Posts Tagged ‘Horst Seehofer’

Erinnerungen an das Hochwasser in Passau 2013

30. Oktober 2019

Über das dramatische Hochwasser in Niederbayern 2016 habe ich schon mal aus der Sicht von Simbach am Inn geschrieben. Bei meinem jüngsten Besuch in Passau mit dem PresseClub München wurde mir wieder bewusst, welche Naturgewalten hier aufgetreten und wieder auftreten werden. Ich hörte in Passau viele Geschichten vom Hochwasser des Jahres 2013.

12,89 Meter stand das Wasser hoch

12,89 Meter stand das Wasser hoch

Bereits 1954 hatte Passau mit einem so genannten Jahrhunderhochwasser zu kämpfen, aber es dauerte kein Jahrhundert bis die Flut brutal wieder nach Passau kam und die Stadt versank. Am 3. Juni 2013 erreichte das Wasser seinen Höchststand in der drei Flüsse Stadt. Aus dem bayerischen Venedig wurde ein Katastrophengebiet.
Als ich vor der Markierung am Rathausplatz stand, dem ehemaligen Fischmarkt, reichte mir die Wasserstandsmarkierung weit über meinen Kopf hinaus. Durch Passau wälzte sich damals eine Lawine von Wasser, Schlamm und Dreck. Hinzu kam Diesel und Heizöl aus den überfluteten Kellern. Auch am Ort, so heißt die Stelle, war die Markierung an einem Haus weit oben. Insgesamt reichte das Wasser an der höchsten Stelle 12,89 Meter hoch – es gilt als zweitschlimmste Hochwasserkatastrophe der Stadt. Nur das Wasser von 1501 war mit 13,20 Meter noch etwas höher.
Eine Schulfreundin von mir wohnte einstmals in der Höllgasse im Zentrum von Passau. Sie machte den Witz, dass sie Sachen, die sie nicht mehr braucht, einfach in den Keller stellen würde. Das Wasser würde schon kommen und die Sachen unbrauchbar machen, so dass es einem leichter fiel, sie wegzuwerfen. Sie hatte mit ihrem Spruch recht, aber 2013 war es nicht nur Müll, sich die Flut holte, sondern viel Hab und Gut von Passauer Bewohnern.

Unsere Stadtführerin Anneliese Hertel erzählte uns viele Geschichten vom Kampf gegen das Wasser. Hauptamtliche und ehrenamtliche Hilfe standen zusammen im Kampf gegen das Wasser. Studenten organisieren sich und halfen mit ihre Studentenstadt zu retten. Es war eindrucksvoll, wie in der Not diese Stadt zusammenstand. Ich habe damals in den sozialen Netzwerken den Kampf der Bürger beobachtet. Was mich bei all der Not faszinierte, war der Zusammenhalt einer Gemeinschaft in einer Notsituation. Und es waren viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz, die von hauptamtlichen Helfern ergänzt wurden. „Helfer sind meine Helden“, meinte der damalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und er hat recht.

Wasserstandsmarkierungen am Passauer Fischmarkt.

Wasserstandsmarkierungen am Passauer Fischmarkt.

Um ein Gefühl für die Situation zu bekommen, habe ich mir einen Sonderband der Passauer Neuen Presse mit dem schichten Titel „2013 Hochwasser in Passau und Deggendorf“. Hier hat das Team der PNP mit ihren zahlreichen Lokalausgaben einzigartiges Bildmaterial zusammengetragen, um die Flut von 2013 zu dokumentieren. Ich habe den Bildband 2013 Hochwasser: in Passau und Deggendorf in unseren Hotel gesehen und mir spontan einen bei Amazon geordnert. Als ich von der Reise zurückkam, konnte ich gleich das Buch lesen.

Interessanter Bildband zum Passauer Hochwasser.

Interessanter Bildband zum Passauer Hochwasser.

Nun, die Stadt ist heute wieder aufgebaut. Doch ist das Hochwasser gebannt? Ich denke nicht. Sicherlich hat man den Hochwasserschutz optimiert, doch wenn es wieder so stark regnen sollte wie 2013, dann wird Passau oder andere Städte überflutet. Mich würde interessieren, wie die Passauer über den Hochwasserschutz in ihrer Stadt denken.

Keine rechtsextremistischen Anfeindungen an die Regierungspräsidenten von Niederbayern und der Oberpfalz

14. Oktober 2019

Das feige rechtsextremistische Attentat von Halle war erst ein paar Tage her, als der Presseclub München zu seiner Herbstreise nach Ostbayern startete. Hier trafen die Journalisten auf die Regierungsdirektoren von Niederbayern und der Oberpfalz Rainer Haselbeck und Axel Bartelt.Vor wenigen Wochen, am 2. Juni 2019, wurde ein Kollege Haselbecks und Bartelts ermordet: Walter Lübcke. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde vor seinem Wohnhaus mit einem Pistolenschuss aus nächster Nähe in den Kopf getötet. Als dringend tatverdächtig wurde am 15. Juni 2019 der hessische Rechtsextremist Stephan Ernst festgenommen, der gestand und später widerrief. Als Tatmotiv nannte Ernst darin Äußerungen Lübckes während der Flüchtlingskrise 2015.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Keine Bedrohung verspürt Regierungspräsident Rainer Haselbeck.

Auf die Frage, ob sich auch Rainer Haselbeck bedroht fühlt, antwortete der Regierungspräsident aus Niederbayern: „Ich habe vergleichbares bisher nicht erlebt.“ Die größten verbalen Auseinandersetzungen waren bisher, ob an einem gewissen Ort eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll oder nicht. „Es gab intensive Kontakte mit der Bevölkerung, aber Anfeindungen dieser Art haben wir nicht erlebt.“

Auf die Nachfrage von PresseClub-Vorsitzender Peter Schmalz nach einer Verrohung der Gesellschaft meinte Haselbeck: Er bemerke, dass sie Bereitschaft behördliche Entscheidungen des Staates zu akzeptieren, auch wenn sie einem nicht passen, deutlich zurück geht.

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Rief auf zur Gedenkminute: Regierungspräsident Axel Bartelt

Ein tiefergehende Problem mit dem Rechtsextremismus stellte der Regierungspräsident der Oberpfalz Axel Bartelt bei einem Empfang im Spiegelsaal der Regierung fest. Er appellierte an die Mitglieder der Presseclubs München und Regensburg als „Gewissen der Nation“ Bewusstseinsbildung zu betreiben. „Wir sind an einem Wendepunkt angekommen.“

Axel Bartels will jetzt einen gemeinsamen Empfang von „bayerischen und jüdischen Mitbürgern“ durchführen, was für mich unverständlich ist, denn Bayern sind Juden und Juden sind Bayern. Hier hat sich der Regierungspräsident meines Erachtens unglücklich ausgedrückt, bei dem richtigen Zeichen, das er setzen möchte. Zum Gedenken an die Opfer von Halle bat der Regierungspräsident die anwesenden Pressevertreter sich von ihren Plätzen für eine Gedenkminute zu erheben.

Flüchtlingssituation 2015 im Landkreis Passau
Der Landrat von Passau, Franz Meyer, erinnerte an einem Empfang in Hauzenberg in Niederbayern an die Flüchtlingsbewegung von 2015. 8000 Flüchtlinge pro Tag kamen damals über die grüne Grenze von Österreich nach Bayern. „Wir haben in dieser Phase mehr Flüchtlinge im Landkreis gehabt als acht europäische Staaten“, so Meyer. Die Österreicher haben die Flüchtlinge aktiv an Deutschland weitergeleitet. „Die größten Schleuser sind die Österreicher“, so Meyer auch damals in einem Interview mit den Tagesthemen.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Der Landrat von Passau Franz Meyer ist ein Freund deutlicher Worte.

Ein große Herausforderung damals war eine hohe Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen. Rund 4000 Jugendliche mussten vom Passauer Kreisjugendring betreut werden. Die Anstöße zur Verteilung dieser Jugendliche nach Bayern und ins ganze Bundesgebiet kamen von Passau und wurden von den Behörden schnell umgesetzt. „Wenn es pressiert, gehts schnell“, so Meyer. „Danke an die vielen Hunderte von Leuten bei uns, die ehrenamtlich rund um die Uhr gearbeitet haben.“ Meyer weiter: „Wir haben das mit großer Humanität geschafft.“ Bei aller deutlichen Worten in dieser Phase sei es wichtig, was man sagt. Nicht anheizen, sondern die Dinge klar formuliert.

Landrat Meyer bedankte sich ausdrücklich beim Freistaat und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. „Auf Horst Seehofer war Verlass in all diesen Fragen.“
Heute kommen an der Grenze zwischen 50 und 100 Flüchtlinge pro Tag an. Meyer unterstützt die Grenzkontrollen, aber nicht an der jetzigen Form. Die Grenzkontrollen finden an einer ungeeigneten Stelle mitten auf der Autobahn statt und behindern die Berufspendler nach Passau.

CSUnet Convention: Von den Widerständen gegenüber Games

16. Juli 2019
CSUnet Convention zum Thema Games

CSUnet Convention zum Thema Games

Für mich war die CSUnet Convention zum Thema Games in der Parteizentrale der CSU ein Wiedersehen mit vielen Mitstreitern aus der Gamesbranche. Die beiden Digital-Ministerinnen Doro Bär (Bund) und Judith Gerlach (Bayern) und Hendrik Lesser (Remote Control Productions) schlugen sich gut und forderten gemeinsam, die derzeit ausgesetzte Gamesförderung in Deutschland wieder aufzunehmen.

Die beiden Digitalministerinnen Judith Gerlach (Bayern) und Doro Bär (Bund) stehen zum Thema Games.

Die beiden Digitalministerinnen Judith Gerlach (Bayern) und Doro Bär (Bund) stehen zum Thema Games.

Das war für mich die wichtigste Aussage aus der Politik. Im Grunde waren sich alle einig: Games sind ein Kulturwert und eine Kulturtechnik. Hendrik Lesser brachte es auf den Punkt: „Ich bin Gamer und bin stolz darauf.“ – Das kann ich nur unterstützen.

Hendrik Lesser brachte neue Zahlen.

Hendrik Lesser brachte neue Zahlen.

 Dennoch stellte ich auch fest: Games haben es noch schwer in manchen Teilen der Gesellschaft. So berichtete Doro Bär noch immer von Widerständen in der Verwaltung, wenn es um das Thema Games geht. Ihre Gegenüber seien hauptsächlich Juristen, denen oftmals das Verständnis für das Thema eSport fehlt. Sie habe in einer Debatte in einem Bundestagsausschuss das Gefühl wie in einem „Tribunal“ zu sitzen. 

Bär:  „Horst, du bist jetzt eSport-Minister“

Bär: „Horst, du bist jetzt eSport-Minister“

Schmunzeln musste ich über eine Episode aus den Groko-Verhandlungen vom Februar 2018, von denen die Ministerin berichtete, die zwar witzig ist, aber das Dilemma auf den Punkt bringt. Als Horst Seehofer das Bundesinnenministerium geteilt wurde, habe sich die CSU-Spitze am nächsten Tag zum Frühstück getroffen. Doro Bär erinnerte den damaligen CSU-Chef daran, dass er als Bundesinnenminister auch für eSport zuständig sei. „Horst, du bist jetzt eSport-Minister“ sagte sie und Seehofer dachte kurz darüber nach, das Amt wieder abzugeben, so Bär. Nette Geschichte, aber genau das ist das Problem. Gamer werden nicht immer ernst genommen und ich kann mir viel vorstellen, aber Horst Seehofer als eSport-Gamer geht wirklich nicht. 

Daher sind solche Veranstaltungen wie die CSUnet Convention zum Thema Games sehr wichtig, um das Thema weiter in die Gesellschaft zu bringen. 

Am Rande ein kurzes Foto: Doro Bär zeigte sich begeistert von einem Bild von K2 zum Thema digitaler Fotorealismus. Das macht den Papa irre stolz.

Am Rande ein kurzes Foto: Doro Bär zeigte sich begeistert von einem Bild von K2 zum Thema digitaler Fotorealismus. Das macht den Papa irre stolz.

 

Qualität sichern in Blogs durch richtigen Umgang mit Quellen

9. November 2016

Jeder Journalist muss die sieben W-Fragen kennen. Ich bin in der Ausbildung von Journalisten tätig und freue mich, mit den jungen Kollegen zu arbeiten und sie zu schulen. Die sieben W-Fragen gehören für mich zur Grundlage eines Qualitätsjournalismus.

Was sind jetzt die sieben W-Fragen?
Die ersten sechs der sieben W-Fragen sind relativ einfach: Wer, was, wann, wo, wie, warum und was ist nun das siebte W? Es ist die Quelle. Von welcher Quelle habe ich die Information? Das ist wichtig, damit der Leser weiß, wie er die Information einzuordnen hat. Ein Beispiel: Berichterstattung von einer Demonstration. Der Veranstalter schätzt die Teilnehmer auf 1000 Leute, die Polizei dagegen auf 500 Leute. Die Quelle ist also wichtig, um die Information einzuordnen.

Informationen bewerten
Oft bin ich an Schulen unterwegs und den Schülern wird immer noch beigebracht, wie sie an Informationen rankommen. Freunde, das ist zu meiner Schulzeit wichtig gewesen, denn Informationen waren damals Mangelware. Ich saugte Infos auf wie ein Schwamm. Die Welt hat sich aber geändert. Heute ist es meiner Meinung nach viel wichtiger geworden, Informationen zu bewerten. Woher und vom wem stammt die Information. Leider wird in Facebook oft nicht nach der Quelle gefragt, sondern wahllos geteilt. Die Folgen sind so Ausprägungen von Lügenpresse und Aluhut tragen. Also die Nennung der Quelle ist heute wichtiger denn je.

Ob in Blogs oder im klassischen Journalismus - der Umgang mit Quellen muss gelernt sein.

Ob in Blogs oder im klassischen Journalismus – der Umgang mit Quellen muss gelernt sein.

Bekenntnis zum Bloggerkodex
Nach dem Medienwandel schreibe ich immer weniger für Print. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Heute veröffentliche ich mehr und mehr im Internet. Und ich blogge. Dieser Artikel erscheint in meinem Hauptblog. Die sieben W-Fragen sind auch hier wichtig. Aber wir Blogger sollten uns bekennen. Und als Mitglied des Bloggerclubs bekenne ich mich ausdrücklich zu unserem Bloggerkodex. Der Bloggerkodex ist die gemeinsame Basis aller Mitglieder des Bloggerclub. Mit der Mitgliedschaft verpflichten sich die Mitglieder zur Einhaltung des Kodex.
Der Kodex dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs. Auch definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. Wörtlich heißt es: „Dieser Kodex beschreibt unser Selbstverständnis als Blogger in diesem Spannungsfeld und hat ebenso das Nutzerinteresse im Blick wie eine professionelle und transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Unternehmen und Organisationen. Diese Regeln gelten äquivalent auch für Social-Media-Kanäle.“
Der Kodex regelt Transparenz („Transparenz ist unser oberstes Gebot.“), Werbung („Wir kennzeichnen Werbung transparent und deutlich.“), Unterstützung („Wir informieren unsere Leser, wenn Inhalte mit einer Unterstützung entstanden sind.“), Verlosungen, Datenschutz und Sponsoring („Wir informieren unsere Nutzer transparent über Art und Umfang des Sponsorings, etwa den Namen des Sponsors und der Produkte oder konkrete Leistungen wie beispielsweise Hostingkosten oder Fahrzeugbereitstellung.)
Den genauen Wortlaut des Bloggerkodex gibt es hier.

Hier bei der Arbeit als Blogger mit Foodblogger Thomas Gerlach. Wir sind im Gespräch mit Sushi-Expertin Jasmin Voit in der Goldenen Traube in Coburg.

Hier bei der Arbeit als Blogger mit Foodblogger Thomas Gerlach. Wir sind im Gespräch mit Sushi-Expertin Jasmin Voit in der Goldenen Traube in Coburg.

Unter ein, zwei und drei
Mit Erschrecken stelle ich fest, dass Kollegen die Aussprüche unter eins, unter zwei, unter drei nicht mehr kennen. Dabei ist es ganz wichtig, die Quellen im Journalismus zu kennzeichnen.
Unter eins bedeutet: Die Information darf bei direkter Nennung des Urhebers wörtlich wiedergegeben werden: „Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: ‚Im Hinblick auf die Verschuldung des Freistaates …‘“ Ich darf als Journalist oder Blogger den Seehofer als Quelle direkt nennen.
Unter zwei bedeutet: Die Information und das Umfeld der Quelle dürfen zwar wiedergegeben, aber nicht direkt zitiert werden: „Wie aus Kreisen der CSU zu erfahren war, hat der Finanzminister angesichts der aktuellen Entwicklungen …“
Unter drei bedeutet: Die Information darf nicht öffentlich verwertet werden. Der Journalist/Blogger hat sie ausschließlich für seinen eigenen Hintergrund erhalten.
Übrigens: Eine rechtliche Möglichkeit zur Durchsetzung dieser ungeschriebenen Regel gibt es nicht.

Folter in Bayreuth: Die Sache mit den Stühlen

9. August 2015
Einmal im Jahr: Bayreuther Festspiele

Einmal im Jahr: Bayreuther Festspiele

Einmal im Jahr pilgere ich nach Bayreuth, um Richard Wagner zu genießen. Dieses Mal bekam ich Karten für Siegfried. Die Inszenierung von Frank Castorf fand ich wie das Jahr zuvor die Götterdämmerung grausam, aber die Musik war wieder wunderbar.

Ein Konzertsaal aus Holz - und die Stühle freilich auch.

Ein Konzertsaal aus Holz – und die Stühle freilich auch.

Natürlich steht die Musik von Wagner im Mittelpunkt. Gesellschaftlich ging es dieses Jahr eher um Stühle. Bei der Premiere ging das Gerücht, Bundeskanzlerin Angela Merkel sei vom Stuhl gefallen. Später kam die Entwarnung, nicht die Kanzlerin sei eingebrochen, vielmehr der Stuhl, auf den sie Platz nehmen wollte. Irgendwie verständlich, wenn man die Restauration um das Festspielhaus anschaut. Es hat alles schon bessere Zeiten gesehen. Das Ambiente lebt vom Glanz vergangener Tage. Kein Wunder, dass der Stuhl von Angela Merkel zusammengebrochen ist. Von Horst Seehofer hörte man, dass er wegen eines Schwächeanfalls die Festspiele verlassen musste. Ich hoffe, es lag bei ihm nicht am Stuhl, an dem Markus Söder sägt.


Naja, die Stühle in Bayreuth sind schon so eine Sache. In einem Restaurant muss man den Stuhl samt Tisch vorbestellen, um etwas zu essen zu bekommen. Im anderen Restaurant drängt sich eine Mensa-Atmosphäre auf. Nicht gerade Orte, bei denen man ein Bühnenweihespiel genießen will.

IMG_3466Ich nahm ein wenig im Park unterhalb des Festspielhauses auf einer Bank Platz. Vor einem Denkmal von Franz Liszt ließ sich entspannen und über die Musik nachdenken. Wir Wagnerianer wissen ja, Wagner hatte 1865 etwas Liszts Tochter Cosima angefangen, wovon der Vater nicht begeistert war. Franz Liszt ist übrigens auch auf dem Bayreuther Stadtfriedhof begraben. Der Besuch des Grabes ist empfehlenswert.

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Dieses Jahr waren die Stühle im Festspielhaus für mich eine Qual. Bisher hatte ich es immer gut ausgehalten, aber dieses Mal tat mir einfach nur der Rücken weh. Ich bin zwar immer wieder fasziniert von dem 1974 Plätze fassenden Zuschauerraum. Er ist schlicht eingerichtet und besteht aus gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Die Akustik in dem Konzertsaal aus Holz ist genial.


Die hartem Holzklappstühle wie in alten Kinos soll eine Idee von Wagner selbst gewesen sein. Kein Zuschauer sollte einschlafen, denn bequem sind die Holzteile wirklich nicht und die Reihen sind eng, also ist mit Beine ausstrecken auch nicht viel her. Siegfried dauerte von 16 bis 22 Uhr mit zwei Pausen, da kann das Sitzen zur Folter werden. Die Pausen sind dringend nötig, um sich zu strecken und spazieren zu gehen. Drei Plätze nehmen mir saß ein äußerst korpulenter Herr, der ist schlichtweg bei Siegfried gestorben.

Dieser arme Mann tat mir echt leid.

Dieser arme Mann tat mir echt leid.

Einige Besucher haben ein Sitzkissen dabei und auch eine Marktlücke für Kissen hat sich aufgetan, dass die findige Unternehmerin Stephanie von Keller die Festspieltasche erfand. Die Festspieltasche ist eine Tasche zum Sitzen und ein Kissen als Tasche. Ich habe darüber gebloggt.

Wer hat die Macht im Land? – Lobbyradar bringt Transparenz

19. Mai 2015
Der Lobbyradar auf der rp15

Der Lobbyradar auf der rp15

Welcher Politiker hat eigentlich Nebeneinkünfte in welcher Höhe und wo treffen die Lobbyisten auf die Entscheider? Auf der re:publica 2015 zeigte an einem Stand das ZDF der Internetgemeinde den Lobbyradar. Der Lobbyradar ist eine Website und ein Browser-Plugin, die den User interessante Infos aus öffentlichen Datenbanken liefert und grafisch aufbereitet.

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Einmal installiert, erkennt das Lobbyradar-Plugin für alle relevanten Browser (Firefox, Chrome und Safari) alle Personen und Organisationen der ZDF-Lobbydatenbank in den Texten. Die gefundenen Personen oder Organisationen werden markiert. Und wenn der User mit der Maus über die Namen fährt, zeigt Lobbyradar, welche Verbindungen und Informationen in der ZDF-Datenbank zu finden sind. Manche Nachricht und Geschichte wird so in einen völlig neuen Kontext gesetzt. Einfach ausprobiert in der politischen Berichterstattung will ich als Journalist den Lobbyradar nicht mehr missen. Beim Ausprobieren war ich begeistert, wie gut der Lobbyradar funktioniert. Allerdings gibt es noch viele, viele Lücken und dann jetzt ist die Commnunity gefragt.

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In Berlin gibt es über 600 Bundestagsabgeordnete und fast zehnmal so viele Lobbyisten. In Deutschland sind es noch viel mehr und in Brüssel sind noch viel, viel mehr unterwegs. So mancher behauptet, dass diese Lobbyisten die wahren Strippenzieher in unserer Republik sind.

Die Spenden von Markus Söder an die CSU

Die Spenden von Markus Söder an die CSU

Es ist bemerkenswert, welche Daten in öffentlichen Datenbanken vorhanden sind. Das ZDF hat diese Datenbanken miteinander kombiniert und ein politisch interessantes Instrument mit diesem Lobbyradar geschaffen. Bei Politikern wird angezeigt, welches Amt sie haben, welche Parteispenden es von ihm gibt und welche Tätigkeiten sie neben dem Bundestagsmandat sie ausüben.
Beim Ausprobieren gab es ein bemerkenswertes Ergebnis.

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Ich fand es interessant, dass der bayerische Finanzminister Markus Söder mehr Geld an seine Partei spendete als CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Parteikollegin und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Warum eigentlich? Wäre mal eine interessante Geschichte für die politischen Journalisten.

Und die Spenden von Ilse Aigner an die CSU.

Und die Spenden von Ilse Aigner an die CSU.

User haben zudem die Möglichkeit, die ZDF-Datenbank mit weiteren Daten zu füttern, um weiter Transparenz ins Lobbywesen zu bringen. Das ist dringend notwendig, um den Lobbyradar weiter zu pflegen. Per Mail können weitere Verbindungen gemeldet werden. Das Angebot wurde als Open Source erstellt und kann von jedem eingesehen und weiterentwickelt werden. Also auf gehts.

Kalender zeigt Bayerns Schönheit – Jahreskalender 1

26. Dezember 2014

Bayern_Kalender

Bayern ist ein schönes Land – das ist keine Neuigkeit. Touristisch ist der Freistaat Bayern eindrucksvoll mit seinen verschiedenen Kulturen. Bei einem Seminar für die bayerische Staatskanzlei bekam ich ein besonderes Geschenk. Es erinnerte mich wieder einmal daran, wie schön meine Heimat ist.
Das Besondere dieses Kalenders ist: Die Mitarbeiter der Staatskanzlei haben an einem internen Wettbewerb teilgenommen und konnten Bilder aus den verschiedenen Bezirken einreichen. Und die Aufnahmen sind schön geworden, sehr schön. Zudem hat Ministerpräsident Horst Seehofer ein kleines Vorwort geschrieben, bzw. schreiben lassen. Mir gefällt der Kalender, der etwas besonderes ist – er ist auch besonders verpackt. In einem Video lasse ich euch an diesem Kalender teilhaben.


Produziert und gedruckt wurde der Kalender von der JVA Landsberg am Lech, eine weitere Konkurrenz zu den klassischen Druckereien, die derzeit den Bach heruntergehen.
Als Motive sind zu sehen: Zugspitze, Iffeldorf, Gabriele Münter-Haus (Murnau), Parktheater Göppingen, Waldsassen, Herzog Albrecht Brunnen aus Coburg, Zell am Main, Narrentreppe der Burg Trausnitz Landshut, Nürnberg, Tegernsee, Berchtesgaden (Watzmann), Kloster Andechs.

Social Media: Live dabei beim politischen Aschermittwoch

23. Februar 2012
Live Streaming vom politischen Aschermittwoch von CSU und SPD.

Live Streaming vom politischen Aschermittwoch von CSU und SPD.

Als Journalist bin ich interessiert, was am politischen Aschermittwoch in Bayern gesagt wird. Nächstes Jahr ist bei uns Landtagswahl und es wird spannend. Herausforderer Christian Ude tritt gegen Amtsinhaber Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident an. Als Unterhaltung, nicht als Information, dienen dabei die Auftritte der Spitzenpolitiker bei den jeweiligen politischen Aschermittwochsveranstaltungen in Passau (CSU) und Vilshofen (SPD). Es sind Stammtischreden, nichts weiter.

Dieses Jahr musste ich mir nicht überlegen, welche Rede ich live vor Ort verfolgen sollte. Den angriffslustigen Ude oder den wortgewaltigen Stoiber? Nix da, ich blieb einfach zu Hause. Ich saß beim Frühstück und verfolgte die Reden via Livestream am iPad und am MacBook Air. Ich checke die Meinungen, Stimmungen via Facebook und Twitter. Die Twitter-Hashtags waren #spdam12 und #csuam12. Ich sah mir die geposteten Schnappschüsse und Clips an. Ich diskutierte beim Live-Chat in Facebook. Dank Technik war ich live an meinen Devices dabei. So stelle ich mir den Einsatz von Social Media vor.

In klassischen Massenmedien wie Fernsehen schaute ich auch kurz rein. Aber nur kurz, denn ich musste das Gequatsche der Kollegen anhören. Der Phoenix-Kommentator beim Aschermittwoch der CSU: „Es ist ja nicht ungewöhnlich in Bayern, morgens oder vormittags ein Bier zu trinken. Dementsprechend ist die Stimmung.“ Danke für diesen Beitrag in Sachen Qualitätsjournalismus.

Upps, Ministerpräsident Seehofer spricht aus einer rosa (Boxen-)Sau.

Upps, Ministerpräsident Seehofer spricht aus einer rosa (Boxen-)Sau.

Langsam, ganz langsam verstehen die politischen Parteien CSU und SPD die Macht von Social Media. Hier können Parteien selbst senden. Sie brauchen keine Journalisten als Filter, sondern sind selbst Sender. Sie nutzen durch Social Media ein neues Massenmedium. Aber noch haben es die Parteimitglieder und Mandatsträger in der Masse nicht verstanden. Funktionen wie Retweet bei Twitter oder Teilen bei Facebook werden nicht intensiv genutzt, um Botschaften zu verbreiten. Beim Fußvolk klappt es in Ansätzen. Aber ich hätte eigentlich erwartet, dass mehr Abgeordnete aus Land, Bund oder Europa die Chancen nutzen, um ein digitales Profil zu gewinnen. Es reicht nicht nur aus, in Passau oder in Vilshofen beim Stammtisch dem Nachbarn zu zuprosten. Bitte auch virtuell die digitalen Nachbarn daran teilhaben lassen. Aber wir haben ja noch den politischen Aschermittwoch 2013.

Kommunikationsdesaster um Wutbürger und Startbahn21

1. August 2011

Ich habe noch keine Meinung über die mögliche dritte Startbahn in München. Im Moment sammele ich die Argumente und bewerte sie, aber eine Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Als Kommunikationsheini wie ich einer bin, ist das Ereignis aber super interessant: Droht dem Freistaat Bayern eine Startbahn21-Diskussion? Wird es ein heißer Sommer und Herbst, wie von den Gegner der dritten Startbahn angekündigt?

Im Moment wird Druck noch über die traditionellen Medien aufgebaut: Aktion, Gegenreaktion. Das Web spielt nur bedingt eine Rolle. Die Website der Gegner ist grottenschlecht und die Social Media-Strategien beider Seiten sind kaum vorhanden.

Allerdings werden schon jetzt erste strategische Fehler von Seiten der Gegner gemacht, in den Medien schon verächtlich „Wutbürger“ genannt. Ministerpräsident Horst Seehofer bat die Gegner zu einem Gespräch in die Staatskanzlei, was aber ablehnt wurde. Ein Gespräch ablehnen, kommt in einer Demokratie nicht gut an. Die eine Seite signalisiert Gesprächsbereitschaft, die andere Seite bockt – wer geht in der Kommunikation da als Sieger hervor?

Als nächstes kam eine Demo vor der CSU-Parteizentrale. Erschienen sind rund 250 Demonstranten. Sie schwenkten Plakate mit Aufschriften wie „Eich hau ma zum Deifi“. Dialekt – das kommt gut in der Kommunikation – wirkt immer schön authentisch. Immer wieder wurde „Lügenpack“ in Richtung CSU gerufen. Dann uferte die Demo aus und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wurde mit einem Tomate/Ei drangsaliert. Und damit sorgten die Wutbürger dafür, dass der Öffentlichkeit der CSU-Mann Dobrindt leid tut. Ein schwerer Fehler in der Kommunikation. Die klassischen Massenmedien berichteten mehr über Tomate/Ei als über die Anliegen der Startbahngegner.

Im Moment ist die Startbahn21 noch kein Stuttgart21, aber Horst Seehofer hat von dem Kommunikationsdesaster seines CDU-Kollegen Stefan Mappus gelernt und gleichzeitig ist es sein Trauma. Ich habe mal eine Facebook-Seite mit dem Namen Aufgemuckt gegründet und sammle dort Veröffentlichungen in den Medien. Mal sehen, wie es weitergeht.

Klaus Kreuzeder eröffnet die IHM (musikalisch)

19. März 2011

Musik gehört heute zu einer Ausstellungs- oder Messeeröffnung einfach dazu. So auch vor kurzem bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse. Musikalischer Gast war dieses Mal Klaus Kreuzeder. Der an Polio seit seiner Kindheit erkrankte Musiker aus Franken gilt als Jazz-Profi der Extraklasse. Er spielte mit den Größen der Branche. Auf der Eröffnung der IHM spielte der Rollstuhlfahrer drei Stücke und kam bei dem zumeist konservativen Publikum gut an. Und mir hat es auch gefallen und daher habe ich die Auftritte einfach mal mitgeschnitten.

Kreuzeder war sicher das Highlight bei der IHM-Eröffnung. Sowohl Ministerpräsident Horst Seehofer als auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle haben wegen den Ereignissen in Japan abgesagt. Egal, Kreuzeder alleine war die Reise auf jeden Fall Wert.