Posts Tagged ‘Hans Zimmer’

Filmkritik: Blade Runner 2049

17. Oktober 2017

Blade Runner zählt für mich zu den wichtigsten Filmen der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und ich hatte Angst, nach 35 Jahren mir jetzt die Fortsetzung Blade Runner 2049 anzusehen. Freunde, ich kann euch sagen: Meine Angst war vollkommen unbegründet.

Blade Runner 2049 im Berliner Zoo Palast.

Blade Runner 2049 im Berliner Zoo Palast.

Blade Runner 2049 ist ein hervorragender Film geworden. Und es ist mehr als nur ein Unterhaltungsfilm, denn die religiösen und philosophischen Aspekte des Films von 1982 wurden aufgenommen und fortgesetzt. Damit werden einige Kinozuschauer überfordert sein, so bescheinige ich dem Film keinen übermäßigen finanziellen Erfolg. Der Film hat es verdient angeschaut zu werden und genießen Sie die über zwei Stunden an visuellen, musikalischen und gedanklichen Eindrücken. Dank an die wahnsinnig intensive Kameraarbeit von Roger Deakins. Ich werde den Film mir noch zwei-, dreimal ansehen, um das gesamte Spektrum an Gedanken zu erfassen, so wie ich es mit Blade Runner 1982 auch gemacht habe.
Der Film wagt sich an ganz große Themen: Was ist Menschlichkeit? Wann sind wir Menschen? Was definiert uns als Mensch? Entsteht durch unsere Geburt, unsere Erinnerungen der wahre Mensch? Was passiert, wenn Replikanten Kinder bekommen können? Wo beginnt und wo endet die Menschlichkeit? Solche philosophischen Fragen werden in einen Hollywood-Film gepackt. Der Kinozuschauer wird mit dieser Zukunftsvision konfrontiert, unterhalten und in meinem Falle zum Nachdenken gebracht. Immer wieder tauchen Details auf, wie DNA mit vier Sequenzen und Binärcode mit Null und Eins, um dann zu diskutieren, was ist Leben. Nicht ohne Humor ist die Diskussion mit dem Hologramm als Begleiter – einfach gesagt: Kann ich mit Alexa eine Beziehung eingehen? Damit wird ganz elegant das Thema Künstliche Intelligenz eingeführt und das Anwachsen der Daten. Joi, dargestellt von einer wunderbaren Ana de Armas, lernt und sammelt. Beeindruckend, wie Joi eine Nutte benutzt, um Bewegungen zu sammeln. Und dann sagt das Hologramm ganz selbstverständlich: „Ich liebe dich.“
Und da ist im letzten Drittel des Films ein absolut göttlicher Harrison Ford als Rick Deckard. Die Frage, ob Deckard ein Replikant ist, wird wieder offen gelassen. Für mich ist die Antwort nein, denn Deckard altert und Replikanten altern nicht, basta. Ryan Gosling als Officer K ist eindeutig ein Replikant mit überraschender Geschichte.
Nach dem Film bin ich nicht aus meinen Kinosessel aufgesprungen und hab mir überlegt, was ich als nächstes mache. Ich blieb im Sessel sitzen, streifte die schreckliche 3D-Brille ab und war sprachlos. Ich musste die Eindrücke der gesehenen Bilder und der gesprochenen Worte verarbeiten, die in meinem Kopf herumschwirrten. Regisseur Denis Villeneuve gehört für mich ab jetzt zu den ganz großen Künstlern auf dem Regiestuhl und hat mit seinen 164minütigen Film die Ideen von Ridley Scott von 1982 aufgenommen und weitergeführt.

Ich liebe Atari.

Ich liebe Atari.

Und ich liebe die Details: Zuerst natürlich die Werbung: Ich habe 1982 bei Atari gelacht und 2017 wieder. Als Retrogamer liebe ich Atari. Coca Cola war wieder in beiden Filmen dabei – und Sony auch. Absolut daneben fand ich dagegen die Werbung von Johnny Walker Black Label. Deckard meinte großspurig, dass er in Las Vegas Tausende Flaschen von Whisky habe und er greift dann zu Johnny Walker. Ich würde zu vielen Whiskys greifen, aber sicherlich nicht zu Johnny Walker – oder der Gag war einfach gut.
Meine Helden Frank Sinatra und Elvis Presley haben ihre Auftritte und ich meine sogar bei der Galerie der Replikanten rechts vorne die Figur aus Prometheus gesehen zu haben. Vielleicht eine kleine Verbeugung vor dem ausführenden Produzenten Ridley Scott.

Sehe ich da rechts vorne Prometheus?

Sehe ich da rechts vorne Prometheus?

Ich sag es ungern: Die Filmmusik von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer ist gut, sehr gut. Ich mag Zimmer nicht, aber hier hat er eine wunderbare Arbeit abgeliefert. Leider ist der Score nur als Download bisher erschienen und nicht als Datenträger – mir völlig unverständlich. Aber natürlich ist Zimmer nicht Vangelis und reicht auch an dessen Klasse nicht heran – (diese Bemerkung musste als Zimmer-Hasser und Vangelis-Fan sein). Hat Denis Villeneuve eigentlich Vangelis gefragt, ob er den Soundtrack beisteuern will?

 

 

Konzertkritik und mehr: Video Games Live in Nürnberg 2016

24. November 2016
Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Zum zweiten Jahr in diesem Jahr war ich bei Video Games Live. Nach dem Konzert in München besuchte ich nun den Auftritt in Nürnberg. Ich mag das amerikanische Show-Gehabe von Tommy Tallarico, aber vor allem mag ich Soundtracks von Videospielen.
Eine ausführliche Kritik über das Münchner Konzert habe ich in meinem Blog geschrieben. Es waren in Nürnberg ähnliche Songs am Start und es hat mir auch gefallen.


Dieses Mal möchte ich mir an dieser Stelle mehr Gedanken um Videospielsoundtracks als Kulturgut machen. Bei aller Diskussion in der Vergangenheit steht heute eindeutig fest: Videospiele sind ein Kulturgut. Games sind zu einer Leitkultur geworden. Videospiele sind aber auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Es werden mehr Videospiele umgesetzt als Karten an der Kinokasse verkauft. Und dennoch werden Gamesentwickler immernoch stiefmütterlich behandelt. Die Vergabepolitik der deutschen Förderer kümmert sich meines Erachten lieber um die Filmer als um die Gamer. Das ist ein Gefühl, handfeste Zahlen liegen mir nicht vor. Aber natürlich hat sich viel getan, die Situation rund ums Spiel ist besser geworden.


Als ich im Konzert in der Nürnberger Meistersingerhalle saß, trugen mich meine Gedanken fort, als ich die Soundtracks der Klassiker hörte. Mit Videospielen identifiziere ich mich heute mehr als mit Filmen. In Filmen muss ich passiv der Handlung folgen, die mir ein Regisseur vorgibt. Keine Frage, es gibt geniale Filme. Aber in einem Spiel kann ich in eine handelnde Person schlüpfen und mich in das Spiel einbringen. Das macht für mich den Reiz aus. Ich muss Verantwortung für meine Handlung und Entscheidungen übernehmen. Jeder Ruck am Joystick oder Gamepad hat Folgen für meine Spielfigur. Im Film kann ich nur der Figur folgen und natürlich auch mitfiebern. Beim Videospiel ist dieses Gefühl intensiver.


Sowohl Film als auch Spiel wären ärmer, wenn es den Soundtrack nicht geben würde. Ich sammle seit Jahren Filmsoundtracks. Meine Götter heißen hier John Williams und Jerry Goldsmith. Es gibt zahlreiche Lieblinge, aber sicherlich gehört Hans Zimmer nicht dazu. Immer mehr freunde ich mich mit Gamessoundtracks an. Ich kam über die Filmkomponisten zu den Gameskomponisten. Leute wie Michael Giacchino brachten Film und Spiel zusammen. Leider stelle ich fest, dass Komponisten für Soundtracks in Deutschland nicht so behandelt werden. Dabei ist für mich doch eine Selbstverständlichkeit, Leute wie Chris Huelsbeck mit seinen Kickerstarter-Aktionen zu unterstützen.


Das ist leider bei den Preisen und Auszeichnungen wenig Begeisterung für Videospielkomponisten zu spüren. Beim animago AWARD, ein Preis den ich jahrelang selbst vergeben durfte, spielt der Soundtrack keine Rolle. Aber der Score sorgt für das Gefühl in der Animation. Noch sträflicher finde ich es, dass es beim Deutschen Computerspielpreis keine Auszeichnungen für Videogameskomponisten gibt. Ich werde den Gedanken nochmals an die zuständige Staatsministerin Dorothee Bär einbringen, die sich hervorragend um Games in Deutschland kümmert. Meine Kritik habe ich bereits bei der jüngsten Verleihung in meinem Blog verfasst.


Wenn ich in die Rolle einer Spielfigur schlüpfe und dies kann auch nur ein Pixelklötzchen in einem 8-Bit Game als Retrogamer sein, dann steigert sich meine Spielerfahrung wenn sie mit Musik angereichert ist. Und wenn der Soundtrack ordentlich komponiert und arrangiert ist, dann geht der Score ins Ohr, ins Bewusstein und verbindet sich mit dem Spiel. Alles zusammen gehört zu einer Marke.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Wie emotional Videospiele sind, habe ich in Nürnberg auf dem Konzert von Video Games Live gesehen. Nach der Pause kam auf einmal ein junger Mann namens Markus auf die Bühne. Er hatte eine junge Frau mit Namen Anna dabei, die etwas verdutzt schaute. Markus machte ihr auf der Bühne vor versammelten Publikum einen Heiratsantrag, den Anna annahm. Das Ja-Wort wurde von den Besuchern der Meistersingerhalle mit donnernden Applaus belohnt. Tommy Tallarico, Organisator der Video Games Live, hat die Anfrage kurz vor seinem Nürnberger Gastspiel bekommen und zugestimmt. Vielen Dank Tommy Tallarico. Das Paar wird den Abend nicht vergessen und ich habe das Schauspiel aus einiger Entfernung mitgedreht.


Auch Hans Ippisch, heute Geschäftsführer von Computec und vor langer Zeit Videospieljournalist, hielt eine launige Ansprache und erinnerte an vergangene Zeiten.


Bei all der Musik, die an dem Abend gespielt wurde, mochte ich die Tetris Suite am liebsten. Tetris machte das Videospiel erwachsen und ist der Klassiker es Casual Games. Mein GameBoy von früher ist heute noch immer im Einsatz und Tetris liegt griffbereit.


Fast Lagerfeuerromantik brach aus, als Akteure und Publikum gemeinsam den Mario Song und I’m alive sangen. Schön war es.

 

 

Am Grab von Richard Wagner

19. August 2016
Das Grab des Meisters.

Das Grab des Meisters.

Es war mir ein Bedürfnis bei meinem jüngsten Besuch in Bayreuth das Grab von Richard Wagner zu besuchen. Schließlich will ich an der Blogparade meines IronBlogger-Kollegen Florian Westermann Sehenswürdigkeiten in Deutschland teilnehmen. Ich höre gerne Klassik und es gibt für mich vier absolute Musikgötter: Bach, Beethoven, Mozart und Wagner. Und da ich in Bayreuth weilte, wollte ich das Grab von Richard Wagner besuchen. Es liegt hinter der Villa Wahnfried („Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“), die inzwischen renoviert ist. Die Villa und das Museum habe ich mir aus Zeitgründen nicht angesehen, aber dem Grab wollte ich einen kurzen Besuch abstatten.


Mit den Opern von Richard Wagner verbinde ich tiefe Gefühle. Wagner hatte sich mir nicht gleich erschlossen. Da tat ich mir mit Bach, Beethoven und vor allem Mozart viel leichter. Für die Musik von Wagner brauchte ich eine lange Zeit. Den politischen Wagner lehne ich strikt ab, aber den musikalischen Wagner verehre ich auf jeden Fall.
Immer wieder werde ich gefragt: Was ist denn gut von Wagner? Naja, irgendwie alles ist meine Antwort, aber man muss es für sich selbst herausfinden. Es gibt kaum etwas zum Mitschunkeln oder Klatschen. Wagner eignet sich auch nicht zum Entspannen in der Badewanne – zumindest für mich nicht. Zum Einstieg würde ich den Neulingen immer den fliegenden Holländer und Tannhäuser empfehlen. Gerade Tannhäuser hat mich emotional berührt. Mehr Zeit brauchte ich für Tristan und Isolde mit dem genialen Tristan-Akkord und den wunderschönen Lohengrin. Der Ring selbst ist gewaltig, aber richtig schwere Kost. Wer am Ring scheitert, der braucht sich nicht zu schämen. Am Meistersinger kann ich mich immer noch nicht statthören, aber das eindrucksvollste Werk ist für mich das Bühnenweihfestspiel Parsifal. Parsifal ist auch das letzte Werk des Meisters und es war ihm so wichtig, dass er testamentarisch verfügte, dass Parsifal ausschließlich im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt werden sollte. Naja, die Erben hielten sich nicht daran, der schöne Mamon lockt. Mein Einstieg zu dem Werk Parsifal war sicher eine Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg.


Nun stand ich also zum ersten Mal vor dem Grab von Richard Wagner. Die Stadt Bayreuth, der Festspielchor und die Richard Wagner-Gesellschaft hatten Kränze vor dem Grab aufgebaut. Auf der Grabplatte lagen Blumen.
Am 18. Februar 1883 wurde er hier begraben, nachdem er am 13. Februar in Venedig verstarb. Die Asche seiner Frau Cosima wurde 1930 an der Südseite des Grabhügels bestattet. In der Nähe liegt auch der Hund von Wagner Russ. Und welche Gedanken hatte ich am Grab? Ich muss entsetzt zugeben, dass ich nichts dachte. Keine Melodie ging mir durch den Kopf. Sicherlich spürte ich eine gewissen Ergriffenheit. Mein Kopf war leer. Ich betrachte die Grabplatte, umrundete das Grab zwei-, dreimal und ging dann wieder. Das war es dann. Vielleicht beim nächsten Mal.
Wagners Musik lässt der Romantik zuordnen und er hat sicherlich die moderne Musik revolutioniert. Berühmte Filmkomponisten wie John Williams verehren Wagner und haben die Leitmotive aus seinen Werken übernommen. Vielleicht kommt daher auch meine Verehrung für die großen Filmkomponisten und mein Abscheu vor Kitschkomponisten wie Hans Zimmer.

Musiktipp: Jean-Michel Jarre: Electronica 2

16. Mai 2016
Durchwachsen: Das neue Album von Jean-Michel Jarre.

Durchwachsen: Das neue Album von Jean-Michel Jarre.

Die Zusammenarbeit von Jean-Michel Jarre mit anderen Elektronikmusikern geht in die zweite Runde und wieder bin ich mit dabei. Teil 1 The Time Machine hat mir weniger gut gefallen, Teil 2 Electronica 2: the Heart of Noise ist für mich persönlich besser gelungen. Ich weiß nicht, wie viele Teile der Elektronikpionier Jarre noch veröffentlichen will, am Ende werde ich mir meine eigene Kompilation zusammenstellen und den ganzen Schrott rauswerfen. Und Schrott gibt es für mich sehr viel in den Alben.
Freilich positiv: Alle Tracks sind absolut sauber produziert und gemischt, erwarte ich bei diesen Namen aber auch nicht anders. Und auch klar war, dass es nach dem ersten Teil wieder kein Oxygene u.a. werden wird. Diese Zeiten sind wohl für JMJ vorbei. Also die Musik vom Amazon-Server geladen und reingehört – die CD kam mit der Post hinterher. Eine Homage an sein Frühwerk sind die Stücke im Heart of Noise bei dem der alte JMJ durchklingt.
Besonders großes Lob und Anerkennung gebührt Jarre, das er es geschafft hat, Edward Snowden zur Mitarbeit zu bewegen. Der Whistleblower hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Angebote von Musiker und Künstlern bekommen, bei Jean-Michel Jarre hat er Ja gesagt und das Ergebnis überzeugt. Ich hatte Snowden gerade in einer Übertragung auf der #rpTEN gesehen und kam von Berlin nach Hause und fand die Aufnahme mit Jean-Michel Jarre vor. Das Stück Exit hat mich berührt Und es freut mich, dass die Botschaft von Snowden so verbreitet wird.


Jean-Michel Jarre hat sich eine illustre Schar von Mitstreitern eingeladen: neugierig war ich vor allem auf die Zusammenarbeit mit Gary Numan und Yello. Und das zeigt auch schon, aus welcher Zeit ich stamme und wer mich bei elektronischer Musik sozialisiert hat. Die Zusammenarbeit mit Gary Numan ist New Wave pur und das Stück mit Yello versetzte mich Jahre in wunderbare Zeiten zurück, als die Schweizer innovativ waren. Auch ganz klar auf der hörenswerten Seite ist das Stück These Creatures in Zusammenarbeit mit Julia Holter. Für mich ist die US-amerikanische Künstler die Entdeckung auf dem Album Electronica 2: the Heart of Noise und habe mich gleich mit Material von ihr eingedeckt. Absolut hörenswert.
Das Album schwankt zwischen Kunst und Kommerz. Bei so vielen poppigen Sachen war ich genervt. Die Pet Shop Boys haben sicherlich ihre Zeit gehabt und ihr Beitrag Brick England gehört ganz eindeutig zu den guten Pop-Sachen des Albums. Aber bei Primal Scream und ihrem As One war ich genervt von zuviel Kommerz. Und so sehr ich auch Cyni Lauper für ihre frühen Girls just to have fun-Sachen und die späteren Blues-Stücke verehre, bei einem Album von Jean-Michel Jarre ist die Dame fehl am Platze.
Und ja, es gibt den absoluten Schrott. Ich kann es nicht fassen, was für ein seichtes Gesülze zu finden. Es gibt den Schrott, dazu gehört für mich der Krampf den Jarre mit Hans Zimmer fabriziert hat. Ja, mein Groll gegen Zimmer wächst weiter. Das Geblubbere von Jarre-Synthis und das Gesäusel von Hans Zimmer – einfach unerträglich, wie das Großteil des Soundtrack-Werkes von Hans Zimmer.
Und nun? Ich habe mir für den Herbst eine Konzertkartenbesitzer gekauft, weil ich Jean-Michel Jarre zum ersten Mal live erleben will, obwohl mich Teil 1und 2 nicht restlos überzeugten. Und ich warte auf Teil 3 der Electronica-Serie. Hoffe auf die Zusammenarbeit mit den großen Elektronikmenschen, die mich geprägt haben. Keith Emerson wird leider nicht dabei sein, er hat seinen Stecker gezogen. Dieter Moebis ist auch leider schon tot. Aber Kraftwerk, Karl Bartos, Wakeman … leben noch.

Eine Enttäuschung: Batman v Superman: Dawn of Justice

5. April 2016

Mann oh Mann, was war das für ein Schrott! Ich bin massiv enttäuscht über Batman v Superman: Dawn of Justice. Zack Snyder, du hast meinen Jugendtraum zerstört, obwohl ich doch soviel von dir gehalten habe. Dein 300 war einfach göttlich.
Ich habe die Comics der beiden Superhelden Batman und Superman immer gerne gelesen, vor allem wenn meine Helden aufeinander getroffen sind. Klar, dass ich mir unbedingt die Verfilmung Batman v Superman: Dawn of Justice im Kino anschauen wollte. Hätte ich das bloß gelassen. Ich fand Man of Steel von Zack Snyder noch ganz gut, aber der vorliegende Film war dann nur noch Geldschneiderei. Viel Bum, aber wenig Charakter. Die ganzen Charaktäre waren absolut oberflächlich, austauschbar und bubberten nur so vor sich hin. Selbstironie war nicht zu finden.
Das es nicht nur mir so ging, zeigen die Einspielergebnisse. Schon in der zweiten Woche fällt der Film an der Kinokasse zurück. Gut so, denn es lohnt sich nicht. Nach einem Superstart verlor „Batman v Superman“ in der zweiten Wochemassiv: Umsatzrückgang in den USA rund 70%, in China rund 80% und bei uns rund 50%.

Batman? Oder doch besser ... Foto: DCComics

Batman? Oder doch besser … Foto: DCComics

Eine positive Sache hat der Film allerdings. Komponist Hans Zimmer kündigte im März 2016 an, dass Batman v Superman: Dawn of Justice sein vorerst letzter Superhelden-Soundtrack sein soll. Danke lieber Hans Zimmer, dass du uns künftig mit seiner Kunst verschonst. Es wird eine Bereicherung für das Genre Filmmusik sein und meine Ohren werden es danken.
Natürlich stellt sich die Frage unter Fans: Wer ist besser: Batman oder Superman? Ich plädiere seit meiner Jugend für die Fledermaus. Er ist geheimnisvoller, ein dunkler Ritter mit Charakter. Superman war mir immer zu soft.
Die Frage nach Batman vs Superman stellte auch das größte deutsche Cashbackportal Qipu und siehe da, die Herrschaften kommen zum gleichen Ergebnis wie ich: 80 Prozent finden Batman cooler als Superman. Die Umfrage wurde von Qipu im März 2016 unter 315 Teilnehmern durchgeführt. Das ist jetzt nicht gerade die Masse, aber doch aussagekräftig.
Batman ist unser eindeutiger Favorit: Vier von Fünf (80 Prozent) finden ihn cooler als den Mann mit den Superkräften. Bei den Frauen ist der Mann aus Stahl allerdings etwas beliebter: Fast jede Dritte (31 Prozent) zieht ihn seinem dunklen Konterpart vor.

... Superman? Foto: DCComics

… Superman? Foto: DCComics

In dem aktuellen Superhelden-Blockbuster muss sich Ben Affleck als neuer Batman beweisen. Die Messlatte liegt ziemlich hoch, denn die Liste an hochrangigen Kollegen ist lang: So sehen auch 68 Prozent in Christian Bale den besten Bruce Wayne-Schauspieler, besonders die Männer (70 Prozent). Bei den Frauen ist es wiederum etwas unentschiedener: Lediglich jede Zweite (50 Prozent) bevorzugt ihn als Fledermaus. Auf dem zweiten Platz der besten Batman-Riege folgt im gesamtdeutschen Vergleich weit abgeschlagen Michael Keaton (Batman, Batmans Rückkehr, 12 Prozent). George Clooney (Batman & Robin) landet mit sieben Prozent auf dem dritten Platz, besonders dank der Frauen, von denen jede Siebte (14 Prozent) den Frauenschwarm favorisiert. Die Männer hingegen können sich bei dem dritten Platz nicht zwischen Val Kilmer (Batman Forever, fünf Prozent) und Adam West (Batman hält die Welt in Atem, fünf Prozent) entscheiden.
Bei dem Mann im rot-blauen Gewand ist die Entscheidung genauso eindeutig: Fast zwei von drei (59 Prozent) fliegen auf Christopher Reeve als besten Clark Kent. Immerhin jeder Fünfte (19 Prozent) findet Henry Cavill (Man of Steel), der auch in dem neuen Streifen Superman mimt, am besten. Auf Platz drei der beliebtesten Superman-Darsteller ist Dean Cain aus der Superman-Serie in den 90er Jahren (neun Prozent). Bei den beliebtesten Schauspielern des Manns aus Stahl sind sich beide Geschlechter ausnahmsweise mal einig. Nur auf den hinteren Plätzen kommt es zu leichten Abweichungen: Während die Männer Brandon Routh auf dem vierten Platz sehen (fünf Prozent), liegt er bei den Frauen mit drei Prozent nur auf dem letzten Platz.

Ranking der beliebtesten Schauspieler
Batman
Christian Bale 68%
Michael Keaton 12%
George Clooney 7%
Val Kilmer 6%
Adam West 4%
Lewis Wilson 3%
Robert Lowery 1%

Superman
Christopher Reeve 59%
Henry Cavill 19%
Dean Cain 9%
Brandon Routh 6%
Kirk Alyn 5%
George Reeves 2%

Endlich der Oscar für Ennio Morricone für The Hateful Eight

1. März 2016
Für The Hateful Eight bekam Ennio Morricone seinen Oscar.

Für The Hateful Eight bekam Ennio Morricone seinen Oscar.

Für mich ist bei der Oscar-Verleihung eigentlich die Luft raus. Nachdem ich jahrelang die Oscar-Nacht gefeiert und mitgefiebert habe, bin ich dieses Mal einfach ins Bett gegangen. Die einzigen drei Oscars, für die ich mich heute noch interessiere, sind die Auszeichnungen für beste Spezialeffekte, für den besten Animationsfilm und für die beste Filmmusik.
Und ich freue mich sehr, dass ein Oscar an den Altmeister der Filmmusik Ennio Morricone ging. Er bekam die Statue für den Tarantino-Film The Hateful Eight. Und was mich noch mehr freut, dass sein Kollege und Soundtrackgott John Williams sich über den Preis für Morricone sichtlich genauso freute.
Die aktive Zeit von Ennio Morricone war eigentlich vorbei. Er lieferte gewaltige Werke ab wie die Musik zu den Leone-Produktionen wie Spiel mir das Lied vom Tod, die Dollar-Filme, zwei glorreiche Halunken, Es war einmal in Amerika. Ich selbst liebe die Musik zu The Mission und vor allem die Zusammenarbeit von Morricone mit dem großen Cellisten Yo-Yo Ma. Morricone schuf die beste Musik zu den Western seiner Zeit.
Etliche Male war Morricone für den Oscar nominiert, hatte aber nie einen bekommen. Hollywood ehrte den Komponisten 2006 mit einem Ehren-Oscar. Den bekommen Leute, die sonst nie einen Oscar gewinnen und bevor sie sterben, sollen sie noch feigenblattmäßig ausgezeichnet werden. Schade über die Academy. Aber Tarantino überredete den heute 87jährigen doch nochmal einen Score zu schreiben und Hollywood den Mittelfinger zu zeigen. Und er gewonnen – gut so. Der Filmmusikgott John Williams mit seinen 83 Jahren freute sich wie ein Schneekönig über den Oscar für seinen Freund und Kollegen Morricone. Kein Hans Zimmer und andere geklonte Musikaliens, sondern echte Kompositionsarbeit wurde hier von der Academy ausgezeichnet.

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John Williams war selbst für die Musik von Star Wars VII nominiert, aber ich hatte den Eindruck, dass er gerne hinter Morricone zurücktrat. Williams hat ja schon einige Goldjungs auf dem Kaminsims stehen, Morricone noch keinen. Morricone wurde in der Vergangenheit fünf Mal nominiert und ging immer leer aus. Und dieses Mal hat es endlich geklappt und das ist gut so.
Es gab Standing Ovations. Der Maestro dankte auf Italienisch dem großen Kollegen Williams und seinem Regisseur Tarantino (in dieser Reihenfolge) für die Chance. Das ist insoweit eine interessante Sache, da Tarantino in der Vergangenheit eher für Hit-Zusammenstellungen als Soundtrack zu seinen Filmen zu haben war. In The Hateful Eight beauftragte Tarantino einen Komponisten mit einem klassischen Score und steuerte nur ein paar Sachen selbst bei. Der Soundtrack von Morricone wird sicherlich nicht so viel Kasse machen wie die üblichen Soundtracks aus dem Tarantino-Filmen, aber das ist nicht so wichtig.
Die Musik selbst von Ennio Morricone für The Hateful Eight ist sehr solide, bringt die dichte Atmosphäre von früher. Der 87jährige gezeigt, was er kann und wahrlich er kann es einfach. Der Score von Morricone ist großartig – die Einlagen von Tarantino hätte ich nicht gebraucht. Leider ist ein Stück nicht auf der CD, das ich gerne gehört hätte. Beastialty aus dem Soundtrack von John Carpenters The Thing von 1982. Das Stück passte im Kino bei Hateful Eight genial, wurde aber nicht auf den Soundtrack gepresst. Schade, aber sonst alles prima.

Filmtipp: Pixels Special Edition auf Blu ray

13. Februar 2016
Der Film geht so, das Modell von Pixels ist super.

Der Film geht so, das Modell von Pixels ist super.

Ok, ich hab mir damals mehr erwartet, als ich mit meiner Familie im örtlichen Kino Scala den Film Pixels angeschaut hatte. Als Retrogamer war ich sehr begeistert, dass endlich mal ein Film über meine Sehnsucht nach alten digitalen Zeiten gedreht wurde. So richtig überzeugt hat mich der Film von Chris Columbus dann aber doch nicht. Und trotzdem musste ich die Pixels Special Edition auf Blu ray dann doch haben.


Der Grund war weniger der Inhalt als die nette Verpackung. Die Blu ray und die 3D-Version kam in einem großen Pac Man aus Plastik daher, der wohl gerade eine US-Stadt angreift. Ich finde die Idee wirklich nett. Das ganze Ensemble ist putzig anzusehen. Der gelbe Pac Man kann sogar auf Wunsch beleuchtet werden. Der Einschaltknopf befindet sich im geöffneten Maul der Spielfigur. K2 hatte beim Drücken des Knopfes die Befürchtung, dass sich der Mund von Pac Man dann schließt und nach dem Finger schnappt. Nette Idee des Kindes, aber unser Pac Man leuchtet nur.
Die Stadt steht auf einer blauen Box, in der die Datenträger untergebracht sind: Blu ray und 3D-Blu ray – wobei ich mir die 3D-Version gerne gespart hätte, weil ich Stereoskopie sowieso nicht sehen kann. Aber die  Pixels Box gab es nur mit 3D, also Augen zu, Geldbörse auf und durch.

Im Kino war ich damals enttäuscht.

Im Kino war ich damals enttäuscht.

Der Film Pixels selbst war durchschnittlich. Ich mag Adam Sandler einfach nicht. Er ist einfach nicht mein Typ als Schauspieler. Auch Chris Columbus als Regisseur hatte so seine Seiten – einmal die Kevin allein-Reihe (würg) und dann ein paar Harry Potter-Filme (schon besser). Unangenehm fiel mir mal wieder Henry Jackman mit seinem Soundtrack auf. Henry Jackman kommt aus der Hans Zimmer-Schmiede und mehr muss ich nicht sagen. Ich mag die Musik von Hans Zimmer nicht, hätte mich aber gefreut, wenn der Soundtrack des Films in der Blu ray-Box dabei gewesen wäre.
Also hab ich den Film nochmals angeschaut, die Blu rays in die Box verpackt und das Pac Man-Ensemble zu meinem Terminator-Kopf und Alien-Kopf gestellt. Die Retrogamer werden es schätzen. Pac-Man, Donkey Kong, Space Invaders und Centipede wurden im Film nett dargestellt und das ist für mich das Wichtigste – Adam Sandler hin oder her.

Musiktipp: Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens von Williams

20. Dezember 2015
John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

John Williams hat wieder den Soundtrack zum neuen Star Wars VII komponiert.

Nur ein Takt von ihm und Hans Zimmer und Konsorten können einpacken. Der Meister des Soundtracks hat wieder zugeschlagen und dies mit 83 Jahren. Gemeint ist der legendäre John Williams und sein neuer Wurf ist der Soundtrack zu Star Wars The Force Awakens.
Meine Erwartungshaltung war gigantisch und natürlich muss auch ein John Williams daran scheitern. Der Soundtrack zu Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht ist hervorragend, reicht aber nicht an frühere Werke heran, die aus der Feder von Williams stammen. Das bedeutet nicht, dass der Score zu Star Wars The Force Awakens irgendwie schlecht ist. Er ist nur nicht so perfekt wie andere Kompositionen von ihm und bei weitem besser als was sonst so auf dem Markt ist.
John Williams ist sich in vielen Sachen treu geblieben. Er setzt wie bisher auf die bekannten Leitmotive, die er sich vom genialen Richard Wagner abgeschaut hat. Studiokopfhörer aufgesetzt, Augen geschlossen und schon erzeugt das orchestrale Werk Bilder in meinem Kopf. Ich erkenne die alten Leitmotive, die Fanfaren, die Klänge, die mich durch die vergangenen Jahre immer begleitet haben. Motive, die zum Kulturgut der Menschheit geworden sind. Sie sind so unheimlich schön.
Und die neuen Motive? Rey’s Theme ist sehr gut geworden, aber es ist kein Imperial March. Es ist leicht, beschwingt und geht schön ins Ohr. Generell habe ich mehr Leitmotive erwartet, die ich den handelnden Personen zuordnen kann. Das war ein absoluter Pluspunkt bei den Star Wars-Soundtracks von John Williams. Hier hat sich der Meister dieses Mal zurückgehalten und einen soliden Soundtrack abgeliefert. Als Pedant stört es mich übrigens, dass John Williams die Musik nicht wie sonst mit dem London Symphony Orchestra eingespielt hat, sondern die Musik wurde in LA von Musikern aus Williams Umfeld aufgenommen. Auf dem Cover der CD wird kein Orchester vermerkt, nur über die Star Wars Website wurde darüber berichtet.
Williams stand beim Komponieren vor einem Dilemma. Im YouTube-Channel von Star Wars sagte er sinngemäß: „Ich kann mir das ohne Bezüge zu den Filmen, die wir schon kennen, gar nicht vorstellen, und da ist es angemessen, ja notwendig, einige der früheren Themen zu verarbeiten. Und das war ja das, was mir immer so Spaß gemacht an der Arbeit, an jedem einzelnen dieser Filme, denn jedes Mal konnte ich auf altes Material zurückgreifen und neues entwickeln, so dass beide Seite an Seite funktionieren und sich dann anfühlen wie ein Teil des ganzen Film-Gefüges.“ Und so erfreue ich mich an verschiedenen Anklängen aus der Vergangenheit. So wie Jeffrey Jacob Abrams mich mit Star Wars VII in meine Jugend zurückversetzt hat, so hat mich auch John Williams an die Hand genommen und mich mit der Zeitmaschine gesetzt. Ich weiß noch, wie ich die Doppel-LP zu Krieg der Sterne in meinem Kinderzimmer wieder und wieder abgespielt habe.
So viel symphonische Soundtracks mit Klasse gibt es nicht mehr. Im Olymp sind Williams, gefolgt von Jerry Goldsmith. Dann gibt es viele gute Leute – die Maschinerie von Hans Zimmer gehört nicht dazu. Leider habe ich es nicht geschafft, John Williams zu treffen, bzw ihn live zu hören. Der Mann ist 83 Jahre, ich muss mich also beeilen.
Es wird wohl der letzte Star Wars Soundtrack von John Williams sein. Den Teil VIII Rogue One komponiert Alexandre Desplat. Ihm traue ich sehr viel zu, spätestens mit Godzilla hat er einen starken Score geliefert.
Zur Veröffentlichung selbst: Ich erwarte übrigens, dass es in den nächsten Monaten noch eine Fassung mit dem kompletten Score gibt. Die Musik aus dem ersten Trailer ist bisher nicht erschienen. Universal hat zum Start des Films zwei Fassungen des Werks herausgebracht – eine Standard-Version und eine Deluxe-Version. Als Sammler habe ich freilich beide gekauft. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Verpackung. Bei der Deluxe-Version Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht gibt es ein Cover aus Pappe mit Bildchen, während die Standard-Version von Star Wars: The Force Awakens – Das Erwachen der Macht in der Plastikhülle daher kommt. Mehr Musik ist auf der Deluxe-Version nicht enthalten. Also klassische Geldmacherei des Disney-Konzerns.

Limitierte Vinyl-Ausgabe: Game of Thrones Season 5 Soundtrack ausverkauft

10. Oktober 2015

Game of Thrones_Vinyl_Schallplatte

Als Soundtrack-Fan freue ich mich über neue Veröffentlichungen. Jetzt kam die Meldung, dass der Soundtrack von Game of Thrones veröffentlicht wurde – und zwar auf Vinyl.
Den Soundtrack als CD oder Download gibt es bereits seit 10. Juli 2015. Nun kam in limitierter Version die Vinyl-Ausgabe. In einer exklusiven Auflage sind die ersten 2500 LPs nummeriert und auf silberfarbenen Vinyl gepresst. Innerhalb eines Tages war der Soundtrack restlos ausverkauft. Der ausschließlich im HBO Shop erhältliche Game of Thrones Season 5 Soundtrack bestand aus zwei Vinyl Schallplatten mit Klappcover. Die 180 Gramm schweren Schallplatten beinhalten die 17 Titeln der mehrfach ausgezeichneten Serie. Das Ganze gab es beim HBO Global Licensing-Shop für Europa für 50 Euro. Jetzt gibt es nur noch die CD und die Download-Datei.
Das klingt alles ganz fein und ich freue mich grundsätzlich über den Erfolg des Soundtracks. Und jetzt kommt das Aber. Die Musik stammt wie bei den anderen Teilen auch von Ramin Djawadi. Und ich mag die Musik nicht. Die Musik hat sich mit dem Teil 5 weiterentwickelt, aber im Grunde ist es das alte Zimmer-Schema. Themen zu Tode reiten. Ich finde sie schrecklich. Es ist die klassische Musik meines Hass-Komponisten Hans Zimmer. Kennste einen Soundtrack aus dem Zimmer-Universum, dann kennste alle. Es gibt ein paar Ausnahmen von Hans Zimmer, aber die meiste Musik aus seiner Industriefirma gefällt mir einfach nicht. Ich habe die Game of Thrones-CDs wegen der allgemeinen Beliebtheit gekauft und in den Schrank gestellt, aber ich höre sie nur ganz selten an. Es gibt soviel besseres. Und so habe ich die Vinyl-Ausgabe trotz aller Sammlerleidenschaft auch nicht bestellt.

Filmtipp: Interstellar

9. April 2015
Interstellar auf Blu ray

Interstellar auf Blu ray

Im Kino hatte ich Interstellar verpasst, weil ich irrtümlicherweise annahm, dass der Film in Stereoskopie gezeigt wird. Aber jetzt ist der Streifen von Christopher Nolan auf Blu ray veröffentlicht worden und ich habe mir angesehen. Ich bin hin und her gerissen: Habe ich jetzt ein Meisterwerk gesehen, einen unterhaltsamen Film, einen Beitrag zur Gesellschaftskritik oder einfach nur 169 Minuten Geschwätzigkeit?
Das Problem mit Interstellar ist, dass sich der Film an Erklärungen versucht und daran scheitern muss. Meine angeregte Fanatsie wird durch wissenschaftliche Erklärungen eingeschränkt und das ärgert mich. Das macht aus dem Film von Christopher Nolan beileibe keinen schlechten Film, nein im Gegenteil: Interstellar hat mir auf Blu ray gut gefallen, sehr gut sogar. Dennoch hat der Film viele Schwächen. Seine größte Schwäche für mich ist seine Geschwätzigkeit. Zugegeben, einige Ideen sind visionär für den zeitgenössischen SF-Film und dafür müssen wir Nolan auf Knien danken. Aber im Vorfeld wurde er mit der Vision von 2001: Odyssee im Weltraum vergleichen und daran muss er scheitern. Interstellar fehlt die visionäre Kraft, den Blick über den Tellerrand und das Spiel der Gedanken in meinem Kopf. Nolan ist kein Kubrick und will es hoffentlich auch nicht sein. Fans und Kritiker haben ihn auf dieses Podest gehoben und Nolan muss daran scheitern. Nolan ist ein extrem begabter Filmemacher, aber ein Kubrick sicher nicht. Aber Nolan ist sicher fasziniert von seinem Vorbild und zitiert ihn überall. Dagegen ist nichts zu sagen.
Der Film ist überfrachtet mit Ideen und das führt damit zur Geschwätzigkeit. Die Thematik ist interessant und nach all den Star Trek-Folgen kennen wir inzwischen das Raum-Zeit-Dilemma und die Theorie der Wurmlöcher, so dass wir bereit sind für die wissenschaftlichen Erklärungsversuche von Nolan, der sich als Berater den Astrophysiker Kip Thone zur Seite und aus Produzenten genommen hat. Aber irgendwie kam das Thema in Contact geschmeidiger herüber, vielleicht lag es hier an der Vorlage des großen Carl Sagan.
Zeitweise kommen wissenschaftliche Erklärungen in Hülle und Fülle daher. Was bei mir aber hängen geblieben ist, sind nur die Zeilen von Dylan Thomas, der immer wieder zitiert wird. Albert Einstein versus mit Dylan Thomas. Relativitätstheorie und Quantenmechanik mit „Geh nicht gelassen durch die gute Nacht“. Und am Ende siegt, wie in Hollywood üblich, das Herz über die Wissenschaft. Und natürlich sind einige Wissenschaftler Teil einer weltweiten Verschwörung, also kann man den Eierköpfen in ihren Elfenbeinturm nicht trauen. Als Bösewicht gibt es einen großartigen Michael Caine zu sehen. Da ist auf der anderen Seite ein ehrlicher Farmer, der zuvor Flieger und Raumfahrer war, eine ehrliche Haut, dem es um seine Familie geht.
Der Film hat einen schönen Humor. Am witzigsten empfand ich die Diskussion mit der Lehrerin zu Beginn des Films. Diese Lehrerin unterrichtet nach einem Lehrbuch, dass die Mondlandung nie stattgefunden habe und nur ein Propaganda-Trick der Amerikaner gewesen sei. Dieser Humor hat für mich zwei Stufen. Stufe 1 ist die allgemeine Diskussion in den USA um die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Der Mensch dürfe im Land der Tea Party nicht vom Affen abstammen. Hier hält Nolan den Amerikanern einen Spiegel vor. Stufe 2 ist die Satire um die gefakte Mondlandung, bei der auch Stanley Kubrick seine Hand im Stil gehabt haben soll. Hier zitiert Nolan den filmischen Übervater Kubrick.
Zur Musik – und ich habe es befürchtet: ich sag es offen heraus. Der Soundtrack Interstellar ist schrecklich, kein Wunder, denn er stammt aus der Feder von Hans Zimmer. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: Hans Zimmer ist beim Komponieren auf seiner Orgel eingeschlafen. Ja, ich mag seine Musik nicht und dieses Mal tritt Zimmer gegen György Ligeti oder sogar gegen die Strauß-Brüder an und scheitert fulminant. Nolan hatte mit Zimmer schon bei den Batman-Filmen zusammengearbeitet. Zimmer sagt, er habe die Musik ohne den Film machen dürfen/müssen. Nolan habe ihn nur Manuskriptseiten zur Verfügung gestellt und dann sei die Musik nur so geflossen. Ja, ja, Blabla. Sphärische Klänge haben wir schon anderswo besser gehört, zum Beispiel vor ein paar Jahren bei Gravity von Steven Price. Selbst der Soundtrack von Oblivion von M38 war um Welten besser.
Vorbildlich und ausnahmslos atemberaubend waren für mich aber die Special Effects. Diese sind allererste Sahne und da setzt das Team von Double Negative Maßstäbe. Wer VFX liebt, dem wird Interstellar auf jeden Fall gefallen, da bin ich mir sicher. Der Bilderrausch ist enorm. Hier kann Christopher Nolan zeigen, dass er sein Handwerk als moderner Filmemacher versteht. Für die visuellen Effekte wurde der Film auch mit einem Oscar ausgezeichnet.
Für mich ist Interstellar auf der einen Seite eine Mischung aus 2001, Contact und Gravity, auf der anderen Seite ein aufwendig gemachter Science Fiction-Film, wie es heute nur noch wenige gibt. Nach dem ersten Betrachten des Films war ich aufgewühlt, visuell überwältigt und musste erst einmal eine Nacht schlafen, um meine Gedanken und Emotionen zu ordnen. Nach dem zweiten und dritten Anschauen meine ich: Sehr gut gemacht, aber beileibe kein Meisterwerk.

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