Posts Tagged ‘Loriot’

Alles Gute Gerhard Polt zum 75. Geburtstag

7. Mai 2017

Für mich gibt es zwei Superstars der deutschen Humorszene – doofes Wort. Es sind Loriot und Gerhard Polt. Polt feiert heute seinen 75. Geburtstag und ich wünsche ihm alles, alles Gute.
Über Loriot habe ich in diesem Blog ab und zu etwas geschrieben. Ich genieße diese Art von Humor, weil die Personen ganz fein gezeichnet sind und ich meine Familie wieder erkenne. Und genauso verhält es sich mit Gerhard Polt. Ich weiß gar nicht, ob er außerhalb Bayerns bekannt ist? Als Bayer verehre ich ihn, weil er ebenso wie Loriot die Personen so fein zeichnet. Polt schaut dem bayerischen Volk aufs Maul und wenn ich mir ihn im Kino, im Fernsehen und am besten auf der Bühne ansehe, dann bin ich hin und her gerissen. Ich bin begeistert. Und: Immer wieder schäme ich mich. Es ist so eine Art fremdschämen, weil Polt genau ins Schwarze trifft. Polt beobachtet seine Umwelt und bringt es auf den Punkt. Viele seiner gespielten Figuren habe ich im realen Leben, pardon, wie im richtigen Leben getroffen. Ich brauch nur bei uns ins Dorf zu gehen, da sehe ich sie – aber vielleicht bin ich auch so eine Person.
Ein paar Dörfer weiter von mir in Günzlhofen lebt die Well-Familie. Mit den Biermösln ist Polt auf der Bühne. Oberhaupt der Well-Familie, zu der auch die Wellküren gehören, war die legendäre Traudl Well, die 2015 im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Sie hat sich enorm für die wirkliche bayerische Volksmusik verdient gemacht. Polt ist ein enger Freund der Familie und tauchte so dann und wann bei uns in der Gegend auf. Als ich damals für die örtliche Lokalzeitung gearbeitet hatte, bekamen wir immer wieder Anrufe, dass der Polt wieder da sei. Aber unser Kulturchef ließ ihn in Ruhe, achtete seine Privatsphäre und der Polt kam trotz seiner Prominenz nicht in die Zeitung. Dies musste ich als junger Volontär lernen. Der Polt wollte seine Ruhe und wir als Zeitung ließen ihn in Ruhe. Einmal hab ich ihn mit den Well-Brüdern in einem Wirtshaus getroffen – aber ihn auch in Ruhe gelassen. Vielleicht war er gerade wieder am Recherchieren für seine Geschichten. Vielleicht wollte er einfach nur ein Bier trinken. Letzteres ist wohl realistischer.
Lieber Gerhard Polt, ich wünsche alles Gute zu Ihrem Geburtstag. Ich freu mich auf ein Wiedersehen. Ich schaue mir ein paar Auftritte in YouTube an und vielleicht habe ich das Glück, Sie wieder einmal live zu sehen. Und wenn Sie mal Zeit und Lust haben, setzten wir uns in den Garten, trinken eine Halbe und haben unsere Ruhe.

Buchkritik: Herbstblond von Thomas Gottschalk

15. Juli 2015

herbstblond

Ich sag es gleich vorweg: Ich mag den Gottschalk, ich mochte ihn früher und ich mag ihn heute auch noch. Ich bin also befangen. Als Jugendlicher hörte ich die B3 Radioshow mit Gottschalk und Jauch. Ach was schreib ich? Ich liebte sie. Als Schüler lief bei mir das Radio, wenn die beiden Moderatoren auf Sendung waren und sich gezankt haben. Der witzige Thomas und der ernste Günther. Sonst mochte ich Radio nicht so, aber Gottschalk brachte frischen Wind in den Bayerischen Rundfunk und rockte die Hütte. Er versüßte mir die Hausaufgaben.
Aus diesem Grunde las ich auch die Autobiografie Herbstblond von Thomas Gottschalk. Vor allem interessierte mich, wie ein Kerl aus der fränkischen Provinz mit einer großen Klappe und Schlagfertigkeit zum wichtigsten deutschsprachigen Entertainer aufsteigen konnte. Seine Geschichten über den Bayerischen Rundfunk und seinen Strukturen habe ich in diesem Buch verschlungen, wahrscheinlich weil ich den einen oder anderen Protagonisten kannte. Ich las auch viel über den Hörfunkdirektor Udo Reiter, dessen Autobiografie ich mir auch gleich reinzog und darüber bloggte. Reiter förderte Gottschalk nach Kräften, so dass er im System BR überleben konnte. Mal sehen, ob ich die Autobiografie von Gottschalk-Freund Gunter Sachs auch noch bekomme. Auch mit ihm war Gottschalk befreundet – und sowohl Reiter als auch Sachs haben sich im Alter erschossen. Thomas Gottschalk hat Rundfunkgeschichte geschrieben, nicht mehr, nicht weniger.
Auch interessant für mich, wie selbstkritisch sich Gottschalk mit den neuen Medien auseinander setzt. Er beschreibt seine eigene Hilflosigkeit im Hinblick auf die Digitalisierung – YouTube und Twitter sind nicht sein Leben. Wichtig ist, dass er dies erkennt und danach handelt und sich nicht zum Affen macht. Gottschalk kann heute sich zurückziehen und kann seinen Erfolg genießen. Diese Autobiografie, die übrigens sehr flott geschrieben und gut lektoriert wurde, ist das Werk eines schlagfertigen Profis. Es gibt nachdenkliche Seiten, wenn sich Gottschalk beispielweise über Religion und Bildungssystem auslässt, und es gibt witzige Seiten, wenn es seine Filmprojekte beispielsweise geht. Piratensender Powerplay war Kult. Gut gespielt hatte er nur in dem Helmut Dietl-Film Late Night.

Werbung im Hugendubel in Erfurt.

Werbung im Hugendubel in Erfurt.

Kritisch geht Gottschalk mit Wetten dass um. Er war der Meister des Samstagabends, aber diese Zeiten sind vorbei. Und sie kommen nicht wieder. Da sollte sich auch ein Thomas Gottschalk bei all seiner Popularität erinnern. Gottschalk hatte die großen Stars dieser Welt auf seinem Sofa. Ich erinnere mich noch an Michael Jackson, bei dessen Auftritt die Fans ausrasteten. Für mich die wichtigsten Auftritte waren Sir Paul McCartney, Bill Gates und Sir Peter Ustinov. Gerade die US-Stars konnte er einladen, was sicherlich auch an seinem amerikanischen Wohnsitz lag. Meine deutschen Helden waren Peter Alexander, Karlheinz Böhm und Loriot. Gottschalk übernahm Wetten dass ja von Frank Elstner und der hatte zumindest schon 1983 Johnny Cash in der Show – ein Auftritt, den ich noch immer fasziniert ansehe. 2011 kam es dann zum Umfall von Samuel Koch und ab da hatte Wetten dass für mich seine Leichtigkeit verloren. Michelle Hunziker wurde zuvor eingebaut, die ich aber überflüssig fand. Wetten dass war für mich nicht mehr die Sendung, die ich mochte und mit meiner Familie schaute. Wir hatten uns auseinander gelebt. Smartphone und Laptop und damit YouTube und soziale Netzwerke waren wichtiger im Haushalt, der Fernseher bliebt die meiste Zeit aus. Das verbindende Element Fernsehen ging verloren. Die Wetten der Sendung konkurrierten mit YouTube und zogen den Kürzeren. Zeit aufzuhören, obwohl die heilige Quote im Vergleich immer noch passte.


Die Late Night-Experimente waren okay, die meisten leichtbekleideten Tussis dort allerdings waren überflüssig. Eine schlüpfrige Bemerkung hier, ein zweideutiges Kompliment da – das brauche ich nicht ansehen. Für mich war Harald Schmidt der deutsche König der Late Night-Unterhaltung. Das war nicht die Welt von Plaudertasche Gottschalk und das erkannte er auch.


Sehr nett ist auch das Kokettieren mit Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki. Der oberflächliche Gottschalk und der tiefsinnige Reich-Ranicki – zwei begnadete Entertainer, die immer wieder aufeinandertreffen. 2008 lehnte Reich-Ranicki den Fernsehpreis ab, bot Gottschalk das Du an und Gottschalk ergriff geistesgegenwärtig die Chance und forderte die Intendanten von ARD, ZDF und RTL zu einer gemeinsamen Sendung mit Tiefgang auf. Das muss man sich erst mal trauen. Schön und treffend fand ich die Bemerkung vom damaligen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher an Gottschalk: Er solle sich in Zukunft nicht dümmer stellen als nötig. Das passt als Credo über die gesamte Biografie: Thomas Gottschalk hat eine emotionale Intelligenz und weiß sie einzusetzen. Daher klarer Lesebefehl für Herbstblond.

Rolf Wilhelm ist tot – Ich trauere

19. Januar 2013
Gleich gibt es Kloppe für die Nibelungen. Den Soundtrack lieferte Rolf Wilhelm.

Gleich gibt es Kloppe für die Nibelungen. Den Soundtrack lieferte Rolf Wilhelm.

Für die Freunde der deutschen Filmmusik ist es ein Trauertag. Am Donnerstag, 17. Januar 2013 verstarb Rolf Wilhelm in seinem Haus in München Grünwald. Er wurde 85 Jahre alt und hinterließ uns über 65 Filmmusiken.

Sein musikalisches Schaffen ist eng mit dem deutschen Film verbunden. Er lieferte die Musik für zahlreiche deutsche Filmklassiker. Das erste Mal bewusst kam ich mit Rolf Wilhelm in Berührung als ich mich näher mit Fritz Lang beschäftigte. Langs Mabuse interessierte mich und auch die Neuverfilmungen der sechziger Jahre hatten es mir angetan, darunter auch Scotland Yard jagt Dr. Mabuse aus dem Jahre 1963. Der Film war schlecht, aber die Musik  von Rolf Wilhelm gefiel mir. Ich stellte fest, dass er auch die Musik zu einem der Lieblingsfilme meiner Mutter, Und ewig singen die Wälder, geschrieben hatte.

Fritz Lang Klassiker Nibelungen hat mir immer gefallen, Da interessierte mich auch die Neuverfilmung. Und da stieß ich wieder auf Rolf Wilhelm. Für mich sein wichtigstes Werk war aber die Musik zur Neuverfilmung der Die Nibelungen. Zum Zweiteiler, der 1966/67 gedreht wurde, lieferte Rolf Wilhelm sein Meisterwerk ab. Über die beiden Filme lässt sich trefflich streiten, über die Musik nicht. Cobra Records brachte einst eine Doppel-CD heraus, wie es immer wieder auf Sammlerbörsen noch gibt. Ich hatte einstmals noch die 1966 veröffentlichte Single, die vom Film-, Funk-, Bühne-Orchester Berlin eingespielt wurde. Bei der 2001 veröffentlichte Doppel-CD, 35 Jahre nach Erscheinen des Films, liegt das Gesamtwerk nun vor. Der Sound auf den CDs ist gemischt: Teil 1 der Nibelungen Siegfried war in Stereo, Teil 2 Kriemhilds Rache leider nur in Mono – dennoch ist das Gesamtwerk Die Nibelungen sehr hörenswert.

wilhelm

Die sorgsam editierte CD erschien 2001 und Wilhelm verfasste das lesenswerte Booklet. Wilhelm schreibt zurecht, dass der Film einer groß angelegten sinfonischen Musik verlangte. Hollywood ließ grüßen. Doch leider stand nicht das Geld wie in Hollywood bereit. Teil 1 wurde an zwei Tagen mit 75 Musikern eingespielt und der Etat war nahezu verbraucht. Daraufhin kam es zu einem genialen Einfall von Wilhelm. Er ließ für Teil 2 die Streicher (42 Musiker) weg und der Soundtrack wurde mit Bläsern und Schlagwerk eingespielt. Das sorgte für einen martialisch, metallischen Klang.

Lieber Rof Wilhelm: Vielen Dank für Ihre Musik. Sie haben etwas zeitloses geschaffen und bleiben uns Filmfans damit immer in Erinnerung. Auch ihre Werke wie Doktor Faustus, Tonio Kröger, die Loriot-Klassiker Ödipussi und Pappa Ante Portas, Via Mala, die Heiden von Kummerow gehören zu den Klassikern der deutschen Filmmusik.

Richard Wagner in Bayreuth 2012: Lohengrin

7. September 2012

Gleich vorweg: Es ist zulässig, Richard Wagner als Person und seine Musik abzulehnen. Ich habe mich aber vor langer Zeit entschieden, diesen Komponisten näher zu entdecken und beschränke mich dabei einzig auf seine Musik. Den Antisemiten Wagner lehne ich ab. Und wo lässt sich Wagner musikalisch besser erfahren als bei den Wagner-Festpielen in Bayreuth?

Und da stellt sich gleich das Problem: Zum grünen Hügel kann man nicht einfach hingehen, am Schalter eine Karte kaufen und dann die Musik im Festpielhaus Bayreuth genießen. Warten ist angesagt, jahrelanges Warten, um eine der begehrten Karten zugeteilt zu bekommen. Leider ist Warten ist nicht eine meiner Haupteigenschaften.

Durch einen glücklichen Zufall bekamen meine Frau und ich aber Karten für Lohengrin. Ein Kollege Peter Gress, hervorragender Friseurmeister aus Baden Württemberg, besaß zwei Karten, konnte aber nicht nach Bayreuth und bot via Facebook die Karten an. Ich griff sofort zu und bin Peter auf Knien dankbar. Vielen, vielen Dank.

Und was für Karten: 6 Reihe Mitte, ein absoluter Traum. Sitznachbarn um uns herum, erzählten, dass sie zwischen sieben und neun Jahren auf ihre Karten warten mussten. Ich habe ein Wochenende gewartet, bis die Post da war, aber das verriet ich den Wagnerianern besser nicht.

So ganz unbeleckt kam ich nach Bayreuth nicht. Ich erinnere mich an meine Wagner-Erweckung. Es war der Trauergottesdienst des großen Wagner-Biografen Martin Gregor-Dellin, der 1988 in Gröbenzell starb. Die Trauerrede hielt ein ergriffener Walter Jens, der immer wieder Wagner zitierte. Seitdem hat mich der Wagner-Virus infiziert. Ich las die Biografie von Gregor-Dellin und kaufte mir zahlreiche Wagner-Aufnahmen. Den Ring besitze ich in zwölf verschiedenen Einspielungen, wobei natürlich die Fassung von Loriot/Karajan wunderbar humorvoll ist. Den besten Zugang zur Musik von Wagner bekam ich durch den Holländer und Tannhäuser, sicherlich die besten Opern für Neulinge. Die beste Fassung von Lohengrin ist für mich die Einspielung von Rudolf Kempe mit den Wiener Philharmonikern.

Ich bin sicher kein Wagnerianer, war daher auf diese besondere Spezies von Menschen gespannt. Auf dem Festgelände auf dem grünen Hügel wird vor und nach der Aufführung gefachsimpelt. Dabei gehen die Zuhörer sehr kritisch mit den Interpretationen um. Nachdem Lohengrin von Altmeister Hans Neuenfels in diesem Jahr zum dritten Mal gegeben wurde, war das Publikum wohl an die Ratten auf der Bühne gewohnt. Laborratten stellten in der Inszenierung das Volk da und der Fötus am Ende war noch immer eine Provokation. Aber das Publikum wusste ja, auf was man sich einließ und reagierte gelassen. Die Bravo-Rufe galten vor allem der exzellenten Leistung des Schwanenritters Klaus Florian Vogt und der Sopranistin Annette Dasch.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Das Festspielhaus am grünen Hügel.

Ich genoss die Atmosphäre, scherzte mit meinen Nachbarn aus Japan. Vor mir verschonte uns ein übergewichtigter Herr nicht damit, sein Jackett auszuziehen und ans an seinem Schweißgeruch teilhaben zu lassen., der durch die Fächerbewegungen seiner Gattin auch in der Umgebung verteilt wurde. Jeder soll was davon haben. Aber das machte nichts, schließlich lauschten wir der reinen Musik von Wagner.

Aber es gibt auch ein überdrehtes Bildungsbürgertum. Ungefragt stellen sie ihr Wissen zur Schau, mischen sich auch gerne ein. Manche der Herrschaften kennen sich wirklich aus (einige von ihnen sind auch mit Libretto oder gar Partitur ausgestattet), andere sind einfach nur dumme Wichtigmacher. Immer wieder denke ich da an meinen Monaco: „Dankbar und glücklich müssen wir sein, dass wir hier dabei sein durften.“

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Meine Frau und ich bei Richard Wagner.

Doch was zieht man nun zu so einem Weihespiel an? Für meine Frau und mich stand fest: Wenn wir schon mal die seltene Ehre haben und einer Wagner Oper in Bayreuth beiwohnen können, dann muss die Klamotte auch stimmen. Meine Frau erschien im neuen, langen Abendkleid, war aufwendig beim Friseur, ließ sich schminken – rundum eine schöne Frau. Ich band die Fliege um und erschien im maßgeschneiderten Gehrock, den die Münchner Designerin Svenja Jander für mich anfertigte, und holte einen antiken Spazierstock aus New Orleans heraus.

Ich war ein wohl wahrer Blickfang war. Die Damenwelt, zumeist ältere Semester drehten sich nach mir um. Einige Herren gaben leise Kommentare ab. Gut, dass ich sie nicht verstanden habe. Die meisten Herren waren in langweiligen schwarzen Businessanzügen erschienen, einige aber feierlich im Smoking. Viele Damen trugen schöne Kleider. Aber es gab auch andere Erscheinungen. Die Mode der siebziger Jahre mag wieder modern sein, aber dann bitte im Look der Neuzeit. Nur weil Kleidung 40 Jahre im Schrank hängt, ist sie nicht automatisch wieder up to date. Diese Art von Vintage ist nicht sonderlich originell. Zudem kam noch: Viele Friseuren waren einfach schauderhaft, Raspelschnitt, Topfschnitt, nicht gerade feierlich – vielleicht nützlich beim Marathonlauf oder Arbeit auf einer Bohrinsel. Hier hat die Friseurinnung Bayreuth durchaus eine Chance Flagge zu zeigen und das Publikum auf zu stylen. Vielleicht geht ein kleines Zelt mit ein paar Frisiertischen – ich sollte mal mit den Wagnererben sprechen. Jetzt bin ich kein Friseur, arbeite aber für die Branche und kann durchaus unterscheiden, was Style ist und was nicht. Dazu kamen Gesundheitsschuhe, Treter, Ballerinas. Nein, dieser Anblick enttäuschte mich in Bayreuth. Da muss ich zugeben, dass mir die Wagnerfestspiele in München von der Kleidung lieber sind, trotz des Münchner Publikums, wie es der Monaco sagen würde.

Postwertzeichen von Loriot – genial

11. Januar 2011

Die Sache mit den Briefmarkenalben hat bei mir nie geklappt. Briefmarken sind für mich, wie Woody Allen es einmal ausdrückte, nichts anderes als bedrucktes Papier. Zwei Mal in meinem Leben bin extra zur Post, damals noch zur Bundespost marschiert, und habe bewusst nach Marken verlangt. Es handelte sich einmal um Sondermarken zu Elvis Presley, Jim Morrison und Buddy Holly und ein anderes Mal um Marken zum Deutschen Film mit Metropolis als Motiv.
Jetzt bin ich ein drittes Mal bewusst zu unserer Dorfpost gelaufen, die mittlerweile in einem Getränkemarkt gastiert. Grund: Es gibt seit 1. Januar vier Wohlfahrtsmarken meines Lieblingshumoristen Loriot: Es handel sich um die bekannten Motive: „Herren im Bad“, „Auf der Rennbahn“, „Der sprechende Hund“ und „Das Frühstücksei“.
Die Dialoge sind bekannt und in den allgemeinen Wortschatz meiner Generation übergegangen: „Wo laufen sie denn?“ oder „Nehmen Sie die Ente aus meiner Wanne!“ gehören heute zu jeder gepflegten Konversation. Herrlich.
Völlig absurd ist dagegen der sprechende Hund. Ich kann mich noch heute kugeln über die Szene. Und seit dem ich verheiratet bin, weiß ich, welche Kämpfe sich beim „Frühstücksei“ abspielen. „Irgendwann bring ich sie um!“
Also Leute, kauft die Wohlfahrtsmarken bei eurem örtlichen Briefmarkendealer. Parallel zu den Briefmarken mit dem Thema „Motive von Loriot“ aus der Serie „Für die Wohlfahrtspflege“ erscheint auch dieses Mal ein Markenset mit zehn selbstklebenden Postwertzeichen (geiles Wort) zu je 55 ct + 25 ct Zuschlag. Aus dem Verkaufserlös dieses Markensets fließen 2,50 € in soziale Projekte der Wohlfahrtsverbände: Vom Kindergarten und Jugendclub über die Betreuung alter, kranker und behinderter Menschen bis hin zu Hilfen für Opfer von Krieg und Naturkatastrophen.
Und immer daran denken: Mein Hund kann sprechen – Prust.

Adieu Tivoli

21. Dezember 2010

Ich gehe gerne ins Kino, sehr gerne. Der Gang in das Lichtspieltheater hat etwas Magisches. Es ist der Eintritt in eine fremde Welt, in eine Welt der Illusion. Hier werden die Geschichten der Moderne erzählt.

In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck haben die großen Kinos geschlossen. Das Capitol und die Amper Lichtspiele wurden geschlossen. Jetzt geht das große Kinosterben in der Landeshauptstadt München weiter. Zum Jahreswechsel schließt das Tivoli-Kino in der Fußgängerzone. Das Kino wurde 1959 eröffnet als München noch 130 Kinos hatte. Nun sind es nur noch 30 und bald noch eines weniger. Das Tivoli in der Neuhauser Straße war kein Krawall-Kino in denen US-Massenware aus Hollywood lief. Es war auch kein Kunstkino in dem Autorenfilme der alten Zeit über die Leinwand flimmerten. Es war eine schöne Mischung von Kunst- und Publikumsfilme, die in dem 50er Jahre Ambiente liefen.

Heute können die Betreiber die Pacht für die Räume nicht mehr leisten, trotz Zuschüsse des Freistaats. Es wurde in den vergangenen Jahren nur die Betriebskosten bezahlt, die Pacht blieb man schuldig. In Zahlen bedeutet dies 300.000 Euro pro Jahr.

Das Tivoli ist kein Multiplex und kann auch mit den Multilex-Komplexen nicht konkurrieren. Das Tivoli wollte dies nicht. Aber auch eine geänderte Verwertungskette Film bricht dem Tivoli den Hals. Die Filme laufen nur noch kurz im Kino, durch Filmpiraterie und Web bleiben die Zuschauer weg und zudem werden die gezeigten Filme schnell auf DVD veröffentlicht und in der Glotze gezeigt. Am 6. Januar 2011 ist Schluss mit Kino, dann zieht Douglas in zwei Etagen ein.

Meine persönlichste Erinnerung an das Tivoli war eine Vorführung von Loriots „Papa ante Portas“. Das Kino war schlecht besucht und ich wollte noch etwas zum Naschen besorgen. An der Kasse traf ich zwei Ikonen: Heinz Rühmann und Victor von Bülow alias Loriot. Diese beiden großen Männer des deutschen Films standen hinter mir in der Reihe. ich sprach sie an und danke vor allem Loriot für sein Werk. Rühmann nickte nur, während Loriot ein paar freundliche Worte mit mir wechselte. Danke für diese Begegnung, danke für das Tivoli. Danke für das Kino.

Wer bringt mich zum Lachen?

11. Januar 2010
Wer ist für mich der größte deutschsprachige Humorist? Mich haben viele Leute zum Lachen gebracht und Humor ist sicher was sehr privates. In jeder Phase meines Leben konnte ich über andere Sachen lachen. Als Kind haute ich mir auf die Schenkel über „Palim palim, eine Tüte Pommes Frites“ und „die Kuh Elsa“ von Didi Hallervorden aus der Klamauk-Serie „Nonstop Nonsens“. Später fand ich Otto witzig. Heute kann ich weder mit Didi noch mit Otto etwas anfangen und über die humoristischen Einlagen nicht mehr lachen. Wer mich aber durch die Jahre begleitet hat, ist Vicco von Bülow, genannt Loriot.
Mein inzwischen verstorbener Schulfreund Michael Danger brachte mir den Humor näher, zunächst mit den netten Figuren mit der Knollennase, dann dem „Wum, Wendelin und blauen Klaus“ vom „Großen Preis“.
Als ich älter wurde, begeisterten mich die Sketche und natürlich die beiden großartigen Kinofilme „Ödipussi“ und „Papa ante portas“. Beide sind vor kurzem auf Blu-ray erschienen.
Loriot greift mein Familienleben auf. In „Ödipussi“ ist es beispielsweise eine klemmende Kommode „Modell Trulleberg“, an der man mit beiden Händen rütteln muss, um sie zu öffnen. Das Ding steht bei uns im Wohnzimmer.
Und bei „Papa ante portas“ ist es sicherlich Herr Lohse, der mich an meinen Papa erinnert. Grandios die Szene mit Herrn Lohse beim Einkaufen – das ist mit allen Respekt mein Papa. Humor, wie er besser nicht mehr geht, danke dafür.