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Neue Arbeitswelten sind gar nicht so modern

27. März 2017
Nur mit WLAN kann ich richtig arbeiten.

Nur mit WLAN kann ich richtig arbeiten.

Mit Schülern zu arbeiten ist für mich eine enorme Bereicherung. Dies zeigt die Wortmeldung in einem meiner Seminar, die mich nachdenken ließ. Dabei ging es um Arbeitswelten und Digitalisierung.

Die Digitalisierung verändert unsere Welt. Die CeBit zeigte es wieder im Großen. Der Präsident der Bitkom Thorsten Dirks drückte es vortrefflich aus. „Als würden Feuer & Rad, Buchdruck & Webstuhl, Dampfmaschine & Ottomotor gleichzeitig erfunden.“ Gut gebrüllt Löwe und richtig gebrüllt. Die Digitalisierung kommt – wir sehen die digitale Welle am Horizont. Die Digitalisierung wird unsere Welt komplett verändern und wir müssen diese Herausforderung annehmen. Unsere alte Verhaltensweise, den Kopf in den Sand zu stecken, wird nicht funktionieren.

Unterwegs arbeiten
Als digitaler Nomade bin ich extrem viel unterwegs in Deutschland. Ob in der Deutschen Bahn, im Flugzeug, im Bahnhof, Café oder Hotelzimmer – ich versuche dort zu arbeiten, wo ich gerade bin. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Deutsche Bahn für das WLAN im ICE. Der Anfang ist gemacht. Arbeiten unterwegs verlangt eine gewisse Disziplin, die ich als Selbstständiger auch erst lernen musste. Ich war zuvor fest angestellt mit einem festen Arbeitsplatz. Jetzt bin ich selbstständig und unterwegs. Leistungsstarkes WLAN ist dabei Voraussetzung zum Arbeiten, damit ich meine Cloud-Dienste erreichen kann: Google Drive, Amazon Drive, Powerfolder, WordPress – um nur einige zu nennen. Mein mobiles Arbeitsgerät ist in der Regel ein iPad Pro samt Tastatur.

Im Arbeitszimmer arbeiten
Zu Hause steht der unter anderem ein MacBook Pro im Arbeitszimmer. Ja, ich habe auch ein Arbeitszimmer und einen festen Arbeitsplatz, der ein bisschen aussieht wie ein Cockpit. Es gibt vier, fünf Monitore, mehrere Rechner, Tastaturen und viel viel Firlefanz drumherum. Ich bin dort mit Nippes, persönlichen Erinnerungen wie Familienfotos, Legofiguren, Kunst umgeben. Hinter mir hängen Erinnerungsfotos mit mehr oder weniger berühmten Leuten zum Angeben. Ich fühle mich wohl an diesem Arbeitsplatz mit all seinen Ablenkungen. Aber arbeite ich hier effektiv oder werde ich abgelenkt?

So sieht das Arbeitszimmer aus.

So sieht das Arbeitszimmer aus.

Vertrauensarbeitsort bei Microsoft
Im Herbst 2016 durfte ich die neue Microsoft-Zentrale in München besuchen und habe darüber gebloggt.. Aber es ist nicht nur ein neues Bürogebäude, was auf die Mircosoft-Mitarbeiter zukommt, es ist auch eine neue Arbeitsweise. Microsoft hat die Anwesenheitspflicht mit den Betriebsvereinbarungen zur Vertrauensarbeitszeit (seit 1998) und dem Vertrauensarbeitsort (2014) abgeschafft. Nach Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsplatz kommt nun eine neue Arbeitsumgebung auf die 1900 Angestellten des Konzerns zu. Es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr. Der Mitarbeiter kommt am Morgen, setzt sich an irgendeinen Platz und abends verlässt er diesen wieder und räumt seinen Schreibtisch leer. Clean Desk-Policy lautet die Devise, schönes Wort Clean Desk-Policy. Ich möchte mal bei MS vorbeischauen und von den Erfahrungen hören.

Schüler platzt der Kragen
Im Grunde ist meine Arbeitsweise als digitaler Nomade ähnlich. Ich arbeite überall. Bei einem Seminar stellte ich diese Form der Digitalisierung zur Diskussion. Die meisten der Seminarteilnehmer in diesem Seminar wenden sich gegen diesen mobilen Arbeitsplatz. Sie konnten mit der Einstellung eines digitalen Nomaden oder Arbeiten bei Microsoft wenig anfangen.
Dann wurde es interessant: In dem Seminar saßen Schüler, die die Diskussion verfolgten. Sie rutschen unruhig auf ihren Stühlen umher bis ihnen der Kragen platze. Sie melden sich mit den Worten: „Was soll diese ganze Diskussion? Wir als Schülerinnen und Schüler sind es gewohnt alle 45 Minuten unseren Arbeitsplatz zu wechseln. Und ihr jammert so herum, aber uns Schülern mutet ihr es zu! Studenten arbeiten übrigens ebenso.“ Und dann ging die Post im Seminar ab.
Ich fand die Meinung der Schüler interessant und diskutierte es mit meinen Kindern K1/2 intensiv. Meine Kinder sagten, dass sie Tag für Tag in verschiedenen Räumen unterwegs sind: Kunstraum, Musiksaal, unterschiedliche Klassenzimmer, Physiksaal, Chemielabor, Sporthalle, EDV-Raum und mehr. Meine Kinder haben ihr Arbeitsmaterial immer dabei – im Schulranzen. Während ich mein leichtes iPad Pro dabei habe, müssen meine Kinder schwere Schulbücher schleppen. Was mein Apple Pencil ist, ist bei meinen Kindern der Füller und die Stifte im Federmäppchen. Was bei mir meine stylische Umhängetasche ist, ist bei meinen Kindern der nicht so stylische Schulranzen. Im Grunde sind meine Kinder eine alte Form von digitalen Nomaden, nur leider mit den Werkzeugen von gestern.

 

Mobiles Internet am Arbeitsplatz – eine Herausforderung?

31. Mai 2013

Ich kenne zahlreiche Unternehmen, die Surfen im Netz während der Bürozeiten einschränken. Ich kenne auch Unternehmen, die viele Seiten wie YouTube oder Facebook gesperrt haben. Und ich kenne Unternehmen, die Seiten gesperrt haben, aber der Chef dann die Sekretärin fragt, ob sie nicht mal schnell an ihrem iPad auf einer gesperrten Seite ein Video ansehen kann. Das ist Realität in Deutschland.

Hier kommt eine Studie von Virtualisierungs- und Cloud-Spezialist VMware genau recht. Sie zeigt, unter welchem Druck europäische Unternehmen in Bezug auf die Bereitstellung mobiler Endgeräte und Applikationen am Arbeitsplatz stehen. Deutsche Unternehmen bilden dabei keine Ausnahme: Die Mehrheit (67 Prozent) der deutschen Büroangestellten glaubt nicht, dass ihr Unternehmen ihnen die nötigen mobilen Geräte für produktives und flexibles Arbeiten von unterwegs (68 Prozent) bereitstellt. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Angestellten würde erwägen, den Arbeitsplatz zu wechseln, wenn sie ihre mobilen Endgeräte nicht für die Arbeit nutzen dürften. Warum tun sie es dann eigentlich nicht?

Ob sich dieser Besucher der re_publica für einen Arbeitsplatz ohne mobiles Internet entscheidet?

Ob sich dieser Besucher der re_publica für einen Arbeitsplatz ohne mobiles Internet entscheidet?

Vanson Bourne führte die von VMware in Auftrag gegebene Studie durch. Das Ergebnis: IT-Abteilungen werden gegenwärtig den Anforderungen der Mitarbeiter nicht gerecht. Fast die Hälfte der IT-Entscheider in Deutschland (45 Prozent) räumte ein, dass ihre Abteilung den Bedarf der Mitarbeiter im ganzen Unternehmen an mobilen Geräten nicht decken kann.

Erfreulich ist, dass Unternehmen den positiven Einfluss von Bring Your Own Device (BYOD)-Richtlinien hinsichtlich Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit anerkennen und aktiv werden. Mehr als drei Viertel (80 Prozent) der IT-Entscheider gaben an, BYOD bereits einzusetzen oder demnächst einführen zu wollen. 22 Prozent der Befragten nutzen BYOD, um Talente anzuwerben bzw. sie im Unternehmen zu halten. Außerdem sagte mehr als ein Drittel (68 Prozent) der befragten IT-Leiter, dass sie im Jahr 2013 Strategien und Richtlinien entwickeln, damit mobiles und vom Arbeitsplatz losgelöstes Arbeiten nicht mehr als Ausnahme gilt, sondern zum Standard wird. Fast die Hälfte (44 Prozent) der befragten Unternehmen in Deutschland haben BYOD-Richtlinien bereits umgesetzt. Damit sind sie führend im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in denen im Durchschnitt nur ein Drittel (29 Prozent) solche Richtlinien verfolgt.

„Das ist der Beweis für eine Revolution aus gutem Grund. Die neue Generation der Mitarbeiter nutzt mobile Geräte zu ihrem Vorteil: um effizienter und produktiver arbeiten zu können“, erklärt Jörg Hesske, Country Manager VMware Deutschland. „Viele Unternehmen müssen hier noch aufholen: Werden Mitarbeiter nicht mit den nötigen mobilen Arbeitsgeräten versorgt, werden sie selbst die Initiative ergreifen und den Wandel herbeiführen. Zukunftsorientierte Unternehmen erkennen diesen Trend und setzen auf offiziell genehmigte mobile Arbeitsrichtlinien; nicht zuletzt um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Die Untersuchung beleuchtet außerdem die Sicherheitsrisiken, welche die IT-Abteilungen erwarten, wenn sie sich nicht mit dem Thema BYOD befassen. Beinahe zwei Drittel (61 Prozent) der IT-Verantwortlichen glauben, dass Unternehmensinformationen auf privaten Geräten gespeichert werden. Die Hälfte (50 Prozent) von ihnen vermutet , dass es sich dabei um sensible Geschäftsinformationen handelt. Der Verdacht ist durchaus berechtigt: Nur ein Drittel (33 Prozent) der befragten Angestellten war überzeugt, dass die Daten, die sie auf ihren privaten Geräten speichern, nicht geschäftskritisch sind. Das bedeutet im Umkehrschluss dass die große Mehrheit in dieser Frage unsicher ist. Nur 23 Prozent der deutschen Arbeitnehmer würden jedoch so weit gehen, ein Verbot der IT-Abteilung von mobilen Geräten und Applikationen zu umgehen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Im Vergleich dazu liegt der europäische Durchschnitt bei 32 Prozent.

 

Weitere Ergebnisse treffen unter anderem Cloud Dienste:

Fast zwei Drittel der Büroangestellten (62 Prozent) sind sich bewusst , dass die Speicherung von Unternehmensdaten bei kostenlosen Internet-Hosting-Diensten, Auswirkungen auf die Sicherheit haben kann, aber über ein Viertel (26 Prozent) hat trotzdem bereits Unternehmensdokumente auf solche Seiten hochgeladen.

IT-Entscheidern zufolge sind sich mehr als ein Drittel (39 Prozent) der oberen Führungsebene des Problems sensibler Unternehmensdaten auf mobilen Endgeräten der Mitarbeiter bewusst, machen sich jedoch keine Sorgen darüber oder räumen dem Thema keine Priorität ein. Das größte Desinteresse der Führungsebene an diesem Thema herrscht in Italien (70 Prozent). Solch eine ignorante Haltung kann allerdings Rufschädigung oder Missbrauch von Kundendaten und anderer geschützter Informationen zur Folge haben.

Die überwältigende Mehrheit der Büroangestellten (80 Prozent), die von ihrem persönlichen Endgerät auf Unternehmensdaten zugreifen, gab an, keine Richtlinien von ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung erhalten zu haben. Die meisten Freiheiten räumen Manager in den Niederlanden ihren Angestellten ein: 91 Prozent der Mitarbeiter wurden diesbezüglich nicht instruiert.

Die fünf häufigsten Anfragen der Angestellten an die IT-Entscheider zur Einbindung von mobilen Endgeräten und Applikationen für produktives und effektives Arbeiten waren:

  • 67 Prozent E-Mail-Zugriff vom mobilen Endgerä
  • 52 Prozent Unternehmens-Intranet
  • 44 Prozent VPN
  • 27 Prozent CRM-Applikationen
  • 16 Prozent Daten-Hosting

 

 

 

 

 

Neue Form des Ostermarsches

14. April 2009

ostern

Am Wochenende war die Resonanz sehr unterschiedlich auf die durchgeführten Ostermärsche. In den deutschen Großstädten war die Friedensbewegung eher in den Biergärten als auf der Straße zum Demonstrieren zu treffen. Ein paar Versprengte zogen mit dem Peace-Zeichen durch die Straßen. Einzig der Ostermarsch gegen das Bombodrom lockte Teilnehmer auf die Straßen. Ich denke, das Problem ist das fehlende Feindbild. Obama hat unbewusst der europäischen Friedensbewegung den Wind aus den Segeln geholt. Während seiner ersten Europareise verkündigte er in Prag, dass er sich eine Welt ohne Atomwaffen vorstellen könne. Warum soll ich da noch auf die Straße gehen, wenn der Oberbefehlshaber der größten Militärmacht ein Friedensbewegter ist? Da waren die 80iger Jahre doch ganz anders. Da gab es klare Feindbilder für die Ostermarschierer. Pershing II und Nato-Doppelbeschluss, Reagan und Afghanistan -Invasion, Lateinamerika und Südafrika, vielleicht auch noch Wackersdorf. Ich hab im Keller sogar noch einen Button des Ostermarsches von 1985 gefunden. Das Ding hing seit 24 Jahren an einer Jeansjacke im Keller (klar, man trug damals Jeans). Also, ein klares Feindbild muss wieder her, oder eine neue Art des Ostermarsches. Unter dem Motto „Eine Region steht auf“ probiertes es Gleichgesinnte in Alzenau. Mit einem Ostermarsch wollten die Beschäftigten der Firma Mahle die Geschäftsführung zum Umdenken bringen. Mit einem Ostermarsch haben Beschäftigte des Autozulieferers Mahle in Alzenau (Landkreis Aschaffenburg) gemeinsam mit Bewohnern der Region gegen die geplante Werksschließung protestiert. Hier geht es darum, nicht Abrüstung einzufordern, sondern es geht um die nackte Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Diese Angst ist viel realer als eine kriegerische Bedrohung.