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Buchkritik: Industrial Light & Magic von Pamela Glintenkamp

2. August 2012

Über Jahre hinweg stand und steht die Effekteschmiede von George Lucas Industrial Light & Magic  oder kurz ILM für Innovation in der Filmwelt. Aufgrund eines kostspieligen Scheidungsverfahren musste Lucas eine Entscheidung treffen: Verkauft er Pixar oder ILM? Er entschied sich für den Verkauf von Pixar und Steve Jobs griff zu. Der Rest ist Filmgeschichte. Bei ILM setzte Lucas auf Nummer sicher. Die VFX-Bude gehört zu den Perlen des Lucas Imperium, die Millionen einbringt. Die Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet, haben immer wieder die Filmgeschichte verändert.

Das vorliegende Buch von Pamela Glintenkamp Industrial Light & Magic: The Art of Innovation beweist diese Innovationskraft und den enormen Einfluss der Fabrik eindrucksvoll. Auf 358 Seiten durchstreift der Leser die Filmgeschichte und erinnert sich gerne das ein oder andere Effekteabendteuer, auch wenn so mancher Film dahinter einfach nur grausam war. IFM wurde geschaffen, um das Unmögliche zu schaffen, so beschrieb es George Lucas einstmals.

Und er sollte recht behalten: Die Tricks von Jurassic Park hauten uns vom Hocker, Star Wars sorgte dafür, dass uns die Spucke wegblieb, Indy Jones nahm uns auf eine Reise durch das moderne Actionkino mit. Mir persönlich gefielen auch die atmosphärische Dichte von Poltergeist, die erste CGI-Figur in Young Sherlock Holmes, der Spaß von Roger Rabbit, der Wind in Twister oder die Wasserszenen von Abyss. Als ich als Jugendlicher die Morphing-Effekte von Terminator 2 im Kino sah, wusste ich, wie die VFX-Zukunft des Kinos aussah: Weg mit Modelle, her mit dem Rechner.

Bei meinen Gesprächen auf der Siggraph wurde mir bestätigt, dass ILM genau hinschaut, was die Mitbewerber so machen. Vor allem WETA und das deutsche Unternehmen Pixomondo stehen ganz oben auf der Beobachtungsliste, schließlich waren die Tricks von Thilo Kutter in Emmerichs 2012 Weltklasse und die Deutschen bekamen für Hugo sogar einen Oscar.

Bücher wie Industrial Light & Magic – The Art of Innovation liebe ich: Die ideale Mischung von Fantasie und Technik. Natürlich verrät Pamela Glintenkamp keine Geheimnisse von ILM, aber der Leser bekommt einen guten Eindruck, mit welchen Problemen die Artists zu kämpfen hatten. Und man bedenke: Sie hatten nicht die Rechenpower von heute zur Verfügung, sondern SGI war damals noch ein großer Name. PowerAnimator war im Grunde nur nach einem Physikstudium zu bedienen. Jeder heutige 3D-Artist wird die Tipps wie einen Schwamm aufsaugen, wie damals Herausforderungen gelöst wurden. Und die Lösung hieß eben nicht, dass man 50 Programmierer an ein Problem setzt und die Peitsche schwingt.

Der Wechsel von analogen zu digitalen Tricks werden in diesem Buch ausführlich beschrieben. Immer wieder wird gezeigt, was der lockere Spruch „Let´s fix it in the Post“ für die Artists bedeutet, nämlich modellieren, rendern auf Teufel komm raus.

VFX können aufdringlich im Vordergrund stehen, wie bei den schrecklichen Transformers oder auch unbemerkt im Hintergrund eine Atmosphäre der Angst erzeugen, wie bei Saving Private Ryan, wo Regieas Spielberg eine fotorealistische Arbeit von seinem Freund Lucas forderte. Meine absolute Lieblingstricks sind aber in AI zu finden. Zu diesem Film habe ich eine eigene Buchbesprechung durchgeführt, auf die an dieser Stelle verwiesen sei.

Egal, um was es geht, ILM hat wohl eine Antwort darauf. Und daher ist allen Zeitgenossen dieses Buch empfohlen, wenn sie sich für Effekte im Kino interessieren. Einstmals begann ich meine Sammlung von Filmbüchern mit einem Sonderband des deutschen Kinomagazins Cinema „Die Tricks“. Die Tricks waren damals aufwendige Bastelarbeiten, Modelle, Matte-Zeichnungen. Wenn ich mir heute die Tricks aus dem Rechner in Welten bei Avatar anschaue, stelle ich fest, wie schnell die Zeit vergangenen ist und was ILM alles geschaffen hat. Respekt für so einen großen Anteil an der Filmgeschichte. Ich bin gespannt, was sich ILM als nächstes einfallen lässt. Pamela Glintenkamp wird es uns sicherlich berichten. In ihrer unaufdringlichen sachlichen Schreibe merkt an, dass die für das Stanley Kubrick Archiv in London gearbeitet hat. Ohne zu übertreiben, lässt sie die Künstler zu Wort kommen und hält sich selbst mit Superlativen zurück. In über 100 Interviews sammelte sie schönes Material von Casper bis Rango, was sie mit uns in Industrial Light & Magic: The Art of Innovation teilt. Unbedingt kaufen. Und wer mehr wissen will, sollte sich auch das Buch: Industrial Light & Magic: Into the Digital Realm antun. Hier meine Kritik:

Captain Future kommt ins Kino

28. April 2010

Captain Future soll ins Kino kommen. Als diese Meldung durch die Kino-Blogs ging hab ich mich riesig gefreut. Captain Future war ein Held meiner Jugend und ich verpasste als Kind keine Folge der spannenden Zeichentrickabendteuer. Anders als Heidi, Wickie oder andere Zeichentrickserien waren der Captain wohl ausschließlich für uns Jungs gemacht. Ich kannte kein Mädchen, das sich von den Abenteuern angezogen war. Die Crew hatte für jeden etwas: Prof. Simon Wright – das lebende Gehirn, war wohl für den Intellektuellen, Grag der starke Mann bzw. Roboter, Otto war für den schlichten Humor zuständig, der weise alte Mann Ezella Garnie und die flotte und zugleich schüchternde Joan Landor. Aber über allem stand natürlich der Captain. Ja, so funktionieren Boy-Groups, jeder hat eine Rolle zu spielen und ich liebte es. Vielen Dank an Toei Animation, die Ende der siebziger Jahre die Anime-Serie auf die Mattscheibe brachte. Leider war die deutsche TV-Version geschnitten, denn wenn ich mir heute die Folgen auf DVD Captain Future – DVD Collection 1 (4 DVDs) und Captain Future – DVD Collection 2 (3 DVDs) anschaue, dann packt es mich. Ich glaub Jugendschützer liefen damals gegen die Serie Sturm, die im ZDF gezeigt wurde. Ursprünglich produzierten die Japaner unseren Captain Future für das Abendprogramm.

Ich liebte auch die deutsche Musik von Christian Bruhn. Den Soundtrack Captain Future kaufte ich mir Jahre später und höre ihn noch immer gerne. Als ich auf einen meiner USA-Reisen mal Captain Future im US-Fernsehen sah, war ich enttäuscht. Es lag nicht an der – für mich falschen Stimme – sondern es lag an der falschen Musik. Der internationale Markt hat wohl von der genialen Musik von Christian Bruhn nichts mitbekommen. Das ist schade und ich hoffe, dass er zumindest bei der anstehenden Kinoversion den Score beisteuert.

Chancen dazu hat er, denn Regie führt auch ein Deutscher: Christian Alvart, Regisseur von „Antikörper“ und „Pandorum“, soll den Film in Szene setzen. Beide Filme haben mich nicht vom Hocker gehauen, also Alvart reiß dich zusammen und versau hier nicht meine Jugend. Er sagte in einem Interview: „ Wir entwickeln Captain Future als eine große, amüsante Weltraum-Oper für die ganze Familie – in der Hoffnung, dieselbe Begeisterung, die ich empfand, als ich den Weltraum durch die Augen des Captains erkundete, auf der Leinwand erneut zu kreieren.“

Doch wer wird den Captain spielen? Wahrscheinlich wieder so ein Jungstar, dessen Name ich schon gleich vergessen habe. Grag, Otto und Simon werden wohl von CGI dargestellt. Besonders Otto kann sich durch aktuelle Morphing-Technik schön verändern.

Die Originalromane von Edmond Hamilton Edmund Hamilton: Das Erbe der Lunarier – Captain Future habe ich nie gelesen. Ich glaube es gibt 17 Stück. Wahrscheinlich ist es kein Verlust. Aber ich habe gerne Captain Future gespielt. Ich hatte die Comet, das Raumschiff des Captains als Metallmodell und die Comet liegt noch immer im Keller. Leider verloren habe ich das Brettspiel „Captain Future – Die Eroberung der Planeten“. Hier war ich ungeschlagen. Entweder spiele ich in meiner Jugend Risiko oder eben Captain Future.