Posts Tagged ‘Boris Karloff’

200 Jahre Frankenstein – aktueller denn je

28. Dezember 2018
Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Wahnsinns Buch: Frankenstein wird 200 Jahre

Quasi über Nacht habe ich den Roman wieder verschlungen. Den Anstoß dazu gab mein Facebook-Kollege Björn Eichstädt, der seinem Sohn einen interessanten Frankenstein:-Comic vorgelesen hatte. Ich hab mir gleich die englische Version des Manga-Horror-Meisters Junji Ito gekauft und griff bis zum Eintreffen zum Original: Frankenstein: oder Der moderne Prometheus von Mary Shelley.
Der Roman feierte 2018 seinen 200. Geburtstag und ist für mich immer noch das Werk über den künstlichen Menschen. Gerade im Zeitalter von Sophia und KI hat der Roman Gültigkeit denn je. Der Roman ist eine Parabel auf den Forscherdrang. Die Roman und die Hauptperson Victor Frankenstein warnt vor einer entgrenzten menschlichen Vernunft, die sich selbst zu Gott macht und sich anmaßt, lebendige Materie zu schaffen. Durch Robotik, Kybernetik und künstlicher Intelligenz sind wir diesem Ziel näher denn je.
Natürlich ist Frankenstein auch ein erstklassiger Schauerroman. Das Monster aus Leichenteilen wird zum Leben erweckt – ich finde diese Vorstellung noch immer unglaublich unheimlich und obwohl der Gedanke jetzt schon 200 Jahre alt ist, hat er für mich nichts von seiner brutalen Grausamkeit verloren.
Wahrscheinlich haben weniger die Leute das Buch von Mary Shelley gelesen. Bei dem genialen Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori verbrachte sie mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont und ihrem (zukünftigen) Ehemann Percy Bysshe Shelley den Sommer 1816 in der Nähe des Genfer Sees. John Polidori schrieb hier den Klassiker Der Vampyr – eine Vampirgeschichte und Mary Shelly brachte Frankenstein zu Papier.
Viele kennen die Filme über Frankenstein. Sicherlich ist der Frankenstein mit Boris Karloff die berühmteste Verfilmung. In meiner Filmsammlung fehlt noch die ungeschnittene Fassung bei der Frankenstein mit dem kleinen Mädchen Maria und deren Blumen spielt, bevor er sie ins Wasser wirft und sie ertrinkt. Meine Fassungen sind allesamt geschnitten, um das Menschliche des Monsters zu tilgen. Im Netz der längere Clip:

Regie führte 1921 James Whale bei dieser typischen Universal Produktion, die für mich den Gothic Horror schuft. Auch die späteren Filme mit u.a. Christopher Lee sind nicht schlecht. Mir selbst hat die Verfilmung Mary Shelley’s Frankenstein von Kenneth Branagh am Besten gefallen mit Robert De Niro als Unhold. Klassiker sind auch Mel Brooks Frankenstein Junior und vor allem Ken Russells Gothic, der die Entstehungsgeschichte am Genfer See zeigt, psychodelisch wie immer.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Boris Karloff ist Frankenstein.

Frankenstein gehört heute zur Popkultur. Seien es japanische Monsterfilme, Schockrocker Alice Cooper lässt mit Teenage Frankenstein grüßen, Ingolstadt ist der Studienort von Victor Frankenstein machte neben den Illuminaten- jetzt auch Frankenstein-Führungen und kurbelt den Tourismus an. Kaum eine Halloween-Party ohne Monster, wobei nicht klar ist, wer das Monster ist: Victor Frankenstein oder der Unhold.
Auf jeden Fall, hat es sich gelohnt, den Roman von Mary Shelly mal wieder zu lesen. Horror pur.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Auswahl an Frankenstein Verfilmungen.

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.