Posts Tagged ‘Buddenbrooks’

Hund ohne Kopf war Auslöser der Ausstellung Treue Freunde #bnmartdogs

12. Februar 2020

Seit jeher ist der Hund treuer Freund und Begleiter des Menschen, doch die Beziehung ist nicht ungetrübt… Gerade in Kunst und Kulturgeschichte spiegelt sich das unauflösliche und meist positiv besetzte Verhältnis zum beliebtesten Haustier auf vielfältige Weise. Da passt es, dass das Bayerische Nationalmuseum zu einem Bloggerwalk geladen hat. Ich war dabei und habe einige Blogposts dazu verfasst. Heute der letzte in der Reihe. Der Grund für die Ausstellung war einer meiner Lieblingsschriftsteller: Thomas Mann.

der Hund ohne Kopf war Auslöser der Ausstellung.

der Hund ohne Kopf war Auslöser der Ausstellung.

Thomas Mann ist nicht nur der Autor der grandiosen Schinken wie Buddenbrooks oder Zauberberg, sondern er schuf auch viele kleinere Erzählungen. Eine davon ist die kleine Schrift Herr und Hund: Ein Idyll. Thomas Mann mochte Hunde. In München, im amerikanischen Exil und in der Schweiz gehörten sie zu seinen Hausgenossen. Der prominenteste Hund der Familie Mann war der Mischling Bauschan, der im März 1916 in Bad Tölz gekauft wurde. Im widmete Mann sogar den Aufsatz „Herr und Hund“. Bauschan wurde wegen einer Lungenentzündung im Januar 1920 eingeschläfert und dennoch verbrachte Thomas Mann mit Bauschan vier sehr enge Jahre. Bauschan begleitete Thomas Mann bei seinen Spaziergängen durch München, im Stadtviertel Herzogpark und entlang der Isar. Noch nie hatte ein Autor den eigenen Hund in dieser Form zum Inhalt einer Erzählung gemacht. Wie niemals zuvor integrierte Thomas Mann hier die Natur in sein dichterisches Weltbild. Er verfasste das Werk bereits 1918 und veröffentlichte es 1919 zum ersten Mal.

In der Ausstellung Treue Freunde wird am Eingang auf Bauschan eingegangen. Es gibt auch ein Foto von ihm – allerdings hatte der Fotograf den Kopf des Hundes am Bild abgeschritten. So wissen wir nicht, wie Bauschan aussah. Aber cool, dass ein Hund ohne Kopf Initiator einer Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum war.
Der Generaldirektor des Museums Dr. Frank Matthias Kammel gab mir ein aufschlussreiches Interview über die sehenswerte Ausstellung.

Das Bayerische Nationalmuseum geht der Allianz zwischen Hund und Mensch in einer umfassenden Ausstellung auf den Grund. Mehr als 200 Werke, darunter hochrangige Arbeiten der bildenden Kunst und spektakuläre Zeugnisse der Alltagskultur, führen das uralte wechselvolle Mensch-Tier-Verhältnis in seinen verschiedenen Facetten vor Augen.
Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen sowie kaum bekannte Kunstwerke des Bayerischen Nationalmuseums eröffnen ein breites Spektrum von der Antike bis zur Gegenwart. Prominente Hundehalter wie die Queen, Sisi, David Bowie und Rudolph Moshammer sind ebenso vertreten wie Zeichnungen von Loriot und Rudi Hurzlmeier oder eine Pudel-Diamantbrosche von Grace Kelly.

Die Ausstellung umfasst zahlreiche Gattungen – von der ägyptischen Hunde-Mumie über mittelalterliche Altartafeln bis zum Hunderoboter. Die einzelnen Kapitel behandeln Themen wie Treue und Freundschaft, Dienstbarkeit, Statussymbole und Erotik, aber auch die Gefährlichkeit des Hundes. In allen Bereichen erzählt die Ausstellung auch etwas über den Menschen selbst und unsere Vorstellung von Menschlichkeit.

Dankbar bin ich meiner Bloggerkollegin Dr. Tanja Praske, die im Auftrag einen Bloggerwalk durch die Ausstellung organisierte. Hervorragend vorbereitet und durchgeführt, wie ich es von Tanja gewohnt bin. Und hier noch ein paar abschließende Eindrücke von der Ausstellung Treue Freunde – Hunde und Menschen, die noch bis 19. April 2020 im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen ist.

 

Enttäuschend: Das Buddenbrooks Museum in Lübeck

13. September 2019
Das Buddenbrooks-Museum.

Das Buddenbrooks-Museum.

Ich halte Thomas Mann für einen wirklich großen Schriftsteller. In der Schule machte ich Begegnung mit seinem Tod in Venedig, über die Ferien lasen wir in der Schule im Deutsch-Grundkurs freiwillig die Buddenbrooks und nach dem Abi kämpfte ich mich durch den Zauberberg. Thomas Mann war für mich ein Mann der Sprache. Und so stand fest: Bei meinem Besuch in Lübeck musste ich einfach das Buddenbrook-Haus besuchen. Tja, was soll ich sagen: Ich wurde vollkommen enttäuscht.

Zur Vorbereitung auf den Besuch lud ich mir die Buddenbrooks aufs iPad und versank bei 6,5 Stunden Zugfahrt in die Niedergang der Lübecker Kaufsmannsfamilie Buddenbrooks über mehrere Generationen. Die eigene Familiengeschichte diente Thomas Mann als Vorlage obwohl er Lübeck nicht einmal erwähnte. Mann bekam für die Buddenbrooks 1929 den Nobelpreis.

Mit all dem Wissen im Kopf machte ich mich auf in die Mengstraße Nr. 4, dem Stammhaus der Buddenbrooks, das heute ein Literaturmuseum ist. Ich melde mich per Mail für eine Führung (12 Euro) an. Mit dabei waren sehr viele ältere Semester, die beige Fraktion. Die Führung war Standard, das Herunterbeten von historischen Daten gemischt mit ein wenig Storytelling. Die gelernte Literaturwissenschaftlerin wies mich gleich daraufhin, dass es nicht erlaubt sei, die Führung auszugsweise mitzufilmen. Schon hier vergibt man sich die Chance auf neue Kommunikation.

Die Ausstellung eher langweilig. In Schaukästen einige Fotos gepaart mit historischen Daten. Keine große Spur von einer modernen Museumskonzeption. Schaukasten um Schaukasten. Der Besucher konnte sich setzen und per Ohrhörer im Stile eines Telefons Tondokumente anhören. Es gab doch glatt einen Monitor, wo ein bisschen Filmmaterial lief. Vor zehn, zwanzig Jahren hätte ich mich vielleicht dafür erwärmen können, heute ist es einfach langweilig, so leid es mir tut. Das ist für mich kein zeitgemäßes Heranführen an Thomas Mann und sein grandioses Werk. Da kann ich Wikipedia lesen und habe sogar mehr davon. „Hinter der weißen Barockfassade aus dem Jahr 1758 verbirgt sich eines der außergewöhnlichsten Literaturmuseen der Welt“, so wurde es mir angepriesen.
Im zweiten Stock des Hauses wurden zwei Zimmer aus der Zeit der Buddenbrooks nachgebildet. Von den Originalmöbeln der Zimmer existiert nichts. Die beiden Zimmer machten ein wenig Laune und der Besucher bekommt einen guten Eindruck von den Verhältnissen der Kaufsmannsfamilie, denn die Räume orientieren sich an dem Roman. Gut war, dass die Buddenbrooks als Buch herumlagen und ich die Möglichkeit hatte, die Szenen mit den Räumen nachzulesen, die markiert waren. Das hat mir gefallen.

Dann wanderte ich weiter durch die Ausstellung. Eine Kopie der Nobelpreisurkunde war zu sehen, ebenso die deutsche Erstausgabe (noch in zwei Bänden) sowie verschiedene Sprachausgaben der Buddenbrooks. Viel Papier, wenig Innovation.


In einem Seitentrakt wird über die Verfilmungen des Romans eingegangen. Ich habe zu Hause die elfteilige TV-Serie Die Buddenbrooks – Die komplette Serieund die jüngste Verfilmung Die Buddenbrooksvon Heinrich Breloer mit Iris Berben (naja) und Armin Müller-Stahl (der mir in den die Manns deutlich besser gefallen hat). Wie schön wäre es gewesen, wenn man von den vier Verfilmungen Ausschnitte als Bewegtbild hätte sehen können, aber nein. Für mich war das ganze Museum angestaubt, nein verstaubt. Es lebt von einem großen Namen und seiner Vergangenheit. Ein zweites Mal würde ich die Mengstraße 4 nicht noch einmal als zahlender Gast besuchen.
Der Museumsshop war allerdings prima – Thomas Mann dreht sich gerade im Grabe um. Dort hab ich mir einen Armin Müller-Stahl gekauft, der in die heimische Sammlung passt. Und es gab die Buddenbrooks in verschiedenen Ausgaben, wen wundert es.