Posts Tagged ‘Peter Cushing’

Dracula im Film 6: Dracula jagt Minimädchen (1972)

4. Oktober 2017
Trash pur - Dracula jagt Minimädchen.

Trash pur – Dracula jagt Minimädchen.

Ein saublöder Titel, aber dennoch ist dieser Dracula einer meiner liebsten mit Christopher Lee als blutsaugender Graf. Der Grund ist wohl, dass der Film in einer Zeit spielt in der ich sozialisiert wurde – in den Siebziger Jahren. Kein verstaubtes viktorianisches Zeitalter mehr wie in den anderen Dracula-Filmen aus den Hammer-Studios, sondern Dracula in der Neuzeit. Die Röcke waren kürzer, die Musik wilder, das Blut spritze heftiger und alles war irgendwie cooler – und doch waren die Gegenspieler Christopher Lee und Peter Cushing die alten – endlich trafen sie nach 1958 wieder zusammen in einem Dracula-Film. Irgendwie waren sie trotz Beatmusik in ihrer alten Zeit stehen geblieben. Der eine mit seinem schwarzrotem Cape und spitzen Zahn, der andere im hochgeschlossenen Gehrock mit Silberdoch und Weihwasser.

Der Originaltitel hieß Dracula A.D. ’72 und zeigt, worum es geht: Dracula in der Neuzeit. Die deutsche Übersetzung des Titels ist peinlich und sexistisch: Dracula jagt Minimädchen – also Mädchen im Minirock oder kleine Mädchen? Was hat sich der Verleih damals gedacht? Wahrscheinlich war es der Minirock, der es dem Verleih angetan hat.

Trotz des Zeitensprungs hatte der Film mit seinen langen Haaren, schlimmen Drogen, großen Brüsten, schnellen Autos einiges an Atmosphäre zu bieten. Aber natürlich ist es alles Trash, aber ich mag diese Art von Hammer-Trash. Hammer hatte mit seinen Dracula-Filmen finanzielle Schwierigkeiten bekommen- der Graf lockte immer weniger Zuschauer ins Kino und daher war ein Zeitensprung und Neuanfang wichtig. Ich mag das theatralische Gerede von Dracula und stellte mir die Frage, wann Dracula eigentlich vom Auto überfahren wird. Lorimar Van Helsing – der Nachfahre des heldenhaften Professor Van Helsing – ergeht sich in okkulten Andeutungen und dieses Mal ist der hilfslose Kommissar von New Scotland Yard wenigstens schnell zu überzeugen. Kleiner Gag am Rande: Der Jünger von Dracula heißt Johnny Alucard (ein Anagramm von Dracula). Er wird gespielt von Christopher Neame, der auf den ersten Blick dem Alex aus dem wichtigen Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick ähnlich sieht. Das war wohl der Grund für seine Rolle und nicht sein Schauspieltalent. Und mein Jungenschwarm der Siebziger Jahre Caroline Munro spielt eine freizühige Laura, die vom Grafen verspeist wird. Als Teenager habe ich für diese Frau geschmachtet und sogar den schrecklichen Film Sterne im Duell angesehen. Regie bei den Minimädchen führte ein gewissen Alan Gibson, der 1970 den Hammer-Film Crescendo – die Handschrift des Satans gedreht hat. Ich persönlich mag Dracula jagt Minimädchen und empfehle sie gerne den Vampirfilm-Fans.

Buchtipp: The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn

17. September 2017

Als Jugendlicher habe ich mein Taschengeld für Filmplakate ausgegeben. Ich war auf Filmsammlermärkten und Kinos unterwegs und habe nach diesem besonderen Marketingmaterialien Ausschau gehalten. Ich sammelte, was mir gefiel: Bond, Horror, Kubrick – ein System in der Sammlung hatte es nicht. Dieses Hobby ist ein wenig eingeschlafen, was auch am Platz liegt. Wohin mit Hunderten Als ich jetzt das Buch The Art of Hammer: Posters From the Archive of Hammer Films von Marcus Hearn erwarb, musste viele meiner alten Schätze wieder ansehen.

Ich mag viele Hammer-Filme. Hammer war ein britisches Produktionsstudio deren Filme meinen Geschmack von Horrorfilmen geprägt haben. Ich kam aus der Tradition des sogenannten gothischen Horrors und liebte Filme mit Bela Lugosi (Dracula) oder Boris Karloff (Frankenstein/Mumie). Diese Schwarzweiß-Filme hatten eine tolle, gruselige Atmosphäre mit Friedhöfen, Schlössern und Laboren. Doch dann kamen in mein nächtliches TV-Programm auf einmal Filme von Hammer, die ebenso von Dracula, Frankenstein und die Mumie handelten, aber eine viel stärkere Wirkung auf mich hatten.

Diese Hammer-Filme waren in Farbe, sie hatten Action und sie boten Sex. Ich geb es ja zu, das alles hat mir gefallen. Auch die wichtigsten Darsteller dieser Hammer-Filme hatten mich fasziniert: Christopher Lee und Peter Cushing, beide leider inzwischen verstorben und der jüngeren Generation als Saruman (Herr der Ringe) und Großmoff Tarkin (Krieg der Sterne) bekannt.
Das Buch The Art of Hammer zeigt eine Auswahl an internationalen Postern aus der Filmwelt von Hammer mit dem Schwerpunkt auf englischen Marketingmaterialien. Es ist eine Bibel für Freunde von Hammer.
Die frühen Hammer-Filme kannte ich nicht. Mein Interesse setzt 1958 mit Blood for Dracula ein. Für mich waren die goldenen Zeiten des Hammer-Films die Sechziger und frühen Siebziger Jahre. Hammer revolutionierte den Horrorfilm und fegte die alten Schinken hinweg. Hollywood hatte keine Antwort auf Hammer, gegebenenfalls die Poe-Verfilmungen von Roger Corman hatten einen ähnlichen Charme wie Hammer. Die Hammer-Filme sprachen durch ihre Aggressivität eine jüngere Zielgruppe an, was durch Filme wie Dracula 1972 AD – Dracula jagt Mini Mädchen (geiler deutscher Titel) deutlich wurde. Im Mode- und Drogenrausch des Swinging London triebt Dracula sein Unwesen. In einer hervorragenden Doku des Kultursenders Arte wurde berichtet, dass Hammer oft als erstes ein reißerisches Plakat mit Titel hatte, sich dann einen Verleih suchte und dann erst den Film drehte. Ein ungewöhnliches Vorgehen, aber scheinbar erfolgreich.

Dann kam der Bruch. Hammer-Filme, die für eine Zeitlang modern waren, sind auf einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Neue Formen des Horrorfilms etablierten sich. Hitchcock hatte es Jahre zuvor mit Psycho vorausgesehen. Der irre Schlitzer. Das Grauen kam nicht mehr von Monstern aus fernen Ländern wie Transsilvanien oder von verrückten Wissenschaftler, sondern das Grauen kam vom Nachbarn um die Ecke oder gar vom Teufel selbst. Der vor kurzem verstorbene Tobe Hooper setzte mit Blutgericht in Texas Maßstäbe an Terror und die Branche sowie Publikum richteten sich daran aus. Hammer wirkte auf einmal verstaubt. Zwar ließen die Darstellerinnen mehr und mehr die Hüllen fallen, doch wenn ich Sex und nackte Haut sehen wollte, gab es andere entsprechende Filme. Hammer ging den Bach runter.
Erst in den 2000 Jahren hatten die Hammer-Studios ein Comeback. Ich habe allerdings noch keinen Film gesehen. Die Blu rays liegen noch Originalverpackt hier herum. Die Frau in Schwarz soll ganz gut sein – ich bin gespannt.

 

Dracula im Film 5: Blut für Dracula 1965

18. Juli 2017
Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Da beißt er wieder: Christopher Lee als Dracula in Blut für Dracula.

Als Vampirfan freue ich mich immer wieder, wenn der Chef der Beißer Dracula aufersteht und mir ein Schauern über den Rücken laufen lässt. Der beste Dracula-Darsteller ist für mich Max Schreck, aber vor allem hab ich Christopher Lee in der Rolle des beißenden Grafens liebgewonnen. So war es mal wieder an der Zeit, den Klassiker Blut für Dracula anzusehen.
Es war die erste Fortsetzung der erfolgreichen Hammer-Verfilmung Dracula von 1958. Terence Fisher saß 1965 wieder auf dem Regiestuhl und die Produktionsgesellschaft Hammer kurbelte in Windeseile Dracula- und andere Horrorfilme herunter. Sie wurden vom Publikum geliebt und von Kritikern gehasst. Ich mag die bunten Aufnahmen, das theatralische Gespiele und die seichten Storys. Blut für Dracula hat so eine seichte Story. Es geht die Mär, dass Christopher Lee sich weigerte die schlechten Dialoge zu sprechen und so fauchte der Graf in dieser Verfilmung nur und fletschte die Zähne. Für mich kommt dabei das Diabolische von Dracula sogar noch besser zur Geltung. Im dritten Teil Draculas Rückkehr durfte der Graf dann wieder sprechen – es war wohl das Drehbuch besser.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Dieses Mal spricht Dracula nicht und faucht nur.

Handlung von Blut für Dracula
Die Handlung ist einfach: Dracula wird von seinem treuen Diener wiederbelebt durch das Ausbluten eines Opfers auf der Asche Draculas. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Dracula stirbt im ersten Teil durch das Sonnenlicht und zerfällt zu Staub – diese Szene sehen wir zu Beginn des Films. Dann beißt der Graf die attraktive Barbara Shelley, die vielleicht weniger für ihre großartige Schauspielkunst als vielmehr aufgrund ihrer zwei überzeugenden Argumente die Rolle des ersten Opfers spielen durfte. Nach ein wenig Blabla über Vampirismus wird Dracula dann nach einer Verfolgungsjagd zur Strecke gebracht in dem er in den Fluten seines Burggrabens versinkt. Wir alte Vampirjäger wissen ja, dass Vampire Gewässer nicht so mögen.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Barbara Shelley ist das erste Opfer.

Blut für Dracula ist Kult
Was schnell heruntergekurbelt wurde, ist heute Kult. Ich mag die Schlosskulissen der Hammer-Studios, die gleich auch für ein den unwichtigen Streifen Rasputin, der wahnsinnige Mönch herangezogen wurden. Natürlich hat das Schloss nichts mit Rumänien zu tun, macht aber dennoch Spaß. Es liegt übrigens im Film bei Karlsbad – also etwas wirre Geografie.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Das Pfählen erinnert an eine Vergewaltigung.

Interessant findet ich aber die Erlösung von Barbara Shelley, die eine Helen Kent spielt. Vier Mönche halten die zum Vampirmutierte Helen auf einem Tisch fest – je ein Mönch an Armen und Beinen. Der Abt nimmt den Pfahl, schlägt mir dem Hammer zu und erlöst die Leidende. Es erinnert doch sehr an Vergewaltigungsszene. Hobbypsychologen werden an diesem Film ihre Freude haben. Da war mir der gute Doktor Van Helsing alias Peter Cushing im Opener des Films dann doch lieber. Und dennoch hat mir Blut für Dracula eineinhalb Stunden Spaß bereitet und ist mir wesentlich lieber als alle Twightlights und Vampir Tagebücher dieser Welt.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.

Der Graf in seiner Kiste erwacht.

Blogstöckchen – Als ich zehn war

10. Oktober 2016

Als ich zehn Jahre alt war, schrieb man das Jahr 1978. Es war ein bewegtes Jahr für mich, ein Jahr voller neuer Eindrücke, die mich formten. Als ich zehn Jahre alt – so lautet ein Blogstöckchen meines Iron Blogger-Kollegen Lutz Pausner das ich gerne aufnehme. Dieses Mal eine Reise in die Vergangenheit, eine nostalgische Erinnerung an alte Zeiten, an die gute alte Zeit. Für mich war das ihr 1978 ein Jahr des Umbruchs.

Chomeini revolutioniert
Mein Elternhaus war sehr politisch. Beim Abendessen wurde viel diskutiert und ich kleiner Bub bildete mir eine eigene Meinung. Mein Papa war eines Abends sehr schweigsam beim Abendessen. Er ging schnell über zum Ritual des Fernsehens, erst heute, dann Tagesschau. Im Fernsehen kam immer wieder ein greiser alter Mann – es war Chomeini. Den Begriff Ajatollah hörte ich zum ersten Mal. Der herrschende Schah wurden von seinem Pfauenthron in Persien gestoßen. Die iranische Revolution begann und ich war das erste Mal mit religiösen Bewegungen konfrontiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Chomeini die Welt veränderte. Aber im Fernsehen liefen Interviews und Erläuterungen – heute würden wir die Sondersendungen Brennpunkt nennen. Die Welt wurde erklärt von Peter Scholl-Latour, der mit Chomeini im Flieger von Paris nach Teheran saß und Interviews machte. Scholl-Latour war in unserer Familie sehr beliebt, die Bücher hatten meine Eltern verschlungen. Scholl-Latour war glaubwürdig für uns und er sagte: Die Welt ändert sich. Er sollte Recht behalten.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Neuer Papst
Eine andere tiefgreifende Erinnerung war der Papstwechsel. Jetzt bin ich kein großer Christ, aber der Papst ist dennoch eine wichtige Persönlichkeit. Der alte Papst Papst Paul VI. starb nach 15 Jahren im Amt – ich hatte als zehnjähriges Kind keinen anderen Papst lebendig erlebt. Der Papst ist also gestorben und es begann das Konklave. Ein neuer Papst wurde gewählt und die Wahl fiel auf den sympathischen Kardinal Luciani, der sich den Namen Johannes Paul I. gab. Nach 33 Tagen im Amt verstarb Johannes Paul I. plötzlich und die Verschwörungstheorien begannen. Bei uns in der Familie wurde spekuliert, bei uns in der Klasse wurde spekuliert. Verschwörung um Verschwörung, ob der liberale Papst vielleicht beseitigt wurde. Das verstörte mich, dass ein Papst zweimal im Jahr verstarb. Das Jahr 1978 ging somit als ein Dreipäpstejahr in die Geschichte ein.

Der Stadtneurotiker
Aber das Jahr 1978 war auch ein ganz, ganz großes Kinojahr. Es begann mit Woody Allen. Ich habe den Komiker gerne gehabt. Die Klamauk-Filme mochte ich als Kind. Und dann sah ich den Stadtneurotiker. Ich verstand den Film nicht beim ersten Mal. Die Probleme der New Yorker waren nicht die Probleme von mir als Kind. Und dennoch: Die Dialoge blieben mir in Erinnerung. Irgendwie erahnte ich die Tiefe der Worte, ohne sie zu verstehen. Erst Jahre später verstand ich die Probleme und Handlungen der Menschen im Stadtneurotiker. Höhen und Tiefen – so sieht das Leben aus. Davon verstand ich als Zehnjähriger nichts und dennoch faszinierten mich die Dialoge.
Von etwas verstand ich allerdings etwas als Zehnjähriger. Ich verstand etwas von Science Fiction: Ich kannte die tollen Filme, es war Pop Corn-Kino pur. Und dann kamen 1978 zwei Filme ins Kino, die mich wegbeamten: Unheimliche Begegnung der Dritten Art und Krieg der Sterne.

Unheimliche Begegnung der Dritten Art
Unheimliche Begegnung der Dritten Art war ein toller Film, weil es ein friedlicher Film war. Es war die Probe für den genialen ET, der später folgen sollte. Steven Spielberg öffnete mir die Augen, John Williams öffnete mir die Ohren. Ich mochte François Truffaut als Schauspieler, der ja eigentlich ein Regisseur ist. Das Thema UFO faszinierte mich und endlich waren die Außerirdischen da und nahmen uns mit auf die Reise. Der Film zeigte, wie Menschen den Kontakt zu einer fremden Species aufnehmen. Was gibt es Schöneres?

Star Wars
Ja und dann infizierte mich Krieg der Sterne – wie Star Wars, a new Hope damals hieß. Der Film war ein Hammer. Ich hab den Film bei uns im Kino dreimal hintereinander gesehen. Bei uns in der Stadt gab es drei Kinos: Capitol, Lichtspielhaus und Amperlichtspiele – und ich glaube, der Film lief im Capitol. Heute existiert keines dieser Kinos mehr. Es war ein wunderbares Märchen, ich war verknallt in Leia (coole Frisur), ich verehrte Han wegen seiner Coolness und ich bewunderte Darth Vader, der bei uns Kinder der schwarze Lord hieß. Luke mochte ich allerdings nicht so, der war so verdammt jung – so wie ich. Das ganze war wie ein Rittermärchen in der Zukunft mit Schwerter, Umhängen und Rüstungen. Prinzessinnen und Lords, Soldaten und Rebellen – das ganze Programm. Und es war dort Peter Cushing zu sehen, den ich so aus den Dracula-Filmen mochte. Star Wars hatte den gleichen starken Komponisten wie Unheimliche Bewegung: Ich entdecke John Williams und er ist seitdem Teil meines musikalischen Lebens. Ich hatte ein Panini Klebealbum von Star Wars, sammelte Figuren von Haspo und vor allem von Kenner. Leider habe ich nur noch das Gewehr von Chewbacca, die Figuren sind weg – welch ein Verlust.