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Buchkritik: Bob Dylan – Forever young

1. August 2012

Time Life hat ein wunderbares Fotoarchiv und immer wieder werden Schätze aus diesem Archiv gehoben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So geschehen vor kurzem bei dem neuen Fotobuch Life in Pictures Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)).

Es sind viele bekannte und einige mir unbekannte Dylan-Fotos darin zu finden. Daneben gibt es eine gefällige Einführung von Robert Sullivan, dem Herausgeber der Life-Bücher. Natürlich hat man die sechziger Jahre erlebt, natürlich war man bei Rolling Thunder dabei, schöne Erinnerungen derjenigen, die noch immer am 60- und 70-Jahre-Tropf hängen. Vom neuen Dylan, gar vom Jesus-Dylan gibt es nicht viel zu lesen oder zu sehen. Die 60er und 70er Jahre sind hervorragend illustriert, doch es gibt nur ein paar Fotos aus den 80ern wie den interessanten Live Aid-Auftritt, ein wenig Papst und ein wenig Ehrungen und Auszeichnungen. Im Grunde ist es Standard-Agenturmaterial, das bekannt ist. Von der Neuzeit keine tieferen Analysen, obwohl das Buch 2012 erschienen ist und Dylan mit seinem Spätwerk ungeheuere kommerzielle und künstlerische Erfolge abliefert.

Kurz wird im Text auf seine zweite gescheiterte Ehe und seine Tochter aus der Beziehung eingegangen, aber nichts wirklich Neues. Nein, diesen Dylan wollen eine Fans von Life nicht sehen, sie wollen lieber die Protest- und elektrische Phase sehen und dokumentieren dies mit wunderbaren Fotos. Mir selbst gefällt die Doppelseite zum Bucheinstieg von Renaldo und Clara eigentlich am Besten. Dylan steht mit Joan Baez (in Hochzeitskleid) in einer Bar. Sam Shepard ordnet im Hintergrund Filmmaterial. Dylan und Baez schauen sich in die Augen – das alte Feuer ist da. Dylan Fans kennen den Dialog aus dem Buch von Sam Sharpard, der sich abspielte: „Warum haben wir nie geheiratet?“ fragte sie. „Ich habe die Frau geheiratet, die ich liebe“, antworte er. Die gescheiterte Liebe wird vor laufenden Kameras ausgetragen und wir sind Zeuge.

Insgesamt ist Life Bob Dylan: Forever Young (Life (Life Books)) ein nettes Buch, kein Muss, aber ein paar neue Fotos vom Meister aus den guten alten Zeiten. Eine Offenbarung ist es nicht, aber solides Fanmaterial.