Posts Tagged ‘Thomas Mann’

Enttäuschend: Das Buddenbrooks Museum in Lübeck

13. September 2019
Das Buddenbrooks-Museum.

Das Buddenbrooks-Museum.

Ich halte Thomas Mann für einen wirklich großen Schriftsteller. In der Schule machte ich Begegnung mit seinem Tod in Venedig, über die Ferien lasen wir in der Schule im Deutsch-Grundkurs freiwillig die Buddenbrooks und nach dem Abi kämpfte ich mich durch den Zauberberg. Thomas Mann war für mich ein Mann der Sprache. Und so stand fest: Bei meinem Besuch in Lübeck musste ich einfach das Buddenbrook-Haus besuchen. Tja, was soll ich sagen: Ich wurde vollkommen enttäuscht.

Zur Vorbereitung auf den Besuch lud ich mir die Buddenbrooks aufs iPad und versank bei 6,5 Stunden Zugfahrt in die Niedergang der Lübecker Kaufsmannsfamilie Buddenbrooks über mehrere Generationen. Die eigene Familiengeschichte diente Thomas Mann als Vorlage obwohl er Lübeck nicht einmal erwähnte. Mann bekam für die Buddenbrooks 1929 den Nobelpreis.

Mit all dem Wissen im Kopf machte ich mich auf in die Mengstraße Nr. 4, dem Stammhaus der Buddenbrooks, das heute ein Literaturmuseum ist. Ich melde mich per Mail für eine Führung (12 Euro) an. Mit dabei waren sehr viele ältere Semester, die beige Fraktion. Die Führung war Standard, das Herunterbeten von historischen Daten gemischt mit ein wenig Storytelling. Die gelernte Literaturwissenschaftlerin wies mich gleich daraufhin, dass es nicht erlaubt sei, die Führung auszugsweise mitzufilmen. Schon hier vergibt man sich die Chance auf neue Kommunikation.

Die Ausstellung eher langweilig. In Schaukästen einige Fotos gepaart mit historischen Daten. Keine große Spur von einer modernen Museumskonzeption. Schaukasten um Schaukasten. Der Besucher konnte sich setzen und per Ohrhörer im Stile eines Telefons Tondokumente anhören. Es gab doch glatt einen Monitor, wo ein bisschen Filmmaterial lief. Vor zehn, zwanzig Jahren hätte ich mich vielleicht dafür erwärmen können, heute ist es einfach langweilig, so leid es mir tut. Das ist für mich kein zeitgemäßes Heranführen an Thomas Mann und sein grandioses Werk. Da kann ich Wikipedia lesen und habe sogar mehr davon. „Hinter der weißen Barockfassade aus dem Jahr 1758 verbirgt sich eines der außergewöhnlichsten Literaturmuseen der Welt“, so wurde es mir angepriesen.
Im zweiten Stock des Hauses wurden zwei Zimmer aus der Zeit der Buddenbrooks nachgebildet. Von den Originalmöbeln der Zimmer existiert nichts. Die beiden Zimmer machten ein wenig Laune und der Besucher bekommt einen guten Eindruck von den Verhältnissen der Kaufsmannsfamilie, denn die Räume orientieren sich an dem Roman. Gut war, dass die Buddenbrooks als Buch herumlagen und ich die Möglichkeit hatte, die Szenen mit den Räumen nachzulesen, die markiert waren. Das hat mir gefallen.

Dann wanderte ich weiter durch die Ausstellung. Eine Kopie der Nobelpreisurkunde war zu sehen, ebenso die deutsche Erstausgabe (noch in zwei Bänden) sowie verschiedene Sprachausgaben der Buddenbrooks. Viel Papier, wenig Innovation.


In einem Seitentrakt wird über die Verfilmungen des Romans eingegangen. Ich habe zu Hause die elfteilige TV-Serie Die Buddenbrooks – Die komplette Serieund die jüngste Verfilmung Die Buddenbrooksvon Heinrich Breloer mit Iris Berben (naja) und Armin Müller-Stahl (der mir in den die Manns deutlich besser gefallen hat). Wie schön wäre es gewesen, wenn man von den vier Verfilmungen Ausschnitte als Bewegtbild hätte sehen können, aber nein. Für mich war das ganze Museum angestaubt, nein verstaubt. Es lebt von einem großen Namen und seiner Vergangenheit. Ein zweites Mal würde ich die Mengstraße 4 nicht noch einmal als zahlender Gast besuchen.
Der Museumsshop war allerdings prima – Thomas Mann dreht sich gerade im Grabe um. Dort hab ich mir einen Armin Müller-Stahl gekauft, der in die heimische Sammlung passt. Und es gab die Buddenbrooks in verschiedenen Ausgaben, wen wundert es.

Meine zehn unvergesslichen Bücher

4. August 2018

Immer wieder geistern Aktionen durch soziale Netzwerke wie unlängst, bekannte Kunstwerke aus Toast nachzubilden. Fand ich irre witzig, kam aber zu spät mit meinem Frühstückstoast. Aber vor kurzem sprang ich auf einen solchen Zug auf. Es galt Bücher zu nennen, die einen in seinem Leben beeinflusst haben. Als Büchermensch und Leseratte musste ich einfach an dieser Aktion mitmachen und ich nahm das Angebot von meinem Kollegen Harald Baumer an. 

Ich postete zehn Tage lang Bücher, die mir etwas bedeuten und konnte zahlreiche meiner (virtuellen) Freunde ermutigen, es auch zu tun. Dazu postete in Twitter, Instagram und Facebook ich folgenden Text: „10 unvergessliche Bücher in 10 Tagen. Heute x/10. Kein Kommentar, keine Erklärungen, nur der Titel. Wer hat Interesse, mitzumachen? Würde mich bei vielen meiner Freundinnen und Freunde interessieren, welche Lektüre für sie wichtig war.“

Die Auswahl meiner Lieblingsbücher

Dieser Aktion ging eine Auswahl von Büchern voran und ich sage euch, das wahr echt schwer. Zunächst machte ich ein Brainstorming und sammelte Bücher. Es kamen rund 40 Bücher zusammen, also eindeutig zu viel. So ließ ich die Sache ein paar Tage ruhen und dachte dann nochmals nach und kam dann auf nochmals zehn weitere Bücher. Dann kam in einer Gewaltaktion das Ausmisten. Ich zog mich in mein Kellerarchiv zurück und holte die Bücher hervor. Da ich nichts wegwerfen kann, standen die Bücher geordnet in den zahlreichen Regalen. Bücher, die nicht an ihrem Platz waren, wurden gleich von der Liste gestrichen. So kam es, dass Stanisław Lems Klassiker Solaris gekillt wurde, weil das Buch nicht da war. Hatte ich es verliehen? Wo ist dieses Buch? Also, was nicht da ist, fliegt raus. 

Dann strich ich Bücher von Lieblingsautoren, die ich als Autor verehre, aber keine einzelnes Buch hervorheben will. Hier strich ich Edgar Allan Poe, ETA Hoffmann, Heinrich Heine, Philipp K. Dick und Sir Arthur Conan Doyle von der Liste. Dann musste ich mich entscheiden, dass ich von manchen Autor keine zwei Bücher benennen wollte. Hier blieben dann beispielsweise die Robotergeschichten von Asimov auf der Strecke oder Tolkiens Silmarillion. 

Dann wurde es nochmals hart: Ich musste ja auf zehn Bücher kommen und ich strich weitere Autoren und deren Bücher. Dabei waren beispielsweise Arthur C. Clarke, Stephen King (Dead Zone oder Shining), nochmals Lem mit seinen Sterntagebüchern. Goethe kam ebenso wie Shakespeare nicht auf die finale Liste, auch leider nicht Mary Shelly und ihr Frankenstein, ein Buch, das dieses Jahr 200. Geburtstag feiert und ich in einen eigenen Blogpost würdigen werde. Traurig war ich auch über das Streichen von Truman Capote und vor allem Tom Wolfe mit seinem Fegefeuer der Eitelkeiten. Dann entschied das Los und ich kam endlich auf meine zehn Bücher. Ich stelle fest, dass ich die fantastische Literatur bevorzuge. 

Also das sind meine zehn finalen Bücher: 

1 Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

2 Dante: Göttliche Komödie

3 Bret Easton Ellis: American Psycho

4 J.R.R. Tolkien: Herr der Ringe

5 Isaac Asimov: Foundation-Trilogie 

6 Frank Herbert: Der Wüstenplanet

7 Thomas Mann: Die Buddenbrooks

8 Richard Scarry: Mein allererstes Buchstabenbilderbuch  

9 Bram Stoker: Dracula 

10 Rainer Erler: Das blaue Palais  

Wer mitmachen will, ist gerne aufgerufen. Ich habe gesehen, es gibt so eine ähnliche Reihe mit Schallplatten, die einen am meisten bedeuten. Mal sehen, ob ich diese Challenge annehme. Die Bücher waren ein Anfang und wir wissen ja, im Web lieben wir diese Listicle.

Erste CD von Erzählphilosoph Oliver Groß 1x Leben süß-sauer, bitte!

31. Mai 2018
Mal wieder auf einem Seminar getroffen: Oliver Groß

Mal wieder auf einem Seminar getroffen: Oliver Groß

Mein Kollege Oliver Groß ist ein Erzählphilosoph, so zumindest nennt er sich selbst. Ich finde es eine gute Berufsbezeichnung, die neugierig macht. Es ist einfach was anderes als Buchhalter oder Jurist. Erzählphilosoph klingt einfach cooler.
Immer wieder treffe ich Oliver Groß auf Seminaren, wo er als klassischer Rhetorik-Trainer unterwegs ist. Ich selbst habe aber noch kein Seminar bei ihm belegt. Nur einmal haben wir spontan was zusammen gemacht, als er in einem Seminar von mir mit behinderten Schülern auftrat und die jungen Zuhörer mit seiner Erzählkunst faszinierte. Ich habe darüber gebloggt. Reden kann er auf jeden Fall, der liebe Oliver Groß.

Bei meiner jüngsten Begegnung mit Oliver Groß drückte er mir seine erste CD samt Widmung in die Hand. Der interessante Titel „1x Leben süß-sauer, bitte!“ – klingt witzig und erwartungsfroh hörte ich mir die Silberscheibe an. Und ich bekam genau den Oliver Groß mit seinen Geschichten, wie ich ihn kenne. Humorvolle, hintergründige Geschichten eines Erzählphilosophen, die mir Freunde gemacht, aber mich auch zum Nachdenken angeregt haben.

Ich hab sogar ein Autogramm bekommen.

Ich hab sogar ein Autogramm bekommen.

Diese CD ist für mich eine kleine Aufmerksamkeit für Freunde und ist ein Geschenk der anderen Art. Sie ist persönlich, weil es persönliche Geschichten sind. Diese Intimität mag ich an diesen Aufnahmen, die professionell eingesprochen wurden durch Oliver Groß. Und da kommt der Rhetorik-Trainer durch: Groß versteht es mit seiner Stimme zu arbeiten und im Laufe der Aufnahmen wird seine Stimme immer besser. Pausen, Betonungen – hier zeigt sich, welche Emotionen und Begeisterung in einer Stimme liegen kann. Es sind nicht waghalsige Satzkonstruktionen oder die Sprachakrobatik im Stile eines Thomas Mann. Nein, es sind einfache Moralgeschichten, fast Gleichnisse, die uns der Erzählphilosoph Oliver Groß hier präsentiert. Mir haben die Geschichten Spaß gemacht und gelernt habe ich auch was – was will ich mehr?