Posts Tagged ‘Bayerischer Landtag’

Werbung: Herausforderung FakeNews

11. August 2019

Bei meinen Schulungen zur Medienkompetenz stelle ich fest, dass Schülerinnen und Schüler mit zwei massiven Herausforderungen konfrontiert sind: die klassische Suchfunktionen von Google und FakeNews

Schulung zur Medienkompetenz in einer Berliner Grundschule.

Schulung zur Medienkompetenz in einer Berliner Grundschule.

Bei Referaten, Seminararbeiten und ähnlichem ist die Recherche im Internet bei Jugendlichen die erste Wahl. Die Bücherei hat längst verloren: Aber die Jugendliche haben nicht mehr das Problem wie zu meiner Zeit in den 80er Jahren, woher sie die Informationen bekommen, sondern wie sie die Fülle von Suchergebnissen begrenzen können. Google liefert Millionen von Ergebnissen. Viele Jugendliche können nicht suchen, geschweige denn Suchmaschinen wie Google richtig bedienen.
Daher beziehen viele Jugendliche und zunehmend auch viele Erwachsene ihre Informationen aus sozialen Medien: Und hier treffen wir massiv auf FakeNews und Hatespeech. Wenn mein Freund eine Nachricht weiterschickt, dann ist die Glaubwürdigkeit hoch, denn er ist ja mit mir befreundet. Medienkompetenz würde dann einsetzen, wenn darüber nachgedacht wird, bevor man den Teilen-Knopf drückt oder eine Botschaft retweeted.

Soziales Kapital steigt beim Teilen
Es setzt ein psychologischen Effekt ein: Ich habe eine Neuigkeit und daher habe ich hohes soziales Kapital. Wenn ich diese Neuigkeit teile, dann wächst mein soziales Kapital, mein Ansehen. Ich erhalte ein Like, einen Daumen – eine klassische Belohnung und damit Anerkennung. Dabei ist es gar nicht mal so wichtig, ob die Information stimmt, fast stimmt oder gar nicht stimmt. Die digitale Sau wird durchs digitale Dorf getrieben.
Für mich eine erste Anlaufquelle zur Überprüfung ist die österreichische Website minikama. Politische News überprüfe ich beispielsweise mit dem Faktenfinder der Tagesschau. Hier auch interessant ein Blogpost einer Casinoseite.

Warum steht in unterschiedlichen Zeitungen der gleiche Inhalt?

Warum steht in unterschiedlichen Zeitungen der gleiche Inhalt?

Und in sozialen Netzwerken tummeln sich bewusste Wahrheitsverdreher. Oft höre ich Aussagen: Im Netz gibt es andere News als in den klassischen Massenmedien – hier wird uns als Bürger etwas vorenthalten. Die Medien manipulieren, denn überall stehen die gleichen Nachrichten. Schnell wird von Lügenpresse gesprochen. Wie Medien funktionieren und welche Bedeutung beispielsweise die dpa hat, kennen die meisten Bürger nicht.
An die Stelle der klassischen Massenmedien treten so genannte alternative Medien, die scheinbar die Wahrheit gepachtet haben. Hier hat die Medienerziehung versagt, hier haben die Verlagen und Verlegerorganisationen versagt, die Funktionsweise von Massenmedien zu erklären. Lügenschleudern sind stattdessen im Netz entstanden und produzieren ihre FakeNews rund um die Uhr.

AfD als FakeNews-Produzent
Interessant ist in diesem Fall, eine Bildfälschung der AfD mit der bayerischen Landtagsprädientin Ilse Aigner. Die Pressestelle des Landtags hat am 5. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, das Aigner mit eine Kindergruppe zeigt, die blaue Luftballons steigen lassen. Es wurde im Rahmen des „Entdeckertag für Kinder im Bayerischen Landtag“ aufgenommen.

Das Originalbild der Pressestelle des Bayerischen Landtags.

Das Originalbild der Pressestelle des Bayerischen Landtags.

Der bayerische AfD-Abgeordnete veröffentlichte nun dieses Bild auf seiner Facebookseite und ergänzte den AfD-Schriftzug auf den Luftballons. „Die AfD wirkt auch in Bayern“ hieß es. Also die ganze Sache ist eine reine Fälschung und eine klassische FakeNews. Als die AfD bei der Fälschung ertappt wurde, nannte es die AFD einen Gag.

Und was die AfD als FakeNews daraus gemacht hat.

Und was die AfD als FakeNews daraus gemacht hat.

Das ist eine typische AfD-Reaktion. Die Reaktion von Ilse Aigner war einen Strafantrag gegen den AfD Abgeordneten gestellt. Aigner meinte, die Foto-Montage sei geeignet, sie als Person des politischen Lebens verächtlich zu machen. „Eine parteipolitische Werbeaktion auf dem Gelände des Landtags wäre mit meinem überparteilichen Amt als Landtagspräsidentin nicht vereinbar.“
Für mich als Fazit: Meine Medienkompetenz-Schulungen sind wichtiger denn je.

Sommerempfang 2019 der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner – Ehrenamt gewürdigt

17. Juli 2019
Wunderbare Kulisse zum Sommerempfang

Wunderbare Kulisse zum Sommerempfang

Meine erste Einladung zum Sommerempfang der Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner kam in den Briefkasten und da heißt es natürlich hingehen. Erste Frage: Was ziehe ich bei solch einem Event an? Auf der Einladungskarte steht sommerliche Abendbekleidung, Tracht oder Uniform. Tracht und Uniform scheiden bei mir aus, also wählte ich einen Gehrock von Svenja Jander und einen Chapeau Claque.

Mit diesem Sommerempfang für rund 3000 Gäste würdigt Ilse Aigner das Engagement im Ehrenamt. Das finde ich gut, bin ich selbst auch in einigen Vereinen ehrenamtlich aktiv. Zusammen mit meiner Frau war es ein wunderbarer Abend mit vielen Gesprächen und Händeschütteln. Ich nutzte den Empfang zum Netzwerken und traf viele Bekannte und Prominente aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Vereinswesen.

Fächer als Giveaway - am Ende war keiner mehr da.

Fächer als Giveaway – am Ende war keiner mehr da.

Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne strahlte und für ein bisschen Wind sorgten Fächer als Giveaway mit Aufdruck Bayerischer Landtag. Aber bevor die Party im Schlossgarten von Schloss Schleißheim beginnen sollte, wollte ich der Landtagspräsidenten Ilse Aigner meine Aufwartung machen.

Es ging ans Defilee und das heißt erst einmal Schlange stehen, bis ich Ilse Aigner die Hand schütteln durfte. Es gab eine Fast Line für die Prominenz. Zusammen mit meiner Frau stand ich in der Reihe for the rest of us und wartete rund eine halbe Stunde. Ilse Aigner, geschmackvoll im Abendkleid, empfing ihre Gäste vor einer großen, blauen Sommerempfang-Stellwand des Landtags. Das war übrigens der Ort an dem Stanley Kubrick seinen wichtigen Antikriegsfilm Wege zum Ruhm gedreht hat. Frau Aigner begrüßte meine Frau und ich, kurzes Austauschen von Höflichkeiten und noch ein Erinnerungsfoto – ratz, fatz und ab ging es zum Sommerempfang. Über eine Treppe betrat man den Garten.

Die sieben bayerischen Bezirke hatten Zelte mit den jeweiligen kulinarischen Spezialitäten aufgebaut. Dazwischen gab es Tische und Stühle. Bevor es aber ans Essen ging, stand bei mir die Arbeit an- und das hieß Netzwerken. Mit einigen meiner Gesprächspartner machte ich natürlich ein Selfie – das Ego wollte auch befriedigt sein. Schön war, dass sich Ministerpräsident Markus Söder kurz Zeit für uns nahm. Meine Frau stellte als Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks vielen unserer Gesprächspartnern die Aktion „Innung lebt vom Mitmachen. Ich bin dabei, und du?“ vor. Ein bisschen PR fürs Friseurhandwerk kann nicht schaden.

Ich sprach mit Vertretern aller im Landtag vertretenen Parteien bis auf die AfD – mit diesen Leuten will ich nichts zu tun haben. Mein Thema war natürlich mein Steckenpferde Digitalisierung und Medienkompetenz. Und wie wichtig eines dieser Themen ist, zeigte sich an dem katastrophalen Internet-Empfang im Schlossgarten. Die meiste Zeit Edge und ab und zu ein LTE, das überlastet ist – auch das ist Bayern. Es gibt noch viel zu tun. Thema des Abends war natürlich die Wahl von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin. CSU-Generalsekretär Markus Blume war am Handy und freute sich über die Nachricht, obwohl ihm natürlich sein Parteifreund Manfred Weber lieber gewesen wäre. Ach ja, Europaabgeordnete waren an diesem Abend natürlich nicht in Schleißheim, die wurden zum Wählen in Brüssel gebraucht. Die Medien suchten nach Interviewpartnern und Prominenz wurde abgelichtet.

Ilse Aigner begrüßte zusammen mit dem Präsidium die Gäste. Eine sehr gute Geste war meines Erachtens, dass sie auch die Bezirksräte eingeladen hatte. Über die bayerischen Bezirke wissen nicht alle Bayern Bescheid, dennoch machen sie eine wertvolle Arbeit. Wie bereits geschrieben, stand das Ehrenamt im Mittelpunkt der Veranstaltung und ich traf auf zahlreiche ehrenamtliche Königinnen. Ich wusste gar nicht, dass es auch eine Wollkönigin gibt.

Die Sternstunden des Bayerischen Rundfunks verkauften für zehn Euro Lose – Hauptgewinn war ein goldener BMW. Wir kauften zwei Lose und gewannen Erfahrung. Hauptsache etwas gutes getan.
Das musikalische Programm bestand aus der Musikkapelle Vagen aus Rosenheim, die Bad Reichenhaller Philharmoniker und dem Polizeiorchester Bayern. Die gelungene Showeinlage war das Rock‘n Roll Team aus Anzing, die amtierenden Deutschen Meister im Rock‘n Roll Formationstanz.
Also, liebe Protokollabteilung des Bayerischen Landtags: Vielen lieben Dank für die Einladung und danke auch an den Steuerzahler, der den Abend bezahlt hat. Ich habe mich wohlgefühlt und komme gerne im nächsten Jahr wieder.

Hier ein paar Ego-Selfies:

Social Media: Fehlende Internetkompetenz von Politikern aber es gibt Ausnahmen

19. April 2011

Vernichtend ist das Urteil der Bürger, wenn es um die Internetkompetenz von Politikern geht. 42 Prozent der Wahlberechtigten kritisieren fehlenden Sachverstand, so eine BITKOM-Studie. Das bedeutet: Nur jeder dritte Wahlberechtigte hält die Internetkenntnisse der Politiker für ausreichend. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des BITKOM aus Anlass des „Superwahljahrs“ 2011 ergeben.

Aber ich möchte für Politiker eine Lanze brechen. Ja es gibt Politiker, die sich mit dem Netz, speziell mit Social Media, schwer tun. Das Dialogmedium ist nicht ihre Sache – und wird vor allem mit fehlender Zeit begründet. Aber es gibt auch Ausnahmen, die ich immer wieder treffe und die mir Mut machen. Ein Beispiel ist der bayerische Abgeordnete Eberhard Sinner. Verstärkt halte ich derzeit Seminare für Politiker aller Ebenen, um ihnen das Thema Social Media näherzubringen. Ich hoffe, meine Kunden können der BITKOM-Umfrage locker entgegentreten. So finden in der Studie lediglich 31 Prozent der Deutschen ab 18 Jahren, dass deutsche Politiker genügend Kenntnisse über das Internet haben. Deutlich mehr Menschen (42 Prozent) sprechen den Politikern Internetkompetenz ausdrücklich ab, weitere 25 Prozent sind sich unsicher. Junge Männer von 18 und 29 Jahren urteilen besonders kritisch – 57 Prozent halten Politiker in puncto Internet für inkompetent. Dagegen haben Frauen in der gleichen Altersgruppe das beste Politikerbild: 48 Prozent bescheinigen den Politikern entsprechende Sachkenntnis.

Zur Methodik: Die Angaben hat das Institut Forsa im Auftrag des BITKOM erhoben. Dabei wurden 953 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt.

Anbei gibt es exemplarisch das Beispiel eines Politikers mit Sachverstand in Sachen Internet. Auf einem gemeinsamen Vortrag mit Eberhard Sinner, ehemaliger bayerischer Medienminister und Mitglied des bayerischen Landtags, zeigte Sinner wie und in welchen Netzen er aktiv ist. Ich ließ die kleine Flip-Kamera mitlaufen, die den einstündigen Vortrag aufnahm. Die fünf Filme zeigen, dass sich auch ein Politiker über sechzig Jahren gut im Netz zurecht findet, voll auf Social Media als Dialogmedium setzt und anderen Politikern ein Leuchtturm sein kann. Schade, dass er bei der Landtagswahl 2013 nicht mehr antritt.

Coole Aktion zur IHM: Bayerns Friseure übergeben Studie zur reduzierten Mehrwertsteuer an Bundes- und Landespolitiker

5. März 2010
Dieser Tage hatte ich einen schönen Job. Ich war auf der Internationalen Handwerksmesse IHM unterwegs und machte Lobby-Arbeit für die bayerischen Friseure. Um ihre Forderung nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent zu bekräftigen, machen die bayerischen Friseure derzeit gewaltig Druck. Während der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse IHM in München übergab der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks eine neue Studie an führende Bundes- und Landespolitiker. ich wr dabei und schoss Fotos und drehte Videos, um anschließend die Maßnahme bei YouTube und auf der Website des Verbandes einzustellen, eine Pressemitteilung zu verfassen und richtig Tamtam zu machen.  Interessierte Empfänger der Studie waren Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, Ministerpräsident Horst Seehofer, SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles (völlig genervt), Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Cem Özdemir (zeigte sich super interessiert)  und der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag Georg Schmid (locker, wie immer).

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, erhält die Studie über einen reduzierten Mehrsteuersatz für Friseure von Doris Ortlieb, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks.

Die Studie der Uni Göttingen sieht in einem reduzierten Mehrwertsteuersatz eine wirksame Maßnahme, um einer drohenden weiteren Verlagerung der Nachfrage in diesem sehr arbeitsintensiven und damit stark schwarzarbeitsgefährdeten Tätigkeitsbereich in die Schattenwirtschaft entgegenzuwirken.
Auf dem Podium der IHM erneuerte Ministerpräsident Horst Seehofer sein Versprechen: „Was wir sagen, machen wir auch. Wir haben in der Koalition vereinbart, dass die gesamte Mehrwertsteuer in ihrer Struktur überprüft wird.“ Seehofer weiter: „Es bleibt bei der Zusage meiner Partei und der bayerischen Staatsregierung, dass wir die arbeitsintensiven Dienstleistungsbereiche geringer besteuern wollen als andere Bereiche.“
Richtig nett war eine Plauderei mit dem Bundeswirtschaftsminister und dem Ministerpräsidenten, die beide erzählten: „Ich sitze noch nicht einmal auf dem Friseurstuhl, da fängt mein Friseur schon an, mich über die Probleme der Branche aufzuklären.“ Wenn das kein Marketing ist, weiß ich auch nicht.