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Mein Treffen mit Gerhard Polt

12. November 2017

Gerhard Polt ist für mich einer der größten Humoristen der Gegenwart. Ich bin mit seiner Serie „Fast wie im richtigen Leben“ aufgewachsen, habe die Kinofilme – allen voran Kehraus – genossen. In meinem Blog habe ich ihm zum Geburtstag gratuliert und so war es nun an der Zeit, diesen Mann einmal persönlich zu treffen. Ich kannte Polt von Auftritten, aber richtig nah bin ich ihm bisher (leider) noch nicht gekommen. Das sollte sich ändern.

Werbung für den Auftritt von Gerhard Polt bei Ludwig Beck.

Werbung für den Auftritt von Gerhard Polt bei Ludwig Beck.

Ich hatte die Gelegenheit am Faschingsstart am 11.11. in München. Gerhard Polt hatte zwei Lesungen im Münchner Zentrum, einmal im Ludwig Beck, einmal im Hugenbubel in den Fünf Höfen. Er präsentierte sein Buch Der große Polt – ein Konversationslexikon. Zu Hause suchte ich mir zwei Polt-Bücher aus, die ich mir vom Meister signieren lassen wollte. Einmal handelte es sich um das gesammelte Werk Circus Maximus, zum anderen das Buch zum Film Kehraus. Bei letzten hoffte ich, dass Polt den Humor versteht, schließlich ist es für mich der Faschingsfilm schlechthin und schließlich ist heute Faschingsstart.

Diese beiden Bücher von Gerhard Polt wollte ich mir signieren lassen: Circus Maximus und Kehraus.

Diese beiden Bücher von Gerhard Polt wollte ich mir signieren lassen: Circus Maximus und Kehraus.

Ab ging es in den fünften Stock vom Ludwig Beck in die Musikabteilung. Ich kam etwas spät aufgrund des üblichen Chaos mit der Münchner S-Bahn und fand Gerhard Polt auf einem grünen Sessel hinter einem Tisch mit schwarzem Tuch beim Lesen eines Konversationslexikons. Sehen konnte ich Gerhard Polt anfangs leider nicht, weil zu viele Menschen da waren und auch die vordere Reihe nicht auf dem Boden Platz nehmen wollte.

Aber ich hörte Polt und ich genoss es. Die Geschichten aus dem Der große Polt sind für mich nicht mehr so brillant wie die früheren Werke. Ich schloss die Augen und genoss die Betonungen, den feinen Humor in seiner Stimme und fühlte mich trotz der Wärme der eng stehenden Menschen wohl. Ich wusste wieder, warum ich den Polt so mag. Neben dem leider verstorbenen Loriot ist er für mich der Geschichtenerzähler per excellence. Er schaut uns Bayern einfach aufs Maul, eben ein Grantler und Poet in einer Person.

Nach rund 45 Minuten war die Lesung vorbei und Gerhard Polt war bereit für Autogramme. Ich hätte mir den Der große Polt kaufen können, wollte aber lieber meine mitgebrachten Bücher signieren lassen. Ich hatte Glück und war relativ schnell an der Reihe und ließ ein Buch für meine Frau und ein Buch für mich signieren. Meine Frau bekam den Spruch Mit Respekt und ich bekam die Widmung Mit Freude hineingeschrieben.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich ein kurzer poltscher Dialog entwickelte. Ich sprach ihn auf den 11.11. an, schließlich hatte ich Kehraus dabei. Er antwortete mit der Nachfrage nach dem Verspeisen einer Martinsgans und ich betonte, wie wichtig mir der Schweinsbraten sei. Ich genoss es und mich zerriss es innerlich. Am liebsten hätte ich laut losgebrüllt in der Autogrammstunde. Ich fand es witzig, zum Brüllen komisch – ob Gerhard Polt es auch so verstanden hat, das weiß ich leider nicht. Ich hab davon ein Video gemacht.

Innerhalb weniger Minuten war alles vorbei. Die Schlange hinter mir war lang, sehr lang und alle wollten noch ein Autogramm von Gerhard Polt haben. Also machte ich mich vom Acker.
Zu Hause nahm ich die Bücher bei einem Weißbier in die Hand und blätterte die Geschichten durch. Vielen Dank lieber Gerhard Polt. Ich habe die Momente mit Ihnen sehr genossen und freue mich auf ein Wiedersehen.

Musiktipp: Jahreszeiten 1967-2013 von Reinhard Mey

28. Juli 2015

mey

Reinhard Mey ist sicherlich der wichtigste deutschsprachige Liedermacher unserer Zeit. Wobei ich das Wort Liedermacher schon wieder so typisch deutsch finde, nach dem Motto: Vorsicht, jetzt kommt ein Bildungsbürger. Vielleicht sollte ich besser so beginnen: Reinhard Mey ist sicherlich der wichtigste deutschsprachige Musikwortkünstler unserer Zeit. Ich habe ihn mehrmals live gesehen und seine Musik gibt mir etwas.


Daher habe ich mich entschlossen, doch endlich die fette Box Jahreszeiten 1967-2013 zu kaufen. Zwar hatte ich bereits das eine oder andere Mey-Album, jetzt habe auf jeden Fall alle deutschen Studioalben der Jahre 1967-2013. Und ich sage gleich: Es ist nicht der komplette Reinhard Mey – es fehlen die französischen Alben (die Edition Francaise), es fehlen die holländischen Ausgabe und die englische ONE VOTE FOR TOMORROW, und die Live-Alben (daher eine Studiobox).
Da werden die Sammler und Experten aufheulen und auf die Werkausgabe von Reinhard Mey hoffen. Es sind die kompletten deutschen Studioaufnahmen als Solo-Künstler, nicht mehr, nicht weniger. Ich wollte die Werkausgabe von Reinhard Mey nicht abwarten und investierte eine schöne Stange Geld, um die ein Exemplar der auf 4000 Stück limitierte Ausgabe Jahreszeiten 1967-2013 in der Hand zu halten. Die schöne Box umfasst 28 Datenträger, darunter 26 Studioalben, vier Bücher mit sämtlichen deutschen Liedertexten der Studioalben, eine für mich überflüssige CD mit Coverversionen anderer Liedermacher (hier hätte ich lieber rare Liveaufnahmen gehabt), eine DVD mit TV-Auftritten und TV-Portraits, ein 100-seitiges, gebundenes Buch mit zu groß gedruckten Texten (sollte wohl für die ältere Zuhörerschaft gemacht sein) sowie einen nummerierter Kunstdruck (gefällt mir nicht und wird im Archiv verschwinden). Lobenswert: Reinhard Mey spendet seinen Anteil am Verkauf dieser Edition den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.


Wer die CDs am Stück hört, kann die Entwicklungen und Strömungen des Künstlers schön erkennen. Schrecklich war für mich übrigens die Pop-Phase des Künstlers, der dann immer wieder zur Liedermacherszene zurückkehrte. Die Weiterentwicklung des Künstlers findet leider nur wenig statt, auch wenn mir der Pop-Ausflug nicht gefallen hat. Eigentlich reproduziert sich Mey immer wieder. Und da ist mein und sein Dilemma: Eigentlich mag ich den Liedermacher Reinhard Mey mit seinem Liedermacher-Repertoire. Die Songs sind eindringlich und sprechen mich emotional und intellektuell an – eine Weiterentwicklung will ich eigentlich nur bedingt. Musikalisch kann Reinhard Mey stehen bleiben und alle Jahre neue Alben in diesem Stil auf den Markt werfen (die ich brav auch kaufe). Seine Sicht und seine Kommentare auf die Welt und das Leben an sich sind mir wichtig. Aber ich denke, es langweilt einen als Künstler, der an neue Grenzen stoßen und diese überwinden will. Immer wieder versuchte Reinhard Mey auf seinen 26 Studioalben musikalische Zäune nieder zu reißen und diese Grenzen zu überwinden. Aber ist ihm das geglückt? Wohl eher nicht – und das ist ein Dilemma, das Dilemma des Reinhard Mey. Er gibt uns das, was wir hören wollen. Und wer Reinhard Mey mag, der kann mit dieser Box Jahreszeiten 1967-2013 absolut nichts falsch machen.