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Bücher, Vampire und das Alphabet – Seitensprung, die Bücherei-Gespräche aus Maisach

13. Juni 2026

Fußball-Weltmeisterschaft, Philosophie-Wälzer und ein ramponiertes Bilderbuch von 1971 – das sind die Zutaten der vierten Folge von Seitensprung, dem Podcast der Gemeindebücherei Maisach. Moderator Matthias J. Lange und Bibliothekarin Beate Seyschab plaudern darin so unterhaltsam wie erkenntnisreich über die Bücher, die das Leben begleiten – und über jene, die man nie zu Ende liest. Hier der Videopodcast:

Sofis Welt und die unendliche Geschichte
Den Einstieg liefert ausgerechnet die Fußball-WM: Ein Kinderbuch über den Hasen Pauli als Fußballstar landet in der Wühlkiste der Bücherei – und gibt Anlass, über ganz persönliche Leseerfahrungen zu sprechen. Beate Seyschab bekennt freimütig, dass Fußball sie herzlich wenig interessiert. Dafür kämpft sie seit Jahren mit Jostein Gaarders Sofis Welt – ein Buch, das sie immer wieder anzieht und ebenso regelmäßig wieder weglegt. „Es ist mir irgendwann too much“, sagt sie. Die Hoffnung, es doch noch zu Ende zu lesen, hat sie noch nicht aufgegeben.

Matthias J. Lange wiederum scheitert an Jürgen Habermas und James Joyces Dublinern – und nimmt es mit Humor: „Ich bin einfach zu doof.“ Beate Scheyschabs eigentliches Lieblingsbuch aber ist Die unendliche Geschichte von Michael Ende, die sie als „wunderschön“ bezeichnet. Die Verfilmung hingegen war für ihn ein Horrorerlebnis – der Beginn einer lebenslangen Skepsis gegenüber Literaturverfilmungen. Auch Momo, ebenfalls von Ende, kommt zur Sprache: „Die grauen Herren habe ich in der Verwaltung immer wieder getroffen“, sagt Lange – und bricht den Satz grinsend ab.

Ein Bilderbuch aus dem Jahr 1971
Besonderes Herzstück der Folge ist Langes mitgebrachtes Lieblingsbuch: ein schon stark zerfallenes Alphabet-Bilderbuch aus dem Jahr 1971, das ihm seine Eltern geschenkt hatten. Darin lernte er als Kind das ABC – vor allem dank einer wiederkehrenden Figur namens Egon, einem Regenwurm. „Egon war so eine Art Begleiter“, erinnert er sich. Das Buch braucht dringend einen Buchbinder.

Das führt zu einer grundsätzlicheren Debatte über Lernmethoden: Beate Seyschab zeigt sich skeptisch gegenüber der heute verbreiteten Praxis, Kinder zunächst nach Gehör schreiben zu lassen, ohne Korrekturen – auch wenn sie die alten Methoden nicht verklärt. Am Rande kommt auch die Diskussion um das phonetische Buchstabieralphabet (A wie Anton, B wie Berta) zur Sprache, das sich laut einem Bericht des Übersetzungsdienstes Babel zu stark an die NS-Zeit orientiere. Das Deutsche Institut für Normung prüft mögliche Änderungen.

Screenshot

Programm im Juni
Neben den literarischen Plaudereien gibt es handfeste Ankündigungen: Am 17. Juni findet ein Vortrag im Rahmen der Maisacher Gespräche zur Popkultur statt – Matthias J. Lange spricht über Filmmonster und Vampire, von Nosferatu bis Bela Lugosi. Am 18. Juni lädt die Bücherei zum Sommerbasteln für Kinder ab 6 Jahren ein (15–16.30 Uhr), und am 25. Juni findet wie immer die monatliche Vorlesestunde statt – Beate Seyschab sucht die Bücher dafür, wie sie verrät, spontan aus.

Meine zehn unvergesslichen Bücher

4. August 2018

Immer wieder geistern Aktionen durch soziale Netzwerke wie unlängst, bekannte Kunstwerke aus Toast nachzubilden. Fand ich irre witzig, kam aber zu spät mit meinem Frühstückstoast. Aber vor kurzem sprang ich auf einen solchen Zug auf. Es galt Bücher zu nennen, die einen in seinem Leben beeinflusst haben. Als Büchermensch und Leseratte musste ich einfach an dieser Aktion mitmachen und ich nahm das Angebot von meinem Kollegen Harald Baumer an. 

Ich postete zehn Tage lang Bücher, die mir etwas bedeuten und konnte zahlreiche meiner (virtuellen) Freunde ermutigen, es auch zu tun. Dazu postete in Twitter, Instagram und Facebook ich folgenden Text: „10 unvergessliche Bücher in 10 Tagen. Heute x/10. Kein Kommentar, keine Erklärungen, nur der Titel. Wer hat Interesse, mitzumachen? Würde mich bei vielen meiner Freundinnen und Freunde interessieren, welche Lektüre für sie wichtig war.“

Die Auswahl meiner Lieblingsbücher

Dieser Aktion ging eine Auswahl von Büchern voran und ich sage euch, das wahr echt schwer. Zunächst machte ich ein Brainstorming und sammelte Bücher. Es kamen rund 40 Bücher zusammen, also eindeutig zu viel. So ließ ich die Sache ein paar Tage ruhen und dachte dann nochmals nach und kam dann auf nochmals zehn weitere Bücher. Dann kam in einer Gewaltaktion das Ausmisten. Ich zog mich in mein Kellerarchiv zurück und holte die Bücher hervor. Da ich nichts wegwerfen kann, standen die Bücher geordnet in den zahlreichen Regalen. Bücher, die nicht an ihrem Platz waren, wurden gleich von der Liste gestrichen. So kam es, dass Stanisław Lems Klassiker Solaris gekillt wurde, weil das Buch nicht da war. Hatte ich es verliehen? Wo ist dieses Buch? Also, was nicht da ist, fliegt raus. 

Dann strich ich Bücher von Lieblingsautoren, die ich als Autor verehre, aber keine einzelnes Buch hervorheben will. Hier strich ich Edgar Allan Poe, ETA Hoffmann, Heinrich Heine, Philipp K. Dick und Sir Arthur Conan Doyle von der Liste. Dann musste ich mich entscheiden, dass ich von manchen Autor keine zwei Bücher benennen wollte. Hier blieben dann beispielsweise die Robotergeschichten von Asimov auf der Strecke oder Tolkiens Silmarillion. 

Dann wurde es nochmals hart: Ich musste ja auf zehn Bücher kommen und ich strich weitere Autoren und deren Bücher. Dabei waren beispielsweise Arthur C. Clarke, Stephen King (Dead Zone oder Shining), nochmals Lem mit seinen Sterntagebüchern. Goethe kam ebenso wie Shakespeare nicht auf die finale Liste, auch leider nicht Mary Shelly und ihr Frankenstein, ein Buch, das dieses Jahr 200. Geburtstag feiert und ich in einen eigenen Blogpost würdigen werde. Traurig war ich auch über das Streichen von Truman Capote und vor allem Tom Wolfe mit seinem Fegefeuer der Eitelkeiten. Dann entschied das Los und ich kam endlich auf meine zehn Bücher. Ich stelle fest, dass ich die fantastische Literatur bevorzuge. 

Also das sind meine zehn finalen Bücher: 

1 Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

2 Dante: Göttliche Komödie

3 Bret Easton Ellis: American Psycho

4 J.R.R. Tolkien: Herr der Ringe

5 Isaac Asimov: Foundation-Trilogie 

6 Frank Herbert: Der Wüstenplanet

7 Thomas Mann: Die Buddenbrooks

8 Richard Scarry: Mein allererstes Buchstabenbilderbuch  

9 Bram Stoker: Dracula 

10 Rainer Erler: Das blaue Palais  

Wer mitmachen will, ist gerne aufgerufen. Ich habe gesehen, es gibt so eine ähnliche Reihe mit Schallplatten, die einen am meisten bedeuten. Mal sehen, ob ich diese Challenge annehme. Die Bücher waren ein Anfang und wir wissen ja, im Web lieben wir diese Listicle.