Posts Tagged ‘Tannhäuser’

Alles Gute zum 100. Geburtstag Wolfgang Wagner

30. August 2019

Am 30. August wäre der Patriarch vom Grünen Hügel 100 Jahre alt geworden: Wolfgang Wagner. Der jüngste Enkel Richard Wagners, leitete die Bayreuther Festspiele fast 60 Jahre und prägte diese Institution der deutschen Hochkultur wie kein anderer als Intendant, Regisseur und Bühnenbildner. Er war das dritte Kind von Siegfried und Winifred Wagner, ein Enkel von Richard Wagner und ein Urenkel von Franz Liszt.

Respekt für Wolfgang Wagner
Respekt zolle ich Wolfgang Wagner, als er als Festspielleiter seiner Mutter Winifred Wagner den Zutritt zu den Festspielen untersagte. Winifred war dem Nationalsozialismus verfallen und schwor auch nach dem Krieg Hitler und seiner Ideologie nicht ab. Es gibt einen hervorragenden Dokumentarfilm von 1975 des großen Hans-Jürgen Syberberg Winifred Wagner-Die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914-1975. In diesem fünfstündigen sehenswerten Filminterview, das unter dem Titel Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914–1975 in die Filmgeschichte einging, wollte Winifried nicht abschwören und sagte: „Also, wenn heute Hitler hier zum Beispiel zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer …“ Mir lief bei dieser Szene es kalt den Rücken herunter. Wolfgang Wagner ging dies auch zu weit und schloss seine eigne Mutter vom Geschehen am Grünen Hügel aus – richtig gemacht.

Schonungsloses Interview eines Wagner-Fans.

Schonungsloses Interview eines Wagner-Fans.

Wagner auf Laserdisc
Heute besuche die Festspiele in Bayreuth, wann immer ich die Möglichkeit habe und Karten bekomme. Ich bin vom Wagner-Virus befallen. Inszenierungen von Wolfgang Wagner habe ich nie in Bayreuth live gesehen. Das erste Mal bin ich auf Wolfgang Wagner durch die Aufnahmen des Jahrhundertrings gestoßen. Mir haben die Inszenierungen sehr gut gefallen, so dass ich als Jugendlicher in Laserdiscs investiert habe. Später habe ich die DVD-Version zu Weihnachten bekommen.

Mein Einstieg zu Wolfgang Wagner

Mein Einstieg zu Wolfgang Wagner

Geschichtswälzer
Dieses Jahr hatte ich das Glück bei der Premiere von Tannhäuser dabei zu sein. Meine Frau reiste ein paar Tage früher an und traf im Hotel Opel in Heinersreuth Oswald Georg Bauer. Er war die rechte Hand von Wolfgang Wagner und koordinierte die Medienarbeit der Festspiele. Meine Gattin erhielt ein Autogramm für mich, dass heute bei mir im Arbeitszimmer hängt.
Gerne hätte ich mich mit Oswald Georg Bauer unterhalten. Ich hatte ihn nie bei seiner Arbeit angetroffen, aber ich habe sein Buch Die Geschichte der Bayreuther Festspiele: Band I: 1850–1950 und Band II: 1951–2000 verschlungen. Die beiden kiloschweren Wälzer bieten zum ersten Mal die vollständige Geschichte der Bayreuther Festspiele. Wer sich für Wagner, die Festspiele und die Inszenierungen interessiert, kommt nicht umher, in diese beiden Bücher zu investieren. Die Bücher quellen über vor Detailwissen – das war mir bei der einen oder anderen Inszenierung sogar ein wenig zuviel. Was aber kein Vorwurf an Bauer ist. Die Fotos sind einmalig und in einer solchen Fülle, dass es eine Freude ist, die Bücher als Coffeetable-Book zu nehmen und immer wieder zu blättern. Hier wird Oswald Georg Bauer sicher vom Stuhl fallen, wenn ich bei einem schönen Glas Rotwein die Musik von Wagner und sein Buch genieße. Wer sich wissenschaftlich dem Phänomen Bayreuth näher will, der wird hier fündig.

Standardwerk mit Autogramm

Standardwerk mit Autogramm

Und sein Bruder Wieland Wagner
Bereits 2017 erschien ein das Buch Wieland Wagner: Revolutionär und Visionär des Musiktheaters, verfasst von Till Haberfeld und Oswald Georg Bauer, das einen sehr guten Überblick über das Werk von Wolfgang Wagners Bruder zeigt. Mit der Wiederaufnahme der Bayreuther Festspiele im Jahr 1951 begann die bedeutende Epoche von »Neu-Bayreuth«, die von Wieland Wagner wesentlich geprägt war. Mich haben vor allem die Bilder von den großformatigen Inszenierungen interessiert und begeistert. Damit schuf Wieland Wagner einen komplett neuen Stil in Bayreuth. Dieses Buch lässt mit eindrucksvollen Bildern seiner kühnen Inszenierungen das Wirken Wieland Wagners wieder lebendig werden.

In diesem Sinne alles Gute Wolfgang Wagner zum 100. Geburtstag. Ich werde den Tag mit der Musik Richard Wagners verbringen.

Meine Premiere: Tannhäuser am Grünen Hügel

1. August 2019
Ich bin dankbar, dass mich meine  Frau zu Wagner begleitet.

Ich bin dankbar, dass mich meine Frau zu Wagner begleitet.

Das für mich wichtigste Kulturereignis in Deutschland ist angelaufen: Die Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Als glühender Fan des Musikers (NICHT des politischen Wagners) fiebere ich an diese Tage der Hochkultur hin und versuche zumindest eine Vorstellung live vor Ort zu genießen. Dieses Mal hatte ich besonderes Glück: Zusammen mit meiner Frau (kein Wagner-Fan) bekam ich Karte für die Premiere. Gegeben wurde die Neuinszenierung von Tannhäuser.

Tannhäuser ist eher eine eingängige Oper des Meisters und mit etwas unter drei Stunden erfordert sie nicht das Sitzfleisch auf den unbequemen Holzstühlen in Bayreuth. So sehr ich mich über die Karten zur Premiere freute, hatten wir dieses Mal Plätze in der letzten Reihe in der Galerie ganz, ganz hinten. Zunächst hatte ich Angst, dass ich nichts sehen würde und hab mir daher ein Fernrohr mitgebracht. Das brauchte ich nicht: Mein Platz war ideal: Gute Sicht und ein wunderbarer Klang der göttlichen Musik. Aber nachdem die Premiere zu heißen Temperaturen stattfand, es waren rund 38 Grad Celsius vor der Türe – geschweige denn im Zuschauerraum. Bei uns in der letzten Reihe staute sich die Wärme und so kam es zur doppelten Premiere: Alle männlichen Zuschauer in der Galerie entledigten sich ihrer Jackets. Und: Es durften Fächer ausgepackt und genutzt werden. Letzteres ist ein Novum und habe ich am Grünen Hügel noch nie erlebt. Das Gefächere stört sonst den Kulturgenuss, aber dieses Mal hatten wir die Wahl zwischen Leben und Tod – mit und ohne Fächer. Wir entschieden uns für Leben, für den Fächer. 

Premiere in Bayreuth bedeutet auch immer den Aufmarsch von Prominenz. Bei hohen Temperaturen ohne Schatten stellte ich mich vor den Haupteingang und beobachtete das Treiben. Die Kanzlerin habe ich nicht gesehen, wohl aber Ministerpräsident Markus Söder samt Gattin und Digitalministerin Dorothee Bär. Alle drei aber nur von hinten, in der Pause traf ich Doro Bär mit Gatten Oliver und machte das obligatorische Selfie. Nach Tannhäuser sah ich sie nocheinmal in energischen Gespräch mit Edmund Stoiber samt Karin. Ob sie über Wagner oder den FC Bayern (arrrg) diskutiert haben, weiß ich nicht und geht mich auch nichts an – ich hoffe, es war Wagner. 

Beim Warten auf die Prominenz traf ich eine ehemalige Volontärin, die jetzt für die Landespolitik einer großen süddeutschen Zeitung schreibt. So sieht man sich nach Jahren wieder. Sie versuchte den Bayreuther Modetrend auf die Spur zu kommen. Nun, ich trug dieses Mal ein wunderbares Tweed-Jacket von Felbinger Herrenausstatter aus Immenstadt, kam aber trotzdem nicht in die Zeitung. Für die Kameras waren die Standplätze genau markiert und es war wieder ein schönes Geschrei, damit jeder seinen Schuss bekam. 

Kamerapositionen am Boden.

Kamerapositionen am Boden.

I ch sah ein bisschen A,B und C-Prominenz. Am meisten freute ich mich über die Maus samt Schöpfer. Schauspieler Günter Maria Halmer mit Frau Claudia, Schauspielerin Michaela May, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dagmar Wörl, SPD-Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher und einige mehr. 

Als Medienmensch war es für mich eine Freude Axel Brüggemann zu sprechen. Ich habe den Musikjournalisten seit 2012 im Kino bei den Wagner-Übertragungen genießen zu dürfen. Toller Mann, tolle Ausstrahlung und vor allem tolles Fachwissen.

Schön, den Axel Brüggemann mal persönlich zu treffen.

Schön, den Axel Brüggemann mal persönlich zu treffen.

Natürlich gab es wieder ein paar Demonstranten, die bei der Prominenz sich selbst inszenierten. Dieses Mal lagen einige Demonstranten am Boden. Ich glaube, es ging um das wichtige Thema Klima. Ob die Damen und Herren aufgrund der hohen Temperaturen am Boden lagen, weiß ich nicht. So richtig interessiert hat diese Demo aber keinen, so zumindest mein Eindruck.

Kleine Demo am Rande.

Kleine Demo am Rande.

Das Treiben am Grünen Hügel fasziniert mich, denn die Wagner-Fans sind schon ein eigenes Völkchen. Mal tragen sie die Mode aus den Siebzigern auf (ist doch noch gut), mal sind die modisch komplett verrückt. Sehr schön, die asiatischen Gäste mit der Kleidung ihrer Heimat – gefällt mir gut, ein paar Oberbayern habe ich in Lederhosen gesehen (wer’s mag bei Wagner). Die Kollegin vom Bayrischen Rundfunk Abteilung Klassik beschloss gleich mal in der Moderation die Schuhe auszuziehen und barfuß ihren Job zu machen. Dazwischen war Le Gateau Chocolat (der Schokokuchen), eine bärtige Dragqueen aus London, die in Tannhäuser mitspielte. 

Zwischen den Aufzügen war entweder große, teure Fresserei bei Steigenberger oder man konnte Theater im Park erleben. War beides nicht mein Fall, aber ich musste natürlich das Selfie vor der Leiter machen, die zum Balkon reichte. Hier wurde die reale Welt mit der Welt der Oper verbunden – nette Idee der Inszenierung. 

Und da wären wir bei der Inszenierung. Bayreuth-Debütant Tobias Kratzer inszenierte provokativ und tags darauf machte das rechte Pack im Netz gegen die Inszenierung mobil. Kratzer machte aus Tannhäuser ein Spektakel und ritt durch bundesdeutsche Symbole. Da war Oskar aus der Blechtrommel und Ottmar Hörl nur eine Kleinigkeit. Naja, die Inszenierung beschäftigte den Geist. Das Dirigat von Walerij Gergijew war ebenfalls nicht der Hammer, so dass es viel Buh am Ende gab. Aber schaut selbst: 

Jetzt Karten sichern für Richard Wagner im Kino Tannhäuser

24. Juli 2019
Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.

Richard Wagner im Kino? Was einst als Experiment begann, ist heute eine liebgewonnene Tradition. Besorgt euch im Kartenvorverkauf die Karten für Tannhäuser am 25. Juli. Und wer Angst vor Wagner hat, kann es ja mal ausprobieren und muss nicht gleich Karten für den Grünen Hügel in Bayreuth kaufen. Ich bin dieses Jahr nicht im Kino mit dabei – ich habe Premierekarten und flipp aus.

Bald ist es wieder so weit
Mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg beginnen am 25. Juli 2019 die 108. Bayreuther Festspiele. Die „Große romantische Oper in drei Akten“ wurde 1845 in Dresden uraufgeführt und 1891 zum ersten Mal in Bayreuth gezeigt. Nach Sebastian Baumgartens Tannhäuser-Interpretation im Jahr 2011 ist die nächstjährige Neuproduktion die neunte Inszenierung des Werks (das in der so genannten Dresdner Fassung aufgeführt werden wird) bei den Festspielen.
Die Musikalische Leitung hat Valery Gergiev, der erstmals in Bayreuth dirigieren wird. Als Regisseur konnte Tobias Kratzer gewonnen werden, Bühne und Kostüme stammen von Rainer Sellmaier.
Stephen Gould verkörpert die Titelpartie des Tannhäuser, den er zum ersten Mal 2004 in Bayreuth sang. Lise Davidsen wird als Elisabeth zu erleben sein, Stephen Milling als Landgraf Hermann. Wolfram von Eschenbach wird von Markus Eiche gesungen werden und die Partie der Venus von Ekaterina Gubanova. Daniel Behle als Walther von der Vogelweide, Kay Stiefermann als Biterolf, Jorge Rodríguez-Norton als Heinrich der Schreiber, Wilhelm Schwinghammer als Reinmar von Zweter und Katharina Konradi als Ein junger Hirt vervollständigen das Ensemble.

Der große Richard Wagner - auch im Kino.

Der große Richard Wagner – auch im Kino.

Tannhäuser live zeitversetzt
Ich freue mich auf die Neuinszenierung von Tannhäuser am 25. Juli 2019. Im Kino läuft das Werk ab 18:00 Uhr „live zeitversetzt“. Die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung wird auch in diesem Jahr wieder zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus stattfinden. Ich werde aus Bayreuth winken und vielleicht seht ihr mich im Kino.
Die Bayreuther Festspiele gehören zu den bekanntesten und renommiertesten Festspielen weltweit. Jahr für Jahr kommen rund 60.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Bayreuth, um die Aufführungen zu erleben, auch ich war einige Male mit dabei und ich muss euch sagen: Es ist großartig. Die Nachfrage nach Karten übersteigt seit Jahrzehnten das verfügbare Kartenangebot, weshalb sich teils mehrjährige Wartezeiten ergeben. Durch die Kinoübertragung ist es nun allen Wagnerbegeisterten möglich, in den Genuss einer Aufführung der Bayreuther Festspiele in herausragender technischer Qualität und mit einem kinoexklusiven Pausenprogramm zu kommen.

Bewährtes Format
Im Jahr der ersten Kinoauswertung 2012 startete die Familie Wagner mit 55 Kinos und viel Überzeugungsarbeit, mittlerweile sind über 190 Kinos die Bayreuther Festspiele erfolgreich spielen, Tendenz steigend. Auch mein Lielingskino Scala in Fürstenfeldbruck ist seit Jahren mit dabei und die Übertragung erfreut sich großer Beliebtheit.
Seit der Festspielsaison 2016 beginnt die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung um 18:00 Uhr und damit zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus. Durch die Übertragung zu einer späteren Tageszeit haben mehr Kinobesucher die Chance, an der Übertragung teilzuhaben, gleichzeitig verkürzen sich dadurch für die Kinobesucher die in Bayreuth einstündigen Pausen der Opernaufführung. Infolge der gestrafften Pausen nähert sich die Übertragung in zeitlicher Hinsicht dem tatsächlichen Bühnengeschehen in Bayreuth an und lässt die Übertragung damit quasi zum Live-Erlebnis werden. Dieses Übertragungsformat wurde so gut angenommen, dass die Familie in der Anzahl der Kinobesucher einen Anstieg von über 20% gegenüber dem vorherigen Übertragungsformat verzeichnen konnte.

Chance nutzen und Wagner kennenlernen
Und gerade Operninteressierte sollten diese Chance nutzen. Manche Leute kennen Wagner aus dem Kino wie der Wallkürenritt aus Apocalypse Now oder den Einzug der Götter in Walhall aus Prometeus.
Wagner-Opern sind etwas Besonderes, etwas Würdevolles, etwas Feierliches. Karten für Bayreuth zu bekommen ist schwer und die Karten sind teuer. Daher ist es ideal, wenn man für vergleichsweise wenig Geld in den Genuss einer Wagner-Oper kommt. Alle Klassikinteressierten sollten diese Möglichkeit nutzen und sich an Wagner heranwagen. Natürlich lässt sich ein Kinobesuch nicht mit einem Besuch auf dem Grünen Hügel vergleichen: Dennoch sollte man es ausprobieren und sich mit der Musik von Richard Wagner vertraut machen. Wagner führte die Leitmotive in die Musik ein und wer die großen Filmmusikkomponisten wie John Williams, Jerry Goldsmith, John Barry und und und schätzt, weiß, wie wichtig Wagner für die Filmmusik ist. Und zudem ist Tannhäuser eine vergleichsweise leichte Oper von Richard Wagner, deren Leitmotive schnell ins Ohr gehen. Also nicht zögern und eine Karte fürs Kino besorgen.

Stühle im Festspielhaus oder Sessel im Kino
Ich bin zwar immer wieder fasziniert von dem 1974 Plätze fassenden Zuschauerraum des Festspielhauses in Bayreuth. Er ist schlicht eingerichtet und besteht aus gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Die Akustik in dem Konzertsaal aus Holz ist genial.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.

Die harten Holzklappstühle sollen eine Idee von Wagner selbst gewesen sein. Kein Zuschauer sollte einschlafen, denn bequem sind die Holzteile wirklich nicht und die Reihen sind eng, also ist mit Beine ausstrecken auch nicht viel her. Und Wagner-Opern können lang, sehr lang dauern, je nachdem wer dirigiert. Der Ring des Nibelungen erfordert Sitzfleisch. Tannhäuser ist da deutlich kürzer. Die Pausen in Bayreuth sind dringend nötig, um sich zu strecken und spazieren zu gehen.
Da ist eine Wagner-Oper im klimatisierten Kinosaal im Scala eine absolute Wohltat für den Hintern. Die Sessel sind weich, die Beine kann man ausstrecken. Wagner im Kino ist natürlich doch etwas anders als Wagner in Bayreuth. Im Kino geht es lockerer zu. Es ist möglich, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnehmen kann. In Bayreuth wird man dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft.

Technische Details der Übertragung
Natürlich geben sich die Macher alle Mühe, den Ton so gut als möglich ins Kino zu übertragen. Aber es muss auch klar sein: Der Sound wird niemals so genial klingen wie im Bayreuther Festspielhaus. Wer einmal eine Oper von Wagner dort erleben durfte, den hat der Klang umgehauen. Noch nie habe ich so einen hervorragenden Klang gehört. Allerdings braucht man dazu eine der seltenen Eintrittskarten auf den Grünen Hügel. Bei der Live-Übertragung im Kino wird man alles herausholen, was die Technik kann. Die Liveübertragung erfolgt auf höchstem technischen Niveau in HDTV 1080i und in Dolby 5.1 Sound. Das Signal wird für die Live-Übertragung in den Kinos über die beiden Satelliten Intelsat 10-02 und Eutelsat 5 West ausgestrahlt. Am Tag der Übertragung steht das Satellitensignal einige Stunden vor Beginn zur Verfügung. Untertitel von Tannhäuser auf Deutsch sind im Kino vorhanden, was günstig ist, um das Libretto zu verstehen.

Am Grab von Richard Wagner

19. August 2016
Das Grab des Meisters.

Das Grab des Meisters.

Es war mir ein Bedürfnis bei meinem jüngsten Besuch in Bayreuth das Grab von Richard Wagner zu besuchen. Schließlich will ich an der Blogparade meines IronBlogger-Kollegen Florian Westermann Sehenswürdigkeiten in Deutschland teilnehmen. Ich höre gerne Klassik und es gibt für mich vier absolute Musikgötter: Bach, Beethoven, Mozart und Wagner. Und da ich in Bayreuth weilte, wollte ich das Grab von Richard Wagner besuchen. Es liegt hinter der Villa Wahnfried („Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“), die inzwischen renoviert ist. Die Villa und das Museum habe ich mir aus Zeitgründen nicht angesehen, aber dem Grab wollte ich einen kurzen Besuch abstatten.


Mit den Opern von Richard Wagner verbinde ich tiefe Gefühle. Wagner hatte sich mir nicht gleich erschlossen. Da tat ich mir mit Bach, Beethoven und vor allem Mozart viel leichter. Für die Musik von Wagner brauchte ich eine lange Zeit. Den politischen Wagner lehne ich strikt ab, aber den musikalischen Wagner verehre ich auf jeden Fall.
Immer wieder werde ich gefragt: Was ist denn gut von Wagner? Naja, irgendwie alles ist meine Antwort, aber man muss es für sich selbst herausfinden. Es gibt kaum etwas zum Mitschunkeln oder Klatschen. Wagner eignet sich auch nicht zum Entspannen in der Badewanne – zumindest für mich nicht. Zum Einstieg würde ich den Neulingen immer den fliegenden Holländer und Tannhäuser empfehlen. Gerade Tannhäuser hat mich emotional berührt. Mehr Zeit brauchte ich für Tristan und Isolde mit dem genialen Tristan-Akkord und den wunderschönen Lohengrin. Der Ring selbst ist gewaltig, aber richtig schwere Kost. Wer am Ring scheitert, der braucht sich nicht zu schämen. Am Meistersinger kann ich mich immer noch nicht statthören, aber das eindrucksvollste Werk ist für mich das Bühnenweihfestspiel Parsifal. Parsifal ist auch das letzte Werk des Meisters und es war ihm so wichtig, dass er testamentarisch verfügte, dass Parsifal ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden sollte. Naja, die Erben hielten sich nicht daran, der schöne Mamon lockt. Mein Einstieg zu dem Werk Parsifal war sicher eine Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg.


Nun stand ich also zum ersten Mal vor dem Grab von Richard Wagner. Die Stadt Bayreuth, der Festspielchor und die Richard Wagner-Gesellschaft hatten Kränze vor dem Grab aufgebaut. Auf der Grabplatte lagen Blumen.
Am 18. Februar 1883 wurde er hier begraben, nachdem er am 13. Februar in Venedig verstarb. Die Asche seiner Frau Cosima wurde 1930 an der Südseite des Grabhügels bestattet. In der Nähe liegt auch der Hund von Wagner Russ. Und welche Gedanken hatte ich am Grab? Ich muss entsetzt zugeben, dass ich nichts dachte. Keine Melodie ging mir durch den Kopf. Sicherlich spürte ich eine gewissen Ergriffenheit. Mein Kopf war leer. Ich betrachte die Grabplatte, umrundete das Grab zwei-, dreimal und ging dann wieder. Das war es dann. Vielleicht beim nächsten Mal.
Wagners Musik lässt der Romantik zuordnen und er hat sicherlich die moderne Musik revolutioniert. Berühmte Filmkomponisten wie John Williams verehren Wagner und haben die Leitmotive aus seinen Werken übernommen. Vielleicht kommt daher auch meine Verehrung für die großen Filmkomponisten und mein Abscheu vor Kitschkomponisten wie Hans Zimmer.

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Lohengrin

7. September 2012

Gleich vorweg: Es ist zulässig, Richard Wagner als Person und seine Musik abzulehnen. Ich habe mich aber vor langer Zeit entschieden, diesen Komponisten näher zu entdecken und beschränke mich dabei einzig auf seine Musik. Den Antisemiten Wagner lehne ich ab. Und wo lässt sich Wagner musikalisch besser erfahren als bei den Wagner-Festpielen in Bayreuth?

Und da stellt sich gleich das Problem: Zum grünen Hügel kann man nicht einfach hingehen, am Schalter eine Karte kaufen und dann die Musik im Festpielhaus Bayreuth genießen. Warten ist angesagt, jahrelanges Warten, um eine der begehrten Karten zugeteilt zu bekommen. Leider ist Warten ist nicht eine meiner Haupteigenschaften.

Durch einen glücklichen Zufall bekamen meine Frau und ich aber Karten für Lohengrin. Ein Kollege Peter Gress, hervorragender Friseurmeister aus Baden Württemberg, besaß zwei Karten, konnte aber nicht nach Bayreuth und bot via Facebook die Karten an. Ich griff sofort zu und bin Peter auf Knien dankbar. Vielen, vielen Dank.

Und was für Karten: 6 Reihe Mitte, ein absoluter Traum. Sitznachbarn um uns herum, erzählten, dass sie zwischen sieben und neun Jahren auf ihre Karten warten mussten. Ich habe ein Wochenende gewartet, bis die Post da war, aber das verriet ich den Wagnerianern besser nicht.

So ganz unbeleckt kam ich nach Bayreuth nicht. Ich erinnere mich an meine Wagner-Erweckung. Es war der Trauergottesdienst des großen Wagner-Biografen Martin Gregor-Dellin, der 1988 in Gröbenzell starb. Die Trauerrede hielt ein ergriffener Walter Jens, der immer wieder Wagner zitierte. Seitdem hat mich der Wagner-Virus infiziert. Ich las die Biografie von Gregor-Dellin und kaufte mir zahlreiche Wagner-Aufnahmen. Den Ring besitze ich in zwölf verschiedenen Einspielungen, wobei natürlich die Fassung von Loriot/Karajan wunderbar humorvoll ist. Den besten Zugang zur Musik von Wagner bekam ich durch den Holländer und Tannhäuser, sicherlich die besten Opern für Neulinge. Die beste Fassung von Lohengrin ist für mich die Einspielung von Rudolf Kempe mit den Wiener Philharmonikern.

Ich bin sicher kein Wagnerianer, war daher auf diese besondere Spezies von Menschen gespannt. Auf dem Festgelände auf dem grünen Hügel wird vor und nach der Aufführung gefachsimpelt. Dabei gehen die Zuhörer sehr kritisch mit den Interpretationen um. Nachdem Lohengrin von Altmeister Hans Neuenfels in diesem Jahr zum dritten Mal gegeben wurde, war das Publikum wohl an die Ratten auf der Bühne gewohnt. Laborratten stellten in der Inszenierung das Volk da und der Fötus am Ende war noch immer eine Provokation. Aber das Publikum wusste ja, auf was man sich einließ und reagierte gelassen. Die Bravo-Rufe galten vor allem der exzellenten Leistung des Schwanenritters Klaus Florian Vogt und der Sopranistin Annette Dasch.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Ich genoss die Atmosphäre, scherzte mit meinen Nachbarn aus Japan. Vor mir verschonte uns ein übergewichtigter Herr nicht damit, sein Jackett auszuziehen und ans an seinem Schweißgeruch teilhaben zu lassen., der durch die Fächerbewegungen seiner Gattin auch in der Umgebung verteilt wurde. Jeder soll was davon haben. Aber das machte nichts, schließlich lauschten wir der reinen Musik von Wagner.

Aber es gibt auch ein überdrehtes Bildungsbürgertum. Ungefragt stellen sie ihr Wissen zur Schau, mischen sich auch gerne ein. Manche der Herrschaften kennen sich wirklich aus (einige von ihnen sind auch mit Libretto oder gar Partitur ausgestattet), andere sind einfach nur dumme Wichtigmacher. Immer wieder denke ich da an meinen Monaco: „Dankbar und glücklich müssen wir sein, dass wir hier dabei sein durften.“

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Doch was zieht man nun zu so einem Weihespiel an? Für meine Frau und mich stand fest: Wenn wir schon mal die seltene Ehre haben und einer Wagner Oper in Bayreuth beiwohnen können, dann muss die Klamotte auch stimmen. Meine Frau erschien im neuen, langen Abendkleid, war aufwendig beim Friseur, ließ sich schminken – rundum eine schöne Frau. Ich band die Fliege um und erschien im maßgeschneiderten Gehrock, den die Münchner Designerin Svenja Jander für mich anfertigte, und holte einen antiken Spazierstock aus New Orleans heraus.

Ich war ein wohl wahrer Blickfang war. Die Damenwelt, zumeist ältere Semester drehten sich nach mir um. Einige Herren gaben leise Kommentare ab. Gut, dass ich sie nicht verstanden habe. Die meisten Herren waren in langweiligen schwarzen Businessanzügen erschienen, einige aber feierlich im Smoking. Viele Damen trugen schöne Kleider. Aber es gab auch andere Erscheinungen. Die Mode der siebziger Jahre mag wieder modern sein, aber dann bitte im Look der Neuzeit. Nur weil Kleidung 40 Jahre im Schrank hängt, ist sie nicht automatisch wieder up to date. Diese Art von Vintage ist nicht sonderlich originell. Zudem kam noch: Viele Friseuren waren einfach schauderhaft, Raspelschnitt, Topfschnitt, nicht gerade feierlich – vielleicht nützlich beim Marathonlauf oder Arbeit auf einer Bohrinsel. Hier hat die Friseurinnung Bayreuth durchaus eine Chance Flagge zu zeigen und das Publikum auf zu stylen. Vielleicht geht ein kleines Zelt mit ein paar Frisiertischen – ich sollte mal mit den Wagnererben sprechen. Jetzt bin ich kein Friseur, arbeite aber für die Branche und kann durchaus unterscheiden, was Style ist und was nicht. Dazu kamen Gesundheitsschuhe, Treter, Ballerinas. Nein, dieser Anblick enttäuschte mich in Bayreuth. Da muss ich zugeben, dass mir die Wagnerfestspiele in München von der Kleidung lieber sind, trotz des Münchner Publikums, wie es der Monaco sagen würde.