Posts Tagged ‘Internet’

Immer mehr Fernsehgeräte surfen im Netz

4. Oktober 2019

31 Prozent der deutschsprachigen Haushalte zwischen 14 und 69 Jahren haben bereits einen Fernseher an das Internet angeschlossen. Das ist das Ergebnis der CONVERGENCE MONITOR 2019, einer von Kantar durchgeführten Gemeinschaftsstudie von ARD-Werbung SALES & SERVICES, Discovery und Mediengruppe RTL Deutschland.

So war Fernsehen früher – wer erinnert sich noch?

Ich vergleich es mal mit unserem Haushalt. Bei uns ist die Glotze auch ans Netz angeschlossen, aber im Grunde nutzen wir Apple TV als Plattform für Netflix und Amazon Prime Video. Eine Anime-Streaming-Plattform wird vom Smartphone aufs Apple TV gestreamt und von dort auf die Mattscheibe übertragen.

Die CONVERGENCE MONITOR-Studie sagt aus: Internetfähige Geräte sind zu einem noch größeren Anteil in deutschen Haushalten vorhanden als im Jahr 2018. Die Gerätelandschaft wird durch die Variation an onlinefähigen Geräten diversifizierter, der Fernseher ist aber nach wie vor mit Abstand das wichtigste Gerät für Bewegtbild. Der „Big Screen“ wird dabei zunehmend nicht mehr nur für lineares Fernsehen verwendet, sondern geht online. Bei uns zu Hause gibt es kaum noch lineares Fernsehen.

Für das laufende Jahr 2019 zeigt sich, dass auch in diesem Jahr der Fernseher die Gerätelandschaft in deutschen Haushalten dominiert. 95 Prozent der Haushalte sind mit mindestens einem Fernsehgerät ausgestattet. An zweiter Stelle rangiert das Smartphone, das in 88 Prozent aller Haushalte vorhanden ist. Ferner besitzen 84 Prozent der Haushalte einen Computer, wobei ein Trend vom stationären PC zum Laptop erkennbar ist. Auch das Tablet ist auf Wachstumskurs und nun in 41 Prozent aller Haushalte vertreten.

Während der Anteil der Onliner im Jahresvergleich stabil bleibt, zeigt sich eine veränderte Verteilung der Internetnutzung auf die verschiedenen Gerätetypen: Das Smartphone ist inzwischen das beliebteste Endgerät zur Internetnutzung mit zunehmender Bedeutung und setzt sich deutlich von PC oder Laptop ab. Das TV-Gerät entwickelt sich ebenfalls zunehmend zu einem beliebten Screen für Internetnutzung. Mittlerweile verfügen laut eigener Aussage 44 Prozent der Haushalte über ein Fernsehgerät, mit dem sie ins Internet gehen können. 31 Prozent der Smart TV-Geräte sind auch tatsächlich an das Internet angeschlossen.

Dauer von TV-Geräte

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Internetnutzungsdauer wider: 14- bis 69-Jährige nutzen Smart TV-Geräte für Internetangebote im Durchschnitt fast eine halbe Stunde pro Tag. Das ist mir allerdings völlig unverständlich, denn bei 30 Minuten schaffe ich nicht mal eine klassische Netflix-Folge. Da Zweifel ich noch mit der Studie.

Aber auch mit dem Smartphone surfen die 14- bis 69-Jährigen deutlich länger als noch vor einem Jahr: 109 Minuten sind die 14- bis 69-Jährigen mit ihren Smartphones online, das entspricht einem Plus von 20 Minuten pro Tag.

Ultra HD wächst langsam

Neben der Konvergenz zwischen Fernsehen und Internet gibt es noch eine weitere maßgebliche Entwicklung im deutschen Fernsehmarkt: Die Verbreitung von Ultra HD. 21 Prozent der deutschsprachigen Haushalte verfügen inzwischen über mindestens ein solches Ultra HD fähiges Fernsehgerät. 2018 waren es erst 13 Prozent. Bei uns gibt es bereits einige Ultra HD-Schreiben, aber (noch) kein Fernseher, dafür einen Beamer.

Vor 30 Jahren begann das Internet

12. März 2019

Heute wird das Internet 30 Jahre alt. Das Netz hat meine Welt verändert, radikal, alles auf den Kopf gestellt. Am 12. März 1989 schlug Tim Berners-Lee seinem Arbeitgeber CERN ein Projekt vor, das auf dem Prinzip des Hypertexts beruhte und den weltweiten Austausch sowie die Aktualisierung von Informationen zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte. Das Internet war geboren und der Rest ist Geschichte. 

Der erste Webserver lief auf einem Next Cube, ein Rechner von Steve Jobs, der für mich unbezahlbar war. Bei Wikipedia ist das Bild zu sehen, dass den Rechner zeigt. Nett ist der Aufkleber: „This Maschine is a Server.“ 

Der Startschuss - Foto:: Wikipeadia

Der Startschuss – Foto:: Wikipeadia

Das Internet ist eine Revolution, aber trotz des 30. Geburtstag ist es für einige noch Neuland. In meinem Seminaren vergleiche ich die Revolution des Internets mit der Revolution der Druckerpresse. Johannes Gutenberg schuf mit den beweglichen Lettern der Druckerpresse das modernste Massenmedium seiner Zeit. In seinem Leben druckte er 180 Bibeln, die zuvor mühsam in Klöstern von Mönchen in Handarbeit kopiert wurde. Martin Luther ließ seine Pamphlete auf der Druckerpresse drucken und verbreitete seine Thesen, weil er das modernste Massenmedium seiner Zeit wählte. Die Folge war die Reformation, die Kirchenspaltung und später die Aufklärung. Die Druckerpresse veränderte die Welt. Das Internet heute ist eine ebenso große und weitreichende Revolution wie die Druckerpresse. Tim Berners-Lee, heute Sir Tim Berners-Lee, ist für mich daher ein echter Held.  

Im Anfang stand das Wort ....

Im Anfang stand das Wort ….

Mein persönlicher Weg ins Netz

Wie begann das Internet bei mir? Ich hatte einen Akustikkoppler. Ich schob den Telefonhörer des Telefons meiner Eltern in den Akustikkoppler und der Provider meines Vertrauens brachte mich ins Netz. 9600 war meine erste Internet-Geschwindigkeit. Damals war ich Mitarbeiter des Münchner Merkurs in Fürstenfeldbruck und machte Screenshots von Vereinen, die bereits eine eigene Website im Internet hatten. Ich war der einzige in der Redaktion, der über diese technische Fähigkeit verfügte. In der Schillerstraße in München kaufte ich mir dann mein erstes richtiges Modem 28.800. Es hatte keine Zulassung der Deutschen Bundespost, die damals noch über die Netze wachte. Dann kam ein Modem mit 36.600 und ich war schon vorne mit dabei. Als ich später einen roten iMac DV mein Eigentum nannte, startete ich Highspeed mit dem integrierten 56 K-Modem durch. 

Blick ins Software-Archiv zu Zeiten des Browserkrieges.

Blick ins Software-Archiv zu Zeiten des Browserkrieges.

Die Provider meiner Jugend hießen Compuserve und als ich das erste Mal in den USA war, wählte ich mich bei AOL ein. Die erste Software kam noch auf Diskette, später klebten auf den Computerheften die CDs der Provider. Eine ganze Nation brach ins Netz auf. Boris Becker war in der AOL-Werbung schon drin. „Bin ich schon drin? Ich bin schon drin!“ Meine Zugangsdaten aus dieser Zeit habe ich noch immer. Mein Browser war Netscape und dann begann der große Browserkrieg, den der IE gewann. Aus Netscape wurde Firefox und heute surfe ich meist auf Safari. 

Mit meinem Kollegen Franz NeumeierFranz Neumeier mit dem ich heute noch beim BloggerclubBloggerclub zusammenarbeite, veranstalteten wir die ersten Internet-Seminare. Wir schulten junge Journalisten auf dem Weg ins Netz. Zudem betrieben wir eine Mailbox, die via Terminalprogramm zu bedienen war. Der zuständige Mailbox-Rechner stand bei Franz im Schlafzimmer und saugte Strom. Herrliche Zeiten waren das.

Dann kamen ISDN und DSL als Geschwindigkeiten. Erste zaghafte Anfänge dieses Zauberwortes Multimedia kamen uns in den Sinn. Texte, Fotos, Audio, Videos im Netz – was für ein genialer Gedanke. Es war eine Goldgräberstimmung. Ich versuchte mich an meinen ersten HMTL-Websites und meine Bibel war Stefan Münz SelftHTML. 

Noch als Zeitungsjournalist erkannte ich die Macht des Internets. Ich erahnte die Veränderungen, die dieses Internet mit sich bringen würde und stellte meine privaten und beruflichen Weichen. Das Netz wurde privat und beruflich für mich immer wichtiger. Aus Web 1.0 wurde das Web 2.0 und es verändert sich weiter.

Heute als Selbstständiger bei redaktion42 lebe ich vom Internet, ich halte Vorträge über das Internet, ich berate zum Thema Internet, schreibe Bücher zum Internet und arbeite unterwegs. Mobiles Internet hat mein Leben revolutioniert. Danke an Tim Berners-Lee für das Internet. Und wie verlief bei euch die Reise ins Web? 

Kommentar: digitale Spaltung wird vertieft

27. Juni 2017

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Und wieder wird gejammert. Fast sieben Stunden am Tag verbringen junge Erwachsene im Alter von 21 bis 30 Jahren im Internet. Ich habe eine Studie von Ernst & Young gelesen und ich werde den Verdacht nicht los, die Herrschaften haben es nicht verstanden, was da passiert. Übrigens bei mir läuft das Internet eigentlich immer. Schaltet ihr den Browser oder Mail oder soziale Netzwerke aus? Das mache ich nur, wenn ich hoch konzentriert an etwas arbeite oder mich auf Freunde, Musik oder einen Film konzentriere. Aber in der Regel unterscheide ich nicht in eine Welt mit und ohne Internet.
Die Studie erklärt, dass die junge Altersgruppe das Internet größtenteils über ihr Smartphone nutzt. Knapp drei Stunden sind sie über das Gerät online, vor allem in Messengerdiensten wie WhatsApp. Gut, dass mit WA halte ich für gefährlich, aber hauptsächlich aufgrund des Verlustes der digitalen Daten wie Adressbücher.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Jugendliche seien viereinhalb Mal so lange mit dem Handy online, wie die Altersgruppe 60 plus. Sagt mal, wundert ihr euch wirklich darüber? Deswegen fordert die Studie Politik und Unternehmen auf, einer – so wörtlich – „digitalen Spaltung“ entgegenzuwirken und bei der Entwicklung neuer Angebote, die Bedürfnisse der älteren Generation nicht zu vergessen.
Wenn ich solche Studien und vor allem die Empfehlung von Ernst & Young lese, hab ich Angst um die digitale Entwicklung dieses Landes. Immer wieder kommt da durch: Früher war alles besser. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass für diese Typen die digitale Entwicklung besser nicht voranschreiten sollte. Stillstand ist für sie der neue Fortschritt, ein bisschen wie der Heizer auf der E-Lok.
Studie um Studie: Der durchschnittliche Nutzer greift pro Woche 1.500 Mal zu seinem Smartphone, das heißt 214 Mal pro Tag, so eine Studie der britischen Marketing-Agentur Tecmark. Das Smartphone wird den PC als wichtigsten Zugang zum Internet bis 2021 ablösen. Das geht aus der aktuellen Ausgabe des CISCO VNI Forecast hervor. Der Desktop-Anteil wird beim IP-Internet-Traffics von heute über 40 Prozen in vier Jahren auf 25 Prozent fallen. Gleichzeitig wird der Smartphone-Anteil am weltweiten IP-Traffic auf 33 Prozent steigen. Mehr dazu im Blog meines Kollegen René Hesse.


Liebe Leute, macht einfach Platz für etwas neues. Macht Platz für Innovationen und Fortschritt. Das Smartphone ist kein Telefon. Wer glaubt, dass das iOS-, Android- oder Windows-Device ein Telefon zum Telefonieren ist, der irrt sich gewaltig. In meinem Seminaren in Schulen zur Medienkompetenz frage ich immer gerne die Schülerinnen und Schüler: Was macht ihr mit eurem Smartphone? Die Antworten lauten etwa so: Chatten, YouTube, Fotos, Videos, Musik hören, Spielen, Taschenrechner, Lesen, Einkaufen, Navigation und und und – irgendwann kommt auch Telefonieren. Wer glaubt, das Smartphone sei ein Telefon, der hat schon längst verloren. Smartphones haben heute so viele Funktionen übernommen, für die wir bisher mehrere verschiedene Geräte benötigten. Dennoch benötigt es klare Regeln im Umgang mit dem Smartphone. Medienkompetenz steht dabei im Vordergrund und nicht die Verteufelung eines Geräts.
Wir leben zu Beginn eines Post-PC-Zeitalters und das Smartphone ist im Moment für eine ganze Generation das Zentrum ihres digitalen Lebens geworden. Natürlich ergibt sich dadurch längere Nutzungszeiten.
Natürlich muss die digitale Spaltung überwunden werden. Aber durch solche Studien überwinden wir nicht, sondern der Graben wird immer tiefer. Wir sprechen nicht mehr miteinander, sondern übereinander. „Ihr mit eurem doofen Smartphone – ihr könnt ja gar nicht mehr anders“, höre ich in Seminaren immer wieder. Gegenseitiges Verständnis und ein klarer Blick für die Chancen der digitalen Zukunft ohne die Gefahren zu leugnen – das ist das Gebot der Stunde.

Houston, wir haben ein Problem,

Houston, wir haben ein Problem,

Internet wächst um das Vierfache: Langsam wird es eng im Netz

13. Juni 2012

Im Netz wird es ganz schön eng. So glaubt es zumindest Cisco in ihrer neuen Netzwerkstudie. Das Internet wächst innerhalb der nächsten vier Jahre um das Vierfache. Die Netzwerker sagen voraus, dass in Deutschland fünf internetfähige Endgeräte pro Kopf erwartet werden. Bis 2016 bedeutet dies eine Verdopplung der weltweit an das Internet angebundenen Geräte auf insgesamt fast 19 Milliarden

Für den Zeitraum von 2011 bis 2016 wird laut Cisco Visual Networking Index ein gigantischer Anstieg des IP-Datenverkehrs in allen öffentlichen und privaten Netzwerken erwartet – einschließlich Internet, verwalteter IP-Netzwerke und mobiler Datenverbindungen.

Der globale IP-Datenverkehr wird 2016 mit einem Volumen von 1,3 Zettabyte pro Jahr bzw. 110 Exabyte pro Monat den Wert von 31 Exabyte pro Monat im Jahr 2011 um das fast das Vierfache übersteigen. Ein Zettabyte entspricht einer Trilliarde Byte bzw. einer Billion Gigabyte. Für den globalen IP-Datenverkehr wird allein für den Zeitraum von 2015 bis 2016 ein Anstieg von mehr als 330 Exabyte erwartet. Dies entspricht bereits fast dem Gesamtvolumen des globalen IP-Datenverkehrs im Jahr 2011 (369 Exabyte).

Im Jahr 2016 wird in Deutschland der Datenverkehr 68 Exabyte (EB) betragen, im Vergleich zu 19 EB im vergangenen Jahr. Der mobile Datenverkehr wird hierzulande von 2011 bis 2016 um das 21-fache von monatlich 18 auf 394 Petabyte (PB) steigen. Damit wächst er dreimal so schnell wie der Traffic über feste Leitungen. Der Anteil der Video-Übertragungen erhöht sich von 44 auf 63 Prozent. Während in Deutschland 2011 jeder Einwohner über drei internetfähige Geräte verfügte, werden es 2016 bereits fünf sein. Dann wird er monatlich 73 GB über IP-Netze übertragen. Die durchschnittliche High-Speed-Anbindung in Deutschland erhöht sich von 13 auf 49 Mbit/s.

Der durchschnittliche globale IP-Datenverkehr wird im Jahr 2016 voraussichtlich 150 Petabyte pro Stunde erreichen. Dies ist gleichzusetzen mit dem Kapazitätsbedarf von 278 Millionen Internetnutzern, die gleichzeitig einen HD-Film bei einer mittleren Geschwindigkeit von 1,2 Mbit/s streamen.

Cisco führt diese beachtliche Zunahme des Datenverkehrs und der Nutzung von IT-Services auf eine Reihe von Faktoren zurück. Dazu gehören:

Immer mehr internetfähige Geräte im Einsatz: Die zunehmende Nutzung von Tablets, Mobiltelefonen und anderen intelligenten Geräten sowie Machine-to-Machine (M2M)-Verbindungen erhöhen den Bedarf an Netzwerkbandbreite. Bis 2016 werden fast 18,9 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein – im Vergleich zu 10,3 Milliarden Netzwerkverbindungen im Jahr 2011.  Internetfähige Fernsehgeräte werden mehr als 6 Prozent des weltweiten privaten Internetdatenverkehrs (nach 4 Prozent im Jahr 2011) sowie 18 Prozent des Videodatenverkehrs (nach 7 Prozent im Jahr 2011) ausmachen. Dies zeigt auch, dass der Internetzugriff über TV-Geräte in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen wird.

Größere Zahl von Internetnutzern: Für das Jahr 2016 geht die Studie von 3,4 Milliarden Internetnutzern aus. Dies entspricht etwa 45 Prozent der nach Schätzungen der Vereinten Nationen zu erwartenden Weltbevölkerung.

Schnellere Breitbandverbindungen: Die durchschnittliche Übertragungsgeschwindigkeit von kabelgebundenen Breitbandverbindungen wird sich von 9 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Jahr 2011 auf 34 Mbit/s im Jahr 2016 erhöhen. Dies entspricht einer Erhöhung um das Vierfache.

Videonutzung durch Privatnutzer größter Wachstumstreiber: Bis 2016 wird die Anzahl der weltweiten Benutzer von Internet-Videoservices von 792 Millionen im Jahr 2011 auf 1,5 Milliarden ansteigen.

Zunahme bei der Nutzung von Videoservices: Bis 2016 werden jede Sekunde 1,2 Millionen Minuten an Videoinhalten – dies entspricht einer Abspielzeit von 833 Tagen bzw. mehr als zwei Jahren  – die globalen Datenautobahnen durchlaufen.

Erweiterung der WiFi-Infrastruktur:  Bis zum Jahr 2016 entfällt mehr als die Hälfte des weltweiten Internetdatenverkehrs auf Wi-Fi-Verbindungen.

Buchkritik: Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. von Alexander Fuchs

22. April 2012

Ich bin ja ein Freund von deutlichen Worten, aber bei der Lektüre des Buches Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. von Alexander Fuchs blieb mir erst einmal die Spucke weg. Der 23jährige Autor gibt ein klares Plädoyer pro Netz ab und positioniert sich gegen die Offliner. Gefangene werden nicht gemacht. Die Sprache ist klar, eindeutig, provozierend. Nerd Fuchs hat wahrscheinlich schon so viele Kämpfe hinter sich, so viele Diskussionen, so viele Anfeindungen, dass es ihm jetzt reicht. Fuchs feuert aus allen Rohren. Für ihn besteht die Welt nicht aus Grautönen, sondern sie ist entweder klar schwarz oder weiß. Er hat keine Geduld mit den Offlinern mehr, die seine Netzwelt zerstören, die Freiheit determinieren und einschränken wollen. Und er findet mit diesem Buch genügend Anhänger.

Seine Thesen für seine Netzkinder, seine Leserschaft formuliert er radikal, vielleicht nicht immer sprachlich geschliffen, aber eindeutig und – verdammt nochmal – er hat in vielen Dingen schlicht und einfach recht. In vielen seiner Thesen spricht er mir aus dem Herzen. Hut ab vor soviel Chuzpe. Endlich sagt es mal einer diesen Offlinern.

Wer von den angegriffenen Offlinern den Mut hat, sollte dieses Buch lesen, aber Bedenken, es hat ein junger Wilder geschrieben. In zwei, drei Stunden hat der Leser das Buch durch. Wenn der lesende Offliner keinen Herzanfall bekommen oder seinen Rechtsanwalt wegen Nötigung angerufen hat, dann erfährt er etwas aus erster Hand, wie eine Generation tickt. Und wir reden nicht mehr von der Generation C64, die heute um die 40 ist und den Aufstieg des Webs erlebt hat. Wir erfahren von den Sorgen und Nöten einer Generation von Mitte 20, für die das Netz allgegenwärtig ist. Sie sind im Netz aufgewachsen und kennen es nicht anders. Wenn es ein Problem gibt, führen Google und Co zur Antwort. Für diese Generation ist das Netz nicht ein abstrakter, virtueller Raum in den man sich begibt, sondern es ist Alltag.

Auch Videogames gehören zum Leben des Nerds dazu. Fuchs rechnet ab mit den Vorwurf der Killerspiele in Form von Counter-Strike. Alles Terroristen und Mörder, die diese Spiele spielen. Und er rechnet ab mit den Medien ab, die krampfhaft die alten Denkstrukturen  bewahren und ihre Netzberichterstattung mit Trojaner, Facebookpartys und Abzocke anreichern. Ja, auch diese Medien gehören zu den Offlinern. Und wenn sich die Medien nicht ändern, verlieren sie weiter den Einfluss auf diese Generation (und sie verlieren Auflage).

Natürlich ist das Buch absolut subjektiv geschrieben. Es handelt von Alexander Fuchs und seiner Sicht auf die Welt. Hier werden die Offliner einhaken und dem Autoren Fuchs vorwerfen, dass seine Erlebnisse von LAN-Partys, Bewerbungsgesprächen und IT-Sicherheit durch Noobies und Dummschwätzern nicht zu verallgemeinern sind. Doch, sie viele sind es – leider. In vielen meiner Seminaren mit Offlinern kommen die Gedanken, Vorurteile in der ein oder anderen Form immer wieder an den Tag. Meine Erfahrungen mit der Welt der Offlinern sind ähnlich, allerdings rege ich mich nicht mehr so darüber auf wie Alexander Fuchs. Wenn Offliner etwas nicht verstehen, dann reagieren sie mit Angst und Unsicherheit, dann machen sie sich über das Unbekannte lächerlich und werden unsachlich.  Wie oft höre ich, dass es die Welt nicht interessiert, was ich zu Mittag essen und darüber twittere. Alexander Fuchs hat recht. Bleibt doch in eurer Offline-Welt und übertragt nicht euer Denkmodell auf andere. Diesen Bedenkenträgern aus der Politik und Gesellschaft hält Fuchs einen Spiegel vor. Für meinen Geschmack macht er allerdings den Fehler, die Offliner in eine Ecke zu stellen und sich zum Teil über sie lustig zu machen, anstatt nur seine Thesen zu erhärten. Aber dies liegt wahrscheinlich daran, dass Fuchs jahrelang im Umgang mit den Offlinern frustriert wurde.

Ich habe die drei Stunden Lektüre des Buches Netzkinder gegen Offliner – Danke, Internet. genossen, nicht die Sprache, aber die Thesen. Und ich empfehle das Buch allen On- und Offlinern, die über den Tellerrand sehen oder sich einfach mal wieder richtig ärgern wollen.

Welcher Medientyp bin ich? Digitale Gesellschaft in Deutschland

30. Mai 2010

Welcher Medientyp bin ich eigentlich? Diese Frage stelle ich mir, wenn ich die neue Studie der Initiative D21 lese. „Digitale Gesellschaft sechs Nutzertypen“. So eine Einordnung liebe ich, denn Schubladendenken macht das Leben einfacher. Dennoch: Zwar sind laut (N)ONLINER Atlas 2009 knapp 70 Prozent der Deutschen online, aber für nur 26 Prozent der Bevölkerung sind die digitalen Medien fester Bestandteil des täglichen Lebens. Dass aber eine große Mehrheit der Deutschen nicht an den durch die digitalen Techniken eröffnenden Möglichkeiten partizipiert, zeigt erstmals die Studie.

Und wer die Studie genau anschaut, stellt fest: Die Gesellschaft spaltet sich auf. Nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Digital und Anlag. Wir steuern nicht nur auf eine Spaltung der Gesellschaft hin, nein – die Spaltung ist bereits vorhanden. Bestes Beispiel ist der Hype um das iPad. Während ein Teil der Gesellschaft in Entzücken gerät (ich eingeschlossen), schüttelt der andere Teil der Gesellschaft mit dem Kopf.

Die Typologie zeigt auf, dass mit 35 Prozent digitalen Außenseitern und 30 Prozent Gelegenheitsnutzern eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung entweder gar nicht oder nur bedingt an einer digitalen Gesellschaft teilhat. Ich glaube, dass wird ein erheblicher Standortnachteil dieses Landes, wenn die Spaltung tiefer wird.

Diese neue Digitale Spaltung zieht sich nicht mehr ausschließlich entlang einer Ausstattungsgrenze, sondern definiert sich im Hinblick auf Kompetenz, Wissen, Nutzungsvielfalt und -intensität sowie der Einstellung gegenüber den digitalen Medien. Auf dieser Basis lässt sich durch die Typologie der Deutschen ein exaktes Bild der digitalisierten Gesellschaft in Deutschland wiedergeben. Sechs Gruppen konnten dabei identifiziert werden.

35 % Die digitalen Außenseiter

30 % Die Gelegenheitsnutzer

9 % Der Berufsnutzer

11 % Die Trendnutzer

12 % Die digitalen Profis

3 % Die Digitale Avantgarde

Und in welcher Gruppe bin nun ich? Die Gruppen im Einzelnen:

Die digitalen Außenseiter (35 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung)

Die digitalen Außenseiter sind die größte und gleichzeitig mit einem Durchschnittsalter von 62,4 Jahren die älteste Gruppe. Im Vergleich zu den anderen Typen haben sie das geringste digitale Potenzial, die geringste Computer- und Internetnutzung sowie die negativste Einstellung gegenüber digitalen Themen. Nur ein Viertel verfügt bei der digitalen Infrastruktur über eine Basisausstattung (Computer und Drucker). Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien sind folglich kaum vorhanden. Selbst Begriffe wie E-Mail, Betriebssystem oder Homepage sind den digitalen Außenseitern weitgehend unbekannt und nur ein Fünftel der digitalen Außenseiter ist in der Lage, sich im Internet zu Recht zu finden.

Die Gelegenheitsnutzer (30 Prozent)

Die Gelegenheitsnutzer sind durchschnittlich 41,9 Jahre alt. Sie nehmen im Vergleich zu den digitalen Außenseitern zumindest teilweise am Geschehen in der digitalen Gesellschaft teil. 98 Prozent besitzen einen PC oder ein Notebook, drei Viertel bereits eine Digitalkamera. Passend dazu verbringen nahezu alle Gelegenheitsnutzer Zeit mit Computer und Internet – vor allem für private Zwecke. Der Gelegenheitsnutzer kennt bereits viele Basisbegriffe der digitalen Welt, hat aber besonders beim Thema Sicherheit großen Nachholbedarf. Insgesamt erkennt dieser Typ klar die Vorteile des Internets, fördert aber nicht seine Weiterentwicklung und bevorzugt eher klassische Medien.

Der Berufsnutzer (Neun Prozent)

Durchschnittlich 42,2 Jahre alt, hat diese Gruppe den höchsten Anteil an Berufstätigen. Im Vergleich zu den Gelegenheitsnutzern haben die Berufsnutzer eine deutlich bessere digitale Infrastruktur an ihrem Arbeitsplatz und nutzen dementsprechend auch dort überdurchschnittlich das Internet. Hingegen ist die private Nutzung sogar leicht unter dem Niveau der Gelegenheitsnutzer. Die Nutzungsvielfalt der Berufsnutzer beschränkt sich eher auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung.

Die Trendnutzer (Elf Prozent)

Diese Gruppe hat sowohl den höchsten Männer- (78 Prozent) als auch Schüleranteil (13 Prozent). Das Durchschnittsalter der Trendnutzer ist mit 35,9 Jahren recht jung. Bei den Trendnutzern ist häufig die ganze Bandbreite an digitalen Geräten vorhanden. Der Trend geht dabei klar zum Zweitcomputer. Die Mitglieder dieser Gruppe verfügen über umfassende Kompetenzen am Computer und kennen sich bis auf wenige Ausnahmen bestens in der digitalen Welt aus. Die Trendnutzer wenden besonders gerne Web 2.0-Applikationen an und erkennen die großen Vorteile der digitalen Medien für sich.

Die digitalen Profis (12 Prozent)

Der durchschnittliche digitale Profi ist 36,1 Jahre alt, meist männlich und berufstätig. Dieser Typus verfügt sowohl Zuhause als auch im Büro über eine sehr gute digitale Infrastruktur. Seine Kompetenzen sind umfangreich, was sich insbesondere in ihren professionellen Fähigkeiten widerspiegelt. Ob Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation, der digitale Profi fühlt sich auch auf diesem komplexen Terrain zuhause.

Eher selten suchen die digitalen Profis im Vergleich zu den Trendnutzern und der digitalen Avantgarde Zerstreuung in der digitalen Welt oder nutzen diese zur Selbstdarstellung. Bei der Nutzungsvielfalt stehen daher nützliche Anwendungen, wie z.B. Online Shopping, Preisrecherche und Nachrichten lesen, im Vordergrund.

Die Digitale Avantgarde (Drei Prozent)

Die jüngste Gruppe (Durchschnittsalter 30,5 Jahren) ist gleichzeitig mit drei Prozent auch die kleinste Gruppe. Die digitale Avantgarde hat dabei ein eher geringes Einkommen und lebt oft in einem Singlehaushalt. Ihre digitale Infrastruktur lässt kaum Wünsche offen. Auffällig hoch sind dabei die mobile und geschäftliche Internetnutzung.

In allen Bereichen verfügt die digitale Avantgarde über sehr hohe Kompetenzen und bildet bei den komplexen digitalen Themen die Spitze der Gesellschaft. Ihr Wissensstand um die digitale Welt ist dagegen nicht ganz so ausgeprägt wie bei den digitalen Profis. Mehr durch „trial and error“ statt das Lesen von Anleitungen eignet sich der digitale Avantgarde seine Kompetenzen an. Von den digitalen Medien lässt diese Gruppe kaum ab: Durchschnittlich elf Stunden verbringen sie täglich vor dem Computer. Neben der Arbeit ist daher auch das Freizeitverhalten oft von den digitalen Medien bestimmt.

Urlaub in Südtirol (1/10): Zwei Wochen ohne Internet

24. August 2009

Panorama über Südtirol

˙Der Entzug kam heftig, brutal und gnadenlos. Meine Frau wollte den Urlaub ihrer Jugend wiederholten und hat zwei Wochen Burgeis in Südtirol gebucht. Sie schwärmte von wundervollen Wanderwegen, hohen Bergen, schneeverhangenen Gipfeln und Gaumengenüssen. „Es ist wie in meiner Jugend“, warb sie und wir zogen auch in die Pension ihrer Jugendurlaube ein. Allerdings: Kein Internet, kein WLAN. Diese Erkenntnis traf mich hart und unvermittelt. Im ganzen Haus kein Zugang zum weltweiten Datennetz. Damit kein Twitter, keine Mails, kein Blogging, kein Skype oder AIM – die moderne Welt ist hier nicht angekommen. Ich konnte es nicht fassen: Die Abende verbrachte ich damit, durch die Ortschaft zu irren. Das iPhone in der Hand und den WLAN-Detektor aktiviert, der alle zehn Sekunden einen neuen Scan durchführt. Doch das hätte ich mir sparen können. Der Ort ist WLAN-freie Zone. Es gibt nix, nix, nix. Ich bin voll auf Cold Digital Turky.

Doch auch meine Frau traf der Entzug, obwohl sie es nicht zugeben würde. Sie sammelte im Urlaub alle möglichen gedruckten Touri-Informationen über Wanderwege, Ausflugsziele und Routen. Bisher hatte sie diese Infos aus dem Netz gezogen, doch hier ist eben Fehlanzeige. Datenroaming war uns natürlich zu teuer. Meine Frau ist Schwäbin und ich bin von Natur aus geizig. Ich gestehe hiermit vor der Öffentlichkeit: Ich betrat zum ersten Mal in meinem Leben eine Touristeninformation.

Normalerweise sollte ich am Ende dieses Blogeintrags sagen: Die zwei Wochen Urlaub ohne Internet haben mir nichts ausgemacht. Ich habe mich nach ein, zwei Tagen an ein Leben ohne Internet gewöhnt. Aber ich bin ein Lügner.

Gelbe Seiten am Ende

6. April 2009

post

Am Samstag beim Einkaufen ist mir wieder bewusst geworden, in welcher Zeit des Umbruchs wir uns befinden. In einem Einkaufszentrum meines Vertrauens lag nehmen dem Eingang ein großer Stapel Bücher zum Mitnehmen: Gelbe Seiten und das Örtliche. Früher wäre ich auf jeden Fall hingestürzt und hätte mir mein persönliche Exemplar geholt. Es gab auch eine Aufforderungskarte von der Deutschen Bundespost (ja ja so hieß die Post damals) mit der Bitte, sein Telefonbuch bei der örtlichen gelben Filiale abzuholen.

Und heute? Ich bekomme keine Postkarte mehr, ich gehe auch nicht mehr zur Post um mein Telefonbuch abzuholen und ich brauche auch keine Gelben Seiten mehr. Die Bücher auf dem Stapel des Einkaufszentrums bleiben liegen. Das Internet hat diese Medien für mich komplett ersetzt. Google macht es besser. Verlage, die diese Art von Bücher herausgeben, haben ein Problem. Mir hat ein Verleger dieser Bücher einmal gesagt: „Das Internet ist der natürliche Feind von uns!“ Recht hat er gehabt, gelernt daraus hat er nichts.