruiert, wie Kopien nach und nach verschwanden und warum gerade der MGM-Archivbrand von 1965 in Culver City das endgültige Ende bedeutete. Ursache des Feuers war das hochentzündliche Nitrocellulose-Material, das bei mangelhaften Lagerbedingungen leicht zur Selbstentzündung neigte. Der Brand zerstörte Hunderte von Filmen, London After Midnight war nur eines von vielen Opfern – wurde aber erst im Nachhinein zum Symbol aller „lost films“. Titley zeigt nüchtern, dass hier weder ein Fluch noch besondere Fahrlässigkeit im engeren Sinn vorlagen, sondern die damals übliche Geringschätzung alter Stummfilme als Kulturgut.
Einen großen Raum nimmt die Analyse der erhaltenen Fragmente ein. Standfotos, Drehbuchreste, Zensurunterlagen und zeitgenössische Inhaltsangaben werden ausgewertet, um den wahrscheinlichen Ablauf des Films zu rekonstruieren. Diese Rekonstruktion bleibt bewusst fragmentarisch, erlaubt aber erstaunlich präzise Aussagen über Dramaturgie, Figurenkonstellationen und Auflösung. Besonders hervorgehoben wird Chaneys Doppelrolle als Schlüssel zum Thema Identität und Täuschung – ein früher Ansatz psychologischen Horrors, der ohne echte Monster auskam.
Ebenso gründlich widmet sich Titley der Mythenbildung. Hartnäckige Legenden über mysteriöse Todesfälle, geheime Privatkopien oder wahnsinnige Zuschauer werden systematisch überprüft und widerlegt. Weder Lon Chaneys früher Tod noch Tod Brownings Biografie noch angebliche Vorführungsdramen halten einer quellenkritischen Prüfung stand. Auch die Frage nach dem „letzten Zuschauer“ des Films beantwortet das Buch nüchtern: Es gibt keinen belegten letzten Zeugen. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Film zuletzt routinemäßig von anonymen MGM-Archivmitarbeitern gesehen wurde – ohne jedes Bewusstsein für seine spätere Bedeutung.
Abschließend weitet das Buch den Blick auf die Bedeutung verlorener Filme insgesamt. London After Midnight dient als exemplarischer Fall dafür, wie fragmentarisch Filmgeschichte überliefert ist und wie Forschung, Archivarbeit und Imagination zusammenwirken müssen, um kulturelles Erbe zumindest gedanklich zu bewahren. Titleys Ansatz ist dabei vorbildlich: transparent, kritisch und frei von Spekulation.
In der Summe liefert London After Midnight – The Lost Film kein endgültiges Bild des Films – und will es auch nicht. Stattdessen entsteht eine dichte Annäherung an ein Werk, das weniger durch das, was man sehen kann, berühmt wurde, als durch das, was fehlt. Das eigentliche Mysterium ist nicht der Film selbst, sondern die Legende, die aus seinem Verschwinden entstanden ist.
Warum ist das Buch so wichtig für uns Filmfreunde?
Entzauberung des Vampir-Mythos Ein zentrales Highlight ist die klare Erkenntnis, dass London After Midnight kein klassischer Vampirfilm war. Titley zeigt überzeugend, dass es sich um ein kriminalistisches Täuschungsspiel handelte, in dem Horrorästhetik bewusst eingesetzt wurde, um Figuren (und Publikum) zu manipulieren.
Neue Rekonstruktion des Filmablaufs Anhand von Standfotos, Zensurprotokollen, Drehbuchfragmenten und Pressematerial rekonstruiert Titley den wahrscheinlichen Szenenablauf des Films erstaunlich detailliert – inklusive Rollenverteilungen, Spannungsbögen und Auflösung.
Seltene und teils unveröffentlichte Bildquellen Das Buch enthält außergewöhnlich viel seltenes Bildmaterial, darunter alternative Standfotos und Varianten bekannter Motive. Diese zeigen, wie stark Chaneys Maskenarbeit mit Licht, Pose und Kameraeffekt spielte.
Kritische Demontage von Legenden Titley räumt systematisch mit jahrzehntelangen Gerüchten auf: angebliche Privatkopien, geheime Vorführungen oder mysteriöse Todesfälle im Umfeld des Films werden quellenkritisch widerlegt.
Neubewertung der zeitgenössischen Kritik Ein überraschender Punkt: Zeitgenössische Rezensionen waren durchwachsen bis nüchtern. Erst der Verlust des Films machte ihn zur Ikone – ein starkes Beispiel dafür, wie Filmgeschichte rückwirkend verklärt wird.
Lon Chaneys Doppelrolle als Schlüsselidee Besonders hervorgehoben wird Chaneys Spiel mit Identität: Seine Doppelrolle verstärkt das Thema der Täuschung und macht den Film zu einem frühen Beispiel für psychologischen Horror statt Monsterkino.
Bedeutung für die Lost-Film-Forschung Das Buch gilt als Musterbeispiel dafür, wie man einen verlorenen Film wissenschaftlich behandelt: nicht spekulativ, sondern fragmentarisch, kritisch und transparent.
Warum gerade dieser Film zur Legende wurde Titley zeigt, dass es weniger der Film selbst als vielmehr das ikonische Einzelbild (Zylinder, spitze Zähne, starre Augen) war, das sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.
Das größte Highlight des Buches ist seine Haltung: Es versucht nicht, London After Midnight künstlich zum Meisterwerk zu erklären, sondern macht verständlich, warum ein verlorener, mittelmäßig rezipierter Film zum berühmtesten Phantom der Filmgeschichte werden konnte.
Die angeblichen „mysteriösen Todesfälle“ im Umfeld von London After Midnight gehören zu den hartnäckigsten Legenden – und genau diese nimmt Daniel Titley im Buch sehr gründlich auseinander. Wichtig vorweg: Keiner dieser Fälle hält einer seriösen historischen Prüfung stand.
Die wichtigsten behaupteten Mysterien – und was wirklich dahintersteckt habe ich mal aufgeführt und reflektiert.
Lon Chaneys früher Tod (1930) Oft wird behauptet, Chaney sei „kurz nach dem Film“ unter mysteriösen Umständen gestorben oder habe sich für die Rolle gesundheitlich ruiniert. Falsch: Chaney starb drei Jahre später an den Folgen von Kehlkopfkrebs, begünstigt durch jahrzehntelanges Rauchen und frühere gesundheitliche Probleme. Es gibt keinen Zusammenhang mit London After Midnight. Titley zeigt, dass diese Erzählung erst nach dem Verlust des Films entstand.
Tod Brownings angebliche „dunkle Phase“ Manche Artikel suggerieren, der Regisseur sei nach dem Film psychisch abgestürzt oder vom Stoff „verfolgt“ worden. Falsch: Browning hatte bereits lange vor dem Film Alkoholprobleme und ein schwieriges Privatleben. Seine Karriere verlief weiter erfolgreich (u. a. Dracula, 1931). Die Verbindung zum Film ist nachträgliche Dramatisierung.
Unbenannte Todesfälle im Cast oder Umfeld Es kursieren immer wieder vage Behauptungen, mehrere Beteiligte seien „unter seltsamen Umständen“ gestorben. Falsch: Titley überprüft Cast- und Crewlisten systematisch. Die Todesfälle, die sich nachweisen lassen, waren alters- oder krankheitsbedingt und lagen teils Jahrzehnte später. Keine Häufung, keine Auffälligkeiten.
Der MGM-Archivbrand als „Fluch“ Das Feuer von 1965, bei dem der letzte bekannte Print zerstört wurde, wird oft als Teil einer „unheilvollen Geschichte“ erzählt. Falsch: Archivbrände waren bei Nitrofilm leider häufig. London After Midnight war eines von Hunderten verlorenen Werken. Die Sonderstellung entstand erst im Nachhinein.
Mord- und Wahnsinnsgerüchte rund um Vorführungen In Fanmagazinen und später im Internet tauchten Geschichten auf, Zuschauer seien nach Sichtungen psychisch zusammengebrochen oder hätten Verbrechen begangen. Falsch: Keine einzige Quelle aus der Zeit belegt solche Vorfälle. Titley weist nach, dass diese Geschichten aus späteren Horror-Fanzines stammen.
Das eigentliche „Mysterium“ ist nicht ein realer Todesfall, sondern die Mythenbildung selbst. Je weniger vom Film existierte, desto stärker wurde er mit Fluch-Narrativen,okkulten Untertönen und Todes- und Wahnsinnsgeschichten aufgeladen. Aber: Es gab keine mysteriösen Todesfälle im Umfeld von London After Midnight. Was es gab, war ein verlorener Film, ein ikonisches Bild – und Jahrzehnte später ein perfekter Nährboden für Legenden.
Ich bin sehr dankbar für dieses Buch und wünsche mir mehr davon. Und ich bin erstaunt, welche Wirkung der Film heute noch hat. Als ich am 1. April einen Aprilscherz machte, explodierte das Netz. Ich erfand eine Geschichte, dass eine komplette Kopie von London After Midnight aufgetaucht sei. Aber ich hatte gelogen. Was wäre es für eine schöne Geschichte geworden!
Von einer guten Bekannten habe ich eine Kiste mit Filmprogrammen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschenkt bekommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und nun beginnt das Sichten. Es handelt sich u.a. um die Illustrierte Filmbühne, deren Nachfolger ich in den achtziger Jahren gesammelt habe. Ich habe in einem Video ein paar Programme herausgezogen, die mir persönlich etwa bedeuten und stelle sie vor.
Illustrierte Filmbühne Die „Illustrierte Filmbühne“ war eine deutsche Filmprogrammreihe, die von 1946 bis 1969 erschien und heute zu den begehrten Sammlerstücken der Filmgeschichte zählt. Es handelte sich um kleine, handliche Hefte im Taschenformat, die vor allem in Kinos verkauft wurden. Ihr Zweck war es, die jeweils aktuellen Filme zu bewerben und dem Publikum zusätzliche Hintergrundinformationen an die Hand zu geben.
Die Hefte zeichneten sich durch ihre liebevolle Gestaltung aus: Auf dem Titelblatt prangte meist ein auffälliges Foto oder ein Plakatmotiv des Films, während im Inneren kurze Inhaltsangaben, Szenenfotos und Porträts der Hauptdarsteller zu finden waren. Häufig gab es außerdem Hintergrundinformationen über Regisseure, Schauspieler oder die Entstehungsgeschichte des Films. Mit einem Umfang von meist nur vier bis acht Seiten waren die Hefte kompakt, aber reich bebildert und boten Kinogängern eine bleibende Erinnerung an ihren Besuch.
In der Nachkriegszeit war die „Illustrierte Filmbühne“ eines der wichtigsten Filmwerbemittel in Westdeutschland. Während große Filmmagazine allgemeine Trends beleuchteten, begleiteten diese kleinen Programme konkret den jeweiligen Kinofilm. Für viele Zuschauer waren sie die einzige Möglichkeit, Szenenbilder und Produktionsinformationen mit nach Hause zu nehmen. Die Hefte deckten ein breites Spektrum ab: von deutschen Produktionen bis zu großen Hollywood-Klassikern wie Casablanca, Vom Winde verweht oder 12 Uhr mittags.
Heute sind die Ausgaben der „Illustrierten Filmbühne“ bei Sammlern sehr beliebt. Ihr Wert hängt stark von der Seltenheit, dem Zustand und dem Filmklassiker-Status ab. Besonders begehrt sind Ausgaben mit ikonischen Covern oder Filmen, die Filmgeschichte geschrieben haben. Für Filmfreunde sind diese Hefte nicht nur nostalgische Erinnerungsstücke, sondern auch wertvolle Zeugnisse der deutschen Kino- und Kulturgeschichte.
Und hier die Programme aus meinem Video, chronologisch geordnet. Am Schluss sogar ein wirklicher Hammer.
Vom Teufel gejagt 1950 Der Film ist ein Kriminaldrama. Hans Albers spielt den ehemaligen Meisterdetektiv Rolf Bernt, der sich eigentlich aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat. Doch als eine Serie mysteriöser Verbrechen die Stadt erschüttert, wird er erneut in die Ermittlungen hineingezogen.
Bambi 1942 Der Disney-Zeichentrickfilm „Bambi“ aus dem Jahr 1942 ist ein berührendes Tier- und Naturdrama, basierend auf dem Roman von Felix Salten. Der Film war ursprünglich 1942 in den USA uraufgeführt worden, kam aber wegen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegsjahre erst acht Jahre also 1950 später in die deutschen Kinos. Das junge Rehkitz Bambi wird im Wald geboren und wächst behütet von seiner Mutter auf. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Hasen Klopfer und dem Stinktier Blume, entdeckt er spielerisch die Wunder der Natur. Doch das idyllische Leben wird jäh unterbrochen, als Bambis Mutter von einem Jäger erschossen wird.
Rampenlicht 1952 Der gealterte Clown und Komiker Calvero (Charlie Chaplin) hat seine besten Jahre hinter sich und kämpft mit dem Bedeutungsverlust seiner Karriere. Eines Tages rettet er die junge Ballerina Terry (Claire Bloom) vor einem Selbstmordversuch. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Calvero hilft Terry, neues Selbstvertrauen zu gewinnen und ihre Karriere als Tänzerin wieder aufzubauen. Während sie Erfolg hat, sinkt Calvero immer weiter in Vergessenheit.
Don Camillo und Peppone 1952 Der Film „Don Camillo und Peppone“ (Don Camillo, 1952) ist eine italienisch-französische Komödie. In einem kleinen Dorf in der Po-Ebene der Nachkriegszeit stehen sich zwei Gegensätze gegenüber Don Camillo (Fernandel), der temperamentvolle katholische Pfarrer Peppone (Gino Cervi), der kommunistische Bürgermeister. Beide vertreten leidenschaftlich ihre Überzeugungen und geraten ständig in Streit – ob es um Politik, Glauben oder Dorffragen geht. Ihre Auseinandersetzungen führen zu vielen humorvollen, aber auch rührenden Situationen. Trotz aller Rivalität verbindet die beiden jedoch eine heimliche Freundschaft und gegenseitiger Respekt.
Die Wüste lebt 1953 Der Film „Die Wüste lebt“ (The Living Desert) aus dem Jahr 1953 ist ein Dokumentarfilm von Walt Disney aus der Reihe True-Life Adventures. Der Film zeigt das faszinierende Leben in der nordamerikanischen Wüste und kombiniert beeindruckende Naturaufnahmen mit erzählerischem Witz. Gezeigt werden verschiedene Tiere wie Skorpione, Schlangen, Echsen, Schildkröten, Vögel und Insekten, die sich an die extremen Bedingungen der Wüste angepasst haben. Besonders bekannt ist die Szene eines „Tanzes“ der Skorpione, die mit Musik unterlegt ist. Der Film erklärt auf unterhaltsame Weise das Zusammenspiel von Überlebensstrategien, Nahrungsketten und Naturkreisläufen in dieser rauen Umgebung.
Desirée 1954 Der Film „Desirée“ aus dem Jahr 1954 ist ein historisches Liebesdrama mit Marlon Brando als Napoleon Bonaparte und Jean Simmons als Désirée Clary. Die junge Kaufmannstochter Désirée Clary aus Marseille verliebt sich in den ehrgeizigen Offizier Napoleon Bonaparte. Die beiden verloben sich, doch Napoleon verlässt sie bald, um seine militärische und politische Karriere voranzutreiben, und heiratet schließlich Joséphine. Désirée ist tief verletzt, findet aber später ihr Glück an der Seite eines französischen Generals, der später König von Schweden wird. Der Film verwebt Liebesgeschichte und Weltgeschichte und zeigt, wie persönliche Schicksale und große historische Ereignisse miteinander verbunden sind.
Sauerbruch 1954 Der Film „Sauerbruch – Das war mein Leben“ aus dem Jahr 1954 ist ein biografisches Drama über den berühmten deutschen Chirurgen Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch, gespielt von Ewald Balser. Er entwickelt bahnbrechende chirurgische Methoden, insbesondere im Bereich der Brustkorbenchirurgie, und kämpft unermüdlich für den medizinischen Fortschritt.
Ladykillers“ (1955) Die exzentrische ältere Dame Mrs. Wilberforce (Katie Johnson) vermietet ein Zimmer an den geheimnisvollen Professor Marcus (Alec Guinness). Er gibt vor, mit seinen vier Begleitern ein Streichquartett zu sein. In Wirklichkeit plant die Bande einen Überfall auf einen Geldtransporter.
Susi und Strolch 1955 Der Disney-Zeichentrickfilm „Susi und Strolch“ (Lady and the Tramp) aus dem Jahr 1955 ist ein romantisches Abenteuer für die ganze Familie. Die wohlerzogene Cocker-Spaniel-Hündin Susi lebt behütet bei einer wohlhabenden Familie. Ihr ruhiges Leben ändert sich, als ein Baby ins Haus kommt und sie weniger Beachtung findet. Zufällig trifft sie den streunenden Mischlingsrüden Strolch, der frei und ungebunden auf der Straße lebt.
Der Prinz und die Tänzerin 1957 Der Film „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl) aus dem Jahr 1957 ist eine romantische Komödie mit Marilyn Monroe und Laurence Olivier, der auch Regie führte. Im Jahr 1911 kommt der steife und pflichtbewusste Prinz-Regent von Karpathien (Laurence Olivier) nach London zur Krönung von König George V. Dort trifft er auf die lebenslustige amerikanische Tänzerin Elsie Marina (Marilyn Monroe). Der Prinz lädt sie in seine Residenz ein, zunächst mit eindeutigen Absichten, doch Elsie überrascht ihn mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit.
Das Wirtshaus im Spessart“ 1958 Der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ aus dem Jahr 1958 ist eine deutsche Musikkomödie mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle, basierend auf der Novelle von Wilhelm Hauff. Die junge Gräfin Franziska (Liselotte Pulver) reist mit ihrem Verlobten und dessen Diener durch den Spessart. Als sie in einem abgelegenen Wirtshaus übernachten, werden sie von einer Bande Straßenräuber entführt, die Lösegeld erpressen wollen. Doch Franziska erweist sich als clever und mutig: Sie verkleidet sich, überlistet die Räuber und versucht, ihre Begleiter zu befreien.
Bettgeflüster 1959 Der Film „Bettgeflüster“ (Pillow Talk) aus dem Jahr 1959 ist eine romantische Komödie mit Doris Day und Rock Hudson in den Hauptrollen. Die erfolgreiche Innenarchitektin Jan Morrow (Doris Day) und der charmante Komponist Brad Allen (Rock Hudson) müssen sich in New York eine Telefonleitung teilen. Brad nutzt die Leitung ständig für seine Flirts, was Jan wahnsinnig macht.
Vom Winde verweht (1939/1953) Die Deutschlandpremiere des Films „Vom Winde verweht“ fand am 15. Januar 1953 in München statt. Der Film wurde bereits 1939 in den USA uraufgeführt, konnte aber während der NS-Zeit in Deutschland nicht regulär starten. Zum einen galt der Roman von Margaret Mitchell als „kulturfremd“, außerdem waren US-Filme generell nur eingeschränkt oder gar nicht zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzögerte sich die Auswertung zusätzlich wegen der Rechtefragen und der Neuordnung der Filmwirtschaft in Deutschland. Für die deutsche Erstaufführung 1953 wurde der Film komplett synchronisiert. Die erste Synchronfassung war recht frei in der Übersetzung und trug stark den Ton der 1950er-Jahre. 1977 wurde der Film noch einmal neu synchronisiert, um ihn näher am Originaldialog zu halten.
Heute kommt Nosferatu von Robert Eggers als Bluray auf den deutschen Markt. Ich habe mir die 4K-Version als Steelbook bestellt, weil den Vampirfilm sehr schätze. Über den Film habe ich mich ja bereits ausführlich geäußert. Weil ich so ein Fan des Vampirs bin, hat mir mein Kollege Markus Elfert von Filmreport ein besonderes Geschenk gemacht: Einen Sarg, der speziell für Nosferatu in den USA auf den Markt kam.
Er stammt von Alamo Drafthouse Cinema. In Deutschland ist das Unternehmen eher den Insidern bekannt. Meine US-Freunde aus New York kannten sie allesamt. Alamo Drafthouse Cinema ist eine US-amerikanische Kinokette, die 1997 von Tim und Karrie League in Austin, Texas, gegründet wurde. Sie ist bekannt für ihr einzigartiges Konzept, bei dem Speisen und Getränke während der Filmvorführungen serviert werden, sowie für ihre strikte Einhaltung von Kinoregeln wie der Vermeidung von Störungen durch Zuschauer.
Ursprünglich als kleines Repertoirekino mit einem Saal gestartet, entwickelte sich Alamo Drafthouse zu einer der innovativsten Kinoketten in den USA. Die Kette betreibt heute 42 Standorte in den USA, darunter in Texas, New York und Kalifornien. Geplant sind weitere Eröffnungen. Neben der Gastronomie bietet Alamo Drafthouse thematische Filmabende, Retrospektiven und interaktive Events.
Im Juni 2024 wurde Alamo Drafthouse von Sony Pictures Entertainment übernommen. Die Kette bleibt eigenständig, wird jedoch Teil der neuen Abteilung „Sony Pictures Experiences“. Ziel ist es, das Kinoerlebnis weiterzuentwickeln und kulturell zu stärken. Ich hab eigentlich immer Angst, wenn eine Major-Kette einsteigt, aber im Moment scheint es noch gut zu gehen.
Alamo Drafthouse gilt als Vorreiter im Bereich „Dine-In-Kinos“ und hat eine treue Fangemeinde aufgebaut. Es ist die siebtgrößte Kinokette Nordamerikas und ein Symbol für Innovation in der Kinobranche.
Beim Kinostart von Nosferatu in den Alamo Drafthouse Kinos wurde ein spezieller “Popcorn-Sarg” angeboten. Dieser exklusive Eimer war als Sarg gestaltet, gefüllt mit einem Plüsch-Ratte und einem Überraschungs-Andenken, speziell für die Veranstaltung “Nosferatu Beyond the Grave Screening” entwickelt
Der Sarg als Popcorn-Eimer wurde als Teil eines Trends für virales Marketing eingeführt, um Filme mit außergewöhnlichen und auffälligen Sammlerstücken zu bewerben. Der Nosferatu-Sarg sollte die düstere und ikonische Atmosphäre des Films widerspiegeln und gleichzeitig Sammler und Fans ansprechen. Solche Popcorn-Eimer dienen als kreative Merchandising-Artikel, die Aufmerksamkeit erregen und den Kinobesuch zu einem besonderen Erlebnis machen.
Die Reaktionen der Zuschauer auf ungewöhnliche Popcorn-Eimer, wie sie bei Filmpremieren oder speziellen Events angeboten werden, sind meist positiv und begeistert. Viele Fans sehen sie als Sammlerstücke und kreative Ergänzung zum Kinoerlebnis. Designs, die sich auf Filme oder Charaktere beziehen, gehen oft viral, da sie sowohl Nostalgie als auch Exklusivität ansprechen. Einige Zuschauer empfinden jedoch den Hype als übertrieben oder verstehen nicht, warum Popcorn-Behälter so beliebt geworden sind. Ich hab ein paar solcher Becher von Star Wars und Wall E in meiner Sammlung.