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Wiebke Lühmann im Kino mit SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika – Ein Abend voller Fernweh, Mut und berührender Begegnungen

26. April 2026

Mit einem langen Applaus und spürbarer Begeisterung endete im Scala Kino Fürstenfeldbruck der besondere Kinoabend zur Reisedokumentation „SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika“. Zu Gast war Wiebke Lühmann, die im Film ihre außergewöhnliche Radreise von Freiburg bis zum Kap der Guten Hoffnung nachzeichnet. 430 Tage, 22 Länder, Wüste, Regenwald, Hitze, Erschöpfung, Begegnungen und Zweifel. Aufgrund des großen Erfolgs wird der Film und das Filmgespräch am Sonntag, 26. April im 11 Uhr wiederholt. Karten gibt es hier

Die Dokumentation zeigte nicht nur die äußeren Dimensionen dieser Reise, sondern vor allem auch die inneren Grenzerfahrungen einer jungen Frau, die sich allein auf den Weg machte und unterwegs immer wieder neu mit sich selbst und der Welt in Kontakt kam. Hier die Aufzeichnung des Filmgesprächs. Ich durfte das Gespräch auf der Bühne filmen.

Im anschließenden Publikumsgespräch wurde deutlich, wie sehr der Film die Zuschauerinnen und Zuschauer berührt hatte. Viele Fragen drehten sich um ganz praktische Aspekte der Reise: um Wasserreserven in der Westsahara, technische Ausrüstung, Pannen, Schuhe, Visa und Routenplanung. Lühmann erzählte offen von Drohnenaufnahmen, improvisierten Lösungen wie einem Bambusstock als Fahrradständer, von überflüssigem Gepäck, das sie nach Hause schickte, und davon, wie sehr sich Körper und Kopf unterwegs an die Belastung anpassten. Gleichzeitig ging das Gespräch weit über Reiseanekdoten hinaus. Besonders eindrücklich schilderte sie ihre Krise im Kongo, ausgelöst durch Erschöpfung, Einsamkeit, Sicherheitsbedenken und die Erfahrung einer leidenden Natur. Eine Woche in einem Kloster, Ruhe, Tagebuchschreiben und die Erkenntnis, jederzeit abbrechen zu dürfen, hätten ihr damals die Kraft gegeben, weiterzufahren.

Auch die Themen Heimkehr, Verarbeitung und Begegnung nahmen breiten Raum ein. Eine Besucherin sprach davon, dass große Reiseerfahrungen oft schwer zu teilen seien, weil das Erlebte in einem selbst bleibe. Lühmann griff diesen Gedanken auf und erzählte, wie wichtig für sie das Schreiben ihres Buches „Immer Richtung Süden“ und die Arbeit am Film geworden seien, um die vielen Eindrücke festzuhalten. Immer wieder betonte sie, dass es gerade die kleinen Begegnungen unterwegs gewesen seien, die ihre Reise geprägt hätten – und dass solche Verbindungen auch im Alltag oft zu kurz kämen.

Für Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kinos Fürstenfeldbruck, war der Abend ein Beispiel dafür, was Kino leisten kann: „Dieser Abend hat auf wunderbare Weise gezeigt, dass Kino mehr ist als ein Film auf der Leinwand. Wenn ein Publikum nach der Vorstellung so aufmerksam fragt, lacht, staunt und weiterdenkt, dann entsteht genau diese besondere Begegnung, für die wir das Scala lieben.“ Die Anwesenheit von Wiebke Lühmann habe dem Film zusätzliche Tiefe gegeben: „Ihre Offenheit, ihre Ehrlichkeit und ihre Begeisterung haben den Abend zu einem sehr persönlichen Erlebnis gemacht.“

Zum Abschluss bedankte sich das Scala Kino bei Wiebke Lühmann für ihren Besuch in Fürstenfeldbruck. Im Foyer konnten die Besucherinnen und Besucher noch ihr Buch erwerben, Postkarten und Sticker mitnehmen und den Abend im Gespräch ausklingen lassen. Zur Erinnerung wurde im Saal ein gemeinsames Foto gemacht – mit den Lichtern der Handys als Zeichen dafür, wie viele Menschen an diesem Abend dabei waren. So wurde aus „SAME SUN – Mit dem Fahrrad durch Afrika“ im Scala nicht nur eine Filmvorführung, sondern ein inspirierender Abend über Mut, Verletzlichkeit, Fernweh und die Kraft menschlicher Begegnungen.

und hier seht ihr mich bei der Arbeit auf der Bühne – danke Gero

Konzertkritik: Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin

4. November 2019

Es war eine Reise in meine Vergangenheit. Als Filmfan genoss ich eine Phase des italienischen Horrorfilms der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Regisseure wie Dario Argento oder Lucio Fulci standen bei mir hoch im Kurs. Und weil ich diese schrägen, zumeist blutigen Filme mochte, hörte ich auch die entsprechenden Soundtracks von u.a. Claudio Simonetti und seiner Band Goblin.

Jetzt bekam ich die Gelegenheit, Claudio Simonetti’s Goblin live in Berlin im ehemaligen Kino Lido in Kreuzberg zu hören. Ich war überrascht, wie gut Simonettis Musik funktioniert. Als Fan von Filmscore bewundere ich Meister wie John Williams oder Jerry Goldsmith. Diese schufen große orchestrale Werke. Claudio Simonettis Musik ist anders – es war Bandmusik. Musiker wie der leider verstorbene Keith Emerson von einer meiner Lieblingsbands ELP hämmerten ein paar Soundtracks herunter, darunter auch für italienische Horrorstreifen, aber Claudio Simonetta’s Goblin blieb eine besondere Ausnahme.

Es war ein theatralischer Prog-Rock mit starken Synthesizer-Elementen, mal gefühlvoll, mal hart. Damit wurde die Musik von Streifen wie Rosso – Farbe des Todes (Profondo rosso), Suspiria, Tenebrae (Tenebre), Phenomena oder Terror in der Oper (Opera) von Dario Argento untermalt. Mein Gott, was waren dies für brutale stilvolle Filme – eine Mischung zwischen Gothic Horror und verrückten Hexenmärchen. Ich habe noch einige der Filme auf VHS, DVD, Bluray und sogar seltene Laserdisc im Archiv. Besonders mag ich die Regiearbeit von Dario Argento. Vielleicht ist sein Suspiria sogar mein Lieblingsfilm des italienischen Horrors, weil er in Freiburg dem „Mekka der Parapsychologie“ und München spielt. Der Film macht mir Angst und wirkt vor allem durch die Musik von Goblin hervorragend. Schön ist, dass es auch andersherum funktioniert: Ich höre die Musik von Suspiria und reise geistig ins Horrorkino zurück. Suspiria wurde auch gegen Ende des Konzerts gespielt und das Publikum miteinbezogen – Claudio Simonetta wir danken dir dafür.

Das Konzert der Band fand am Halloween-Abend in Berlin statt. Einige Besucher erschienen verkleidet. Meine Nachbarin brachte eine (Plastik-)Sense in ihrer Handtasche mit. Im Publikum waren allerhand Grufties und Gestalten der Nacht anzutreffen, wobei ich mir nicht sicher war, ob sie sich zu Halloween extra herausgeputzt haben oder ob es ihre Standardbekleidung war.

Auch ein Michael Myers mit weißer Maske war im Publikum. Als Claudio Simonetti ihn entdeckte, brach er vom regulären Konzertprogramm ab und spielte unter dem Jubel der Fans die Titelmelodie von John Carpenter Halloween – damit hatte Simonetti einen klaren Pluspunkt bei seinem Publikum.

Die Band spielte vor einer Leinwand. Per Beamer wurden visuelle Effekte und Filmausschnitte der jeweiligen Horrorstreifen ohne Ton eingespielt. So bekamen wir die italienische Gewaltorgie zu sehen: Das Abtrennen des Kopfes in Profondo rosso, der Verfall und das Verwesen der Körper von Demoni und mehr. Wenn kein Film vorhanden war, dann kamen einfach bunte Effekte wie bei einer neueren Aufnahme wie Roller.

Kurz, nur ganz kurz, besinnlich wurde es, als Dawn of the Dead gezeigt und von der Band gespielt wurde. Goblin hat Argento viel zu verdanken, aber internationale Bekanntheit bekam die Band durch George R. Romero und seiner Zombie-Version. Das wusste auch Claudio Simonetta, der sich ausdrücklich beim verstorbenen Romero auf der Bühne bedankte. Nein, lieber Claudio Simonetta wir haben zu danken für einen außergewöhnlichen Abend, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Am Merch-Stand nutzte ich die Möglichkeit, ein paar CDs noch zu erwerben. Ich hatte zudem einige CD-Covers nach Berlin mitgebracht und wollte ein Autogramm. Mir gelang es und fand den Weg in die Garderobe der Band und wechselte ein paar freundliche Worte mit Claudio Simonetta. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich meine Laserdiscs und Picture-Discs nicht zum Unterschreiben mit nach Berlin genommen habe. Aber ich hoffe auf ein Wiedersehen mit Claudio Simonetta’s Goblin irgendwann. Die Band hat eine kleine Tour in den USA und Japan hinter sich, spielte nur ein einziges Konzert in Deutschland und zieht dann weiter. Aber sie werden sicher wiederkommen und ich werde dann wieder die Musik von Claudio Simonetta’s Goblin genießen. Bis es soweit ist, schaue ich mir Suspira nochmals an.