Posts Tagged ‘Deutsche Botschaft’

Besetztes Lettland – freies Lettland

26. Januar 2020

 

Es ist eine bedrückende Geschichte, aber es ist auch eine Geschichte nach dem Ruf nach Freiheit. Die Geschichte des Baltikums ist eine Geschichte der Besatzungszeit von Deutschland und Russland. Bei meinem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga war es mir ein Anliegen, das lettische Okkupationsmuseum zu besuchen.

Im Moment ist das Museum in der ehemaligen amerikanischen Botschaft untergebracht. Das neue Okkupationsmuseum wird gerade gegenüber dem Rathaus und Schwarzhäupterhaus im Zentrum von Riga gebaut.

Das Okkupationsmuseum ist eines der größten privaten Museen in Lettland und wird von einer NGO geführt. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der 50 Jahre andauernden Besetzung Lettlands. Unter Ausnutzung des Hitler-Stalin-Paktes besetzte und annektierte die Sowjetunion Lettland am 17. Juni 1940. Ein Jahr später marschierte Nazi-Deutschland in die UDSSR ein und besetzte damit auch Lettland. Die sowjetischen Truppen eroberten zum Ende des Zweiten Weltkriegs das Land zurück und gliederten es gewaltsam in die UDSSR ein. Lettland verlor im Zweiten Weltkrieg ein Drittel seiner Einwohner, sei es im Kampf, sei es in Konzentrationslagern der Nazis, sei es im Gulag der Sowjets. Es folgte in der Nachkriegszeit Säuberungen unter Stalin und Verfolgungen.
Erst am 21. August 1991 wurde Lettland wieder ein unabhängiger Staat und ist heute Mitglied der Europäischen Union. Die Letten können endlich ihre Freiheit genießen.


Ich habe mehrere Stunden in dem Museum verbracht und auch den Museumsführer gekauft. Es gibt eine Ausgabe, die unser Reiseführer Maik Habermann ins Deutsche übersetzt hat. Ich kann dieses Buch ausdrücklich empfehlen. Es wurde von der Deutschen Botschaft finanziell gefördert, ist reich bebildert und schildert eindrucksvoll den Freiheitskampf des lettischen Volkes.

Was macht der Berliner Bär in lettischen Riga?

7. Januar 2020
Der Berliner Bär in Riga.

Der Berliner Bär in Riga.

Das Schwarzhäupterhaus auf dem Rathausplatz der lettischen Hauptstadt Riga wurde 1334 als das „Neue Haus der Großen Gilde“ erstmals urkundlich erwähnt. Aber das alte Haus bekommt Konkurrenz, zumindest wenn es um ein junges Publikum geht. Seit kurzem steht vor dem Haus eine weitere Attraktion: Ein Berliner Bär.


Die Deutsche Botschaft brachte die Berliner Bären nach Riga. Auf den Domplatz wurden insgesamt 149 „United Buddy Bears“ im August 2018 ausgestellt. Damit würdigte Deutschland das 100jährige Jubiläum der lettischen Staatsgründung. Gerade gegenüber den baltischen Staaten hat Deutschland eine besondere Verantwortung. Lange Zeit war Lettland deutsch und nach der Unabhängigkeit 1918 kam es später zum Hitler-Stalin-Pakt und die junge Nation wurde besetzt. Erst 1991 wurde Lettland wieder selbstständig. Die „United Buddy Bears“ setzten mit ihren Ausstellungen ein Zeichen für Toleranz und internationale Völkerverständigung. Bei der Abreise der Bären ist wohl ein 50 Kilogramm schwerer Bär in Riga geblieben. Er wurde von einer siebenjährigen lettischen Schülerin bemalt. Er zeigt am Bauch ein Herz auf dem der berühmte Hahn zu sehen ist, der auf dem Dom zu Riga angebracht ist. Der Berliner Bär steht jetzt vor dem Schwarzhäupterhaus.

Der Bär trägt den Hahn auf seiner Brust.

Der Bär trägt den Hahn auf seiner Brust.

Ich mag den Berliner Bären in Riga – und die Kinder mögen ihn auch – sowie Doris, die Betreiberin des Blogs über Hahnologie.

Wie ein Deutscher den arabischen Frühling erlebte

11. August 2014

Wie erlebte man als Deutscher den arabischen Frühling? In einem meiner Seminare traf ich jemanden, der die Revolution hautnah in Ägypten erlebt hat. Es handelt sich um den deutschen Lehrer Dr. Günter Förschner. Er war acht Jahre mit Frau und Tochter in Alexandria und unterrichtete an der deutschen Schule.

Im Interview mit mir sprach er über seine Erlebnisse, als der arabische Frühling begann. Seine Wohnung wurde von einer Art Bürgerwehr geschützt, weil sich Polizei und Militär aufgelöst hatten. Förschner bekam es mit der Angst zu tun und wollte mit seiner Familie das Land verlassen. Die Deutsche Botschaft in Kairo zeigte sich nicht besonders kooperativ und dennoch gelang der deutschen Familie nach Druck über die Medien die Ausreise. Hier seine Geschichte:

“Mich hat die Revolution enorm überrascht”, gestand Förschner im Interview mit mir. Er empfand eine Revolution im Land am Nil für undenkbar, weil der Geheimdienst von Mubarak alle Teile der Gesellschaft durchdrungen hatte. “Alle Bereiche des Alltags waren überwacht.”

Förschner hatte Angst, als die Revolution losbrach. Er war in Alexandria mit seiner Frau und seiner zehnjährigen Tochter und empfand das Treiben auf den Straßen als “existenzielle Bedrohung.” Seine Wohnung befand sich im Erdgeschoss. Dabei hatte er nicht Angst vor den Revolutionären, sondern von den umherziehenden Kriminellen, die das Machtvakuum ausgenutzt haben, um zu plündern und zu rauben. “Es gab keine Polizei mehr” und Familie Förschner hatte Angst vor der Anarchie. Bewaffnete Bürgerwehren schützten das Eigentum. “Wir sind mit dem Schrecken davon gekommen”, so berichtete der Lehrer weiter.

Enttäuscht zeigte sich Günter Förschner über die Reaktion des deutschen Äuswärtigen Amtes. “Wir wurden aufgefordert zu bleiben”, so die überraschende Aussage. Zunächst hatte die Botschaft keine Pläne für eine Evakuierung. “Wir sollten das Ganze durchstehen, aber das war für uns keine Option.” Die Botschaft habe seinen Wunsch nach Ausreise kategorisch abgeblockt. Das änderte sich erst, als Günter Förschner die Medien einschaltete und ein Telefoninterview mit den Tagesthemen geführt hatte. Dann kam Bewegung in die Sache. Der Mediendruck auf die bundesdeutsche Regierung wuchs massiv an. Noch dazu hatte die Botschaft in Kairo ihre Leute bereits evakuiert.

Erste Vorschläge der Deutschen Botschaft waren katastrophal. Die Leute aus Alexandria sollten mit einem ungeschützten Bus durchs Niemandsland nach Kairo fahen. Der Bus wurde kam auf gesperrter Autobahn zum Stehen, Autos wurden überfallen und die Gruppe mit kleinen Kindern kehrte traumatisiert um und flüchtete in die deutsche Schule. Förschner machte weiteren Druck über die Medien, um eine akzeptable Lösung zu erreichen. “Priorität hat die persönliche Sicherheit”, berichtete Förschner weiter. Die Familie konnte eine Tasche mitnehmen und packte darin die wichtigsten Unterlagen. “In diesem Moment waren materielle Dinge nicht wichtig, wir wollten in diesem Moment nur in Sicherheit kommen.”

Die Ausreise dann war organisiert, “nahezu deutsch”. Alle Deutschen der Stadt wurden erfasst, Busse organisiert und dann brach der Konvoi ohne militärischen Schutz zum Flughafen Alexandria auf. Dort stieg die Gruppe in eine Maschine von Air Berlin.

Soziale Netzwerke spielten im arabischen Frühling eine große Rolle. Das Vernetzen der Opposition bekam Förschner zunächst nicht mit. Als dann die Regierung Mubarak die Kommunikationswege von Internet und Handy lahm legte, begann der Sturm. “Das Internet hat für einen enormen Schub gesorgt, dass sich die Opposition organisieren konnte.”