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Blogger müssen zur Marke passen – Über das Verhältnis Blogger und Agenturen

24. September 2018
Auch Blogger unterstützten Aktionen zur Pressefreiheit wie hier in Berlin auf einem Straßenschild, denn Blogger sind Teil der Medienlandschaft.

Auch Blogger unterstützten Aktionen zur Pressefreiheit wie hier in Berlin auf einem Straßenschild, denn Blogger sind Teil der Medienlandschaft.

Ein gängiges Vorurteil von Journalisten ist: Blogger wollen doch nur etwas bei Unternehmen abgreifen und haben mit richtigem Journalismus nichts am Hut. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen und haben bei verschiedenen Agenturen nachgefragt. Werden Blogger von Agenturen eigentlich ernst genommen? 

Natürlich ist nicht jeder Blogger ein Journalist und manche wollen es auch bewusst nicht sein. Unsere Medienwelt befindet sich in einem Umbruch und klassische Berufsbilder verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung. Ein einzelner, gut vernetzter Blogger kann heute viel bewirken und durch geschicktes Nutzen von sozialen Netzwerken kann er seine Botschaft skalieren und sich in der medialen Welt behaupten. Dabei müssen Blogs nicht nur die Kombination von Text/Fotos sein, sondern gerade auf der Bewegtbildplattform YouTube lassen sich enorme Reichweite und Resonanzen generieren. 

Agenturen nutzen die Macht von Bloggern und arbeiten mit ihnen zusammen. Die Kommunikation hat sich von einer Einbahnstraße in einen Dialog durch Social Media verändert. Facebook, Twitter & Co sind nicht nur weitere Kanäle, sondern haben die Art der bisherigen Kommunikation in Massenmedien auf den Kopf gestellt. Empfehlungsmarketing ist heute wichtiger denn je. Wenn meine Freunde oder Bekannten etwas empfehlen, ist es glaubwürdiger für mich als wenn eine klassische Anzeige oder ein klassischer Artikel erscheint. Das gilt auch bei Blogs hinter denen ein Mensch steht. 

Zudem nutzen Blogs die Möglichkeit des langen Schwanzes, des Long Tails. Long Tail ist eine Theorie, die der ehemalige Chefredakteur des Wired Magazine Chris Anderson 2004 vorstellte, nach der ein Anbieter im Internet durch eine große Anzahl an Nischenprodukten Gewinn machen kann. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit der Verkaufsgrafik mit einem langen Schwanz ab. Nischenprodukte wie Blogs sind auf Dauer erfolgreicher als wenige Bestseller.

Auf dem konventionellen Markt sind die Kosten, um Nischen anzubieten, zu hoch, denn in einem geografisch begrenzten Gebiet sind zu wenig Käufer dafür vorhanden. Der Regalmeter im Laden kostet einfach zu viel Miete. Diese geografischen Beschränkungen gibt es im Internet nicht. Angebot und Nachfrage können sich hier auf einer virtuellen Ebene treffen. Indem die Produktionsmittel jedermann zu Verfügung gestellt werden, kann auch jeder etwas herstellen. Die Radio-Theorie von Brecht ist Wirklichkeit geworden. Blogger haben eine Demokratisierung der Produktionsmittel erkannt und nutzen sie. 

Und genau hier werden die Blogger für Agenturen interessant. Aber man muss genau hinsehen, denn Agentur ist nicht Agentur.  

Inklusion braucht Innovation: “Neue Nähe”-Hackathon von Aktion Mensch und Microsoft - eingeladen hatte dazu Faktor3 auch Blogger.

Inklusion braucht Innovation: “Neue Nähe”-Hackathon von Aktion Mensch und Microsoft – eingeladen hatte dazu Faktor3 auch Blogger.

Thomas Hahnel ist Geschäftsführer der Münchner B2B-Agentur Lucy Turpin-Hedinger Communications GmbH. „Im B2B-Umfeld spielen klassische Blogger eher eine untergeordnete Rolle, das war schon vor ein paar Jahren so und hat sich nicht geändert, eher sogar abgenommen. Ausnahmen bestätigen die Regel, natürlich gibt es gute Blogs, die fast schon Themenportale sind und auch manche Redakteure von Fachmagazinen bloggen. Die Bedeutung für die Branche sehe ich aber nicht als derart meinungsbildend an, wie bei den Endconsumern. Der Vollständigkeit halber sollte man noch erwähnen, dass so manches Unternehmen selbst gute Blogs zu bieten hat, die wiederum durchaus Gewicht haben können. Für die Kommunikation in der Branche sind es Influencer, die eine große Rolle spielen. Die haben manchmal gar keinen klassischen Blog. Sie sind evtl. nur auf Twitter, Facebook oder mit Videos unterwegs.“

In Hamburg bei der Agentur Faktor 3 beobachten Theresa von Hurter und Sven Labenz den Medienwandel ganz genau. Faktor 3 ist eine inhabergeführte Kommunikationsagentur mit mehr als 200 Mitarbeitern und rund 80 Kunden wie Microsoft, Samsung, Haribo, REWE, Beiersdorf, Logitech oder Porsche. Labenz fragt: „Gibt es in der Kommunikation etwas Beständigeres als den stetigen Wandel? Das gilt für die Zielgruppe, den Content und die richtigen Kanäle. Selbstverständlich zählen Blogger und Influencer, genau wie klassische Journalisten und andere Content-Createure, zu den relevanten Stakeholdern der Kommunikation – aber auch das greift beinahe schon zu kurz. Bei der Vielzahl der kommunikativen Netzwerke und Möglichkeiten fällt es zudem schwer, eine dieser Zielgruppen isoliert zu betrachten. Gibt es den klassischen Blogger, der nur auf einem Kanal aktiv ist, überhaupt noch? Und wenn ja, an welchem Content ist er interessiert?“

Auf jährlichen Community-Veranstaltungen wie die re:publica in Berlin kommen Agenturen und Blogger zusammen.

Auf jährlichen Community-Veranstaltungen wie die re:publica in Berlin kommen Agenturen und Blogger zusammen.

Andrea Weinholz von Profil Marketing aus München und Braunschweig bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Blogger haben eine große Bedeutung für uns. Mit einigen Bloggern arbeite ich schon seit vielen Jahren – sehr gern – zusammen und generell werden sie immer wichtiger für unsere Arbeit.“

 Blogger erzählen anders Geschichten als klassische Massenmedien  und sind daher für die Kunden der Agenturen interessant. Storytelling ist das neue Zauberwort. Andreas Weinholz dazu: „Da fallen mir speziell die Blogger ein, die ähnlich arbeiten wie etablierte Medien, d.h . die seriöse Tests machen und Kooperationen auch deutlich kennzeichnen. Da ich für sehr unterschiedliche Bereiche arbeite, sind sowohl IT-Blogs als auch Lifestyle-Blogs interessant für meine Kunden.“ Aber Andrea Weinholz spricht ein Problem der Branche an: die schwarzen Schafe. Was ist Werbung? Was ist gekaufte Information und wird diese gekennzeichnet? Aus diesem Grunde organisieren sich Blogger und achten in einer Selbstverpflichtungserklärung auf Transparenz. Der Bloggerclub e.V. arbeitet beispielsweise mit dem PresseClub München zusammen. Die Mitglieder des Bloggerclubs verpflichten sich zum Bloggerkodex. Der Kodex dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs. Auch definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. Dieser Kodex beschreibt das Selbstverständnis als Blogger in diesem Spannungsfeld und hat ebenso das Nutzerinteresse im Blick wie eine professionelle und transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Unternehmen und Organisationen. Diese Regeln gelten äquivalent auch für Social-Media-Kanäle.

Andrea Weinholz dazu: „Generell freue ich mich über Anfragen. Natürlich bekomme ich auch mal welche, die nicht passen, und es gibt auch schwarze Schafe, die gezielt und penetrant nach Testmustern fragen, ohne dann jemals einen Test zu veröffentlichen. Aber das sind Ausnahmen. Die meisten Blogger, mit denen ich zu tun habe, arbeiten sehr professionell und haben auch Verständnis dafür, dass Kunden nicht immer bereitwillig Produkte verschenken können. Natürlich überprüfen wir die Blogs mit entsprechenden Tools, aber es geht hier nicht nur um Zahlen. Wichtiger ist mir persönlich, dass ein Blog gut gemacht ist, authentisch ist und Potential hat.“

Sascha Pallenberg war einstmals erfolgreicher Blogger und arbeitet heute für die Unternehmenskommunikation der Daimler AG, in die er im Dezember 2016 wechselte.

Sascha Pallenberg war einstmals erfolgreicher Blogger und arbeitet heute für die Unternehmenskommunikation der Daimler AG, in die er im Dezember 2016 wechselte.

Blogger als Partner von Agenturen

Sven Labenz aus Hamburg sieht Blogger als Partner: „Auch wenn unsere Kunden von Technologie, über Food, Automotive bis Beauty extrem divers sind, eint sie der Gedanke gemeinsam mit uns, die Unternehmens-PR stetig zu hinterfragen und voran zu treiben. Und dazu zählt eben auch, die richtige Zielgruppe zu kennen, aber auch den Schulterschluss mit dem Marketing zu suchen. Dabei beobachten wir immer wieder sich verändernde Stakeholder-Mappings – denn natürlich sind auch innerhalb eines Kunden die kommunikativen Ziele, Möglichkeiten und relevanten News vielfältig. 

Auch Theresa von Hurter und Sven Labenz sehen Blogger als Partner: „Wir nehmen jede Anfrage ernst und versuchen gemeinsam mit dem Blogger und unseren Kunden den richtigen Content für den richtigen Kanal zu finden. Das muss zur Marke passen – und damit ist sowohl der Blog, als auch das Unternehmen gemeint.“

Kurz und knapp erklärt Thomas Hahnel von der B2B-Agentur, welche Blogger für seine Arbeit interessant sind: „Die Guten! Die Ernsthaften! Die Kritischen! Die Branchenkenner! Die, die eine Meinung haben.“ Hahnel sieht das geänderte Medienverhalten. „Selbstverständlich gehen wir mit Bloggeranfragen um, wie mit jeder anderen Anfrage auch. Für Ansprechpartner, die die Beziehung zur Öffentlichkeit eines Unternehmens oder Organisation pflegen, sollte es keine Vorbehalte gegen oder Sonderbehandlung für irgendjemand geben. Wie wichtig der einzelne Blogger/in als Multiplikator im Sinne der strategischen Unternehmenskommunikation ist, ist dann noch einmal ein andere Frage – das gilt aber auch für jeden Journalisten, YouTuber oder für jede andere Anfrage.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich im PresseClub Magazin des Internationalen PresseClubs München. 

10 Jahre Blogger als redaktion42.com – Geburtstagsfeier mit Gedanken

20. Juli 2018

Auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass ich mit dem Bloggen angefangen habe – heute hat mein Blog redaktion42.com den 10. Geburtstag. Also mal ein bisschen Zeit zum Reflektieren ist angesagt – woher komme ich und wo stehe ich.

So kam ich zum Bloggen

Ich begann mit dem Bloggen, weil ich es kann. Das klingt jetzt blöd, aber ist genau so. Als Mensch der klassischen Massenmedien, als gelernter Tageszeitungsjournalist und späterer Chefredakteur von IT-Medien stand ich aufwendigen Print-Produkten vor. Die Inhalte unters Volk zu bringen war eine teure Angelegenheit. Redaktion, Anzeigen, Druckvorstufe, Druckerei, Vertrieb und vieles mehr. Das kostete Unmengen von Geld. Massenmedien meiner Zeit waren eine Einbahnstrecke, ein Sender-Empfänger-Modell. Ich als Journalist sendete, meine Leserinnen und Leser empfingen. Der Rückkanal der Leser zu uns als Redaktion war begrenzt. 

Auf dem Weg zum Bloggen.

Auf dem Weg zum Bloggen.

Das hat sich heute geändert. Das Mitmachweb 2.0 hat alles auf den Kopf gestellt. Jeder kann senden und jeder kann empfangen. Das sind wunderbare Möglichkeiten, aber auch gefährliche Möglichkeiten, wenn jeder im Großen und Ganzen veröffentlichen kann, was er will. Die Krise in den klassischen Massenmedien ist da. Mit meinem Blog redaktion42.com bin ich Teil der Blogosphäre, also Teil des Bloguniversums und es macht verdammt viel Spaß. Ich brauche den großen Apparat von Verlagen oder Sendeanstalten nicht mehr, sondern der Blog, SEO und Vernetzung können klassische Massenmedien ergänzen. 

Ich bin der Inhalt 

Ich startete meinen Blog in der Tradition der Graswurzelbewegung, ohne politisch zu sein. Mein Blog kam im Form eines Tagebuchs daher, eben der Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange. Während ich in meinem Seminaren predige, sucht euch ein schönes Nischenthema und bloggt darüber, habe ich es bei meinem persönlichen Blog anders gemacht. Ich habe mir ein wunderbares Thema gesucht, bei dem ich mich hervorragend auskenne. Das Thema bin ich – der Blog ist meine Sicht auf die Welt. Damit ist aber auch klar, dass der Blog von seinen Zugriffszahlen nicht durch die Decke schießen kann, denn eine so faszinierende Person, eine Art VIP oder Prominenz bin ich auf gar keinen Fall. Ich bin ein einfacher Geschichtenerzähler, der auf virtuelle Freunde zählen kann. Dieses Netzwerk wächst und je nach gebloggten Thema steigen die Klickzahlen – oder auch nicht. Ich setze dabei nicht unbedingt auf Google Keywordsuche, sondern vertrauen meinem Gefühl als gelernter Journalist. Ich weiß, welche Themen ankommen und welche eben nicht. Und dennoch schreibe ich auch über Themen, die keine großen Klicks versprechen – ganz einfach weil ich es kann und weil ich es für richtig finde. In der Regel lasse ich zwei große Themenbereiche aus: Das sind Religion und Politik. Obwohl im Zeitalter von Hatespeech und Fakenews habe ich immer wieder meine politische Meinung veröffentlicht, weil ich es für richtig halte. Ich stehe zur Demokratie, ich stehe zu Europa und ich stehe zur Aufklärung. 

Heute wird ein großes Aufhebens gemacht über Formen des Storytellings als Erzählform. Dabei ist Storytelling nichts neues. Als Journalist kenne ich die Möglichkeiten des Geschichtenerzählens, ich kenne die Darstellungsformen und Erzählweisen und ich bin um meine Lehrmeister durch all die Jahre dankbar, die mich in meiner Ausbildungszeit nicht immer mit Samthandschuhen angefasst haben. Ich habe gelernt, zugeschaut, nachgemacht, mich vernetzt, ausprobiert und ich habe keine Angst vor einem leeren Blatt oder heute Bildschirm. Wenn ich Bloggerkolleginnen und Bloggerkollegen sehe, wie sehr sie sich mit einem Textchen abmühen, dann setze ich mich eben einfach hin und schreibe. Da kommen keine Pulitzerpreistexte heraus, sondern Gebrauchstexte. Das Thema lebenslanges Lernen kann ich dabei nur unterstreichen. 

Regelmäßigkeit der Blogposts

Ich begann zunächst zweimal die Woche zu posten und im Laufe der Zeit wurde es fünf Tage die Woche, es steigerte sich auf sieben Tage die Woche. In der Regel ist es ein Post pro Tag, an bestimmten Tagen kommt es zu zwei oder mehr Posts, wenn sich die Ereignisse überschlagen. Da kann ich aus meiner Haut des Tageszeitungsjournalisten nicht heraus. Das ist oft bei Nachrufen der Fall. Ich versuche dann eine persönliche Sichtweise auf den oder die Toten einzunehmen. Im Falle von Steve Jobs beispielsweise war dies der Fall. 

Luther nutzte die modernsten Massenmedien seiner Zeit. Ich schieße mich an.

Luther nutzte die modernsten Massenmedien seiner Zeit. Ich schließe mich an.

Multimediale Form

Zunächst waren es Texte in meinem Blog, dann kamen Fotos hinzu und schließlich auch Videos, die ich bei YouTube hoste und in meinen Blog einbinde. Film ist für mich ein starkes Medium und ich experimentiere gerne mit YouTube herum. Ich taste mich Zug um Zug voran. Mit rund 1200 Abonnenten bin ich eine Art Nachwuchs-Youtuber. Da wird es noch klarer: Wenn ich früher eine Sendeanstalt brauchte, bin ich heute ein eigener Sender, mein eigener Kanal. 

Beim Sammeln von Videomaterial Fürmeinen YouTube-Kanal redaktion42

Beim Sammeln von Videomaterial für meinen YouTube-Kanal redaktion42

Interessant sind auch die Reaktionen innerhalb YouTube. Dort gibt es zahlreiche Trolle, denn in der computervermittelten Kommunikation sinkt die Hemmschwelle für Beschimpfungen und Beleidigungen. Und als YouTuber darf man sich einiges anhören. Viele Beleidigungen habe ich nach Hinweis gelöscht, andere zur Anzeige gebracht. Aber: Ich habe auch wunderbare Unterhaltungen und mein berufliches und privates Netzwerk erweitert. Danke für diese Erfahrungen.  

Verbreitung meiner Botschaften

Nun, ich wende natürlich einfache SEO-Maßnahmen an, damit Google meinen Blog mag. Da ist noch viel mehr drin und täglich muss ich mich entscheiden: Schreibe ich für Google oder schreibe ich für den Menschen? Je nach Laune und Tagesform entscheide ich mich für die eine oder andere Seite. Zusätzliche Plugins nutze ich nicht, meine Schreibe in meinem Blog ist Erfahrungssache.

Und natürlich ist mein Blog mit virtuellen Netzwerken verbunden. Viele Leute haben meinen Blog abonniert und bekommen eine automatisierte E-Mail von mir am Morgen. Da wären zum einen die Geschäftsnetzwerke Xing und LinkedIn, zum anderen die klassischen Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter – ich liebe übrigens Twitter und bin dort eine vernetzte Plaudertasche. Zudem nutze ich ein wenig Instagram und Pinterest. Gerade Pinterest will ich deutlich ausbauen. Mit Snapchat spiele ich herum, aber es ist nicht mehr als ein Herumspielen. Bei dem Spaß mit sozialen Netzwerken kommt das Thema Datenschutzgrundverordnung immer wieder auf. Wenn ich Zeit habe, widme ich mich dem Thema Newsletter. Und nein: Ich bin nicht bei WhatsApp! Die Seuche halte ich datenschutzrechtlich für enorm bedenklich – ihr findet mich bei Threema.

Wenn ich Ideen habe, nehme ich gerne an Blogparaden teil, um meine Inhalte zu verbreiten. Immer wieder kommen Aufrufe und ich schau mir die Themen gut an und versuche einen ungewöhnlichen Beitrag zur angebotenen Blogparade zu schreiben. Je nach Thema bringt mir die Sache neuen Content und natürlich neue Klicks und neue virtuelle Freunde. 

Und wie ist das mit dem Geld?

Der Blog ist für mich nur indirekt eine Verdienstmöglichkeit, ich verdiene mein täglich Brot mit Vorträgen und Beratung. Ich habe zwar Amazon Affiliation-Links im Blog, aber reich werde ich dadurch nicht. Es sind ein paar Euro, die ich dadurch einnehme, die zudem noch versteuert werden. YouTube-Einnahmen liegen erst einmal auf Eis, sind aber auch nicht die großen Reichtümer. Google-Werbung habe ich erst gar nicht eingebaut. 

Ich bin viel an Schulen unterwegs - dem Blog sei Dank.

Ich bin viel an Schulen unterwegs – dem Blog sei Dank.

Und dennoch verdiene ich mit meinem Blog Geld. Mögliche Vortrags- und Beratungskunden stoßen auf meinen Blog, auf meine Themen und verstehen: Der Betreiber spricht nicht nur schlau über Blogs und Social Media, sondern praktiziert es selbst. Der Blog ist also ein Marketinginstrument für mein Unternehmen redaktion42. Dort bin ich Dienstleister für Content, Beratung und Schulungen. Mehr und mehr kommt auch das Thema Blogschulungen und Storytelling hinzu – dem Blog sei Dank. Dies steht alles unter dem großen Thema Medienkompetenz, dem ich mich verschrieben habe. Ich bin in allen Schularten unterwegs, schule Vereine und Organisationen und mahne wieder und wieder das Thema Medienkompetenz an. 

Ich bin viel in Sachen Medienkompetenz unterwegs.

Ich bin viel in Sachen Medienkompetenz unterwegs.

Ehrenamt Bloggerclub

Und durch meinen Blog kam ich zu einem Ehrenamt, das ich gerne ausübe, weil es wichtig ist. Ich wurde Vorsitzender des ersten deutschen Bloggerclubs. Der Verein wächst und wächst und vor kurzem wurde ich zusammen mit meinen Stellvertreter Franz Neumeier wiedergewählt. Er hat den extrem erfolgreichen Kreuzfahrtblog. Seit kurzem werden wir im engeren Vorstand von Dr. Tanja Praske unterstützt, die sich in Deutschland einen Namen im Bereich Blogparaden gemacht hat. Wir haben das Kind Bloggerclub auf den Weg gebracht und sobald alles in trockenen Tüchern ist und das Kind alleine laufen kann, werden wir es an eine neue Generation übergeben. Im Mittelpunkt des Bloggerclubs steht der Bloggerkodex, den ich für sehr wichtig in der Blogosphäre halte. Er fordert Transparenz in Blogs ein und stellt sich den schwarzen Schafen der Branche als Qualitätsmerkmal entgegen.

Der Kodex dient einer transparenten Kommunikation gegenüber den Besuchern eines Blogs. Auch definiert der Bloggerkodex die notwendigen Regelungen für Kooperationen mit Unternehmen. Nutzer wünschen sich vertrauenswürdige und glaubhafte Informationen und Unterhaltung. Unternehmen und Organisationen haben wachsendes Interesse an authentischen Meinungen.

Der Bloggerclub ist die Vertretung der Blogger.

Der Bloggerclub ist die Vertretung der Blogger.

Selbstständige Blogger benötigen ein wirtschaftliches Fundament, um langfristig unabhängig existieren zu können. Dieser Kodex beschreibt unser Selbstverständnis als Blogger in diesem Spannungsfeld und hat ebenso das Nutzerinteresse im Blick wie eine professionelle und transparente Zusammenarbeit zwischen Bloggern, Unternehmen und Organisationen. Diese Regeln gelten äquivalent auch für Social-Media-Kanäle. Das halte ich für enorm wichtig und bin daher beim Bloggerclub aktiv dabei. 

Danke

Dass mein Blog redaktion42.com jetzt zehn Jahre existiert, hat viele Gründe und es ist Zeit einmal Danke zu sagen. Danke für Support, Unterstützung und Motivation. Ich will meiner Familie Danke sagen, die mich zu allen möglichen Uhrzeiten bloggen sieht. Meiner Frau danke ich besonders, denn sie nimmt Rücksicht auf meine Eigenheiten und versteht, dass es Phasen gibt, da muss ich einfach schreiben, sonst platze ich. Ich weiß, das ist schwer für ein Familienleben und dafür ein Dankeschön. 

Danke an meine Familie für die Unterstützung.

Danke an meine Familie für die Unterstützung.

Danke will ich auch meinem Kollegen Thomas Gerlach sagen, mit dem ich zusammen angefangen habe zu bloggen. Kollege Gerlach startete mit einem spitzen Medienblog und hat heute einen sehr erfolgreichen Kochblog. Ich blieb bei meinen seichten Themen nach der Devise von Helmut Thoma: Im Seichten kannst du nicht ertrinken. 

Danke natürlich auch an alle meine Kunden, die mich mit Aufträgen versorgen. Ohne euch könnte ich nicht das Leben führen, das ich führe. 

Und natürlich ein großes Dankeschön an alle meine Leserinnen und Leser. Danke für das Feedback, die Likes, die Klicks, die Kommentare und vor allem die Inspiration und Neugierde.

Blogger im RL: Heike Stiegler von Heikes Stadtgeflüster

28. April 2015

Wir Blogger sind schon ein interessantes Völkchen. Ich selbst bin Mitglied der IronBlogger München, einer Vereinigung von Bloggern. Es geht uns um Vernetzung, Ideen und Feiern. Als Mitglied muss man mindestens einmal die Woche bloggen, sonst zahlt man in die Vereinskasse, deren Inhalt dann regelmäßig versoffen wird.
Dann gibt es verschiedene Twittertreffen, Barcamps, Stammtische, Konferenzen. Und es gibt es wieder spontane Begegnungen mit Leuten, deren Blogs ich seit langem verfolge, aber es irgendwie noch nicht geschafft habe, sich im RL (Real Life) mal zu treffen. So ein Blog ist Heikes Stadtgeflüster und die Bloggerin dahinter ist Heike Stiegler. Ich folge ihr in Facebook und in Twitter seit einer gefühlten Ewigkeit, aber ein Treffen Face to Face haben wir nie geschafft. Bis jetzt: Die Nürnberger Heike Stiegler organisierte einen Event in Franken und ich nahm daran teil.
Der Blog Heikes Stadtgeflüster dreht sich um Menschen und das finde ich prima. Geschichten über Menschen sind das Salz in Suppe der Blogosphäre. Anders wie meine Blogs, setzt Heike Stiegler massiv auf Audio, speziell auf Audiopodcasts. Als gelernte Radio-Frau versteht sie hervorragend den Umgang mit Ton. Sie selbst schreibt: „Dennoch war ich am Anfang nicht recht überzeugt von „podcast“. Meiner Meinung nach würden „podcast“ nicht genutzt werden und schon gar keine Zukunft haben. Ich komme aus der visuellen Welt und war/bin der Meinung, eine Geschichte kann nur durch gute Bilder und Videos richtig ansprechend wirken. Lange Zeit gab es für mich nur zwei Alternativen – entweder ein gut gemachter, aber relativ kurz gefasster Text mit vielen schönen ansprechenden Bildern, oder ein drei- bis maximal fünfminütiges Video, das gerne aber auch noch kürzer sein darf.“
Da der Blog Stadtgeflüster hauptsächlich um Franken geht, speziell um Nürnberg, ist es natürlich ideal, dass ich so den fränkischen Dialekt so hören kann. Ihr Motto: „Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jeder Mensch seine persönliche Geschichte hat, nur wissen die meisten das meist selbst nicht. Mein zweiter Spruch ist immer: Geschichten liegen auf der Straße, man muss sie nur aufgreifen.“ Dies finde ich eine hervorragende Idee. Heike Stiegler interviewt große und kleine, wichtige und unwichtige, schillernde und blasse Persönlichkeiten aus dem fränkischen Raum. Immer wieder schafft sie es, eine Geschichte aus ihren Interviewpartner herauszukitzeln. Eine Geschichte, die es wert ist, sich anzuhören. Sie selbst schreibt: „Nachdem ich mich im Studium nun eingehender mit dem Thema „podcast“ beschäftigen musste stellte ich schnell fest, dass hier ein ganz anderer Vorteil versteckt liegt, den weder geschriebener Text, noch Video jemals erfüllen können.  Ein Audio-Beitrag kann sehr gut angehört werden, während man eine andere Aufgabe erfüllt.“
Zudem hat sich Heike Stiegler auf dem Bereich Mojo spezialisiert. Dahinter verbirgt sich der Begriff Mobile Journalism. Dies ist ein aktueller Trend im Journalismus, den Heike Stiegler schon seit langem verfolgt und sie sich so zu einer Expertin im deutschsprachigen Raum herausgemausert hat. Berühmt geworden ist ihre gelbe Tasche. Dort ist das Equipment für Mojo verstaut. Diese gelbe Tasche ist inzwischen zu einem Markenzeichen von Heike Stiegler geworden.
Während einer Autofahrt durch Franken erzählte sie mir das Geheimnis von Heikes Stadtgeflüster und ihre Arbeitsweise. Dieses Gespräch drehte ich in meinem iPhone mit.

Fotoreportage: Berliner Weihnachtsmarkt am Morgen

7. Dezember 2014

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Als Volontär – so bezeichnet man die Ausbildung zum Redakteur bei einer Zeitung – war zu Weihnachten ein Spruch sehr gefürchtet. Irgendwann hieß es vom Chef: Mach mal ein Feature vom Christkindl-Markt! Feature ist so eine Art Reportage mit Hintergrundinformationen. Also trottete man als junger Mensch los und schaute sich auf dem lokalen Weihnachtsmarkt um. Wenn man Glückskeks hatte, stand einem ein gestandener Fotograf zur Seite, der die Besucher in Weihnachtslaune kannte und als junger Reporter kam man zu seinen Interviews. Wer man alleine loszog, musste alleine Geschichten finden.

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Als ich durch den Lufthansa-Streik gezwungen war, frühmorgens von München nach Berlin zu fliegen und bei der Gedächtniskirche vom Taxi abgesetzt wurde, kamen mir die Gedanken aus meiner Volontärszeit wieder in den Sinn. Das Schlimmste für mich waren so manche stark akoholisierte Herrschaften, die einen zum Glühwein einluden und dann ihre Geschichten erzählten. Dabei mag ich doch keinen Glühwein und Punsch. Diese Gedanken waren auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wieder präsent. Und so entschloss ich mich, eine Fotoreportage von einem leern Weihnachtsmarkt am Morgen zu machen. Bilder sagen mehr als Tausend Worte, das hat schon der alte Kurt (Tucholsky nicht Schumacher) gesagt. Also streifte ich durch leere Gassen mit verschlossenen Ständen mit Namen wie Glühweinbrutze oder Sternenzauber. Sie boten am Abend Leckereien wie eine Meisterbratwurst, Wiener Mandeln, süße Spezialitäten, Schmalzgebäck, Zuckerwatte, Quarkkeulchen, frische Waffeln, französische Crêpes, Feuerzangenbowle, Reibekuchen, Kartoffelpuffer, frischgebackener Blumenkohl, Asiapfanne, Currywurst, Tee mit Rum Lumlumba und natürlich Nürnberger Lebkuchen. Als Zeitungsvolontär durfte ich so eine Bildreportage nicht machen, Jahrzehnte später mache ich es in einem Blog. Viel Spaß beim Klicken.

 

Blockstöckchen – Bloggen? So mache ich das

4. August 2013

Mein Blogger-Freund Ludger Freese hat mir ein Blockstöckchen zugeworfen und ich hab es gerne angenommen. Er stellte mir ein paar Fragen, die ich hier beantworten. Viel Spaß beim Lesen.

Welcher Blogger-Typ bis du?

Als gelernter Journalist, der früher für Tageszeitungen und Fachzeitschriften tätig war, sind Blogs für mich eine klare Fortführung meiner journalistischen Arbeit. Wie kam es zu meinem Blog redaktion42.com? Ich gebe ja seit mehreren Jahren erfolgreich Seminare, unter anderem auch zum Thema Web 2.0. Dort zeige ich, wie sich die Welt verändert. Mit meinem Freund und Kollegen Thomas Gerlach saß ich vor fünf Jahren zusammen und wir kamen auch auf das Thema Blogosphäre zu sprechen. Uns war klar, dass wir nicht über Blogs referieren können, ohne wirklich dabei zu sein. Es gibt schon genügend Schwätzer, die über Sachen abstrakt philosophieren, ohne es zu praktizieren. Also – gesagt, getan. Wir beide gingen ans Bloggen. Doch was sollte der Inhalt sein? Wir beide verfolgten unterschiedliche Konzepte. Während der Kollege Gerlach zweimal die Woche zu speziellen Themen aus der Medien- und Internetbranche schreibt, versuche ich jeden Tag einen bunten Blogpost zu schreiben. Während seine Zielgruppe spitz und elitär ist, sollte mein Blog breit aufgestellt sein, er sollte vor allem Spaß machen. Daher wählte ich als Untertitel auch: Der Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange. Wie ursprünglich Blog als grass-roots movement schreibe ich eine Art Tagebuch: Ich schreibe über die Dinge, die mich bewegen, die mir auffallen, die ich erfahre. Nach fünf Jahren können wir feststellen: Mein Blog ist der erfolgreichere, hat eine deutlich höhere Reichweite. Es stellt sich heraus, dass sich die User gerne mit den alltäglichen Dingen im Netz beschäftigen, sich überraschen und unterhalten lassen und da sind sie bei mir an der richtigen Adresse.

Gerätschaften digital:

Seit 1984 ist es sind Apple-Geräte. Die aktuellen sind im ganzen Haus verteilt, der Rest im Museum. Momentan sind es MacBook Pro, zwei MacBook Air, Mac Pro, iMac und mehrere Mac minis. Zudem nutze ich iPhone 5 und iPad 4 als mobile Geräte. Als professionelles Fotoequipment nutze ich Nikon D3x und Fuji X100s, im Videobereich die großen Canon- und JVC-HD-Kameras. Ein neues Hobby von mir ist die GoPro Hero3 mit einer wahnsinniger 4k-Auflösung. Und ich habe Akkus wie den tizi Kraftprotz und Ladekabel dabei, weil ohne Strom geht es nicht. Zur Unterhaltung und Entspannung darf der Kindle nicht fehlen.

Gerätschaften analog:

Mein Lieblingsfüller, den ich nur zum Unterschreiben dabei habe. führe ich so dann und wann mit mir. Aber so viele Unterschriften muss ich dann noch nicht leisten. Aber im Ernst: Die Welt ist nicht schwarz oder weiß – nicht anlaog oder digital. Meine Welt ist grau oder im besten Fall bunt.

Arbeitsweise:

Als Tageszeitungsjournalist habe ich gelernt, allzeit bereit zu sein und in jeder Situation schreiben zu können. Aber um genügend Platz für die Familie zu haben, schreibe ich in der Regel für meinen Blog am frühen Morgen oder in der späten Nacht. Ich habe keine Angst vor dem Schreiben. Ich arbeite ich an verschiedenen Blogbeiträgen gleichzeitig. Mein Ziel ist es, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Viele Beiträge sind geplant und auf den Tag abgestimmt. Natürlich kommen tagesaktuelle Ereignisse hinzu und werfen die ganze Planung über den Haufen. Aber das macht das Ganze wieder spannend.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Als Blog-Plattform nutze ich WordPress, unterwegs auf der WordPress App. Texte schreibe ich in Google Drive und mehr und mehr ging ich zum Diktieren über aufgrund einer ausgeheilten Augenkrankheit. Die Textdateien sind für meine Frau freigegeben, die meine erste Kritikerin ist.

Ich nutzte früher auch Posterous als Plattform, aber dieser Dienst wurde ja eingestellt und meine Daten zu WordPress migriert. Ich versuche für meine Blogs in der Regel eigene Fotos oder Videos zu nehmen. Dazu ist für mich YouTube eine hervorragende Plattform. Mein Kanal heißt dort redaktion42. Die Bildbearbeitung erfolgt klassisch über Photoshop am Rechner oder entsprechende Tools am iPad. Die Verbreitung geschiet über Twitter, Facebook, Xing, Linkedin, Pinterest und Google+. Die Twitterfeeds werden mehrmals am Tage in unterschiedlichen Varianten wiederholt. Um Kommunikation zu fördern kommentiere ich bei meinen Freunden und erweitere so meine Reichweite.

Wo sammelst du deine Blogideen?

Meine Unterzeile des Blogs redaktion42.com lautet, das Blog des digitalen Nomaden Matthias J. Lange, ich bin ein Reisender. Ich bekomme meine Idee aus dem Web, viel aus den sozialen Netzwerken und dem RL, einige Hinweise kommen über klassische PR-Mitteilungen und vieles kommt aus Gesprächen mit echten Menschen. Wenn ich auf Reisen gehe, vergeht keine Stunde und ich habe neue Themen, aber auch ein kleiner Spaziergang reicht aus. Ich empfehle allen Bloggern die Lektüre von Sigi Sommer.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick / Shortcut fürs Bloggen / im Internet?

Augen auf – die Themen liegen auf der Straße. Ich muss sie nur aufnehmen und daher ich muss mich trainieren, die Themen zu erkennen. Und das kenne ich noch aus der Zeit als ich mit der Schreibmaschine gearbeitet habe: Der Artikel ist im Kopf komplett geschrieben, bevor ich den ersten Buchstaben in die Tastatur tippe.

Aber ich musste auch feststellen, das Schreiben für einen Blog etwas anderes ist, als Schreiben für Papier. Ich liebe es früher für meine Leser zu schreiben. Aber: Ich will nicht über SEO-Maßnahmen philosophieren, aber natürlich ist Google heute einer meiner Hauptleser. Kurz und gut: ich musste meine Scheibe ändern und zwar komplett.

Das beginnt ganz einfach mit den Überschriften. Ich beherzige hier einfach mal die Tarzan Regel der Mainpost. Die Regel besagt: wenn der Text über Tarzan geht, muss Tarzan in die Überschrift. Als Printjournalist war ich es gewohnt, blumige Überschriften zu schreiben, die den Leser neugierig machen. Als Onliner, der auch für Google schreibt, muss ich klar schreiben, um was es in dem Post geht. Jeden Tag muss ich also die Gretchenfrage stellen. Schreibe ich schöne Texte für Menschen oder schreibe ich schöne Texte, die von Google gefunden werden? Am Ende ist das Leben wie immer ein Kompromiss.

Dann musste ich lernen, verstärkt auf visuelle Elemente zu setzen: also Bilder und vor allem Videos. Ging früher im Blogpost ohne Bild online, so sollte heute mindestens ein Bild und ab und zu ein Video dabei sein. Visuelle Elemente erhöhen die Aufmerksamkeit beim User und dann wird der Text auch gelesen

Benutzt du eine To-Do-List-App?

Ich habe mich von meiner Zettelwirtschaft verabschiedet. Früher hatte ich mehrere Zettel und Blöcke auf denen ich meine Notizen machte, um nichts zu vergessen. Ich führte lange To do-Listen und kam nicht zurecht. Ich verlor den Überblick.

Seit längerem habe ich damit aufgehört und führe nur noch eine einzige Liste. Damit behalte ich die Übersicht und weise das Chaos in die Schranken. Ich nutze toodledo, gekoppelt mit der Cloud, um auf jeden Endgerät die Daten snychron zu halten. Eines musste ich trotz der Technik lernen: Pack nicht zuviel in deinen Tag. Ich habe oft meine To do-Liste zu voll gepackt, so dass ich abends enttäuscht war, dass ich mein Pensum nicht geschafft habe. Das frustrierte und machte keinen Spaß. Das Übertragen von Aufgaben auf den nächsten Tag sollte nicht unbedingt zur Tagesordnung werden.

Also ganz wichtiger Tipp: Bleiben Sie realistisch. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und daher mute ich mir nicht mehr zuviel zu. Durch diese Listen kenne ich mein Leistungspensum. Das hat mich auch gelehrt, einmal nein zu sagen, wenn von außen mehr und mehr auf mich abgeladen wurde.

Außerdem musste ich meine persönliche Art von Projektmanagement erlernen. Oft standen früher in meiner Agenda ganz große Brocken, deren Bewältigung nicht an einem Tag zu schaffen war. Hier lernte ich ein großes Projekt in viele kleine Projektchen aufzuteilen, um tägliche Erfolgserlebnisse zu haben. Also klarer Tipp: Großer Brocken in kleinere Bröckchen aufteilen und schon läuft es besser.

Ich habe bei Kollegen gefragt, wie sie ihre Listen führen, wenn sie denn überhaupt eine führen: Die Ergebnisse waren unterschiedlich: Einer nimmt ein Schmierblatt, der andere ein Notizbuch, ein anderer seinen alten Palm und ich nehme die Cloud. Egal, was man nimmt, Hauptsache man nimmt es. Schließlich räumt diese Art von Aufgabenagenda wichtigen Speicherplatz im Gehirn frei. So ist es zumindest bei mir. Was ich aufgeschrieben habe, daran muss ich nicht jede Nacht denken. Diese To do-Listen ordnen meine Gedanken und damit kann ich  mich besser strukturieren und – ganz entscheidend – besser arbeiten.

Und wissen Sie, was das Schönste ist: Wenn eine Aufgabe erledigt ist, dann streiche ich sie mit Genuss durch. Ich glaube, die Psychologie nennt es Erledigungsfreude. Das gibt Motivation und Kraft für neue Aufgaben. Denn eines ist gewiss: Aufgaben gehen nie aus.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Im Grunde ist das iPad und die Cloud immer dabei und im Moment spiele ich viel mit der Fuji X100s herum, so dass sie auch ist. In hab den schicke braune Lederumhängetasche, darin sind die ganzen Geräte und Kabel, Stative untergebracht.

FujiX100s

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Nein, ich bin zwar einmalig, aber ich bin nicht irgendwo besser als andere. Ich kann gut schreiben, aber es gibt bessere Schreiber. Ich kann gut fotografieren, aber es gibt bessere Fotografen. Ich kann gut filmen, aber es gibt bessere Filmer. Aber ich kann katastrophal singen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Wenn ich im Tunnel bin, nehme ich nichts wahr. Daher kann ich grundsätzlich überall arbeiten. Aber Musik ist enorm wichtig in meinem Leben. Ich liebe Bob Dylan, Beatles, Pink Floyd, ELP, Deep Purple und King Crimson. Im Moment höre ich auch wieder sehr viel Kraftwerk und Hank Williams, Johnny Cash und Towns van Zandt. Unterschätzt ist zudem immernoch der großartige Warren Zevon. Im Klassikbereich stehe ich auf Bach, Beethoven und vor allem Richard Wagner, letzteren nur musikalisch – nicht politisch.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?

Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit schlafen. Sag mir, wenn ich schlafen kann und ich schlafe. Aber durch ein geregeltes Familienleben gehe ich in der Regel gegen 0 Uhr ins Bett und stehe um 6 Uhr wieder auf. Als Freiberufler gönne ich mir dann und wann einen Mittagsschlaf und das ist für mich total erholsam. Also weder Eule von Lerche.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Extrovertiert – keine Frage. Liegt vielleicht auch an meinen roten Schuhen. Aber als Journalist habe ich gelernt, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Das ist als Blogger schon schwieriger. Und was ich auch lernen musste, ist die Personalisierung. Waren die Texte zunächst klassisch journalistisch geschrieben, wandelte sich die Sprache im Laufe der Zeit. Während es im klassischen Journalismus eine absolute Trennung der journalistischen Darstellungsformen gibt (zumindest in der Theorie), vermischt sich in meinem Blog die berichtende und kommentierende Form. Viele meiner Artikel enthalten heute eine klare Meinung von mir.

Diese Personalisierung spiegelt sich auch im Layout des Blogs wider. Hatte ich als Hauptbild früher ein nettes Foto von der GC aus Leipzig, wechselte ich es durch einen Porträtbild von mir aus. Und siehe da, die Zugriffszahlen und die Interaktion, sprich die Kommentare, stiegen. Wenn ich heute auf Veranstaltungen gehe, erkennen mich so manche Besucher. Das beste Beispiel war die re:publica dieses Jahr in Berlin. Als Journalist früher konnte ich unerkannt Veranstaltungen besuchen – das ist durch meinen Blog heute vorbei. Damit klar extrovertiert.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Thomas Gerlach

Monika E. König

Franz Neumeier

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Kant

kant

Noch irgendwas Wichtiges?

“Macht’s gut und danke für den Fisch” Douglas Adams

Und das Blog-Twitterstöcken geht weiter an …

1. Mai 2013

twitter

Ich habe von meiner Blogkollegin Monika E. König ein Blog-Twitterstöcken bekommen. Es ist ein Fragenkatalog, der von Blogger zu Blogger gereicht wird. Heute bin ich an der Reihe. Es gilt Fragen zu beantworten und am Ende neue Blogger zu empfehlen. So ein bisschen Schneeballprinzip.

1.) Wer bist Du auf Twitter? Seit wann bist Du auf Twitter? Nutzt Du Twitter vorwiegend privat und/ oder beruflich?

Tja ich bin auf Twiiter als @redaktion42 seit Oktober 2008 unterwegs – fast fünf Jahre, eine ganz schön lange Zeit. Da kommen im Laufe der Zeit doch einige Tweets zusammen. Der Name redaktion42 kommt von meinem Unternehmen. Und dennoch sind meine Tweets eine Mischung zwischen privaten und beruflichen Aussagen.

2.) Zu welchen Themen veröffentlichst Du Deine Tweets?

In meinem Blog redaktion42.com heißt es, dass ich als digitaler Nomade meine Sicht auf die Welt darlege. Ich streife so durch die Welt (analog und digital) und halte meine Eindrücke fest, Und so verhält es sich auch mit meinen Tweets. Mal ist es absolut fachlich, mal Stimmungen, mal Hobbys und mal Gefühlsausbrüche und manches Mal auch absoluter Nonsens – eben so wie das Leben eben ist.

3.) Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?

Twitter ist vom Aufstehen bis zum Schlafengehen immer dabei. Allerdings mit der Voraussetzung, ich habe Netzempfang. Das kann ich leider nicht immer behaupten, denn ich bin viel auf Reisen und nicht überall ist der Netzempfang ideal. Ich kann nicht sagen, dass ich so und solange am Tag twittere, es kommt immer darauf an. Mal ist es viel, dann wieder wenig. Aber ich nutze Twitter sehr, sehr oft, weil es für mich der optimale Nachrichtenkanal ist.

4.) Auf welchen weiteren Social Media-Kanälen bist Du aktiv?

Da ich viele Seminare über dieses Social Media-Zeugs gebe, sollte ich auf einigen Kanälen dabei sein, um mitreden zu können. Viele sogenannte Fachleute halten Vorträge über soziale Netzwerke und haben nicht die Spur einer Ahnung, was da passiert. Das finde ich einfach nur lächerlich. Neben Twitter bin ich daher auch auf Facebook, Google+, YouTube, Xing, Linkedin, Instagram, Vine – je nachdem, was und wen ich erreichen will.

5.) Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?

Es ist für mich der ideale Nachrichten- und Kommunikationskanal, so eine Art SMS an alle aber mit Rückkopplung. Ich diskutiere, argumentiere, streite, recherchiere und schmeichle gerne über Twitter. Ohne Twitter wäre das Kommunikationsleben deutlich ärmer und auch die Katzenbilder halten sich für mich als Wellensittichfan in Grenzen.

6.) Organisierst Du Tweetups bzw. nimmst Du daran teil?

Ich war zweimal auf einen Twittertreffen. Eines Mal war es prima, eines Mal war schrecklich. Elende Marketingbuben und Dummschwätzer wollten einen etwas verkaufen und sich in Szene rücken. Aber wenn ein Treffen ins Programm passt, bin ich gerne wieder dabei. Klassische Konferenzen halte ich fachlich für wichtiger. Als nächstes steht die re publica #rp13 auf dem Programm.

7.) Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?

Als Nachrichtenkanal und sicherlich auch als Distributionskanal für meine Blogs. Aber natürlich liebe ich es, mich mit anderen Twitterern auszutauschen und andere Meinungen zu erfahren. Die Konzentration auf 140 Zeichen zwingt zur Reduktion und Konzentration. Damit ist Twitter ein Medium für die Kommunikationsbranche. Nur wer etwas mit Sprache umgehen kann, der wird sich in Twitter wohlfühlen. Und ich nutze Twitter als klassisches Recherchetool. Komme ich mit einem Problem nicht weiter, dann frage ich die Community und bitte um #folliowerpower. Die Resonanz ist verblüffend.

8.) Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?

Auf jeden Fall eine 2+. Twitter hat mein (Nachrichten-)Leben verändert. Ich brauche keine Tageszeitung mehr, denn wie heißt es doch so schön: Die Nachricht, die wichtig für mich ist, wird einen Weg zu mir finden – egal über welchen Kanal. Und Twitter ist für mich ein wunderbares Experiment Sachen auszuprobieren und die Reaktionen zu beobachten.

9.) Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?

Als Mac-User der alten Zeit, ehemaliger Chefredakteur der  MACup und Fanboy von Cupertino kommen mir nur Apfelgeräte ins Haus und die nehme ich auch für Twitter. Im Grunde alles, was Apple zu bieten hat. Als Software nehme ich am Rechner Hootsuite und an den Mobilgeräten die offizielle Twitter App

An sie reiche ich dieses Blog-Twitterstöckchen weiter an @spinosa1967 und @tmgerlach sowie @mrsminirobot

Jury-Sitzung für Die Raute

9. September 2010

In diesem Jahr gab es zum ersten Mal einen Schülerzeitungswettbewerb der Hanns-Seidel-Stiftung mit Namen „Die Raute“. Ich hätte die Möglichkeit, diesen Preis im Vorfeld ein wenig mit vorzubereiten und war am Schluss auch als Jurymitglied mit von der Partie. Diese Arbeit geschah rein ehrenamtlich, denn die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses liegt mir sehr am Herzen.

Obwohl die Hanns-Seidel-Stiftung eine bayerische Stiftung ist, wurde der Schülerzeitungswettbewerb bundesweit ausgeschrieben. Und das mit großem Erfolg: Insgesamt 180 Schülerzeitungen aus ganz Deutschland nahmen an dem Wettbewerb teil. Und die Gewinner? Die Gewinner werden natürlich hier nicht verraten. Sie werden in einer offiziellen Preisverleihung im Oktober im Konferenzzentrum der HSS der Öffentlichkeit mit großem Tamtam verkündet. Der Termin steht noch nicht fest.

Viele Sachen sind uns als Jurymitglieder bei der Prämierung und Auswahl aufgefallen. In der Jury-Mitglieder waren Johannes Scheer (die Welt), Christian Deutschländer (Münchner Merkur), Wilfried Scharnagl (Bayernkurier), Stefanie von Winning (HSS) und Alexander Schröder (Kultusministerum). Dr. Franz Guber leitete die Sitzung.

Zunächst einmal: Es gab keine Zeitungen mehr die klassisch mit Schere und Kleber gebastelt werden. Kleber und Schere wurden vom Computer und die DTP abgelöst. Das digitale Zeitalter ist bei den Schülerzeitungen voll angekommen. Einzelne Schülerzeitungen haben sogar eine Line Extenions in Sachen Internet unternommen:  In statischen Websites oder dynamischen Blogs wird vom Schulleben berichtet. Auch die Herstellung und drucktechnische Qualität einzelne Produkte ist phänomenal – da können sich die Profis eine Scheibe abschneiden.  Die Schüler verstehen es mit XPress oder InDesign umzugehen – und einige beherrschen ihren Photoshop.

Bei den journalistischen Themen gibt es auch ein paar Neuerungen. Natürlich gibt es nach wie vor die klassische Schulthemen wie Berichte über Schulfeste, Schulausflüge oder Projektwochen, aber Schüler wagen sich auch in größere Themen. Themen wie Angst oder Mobbling im Unterricht und Cyberspace interessierten die Schüler ebenso wie Jugendkulturen oder sogar Bildungspolitik. Wir haben ein massives Plädoyer für die Hauptschule in einer Zeitung ebenso gefunden, wie eine kritische Auseinandersetzung mit dem G8.

Leider mussten wir aber feststellen, dass die journalistische Qualität oftmals hinter dem Erscheinungsbild der Zeitung zurück fällt. Verpackung ist nicht alles. Eine gut layoutete Zeitschrift macht noch lange keine gute Zeitschrift. Einige Schülerzeitungsredakteure verfielen in technischen Spielereien, ohne auf den Content zu achten. Dabei muss Form und Inhalt eine Einheit sein, sonst wird das Produkt vom Leser nicht akzeptiert. Wer allerdings glaubt, nur guter Inhalt reicht, der ist auch auf dem Holzweg.

Engagierte Diskussionen in der Jury.

Engagierte Diskussionen in der Jury.

Social Media: Twitterpower findet Unfallfahrer

29. Mai 2010

Neulich diskutierte ich mit einem Kunden über den Sinn und Unsinn von Twitter. Er behauptete, dass der Mircoblogging-Dienst auf dem absteigenden Ast sei und die Zukunft im Blogging läge. Ich dagegen beharrte darauf, dass es der Mix macht. Blogs seien wichtig, um schnell und authentisch ein Thema aufzugreifen. Für die Verbreitung dagegen setze ich auf Twitter und Facebook.

Dass die sozialen Netzwerke sogar zur Aufklärung von Verbrechen dienen können, zeigt ein Beispiel Anfang Mai. Ich bekam einen Tweet, dass ein Vater den Unfallfahrer seines Sohnes sucht. Der 24jährige Sohn wurde von einem weißen Kastenwagen auf der B 57 bei Mönchengladbach überfahren. Der Spiegel sei wohl beschädigt und der Sohn verstarb tragischerweise. Der verzweifelte Vater richtete einen Aufruf nach der Tätersuche auch über das Web und nutzte Twitter zur Verbreitung. Und die Community half mit. Der Tweet des Vaters wurde retweetet, also weiterverbreitet. „Es kamen mehr als 2000 Reaktionen pro Tag, ich habe alles der Polizei weitergeleitet“, sagte der trauernde Vater. Und der feige Unfallfahrer, der den Sohn tötete, wurde entdeckt. Ein 27jähriger gestand den Unfall.

Natürlich wurde die Suche auch in den traditionellen Medien betrieben, doch der Mix macht es.

Social Media-Vortrag: Blogs, Twitter, Facebook & Co.

4. Mai 2010
Volles Haus bei meinem Vortrag bei der HSS. Foto: Küfer

Volles Haus bei meinem Vortrag bei der HSS. Foto: Küfer

Vor kurzem habe ich bei der Hanns-Seidel-Stiftung in München einen kleinen Vortrag über Social Media vor 100 Leuten gehalten. Hier eine kleine Zusammenfassung, wie sie auch auf der Website der HSS erschienen ist – herzlichen Dank:

Die sozialen Netzwerke im Internet haben einen rasanten Anstieg in den vergangenen Jahren erfahren. Die Online-Aktivität hat sich immer mehr in die so genannten „Social Communities“ verlagert. Matthias J. Lange, Journalist, Blogger und Internet-Experte, erläuterte dieses Phänomen am 29. April 2010 im Konferenzzentrum München

Der Vortrag begann mit einer Analyse der Kommunikations- und Medienbranche. Alte Strukturen brechen auf, verändern sich oder werden von neuen Ideen hinweggefegt. Derzeit befinde sich die Medienwelt in einem rasanten Wandel, so der Referent. Viele Journalisten leben bereits diese Veränderung.

Das alte Prinzip der öffentlichen Massenkommunikation war davon geprägt, dass einer spricht und alle anderen zuhören. Wer bisher die Massen erreichen wollte, musste dies über Massenmedien, wie Zeitung, Radio und Fernsehen tun. Die Agenturen verfassten Pressemitteilungen in einer Nachrichtensprache. Ihre einzige Zielgruppe waren Journalisten, die diese Sprache auch sprachen. Sie konnten den Wert einer Nachricht einschätzen und entsprechend handeln. Dabei bestimmten nur wenige, welche Meinung publiziert wird. Eine Minderheit entschied beispielsweise, so Lange, welches Hotel gut für uns ist, welcher Film gerade „in“, welches Auto das Richtige oder was gerade der neueste Modetrend ist.

Das Internet hat diese Form von Massenkommunikation dramatisch verändert und letztlich demokratisiert, so Langes Analyse. Die Eintrittsbarrieren sind gering, ein Rechner mit entsprechender Software kostet heute wenig, ebenso Internetzugang und Webspace. Hard- und Software sind zunehmend leichter zu bedienen. Foto- und Videohandys sind nur der Anfang. „Ab heute sind wir alle Medienmanager“, so Matthias J. Lange.

Täglich wird mehr Inhalt – oder wie es in der Mediensprache heißt „Content“ – bei YouTube und Co. eingestellt, als kommerzielle Verlage und Sender produzieren können. Der Konsument kann dabei selbst die Nachricht gestalten und Reaktionen bei den Massenmedien auslösen. Dazu stellte Lange ein eindrucksvolles Beispiel vor: Im Frühjahr 2008 flog der Country-Sänger Dave Caroll mit United Airlines nach Nebraska. Als er im Flieger saß, sah er wie das Bodenpersonal seine Gitarre beim Verladen durch die Gegend warf und die Taylor-Gitarre im Wert von 3.750 US-Dollar zerstörte. Die Fluggesellschaft nahm seine Beschwerde nicht ernst. Doch Dave Caroll setzte auf das Internet, schrieb einen Country-Sound „United break guitars“ und veröffentlichte ihn auf YouTube. Das Video wurde millionenfach aufgerufen. Etablierte Medien sprangen darauf an, Fernsehsender berichteten über den Fall. Die Folgen für United waren katastrophal. Weil man Kundenbeschwerden auf die leichte Schulter genommen hat, war der Imageschaden enorm.

Die Entwicklung ist rasant: Plattformen wie YouTube sind bald allen bekannt, Twitter hat enorme Wachstumssteigerungen. Soziale Netzwerke wie Facebook oder in Deutschland Xing werden immer bekannter und beliebter. Jeder kann einen Blog betreiben. Im Endeffekt funktionieren all diese Communities mehr oder weniger gleich. Der Nutzer meldet sich meist kostenlos an, erstellt ein Profil und trifft Bekannte oder lernt neue Menschen kennen. Was in den USA begonnen hat, setzt sich in Deutschland fort. Auch die Politik bedient sich dieser Seiten. So hat US-Präsident Obama im Präsidentschaftswahlkampf auf den Microblog Twitter, eine Art öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet, gesetzt. Man könne sich dieser Entwicklung nicht entziehen, so die Kernbotschaft des Referenten. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine kontroverse Diskussion, die auch die problematischen Fragen nach Datenschutz und Privatsphäre aufgriff.

Prognose: Agentursterben durch Social Media

16. März 2010
Ich bin mir sicher: Viele der so genannte Kommunikationsagenturen werden in den nächsten Jahren das Handtuch werfen, weil sie sich nicht auf die neue Kommunikationszeit eingestellt haben oder einstellen können. Viele der Kollegen schwatzen ihren Kunden ausschließlich die klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für viel Geld auf, sind aber auf die neuen Herausforderungen von Social Media gar nicht eingestellt. Man spricht zwar davon, schreibt es in die Angebote, aber man lebt es in vielen Agenturen nicht. So werden eben ein paar Agenturen über die Wupper springen, weil sie nicht die richtigen Leute und sich selbst nicht weitergebildet haben.
Ist mein Pessimismus wirklich gerechtfertigt? Das Umdenken hat die Agenturen erreicht, wenn ich mir die neuesten Zahlen des Gesamtverbandes der Kommunikationsagenturen (GWA) ansehe.
Von der Czaia Marktforschung GmbH aus Bremen wurde die Umfrage durchgeführt: Die Methode war eime Online-Befragung anhand eines teil- bzw. voll- strukturierten Fragebogens, der den Befragten über einen persönlichen Link zugänglich war. Befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer der GWA-Kommunikationsagenturen. Herausgekommen sind etliche Seiten, wobei ich mich nur auf Social Media-Ergebnisse stütze. Die Notenskala ist wie in der Schule 1 bis 6, wobei 1 ganz wichtig und 6 unwichtig ist.
Auf die Frage: Twitter, YouTube, Facebook oder Corporate Blogs bestimmen die Kommunikation im Internet. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach Social Media für die Marketing-Kommunikation. Die Antwort fiel gar nicht mal so eindeutig aus: Social Media hat zwar hohe Bedeutung für die Marketing-Kommunikation, aber dennoch nicht die volle Durchschlagskraft. Nur 9 Prozent sehen eine sehr hohe Bedeutung. 41 und 38 Prozent gaben eine 2 bzw. 3 und von geringerer Bedeutung fanden es immerhin noch 12 Prozent. Ich bin davon überzeugt, diese Agenturen wird es künftig nicht mehr geben.
Deutlich wird es bei der Frage: Wie wird sich die Bedeutung von Social Media für die Marketing-Kommunikation entwickeln? Hier votierten 93 Prozent der Befragten auf eine Zunahme. Freunde, dann tut aber auch was. 6 Prozent meinen es bleibe gleich und 1 Prozent sah einen abnehmenden Trend (gute Nacht lieber Teilnehmer).
Da Geld bekanntlich nicht auf Bäumen wächst muss bei den Kommunikationsmaßnahmen irgendwo weniger Geld ausgegeben werden. Hier zeigt sich: Die etablierten Medien werden die Verlierer sein. Die wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen geht vor allem zu Lasten von TV-Werbung (22 Prozent), Print-Werbung (21 Prozent), Dialogmarketing (20 Prozent), E-Mails (17 Prozent), Websites (17 Prozent), Kino-Werbung (7 Prozent) und Radio-Werbung (5 Prozent). Social-Media wird lediglich eine Ergänzung zu bereits vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten sagen 47 Prozent.
Die Agenturen wollen sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und sehen Social Media als klares Geschäftsfeld innerhalb der Agentur. Ja, denn Social-Media muss als Teil der Markenführung in Agenturverantwortung sein, sagen 82 Prozent. Wobei 49 Prozent kritisch zugeben, dass die Agenturen in der Lage Social Media-Profile für ihre Kunden zu pflegen sind. Da ist noch Potenzial möglich. 7 Prozent meinen, Social Media sollte vom Kunden selbst gemacht werden. Die nackten Zahlen sehen 3 Prozent, die ablehnen: Social-Media-Projekte werden vom Kunden nicht ausreichend vergütet.
Schön auch die Instrumente, die in Deutschland am beliebtesten sind: Auf die Frage, welche Social-Media-Plattformen nutzen Sie, kam die Antwort: Facebook (82 Prozent) Xing (82 Prozent), Twitter (64 Prozent), YouTube (57 Prozent) und Blogs (48 Prozent). Interessant finde ich das Abschneiden von YouTube. Alle reden davon, dass Bewegtbild die Zukunft gehört, doch nur etwas über die Hälfte nimmt daran teil. Gute Nacht liebe Agenturwelt.