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Am Grab von Richard Wagner

19. August 2016
Das Grab des Meisters.

Das Grab des Meisters.

Es war mir ein Bedürfnis bei meinem jüngsten Besuch in Bayreuth das Grab von Richard Wagner zu besuchen. Schließlich will ich an der Blogparade meines IronBlogger-Kollegen Florian Westermann Sehenswürdigkeiten in Deutschland teilnehmen. Ich höre gerne Klassik und es gibt für mich vier absolute Musikgötter: Bach, Beethoven, Mozart und Wagner. Und da ich in Bayreuth weilte, wollte ich das Grab von Richard Wagner besuchen. Es liegt hinter der Villa Wahnfried („Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“), die inzwischen renoviert ist. Die Villa und das Museum habe ich mir aus Zeitgründen nicht angesehen, aber dem Grab wollte ich einen kurzen Besuch abstatten.


Mit den Opern von Richard Wagner verbinde ich tiefe Gefühle. Wagner hatte sich mir nicht gleich erschlossen. Da tat ich mir mit Bach, Beethoven und vor allem Mozart viel leichter. Für die Musik von Wagner brauchte ich eine lange Zeit. Den politischen Wagner lehne ich strikt ab, aber den musikalischen Wagner verehre ich auf jeden Fall.
Immer wieder werde ich gefragt: Was ist denn gut von Wagner? Naja, irgendwie alles ist meine Antwort, aber man muss es für sich selbst herausfinden. Es gibt kaum etwas zum Mitschunkeln oder Klatschen. Wagner eignet sich auch nicht zum Entspannen in der Badewanne – zumindest für mich nicht. Zum Einstieg würde ich den Neulingen immer den fliegenden Holländer und Tannhäuser empfehlen. Gerade Tannhäuser hat mich emotional berührt. Mehr Zeit brauchte ich für Tristan und Isolde mit dem genialen Tristan-Akkord und den wunderschönen Lohengrin. Der Ring selbst ist gewaltig, aber richtig schwere Kost. Wer am Ring scheitert, der braucht sich nicht zu schämen. Am Meistersinger kann ich mich immer noch nicht statthören, aber das eindrucksvollste Werk ist für mich das Bühnenweihfestspiel Parsifal. Parsifal ist auch das letzte Werk des Meisters und es war ihm so wichtig, dass er testamentarisch verfügte, dass Parsifal ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden sollte. Naja, die Erben hielten sich nicht daran, der schöne Mamon lockt. Mein Einstieg zu dem Werk Parsifal war sicher eine Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg.


Nun stand ich also zum ersten Mal vor dem Grab von Richard Wagner. Die Stadt Bayreuth, der Festspielchor und die Richard Wagner-Gesellschaft hatten Kränze vor dem Grab aufgebaut. Auf der Grabplatte lagen Blumen.
Am 18. Februar 1883 wurde er hier begraben, nachdem er am 13. Februar in Venedig verstarb. Die Asche seiner Frau Cosima wurde 1930 an der Südseite des Grabhügels bestattet. In der Nähe liegt auch der Hund von Wagner Russ. Und welche Gedanken hatte ich am Grab? Ich muss entsetzt zugeben, dass ich nichts dachte. Keine Melodie ging mir durch den Kopf. Sicherlich spürte ich eine gewissen Ergriffenheit. Mein Kopf war leer. Ich betrachte die Grabplatte, umrundete das Grab zwei-, dreimal und ging dann wieder. Das war es dann. Vielleicht beim nächsten Mal.
Wagners Musik lässt der Romantik zuordnen und er hat sicherlich die moderne Musik revolutioniert. Berühmte Filmkomponisten wie John Williams verehren Wagner und haben die Leitmotive aus seinen Werken übernommen. Vielleicht kommt daher auch meine Verehrung für die großen Filmkomponisten und mein Abscheu vor Kitschkomponisten wie Hans Zimmer.

Musiktipp: Younee – Jugendstil

23. März 2015
Auf der IHM 2015 traf ich die Künstlerin Younee.

Auf der IHM 2015 traf ich die Künstlerin Younee.

Kennen Sie Younee? Nein – ich bisher auch nicht. Aber ich lernte diese Ausnahmekünstlerin bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse IHM 2015 kennen. Younee ist Pianistin und Sängerin aus Südkorea und sorgte für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung.
In ihrer Heimat ist Younee ein Star, so heißt es zumindest. In Deutschland hat die junge Asiatin gute Chancen einer zu werden. Auf der Bühne präsentierte Younee zwei Stücke, darunter auch die Weltpremiere ihrer Eigenkomposition Papa, where are you?


Younee ist eine ausgezeichnete Pianistin und sie überarbeitet Klassiker und interpretiert sie in einem eigenen eleganten Stil.
Im August 2014 veröffentlichte sie ihr Album Jugendstil. Nach den Eindrücken von der IHM-Eröffnung habe ich mir das Album gekauft. Hier sind interessante Interpretationen von u.a. Beethoven, Mozart, Bach, Rachmaninoff, Händel und Mussorgsky zu hören. Ihre Plattefirma schreibt über das Album: „Inspiriert von der Philosophie des Jugendstils, des Art Nouveau in Architektur, Kunst, Musik und der künstlerischen Lebenshaltung der 1890er, hat Younee den Wunsch, die essentielle Schönheit der verschiedenen Musikstile miteinander zu verbinden und daraus ihren eigenen Stil zu kreieren, um dem modernen Lebensgefühl der Menschen von heute näher zu kommen.“

Das Cover zu Jugendstil.

Das Cover zu Jugendstil.

Klingt ein wenig schwülstig. Ich finde die Musik einfach schön und kann sie allen empfehlen, die auf der Suche nach einer neuen Interpretation von Klassik sind und die Ohren vor neuen Experimenten nicht verschließen. Die Puristen unter den Klassik-Fans werden sicherlich bei der Musik den Kopf schütteln, aber ich bin da sehr offen und es freut mich, dass ich Younee kennenlernen durfte. Auf einem Empfang konnte ich mit der Musikerin ein paar Worte wechseln und gratulierte ihr zu dem Erfolg. Einfach mal reinhören und neues kennenlernen.

Filmtipp zu Weihnachten: Das 1. Evangelium – Matthäus

16. Dezember 2011

Weihnachten kommt dieses Jahr am 24. Dezember. Zu Weihnachten gehören auch die üblichen Jesus-Verfilmungen, die über die Mattscheibe flimmern werden. Ich möchte an zwei Filme erinnern, die mir gefallen haben: Zum einen Die letzte Versuchung Christi vom großen kleinen Martin Scorsese und zum anderen absolut sehenswert Das 1. Evangelium – Matthäus des großen Provokateurs Pasolini.

Gerade die Interpretation des Atheisten und Kommunisten Pier Paolo Pasolini ist für mich bemerkenswert. Wie kann ein Kommunist und Christusverweigerer den besten Jesus-Film überhaupt drehen? Ganz einfach: Er hatte ein cooles Drehbuch: Die Bibel. Der Film Das 1. Evangelium – Matthäus hält sich weitgehend an den Originalbibeltext. Und der gefällt der Zielgruppe. Als der Film in den sechziger Jahren im Vatikan aufgeführt wurde, gab es 40 minütigen donnernden Applaus von kirchlichen Würdenträgern in Richtung Pasolini. Früher hätten sie ihn auf den Scheiterhaufen verbrannt, jetzt aber loben und preisen sie ihn. Der Film ist Zündstoff pur.

Pier Paolo Pasolini drehte mit Laiendarstellern, aber er wählte sie hervorragend aus. Sein Jesus ist ein zorniger Mann, der klare Positionen an den Tag legt und sich mit dem Establishment anlegt. Das gefällt Pasolini. Sein Jesus ist ein Querdenker, ein Revolutionär, der auf Seiten der Unterprivilegierten steht. Er wirft die Händler aus dem Tempel, ist aber eine Seele von Mensch gegenüber Kindern.

Aus heutiger Sichtweise ist der Film mit 131 Minuten langatmig und zerrt an den Nerven von modernen Sehgewohnheiten. Lange Einstellungen, Stille, getragene Dialoge – aber die Botschaft ist genial. Das sahen Publikum und Kritiker ebenso. Der in Schwarzweiß komponierte Film wurde bei den Filmfestspielen in Venedig 1964 mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. Er war auch für den Oscar nominiert, ging aber am Ende leer aus. Soviel Respekt hatte das kommerzielle Hollywood dann doch gegenüber dem Kommunisten Pasolini und seiner Version des Evangeliums nicht. Bemerkenswert ist auch der Soundtrack des Films. Mozart und Spirituals sowie Rhythmen werden gemixt. So einen Soundtrack gab es eigentlich sehr viel später und hier erwies sich Pasolini als Wegbereiter Sehr schön, ist die Version von „Sometimes I feel like a Motherless Child“ von Odetta.

Also schaut euch diesen Jesus-Film und lasst die Glotze bei dem üblichen Hollywood-Schund aus. Es ist mit Abstand die beste Jesus-Verfilmung.

Aktionskünstler Jürgen Fux: Der Fux geht in den Zoo

30. August 2011

Kennen Sie den österreichischen Aktionskünstler Jürgen Fux? Nein, sollten Sie aber. Der Salzburger ist echt ein cooler Typ und macht noch coolere Sachen. Seit einigen Jahren ist er unter anderem das Enfant terrible der Salzburger Festspiele. 2009 schoss er das fotogeile Publikum der Festspiele und stellte die Bilder als Menschenjäger aus.

Er hatte 2006 die Idee einen russischen Hubschrauber auf den Kopf zu stellen und einen Peugot darauf zu montieren – fertig war das Kunstwerk Heckrotor vor der Statue Mozarts, dem die Augen verbunden wurden.

Ich habe mich einen Nachmittag mit dem Künstler unterhalten. Der Kerl hat Humor und sehr gute Idee. Ich möchte hier nicht viel über alle anstehende Projekte verraten. Aber bald wird sich Jürgern Fux zu einem Luchs in den Salzburger Zoo gesellen und eine Woche lang aus dem Käfig die Zoobesucher beobachten. Der Fux geht in den Zoo.

Aber natürlich ist Jürgen Fux, der 2008 Salzburger Kulturbotschafter für die Olympiade in China war, auch andere Kunst wie Fotos, Skulpturen und Fotos. Seine Website zeigt einige sehr schöne Sachen.