Posts Tagged ‘Otto’

Buchtipps vom Literarischem Quartett aus München

20. Dezember 2019
Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Literarisches Quartett im Bayerischen Landtag.

Rechtzeitig vor Weihnachten kam die Einladung zu einem literarischen Quartett auf den Schreibtisch. Ein befreundetes Ehepaar hat meine Frau und mich zur illustren Runde in den Bayerischen Landtag gebeten, wohin der Aktionskreis Wirtschaft, Politik und Wissenschaft geladen hatte. Und zum Abschluss der Veranstaltung gab es sogar eine Weltpremiere, die mich aufhorchen ließ.

Es diskutierten Tobias Kurzmaier, Vorsitzender Aktionskreis für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft e.V., Sonja Zekri, Leiterin Feuilleton Süddeutsche Zeitung, Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels Bayern und Michael Lemling, Geschäftsführer Buchhandlung Lehmkuhl München. Jeder der vier Diskutanten stellte ein Buch vor, das von den anderen unterhaltsam zerpflückt oder gelobt wurde.

Freinacht von Thomas Lang
Den Einstieg machte der Gastgeber mit dem Roman Freinacht von Thomas Lang. Eine Feier in der Nacht auf den 1. Mai, ein Toter und vier junge Menschen, für die nichts mehr so ist, wie es vorher war. Aus einer wahren Hintergrundgeschichte entwickelt Thomas Lang einen hellsichtigen Gesellschaftsroman über Ziellosigkeit und Verantwortung, Schuld und Sühne. Nach der Kritik der Runde ein wohl eher düsterer Gesellschaftsroman, packend erzählt mit explizierter Brutalität in Wort und Tat. Vielleicht ist Freinachtnicht gerade das Richtige zu Weihnachten, aber durchaus interessant.

Das Jahr von Tomas Espedal
Der zweite Roman war Das Jahr von Tomas Espedal, vorgestellt von Sonja Zekri von der Süddeutsche Zeitung. Tomas Espedals neues Buch beginnt an einem 6. April, dem Tag, an dem Petrarca seine Laura zum ersten Mal sah. Ausgehend von dieser unerfüllten Liebe, der Quelle für Petrarcas Liebesgedichte, geht Espedal der Frage nach, ob eine solch große, einzigartige Liebe, die alle Zeiten überdauert, heute noch möglich ist, ob sie überhaupt jemals möglich war. Gemeinsam mit seinem gebrechlichen Vater unternimmt er eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer und bemerkt erst dort, als der Vater aufzublühen scheint, dass er auch ihn bald verlieren wird. In der Liebe seines Vaters für seine verstorbene Mutter wie auch in seiner eigenen Liebe für Janne, die ihn bereits vor Jahren verlassen hat, erkennt Tomas etwas ähnlich Bedingungsloses und Andauerndes wie bei Petrarca. Am Ende waren sie dennoch alle allein. Nicht nur die Erfahrung einer so tiefen Liebe ist lebensverändernd, sondern auch deren Verlust. Wie ist es möglich, angesichts einer so umfassenden Erfahrung weiterzuleben wie bisher?


Nun es ist schwere Kost: Es handelt von den großen und einschneidenden Erfahrungen: Liebe, Verlust, Krieg, Tod, von Altern und Verzweiflung, von Stagnation und der ewigen Wiederholung des Immergleichen. Vielleicht ist Das Jahrauch ein bisschen zu schwer zu Weihnachten.

Otto von Dana von Suffrin
Michael Lemling empfahl Otto von Dana von Suffrin. Sie wurde 1985 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Komparatistik in München, Neapel und Jerusalem. Seit 2009 ist sie Museums- und Stadtführerin in München. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Sie lebt in München.

Otto ist ihr erster Roman. Zwei Schwestern – und ein Vater, der mehr als genug ist für eine Familie. In ihrem Romandebüt erzählt Dana von Suffrin, was es heißt, wenn ein starrköpfiger jüdischer Familienpatriarch zum Pflegefall wird. Und wie schwer es fällt, von einem Menschen Abschied zu nehmen, den man sein ganzes Leben eigentlich loswerden wollte. Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer. Auch Otto ist schwierige Kost zu Weihnachten.

Herkunft von Saša Stanišić
Einig waren sich alle vier Kritiker dagegen bei der Schlussvorstellung von Herkunft von Saša Stanišić. Der Autor wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2019 und der Roman Herkunft ist im Moment in jeder Buchhandlung zu finden.

Saša Stanišić wurde 1978 im ehemals jugoslawischen Višegrad geboren und lebt heute im ehemals dänischen Altona. Er ist leidenschaftlicher Anhänger von Toast, Literatur und stationärer Buchhandel. Saša Stanišić erzählt in seinem autobiografischen Buch, wie er aus Bosnien nach Heidelberg kam und lernte, Eichendorff, Hölderlin und natürlich gefällt es den deutschen Literaten, wenn jemand Eichendorff und Hölderlin zitieren kann. Der Buchtext: „Herkunft ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.“

Hier ein Auszug aus einem Video, wobei mir die Sprache sehr gut gefallen hat. Bitte achtet auf den ersten Satz. Schon dafür gebührt Saša Stanišić der Deutsche Buchpreis.

Weltpremiere: Der General muss weg von Michael und Elisabeth Buback
Zum Abschluss gab es eine Weltpremiere. Tobias Kurzmaier gelang es, vier Exemplare des Sachbuches „Der General muss weg“ druckfrisch aus Norddeutschland direkt aus der Druckerei zu besorgen. Das Buch erscheint erst 2020 und das werde ich mir auf jeden Fall besorgen.
Es ist ein Buch von Michael Buback über seinen von der RAF ermordeten Vater Siegfried Buback. Am Gründonnerstag 1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe ermordet, mit ihm sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizbeamte Georg Wurster. 2007 wird seinem Sohn Michael Buback zugetragen, dass für das Attentat die Falschen verurteilt wurden. 2008 fasst Michael Buback seine damaligen Rechercheergebnisse in dem Buch Der zweite Tod meines Vaters zusammen. Diese führen 2010 zum Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, in dem das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wegen dreifachen Mordes angeklagt wird.

Der General muss weg! ist das akribische, erschütternde Protokoll der Verhandlungen vor dem OLG Stuttgart – aus der Feder von Michael Buback und seiner Ehefrau Elisabeth, beide Nebenkläger des Verfahrens. In diesem bestätigt sich, dass Verena Becker, die letztlich 2012 nur wegen Beihilfe verurteilt wird, geheime Informantin des Verfassungsschutzes gewesen ist. Mehr noch als das Ergebnis ist es der Verlauf der Verhandlungen, der die beklemmende Frage aufwirft: Wie weit geht der Staat in der Verteidigung seiner Interessen?
Dieses Buch „Der General muss weg!“: Siegfried Buback, die RAF und der Staatmuss ich mir besorgen, denn das Thema interessiert mich wirklich. Hier das Video von der Weltpremiere:

Buchtipp: The Art of Inside Out

1. Januar 2016

IMG_7529

Als ich den Trailer zum Pixar-Film Alles steht Kopf zum ersten Mal sah, dachte ich mir enttäuscht: eine belanglose Komödie über das Erwachsenwerden aus der Animationsschmiede. Ich kam mir vor als ob ich einen Otto Sketch meiner Jugend sah: Hirn an Faust … Richtig begeistert war ich aufgrund des deutschen Trailers vom Film nicht, schaute mir aber pflichtbewusst den Film Alles steht Kopf im örtlichen Kino an. Schließlich hatte mich Pixar in der Vergangenheit noch nie enttäuscht.
Und was soll ich sagen? Der Film war ganz, ganz anders als der Trailer es versprochen hatte. Der 15. Pixar Film war wahnsinnig unterhaltsam und hatte eine große Tiefe, genau wie ich es von einem Pixar-Film erwarte.


Im Februar 2016 wird der Film als DVD, Blu ray und Download erscheinen. Zudem gibt es eine limitierte 3-Disc Special Edition. Als Bonus gibt es ein Wiedersehen mit Riley und ihren Emotionen in der exklusiven Premiere des Kurzfilms „Rileys erstes Date?“ sowie der paradiesisch-schöne Kurzfilm „Lava“.
Im Grunde geht es bei Alles steht Kopf um Emotionen. Es geht um die Kombination von Freude, Zorn, Ekel, Kummer und Angst. Der alte Freud hätte seine Freude an diesem Film gehabt. Regisseur Peter Docter, der uns schon Monster AG und Oben brachte, hat ganze Arbeit geleistet und wurde von den beiden Hirnforschern Paul Ekman und Dacher Keltner fachlich unterstützt.


Meine Neugierde über die Entstehungsgeschichte des Films war geweckt. Nachdem Alles steht Kopf technisch keine Neuerungen aufwies, musste die Innovationen auf anderen Gebieten liegen. Technisch war Pixar immer vorne mit dabei. Als Chefredakteur der wichtigsten deutschsprachigen 3D-Zeitschriften erlebte ich die Wasserspiegelungen in Findet Nemo, die Haare in die Unglaublichen und das Fell in Monster AG. Alles steht Kopf brachte in dieser Hinsicht keine Erneuerung durch die Software Renderman und Marionette. Pete Docter setzte auf erzählerische Tiefe und Kreativität.
Diese Kreativität kommt bei dem Buch The Art of Inside Out voll zum Tragen. Anders als die frühen Pixar-Filme wurde hier gleich zu Beginn mit digitalen Werkzeugen gearbeitet. Kreide, Marker, Pinsel kommen aber ebenso weiterhin zum Einsatz. Diese Abwechslung bringt unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Emotionen. Die Frage ist doch: Wie stellt ein Künstler Emotionen bildlich dar? Nicht, wie erzeugt ein Künstler Emotionen? Da wäre der Film beim Walt Disney-Konzern an der richtigen Adresse. Disney ist Spezialist, wenn es um das Erzeugen von Emotionen geht. Da braucht es dann schon Pixar, um die Emotionen selbst darzustellen. Und das gelingt in diesem Buch fabelhaft.
Deutlich bemerkt der Leser den Einsatz von Farben, die in unserem Kulturkreis mit Emotionen besetzt sind, wie Rot für Zorn. Ich würde gerne den Film mit Leuten aus anderen Kulturkreisen ansehen und mit ihnen über die Farben und Emotionen diskutieren. Für mich ist die Darstellungsweise meine gewohnte westliche Sichtweise.


Beim Lesen des Buches bzw. Betrachten der Bilder habe ich mir Gedanken über Emotionen gemacht. Es hat mich entsetzt, dass ich Helden meiner Jugend ebenso vergessen habe, wie die Helden in dem Film. Was ist das Gehirn doch für ein seltsamer Ort?
Ich empfehle jedem den Film Alles steht Kopf und das Buch The Art of Inside Out, wenn er sich über Gefühle Gedanken machen will, wenn er etwas über Kunstgeschichte lernen will, wenn er sich selbst kennenlernen will. Und Gott sei Dank ist kein Film/Buch auf Otto Niveau herausgekommen.

„Nein!“ „Doch!“ „Ohhhhhhh!“: Alles Gute Louis de Funès

31. Juli 2014

humor

Ich gratuliere zum Geburtstag: Louis de Funès wäre heute 100. Jahre alt geworden. Mit Humor ist das so eine Sache. Im Laufe des Lebens verändert sich mein Humor, vielleicht werde ich reifer. Wenn die ich dir Humoristen meiner Jugend heute ansehe, kann ich nicht mehr über sie lachen: Didi Hallervorden oder Otto waren wichtig für ihre Zeit. Heute mag ich sie nicht mehr ansehen.
Eine Ausnahme ist Louis de Funès. Ich mochte den kleinen Franzosen als Kind, als Jugendlicher und auch heute noch. Durch die Jahre hat er einen festen Platz in meinem Herzen.
Ich verehre Leute wie Loriot oder Jaques Tati für ihren intelligenten Humor, bei Louis de Funès liebe ich einfach den ganzen Typen. Vielleicht liegt es daran, dass ich viele solche Choleriker und Patriarchen kenne, die Louis de Funès darstellt. Nach oben buckeln, nach untern treten, so wird es gemacht, so kommt man weiter.
Ich glaube, den ersten Film mit Louis de Funès habe ich mir wegen Jean Gabin angesehen. Es war der Streifen Balduin – das Nachtgespenst. Für mich war Gabin einer der großen französischen Schauspieler, doch er wurde von dem kleinen Mann voll an die Wand gespielt. Louis de Funès rockte den Film, Hektik durch auf de Funès der einen Seite – Ruhe von Gabin auf der anderen Seite. Eine wunderbare explosive Mischung entwickelte sich. Und noch heute sehe ich den Streifen gerne. Ich liebe von Louis de Funès sein Mienenspiel, seine grotesken Grimassen, seine fiese Art des elenden Giftzwergs. Ich glaube, in Oscar brachte er dieses Talent voll zu Tage.
Louis de Funès Spielfilme waren keine typischen französischen Filme, wie ich sie kannte: Keine Nouvelle Vague, kein Truffaut, kein Chabrol und absolut kein Godard. Sie waren auch nicht für ein kleines Publikum wie die Sache von Tati in Hulot. Louis de Funès war eine Art Volksschauspieler, der die Massen anzog und sie zum Lachen brachte – und darunter auch mich. Intellektuell waren die Filme eher unbedeutend, aber die Figur Louis de Funès war einfach mein Liebling.
Als Fan der Bond-Filme liebte ich abgöttisch die französische Variante, die Fantomas-Reihe. Der böse Gangster mit den tausend Masken greift nach der Weltherrschaft. Louis de Funès als Inspektor Juve immer mitten drin und bringt alle zur Verzweiflung. Nur noch Peter Selters als Inspektor Clouseau war besser.
Und dann waren natürlich die Gendarmen Filme. Es begann wohl mit Der Gendarm von Saint Tropez und weitere fünf Filme der Reihe sollten folgen. Schlagartig wollte ich als Kind nach der Inaugenscheinnahme des Films nach Saint Tropez. Als ich Jahre später mal dort war, stellte ich fest, dass diese Reiselust ein paar mehr Leute verspürten, die deutlich finanzkräftiger waren als ich.
Seinen vorletzten Film Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe habe ich noch im Kino in meinem Heimatort genossen. Aber er war anders: Louis de Funès war ruhiger. Vielleicht weil der Film in der französischen Provinz spielte. Der Film hatte noch ein paar derbe Szenen, aber war ein Appell an das einfache Leben. Louis de Funès verbreitete keinen Stress, wie in anderen Filmen, sondern half den Außerirdischen beim Genuss der französischen Lebensart. Und ich weiß noch, ich wollte bei meiner Mama das erste Mal in meinem Leben Kohlsuppe probieren. Kohlsuppe esse ich noch immer und noch immer schaue ich gerne das Geburtstagskind Louis de Funès.

Captain Future kommt ins Kino

28. April 2010

Captain Future soll ins Kino kommen. Als diese Meldung durch die Kino-Blogs ging hab ich mich riesig gefreut. Captain Future war ein Held meiner Jugend und ich verpasste als Kind keine Folge der spannenden Zeichentrickabendteuer. Anders als Heidi, Wickie oder andere Zeichentrickserien waren der Captain wohl ausschließlich für uns Jungs gemacht. Ich kannte kein Mädchen, das sich von den Abenteuern angezogen war. Die Crew hatte für jeden etwas: Prof. Simon Wright – das lebende Gehirn, war wohl für den Intellektuellen, Grag der starke Mann bzw. Roboter, Otto war für den schlichten Humor zuständig, der weise alte Mann Ezella Garnie und die flotte und zugleich schüchternde Joan Landor. Aber über allem stand natürlich der Captain. Ja, so funktionieren Boy-Groups, jeder hat eine Rolle zu spielen und ich liebte es. Vielen Dank an Toei Animation, die Ende der siebziger Jahre die Anime-Serie auf die Mattscheibe brachte. Leider war die deutsche TV-Version geschnitten, denn wenn ich mir heute die Folgen auf DVD Captain Future – DVD Collection 1 (4 DVDs) und Captain Future – DVD Collection 2 (3 DVDs) anschaue, dann packt es mich. Ich glaub Jugendschützer liefen damals gegen die Serie Sturm, die im ZDF gezeigt wurde. Ursprünglich produzierten die Japaner unseren Captain Future für das Abendprogramm.

Ich liebte auch die deutsche Musik von Christian Bruhn. Den Soundtrack Captain Future kaufte ich mir Jahre später und höre ihn noch immer gerne. Als ich auf einen meiner USA-Reisen mal Captain Future im US-Fernsehen sah, war ich enttäuscht. Es lag nicht an der – für mich falschen Stimme – sondern es lag an der falschen Musik. Der internationale Markt hat wohl von der genialen Musik von Christian Bruhn nichts mitbekommen. Das ist schade und ich hoffe, dass er zumindest bei der anstehenden Kinoversion den Score beisteuert.

Chancen dazu hat er, denn Regie führt auch ein Deutscher: Christian Alvart, Regisseur von „Antikörper“ und „Pandorum“, soll den Film in Szene setzen. Beide Filme haben mich nicht vom Hocker gehauen, also Alvart reiß dich zusammen und versau hier nicht meine Jugend. Er sagte in einem Interview: „ Wir entwickeln Captain Future als eine große, amüsante Weltraum-Oper für die ganze Familie – in der Hoffnung, dieselbe Begeisterung, die ich empfand, als ich den Weltraum durch die Augen des Captains erkundete, auf der Leinwand erneut zu kreieren.“

Doch wer wird den Captain spielen? Wahrscheinlich wieder so ein Jungstar, dessen Name ich schon gleich vergessen habe. Grag, Otto und Simon werden wohl von CGI dargestellt. Besonders Otto kann sich durch aktuelle Morphing-Technik schön verändern.

Die Originalromane von Edmond Hamilton Edmund Hamilton: Das Erbe der Lunarier – Captain Future habe ich nie gelesen. Ich glaube es gibt 17 Stück. Wahrscheinlich ist es kein Verlust. Aber ich habe gerne Captain Future gespielt. Ich hatte die Comet, das Raumschiff des Captains als Metallmodell und die Comet liegt noch immer im Keller. Leider verloren habe ich das Brettspiel „Captain Future – Die Eroberung der Planeten“. Hier war ich ungeschlagen. Entweder spiele ich in meiner Jugend Risiko oder eben Captain Future.

Noch ein Gedicht

20. Februar 2009

erhard

Heute wäre Heinz Erhard 100 Jahre alt geworden. Der Meister des deutschen Nachkriegskalauers hatte meine Jugendzeit erfreut. Nein, nein ich bin nicht so alt. Heinz Erhard hatte aber in meiner Generation wieder eine Renaissance. Seine Bücher und Schallplatten waren bei uns als Jugendliche hoch im Kurs. Sogar einen Erhard-Film habe ich mir im Kino angesehen. Ich glaube, es war „Drillinge an Bord“ – so richtig gelacht habe ich nicht, aber dennoch Heinz war Kult.

Otto war schon gut, aber Heinz war besser. Beeindruckt war ich neben den Gedichten vor allem über das Klavierspiel. Der Kerl hatte Rhythmus. Heinz rockt nach heutigen Maßstäben. Eigentlich war es eher Schlager mit Jazz.

Ich erinnere mich, dass wir zum Skilager in den achtziger Jahren viele Erhard-Sketche und Gedichte aufgesagt hatten. Und es gab ein paar Lieder. Noch heute summe ich vor mich hin, wenn ich schlechte Laune habe: „Wenn du denkst es geht nicht, dann geh zu Tante Hedwig …“ Komisch, was man so alles im Kopf behält.

Zur Feier des Tages habe ich eine Doppel-LP aus dem Keller geholt. Sie ist von Telefunken und erschien in der Reihe Portrait. Aufnahmen aus verschiedenen Shows mit dem Ritter Fips. Meine Frau berichtet mir gerade als ich diesen Blog schreibe, dass bei ihr zu Hause Heinz Erhard erlaubt war. Die Oma war Herrin über die Fernbedienung und Heinz Erhard durfte geschaut werden. Wahrscheinlich weil er sie  ihn an ihren Bruder erinnerte. Naja, ist wohl eine Familiengeschichte. 

Otto, bitte lass es sein

28. November 2008

Ich sitze gerade vor dem Rechner, um etwas zu arbeiten, da läuft auf SuperRTL die alte Show „Hilfe, Otto kommt“. Es ist eine Aufzeichnung von 1983. Ich habe auf eine Aufzeichnung bei YouTube gefunden. Warum habe ich damals in den achtziger Jahren eigentlich so über Otto Waalkes gelacht? Wahrscheinlich haben es mir als Teenager die Sparwitze wirklich etwas gegeben. Ich erinnere mich, dass ich mir die Schallplatten von Otto total gerne reingezogen habe und auch bei „Hilfe, Otto kommt“ konnte ich so gut wie jeden Witz mitsprechen. Ich hatte damals wirklich über Hänsel-und-Gretel-Interpretation im Gewand der Musik der Neuen Deutschen Welle gelacht. Heute verziehe ich keine Miene, muss aber das exzellente Gitarrenspiel des Komikers loben. Komisch, was das Gehirn so alles speichert. Von Chemie, Mathe und Physik aus dieser Zeit weiß ich nix mehr, aber üble Otto-Herrenwitze und Ottifanten sind mir präsent.

Ich habe die Schallplatten und Bücher verschlungen und auch der erste Kino-Film war okay. Dann wurde Otto mir zu simpel. Richtig bergab ging es mit dem Film „Otto, der Außerfriesische“ von 1989 und eine Zumutung war für mich der Schinken aus dem Jahr 2004 „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ . Aber sieben Millionen Zuschauer können wohl nicht irren und gingen in den deutschen Kinos. Mir war es zu blöd. Mit 60 ging Otto nochmals auf Tour „Otto – das Original“. Lieber Otto, nimm es mir nicht übel: Ich bleib lieber zu Hause und höre meine alten Otto-Platten an, versprochen.